Der September 2024 war abwechslungsreich von hochsommerlich heiß bis herbstlich kühl und brachte trockene Phasen und ergiebigen Regen
Fotos von Annette Mokross
„Insgesamt gab es bei Temperatur, Sonnenschein und Niederschlag eine überdurchschnittliche Bilanz“ – dieses Fazit aus dem August- und Sommerrückblick gilt auch einen Monat später für den ersten meteorologischen Herbstmonat. Der September 2024 brachte der Region erneut ein jeweils deutliches Plus bei allen wichtigen Parametern gegenüber den langjährigen Mittelwerten und präsentierte sich dennoch sehr abwechslungsreich. Neben einem rekordwarmen hochsommerlichen Beginn gab es auch frühherbstlich kühle Phasen und eine klassische Spätsommerlage mit nebligem Tagesbeginn und angenehmer Wärme am Nachmittag. Und trotz der hohen Monatssummen war es kein völlig verregneter Monat, da es an mindestens der Hälfte der Tage trocken blieb. Dafür hatten es aber die Wetterwechsel von Hochdruck zu Tiefdruck am Ende der ersten Dekade und die Zeit nach dem astronomischen Herbstbeginn in Sachen Niederschläge in sich – allein in den letzten sieben Tagen pladderte fast ein volles Monatsmittel vom Himmel. Die Sonne zeigte sich vor allem zu Beginn häufig und auch im zunehmend wechselhaften Verlauf blieben längere trübe Phasen die Ausnahme.
Mit einer Mitteltemperatur von 16,03 °C war der September 2024 an der DWD-Station in Bevern um 1,8 K wärmer als im Mittel der Jahre 1991-2020, was einem Plus von 2,3 K gegenüber der älteren Klimanorm von 1961-1990 entspricht. Die erste Woche erzielte ein neues Rekordniveau für diese Zeit und lag mit einer durchschnittlichen Tagestemperatur von 22,3 °C sogar noch über dem wärmsten bisher je im Kreis gemessenen Monat, dem Juli 2006. Eine markante Umstellung zum Ende der ersten Dekade sorgte jedoch dafür, dass die Dinge nicht völlig aus dem Ruder liefen und sich das Wetter der Jahreszeit anpasste, wozu im September auch schon mal herbstlich kühle Phasen gehören wie in der ersten Hälfte der zweiten Dekade sowie am Monatsende. Die niedrigsten Werte in Bevern wurden am 29. mit einem Minimum von 4,0 °C in zwei Metern Höhe und 1,9 °C über dem Erdboden gemessen und die Höchstwerte schafften es an den letzten drei Tagen nicht mehr über 15 Grad. Somit blieb der aktuelle September in der Gesamtbilanz ein ganzes Stück unter dem neuen Rekord aus dem Vorjahr, gleichwohl ist der außergewöhnlich warme Beginn mit einem Maximum von 31,6 °C, zwei heißen und acht Sommertagen sowie einem mittleren Höchstwert von 28,5 °C in der ersten Woche eine weitere deutlich lesbare Visitenkarte des Klimawandels.

An der Wetterstation in Silberborn schloss der September mit glatt 14,0 °C ab – gut 1,6 K über dem Mittel von 1991-2020 und fast 2,2 K über dem Schnitt von 1961-1990. Vier Sommertage mit bis zu 28,2 °C kennzeichneten hier die sehr warme erste Woche. Über die Grenzen der Region hinaus machte das Wetter im Hochsolling aber nach dem deutlichen Temperaturrückgang einige Tage später auf sich aufmerksam, als der am frühen Morgen des 12. gemessene Tiefstwert von 2,0 °C in zwei Metern Höhe von nur sehr wenigen, allesamt deutlich höher gelegenen Stationen in ganz Deutschland noch unterboten wurde. In Niedersachsen war es nur am fast 1.000 m hoch gelegenen Wurmberg bei Braunlage noch ein paar Zehntel kälter. Damit schaffte es die Silberborner Station am Abend sogar ins Hallo-Niedersachsen-Wetter im NDR Fernsehen um kurz vor 20 Uhr. Mit 0,0 °C in 5 cm Höhe wurde schließlich am 29. der erste Bodenfrost denkbar knapp verfehlt.

Die Analyse der Großwetterlagen über Europa zeigt zunächst eine Südostlage, die uns den Hochsommernachschlag zu Herbstbeginn bescherte und die über weite Strecken des Sommers dort liegende heiße Luft nach Mitteleuropa transportierte. Zum Ende der ersten Dekade vollzog sich eine Umstellung auf eine herbstliche Nordlage (Trog Mitteleuropa, TrM) mit deutlichem Temperaturrückgang, begleitet von kräftigen Regenfällen. Anschließend beruhigte sich das Wetter bei uns wieder, während der Kaltluftvorstoß ins sehr warme Mittelmeer über dem Golf von Genua ein Unwettertief hervorrief, das u.a. in Teilen Österreichs, Tschechiens und Polens für extremes Hochwasser sorgte und in der Folge die Pegel von Oder und Elbe stark anschwellen ließ. Vor Ort blieben die fast zwei Wochen vom Beginn der zweiten Dekade bis zum Start der letzten Woche nahezu trocken und bescherten uns nach Monatsmitte einige Tage Altweibersommer mit Nebel am Morgen in Wesernähe, der sich teils bis in den Vormittag halten konnte, sowie spätsommerlichen Nachmittagen mit seinem warmen Licht unter der zunehmend tiefer stehenden Sonne. Das hierfür verantwortliche Hoch über Skandinavien verlor mit dem Beginn des astronomischen Herbstes am 22. seinen Einfluss auf unser Wetter, das nun wieder unter der Regie von Tiefs vom Atlantik gestaltet und damit deutlich nasser wurde. Der erneute Temperaturrückgang vollzog sich in zwei Etappen – zunächst blieb es noch recht mild mit Wind aus Südwest bis Süd, das Monatsende präsentierte sich mit auf Nordwest drehender Höhenströmung kühl.

Die Niederschläge erreichten vor allem am 25.09. sehr hohe Tageswerte von 25-30 mm und an allen Stationen im Kreis gab es mehrere Tage mit zweistelligen Mengen. Die Monatssummen lagen verbreitet um die 100 mm und damit je nach Standort zwischen 20 und mehr als 60% über den langjährigen Mittelwerten. Erstmals seit über 15 Jahren schlossen damit zwölf Monate am Stück mindestens auf und meist deutlich über dem Durchschnitt ab, jedenfalls gab es seit September 2023 keinen trockenen Monat mehr. Die 12-Monats-Summen seit Oktober 2023 liegen mit meist etwas über 1.100 mm an den niedrigen Standorten und bis zu 1.415 mm an der niederschlagsreichsten Station in Silberborn so hoch wie seit 2007 nicht mehr.
Im Einzelnen meldeten die Automaten und ehrenamtlichen Beobachter und Beobachterinnen folgende Monatswerte: Am meisten fiel in Hellental mit 112 mm, gefolgt von Hehlen mit 105, Holzminden mit 103 sowie Silberborn und Ottenstein mit je 101 mm. Bevern scheiterte mit 99,7 mm hauchdünn an der 100er-Marke, Vorwohle kam auf 96, Lüchtringen auf 94 und „Schlusslicht“ Polle auf 90 mm.
Die Sonne schien zwar deutlich weniger als im vergangenen September, der mit fast 230 Stunden der zweitsonnigste seit Messbeginn war, übertraf mit gut 176 Stunden den langjährigen Mittelwert aber um 32 Stunden bzw. 22%. Abseits der nebelanfälligen wesernahen Orte dürften die Werte noch etwas höher gelegen haben, wie ein Blick über den Köterberg ins Lippische zeigt, wo die DWD-Station in Lügde-Paenbruch 183 Stunden registrierte.

Der Wind war im Mittel meist mit Stärke 2-3 unterwegs, die Böen erreichten meist Beaufort 4-6, in Spitzen je nach Standort auch 7-8. Ein erster echter Herbststurm, in den Wettermodellen vorübergehend für den 27.09. berechnet, blieb also noch aus. Das könnte sich im Oktober ändern, zumal die in dieser Saison stark ausgeprägten Tropenstürme auf ihrem Weg über den Atlantik durchaus als noch sehr veritables Sturmtief auf das europäische Festland treffen könnten.












