Goldener Oktober vergeblich gesucht

Der Oktober 2020 war mild, nass und sehr trüb

Nach den vielen sehr sonnigen Monaten von März bis September dominierte im zweiten meteorologischen Herbstmonat oft starke bis geschlossene Bewölkung und sorgte trotz der zunehmenden Laubeinfärbung dafür, dass der Oktober 2020 wohl als vorwiegend grau in Erinnerung bleibt. Vom sprichwörtlich goldenen Oktober war kaum einmal etwas zu sehen, man musste schon Glück haben, einen der wenigen längeren freundlichen Abschnitte zu erwischen. Auch das zweite klassische Wetterbild des Herbstes in den Niederungen des Wesertals – von zähem Bodennebel geprägte Vormittage oder gar ganze Tage im Nebel – blieb nahezu vollständig aus. Für Fotografen gab es also eher wenig zu holen in diesem Monat, dafür bekam die Natur endlich größere Mengen des dringend benötigten Regens. Wie schon im Vorjahr fiel der Oktober ungewöhnlich niederschlagsreich aus, allerdings hatte es vor einem Jahr dazu sogar leicht überdurchschnittlich viel Sonnenschein gegeben, während in diesem Jahr nur etwas mehr als die Hälfte der langjährigen Mittelwerte erreicht wurde. Bei den Temperaturen gab es trotz einer kühlen zweiten Dekade unterm Strich ein recht deutliches Plus.

Mit einer Mitteltemperatur von 11,15 °C war der Oktober 2020 an der DWD-Station in Bevern um 1,44 Grad wärmer als im Mittel der Jahre 1981-2010. Damit war er der zwölftwärmste seit Beginn der Aufzeichnungen im Jahr 1934. In den letzten vier Jahren landete der Oktober bei mindestens 10,6 °C, erst zum zweiten Mal nach 1966-1969 gab es viermal in Folge eine zweistellige Mitteltemperatur. Die Jahre 2011-2020 markieren zudem den wärmsten Zehnjahresdurchschnitt im Oktober. Dennoch fällt die langfristige Erwärmung in keinem anderen Monat so gering aus: Das neue 30-Jahres-Mittel von 1991-2020 liegt mit 9,91 °C nur um 0,4 K über dem der Periode 1961-1990. Ähnlich verhalten ist die Entwicklung lediglich noch im September.

Bei den Temperaturen lässt sich der Oktober 2020 grob in drei Abschnitte einteilen, die in etwa auch den Monatsdekaden entsprechen: Auf eine warme, zu Beginn sogar sehr warme erste mit nochmals 20 °C am Feiertag zur Deutschen Einheit folgte eine kühle zweite und schließlich eine sehr milde dritte. An der positiven Temperaturabweichung waren diesmal die Tiefstwerte überproportional beteiligt, während die durchschnittliche Höchsttemperatur ein geringeres Plus aufwies. Die Ursache dafür liegt im vorwiegenden Tiefdruckeinfluss, bei dem die vielen Wolken einen stärkeren Anstieg der Tagestemperaturen ebenso verhinderten wie eine deutlichere nächtliche Auskühlung. Letztes wird auch durch einen Blick auf die sogenannten Kenntage untermauert: In Bevern wurde im Oktober weder Luft- noch Bodenfrost gemessen.

Frostfrei blieb es auch gut 300 m höher in Silberborn. Der tiefste Wert an der DTN-Unwetterreferenzstation im Kurgarten lag am 13.10. mit 1,2 °C noch recht deutlich über dem Gefrierpunkt. Insgesamt war der Oktober auch im Hochsolling recht mild, die Mitteltemperatur lag mit 8,9 °C allerdings nur um 0,9 K über dem dortigen Klimawert der Jahre 1981-2010. Die Beobachtung, dass die positiven Abweichungen zum Durchschnittswert in den höheren Lagen in diesem Monat geringer ausfielen als in den Niederungen, lässt sich für das gesamte Bundesgebiet feststellen. Am wärmsten war es auch in Silberborn am Feiertag am 3.10. mit einem Maximum von 18,2 °C.  Das neue 30-Jahresmittel für die Jahre 1991-2020 liegt dort bei 8,1 °, damit fällt die Erwärmung des Oktobers in den letzten 30 Jahren im Hochsolling noch ein Stück schwächer aus als im Wesertal und beträgt nur gut 0,2 K.

Während der September noch deutlich zu trocken ausgefallen war, regnete es im Oktober häufig an insgesamt 24 Niederschlagstagen und zeitweise auch ergiebig. Höhepunkt waren zwei Regenbänder, die die Region am 22. und 23.10. überquerten und dabei Mengen von bis zu gut 30 mm innerhalb von nur 27 Stunden hinterließen, zeitweise in starken Schauern, die am Abend des 22. sogar von Blitz und Donner begleitet wurden.

Die Niederschlagssummen der Region lagen nicht nur deutlich über den langjährigen Mittelwerten, sie konnten auch das Defizit des Septembers mehr als ausgleichen, zumindest statistisch. In der Natur funktioniert diese Rechnung allerdings nicht: Trockenheit in der Vegetationsphase im Sommer-halbjahr kann nicht einfach durch überdurchschnittliche Regenmengen im Winterhalbjahr kompensiert werden, wie die letzten Jahre eindrucksvoll gezeigt haben. Dennoch trug der Oktoberregen natürlich ein Stück zur Entspannung in den Wäldern bei und spielt auch für das Grundwasser eine wichtige Rolle.

In Zahlen liest sich die Bilanz an den Messstellen der Region so: Bevern erreichte mit 94,3 mm rund 45% mehr als im Mittel der Jahre 1981-2010, Lüchtringen meldete 86,5 mm, in Ottenstein waren es 91,7 mm und in Hehlen 82,6 mm. Am wenigsten fiel in Polle mit 75,0 mm, im Osten und Südosten des Kreises war es deutlich mehr: Vorwohle kam auf 109,0 mm und Hellental sogar auf 123,2 mm. Ähnlich hoch war die Monatssumme in Silberborn mit 125 mm bei einem allerdings auch höheren Klimawert von 90,3 mm für die Jahre 1981-2010.

Für die Jahre 1991-2020 lässt sich am Standort Silberborn leider kein zuverlässiges neues Klimamittel beim Niederschlag bestimmen, die Unterbrechung der Messungen zwischen 2008 und 2016 wiegt dafür zu schwer. Anders als bei der Temperatur oder beim Sonnenschein sind Umrechnungen von Messwerten anderer Standorte beim Parameter Niederschlag angesichts der komplexen Topographie des Sollings kaum geeignet, zumal wenn es sich auch noch um eine Höhenlage handelt, die von den Umgebungsstationen nicht annähernd abgebildet wird. Somit lässt sich anhand der 21 Messjahre und der Gebietsmittelwerte aus den Jahren der Messlücke nur ein Näherungswert von ca. 89 mm ableiten.

Zwar gab es im Wesertal nach der Beendigung der Messungen in Holzminden Ende Juli 1991 eine noch längere Unterbrechung der Zeitreihe bis zur Inbetriebnahme der Klimastation in Bevern im Juli 2006, für den Niederschlag liegen aber mit Stahle (bis 2000), Negenborn (bis 1997) und Lüchtringen (bis heute) genügend Ersatzstationen auf vergleichbarer Höhenlage für eine Berechnung vor. Demnach liegt das neue 30-Jahresmittel für Bevern und Holzminden im Oktober bei 68,3 mm – ein deutlicher Zuwachs von gut 18 mm oder 36% gegenüber dem Durchschnitt von 1961-1990.  

Kaum Bewegung gibt es dagegen bei der Entwicklung der Sonnenscheindauer. Seit 1951 wird dieser Parameter flächendeckend gemessen und egal, welchen langjährigen Zeitraum man auch nimmt – für unsere Region landet man bei den 30-Jahres-Mitteln immer bei etwas unter 100 Stunden. Die Spannbreite liegt dabei zwischen 177 Stunden im Jahr 1951 und ganzen 36 im Jahr 1974. Der aktuelle Oktober sortiert sich mit seinen 51 Stunden weit unten ein, zusammen mit 2016 auf dem drittletzten Platz. Nach 1974 war es nur 1998 mit 47 Stunden noch trüber.

Somit nimmt der Oktober – übrigens nicht nur lokal, sondern auch im bundesweiten Gebietsmittel – bei der klimatischen Entwicklung der vergangenen 30 Jahre eine Sonderstellung ein: Er ist der Monat mit der schwächsten Erwärmung, dem stärksten Niederschlagszuwachs und der bisher einzige, der keine Zunahme beim Sonnenschein aufweist, sondern sogar einen – wenn auch sehr leichten – Rückgang. Ein solcher dürfte sich bei der Sonnenscheindauer aber wohl auch im November einstellen, zumindest regional – es sei denn, der goldene Herbst findet in diesem Jahr mit etwas Verspätung doch noch statt.

Spätsommer im November

Neuer Temperaturrekord an der DWD-Station in Bevern

Neue Monatsrekorde bei den Temperaturen gab es am gestrigen Montag – sowohl verbreitet deutschlandweit als auch regional im Oberwesertal. Mit einer Höchsttemperatur von 21,0 °C wurde es an der Station in Bevern so warm wie noch nie zuvor seit Aufzeichnungsbeginn in einem November und auch die sommertaugliche Tagesmitteltemperatur von 17,7 °C markierte einen neuen Rekord für den dritten meteorologischen Herbstmonat.

Und das kam so: Ex-Hurricane „Zeta“ schaufelte auf seiner Vorderseite einen Schwall subtropischer Luftmassen aus Südwesten nach Mitteleuropa. Im breiten Warmsektor des Tiefs herrschte zudem eine gute Durchmischung, so dass sich die ungewöhnlich warme Luft bis zum Boden durchsetzen konnte und dort durch zumindest zeitweise Sonneneinstrahlung weiter erwärmt wurde. Bis zum frühen Nachmittag stiegen die Werte an der DWD-Station in Bevern auf 21,0 °C und damit in zu dieser Jahreszeit noch nie dagewesene Höhen.

Der bisherige Novemberrekord von 20,6 °C, zugleich der bisher einzige „Zwanziger“ im November seit Beginn der lokalen Wetteraufzeichnungen, wurde vor 52 Jahren am 1. November 1968 an der früheren Holzmindener Station „Über dem Gerichte“ gemessen. Der bislang zweithöchste Novemberwert stammte vom aktuellen Stationsstandort in Bevern und wurde dort am 07.11.2015 mit 19,2 °C registriert. Von diesem Tag stammte auch der bisherige Tagesmittelwert-Rekord für November von 16,3 °C, der gestern um satte 1,4 K übertroffen wurde.

Vor fünf Jahren präsentierte sich übrigens der gesamte Monat in Rekordlaune und wurde der wärmste November seit Aufzeichnungsbeginn. Davon werden wir Stand heute aber wohl ein ganzes Stück entfernt bleiben in diesem Jahr, denn hinter dem Warmsektor des Tiefs hat uns mittlerweile dessen Kaltfront überquert und die Temperaturen wieder zurückgehen lassen. Ab Mittwoch liegen die Höchstwerte unter Hochdruckeinfluss bei der Jahreszeit angemessenen rund zehn Grad und auch nachts wird es deutlich frischer mit möglichem Bodenfrost. Zwar erreicht uns zum Wochenende wohl erneut höhenwarme Luft, diese wird sich aber anders als gestern nicht mehr bis zum Boden durchsetzen können.

Keinen neuen Rekord gab es hingegen im Hochsolling – zumindest bei der Höchsttemperatur: Gemessen wurden gestern Nachmittag 17,7 °C an der DTN-Station im Kurgarten und damit 0,7 K weniger als am 09.11.1983 an der damaligen DWD-Station, so dass die 18,4 °C von damals weiterhin Bestand als höchstes November-Maximum haben. Dieser Wert entstand bei einer anderen Großwetterlage, bei der die Wärme in den höheren Schichten ähnlich ausgeprägt war wie an diesem Montag, während weiter unten im Wesertal unter einer typischen Herbstinversion zunächst zäher Nebel herrschte. Mehr als 14,7 Grad waren damals in Holzminden nicht drin, weiter südlich im Oberwesertal in Lippoldsberg wurden sogar nur 8,9 °C gemessen – gestern auch dort hingegen über 20 Grad. Das zeigt das komplexe Mikroklima des Oberwesertals und seiner angrenzenden Mittelgebirge. Bei der Tagesmitteltemperatur gab es aufgrund der Bewölkung und der nur geringen nächtlichen Auskühlung auch in Silberborn einen deutlichen neuen Rekord: Mit 14,7 °C wurde der alte Top-Wert vom 03.11.2005 um fast 2 K übertroffen. Hier gilt es allerdings zu berücksichtigen, dass am Standort Silberborn erst ab 1983 gemessen wird und zwischen 2008 und 2016 eine Messlücke besteht.

Der deutschlandweite Höchstwert gestern wurde mit 24,0 °C an der DWD-Station in Bad Dürkheim an der Weinstraße gemessen, dicht gefolgt vom unweit entfernt gelegenen Worms mit 23,9 °C. Während es in verschiedenen Bundesländern wie Rheinland-Pfalz und Hessen neue Monatsrekorde gab, blieb der bundesweite Höchstwert in einem November unangetastet: Er liegt bei sommerlichen 25,9 °C und wurde am 06.11.1997 im oberbayerischen Rosenheim gemessen.

Zweikampf zwischen Sommer und Herbst

Rückblick auf den September 2020

Bekanntlich ticken die meteorologischen Jahreszeiten etwas anders als die astronomischen: Während nach der Definition der Wetter- und Klimawissenschaft am 1. September bereits der Herbst Einzug gehalten hat, gewährt der Kalender dem Sommer noch eine dreiwöchige Nachspielzeit – und zumindest ein Teil davon fiel tatsächlich ausgesprochen sommerlich aus. Zur Monatsmitte kletterten die Temperaturen in den tieferen Lagen der Region sogar für drei Tage über die 30-Grad-Marke. Ein leicht unterdurchschnittlich temperiertes erstes Monatsdrittel sowie eine markante Abkühlung im Laufe der letzten Woche sorgten dafür, dass die Monatsmitteltemperatur nicht wesentlich über den langjährigen Mittelwerten landete. Klarer fiel die Bilanz bei Niederschlag und Sonnenschein aus: Es war landkreisweit deutlich zu trocken und außergewöhnlich sonnig.

Mit einer Mitteltemperatur von 14,65 °C war der September 2020 an der DWD-Station in Bevern um 0,7 Kelvin wärmer als im Durchschnitt der Jahre 1981-2010. Gegenüber dem ab dem kommenden Jahr gültigen 30-Jahres-Mittel ab 1991 betrug die Abweichung noch 0,45 K. Auch in diesem Jahr zeigte sich wieder, dass hohe positive Temperaturanomalien im September im Vergleich zu vielen anderen Monaten nur vereinzelt vorkommen und selbst ein ungewöhnlich warmer Witterungsabschnitt, wie wir ihn mit dem Höhepunkt der kleinen Hitzewelle zur Monatsmitte erlebt haben, in der Monatsmitteltemperatur kaum wiederzufinden ist. Anschaulich formuliert befand sich diese knapp zweiwöchige, sommerlich bis hochsommerlich anmutende Phase in einem „Sandwich“, umgeben von einer frühherbstlichen ersten Dekade und einer weitgehend vollherbstlichen letzten Pentade.  

Wie ordnet sich dieser Monat in die lokale Klimareihe ab 1934 sowie in die Phase der globalen Erwärmung seit Herbst 1987 ein? Schaut man auf die vergangenen 30 Jahre zurück, so fällt auf, dass die große Mehrzahl der September in einem recht engen Korridor um den langjährigen Durchschnittswert pendelt – bei allerdings drei markanten Ausreißern nach oben: 1999, 2006 und 2016 mit 17,4 bis 17,5 Grad Monatstemperatur. Statistiker sprechen in solchen Fällen von einer rechtsschiefen Verteilung, der Median (der mittlere Wert der betrachteten Zahlenreihe, wenn man diese nach ihrer Größe sortiert) liegt unter dem arithmetischen Mittelwert, der gerade bei einer geringe Stichprobe anfällig ist für Verzerrungen aufgrund einzelner extremer Ausreißer. Allerdings sind solche schiefen Verteilungen gerade beim Wetter nicht ungewöhnlich, in den Wintermonaten ist häufig der umgekehrte Effekt zu beobachten: wenige sehr kalte Exemplare drücken den Mittel- oder Durchschnittswert unter den Median. Für den September bleibt festzuhalten, dass es auf der anderen Seite der Verteilung an sehr kühlen Exemplaren in den letzten 30 Jahren nahezu fehlt – sieht man vielleicht einmal von 1996 ab, wobei jenes Jahr in der Zeit nach 1987 insgesamt eine kalte Einzelstellung einnimmt.

Gerade beim September lohnt aber auch der Blick noch weiter zurück in die unmittelbare Nachkriegszeit, genauer: ins Jahr 1947. Schon der meteorologische Sommer damals war außergewöhnlich heiß ausgefallen und belegte bis 2003 den Spitzenplatz seit Aufzeichnungsbeginn – doch auch der zum Herbst zählende September schrieb Wetter- und Klimageschichte mit der verbreitet längsten und intensivsten Hitzewelle in einem September überhaupt. Leider liegen aus jenem Jahr keine Messungen aus dem Oberwesertal vor, in der erweiterten Umgebung wurden zwischen dem 12. und 20.09. aber sechs heiße Tage über der 30-Grad-Marke registriert und sogar einer an der fast 500 m hoch gelegenen Station an der Revierförsterei Torfhaus.  Weiter gen Süden und Osten der Republik waren es sogar bis zu zehn heiße Tage am Stück während der gesamten zweiten Dekade – wohlgemerkt in einem September in einer deutlich weniger warmen Klimaphase.

Doch auch die drei heißen Tage zur Monatsmitte in diesem Jahr stellen trotz der Erwärmung der letzten Jahrzehnte immer noch ein außergewöhnliches Ereignis dar: Selbst im aktuellsten Klimadurchschnitt seit 1991 liegt die mittlere Anzahl heißer Tage im September bei nur 0,4 – und drei davon am Stück gab es seit Tageswerte vor Ort vorliegen (1951) lediglich einmal vor vier Jahren. 2016 lag der absolute Höchstwert mit 32,8 °C noch ein Stück höher, dennoch reichte es in diesem Jahr am 15. und 16.09. für zwei neue Tagesrekorde der Klimareihe Holzminden/Bevern.

Nicht mehr heiß, aber ebenfalls ungewöhnlich warm verlief die sonnige Hochdruckphase im Hochsolling. An der Station in Silberborn wurden zur Monatsmitte noch einmal drei Sommertage mit bis zu 27,3 °C gemessen. Die Monatsmitteltemperatur lag mit 13,0 °C um 1,0 Kelvin über dem dortigen Klimamittel der Jahre 1981-2010. Die etwas höhere positive Abweichung gegenüber Bevern lag an den nur wenig tieferen Minima, die im Schnitt trotz der um 320 Meter höheren Stationslage nur ein halbes Grad niedriger lagen, in manchen Nächten kühlte es im Wesertal sogar stärker ab als im Solling. Bei den Höchstwerten hingegen war es in Bevern im Schnitt um 3,5 K wärmer als in Silberborn (21,7 zu 18,2 °C).

Auch 1947 gab es übrigens einen markanten Absturz in der dritten Dekade, und so erging es auch dem aktuellen September. Nach der Hitze zur Monatsmitte kam es zwar schon zu einer ersten deutlichen Abkühlung um über 12 K binnen eines Tages, diese war allerdings nicht von Bestand: Nach Durchzug der Kaltfront wurde rasch neue Warmluft herangeführt, die großräumige Strömung drehte von vorübergehend Nord auf Südost und später Südwest, so dass sich weitere sechs Tage mit Höchstwerten zwischen 22 und fast 27 Grad anschlossen. Erst das Übergreifen eines kräftigen Tiefs von Westen im Laufe des 24.09. beendete die spätsommerliche Witterung nachhaltig und brachte zumindest für einen Tag den dringend benötigten Landregen mit.

Doch dieser eine verregnete Tag am 26. mit verbreitet etwas über 20 mm in 24 Stunden konnte nicht verhindern, dass der September deutlich zu trocken ausfiel. An nur elf Tagen fiel messbarer Niederschlag, davon nur fünfmal mehr als ein Millimeter – so lauten die Zahlen aus Bevern, aber an den anderen Stationen der Region sah es kaum anders aus. Die Summe von 45,0 mm lag in Bevern rund 38% unter dem langjährigen Mittel von 1981-2010. Noch trockener war es in Silberborn, wo nur 42,7 mm gemessen wurden – bei einem deutlich höheren Klimawert von 98 mm, der um über 55% verfehlt wurde. Die weiteren Monatssummen: Lüchtringen 36,7 mm, Polle 40,6 mm, Ottenstein 43,4 mm, Hehlen 45,3 mm, Vorwohle 42,1 mm, Hellental 42,7 mm. Anders als im Sommer gab es im September kaum Unterschiede zwischen den Stationsstandorten, so dass es in der Fläche deutlich zu trocken war. Zwischenzeitlich hatte sich der Pegel der Weser sogar den Rekordtiefstständen aus dem Jahr 1959 angenähert, wie vor zwei Jahren gab das Flussbett zunehmend die Hungersteine frei, obwohl es in diesem Sommerhalbjahr insgesamt deutlich mehr regnete als 2018. Doch der fast trocken gefallene Ederstausee konnte schon längere Zeit kein Wasser mehr abgeben, was den Pegel weiter fallen ließ.

Alles andere als defizitär fiel die Sonnenscheinbilanz aus. Mit fast 202 Stunden lag sie um gut 50% über dem langjährigen Durchschnitt und damit so hoch wie seit 2006 nicht mehr in einem September. Allein die 12 Tage zwischen dem 11. und 22.09. brachten mit 10,6 Stunden im täglichen Durchschnitt fast ein ganzes Monatsmittel der Jahre 1981-2010 zusammen. Damit war der September in diesem Jahr sogar in absoluten Zahlen sonniger als Juli und August – trotz der fortschreitenden Jahreszeit. Berücksichtigt man die Ausschöpfung der jeweiligen astronomisch möglichen Sonnenscheindauer der einzelnen Monate, landet der September in diesem Jahr sogar auf Platz zwei hinter dem April. Auffällig in der kurzfristigen Betrachtung ist, dass es bereits der dritte sehr sonnige September in den letzten fünf Jahren war. Und bereits vor dem Schlussquartal steht fest, dass das Jahr 2020 als überdurchschnittlich sonniges Jahr abschließen wird, da selbst das Jahresmittel der jüngsten und sonnenscheinreichsten 30-Jahres-Phase ab 1991 schon per 30.09. um 70 Stunden übertroffen ist.

Heiße Septembermitte

Noch ein Stück höher als zunächst erwartet klettterten die Temperaturen in der ersten Wochenhälfte im Oberwesertal. An der DWD-Station in Bevern wurden an drei Tagen in Folge mindestens 31 Grad gemessen, damit gab es erst zum zweiten Mal in der Geschichte der Klimareihe (Tageswerte seit 1951) für Holzminden und Bevern drei heiße Tage im ersten Herbstmonat – und die traten wie schon 2016 am Stück auf. Für den 15. und 16. gab es neue Tagesrekorde. Vor vier Jahren hatte der Spitzenwert mit 32,8 °C sogar noch ein ganzes Stück höher gelegen als in dieser Woche. Dennoch bleibt eine solche kleine Hitzewelle (die das Kriterium nach Kysely erfüllte und damit die zweie Welle nach der langen im August in diesem Jahr war) zumindest derzeit noch ein außergewöhnliches Ereignis um diese Jahreszeit. Nach einer Revision der Daten von 1999 (damals wurde nicht direkt vor Ort gemessen, so dass nur interpolierte Schätzwerte vorliegen) ist relativ sicher davon auszugehen, dass es damals höchstens für zwei heiße Tage vor Ort gereicht haben dürfte.

Mit der über Nacht eingeflosseneren deutlich kühleren Luftmasse hat die Septemberhitze aber wie vorhergesagt an diesem Donnerstag ihr Ende gefunden, heute und an den kommenden Tagen werden die Höchstwerte bei weiterhin viel Sonnenschein deutlich niedriger liegen als zuletzt. Heute dürfte spätestens bei 20 Grad Schluss sein, das wären 11 K weniger als noch gestern, bevor es danach wieder langsam aufwärts geht und am Wochenende Werte bis 23 Grad drin sind. Anfang nächster Woche könnte es sogar noch einmal sommerlich warm werden, bevor sich der Spätsommer nach aktuellem Stand dann im Laufe der Woche zurückzieht und dem Herbst Platz macht.

Höchstwerte der letzten Tage, DWD-Station Bevern:
14.09. 31,0 °C
15.09. 31,2°C
16.09. 31,3 °C

Vergleich 2016:
12.09. 31,9 °C
13.09. 32,8°C
14.09. 31,1 °C

Doch Hitze allein ist nicht alles, wenn es um einen sehr warmen September geht: Der Rekordhalter von 2006 (17,48 °C und damit wärmer als ein durchschnittlicher Juli der Klimaperiode 1961-1990) kam ohne einen heißen Tag aus, während der aktuelle September am Ende kaum unter den wärmsten zu finden sein dürfte. Sollte die – natürlich noch unsichere – Prognose einer kühlen letzten Pentade eintreffen, dürfte die Monatsmitteltemperatur bei 15 Grad oder knapp darunter landen, das wäre dann: Ein Mittelfeldplatz.

Sommercomeback ante portas

Bisher verlief der September alles andere als außergewöhnlich, weder bei Temperaturen noch bei Niederschlag und Sonnenschein gab es in der ersten Dekade nennenswerte Abweichungen von den langjährigen Mittelwerten. Mit 14,7 °C war es etwas kälter als im Durchschnitt der Jahre ab 1991, gegenüber der älteren Peridoe 1961-1990 gab es hingegen keinerlei Differenz. Mit 19,0 mm fiel an der DWD-Station in Bevern geringfügig weniger Regen als das statistisch zu erwartende runde Drittel der mittleren Monatssumme und die Sonne zeigte sich mit gut 44 Stunden ebenfalls etwas zurückhaltender als im Schnitt. Die Höchstwerte der ersten zehn Tage lagen meist in einem recht engen Korrdidor zwischen 17,5 und 22,4 °C – nur der Mittwoch bewegte sich mit 24,0 °C ein Stück näher Richtung meteorologischer Sommertag, der zuletzt vor fast drei Wochen am 22.08. erreicht worden war.

Auch heute bleibt es noch bei Höchstwerte etwas über der 20-Grad-Marke, doch in den kommenden Tagen dreht der Spätsommer dann kräftig auf: Bis Sonntag steigen die Werte zunächst auf bis zu 25 Grad an, in der ersten Hälfte der kommenden Woche sind dann sogar Maxima bis 29 Grad zu erwarten, vielleicht wird auch noch einmal die Schwelle zum heißen Tag überschritten. In der zweiten Wochenhälfte dürfte diese kräftige Mittseptemberwärme aber ihr Ende finden, nach derzeitigem Stand wird ab Donnerstag wieder das aktuelle Niveau von etwa 22 Grad erreicht, bevor es evtl. von Nordosten weiter abkühlt und die Höchstwerte ab dem Wochenende unter 20 Grad bleiben.

Dazu wird meist die Sonne scheinen, bis Wochenmitte sind erst einmal kaum Wolken zu erwarten und auch die Nebelneigung dürfte noch gering bleiben. Die nachfolgende Abkühlung dürfte nach aktuellem Stand zwar etwas mehr Wolken bringen, Regen ist aber mal wieder kaum zu erwarten. Auch die anschließende nicht mehr so warme Witterungsperiode dürfte meist hochdruckgeprägt und eher freundlich verlaufen.

Trotz des Trends zu einer kühleren Phase ab etwa Wochenfrist lässt sich bereits jetzt festhalten, dass die zweite Monatsdekade sehr warm, sonnig und trocken verlaufen wird und in der dritten Dekade die Entscheidung fällt, ob der erste meteorologische Herbstmonat nur etwas oder sogar deutlich überdurchschnittlich warm ausfallen wird. Ein „zu kühler“ Monat zumindest unter dem langjährigen älteren Klimawert von 1961-1990 (13,75 °C) scheint jedenfalls heute schon nahezu ausgeschlossen.

Sommerlich warme Phasen im September sind weder eine Seltenheit noch treten sie zuverlässig auf – gerade in den letzten Jahren waren die Schwankungen diesbezüglich sehr groß. Während 2016 noch satte 14 und 2018 immerhin elf meteorologische Sommertage gezählt wurden, waren es im vergangenen Jahr nur zwei und in den Jahren 2015 und 2017 erreichte kein Tag mehr die 25-Grad-Marke. Die langjährigen Mittelwerte sind von 2,2 Sommertagen im Zeitraum 1961-1990 auf 4,0 seit 1991 angestiegen, insofern liegen die derzeit zu erwartenden vier von Sonntag bis Mittwoch erst einmal im Rahmen des Üblichen. Ein heißer Tag wäre allerdings immer noch eine Seltenheit im September im Oberwesertal, jedenfalls was den 30-Jahres-Schnitt angeht, der sich zwar in den letzten 30 Jahren vervierfacht hat – allerdings nur von 0,1 auf 0,4. Heiße Tage sind nun also etwas weniger selten als zuvor, wobei vor allem 2016 und 1999 mit je drei zum Anstieg beigetragen haben, 2006 waren es zwei, in manchen Jahren wie 2018 einer, aber die Mehrzahl der September ist auch im aktuellen Klima noch hitzefrei geblieben.

Viel Durchschnittskost und eine Woche Hitze

Achtwärmster Sommer seit Aufzeichnungsbeginn bei ausgeglichener Regen- und Sonnenscheinbilanz

Nach zwei sehr sonnigen, trockenen und heißen Vorgängern bewegte sich der Sommer 2020 in allen drei Kategorien deutlich näher an den langjährigen Mittelwerten der letzten 30 Jahre. Vor allem bei Niederschlagsumme und Sonnenscheindauer wurden nur sehr geringe Abweichungen beobachtet, während es bei der Temperatur vor allem aufgrund der markanten Hitzewelle in der ersten Augusthälfte noch für den achtwärmsten Sommer seit Messbeginn 1934 reichte, die sehr hohen Werte von 2018 und 2019 aber deutlich verfehlt wurden.

Mit einer Mitteltemperatur von 18,46 °C war es im Sommer 2020 an der DWD-Station in Bevern um 1,14 Kelvin wärmer als im Durchschnitt der Jahre 1981-2010. Noch klarer zeigt sich die Entwicklung, wenn man die internationalen 30-Jahres-Referenzperioden miteinander vergleicht: War es im Mittel der Sommer 1961-1990 noch 16,5 °C warm, sind es 30 Jahre später bereits 17,8 °C – und selbst dieser Wert wurde im Sommer 2020 um 0,65 K übertroffen. Betrachtet man innerhalb der neuen Klimanorm von 1991-2020 die erste und zweite Hälfte getrennt, findet sich zuletzt sogar ein Anstieg auf eine Mitteltemperatur von 18,1 °C.  

Mit einem aufschlussreichen Blick über den regionalen Tellerrand hinaus ergibt sich folgendes Bild: Ein Durchschnittssommer der letzten 15 Jahre im Oberwesertal liegt exakt auf dem Temperaturniveau der Klimanorm vor 30 Jahren im deutlich wärmeren Frankfurt am Main, was auch das Diagramm auf dieser Seite veranschaulicht. Der Vergleich mit der Rhein-Main-Metropole fördert noch mehr bemerkenswerte Zahlen zutage: Im aktuellen 30-Jahres-Mittel gibt es in unserer Region ebenso viele meteorologische Sommertage mit einer Höchsttemperatur von mindestens 25 °C zwischen dem 1. Juni und 31. August wie in Frankfurt vor 30 Jahren – 34 Stück. Und bei den heißen Tagen ab 30 Grad sind es in diesem Quervergleich sogar mehr (9,5 zu 8,3). Zumindest was die Temperaturen im Sommer angeht, hat sich das damalige Klima aus einer der wärmsten Regionen Deutschlands in den letzten 30 Jahren bis zu uns vorgearbeitet.

Natürlich ist es auch im Rhein-Main-Gebiet wärmer geworden, dort liegt der aktuelle 30-Jahresschnitt im Sommer bei fast 19,7 °C und in den letzten Jahren ging es sogar regelmäßig über die 20-Grad-Marke, die bei uns noch nicht erreicht wurde, auch wenn ihr die Sommer 2003 und 2018 sehr nahe kamen. Doch obwohl der aktuelle Sommer bis auf die Augusthitze unauffällig blieb und bei den heißen Tagen mit acht sogar leicht unterdurchschnittlich, wurden erstmals drei Sommer in Folge mit über 18 °C Mitteltemperatur an der Station Bevern registriert. Die jüngsten sechs waren alle mindestens 17,95 °C warm – eine solche Serie hat es zuvor nicht annähernd gegeben: Von 1934 bis 2001 brauchte es noch 68 Jahre, um sechs solch warmer Sommer zu zählen, von denen nie mehrere aufeinander folgten.

Deutlich moderater fielen die Sommertemperaturen im Solling aus. An der Station in Silberborn, die seit Mitte Juni auch über einen Windmesser in 10 m Höhe über Grund an einem separat aufgestellten Mast verfügt, betrug die Mitteltemperatur 16,1 °C und es wurden nur zwei heiße sowie 16 Sommertage gezählt. Doch natürlich müssen diese Werte im Kontext der Höhenlage und des daraus resultierenden kühleren Klimas betrachtet werden, entscheidend sind auch hier die Abweichungen zu den langjährigen Mittelwerten vor Ort. Und da fällt die Erwärmung der letzten 30 Jahre genauso deutlich aus wie in den Niederungen: Ein Durchschnittssommer der Jahre 1961-1990 erreichte in Silberborn noch 14,3 °C, von 1991-2020 waren es schon 15,6 °C – der Zuwachs beträgt im Hochsolling also ebenso wie im Oberwesertal 1,3 Kelvin. Oben wie unten war in diesem Sommer der August der mit Abstand wärmste Monat und der Juli der kühlste, wobei der Unterschied in Silberborn noch etwas deutlicher ausfiel.

Hitze in Verbindung mit sehr viel Sonnenschein und zeitweise extremer Trockenheit – diese Mixtur hatte die Wälder in den letzten beiden Sommern stark in Mitleidenschaft gezogen, vor allem die im Solling weit verbreitete Fichte, die sich an die rasche Erwärmung nicht anpassen kann und der zudem noch der Borkenkäfer massiv zugesetzt hat – aber auch Laubbäume wie die Buche mussten vermehrt kapitulieren. Diesbezüglich war zumindest etwas Durchatmen im Sommer 2020 angesagt, denn nicht nur die geringere Anzahl an heißen Tagen, sondern auch die höhere Niederschlagssumme bei weniger Sonnenschein sorgten für ein Stück Entlastung in der Natur. Dennoch bleibt die Lage angespannt, denn für eine nachhaltigere Erholung hätte es schon einen Sommer der Kategorie kühl, trüb und verregnet gebraucht, wie sie zuletzt vor 40 Jahren gehäuft aufgetreten sind. Vorausgegangen war zudem ein rekordsonniges Frühjahr in diesem Jahr – letztlich bleibt die Erkenntnis, dass die Ansprüche unserer Natur an „gutes Wetter“ mittlerweile ganz andere sind als die der meisten von uns Menschen.

Doch zurück zu Zahlen und Fakten zum Thema Regen und Sonnenschein. Die Niederschlagssumme an der Station in Bevern lag in den drei Sommermonaten bei 231,9 mm (zu den Besonderheiten der August-Messwerte siehe Hitze, Gewitter und ein Tornado) und damit geringfügig über den Mittelwerten von 1981-2010 und 1991-2020 sowie exakt im Mittel der älteren Klimanorm von 1961-1990. Wie schon für den August gilt auch für den Gesamtsommer: Bevern hat mehr Regen abbekommen als die meisten anderen Stationen der Region. Vergleichbar viel wie Bevern meldete Lüchtringen mit 233,0 mm, in Hellental waren es 212,9 mm, allerdings herrscht dort auf 270 m Höhe am Rand des Sollings schon wieder ein deutlich feuchteres Klima, das es zu berücksichtigen gilt. Genaue Zahlen vor Ort liegen aber dazu noch nicht vor, denn in Hellental wird erst seit knapp zwei Jahren gemessen.

Deutlich länger ist die Messreihe in Silberborn, wenn auch leider von Oktober 2008 an für gut acht Jahre unterbrochen. An der im November 2016 im Kurgarten in Betrieb genommenen Station misst Ehrenbürgermeister Wolfgang Peter nach wie vor jeden Tag den gefallenen Niederschlag per Hand- und Augenablesung und notierte für den diesjährigen Sommer 255,3 mm – das ist zwar der höchste Wert der Region, aber auch hier sind die maßgeblichen Vergleichsgrößen die langjährigen Klimawerte vor Ort, und die wurden bezogen auf die Jahre 1981-2010 um rund 25 mm oder 9% verfehlt.

Im Nordkreis fiel weniger Regen: In Hehlen waren es an der im Juni 2018 in Betrieb genommenen Station 182,6 mm, in Ottenstein 173,5 mm und in Eimen-Vorwohle 190,7 mm. Und bei der nächsten Auswertung kommt noch eine weitere Messstelle des DWD im Kreis hinzu, die bisher ein wenig ein Schattendasein fristete:  In Polle, genauer auf dem Wilmeröder Berg, wird nun doch weiter gemessen und seit 1. August auch tagesaktuell über das Internet gemeldet. Bisher und letztmals im Juli waren dort die Werte noch auf Papierbögen erfasst und dann nach Offenbach zum DWD gesendet worden, wo die Eingabe in die Datenbanken erfolgte. Dieses zeitaufwändige Verfahren ist nun Geschichte, allerdings fehlen noch die Juli-Werte, so dass für den Sommer 2020 derzeit noch keine Jahreszeitensumme vorliegt.

Bleibt der Blick auf die Sonnenscheindauer: Sie lag mit glatt 600 Stunden zwar deutlich unter dem Niveau der beiden letzten Sommer, aber immer noch etwas höher als im langjährigen Mittel. Gegenüber den Jahren 1961-1990 schien die Sonne immerhin fast 60 Stunden länger, im Vergleich zum Durchschnitt der Zwischenperiode 1981-2010 lag das Plus bei 25 Stunden und das jüngste Mittel der letzten 30 Jahre wurde noch um hauchdünne zwei Stunden übertroffen. Und in dieser Kategorie reicht unsere Region auch mit 30 Jahren Verzögerung nicht an das eingangs erwähnte Rhein-Main-Gebiet heran: In Frankfurt lag das Mittel bereits von 1961-1990 bei 638 Stunden und ist seither auf 686 Stunden angestiegen.

Hitze, Gewitter und ein Tornado

Mehrere Extremwetterereignisse prägten den zweitwärmsten August seit Messbeginn im Oberwesertal

Nachdem der Sommer 2020 sein Werk gut zwei Monate lang recht unauffällig und typisch mitteleuropäisch wechselhaft verrichtet hatte, wendete sich das Blatt im Laufe der ersten Augustwoche: Eine ungewöhnlich lange Hitzewelle hatte weite Teile des Landes fest im Griff und sorgte für eine Reihe von Tagen mit Höchstwerten zwischen 30 und fast 36 Grad in der Region. Mit zunehmender Feuchte stieg die Wärmebelastung zusätzlich an, einzelne lokal begrenzte Schauer und Gewitter brachten kaum Erfrischung. Nach Monatsmitte wurde es schrittweise kühler, der bis dahin aufgebaute Temperaturüberschuss sorgte aber trotz eines leicht unterdurchschnittlichen Monatsendes für den zweitwärmsten August seit Aufzeichnungsbeginn. Höhepunkt der teils extremen Witterung im dritten Sommermonat war ein Tornado am Mittag des 17.08., der nordöstlich der Kreisstadt beobachtet wurde.

Mit einer Mitteltemperatur von 20,30 °C war der August 2020 an der DWD-Station in Bevern um 2,6 Kelvin wärmer als im Durchschnitt der Jahre 1981-2010 und der zweitwärmste seit Messbeginn 1934. Erst vor zwei Jahren hatte sich der August 2018 hinter dem Spitzenreiter 2003 auf den zweiten Platz geschoben – und musste diesen nun bereits wieder abgeben. Die Erwärmung im Zuge des Klimawandels schreitet derzeit in den Sommermonaten forciert voran, in der jüngsten Vergangenheit trifft dies besonders auf den August zu, der in den letzten zehn Jahren sogar den Juli als wärmsten Monat des Jahres abgelöst hat. Vergleicht man die Durchschnittswerte der Klimaperiode von 1961-1990 mit dem ab dem kommenden Jahr gültigen Referenzmittel der Jahre 1991-2020, so hat sich der August in den letzten 30 Jahren um fast 1,5 K erwärmt. Das ist zusammen mit dem Juli und nach dem April der zweitstärkste Anstieg aller zwölf Monate.

Nach einem sehr warmen Start mit Höchstwerten von knapp unter 30 Grad ging es erst einmal wieder abwärts. Mit mehreren Tagen leicht unter der 25-Grad-Marke setzte der Sommer 2020, für den diverse Medien und Meteorologen einmal mehr den Begriff vom „Schaukelsommer“ bemühten, seinen eingeschlagenen Weg der moderaten Wärme fast ohne Hitze aus den Vormonaten zunächst weiter fort – bis sich zu Beginn der zweiten Pentade das Hoch „Detlef“ von Westen kommend über Nordosteuropa festsetzte und eine Brücke zum Subtropenhoch auf dem Ostatlantik bildete. Die damit einfließende Luftmasse subtropischen Ursprungs erreichte in ca. 1.500 Metern Höhe Temperaturen von bis zu 18 Grad über unserer Region, was in Zusammenhang mit ungehinderter Sonneneinstrahlung und begünstigt durch die trockenen Böden zu Höchstwerten von bis zu fast 36 Grad führte, wobei die Luft zunächst noch trocken und die Nächte sogar noch vergleichsweise frisch blieben. Doch wie so oft bei heißen Sommerwetterlagen schummelte sich im Laufe des Wochenendes eine flache Tiefdruckrinne von Frankreich her nach Deutschland und führte deutlich feuchtere Luft in den Süden und die Mitte. Die Folgen bei uns: Die Hitze schwächte sich zwar mit zunehmender Bewölkung etwas ab, aufgrund der deutlich höheren Feuchte mit Taupunkten von bis zu 20 Grad stieg die Wärmebelastung aber sogar noch an.

In dieser feuchten, instabil geschichteten Luft konnten sich immer wieder einzelne, meist lokal eng begrenzte Schauer und Gewitter entwickeln, oft blieb es aber auch bei kurzem Donnergrollen. Dort, wo kräftiger Regen niederging, brachte dieser aber kaum Erleichterung, denn bis auf die temporäre Verdunstungskälte während der Niederschläge gab es keine Abkühlung, da mit den Schauern kein Luftmassenwechsel verbunden war, wie es bei an Kaltfronten geknüpften Gewittern der Fall ist. Vielmehr breitete sich das Gefühl einer riesigen Waschküche im Freien aus.

Insgesamt dauerte die Serie der heißen Tage mit mindestens 30 Grad Höchsttemperatur genau eine Woche lang an, nach der gängigen Definition des tschechischen Meteorologen Jan Kysely für die Analyse von Hitzewellen in Mitteleuropa waren es sogar zwölf Tage vom 5.-16.08. und damit eine der längsten Hitzewellen in der Region seit Beginn der Messungen. Wobei wie immer für den Begriff „Region“ gilt, dass die in Bevern gewonnenen Messwerte nur für die Tieflagen des Wesertals repräsentativ sind und es in den höheren Lagen ein Stück kühler oder weniger heiß wird. Das bestätigt auch der Blick auf die Messungen im Silberborner Kurgarten, wo nur zwei Hitzetage registriert wurden. Gleichwohl war es auch dort ein ungewöhnlich warmer August, der sich in der Hochsolling-Klimareihe als drittwärmster hinter 2003 und 1997 einsortiert. Mit einer Mitteltemperatur von 18,1 °C wurde das Klimamittel der Jahre 1981-2010 um 2,4 K übertroffen. Bei den wärmsten Nächten hatte Silberborn sogar die Nase vorn: Gleich zweimal sank das nächtliche Minimum nicht unter 20 Grad, am 21. wurde es sogar nicht kälter als 21,3 °C. In dieser Nacht reichte es auch am Standort Bevern mit 20,0 °C haargenau für eine der im Wesertal sehr seltenen Tropennächte.

Noch seltener und für jeden Wetterfan ein ganz besonderes Ereignis sind Tornados – und genau dieses Wetterphänomen konnten mehrere Bewohner des Kreises am Mittag des 17.08. beobachten und mit der Kamera einfangen. Was zunächst nach den ersten vorliegenden Bildern nur wie ein Funnel aussah, also eine Windrose, die den Boden nicht erreicht, entpuppte sich nach dem Eintreffen weiterer Fotos als handfester Tornado, der nur gut eine Stunde später bereits unter tornadoliste.de bestätigt wurde. Da er zum Glück über unbewohntem Gebiet niederging und daher keine Schäden gemeldet wurden, kann die Stärke nicht eingestuft werden. Diverse Augenzeugen berichteten aber davon, dass der Bodenwirbel auf Feldern über mehrere Minuten zu sehen war. Beobachtet wurde der Tornado u.a. von Bevern, Deensen, Arholzen, Stadtoldendorf und Braak aus, eine exakte Lokalisierung war aber nicht möglich.

Während der Tornado selbst nicht von Gewittern und Regen begleitet wurde, bildeten sich im Laufe des Nachmittags wieder lokale Starkregenfälle aus, während es an anderer Stelle nahezu trocken blieb. Als exemplarisches Beispiel seien zwei Tagessummen von DWD-Niederschlagsstationen an jenem Montag genannt: Während westlich der Kreisstadt in Lüchtringen 16,1 mm gemessen wurden, waren es auf der anderen Seite im Osten in Hellental nur 0,8 mm. Der 17.08. war zugleich der letzte Tag im August, an dem vereinzelt größere Mengen fielen.

Nachfolgend steuerte die Großwetterlage in ruhigeres Fahrwasser mit Höchstwerten zwischen 24 und 29 Grad und einigen trockenen, aber überwiegend bewölkten Tagen. Am 22.08. zeigte sich der August noch einmal von seiner freundlichen Seite und lud ein zu einer Tour durch den Kreis mit einer Mischung aus blauem Himmel und rasch ziehenden Cumuluswolken, die für interessante Licht-Schatten-Spiele sorgten. Es war zugleich der letzte Tag im August, an dem das Kriterium für einen meteorologischen Sommertag mit mindestens 25 °C erreicht wurde. Anschließend brachte eine Umstellung auf eine Westlage einen nur mehr mäßig warmen, unbeständigen und zu wiederkehrenden, aber meist nur leichten Regenfällen neigenden Witterungsabschnitt zum Ausklang des Sommers 2020.

Die Niederschlagssumme an der Station in Bevern lag mit 87,5 mm ein Stück höher als an den anderen Messplätzen des DWD, wo es meist zwischen 55 (Ottenstein) und 77 mm (Lüchtringen) waren. Derzeit findet man auf diversen Internetseiten (noch?) einen niedrigeren Wert für Bevern als hier genannt – Grund dafür ist ein Ausfall der Technik während der ersten Dekade. Wie Temperatur und Feuchte, wird auch der Niederschlag dort vollautomatisch erfasst und an den DWD übertragen. Doch seit Ende Juli streikte der Regenmesser und bis zur Instandsetzung vergingen fast 14 Tage – leider kein Einzelfall, wie Recherchen zu diesem Thema ergaben. Glücklicherweise befindet sich neben dem Automaten in Bevern noch ein manuelles Niederschlagsmessgerät, der klassische „Hellmann“, wie er an den konventionellen Stationen in Lüchtringen, Polle, Hehlen und Hellental beim DWD ebenso zum Einsatz kommt wie an der privaten Station in Silberborn. In Ottenstein und Vorwohle hingegen wird wie in Bevern vollautomatisch gemessen. Da der Hellmann in Bevern nie abgebaut wurde, konnte Betreuer Manfred Springer ihn nun vorübergehend zur Handmessung reaktivieren und so dafür sorgen, dass keine Lücke in der seit Juli 2006 vollständigen Messreihe in Bevern entsteht. Doch bis der DWD solche „Zumeldungen“ (wie sie im Amtsdeutsch heißen) in seine Datenreihen integriert hat, kann es dauern…

Auf diese Weise konnte zum Glück die Monatssumme auf Umwegen korrekt ermittelt werden, sie lag in Bevern immerhin 10 mm oder 13% über dem Mittel der Jahre 1981-2010. Allerdings ist für die trockengestresste Vegetation leichter Landregen deutlich besser als kurze, starke Schauer, bei denen ein Großteil des Regenwassers oberflächlich abfließt und die tieferen Bodenschichten nicht erreicht. Dazu kam die Hitze und zum Monatsende auch zeitweise auffrischender bis stürmischer Wind – all diese Faktoren begünstigen Verdunstung und Austrocknung der oberen Bodenschichten. Das Thema Trockenheit wird uns und vor allem die für die Wälder zuständigen Forstwirte auch weiterhin beschäftigen. Zumal im Solling, wo die langjährigen Klimawerte und damit die Menge, an die die Natur angepasst ist, höher liegen als im Wesertal, wo aber in Silberborn mit 86,3 mm nur 93,8% des Mittels von 1981-2010 gemessen wurden.

Die Sonnenscheinbilanz schließlich fiel leicht überdurchschnittlich aus, was hauptsächlich auf die sonnige erste Dekade zurückzuführen ist. Mit 196 Stunden schien die Sonne etwa acht Stunden länger als im langjährigen Mittel, was insofern etwas überraschend ist, als dass die bisherigen sehr warmen Augustmonate mit einer deutlich höheren Sonnenscheindauer zwischen 220 und fast 270 Stunden korreliert waren.   

Hitzewellen in der Region: Von der Ausnahme zur Regel

Heiße Tage haben deutlich zugenommen – doch Hitze ist nicht gleich Hitze

Nachdem sich der Sommer 2020 anders als seine beiden Vorgänger bis Ende Juli in Sachen heiße Tage noch vornehm zurückgehalten hatte, kam die Hitze im Laufe der ersten Augustwoche mit Macht nach Deutschland. Weitgehend ausgespart blieben dabei nur die Regionen etwa südlich der Donau, Höhenlagen ab etwa 800 Meter sowie die Küstenabschnitte und Inseln der Nord- und Ostsee – diese aber auch nur bei auflandigem Wind. Bei Winden aus östlicher Richtung lagen die Höchstwerte in Arkona auf Rügen nur zwischen 23 und 25 Grad Celsius, während in List auf Sylt bei dort ablandigem Wind von Freitag bis Montag vier heiße Tage oberhalb der 30-Grad-Marke in Folge erreicht wurden – erst zum zweiten Mal in der dortigen Messreihe seit immerhin 1937. Doch wie ordnet sich die aktuelle heiße Witterungsphase in die lokale Historie ein und wann liegt überhaupt eine Hitzewelle vor?

Für viele Begriffe in der Meteorologie gibt es klare und eindeutige Definitionen. So spricht man zum Beispiel von einem Frosttag, wenn der Gefrierpunkt unterschritten wird, ein Sommertag liegt vor, wenn die Höchsttemperatur mindestens 25 Grad Celsius erreicht und Tage mit einem Maximum von 30 Grad und mehr gelten als heiße bzw. Hitzetage. Eine Hitzewelle hingegen ist weder exakt noch verbindlich definiert, stattdessen gibt es unterschiedliche Ansätze, die mehr oder weniger versuchen, auch die lokalen Klimaverhältnisse sowie das Temperaturempfinden des Menschen und die sich aus verschiedenen Faktoren ergebende Wärmebelastung zu berücksichtigen. Es geht also um mehr als nur um eine Aneinanderreihung von heißen Tagen von mindestens 30 Grad.

Der Deutsche Wetterdienst DWD beschreibt den Begriff in seinem Wetterlexikon so: „Eine Hitzewelle ist eine mehrtägige Periode mit ungewöhnlich hoher thermischer Belastung. Eine Hitzewelle ist ein Extremereignis, welches die menschliche Gesundheit, die Ökosysteme und die Infrastruktur schädigen kann. In unseren Breiten treten Hitzewellen häufig im Zusammenhang mit andauernden sommerlichen Hochdrucklagen auf.“

Zu klären ist also vor allem, wann eine „mehrtägige ungewöhnlich hohe thermische Belastung“ vorliegt. Als mehrtägig hat sich mittlerweile eine Dauer von mindestens drei Tagen durchgesetzt. Die ungewöhnlich hohe thermische Belastung hingegen hängt von mehreren Faktoren ab – natürlich von der gemessenen Temperatur, aber auch von Sonneneinstrahlung, Luftfeuchte und Wind. Während trockene Luft im Sommer meist als weniger wärmebelastend empfunden wird, sinkt das Wohlempfinden mit zunehmender Feuchte bei den meisten Menschen deutlich ab. Sehr feuchte Luft wird oft als schwül und „drückend“ empfunden, ohne dass die Temperatur auf 30 Grad und mehr steigen muss, während trockene Hitze auch über 30 Grad meist weniger belastend ist, wenn man auf körperlich anstrengende Aktivitäten sowie längeren Aufenthalt in der prallen Sonne verzichtet. Aus dem Zusammenspiel der verschiedenen Faktoren errechnet sich die sogenannte „gefühlte Temperatur“. Für sie gilt: Sonne und Feuchte steigert sie (teils deutlich) über den gemessenen Wert, Wind führt zum gegenteiligen Effekt und wird daher im Sommer als angenehm kühlend, im Winter bei Frost als deutlich kälteverschärfend empfunden. Natürlich kommen individuelle Faktoren des Menschen wie Körpergewicht und Gesundheitszustand hinzu, was die Sache zunehmend komplex macht und hier nicht weitergehend erläutert werden kann. Zum Weiterlesen empfiehlt sich die Seite https://www.dwd.de/DE/service/lexikon/Functions/glossar.html?lv2=100932&lv3=100988 inklusive der dort verlinkten Artikel.

Dennoch hat der DWD einige Schwellenwerte für die thermische Belastung festgelegt. So beginnt eine mäßige Wärmebelastung ab einer gefühlten Temperatur von 26 °C, eine starke Wärmebelastung liegt ab 32 °C vor und ab einer gefühlten Temperatur von 38 °C spricht man von einer extremen Wärmebelastung. Und mit einer solchen extremen Belastung haben wir es in diesen Tagen durchaus zu tun: So wurden an der DWD-Station in Bevern am Samstag und Sonntag Höchstwerte von 35,5 und 34,6 °C gemessen, am Sonntag unter zunehmender Feuchte, die auch im weiteren Verlauf der Woche eine Rolle spielen wird. Ein wichtiger Rechenwert zur Beurteilung der „Schwüle“ ist der Taupunkt. In der Regel werden bei sommerlichen Temperaturen Taupunktwerte ab etwa 14 Grad als schwül, ab 17-18 Grad als sehr schwül empfunden. Am Sonntagabend unter der Wolkendecke war dieser Wert an der Beveraner Station von knapp 15 Grad am frühen Nachmittag auf extrem schwüle 21 Grad gestiegen, so dass sich die unter den Wolken gemessenen 28 Grad deutlich wärmer und belastender anfühlten. Der Rückgang der Lufttemperatur gegenüber dem Nachmittag führte also nicht zu einer thermischen Entlastung. Auch die am Montagnachmittag gemessenen 30 Grad führten bei einem Taupunkt von 16 Grad zu einer starken Wärmebelastung, für die der DWD auch eine entsprechende Warnung ausgegeben hatte.

Bleibt noch die Frage, wann eine solche Belastung als ungewöhnlich einzustufen ist. Dabei berechnet der DWD zunächst einen ortsgenauen Schwellenwert aus der noch gültigen Klimaperiode 1961-1990 – und zwar für jeden einzelnen Tag unter Zuhilfenahme der jeweils 15 Tage vor und nach dem Termin. Als Schwellenwert wird das 98-Perzentil verwendet. Ein Beispiel: Um den Schwellenwert für den 16. August zu ermitteln, werden die insgesamt 930 Höchstwerte vom 01.-31.08. der Jahre 1961-1990 vor Ort betrachtet (also die damals in Holzminden gewonnenen Messungen). Daraus werden aufsteigend sortiert 100 gleich große Gruppen von Werten gebildet und der 98. Wert dieser Perzentile ergibt den Schwellenwert. Wird dieser und zugleich die Marke von 28 Grad Celsius an mindestens drei Tagen überschritten, liegt in der Definition des DWD eine Hitzewelle vor.

Aus dieser Vorgehensweise ergeben sich im Alltag allerdings ein paar Probleme. Zum einen steht im kommenden Jahr wie mehrfach berichtet ein Wechsel der Referenzperiode beim Klima an, es gelten dann die Jahre 1991-2020, in den die Sommer in Deutschland im Schnitt um 1,3 Grad wärmer geworden sind. Gilt es die Schwellenwerte dann anzupassen? Und ein Blick in die Vergangenheit wird durch die komplexe Ermittlung der gefühlten Temperatur und der Wärmebelastung deutlich erschwert, da viele Messwerte zu berücksichtigen sind, die aber oft gar nicht vollständig vorliegen und zudem aufwändige Rechenoperationen erfordern.

Um die Frage nach den lokalen Hitzewellen seit 1951 (also seit Tageshöchstwerte vorliegen) zu beantworten, ist daher eine andere, einfachere Methode besser geeignet, auch wenn sie sich auf die reinen gemessenen Werte bezieht und die Wärmebelastung nicht berücksichtigt. Sie stammt vom tschechischen Meteorologen Jan Kysely und wird häufig für die Auswertung von Hitzeperioden in Mitteleuropa verwendet:
„Eine Hitzewelle wird festgestellt, sobald an mindestens drei Tagen in Folge die Maximaltemperatur 30 °C überschreitet und hält so lange an, wie die mittlere Maximaltemperatur über die gesamte Periode über 30 °C bleibt und an keinem Tag eine Maximaltemperatur von 25 °C unterschritten wird.“

Nach dieser Definition befinden wir uns also in einer laufenden Hitzewelle, da das Eingangskriterium von mindestens drei heißen Tagen in Folge am Samstag erreicht wurde und seitdem weder das mittlere Maximum seit Donnerstag unter 30 Grad gefallen ist noch die 25-Grad-Marke an einem Tag verfehlt wurde. Doch wie ordnet sich diese Hitzewelle in die Messungen in Holzminden und Bevern seit 1951 ein?

Dazu wurden alle Messungen seither ausgewertet, wobei die bekannten Messlücken zu stopfen waren: Die fünfmonatige von 1978, die auch die Sommermonate betraf, sowie die Zeit von August 1991 bis Juni 2006. Von 1992-1996 konnte die Ersatzstation Boffzen verwendet werden, von 1997 bis Juni 2006 musste auf ein Interpolierungsverfahren aus verschiedenen Umgebungsstationen (vorwiegend Hameln, Lippoldsberg, Schieder und Borgentreich) zurückgegriffen werden, mit dem sich zwar die Höchsttemperatur vor Ort nicht aufs Zehntel genau ermitteln lässt, die Abgrenzung einer Hitzewelle aber mit hinreichender Genauigkeit vorgenommen werden kann.

Das Ergebnis offenbart die zu erwartende deutliche Zunahme der Anzahl von Hitzewellen in den letzten 30 Jahren sowie eine weitere nach der Jahrtausendwende. Ob die jüngsten Jahre ab 2018 einen noch stärkeren Anstieg eingeläutet haben, muss natürlich abgewartet werden. Auffällig ist allerdings auch eine Intensivierung der Hitze seit 2015 mit dem Erreichen bzw. Überschreiten der 37-Grad-Marke in drei Jahren (2015, 2018, 2019).

So gab es in den 1950er und 1960er Jahren nur jeweils zwei Hitzewellen an der damaligen Klimastation in Holzminden, die repräsentativ für vergleichbare Höhenlagen um 100 m im selben Naturraum (Holzmindener Oberwesertal) ist und keine in aufeinanderfolgenden Jahren. Eine erste Häufung gab es Mitte der 1970er Jahre, als drei Sommer in Folge eine Hitzewelle schafften: 1974 in einem ansonsten kühlen Sommer eine kurze mit der Mindestlänge von drei Tagen und in den beiden für damalige Verhältnisse sehr warmen Folgesommern zwei längere Wellen, die sogar bis heute auf den vorderen Plätzen stehen: 1975 gab es vom 4. August an neun heiße Tage von mindestens 30 Grad in Folge (die gesamte Hitzewelle brachte es auf zwölf Tage) – bis heute Platz drei in dieser Kategorie, nur 2003 und 2018 schafften noch längere Serien von je 13 30ern. Und der Sommer 1976 stellt mit 18 Kysely-Tagen zusammen mit 2018 die längste Hitzewelle seit Aufzeichnungsbeginn.

Nach einer Reihe von kühlen und nassen Sommern in den Jahren 1977-1981 gab es erst 1982 und im damaligen „Jahrhundertsommer“ 1983 weitere Hitzewellen, die aber ebenso wie die des Sommers 1984 kurz blieben. 1983 wurden aber erstmals in einem Sommer gleich zwei voneinander getrennte Hitzewellen beobachtet.

Die nächste trat erst im Jahr 1990 auf, in den 90er-Jahren gab es dann schon sieben Jahre mit mindestens einer Hitzewelle, 1994 und 1999 waren es sogar je zwei. Nach der Jahrtausendwende wurden Hitzewellen zum Regelfall, in nur vier Jahren wurde seither keine mehr registriert: 2005, 2009, 2011 und zuletzt 2017. Dafür markierte die Hitze der ersten Augusthälfte 2003 eine Zäsur, als es gleich 13 Tage mit (teils deutlich) über 30 Grad in Folge gab. Auch damals glaubte man wieder an ein Jahrhundertereignis – um nur 15 Jahre später eines Besseren belehrt zu werden, als es erneut 13 heiße Tage am Stück und eine Kysely-Welle von sogar 18 Tagen gab. 2019 fügte verteilt auf zwei Wellen 13 weitere Tage hinzu und hätte sogar fast ein Novum mit drei Hitzewellen in einem Sommer nach dieser Definition geschafft, es reichte aber im Juni nicht für die drei Tage in Folge mit mindestens 30 Grad als Start-Kriterium. Nach der komplexeren DWD-Definition allerdings war 2019 der erste Sommer vor Ort mit gleich drei voneinander getrennten Hitzewellen.

Und wie ordnet sich die aktuelle heiße Phase ein?  Der absolute Höchstwert sollte am Samstag mit 35,5 °C erreicht worden sein, die Serie der heißen Tage dürfte noch bis Donnerstag, vielleicht auch bis Freitag andauern und die Hitzewelle nach den Kysely-Kriterien wäre wohl frühestens zu Beginn der kommenden Woche beendet. Bis dahin sollten die Verhaltensempfehlungen in den Warnungen des DWD soweit wie möglich beachtet werden.

 

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Diagramm mit Stand 11.08.2020