Trockenwarmer Übergang vom Sommer in den Herbst

Der September 2021 brachte oft spätsommerliche Temperaturen und kaum Regen

Titelfoto: Annette Mokross

Nach dem recht kühlen und trüben August mochte sich der Sommer noch nicht geschlagen geben und sorgte vor allem in der ersten Hälfte noch einmal für spätsommerliche Wärme und einige sonnige Tage. Anschließend klopfte der Herbst immer wieder mal an die Tür und es ging wechselhafter und weniger warm weiter, ohne dass sich kühle Luftmassen für längere Zeit durchsetzen konnten. Stattdessen war die zweite Monatshälfte von einem Auf und Ab bei den Temperaturen geprägt, wobei oft dichte Wolken dominierten, aus denen aber nur selten etwas Regen fiel. Unter dem Strich war der erste meteorologische Herbstmonat in diesem Jahr warm und deutlich zu trocken bei durchschnittlicher Sonnenscheindauer.

Die Monatstemperatur lag an der DWD-Station in Bevern mit 15,62 °C um 1,4 K über dem Mittel der Jahre von 1991-2020. Gegenüber der älteren Klimaperiode von 1961-1990 betrug das Plus fast 1,9 K. In der bis 1934 zurückreichenden Messreihe Bevern/Holzminden war es der zehntwärmste September, der Rekord aus dem Jahr 2006 von 17,5 °C blieb aber weit entfernt. Bis zur Monatsmitte lagen die Tageshöchstwerte beständig oberhalb der 20-Grad-Marke, darunter waren drei Sommertage und das Monatsmaximum von 28,4 °C. Im letzten Jahr hatte es um den 15. herum sogar noch einmal zu einer späten kleinen Hitzewelle mit drei Tagen oberhalb der 30-Grad-Marke gereicht, dennoch war der Monat insgesamt ein Grad weniger warm ausgefallen als in diesem Jahr – wie schon im Juli und August waren die Ausschläge nach oben und unten auch im September recht gering. Da Hitze mit mindestens 30 Grad im Oktober in unserer Region nahezu auszuschließen sind, bleibt es im Jahr 2021 bei einer klar unterdurchschnittlichen Bilanz von vier heißen Tagen – die gab es am Stück zwischen dem 16. und 19. Juni.

Jahreszeitbedingt abwärts ging es in der zweiten Monatshälfte, doch nur an zwei Tagen wurde die 15-Grad-Marke knapp nicht erreicht.  Dafür gab es am 26.09. das wohl letzte Aufbäumen des Sommers in diesem Jahr mit einem Höchstwert von 25,8 °C. Zwischen dem ersten und letzten meteorologischen Sommertag dürften in diesem Jahr somit ungewöhnlich lange 179 Tage gelegen haben, nachdem es bereits am 31. März über 25 Grad warm geworden war. Zum Vergleich: 2010 betrug diese Zeitspanne ganze 77 Tage. Dass solche Statistiken aber leicht in die Irre führen können, zeigt ein Blick auf die Durchschnittstemperatur des Sommerhalbjahres (April-September) in diesem Jahr, das mit 14,84 °C zur kühleren Hälfte der letzten 30 Jahre zählt.

An der Hochsolling-Wetterstation in Silberborn gab es am 9. September mit 26,0 °C den letzten Sommertag, die Monatsmitteltemperatur lag mit 13,9 °C sogar um 1,6 K über dem Durchschnitt der letzten 30 Jahre und um 2,1 K über dem Klimawert von 1961-1990. Insgesamt wurden noch zehn warme Tage mit mindestens 20 Grad gemessen, neun in der ersten und einer in der zweiten Monatshälfte. Am kühlsten blieb es am 19. mit einem Höchstwert von 11,8 °C, der Tiefstwert wurde mit 5,6 °C am 30. erreicht.

Nebelmorgen an der Weser (Foto: Annette Mokross)

Die Wetterlagenanalyse zeigt im Gegensatz zu den vergangenen Sommermonaten ein deutliches Übergewicht von Hochdrucklagen mit unterschiedlichen Strömungsrichtungen. Die erste Monatshälfte hatte das Muster einer rückdrehenden (gegen den Uhrzeigersinn gerichteten) Strömung: Von einer Nordlage („Hoch Britische Inseln“) ging die Witterung über „Hoch Mitteleuropa“ in eine Südwest- und schließlich in eine Südlage über.  Eine kurzzeitige Ostlage nach Monatsmitte konnte sich nicht halten und wurde durch eine erneute Rückdrehung erst durch eine Nordwest- und schließlich eine Westlage abgelöst.

Eines hatte dieses Sammelsurium an Großwetterlagen gemeinsam: Es gab ausgeprägte trockene Phasen und nur wenige Regentage. An meist 20 Tagen fiel in der Region kein messbarer Niederschlag und an den restlichen Tagen hielten sich die Mengen in sehr überschaubaren Grenzen. Nur in Hehlen und Ottenstein wurde ein Tagesmaximum knapp oberhalb der 10-mm-Marke gemessen.

Insgesamt blieb der Monat in der gesamten Region deutlich unter den Klimawerten: In Bevern fielen mit 23,8 mm nur 39% des Mittels der letzten 30 Jahre, in Silberborn mit 21,2 mm nicht einmal ein Viertel des langjährigen Werts. Auch die anderen beiden Stationen im bzw. am eigentlich feuchten Solling geizten mit Regen: In Amelith wurden 22,4 mm gemessen, ganze 17,9 mm waren es in Hellental, das diesmal sogar die trockenste Station im Umkreis stellt. Eimen-Vorwohle meldete mit 19,7 mm kaum mehr, Lüchtringen brachte es auf 21,2 mm, Hehlen auf 26,9 mm und Polle auf 28,1 mm. Am meisten Regen fiel noch in Ottenstein mit 33,9 mm, was aber auch nur gut der Hälfte des 30-Jahres-Mittels entspricht. Aufgrund der Sommermonate mit recht viel Regen, wenig Hitze und ab Juli unterdurchschnittlicher Sonnenscheindauer stuft der Dürremonitor des Helmholtz-Zentrums für Umweltforschung UFZ die Situation in der Region aber noch als entspannt ein (Stufen 0 bis 1 von 5 sowohl in den oberen als auch in den tieferen Bodenschichten).

Die Verdunstung hielt sich trotz der überdurchschnittlichen Temperaturen in Grenzen, da sich die Sonne nur in der ersten Dekade häufig länger zeigen konnte und der Wind meist eine untergeordnete Rolle spielte. Mit 145 Stunden erreichte die Sonnenscheindauer fast genau den Mittelwert der vergangenen 30 Jahre. Den sonnigsten Abschnitt brachte die Hochdruckphase zwischen dem 3. und 9. September mit fast 67 Stunden in sieben Tagen und viermal mehr als zehn Stunden am Tag. Anschließend wurde es wechselhafter mit deutlich mehr Wolken und einer ausgesprochen trüben Phase zwischen dem 15. und 21. mit nur gut sechs Stunden in Summe an sieben Tagen.

Entsprechend der Hochdruckdominanz blieb der Mittelwind meist schwach zwischen Windstärke 1 und 3, nur an einzelnen Tagen wie am 23. und am 29. lag er auch mal zwischen 3 und 4 mit einzelnen Böen bis Stärke 7.

Sonnenuntergang über dem Köterberg (Foto: Annette Mokross)

Ein Sommer, wie er früher einmal war…?

An seinem Ende stand ein mäßig warmer, recht nasser und sehr trüber August

„Da schlagen zwei Herzen in meiner Brust: Zum einen das Herz des Sommerliebhabers. Aus dieser Sicht war es ein wirklich schlechter Sommer. Abseits des Junis kühl, trüb und hintenraus wirklich frühherbstlich. Zum anderen das Herz des Naturfreundes. Wenig Hitze, wenig Trockenheit, das tat der Natur sichtbar gut.“ – „Ich fühle mich tatsächlich fast um eine komplette Jahreszeit betrogen (Juni ausgenommen). Noch viel zu nah sind die Erinnerungen an die trübe, kühle Zeit.“ – „Noch vor 30 Jahren wäre dies einer der wärmsten Sommer überhaupt gewesen. Manche Leute sollten ihr Anspruchsdenken überprüfen und froh sein, von Hitzewellen wie im östlichen Mittelmeerraum oder der Flut im Westen unseres Landes verschont geblieben zu sein.“ – Drei Stimmen aus einem Wetterforum zum Fazit des Sommers 2021 aus diesen Tagen, die sehr gut die unterschiedliche Bewertung der letzten Monate widerspiegeln und vermutlich auch im Leserkreis des TAH ähnlich ausfallen.

Was sagen die Messwerte in der Region dazu? Zumindest für den August sehen die Daten recht klar aus: Es war der zweitkühlste der letzten 15 Jahre, es regnete häufig und teils ergiebig, während sich die Sonne oft rar machte. Wie schon im Juli blieb ein längerer Abschnitt mit beständigem Hochdruckwetter aus, lediglich einige Tage vor Monatsmitte brachten eine recht heitere Phase mit hochsommerlichen Temperaturen. Die Sommerbilanz fällt dank des Junis zwar wärmer aus, doch unter dem Strich bleibt ein deutliches Sonnenscheindefizit, während es beim Niederschlag kein klares Bild gab.

Mit einer Monatstemperatur von 16,95 °C war der August 2021 an der DWD-Station in Bevern um fast 1,3 K kühler als im Mittel der Jahre von 1991-2020. Gegenüber der älteren Klimareferenzperiode von 1961-1990 reicht das aber immer noch für ein kleines Plus von zwei Zehnteln. Sieht man einmal von den letzten Tagen des Monats ab, ergibt sich ein ähnliches Fazit wie im Juli: Kühle und sehr warme Tage gab es kaum, meist spielte sich das Niveau der Tageshöchstwerte im mäßig warmen Bereich etwas oberhalb der 20-Grad-Marke ab. In der ersten Dekade blieb der Korridor bei den Maxima mit Werten zwischen 21,3 und 23,5 °C äußerst schmal. Lediglich vor Monatsmitte stiegen die Werte vorübergehend für vier Tage deutlich über die 25-Grad-Marke an. Die Anzahl meteorologischer Sommertage blieb mit fünf klar unterdurch-schnittlich, die 30-Grad-Marke wurde wie im Juli gar nicht erreicht. Der letzte August ohne heißen Tag ist zwar erst vier Jahre her, auf der Suche nach dem letzten hitzefreien Juli-August-Paar wird man aber erst vor fast 30 Jahren im Sommer 1993 fündig.

Die Hochsolling-Wetterstation in Silberborn liegt auf fast 430 m Höhe und entsprechend fallen die Sommerbrötchen dort kleiner aus. Sofern keine Inversionswetterlage herrscht, was in den Sommermonaten kaum einmal der Fall ist, beträgt die Differenz bei den Höchsttemperaturen zum Wesertal in der Regel rund drei Grad. Dies bestätigen auch die Augustwerte mit einem mittleren Tagesmaximum von 19,1 °C gegenüber Bevern mit 22,1 °C. Sommertage gab es in Silberborn nur zwei, dafür ging es gen Monatsende schon herbstlich zu mit Höchstwerten von unter 15 Grad. Die Monatsmitteltemperatur lag mit 14,65 °C um 1,4 K unter dem dortigen Klimawert der Jahre 1991-2020, während das 30 Jahre ältere Referenzmittel für langfristige Klimavergleiche von 14,7 °C fast auf den Punkt getroffen wurde.

Bei der Analyse der Großwetterlagen sieht man wie schon im Juli klare Tiefdruckdominanz mit Ausnahme der bereits erwähnten kurzen Phase vor Monatsmitte. Die Abfolge ab dem Beginn des sog. Siebenschläferzeitraums Ende Juni ähnelte sich dabei immer wieder trotz einzelner Unterschiede in den Details: Tiefdruckgebiete wurden oft von Hochdruckzonen auf dem Nordatlantik oder über Nordeuropa blockiert und zogen entweder auf südlicher Bahn Richtung Mitteleuropa oder tropften aus größeren Langwellentrögen ab und „eierten“ abgekoppelt von der Höhenströmung anschließend mit nur langsamer Geschwindigkeit über uns. Solche Lagen sind für die Computermodelle, auf die sich die moderne Wettervorhersage weitgehend stützt, oft nur schwer im Voraus zu berechnen. Im Extremfall bringen sie lang andauernde Starkniederschläge wie Mitte Juli bei der Flutkatastrophe im Westen oder später vor allem im Alpenvorland, wo im Stau der Gebirgskette ein außergewöhnlich nasser Sommer registriert wurde. Eine grundlegende Umstellung der großräumigen Zirkulation fand diesmal bis zum Ende des Sommers nicht mehr statt, die oftmals zu ruhigem Hochdruckwetter neigende Zeit im Spätsommer wurde entweder auf den September verschoben oder fällt in diesem Jahr ganz aus.

Niederschlag in Form von Regen fiel über den Monat verteilt in unterschiedlicher Intensität, vor allem die letzte Dekade sorgte mit teils kräftigen Schauern dafür, dass die Summen meist – aber nicht überall – über den langjährigen Durchschnittswerten landeten. In Bevern kamen 85,7 mm oder knapp 120% des Klimawerts von 1991-2020 zusammen, in Lüchtringen sogar 99,1 mm. Noch mehr war es in Polle auf dem Wilmeröder Berg mit 106,8 mm; Ottenstein meldete 85,4 mm, Hehlen 86,2 mm und Eimen-Vorwohle 75,8 mm. Während in Hellental 101,7 mm gemessen wurden, gab es im und am Solling Richtung Südwesten weniger Regen: In Silberborn waren es noch 91,2 mm – ein Plus von 5% gegenüber dem Schnitt – in Amelith hingegen nur 60,7 mm. Auch die Summe im Holzmindener Stadtgebiet, privat im Südteil gemessen, war mit 68,7 mm eher zurückhaltend. Einen guten Überblick über die ungefähren Werte auch abseits bestehender Messstellen am Boden bieten die Karten mit kalibrierten Radarsummen bei Kachelmannwetter unter der URL https://kachelmannwetter.com/de/regensummen/kalibrierte-summe-1std.html – dort kann man verschiedene Zeiträume wählen und in die Landkreise zoomen. Für den August zeigt die Karte, dass der Südzipfel des Kreises Holzminden (Bereich Derental und Lauenförde) deutlich trockener blieb als der Rest, dort wurden die langjährigen Klimawerte nicht erreicht.

Eindeutig ist das Bild beim Sonnenschein: Mit lediglich 138 Stunden wurde nicht nur das Mittel der letzten 30 Jahre deutlich verfehlt (um fast 30%), der August 2021 zählt auch klar zu den trübsten Vertretern der lokalen Wetterhistorie seit 1951: Nur sieben Mal gab es in den letzten 70 Jahren noch weniger Sonnenschein in einem August, zuletzt 2010, als der Minusrekord von nur 111 Stunden aufgestellt wurde.

Sie lachten in diesem August nur selten im Sonnenlicht: Sonnenblumenfeld von Annette Mokross, fotografiert am 23.08.

In der Sommerbilanz macht jeder Monat einen Anteil von einem Drittel aus und hier sorgt dann der Juni mit seinem markanten Temperaturüberschuss dafür, dass der Sommer 2021 unter dem Strich an der DWD-Station in Bevern mit 18,4 °C überdurchschnittlich ausfiel – eher leicht gegenüber dem aktuellen Klimamittel der letzten 30 Jahre von 17,8 °C, deutlich gegenüber der älteren Norm der Periode 1961-1990 von 16,5 °C. Zum Vergleich: Der damals als Hitzesommer eingestufte Sommer 1983 war mit 18,5 °C nur ein Zehntelgrad wärmer als der aktuelle. An solchen Zahlen lässt sich das Fortschreiten der Erwärmung in den letzten Jahren gut ablesen. Hitze blieb gleichwohl in diesem Sommer die Ausnahme und beschränkte sich auf vier Tage im Juni am Standort Bevern, in Silberborn waren es zwei, beides deutlich weniger als zuletzt und auch weniger als im langjährigen Mittel, das in Bevern bei fast zehn Tagen und in Silberborn bei rund vier Tagen liegt. Die Anzahl der Sommertage mit mindestens 25 Grad Höchsttemperatur lag in Bevern mit 35 im Schnitt der letzten 30 Jahre, in Silberborn wurde dieser mit elf von ca. 19 allerdings klar verfehlt. Die dortige Sommertemperatur von 16,3 °C unterscheidet sich hingegen bezogen auf das kühlere Klima vor Ort kaum von der in Bevern: An der Hochsollingstation lag der Sommer rund 0,7 Grad über dem Mittel der Jahre 1991-2020 und glatt zwei Grad über der älteren Norm von 1961-1990.

Beim Sonnenschein fiel das Defizit der Monate Juli und August deutlich größer aus als das Plus, das der Juni angesammelt hatte. Nach 92 Tagen betrug der Schätzwert für die Region, gewonnen aus fünf DWD-Stationen mit Sonnenscheinmessern in der Umgebung, rund 525 Stunden. Das ist ein Minus von 73 Stunden gegenüber dem Mittel der letzten 30 Jahre und der niedrigste Wert seit 2012. Der trübste Sommer stammt aus dem Jahr 1981, als mit Müh und Not die Marke von 400 Stunden knapp überschritten wurde, der Rekord immer noch aus dem „Sonnenjahr“ 1959, als ca. 753 Stunden erreicht wurden.

Die Niederschlagsbilanz des Sommers fällt weniger eindeutig aus, es gab sowohl nasse Orte als auch trockenere, letztere vorwiegend wie im August im Süden des Kreises mit teils nur ca. 180 mm. Doch auch im Nordwesten in Ottenstein wurde der langjährige Durchschnitt mit 205 mm recht deutlich verfehlt, während Polle, Lüchtringen und Hehlen mit Werten zwischen 273 und 233 mm zumindest leicht im Plus lagen. Hellental, wo noch kein Klimawert aufgrund der kurzen Messdauer vorliegt, meldete 238 mm, in Vorwohle gab es leider einen längeren Ausfall im Juli und daher keinen verwertbaren Wert. Silberborn blieb mit 245 mm um 9 mm unter seinem Mittel, Bevern hingegen übertraf seines deutlich um 35 mm (16%) und stellte nach Polle mit 254 mm den zweithöchsten Wert im Kreis.

Titelfoto: Wolkenbogenpanorama über der Weser am 26.08. von Annette Mokross

Goldenes Träumchen: Fluss- mit Bodennebel an der Weser nennt Fotografin Annette Mokross ihre Aufnahme vom 6. August um 06:28 Uhr morgens

Hitzefrei und unbeständig durch den Hochsommer

Gemäßigte Temperaturen, viele Wolken und dennoch meist wenig Regen prägten den Juli 2021

Titelfoto von Annette Mokross: Gewitter in der Abendsonne am 26. Juli

Zu den Entwicklungen im Zuge des Klimawandels in den letzten Jahren gehört eine erhöhte Erhaltungsneigung von Großwetterlagen, die sich zunehmend auch im Sommer zeigt und der alten Siebenschläferregel zu neuer Popularität verhilft. Wie schon 2017 und 2018 wurden die Weichen für den Verlauf des Hochsommers bereits Ende Juni gestellt. War es vor drei Jahren eine hochdruckdominierte, sehr sonnige, heiße und rekordtrockene Zeit zwischen Ende Juni und Anfang/Mitte August, ähnelte der Verlauf in diesem Jahr dem von 2017: Tiefdruck bestimmte weitgehend das Wettergeschehen in der Region mit vielen Wolken und meist moderater Wärme. Erstmals seit 2011 blieb der Juli ohne einen heißen Tag mit mindestens 30 Grad Höchsttemperatur. Ein wesentlicher Unterschied zu 2017 war die Niederschlagsbilanz: Vor vier Jahren hatte es noch neue Regenrekorde gegeben, diesmal blieben die Mengen unter den langjährigen Mittelwerten, teils sogar deutlich. Doch die Flutkatastrophe im Westen der Republik zeigt auf drastische Weise die zerstörerische Kraft der Großwetterlage „Tief Mitteleuropa“ im Hochsommer.

Mit einer Monatstemperatur von 18,68 °C landete der Juli 2021 an der DWD-Station in Bevern fast genau im Mittel der Jahre von 1991-2020. Gegenüber der älteren Klimareferenzperiode von 1961-1990 gab es ein Plus von knapp 1,6 Kelvin. An den meisten Tagen lagen die Höchstwerte im mäßig warmen bis warmen Bereich, an 27 Tagen innerhalb eines Korridors zwischen 20 und 27 Grad. Das Maximum von 28,5 °C war das niedrigste in einem Juli seit 2011, tiefer lag es zuletzt vor 21 Jahren, als im Juli 2000 nicht einmal ein meteorologischer Sommertag erreicht wurde. Wie schon im Juni gab es auf der kühlen Seite kaum etwas zu vermelden, nur an zwei Tagen blieb der Höchstwert unter der 20-Grad-Marke – am Monatsersten mit nur 15,3 °C allerdings so deutlich, dass damit ein neuer Minusrekord für einen 1. Juli in der Klimareihe Bevern/Holzminden aufgestellt wurde – bezogen auf den Zeitraum ab 1951, für den die entsprechenden Tageswerte vorliegen.

Wenn der Hochsommer mit Werten über 27 Grad im Wesertal schon so geizt, dann bleibt in den höher gelegenen Orten der Region kaum noch ein meteorologischer Sommertag übrig, wie ein Blick auf die Daten der Station in Silberborn zeigt, wo nur an zwei Tagen über 25 Grad gemessen wurden. An immerhin elf Tagen wurde hier die 20-Grad-Marke verfehlt, am kühlsten war auch im Hochsolling der Monatserste mit nur 13,0 °C Höchsttemperatur. Das Monatsmittel von 16,5 °C entsprach wie in Bevern fast genau dem jüngsten klimatologischen Durchschnitt (+0,1 K) und einem Plus von 1,6 K im Vergleich zur Periode 1961-1990. Der Temperaturverlauf an beiden Stationen zeigt auf, dass wie schon 2017 selbst ein sonnenscheinarmer und tiefdruckgeprägter Juli ein ganzes Stück wärmer abschneidet als vor 30 Jahren.

Und als sonnenscheinarm ist der Juli 2021 eindeutig einzustufen: Nur rund 156 Stunden ergeben sich als Rechenwert aus den DWD-Stationen der Umgebung – so wenig wie seit 2011 nicht mehr. Das entspricht nur 76% des Klimawerts von 1991-2020 und reicht immerhin für Platz sechs der trübsten Julimonate der letzten 40 Jahre. Nur dreimal wurde die 10-Stunden-Marke überschritten und nur einmal gab es mehr als zwölf Stunden als Tagessumme – ein weiteres Indiz für das Ausblieben einer hochdruckgeprägten „Schönwetterlage“. Das zeigt auch ein Blick auf die Analyse der Großwetterlagen, bei denen sich tiefdruckgeprägte Exemplare die Klinke in die Hand gaben, meist Südlagen wie Trog Westeuropa und Tief Britische Inseln, aber eben auch Tief Mitteleuropa, wovon gleich noch ausführlicher die Rede sein wird. Und die einzige Hochdruckphase nach Monatsmitte war dummerweise auch noch eine Nordwestlage, abgekürzt NWa, bei der es zwar trocken blieb, sich aber aufgrund der Anströmung über die Nordsee oftmals stratiforme Bewölkung an der Mittelgebirgsschwelle staute und nur ab und zu mal Lücken für längeren Sonnenschein ließ.

Aufziehendes Gewitter am 26. Juli über der Weser bei Polle

Die Flutkatastrophe im Westen – auch bei uns möglich?

Eine besondere Wetterlage führte Mitte des Monats zu ergiebigem Dauerregen über Teilen des Westens, der sich binnen weniger Stunden zu einer Naturkatastrophe ausweitete. Später waren auch noch Teile Süddeutschlands betroffen. Bis Ende Juli starben in Deutschland mindestens 184 Menschen, viele verloren Obdach und Hab und Gut. Eine ausführliche meteorologische Analyse steht Interessierten kostenlos und frei zugänglich unter dem Link https://berliner-wetterkarte.de/Beilagen/2021/Die_Flutkatastrophe_2021.pdf zur Verfügung.

Schaut man sich die Niederschlagsmengen an den DWD-Stationen in den betroffenen Regionen an, fällt auf, dass die Flut war nicht zwingend dort am schlimmsten war, wo der meiste Regen fiel. Spitzenreiter war am 14.07. Köln-Stammheim (Kläranlagengelände) mit 153,5 mm Tagesniederschlag, in Köln blieb die Hochwasserlage aber weitgehend entspannt. Ende Juni war an mehreren Stationen in der Uckermark sogar noch deutlich mehr Regen gefallen – bis zu 199,2 mm binnen 24 Stunden in Ludwigsburg. Doch das dortige Relief verhinderte, dass es zu Überflutungen kam, ganz anders als zwei Wochen später in Teilen des Sauerlandes, der Eifel, des Rheinlands und im Ahrtal, wo kleine Bäche zu reißenden Strömen wurden und ganze Häuser mit sich rissen.

Schnell war von einem Jahrhundertereignis die Rede, doch sollte man mit diesem Begriff vorsichtig umgehen. Der Jahrhundertsommer 2003 zum Beispiel wurde zwar noch nicht in Gänze übertroffen, aber viel hat in den Jahren 2018 und 2019 nicht gefehlt, als zugleich in Nord- und Ostdeutschland neue Rekordmarken gesetzt wurden. Und ob ein ähnliches Flutereignis erst wieder in einhundert oder doch schon in den nächsten Jahren auftritt, kann niemand vorhersagen.

Was sich aber feststellen lässt: Sollte es auch in Zukunft zu vermehrten Blockierungslagen im Sommer kommen, bei denen Tiefdruckgebieten die Zugbahn von West nach Ost versperrt wird und stattdessen Tiefs vor allem in höheren Luftschichten „abtropfen“ und dann mit nur sehr geringer Verlagerungsgeschwindigkeit über Mitteleuropa kreisen, es also weiterhin zu einem gehäuften Auftreten der Großwetterlage Tief Mitteleuropa kommen, wie sie in den letzten Jahren beobachtet wurde, dann steigt die Wahrscheinlichkeit für markante Unwetterereignisse mit sehr hohen Regenmengen binnen kurzer Zeit deutlich an. Jedenfalls dann, wenn wie in diesem Jahr sehr feuchte und warme Luftmassen einbezogen werden. Die konkreten Folgen hängen dann von den Gegebenheiten und dem Hochwasserschutz vor Ort ab. Jedenfalls tun die zuständigen Behörden auch in den in diesem Jahr verschonten Gebieten gut daran, potenzielle Gefahrenquellen wie Bachläufe vor Ort zu ermitteln und wenn nötig Schutzmaßnahmen zu treffen – auch wenn sie hoffentlich nie gebraucht werden.

Denn auch in unserer Region ist eine ähnliche Katastrophe durchaus denkbar, auch das Oberwesertal ist umgeben von Höhenzügen mit talwärts führenden Bächen, zudem bietet viel landwirtschaftlich genutzte Fläche im Falle eines Falles die Gefahr des Mitreißens großer Mengen Schlamm, wie unlängst vereinzelt zum Beispiel am Rand von Heinsen oder in Warbsen geschehen. Und der Blick zurück auf Tief „Alfred“ vor vier Jahren zeigt: Niederschlagsmengen von 150 mm und teils noch etwas mehr sind auch bei uns nicht nur möglich, sondern im Juli 2017 tatsächlich auch binnen kurzer Zeit gefallen – zum Glück damals nicht binnen 24, sondern „nur“ in 48 Stunden und weniger als extremer Starkregen binnen sehr kurzer Zeit (den gab es zum Beispiel am Mittag des 9. Juli 2017 in der Bülte, als die Kanalisation den Regenmengen nicht standhalten konnte, zum Glück aber nur etwa eine Stunde lang), sondern eher als ergiebiger Dauerregen ohne die ganz hohen stündlichen Raten.

Dies soll als kleiner Exkurs reichen, wenden wir uns nun den bei uns in diesem Juli gefallenen Regenmengen zu: Diese waren, wie eingangs kurz angedeutet, mehr oder wenig deutlich unterdurchschnittlich. An über der Hälfte der Tage fiel an den meisten Stationen kein Regen, die rund 14 Niederschlagstage brachten abgesehen vom Monatsersten meist mäßige bis geringe Mengen – mit Ausnahme einzelner teils gewittriger Starkregengüsse. Wo diese herunterkamen und ein Messgerät steht, konnten Tagesmengen von über 20 mm dokumentiert werden – wo nicht, blieb es ein deutlich zu trockener Monat.

Die Daten im Einzelnen: Die Klimastation in Bevern brachte es vor allem aufgrund eines „Treffers“ am 26.07. mit 22,4 mm auf eine Monatssumme von 69,8 mm, das sind rund 13% weniger als im Mittel der Jahre 1991-2020. In Silberborn wurde mit 71,9 mm das Klimamittel um 21% verfehlt, dort gab es am 9. eine Tagessumme von 25,4 mm. Polle meldete immerhin noch 61,4 mm, Lüchtringen nur 47,2 mm und in Ottenstein und Hehlen fiel mit 33,0 bzw. 35,6 mm nicht einmal die Hälfte der durchschnittlichen Julimenge. Auch das gewöhnlich niederschlagsreiche Hellental erlebte mit 48,7 mm einen trockenen Monat. Etwas mehr, aber auch deutlich unter dem Klimawert, fiel mit 58,9 mm in Amelith. Aus Vorwohle liegt leider keine verwertbare Monatssumme vor, dort gab es vom 2. bis 17. Juli einen Ausfall des automatischen Messgeräts.

Bleibt noch ein kurzer Blick auf die Frage, wie es wohl weitergeht mit dem Sommerwetter. Nach übereinstimmenden und wenig Interpretationsspielraum lassenden Modellrechnungen bleibt die gesamte erste Augustdekade unbeständig und unterkühlt – die durchschnittlichen Höchstwerte erreichen zu dieser Zeit ihr Maximum von bis zu über 26 Grad in Bevern, doch meteorologische Sommertage sind in diesem Jahr in der ersten Dekade kaum zu erwarten. Der Wettercharakter bleibt also bis mindestens zum Ende des Siebenschläferzeitraums und des Hochsommers unbeständig und wie 2017 könnte der Sommer in diesem Jahr ohne Hitzewelle zu Ende gehen, sieht man einmal von der frühen Junihitze ab. Darauf deuten jedenfalls die meisten mittel- und langfristigen Wettermodelle hin, allerdings steht über dem Mittelmeerraum verbreitet große Hitze bereit, die unter Abschwächung vielleicht doch noch ihren Weg nordwärts finden könnte im Laufe des Monats – derzeit spricht allerdings mehr dagegen als dafür.

Rauchfahne des EZMW für den Standort Holzminden: Bis zum Ende der ersten Dekade bleiben die Temperaturen in ca. 1.500 m eng gebündelt auf unterdurchschnittlichem Niveau, anschließend zeigt vor allem der hoch aufgelöste Hauptlauf (gestrichelte rote Linie) nach oben, dies wird von den meisten Ensemble-Membern aber nicht mitgetragen
Morgensonne über dem Dunst der Weser mit Blick von Polle Richtung Heidbrink, fotografiert von Annette Mokross

Vom unterkühlten Frühjahr direkt in den Hochsommer

Der Juni 2021 war der zweitwärmste seit Aufzeichnungsbeginn / Platzregen sorgt für Überschwemmungen

Titelfoto: Annette Mokross

Ein Blick auf die langfristigen Wettermodelle Ende Mai zeigte nur zwei Optionen an: Entweder die Fortsetzung des deutlich unterkühlten Wetters der beiden Vormonate oder höchstens einen durchschnittlich temperierten Juni. Doch es kam anders. Ganz anders: Der erste meteorologische Sommermonat vollzog eine komplette Trendwende gegenüber dem Frühjahr und geht als zweitwärmster Juni seit Aufzeichnungsbeginn in die lokale Klimareihe ein. Bis kurz vor Schluss wackelte sogar der noch junge Rekord aus dem Jahr 2019, erst die mit Gewittern und ergiebigen Regenfällen einhergehende Abkühlung am Monatsende verhinderte einen Sprung auf Platz 1. Neben vielen trockenen Tagen gab es auch einige Male „Unwetteralarm“ im Kreis, davon betroffenen waren jeweils aber nur einzelne Orte – Starkregen mit Überschwemmungen und nur geringer Niederschlag lagen dabei mehrfach dicht beieinander. Die Sonne zeigte sich länger als im Durchschnitt, anders als bei der Temperatur blieb der Rekord von 2019 aber in weiter Ferne.

Mit einer Monatstemperatur von 19,60 °C war der Juni 2021 an der DWD-Station in Bevern um fast 3,0 Kelvin wärmer als im Mittel der Jahre von 1991-2020. Nur vor zwei Jahren war es mit 19,81 °C noch wärmer, Platz drei belegt nunmehr der Juni aus dem „Jahrhundertsommer“ 2003. Besonders markant fällt der Unterschied zum vorausgegangenen kühlen Mai aus: Beträgt die durchschnittliche Differenz zwischen diesen beiden Monaten 3,1 K, lag sie in diesem Jahr bei 8,1 K – auch das ist Platz zwei seit Beobachtungsbeginn 1934 hinter dem Rekordhalter 2019. Viele hochsommerlich warme Tage, eine kurze Hitzewelle nach Monatsmitte sowie die völlige Abwesenheit kühler Phasen waren die Zutaten zu diesem sehr warmen Monat.

Das Ausbleiben von Kälterückfällen wie der sprichwörtlichen Schafskälte fällt seit 2016 besonders auf und ist ein wesentlicher Faktor für den deutlichen Temperaturanstieg im Juni in den letzten sechs Jahren. Das zeigt auch ein Blick auf die Zahl der Tage mit einer Höchsttemperatur von unter 20 Grad: Lag diese im langjährigen Mittel seit Aufzeichnungsbeginn lange Zeit um 12 Tage, gab es nach 2015 im Schnitt nur noch ganze vier davon. Und sehr kühle Tage, die der Deutsche Wetterdienst für das Tiefland von Juni bis August als solche mit einem Maximum von unter 17 Grad definiert, sind von durchschnittlich sechs im selben Zeitraum auf nur noch einen ab 2016 zurückgegangen. Natürlich ist ein Vergleich unterschiedlich langer Zeiträume problematisch und eine klare Trendaussage nach nur sechs Jahren nicht möglich. Im Kontext des langfristigen Erwärmungstrends deutet jedoch wenig darauf hin, dass es sich nur um eine vorübergehende Laune des Wetters handelt, sondern vielmehr um eine Entwicklung unseres Klimas, die allerdings ungewöhnlich kühle oder gar kalte Phasen nicht ausschließt, wie wir sie eindrucksvoll im April und Mai erlebt haben – die Wahrscheinlichkeit dafür ist aber deutlich kleiner geworden und dürfte in Zukunft wohl eher noch abnehmen. Auch die Tiefstwerte lagen fast im gesamten Monat im deutlich überdurchschnittlichen und fast durchweg zweistelligen Bereich, vereinzelt sogar über 18 Grad. Lediglich in der ersten Nacht sorgte der Rest der Maikälte für frische Werte von 5,4 °C in der Luft und 3,4 °C über dem Erdboden.

Auch an der Wetterstation im Kurgarten von Silberborn, einem Gemeinschaftsprojekt des internationalen Wetterdienstleisters DTN mit der Stadt Holzminden zur Beobachtung des Klimas im Hochsolling, fiel der Juni 2021 außergewöhnlich warm aus, hier betrug der Rückstand zum Rekord von 2019 nur 0,14 Kelvin. Mit einer Monatstemperatur von 17,81 °C war es um 3,5 K wärmer als im  Mittel der Jahre 1991-2020, gegenüber der älteren Klimanorm von 1961-1990 betrug das Plus sogar 4,5 K.

Woran lag es nun, dass der Juni nach einem ungewöhnlich kühlen Frühjahr so warm wurde? Anders als noch im vorherrschend von Nordlagen geprägten April und von kühler Luft aus Westnordwest dominierten Mai lag nördlich von uns nun meist hoher Luftdruck, der die Westwindzirkulation blockierte. Zudem wurden bereits Ende Mai deutlich wärmere Luftmassen nach Norden verfrachtet, so dass auch bei einer vorübergehenden leichten Nordwestlage, wie wir in der zweiten Woche erlebten, keine kühle Luft mehr nach Mitteleuropa strömte. Zuvor hatte eine östliche Strömung für einige sehr warme Tage zu Monatsbeginn gesorgt, die von lokal heftigen Gewittern rasch wieder beendet wurden. Ab Monatsmitte stellte sich eine hartnäckige Südlage ein, bei der ein weit nach Süden reichender Tiefdruckkomplex über Westeuropa hohem Druck über Osteuropa gegenüberstand. Kühle Luft kann uns bei einer solchen Konstellation nicht erreichen, allerdings wurde der Wettercharakter von West nach Ost fortschreitend rasch unbeständig, da sich der tiefere Druck vor allem in höheren Luftschichten langsam nach Osten ausbreiten konnte. Somit stand die erste Hitzewelle des Sommers mit vier heißen Tagen in Folge in Bevern und zwei in Silberborn unter zunehmender Zufuhr feuchter und als sehr schwül empfundener Luft.

Gewitter mit lokalem Starkregen und teils Überschwemmungen, die in mehreren Ortschaften die Feuerwehren ausrücken ließen, beendeten die Junihitze am dritten Wochenende. Anschließend stellte sich eine sehr wechselhafte Witterungsphase ein, die bis zum Monatsende andauern sollte. Einer Abkühlung auf mäßig warme Werte folgte erneut hochsommerliche Wärme am vierten Wochenende, bevor es wieder sehr schwül und gewittrig wurde. Geringe Luftdruckgegensätze, gerne auch als „Barosumpf“ bezeichnet – geprägt durch geringe Dynamik und verwaschene Strukturen auf den Wetterkarten  –  bestimmten die letzten Tage des Monats. Beständiges Hochdruckwetter konnte sich zu Beginn des sogenannten Siebenschläferzeitraums Ende Juni also nicht einstellen, stattdessen ähnelte die Entwicklung ein Stück dem Sommer vor vier Jahren, als sich ebenfalls in der dritten Junidekade aus einer tiefdruckgeprägten Südlage hervorgehend Tiefdruck über Mitteleuropa einnistete und bis Mitte August für einen äußerst unbeständigen und sehr nassen, wenn auch nicht kühlen Hochsommer sorgte.

Regenbogen bei Moringen im eindrucksvollen Abendlicht eines Gewitters bei Northeim am 28. Juni (Foto: Thomas Seliger)

So weit sind wir natürlich noch nicht, an dieser Stelle soll nicht über die weitere Entwicklung des Sommers spekuliert, sondern der im Juni gefallene Regen betrachtet werden. Insgesamt fiel die Bilanz an den Stationen im Kreis und an seinen Grenzen überdurchschnittlich aus mit allerdings nicht unerheblichen Unterschieden. Die Monatssummen lagen über dem 30-Jahres-Mittel der Periode 1991-2020, mitunter deutlich, und meist auch über dem Schnitt der nasseren Jahre 1961-1990. In Bevern wurden 98,5 mm gemessen, in Lüchtringen 95,6, in Ottenstein 86,6 und in Polle sogar 104,8 mm. Vorwohle meldete vergleichsweise bescheidene 73,0 mm, Hellental 88,4 und Amelith 96,9 mm. Spitzenreiter waren diesmal Holzminden und Hehlen mit jeweils fast 111 m. Die Kreisstadt wurde vom eng begrenzten Gewitter am Abend des 5. Juni mit 37 mm voll erwischt, in Hehlen fielen an zwei Tagen jeweils über 27 mm. In Silberborn, dem klimatisch feuchtesten Ort im Kreis, wurde das Mittel der Jahre 1991-2020 mit 82 mm nur leicht um knapp 5 mm überschritten, der ältere Durchschnittswert von 1961-1990 aber um rund 12 mm verfehlt.

Wie so oft im Sommer, erzählen die Regensummen nur die halbe Geschichte. Diese kamen an wenigen Niederschlagstagen zusammen (Bevern zählte ganze elf), zwischen dem 6. und 18. fiel so gut wie nichts, während die Verdunstung gerade in der zweiten Dekade bei Hitze und viel Sonnenschein hoch war. Die kurzen, sehr kräftigen Güsse bis hin zum Platzregen können vom Boden kaum aufgenommen werden und fließen größtenteils überirdisch ab – neben der damit verbundenen Überschwemmungsgefahr und vollgelaufenen Kellern ist solch eine Verteilung auch ungünstig für Landwirtschaft und Natur.

Auch die Sonnenscheinbilanz offenbart ein differenziertes Bild: Anders als im Juni 2019, als sich zum Temperaturrekord mit fast 300 Stunden auch ein neuer Höchstwert bei der Sonnenscheindauer gesellte, gab es neben einer Reihe von sehr sonnigen Tagen (vorwiegend in der zweiten Dekade) auch immer wieder Phasen, in denen dichte Bewölkung nur wenig Platz für die Sonne ließ. Die dritte Dekade fiel mit nur gut 42 Stunden sogar ausgesprochen trüb aus. Dennoch wurde das langjährige Mittel der Jahre 1991-2020 von ca. 200 Stunden um 31 Stunden oder 16% übertroffen.

Sonnenaufgang bei Polle am 17. Juni, dem Tag mit der längsten Sonnenscheindauer des Jahres 2021 (Foto: Annette Mokross)

Die Geschichte vom Mai, der ein April sein wollte

Der „Wonnemonat“ 2021 war kühl, nass, windig und trüb / Kältestes Frühjahr seit 2013

Fotos von Annette Mokross

Nach dem ungewöhnlich kalten April führte auch der Mai keine Trendwende beim Frühjahrswetter mehr herbei. Stattdessen geht der gerne als Wonnemonat bezeichnete dritte und letzte Monat des meteorologischen Frühlings als kühl und sonnenscheinarm in die lokale Klimareihe ein. Im Zusammenspiel mit häufigen Schauern in höhenkalter Luft erinnerte der Mai 2021 nicht nur bei den Messwerten an einen verspäteten oder verlängerten April – oder an ein Frühjahr „alter Schule“, wie man sie häufiger bis zum Ende der 1980er Jahre erleben konnte. Auch optisch herrschte oft typisches „Aprilwetter“. In den letzten Jahren hatte es hingegen viele sonnige und trockene Verläufe im Frühling gegeben – zur Freude vieler Menschen, aber leider auch mit negativen Folgen für die unter den Niederschlagsdefiziten leidende Natur. Auch davon grenzte sich der diesjährige Mai deutlich ab und sorgte für reichlich Regen in der Region, wobei aufgrund lokal begrenzter Schauer die Stationssummen recht unterschiedlich ausfielen. Zu trocken blieb es aber an keinem Standort.

Mit einer Monatstemperatur von 11,53 °C war der Mai 2021 an der DWD-Station in Bevern um glatt 2,0 Kelvin kälter als das Mittel der aktuellen Klimanorm von 1991-2020. Nach dem Wärmerekord im Jahr 2018 war es der dritte Mai in Folge, in dem sogar das Klimamittel der älteren und weniger warmen Periode von 1961-1990 verfehlt wurde. Drei so kühle Maie nacheinander – eine solche Serie besitzt Seltenheitswert, ist doch die letzte von 1961-1963 fast 60 Jahre her. Bezogen auf die letzten 30 Jahre war es sogar zusammen mit 2019 und 1996 der zweitkälteste Mai hinter 2010, als nur 10,7 °C gemessen wurden. Noch kälter war es zuvor im Mai 1991 mit nur knapp über zehn Grad, auf den dann noch ein ausgesprochen kühler Juni folgte. So weit dürfte es aber in diesem Jahr nicht kommen, wie die ersten Tage des meteorologischen Sommers bereits gezeigt haben.

Wie schon im April war nicht nur die niedrige Durchschnittstemperatur auffällig, sondern auch die geringe Anzahl warmer Tage mit einer Höchsttemperatur von mindestens 20 Grad. Davon schaffte der Mai deutlich unterdurchschnittliche fünf, zwei davon während des einzigen kurzen Vorstoßes sehr warmer Luftmassen zum Ende der ersten Dekade waren sogar Sommertage mit bis zu 28,8 °C. Vergleicht man die einzelnen Tageshöchstwerte in Bevern mit dem jeweiligen Durchschnittswert der letzten 30 Jahre, so wurde dieser an nur vier Tagen übertroffen, aber an 27 Tagen verfehlt. Schon im April hatte dieses Verhältnis bei außergewöhnlichen 5:25 gelegen. Und wenn man bei den Monatstemperaturen April und Mai gemeinsam betrachtet, kommt man auf nur 9,1 °C – noch tiefere Werte findet man in der lokalen Klimageschichte nur 1991 und dann erst wieder 1941 sowie in den 1930er-Jahren. Mit anderen Worten: es war in den acht Wochen vor Maiende nicht nur gefühlt, sondern auch objektiv gemessen wirklich außergewöhnlich kühl, wobei im Mai weniger als im April kalte Nächte die Ursache waren: Der einzige und schwache Luftfrost wurde in Bevern mit -0,3 °C ebenso am 8. Mai gemessen wie der letzte Bodenfrost – von Eisheiligen also keine Spur.

Auch die Messungen an der dtn-Unwetterreferenzstation in Silberborn untermauern diese Bilanz: Mit einer Monatstemperatur von 9,2 °C war der Mai 2021 dort sogar um 2,2 K kälter als das Mittel der Jahre 1991-2020 und ebenfalls so kühl wie seit 2010 nicht mehr. Warme Tage suchte man fast vergeblich, doch auch auf rund 430 m Höhe reichte es am 9. für einen meteorologischen Sommertag mit 26,6 °C. Letzter Frost wurde ebenfalls am 8. gemessen.

Die Analyse der Großwetterlagen im April hatte eine deutliche Übergewichtung des Sektors Nord ergeben mit dem Zustrom polarer oder subpolarer Luftmassen. Im Mai drehte die Strömung dann ein Stück zurück (Rückdrehung meint eine Verschiebung gegen den Uhrzeigersinn), so dass nun die Anströmung aus Nordwesten, teils Westen dominierte.  Eine kurzzeitige Vorderseite eines Tiefs über den Britischen Inseln sorgte für die kräftige Erwärmung aus Süd/Südwest am Ende der ersten Dekade. Ganz überwiegend kamen die Luftmassen aber über den noch kühlen Nordostatlantik oder die Nordsee zu uns, was neben vielen Wolken zu häufigen Niederschlägen und mehrfach böig auffrischendem Wind bis hin zu einer Sturmlage am 4. und teilweise noch am 5. Mai führte. Tiefdruck dominierte bis kurz vor Monatsende, erst dann stellte sich die Wetterlage langsam auf eine trockene und wärmere Nordost- bis Ostströmung um.

Die häufigen Tiefdrucklagen sorgten in der gesamten Region für überdurchschnittliche Regenmengen, die der Natur eine weitere Entspannung verschafften. Hatte die Vegetation aufgrund der niedrigen Temperaturen einen zögernden Start hingelegt, wurde es mit Unterstützung der kurzen Warmphase, vor allem aber aufgrund der milderen Nächte und der regelmäßigen Niederschläge zunehmend sattgrün. Die Messwerte zeigen dennoch ein recht inhomogenes Bild, da neben Landregen auch diverse Schauer unterwegs waren, die sich teils eng begrenzt und unterschiedlich häufig und intensiv entwickelten. An der Klimastation in Bevern gab es ungewöhnlich viele Niederschlagstage mit 25 an der Zahl, dabei summierten sich die Regenmengen auf 79,9 mm, was einem Plus von 35% gegenüber dem Mittel der Jahre 1991-2020 entspricht.

Doch damit war Bevern sogar noch die „trockenste“ Station im Kreis und den angrenzenden Gebieten: Lüchtringen meldete 97,7 mm, Polle 98,1 mm und Hehlen 94,2 mm. In Vorwohle waren es 88,1 mm und in Amelith 84,0 mm, während in Hellental mit 102,9 mm die 100er-Marke ebenso überschritten wurde wie in Ottenstein mit 105 mm. Spitzenreiter war Silberborn, wo sogar 114 mm gemessen wurden – gut die Hälfte mehr als im Schnitt der vergangenen 30 Jahre und Balsam für die Sollingwälder. Insgesamt war es der nasseste Mai seit 2014.

Bei vielen Wolken und bis kurz vor Monatsende vorherrschendem Tiefdruck blieb nicht allzu viel Platz für die Sonne, die sich nur rund 145 Stunden lang und damit 53 Stunden oder 27% weniger als im Mittel seit 1991 zeigen konnte. Sonnenscheinreiche Tage, definiert mit einer Quote von mindestens 80% der astronomisch möglichen Menge, gab es nur zwei – am 9. sowie am 31., als die Sonne zum Monatsausklang von früh bis spät schien. Umgekehrt waren komplett trübe Tage auch kaum einmal anzutreffen, bei der rasch wechselnden Bewölkung ergaben sich auch immer wieder mal Lücken für die Sonne – zur Freude gerade von Hobbyfotografen, die mit vielen optisch reizvollen Szenen inklusive diverser Regenbögen reichlich Motive geliefert bekamen vom Aprilwetter im Mai.

Frühjahrsbilanz: Kühl, nass und trüb wie seit 2013 nicht mehr

Ein März, ein April auf Märzniveau und ein Mai auf Aprilniveau – so lässt sich das meteorologische Frühjahr 2021 bei den Temperaturen nur wenig zugespitzt zusammenfassen. Unter dem Strich war es das kühlste seit 2013, als allerdings ein extrem kalter März für Schlagzeilen sorgte und den Wert drückte. Mit nur 7,85 °C war der aktuelle Frühling an der Station in Bevern der drittkälteste seit Beginn der globalen Erwärmung 1987 – nur 2013 und 1996 liegen noch darunter. Das Klimamittel der letzten 30 Jahre wurde um fast 1,4 K verfehlt und selbst gegenüber der älteren Periode 1961-1990 steht ein Minus von 0,3 K. Die in Silberborn erzielten 5,6 °C bedeuten sogar eine Abweichung von fast -1,8 K im Vergleich zum Klimawert seit 1991, auch dort war es das drittkälteste Frühjahr seit 1987 hinter 1996 und 2013, wobei 2006 anders als in Bevern mit dem aktuellen Frühling gleichauf liegt.

Der Jahreszeitniederschlag lag in Bevern nach einem ausgeglichenen März, einem leicht überdurchschnittlichen April und einem nassen Mai mit 197,4 mm um knapp 19% über dem Schnitt der letzten 30 Jahre und deutlich über dem Niveau seit 2014, nachdem es zuletzt mehrere sehr trockene Frühjahre gegeben hatte. In Silberborn kamen 244 mm zusammen, das Plus gegenüber dem dortigen Klimawert fiel mit gut 9% aber geringer aus. Nassester Standort im Kreis war Hellental mit 260,7 mm, am wenigsten fiel in Hehlen mit 189,3 mm.

Die Sonne schließlich schien mit nur rund 410 Stunden in der Region 76 Stunden oder gut 15% weniger als im Mittel von 1991-2020, auch der alte Klimawert von 1961-1990 von 432 Stunden wurde verfehlt. Besonders markant fällt das Minus gegenüber dem Vorjahr aus, als mit 690 Stunden ein neuer Rekord aufgestellt wurde.

Vom Frühling nichts Neues

Auch die erste Maihälfte war ungewöhnlich kühl und trüb

Trotz eines kurzen Wärmeintermezzos am Ende der ersten Dekade mit den Sommertagen 2 und 3 in diesem Frühjahr (nach dem ersten und historisch frühen am 31. März) verlief auch die erste Maihälfte deutlich kühler als im langjährigen Mittel.

Mit einer Mitteltemperatur von 11,2 °C lag die Durchschnittstemperatur an der DWD-Station in Bevern nach 16 Tagen um 1,3 K unter dem Verlaufswert der Periode 1991-2020. Vom erwähnten kurzen Ausflug in wärmere Bereiche am 9. und 10. abgesehen blieb das Tagesmaximum an allen anderen Tagen unter dem Mittel der letzten 30 Jahre. Dazu war es ausgesprochen trüb: Mit nur 62 Sonnenstunden schafften die ersten 16 Tage gerade 31% vom Gesamtmonatsmittel 1991-2020.

Und Besserung ist nicht in Sicht, im Gegenteil: Die kurz- und mittelfristigen Aussichten zeigen sogar noch ein Stück nach unten bei der Temperaturkurve und auch längerer Sonnenschein ist nicht in Sicht. Die Niederschlagsbilanz betrug hingegen bereits fast zwei Drittel des monatlichen Durchschnitts. Inklusive der Aussichten sieht es also nach einem kühlen bis sehr kühlen, sonnenscheinarmen und nassen „Wonnemonat“ 2021 aus, der ein außergewöhnlich kaltes Frühjahr beschließen dürfte.

Ja, ist denn immer noch Winter?

Der April 2021 war der kälteste seit 1977 und schneereichste seit 1984

Rückblick auf den April 2021 im Oberwesertal und im Hochsolling

Häufig berichten wir an dieser Stelle von neuen Wärmerekorden, so auch vor wenigen Wochen im Märzrückblick, als erstmals ein meteorologischer Sommertag im ersten Frühjahrsmonat gemessen wurde. Doch auch in Zeiten des Klimawandels gibt es Ausnahmen hin zur kalten Seite, wie der April nun eindrucksvoll unterstrichen hat. Sprichwörtlich macht er ja, was er will – und er wollte in diesem Jahr vor allem eines: kalt sein. Und das nicht nur ein bisschen, sondern so sehr wie seit 1977 nicht mehr. Doch nicht nur die Temperaturen erinnerten oft mehr an Spätwinter als an Frühling, auch der optische Eindruck unterschied sich deutlich von den Aprilbildern der vergangenen Jahre: Was da an weißen Flocken durch die Luft schwirrte und zu Boden fiel, war nicht etwa die Obstblüte, sondern echter Schnee – und der blieb am Ende der ersten Woche sogar liegen, so spät im Jahr wie lange nicht. Im Hochsolling waren es teils bis zu zehn Zentimeter, doch auch in den Niederungen wurde es vorübergehend so weiß wie seit Mitte der 1980er Jahre nicht mehr.

Mit einer Monatstemperatur von 6,64 °C war der April 2021 an der DWD-Station in Bevern um 2,9 Kelvin kälter als das Mittel der aktuellen Klimaperiode 1991-2020. In den letzten 15 Jahren hatte es im zweiten meteorologischen Frühjahrsmonat mehrfach sehr warme Vertreter mit Temperaturen über elf Grad gegeben, der Rekord vor drei Jahren kratzte sogar an der 13-Grad-Marke. Zwischendurch gab es zwar auch immer wieder kühlere Exemplare, aber wirklich kalt war es seit nunmehr 20 Jahren nicht – 2001 wurde letztmals das ältere und niedrigere Klimamittel der Jahre 1961-1990 von 7,93 °C verfehlt. Ähnlich tief wie in diesem Jahr war das Temperaturniveau zuletzt im April 1997, als es keine Wetterstation vor Ort im Wesertal gab und sich aus den Werten der Umgebung wie Hameln und Oberweser (heute Wesertal) sowie Moringen-Lutterbeck ein Wert von 6,7 °C errechnet. Auch 1986 kommt auf eine Apriltemperatur von 6,7 °C, gemessen an der damaligen Station in Holzminden am Bergblick/Sonnenwinkel, zweifelsfrei noch kälter war es zuletzt im April 1977 mit 6,3 °C, die am Vorgängerstandort Über dem Gerichte ermittelt wurden.

Doch nicht nur Monatsmitteltemperatur fiel außergewöhnlich niedrig aus, auch die Tageswerte unterstreichen die hartnäckige Kälte: Mit elf Frosttagen in Bevern wurde der Rekord in der Messreihe Holzminden/Bevern aus dem Jahr 1958 eingestellt. Bodenfrost in fünf Zentimetern über dem Erdboden trat sogar an 19 Tagen auf und im Vergleich zu den durchschnittlichen täglichen Höchstwerten der letzten 30 Jahre waren 25 Tage im April kälter und nur fünf wärmer. Das Maximum wurde mit 19,8 °C gleich am Monatsersten erreicht und lag erstmals seit 1997 unter der 20-Grad-Marke.

Noch ein ganzes Stück kälter und spätwinterlicher liest sich die Bilanz im Hochsolling: An der DTN-Unwetterreferenzstation im Silberborner Kurgarten lag die Monatsmitteltemperatur bei nur 4,27 °C und damit um 3,2 K unter dem Klimawert der Jahre 1991-2020. Vergleichbar kalt war es in Silberborn zuletzt 1986 mit 4,28 °C und auch dort muss man bis 1977 zurückblättern, um einen noch kälteren April zu finden. Wärmster Tag war der 28. mit einem Höchstwert von 17,9 °C.  An nur zwei weiteren Tagen gelang der Sprung über die 15-Grad-Marke, dafür gab es 13 Frosttage, am 6. und 7. sogar negative Tagesmittelwerte – und nicht nur das: Der Spätwinter meldete sich auch mit Schnee eindrucksvoll zurück. Auf knapp zehn Zentimeter wuchs die Schneedecke vorübergehend am Morgen des 7. April an – das ist selbst für diese Höhenlage ein ungewöhnlich hoher Wert zu einem solch späten Zeitpunkt im Jahr. Zuletzt hatte es Anfang April 1994 mit elf Zentimetern ähnlich viel Schnee in Silberborn gegeben, deutlich mehr war es zehn Jahre zuvor 1984, als in der ersten Aprildekade fast durchgehend Schnee lag und dabei stattliche Höhen von bis zu 32 cm gemessen wurden!

Was man aber auch festhalten muss: Einzelne Tage mit einer dünnen Schneedecke von meist 1-2 cm sind im Hochsolling auch in den letzten 30 Jahren im April immer wieder mal vorgekommen – ab und zu sogar noch nach Monatsmitte. Ganz anders sieht es im Wesertal aus: Auch dort finden sich bis zum Ende der 1980er Jahre immer wieder mal späte Schneedecken im April, meist nur kurz und auch nicht allzu hoch, aber es gab sie – in den Achtzigern immerhin in vier Jahren. 1984 ragt auch hier mit bis zu 15 cm deutlich heraus. Mit Beginn der globalen Erwärmung am Ende des Jahrzehnts war es dann wie abgeschnitten: 27 Jahre passierte nichts mehr, erst am 2. April 2015 gab es wieder eine offizielle Schneedeckenmeldung von der 2006 in Betrieb genommenen Station in Bevern, die mit einem Zentimeter aber gerade einmal die Mindesthöhe erreichte. Erst vor gut vier Wochen konnte Beobachter Manfred Springer an „seiner“ DWD-Station nun zum zweiten Mal seit Wiederbeginn der Messungen morgendliche handgemessene Schneehöhen im April nach Offenbach melden: Zunächst einen Zentimeter am 6. und einen Tag später sogar vier Zentimeter, die damit den höchsten Wert der Klimareihe seit 1984 und zugleich Stationsrekord am Standort Bevern im April bedeuten.

Auch die ehrenamtlichen Kollegen an den weiteren Messstellen in der Region setzten Schneemeldungen am Ende der ersten Aprilwoche ab: Je vier Zentimeter waren es in Lüchtringen, Ottenstein, Hehlen und Hellental, fünf in Polle, sechs in Amelith und sogar sieben in Vorwohle.

Woran lag es nun, dass dieser April deutlich aus dem Rahmen der jüngeren Vergangenheit herausfiel? Mit einer Trendwende beim Klima, da sind sich die Experten sicher, hat es nichts zu tun, die langjährige Entwicklung wird dadurch nicht in Frage gestellt. Oder, wie es Andreas Friedrich aus der Pressestelle des DWD formulierte: „Das, was wir im April erlebt haben, ist Wetter. Das war ein lokaler, kurzzeitiger Effekt.“ Mit dem Klimawandel, auch darauf wird seit Jahren hingewiesen, nimmt die Variabilität des mitteleuropäischen Klimas nicht ab, es gibt also weiterhin gerade in den Winter- und Frühlingsmonaten deutliche Abweichungen von den langjährigen Durchschnittswerten, wobei sich allerdings die Verteilung klar hin zur warmen Seite verschoben hat.
Eine tiefer gehende Analyse unter Einbeziehung der Stratopsphären-erwärmungen zu Jahresbeginn hat Kurt Hansen hier verfasst: http://www.wzforum.de/forum2/read.php?27,3961361
Seinen lesenswerten und lehrreichen Blog findet man hier: http://kurthansen-meteo.blogspot.com/

Immerhin lässt sich auch für die weniger versierten Hobbymeteorologen anhand der Großwetterlagen und -typen leicht erklären, warum es in diesem April kaum warm und oft kalt werden konnte: Über dem Nordatlantik hatte sich eine Hochdruckzone gebildet, die zum einen die Westwindströmung blockierte und zum anderen im Zusammenspiel mit Tiefdruck über Nordeuropa Luft aus polaren Breiten zu uns führte – je nach Lage der Druckgebilde herrschten in Deutschland Nordwest-, Nord- oder Nordostlagen – sie machten 24 von 30 Tagen aus.

In der vorwiegenden Nordströmung war der Wettercharakter durchaus apriltypisch wechselhaft, so dass sich stark bewölkte und heitere Abschnitte im Tagesverlauf oft rasch abwechselten und es nur wenige vollständig trübe Tage gab, ebenso reichte es kaum einmal für durchgehenden Sonnenschein. Von den als sonnenscheinreich eingestuften Tagen mit mindestens elf Stunden Sonnenschein gab es nur drei – im letzten April waren es noch 18 gewesen. Vor einem Jahr gab es mit 294 Stunden noch einen neuen Allzeitrekord bei der Monatssumme, diesmal musste man sich mit weniger als der Hälfte, genauer: mit 144 Stunden begnügen. Damit wurde das Klimamittel der Jahre 1991-2020 um ca. 28 Stunden oder gut 16% verfehlt.

Überdurchschnittlich war dagegen die Niederschlagssumme, zumindest an der Station in Bevern, wo mit 56,7 mm das Mittel der vergangenen 30 Jahre um immerhin 24% übertroffen wurde. Zuletzt hatte es oft längere Trockenheit im April gegeben, mehr Regen war in Bevern zuletzt 2008 gefallen. Auch die Werte aus Lüchtringen und Vorwohle lagen sehr ähnlich mit rund 58 mm, im Nordwesten des Kreises war es allerdings ein ganzes Stück trockener: In Polle wurden knapp 49 mm gemessen und in Ottenstein und Hehlen sogar nur 39 bzw. 38 mm. Auch im klimatisch nasseren Sollingumfeld gab es Unterschiede: Am meisten fiel in Hellental mit fast 71 mm, weiter südwestlich in Amelith auf ähnlicher Höhe waren es nur knapp 54 mm und Silberborn lag mit 61,7 mm nicht nur geographisch dazwischen. Der dortige Wert liegt geringfügig über dem Mittel der Jahre 1991-2020, so dass es zumindest keinen weiteren zu trockenen Monat im Hochsolling gab, von einer nachhaltigen Entspannung für die Wälder aber auch nicht die Rede sein kann.

Titelfoto: Annette Mokross, Polle

Die Diagramme öffnen sich wie immer per Klick in größerer Ansicht:

Nach Ostern wurde es noch einmal winterlich (Foto: Annette Mokross)
Der Schnee war am 17.04. zwar auch im Solling wieder verschwunden, aber von frühlingshafter Stimmung keine Spur. Immerhin entschädigt diese markante Wellenstruktur der stratiformen Bewölkung für das kühle und trübe Grau (Foto: Thomas Seliger)

So kalt wie seit 25 Jahren nicht mehr

Zwischenbilanz der ersten Aprilhälfte

Ja, ist denn schon wieder Weihnachten? Diese Frage könnte man sich durchaus stellen, wenn man auf die Temperaturen der ersten Aprilhälfte blickt: Ein Mittelwert von 4,9 °C an der DWD-Station in Bevern und von 2,4 °C an der DTN-Station in Silberborn, dazu acht bzw. zehn Frosttage und mehrere mit Schneedecke – diese Daten könnten durchaus aus einem Dezember stammen. Und der Blick in die Natur deutet zumindest im Hochsolling kaum etwas von einem Frühlingsdurchbruch an.

Auch wenn Kaltlufteinbrüche im mitteleuropäischen Frühjahr keine Seltenheit sind, ist die diesjährige Aprilkälte ungewöhnlich hartnäckig. Nur ein Tag bisher – gleich der Monatserste – war wärmer als im Durchschnitt der letzten 30 Jahre, alle anderen seither landeten unter ihrem Klimamittelwert, die meisten davon deutlich.

Zwar gab es neben mehreren sehr warmen Exemplaren seit dem ersten „Aprilsommer“ im Jahr 2007 auch immer wieder kühlere Vertreter wie 2015-2017, aber so kalt wie in diesem Jahr war es in der ersten Aprilhälfte im Oberwesertal zuletzt vor 25 Jahren im Jahr 1996. Damals gab es keine Messungen in Bevern oder Holzminden, aber eine Station des DWD in Boffzen, an der 4,5 °C bei den Tagesmitteltemperaturen und 9,4 °C bei den Höchstwerten (aktuell in Bevern 9,6 °C) zu Buche stehen. In Silberborn war es damals mit 2,4 °C genauso kalt wie in diesem Jahr, die aktuellen Höchstwerte liegen mit einem Durchschnittswert von 6,1 °C nach 15 Tagen sogar noch ein Stück unter denen vor 25 Jahren (6,8 °C). Erst weitere zehn Jahre zurück findet sich eine in der gesamten Region noch deutlich kältere erste Aprilhälfte: 1986 wurden in Holzminden 3,5 °C bei den Tagesmitteln und 6,5 °C bei den Höchstwerten gemessen, in Silberborn 1,0 und 3,7 °C. Gegenüber dem aktuellen Klimamittel der Jahre 1991-2020 waren die ersten 15 Apriltage 2021 in Bevern um 3,3 K und in Silberborn sogar um 3,7 K zu kalt.

Beim Niederschlag wurde bereits zur Halbzeit mit 44,1 mm fast das gesamte Monatsmittel erreicht, die Sonne zeigte sich nur selten und schaffte nur gut 26% der durchschnittlichen Monatssumme.

Von Frühling keine Spur: Trostloser Ausblick vom Hochsollingturm am 17.04. Foto: Thomas Seliger