Rekordhitze und große Trockenheit

Der Juli 2022 brachte fast 39 Grad und viel zu wenig Regen

„36 Grad und es wird noch heißer“ – dieser Song mag so manchem Bewohner der Region beim Blick auf das Thermometer am Ende der zweiten Julidekade in den Sinn gekommen sein. Und es wurde in der Tat noch ein ganzes Stück heißer mit neuen Allzeitrekorden für den Landkreis: Auf 37,9 und schließlich 38,7 °C steigerte sich die Hitze am 19. und 20.07. an der DWD-Station in Bevern. Auch in Silberborn wurde mit dem erstmaligen Überschreiten der 36-Grad-Marke ein neuer Rekord aufgestellt. Sieht man allerdings von diesem kurzen, sehr intensiven Heißluftvorstoß bis weit in den Norden mit dem Knacken der 40-Grad-Marke selbst in Hamburg an der Station Neuwiedenthal einmal ab, verlief der Juli 2022 in der Region bei Temperatur und Sonnenschein recht unauffällig und nur leicht über den Durchschnittswerten der letzten 30 Jahre. Sorgen bereiteten dagegen die erneut viel zu geringen Niederschläge: seit März sind mit Ausnahme des Aprils alle Monate mehr oder weniger deutlich zu trocken ausgefallen. Und zumindest in der ersten Augusthälfte sieht es derzeit leider auch nicht nach einer durchgreifenden Änderung hin zu mehr Regenfällen aus.

Mit einer Monatstemperatur von 19,06 °C war der Juli 2022 an der DWD-Klimastation in Bevern um knapp 0,5 K wärmer als im Mittel der Jahre 1991-2020. Gegenüber der älteren Klimanorm von 1961-1990 betrug das Plus deutliche 1,9 K. Neben den beiden Rekordtagen wurde noch an vier weiteren Tagen die 30-Grad-Marke überschritten, das Kriterium einer Hitzewelle erfüllte aber nur der Zeitraum vom 18.-20. Juli. Ansonsten war es mal hochsommerlich und mal mäßig warm, wirklich kühle Tage blieben wie schon im Juni Fehlanzeige: Nur an vier Tagen wurde die 20-Grad-Marke verfehlt und das auch nur recht knapp mit Höchstwerten zwischen 18,8 und 19,7 °C. Deutlich frischer kam so manche Nacht daher, immerhin fünfmal gingen die Werte in den einstelligen Bereich zurück. Einer der Gründe dafür war die häufig trockene Luft in der bodennahen Schicht, die auch dazu führte, dass die Rekordhitze als nicht so belastend wahrgenommen wurde wie die sehr feuchte und damit schwüle Hitzewelle im August 2020. Am Nachmittag des 19. fiel die relative Feuchte sogar auf rekordverdächtig niedrige 13,9% in Bevern, am 20. lag der tiefste Wert bei 15,7%.

An der Wetterstation in Silberborn war es an jenen Nachmittagen ähnlich trocken und mit 36,7 °C wurde auch im Hochsolling ein neuer Allzeitrekord gemessen. Die Monatstemperatur lag im Kurgarten mit 17,0 °C um 0,54 K über dem Mittel der Jahre 1991-2020 bzw. 2,05 K über dem Klimawert von 1961-1990. Insgesamt vier heiße Tage sind an diesem Standort auf über 400 m deutlich überdurchschnittlich, es gab aber auch eine Reihe von Tagen, an denen die 20-Grad-Marke nicht erreicht wurde, und dreimal lag der Höchstwert sogar nur um 15 Grad. Die nächtlichen bzw. morgendlichen Tiefstwerte lagen 13 Mal unter zehn Grad, der niedrigste Wert wurde am 17. mit nur 5,3 °C gemessen. Dafür gab es während der kurzen Hitzewelle eine Tropennacht mit einem Minimum von 22,1 °C, bereits die zweite in diesem Sommer in Silberborn.

Bullenhitze nach Monatsmitte bis fast 39 Grad – wohl dem, der da eine Abkühlung fand.
©Annette Mokross

Wie konnte es derart heiß bis in den hohen Norden Deutschlands werden? Der Blick auf die Großwetterlagen und die Temperaturverteilung über Europa zeigt über weite Strecken ein zonales Zirkulationsmuster mit einem sehr heißen Mittelmeerraum und einem recht kühlen Nordeuropa. Diese Gegensätze bilden sich auch in der Monatsbilanz in Deutschland ab: Während das langjährige Temperaturmittel im Norden teilweise verfehlt wurde, war es gen Südwesten und Süden teils über 2 Grad wärmer als im dortigen Durchschnitt – jeweils bezogen auf die aktuelle Klimaperiode ab 1991.

Nach Monatsmitte wurde diese recht persistente Neigung zu Westlagen (in der ersten Dekade überwiegend Nordwest) kurz unterbrochen, da auf der Vorderseite eines Tiefs vor der Iberischen Halbinsel sehr warme Luftmassen weit nach Norden transportiert wurden, die sich unter weitgehend ungehinderter Einstrahlung bodennah stark erhitzen konnten. In der Folge wurde selbst in England erstmals die 40-Grad-Marke geknackt. Mit einer Verlagerung der heißesten Luft nach Osten wurden auch im Norden Deutschlands zuvor nie erreichte Temperaturen möglich. Neue Landesrekorde in Schleswig-Holstein, Hamburg, Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen und Sachsen-Anhalt waren die Folge. Doch während der Südwesten auch in der Folge häufig unter 30 Grad und mehr schwitzte, blieb die dritte Dekade bei uns meist moderat temperiert, inklusive zweier heißer Tage mit 31-33 Grad in Bevern am 24.+25.07., die allerdings zum normalen Hochsommergeschehen vor Ort dazu gehören.

Alles andere als normal ist die Niederschlagbilanz seit dem Frühjahr – und nach dem bereits deutlich zu trockenen Juni verschärfte sich die Situation im Juli noch weiter. Zwar war die Anzahl der Niederschlagstage mit meist 16 noch nicht einmal ungewöhnlich niedrig, aber der Blick auf die gefallenen Mengen offenbart das Dilemma: In Bevern beispielsweise gab es nur an einem Tag mehr als vier Millimeter Regen, die höchste Tagessumme lag bei 10,1 mm. In Silberborn gelang zwar immerhin zweimal der Sprung über die 10-mm-Marke und zwei weitere Male fielen zumindest mehr als 7 mm. Doch auch dort kann von Entspannung keine Rede sein, denn erstens kam im feuchteren Sollingklima mit einer Monatssumme von 54,6 mm auch nur etwas mehr als die Hälfte des langjährigen Durchschnitts zusammen, und zweitens war das Defizit der Vormonate im Solling noch größer ausgefallen als an den anderen Messstellen im Umkreis.

Die Trockenheit führte vor allem im Osten zu mehreren Waldbränden. Was hier wie Feuer aussieht, ist aber zum Glück nur ein farbintensiver Sonnenaufgang. ©A. Mokross

Deren Juliwerte lauteten (in Klammern die Klimawerte 1991-2020): Bevern 34,8 mm (80,4), Lüchtringen 43,5 mm (78,2), Polle 38,8 mm (75,4 – dieser vom DWD angegebene Wert scheint angesichts der Höhenlage von 270 m zu niedrig), Hehlen 47,2 mm (80,0), Vorwohle 43,2 mm (88,4), Hellental 46,1 mm (78,0 – auch diese DWD-Angabe ist unplausibel niedrig) und Amelith 52,0 mm (91,5). Aus Ottenstein fehlen erneut einige Tageswerte, andere wurden vom DWD nachträglich mit Schätzwerten gefüllt, so dass leider keine belastbare Monatssumme vorliegt. Klar zu trocken war es aber auch im Nordwesten des Kreises auf jeden Fall.

Auch im Hochmoor Mecklenbruch ein Thema: Der Wasserhaushalt.
Aktuell ist es auch dort deutlich zu trocken.

Blickt man allerdings auf das gesamte Land, ergibt sich vor allem Richtung Rheinland-Pfalz und Saarland eine extreme Dürrephase, so fiel im Raum Trier teils nur um 1 mm Regen, und auch am Oberrhein waren es oft nur wenige Millimeter – und das bei dort deutlich höheren Temperatur- und Sonnenscheinwerten.

Nach dem sehr sonnigen Juni mit fast 290 Stunden zeigten sich am Julihimmel in unserer Region häufiger dichte Wolkenfelder, besonders ausgeprägt in der zweiten und dritten Pentade sowie gen Monatsende. In diesen Phasen schien die Sonne oft nur zwischen wenigen Minuten und vier Stunden. Als sonnenscheinreich bleiben das erste Wochenende sowie die heiße Phase nach Monatsmitte in Erinnerung. Unter dem Strich ergab sich eine Monatssumme von rund 216 Stunden – gut elf mehr als im Schnitt der Jahre 1991-2020. Zuvor war der Juli in fünf der letzten sechs Jahre unter seinem Mittel geblieben. Auch hier soll der Blick über den lokalen Tellerrand das Bild abrunden: Am längsten schien die Sonne an der Station Lahr im Ortenaukreis westlich des Schwarzwalds in der Oberrheinebene mit 369 Stunden, am wenigsten wurde im Nordseeumfeld mit teils nur 186 Stunden gemessen.

Zwei Himmelsbilder aus dem Juli 2022: Wolkenverhangen am 09.07. …
… und ein diffuses Licht inkl. Halo-Erscheinung (Nebensonne)
am Morgen des 28.07. ©A. Mokross

Bilanz der Extremhitze am 19.+20.07.2022

Das Fazit der kurzen, aber extremen Hitzewelle: Es wurde am Dienstag und am Mittwoch noch ein Stück heißer als am oberen Rand der Prognosen vom Sonntagabend. Weitere Aktualisierungen waren leider nicht möglich zwischenzeitlich, es sei aber ergänzt, dass ab Montag für den Mittwoch sogar die 39 in den Berechnungen auftrat und diese sich dann auch – gerundet – tatsächlich bewahrheiteten.

Somit gab es zunächst am Dienstag einen neuen Standortrekord an der DWD-Station in Bevern (seit Juli 2006) mit 37,9 °C – zugleich auch neuer Rekord für die Zeitreihe 2323, die die Messungen von 1951-1991 in Holzminden einschließt. Dennoch sind die am Abend schnell aufgestellten Listen, wonach hier ein Rekord in einer über 70-jährigen Zeitreihe erzielt wurde, um den nicht unwichtigen Umstand zu ergänzen, dass diese Reihe zwischen 1991 und 2006 um fast volle 15 Jahre unterbrochen ist und damit so wichtige Monate wie August 2003 und August 1992 fehlen. Sinnvollerweise zieht man wie bereits mehrfach erläutert für die Jahre 1992-1996 die Werte der Station Boffzen (0588, 105 m) als Ersatz heran. Dort wurden am 09.08.1992 ebenfalls 37,9 °C gemessen, so dass für den Dienstag zunächst „nur“ eine Einstellung des lokalen Temperaturrekords zu konstatieren ist. Keine 24 Stunden später erwies sich diese Betrachtung dann aber als obsolet, da in Bevern mit 38,7 °C am Mittwochnachmittag der nun zweifelsfrei höchste Messwert seit Beginn der regionalen Wetterbeobachtungen erzielt wurde.

Wir bilanzieren also ein Extrem- und Rekordereignis innerhalb einer sehr kurzen Hitzewelle, denn diese erfüllte gerade einmal die Mindestvoraussetzung von drei heißen Tagen in Serie nach der Definition des tschechischen Meteorologen Kysély und endete mit dem klaren Verfehlen der 25-Grad-Marke am gestrigen Donnerstag, als die Höchsttemperatur anders als am Mittwoch am unteren Rand der Berechnungen verblieb. Bei der Bewertung der Wärmebelastung sollte natürlich auch die äußerst niedrige Luftfeuchte (RH am Dienstagnachmittag bis auf 13,9% gefallen, am Mittwoch bis auf 15,7%) berücksichtigt werden, da trockene Hitze in der Regel als deutlich weniger unangenehm empfunden wird wie feuchte, also sehr schwüle Hitze, wie sie in der deutlich längeren Hitzewelle des August 2020 an einer Reihe von Tagen auftrat, während die absoluten Höchsttemperaturen damals „nur“ bis 35,6 °C reichten.

Tatsächliche Messwerte (in Klammern letzte Prognose):
Mo, 11.07.2022 18,8 °C (21 °C)
Di, 12.07.2022 28,3 °C (27-28 °C)
Mi, 13.07.2022 30,8 °C (27-29 °C)
Do, 14.07.2022 24,3 °C (23-25 °C)
Fr, 15.07.2022 21,0 °C (20-21 °C)
Sa, 16.07.2022 22,5 °C (21-23 °C)
So, 17.07.2022 26,5 °C (24-25 °C)
Mo, 18.07.2022 34,0 °C (32-33 °C)
Di, 19.07.2022 37,9 °C (36-38 °C)
Mi, 20.07.2022 38,7 °C (35-39 °C)

Do, 21.07.2022 23,5 °C (23-27 °C)

Was rollt denn nun wirklich auf uns zu?

Update 17.07.2022 zu den in den nächsten 4 Tagen zu erwartenden Höchstwerten. Große Unsicherheiten bestehen derzeit noch für den Mittwoch, bei dem unklar ist, wie schnell weniger heiße Luftmassen zu uns vorankommen und wie weit im Vorfeld bereits mit dichterer Bewölkung zu rechnen ist. Ebenso, ob dieser Prozess mit Schauern und Gewittern einhergeht oder trocken abläuft. Einige Modelle rechnen diesen Tag heute Abend sogar heißer als den Dienstag mit Option in Richtung neuer Rekord (bisher 37,2 °C an der Station Bevern).

Mo, 18.07.2022 31-33 °C
Di, 19.07.2022 35-37 °C
Mi, 20.07.2022 29-37 °C
Do, 21.07.2022 24-26 °C


Tatsächliche Messwerte (in Klammern letzte Prognose):
Mo, 11.07.2022 18,8 °C (21 °C)
Di, 12.07.2022 28,3 °C (27-28 °C)
Mi, 13.07.2022 30,8 °C (27-29 °C)
Do, 14.07.2022 24,3 °C (23-25 °C)
Fr, 15.07.2022 21,0 °C (20-21 °C)
Sa, 16.07.2022 22,5 °C (21-23 °C)

Update 16.07.2022 zu den in den nächsten 5 Tagen zu erwartenden Höchstwerten. Im Vergleich zu gestern festigt sich der Trend, dass die große Hitze nur auf einen Tag, den Dienstag, fällt. Dieser dürfte aber ziemlich sicher mindestens 35 Grad heiß werden, vermutlich sogar etwas mehr. Ein Überschreiten der 30-Grad-Marke am Mittwoch ist nach heutigem Stand schon nicht mehr sicher und die kurze Hitzewelle, so sie denn überhaupt die Kriterien nach Kysely erfüllt, ziemlich sicher zum Donnerstag beendet.

So, 17.07.2022 24-25 °C
Mo, 18.07.2022 32-33 °C
Di, 19.07.2022 35-37 °C
Mi, 20.07.2022 29-33 °C
Do, 21.07.2022 24-27 °C


Tatsächliche Messwerte (in Klammern letzte Prognose):
Mo, 11.07.2022 18,8 °C (21 °C)
Di, 12.07.2022 28,3 °C (27-28 °C)
Mi, 13.07.2022 30,8 °C (27-29 °C)
Do, 14.07.2022 24,3 °C (23-25 °C)
Fr, 15.07.2022 21,0 °C (20-21 °C)

Update 15.07.2022 zu den in den nächsten 6 Tagen zu erwartenden Höchstwerten. Im Vergleich zu gestern zeigt sich eine Verschiebung nach vorn, das heißt, der Montag wird wohl etwas heißer als gestern noch erwartet, dafür wird der Höhepunkt bereits am Dienstag erwartet und aktuell auch noch etwas intensiver berechnet, während nun bereits am Mittwoch eine Abschwächung, evtl. mit Gewittern, in Sicht ist und für Donnerstag keine Hitze mehr berechnet wird, aber noch unsicher und voraussichtlich noch ein sehr warmer Tag. Damit wird die kurze Hitzewelle wohl auch beendet sein, so dass die hier aufgeführten Prognosen mit dem 21.07. enden sollen.

Sa, 16.07.2022 21-23 °C
So, 17.07.2022 24-25 °C
Mo, 18.07.2022 31-33 °C
Di, 19.07.2022 33-37 °C
Mi, 20.07.2022 30-35 °C
Do, 21.07.2022 27-31 °C


Tatsächliche Messwerte (in Klammern letzte Prognose):
Mo, 11.07.2022 18,8 °C (21 °C)
Di, 12.07.2022 28,3 °C (27-28 °C)
Mi, 13.07.2022 30,8 °C (27-29 °C)
Do, 14.07.2022 24,3 °C (23-25 °C)

Update 14.07.2022 zu den in den nächsten 7 Tagen zu erwartenden Höchstwerten. Heute ist der erste Tag, an dem sich nicht nur die Modellierungen für die Kurzfrist, sondern auch für die Mittelfrist stabilisiert haben und keine weitere Verschiebung berechnet wird, was die heißen Tage am Dienstag und Mittwoch angeht, dafür scheint sich nun die nachfolgende Abkühlung um einen Tag zu verzögern. Es ist daher nach aktuellem Stand von einer 3-4-tägigen Hitzephase oder auch „-welle“ auszugehen, die am Montag beginnen könnte, ziemlich sicher heiß bis sehr heiß werden Dienstag und Mittwoch, und auch am Donnerstag ist noch ein Tag mit Hitze von 30 Grad und mehr drin, vermutlich aber nicht mehr so intensiv wie an den beiden Vortagen und schon deutlich unsicherer. Für wie zuverlässig sich die ab Freitag von Nordwesten berechneten Abkühlungsszenarien erweisen, bleibt noch abzuwarten und ist auch noch nicht Gegenstand der aktuellen Wochenübersicht mit dem wahrscheinlichsten Bereich der Höchstwerte.

Fr, 15.07.2022 20-21 °C
Sa, 16.07.2022 21-23 °C
So, 17.07.2022 23-24 °C
Mo, 18.07.2022 29-31 °C
Di, 19.07.2022 32-35 °C
Mi, 20.07.2022 34-36 °C
Do, 21.07.2022 28-32 °C


Tatsächliche Messwerte (in Klammern letzte Prognose):
Mo, 11.07.2022 18,8 °C (21 °C)
Di, 12.07.2022 28,3 °C (27-28 °C)
Mi, 13.07.2022 30,8 °C (27-29 °C)

Update 13.07.2022 zu den in den nächsten 7 Tagen zu erwartenden Höchstwerten. Während sich die Kurzfrist etwas stabilisiert hat, gibt es in der Mittelfrist weitere Abwärtskorrekturen, wie man im Vergleich zum gestrigen Update gut erkennen kann. Der heiße Tag am Montag ist unwahrscheinlich geworden, Schwerhitze von 35 Grad oder mehr ist mittlerweile gar nicht mehr zu erwarten. Selbst leichte Hitze über den Mittwoch hinaus steht nicht an.

Do, 14.07.2022 23-25 °C
Fr, 15.07.2022 20-21 °C
Sa, 16.07.2022 21-23 °C
So, 17.07.2022 22-24 °C
Mo, 18.07.2022 27-29
°C
Di, 19.07.2022 31-34 °C
Mi, 20.07.2022 30-34 °C

Tatsächliche Messwerte (in Klammern letzte Prognose):
Mo, 11.07.2022 18,8 °C (21 °C)
Di, 12.07.2022 28,3 °C (27-28 °C)

Update 12.07.2022 zu den in den nächsten 7 Tagen zu erwartenden Höchstwerten, Hitze von klar über 30 Grad ist – so sie denn überhaupt kommt – um einen weiteren Tag nach hinten verschoben wurden und damit noch immer eine Woche hin. Auch für Samstag und Sonntag wurden erneute Abwärtskorrekturen vorgenommen.

Mi, 13.07.2022 27-29 °C
Do, 14.07.2022 23-25 °C
Fr, 15.07.2022 19-21 °C
Sa, 16.07.2022 20-22 °C
So, 17.07.2022 25-27 °C
Mo, 18.07.2022 30-33
°C
Di, 19.07.2022 31-37 °C

Tatsächliche Messwerte (in Klammern letzte Prognose):
Mo, 11.07.2022 18,8 °C (21 °C)

Update 11.07.2022 zu den in den nächsten 7 Tagen zu erwartenden Höchstwerten (wie unten angekündigt), vor allem für den Freitag und den Samstag wurden deutliche Abwärtskorrekturen vorgenommen, aber auch der Sonntag wird weniger heiß berechnet als gestern noch.

Di, 12.07.2022 27-28 °C
Mi, 13.07.2022 28-30 °C
Do, 14.07.2022 22-25 °C
Fr, 15.07.2022 19-22 °C
Sa, 16.07.2022 22-25 °C
So, 17.07.2022 27-30 °C
Mo, 18.07.2022 32-35
°C

Seit Tagen wird in Teilen der Medien eine nahezu beispiellose Eventberichterstattung zu einem Ereignis veranstaltet, das erst nach Monatsmitte stattfinden soll. Dabei geht es nicht um ein Comeback-Konzert der noch lebenden Beatles oder die Entdeckung riesiger Erdgasvorkommen in Deutschland, sondern um Wetter. Genauer: Um eine Hitzewelle.

Bereits am Abend des 4. Juli, als die e-Paper-Varianten der Print-Ausgaben für den nächsten Tag online gingen, erschreckten die zum Redaktionsnetzwerk Deutschland gehörenden Tageszeitungen der Madsack-Gruppe ihre Leser auf der Titelseite mit der Schlagzeile einer weiteren auf Deutschland zurollenden Hitzewelle Mitte Juli – wohlgemerkt mindestens elf Tage vor dem rollenden Ereignis:

Die BILD-Zeitung griff das Thema dankbar auf und erhöhte auf bis zu 42 Grad, was nach der (späten) Annullierung der am 25.07.2019 an der mittlerweile geschlossenen und verlegten DWD-Station im emsländischen Lingen gemessenen 42,6 °C neuer Deutschland-Rekord wäre, den gegenwärtig die Standorte Tönisvorst im LK Viersen und Duisburg (Stadtteil Baerl) mit je 41,2 °C halten.

Die Geschichte zog ihre weiteren Kreise und der beteiligte Wetterdienstleister Wetterkontor, hauptsächlich im Geschäftsfeld der Kurzfristvorhersage für deutsche Tageszeitungen tätig, bestätigte auf Rückfrage noch einmal diesbezügliche Modellrechnungen des amerikanischen Wettermodells GFS (Global Forecast System), wiegelte dann zugleich aber ab: Eine exakte Vorhersage könne man aber noch nicht treffen. „Die Modelle sollte man die nächsten Tage weiter beobachten“, betont Lerch. Auch, ob es bei zwei bis drei Tagen Hitze bleibe oder sogar eine Hitze­welle mit mehr als 30 Grad an mindestens fünf Tagen hinter­einander auf Deutschland zurolle, bleibe abzuwarten.

Dieser deutlich seriöser anmutenden Darstellung wäre eigentlich nichts weiter hinzuzufügen – also abwarten und dazu etwas trinken, Tee zum Beispiel, was auch an weniger warmen Tagen im Sommer wie derzeit sicher eine gute Idee ist.

Eine neue, richtig schlechte Idee hingegen hatten die Beteiligten RND und wetterkontor dann aber am gestrigen Sonnabend, als die große Hitzewelle ein Stück nach hinten terminiert und ihr Höhepunkt nunmehr für in 14 Tagen, also am 23.07. angekündigt wird.

Und seither fragen sich womöglich viele Menschen im Land: Wettervorhersage für in zwei Wochen – geht das jetzt doch?

Um es klipp und klar festzustellen: Nein, es geht nicht. Es hat keine Fortentwicklung oder gar einen Quantensprung bei der numerischen Wetterberechnung gegeben, es sind keine neuen Großrechenzentren in Betrieb genommen worden und die Berechnung der Atmosphärenphysik ist noch genauso komplex wie immer. Was es immer einmal geben kann sind sich einstellende, für ihre Stabilität bekannte Großwetterlagen wie das berühmte „Omega“, und was wir in den letzten Jahren zunehmend beobachtet haben, ist eine vermutlich im Zusammenhang mit dem Klimawandel stehende höhere Erhaltungsneigung von Großwetterlagen, vereinfacht gesagt bleibt das Wetter häufiger so oder so ähnlich, wie es gerade ist, bestimmte Muster weisen eine höhere Langlebigkeit auf bzw. wiederholen sich nach einiger Zeit.

Zur Zeit haben wir jedoch gerade keine Hitze in Deutschland. Es kann sich bezüglich einer Hitzewelle bei uns erst einmal gar nichts erhalten, sondern muss zunächst einmal eintreten. Dass dies regional im Laufe der nächsten Tage geschieht, scheint mittlerweile sicher, denn schon über einen längeren Zeitraum herrscht eine außergewöhnliche Hitze vor allem über dem westlichen Mittelmeerraum, die im Moment etwas abgeschwächt und in den Südwesten der Iberischen Halbinsel zurückgedrängt wurde, sich aber in den kommenden Tagen wieder Richtung Frankreich und auch den Südwesten Deutschlands in Gang setzt. Eine ziemlich ähnliche Konstellation wie im Juni und Juli 2019 übrigens.

Ebenso klar ist aber auch, dass Temperaturen von 30 Grad oder mehr im Norden frühestens am kommenden Sonntag, also in einer Woche zu erwarten sind. Bei uns im „südlichen Norden“ könnte es am Mittwoch einen heißen Tag mit 30 oder auch 31 Grad geben, nachfolgend kommt aber vorübergehend wieder kühlere Luft nach Süden voran. Dass es bei der Abschätzung, wann es wie heiß wird, keine so gute Idee ist, auf das GFS zurückzugreifen, verdeutlicht die Vorhersage für den kommenden Donnerstag. Noch vorgestern, sechs Tage vor dem Termin und damit anders als 10-16 Tage im Voraus eigentlich von den Wettermodellen ein recht gut beherrschbarer Zeitraum, spuckte das GFS diese Berechnung aus (Quelle: https://wetter3.de/, zur Vergrößerung klicken):

34-35 Grad also als Maximum für unsere Region im DMO (Direct Model Output), der sich – sofern die zugrunde liegenden Parameter wie Luftmassentemperatur, Wind, Bewölkungszustand, Feuchte etc. richtig erfasst wurden – sogar in der Regel bei sommerlichen Strahlungslagen eher noch als zu niedrig erweist erfahrungsgemäß, so dass man daraus sogar bis 36 Grad hätte ableiten können.

Und es doch besser gelassen hätte, denn diese zum damaligen Zeitpunkt bereits in krasser Alleinstellung befindliche Rechnung wurde auch vom GFS längst verworfen. Nach aktuellem Stand dürfte der Donnerstag eher Höchstwerte um gut 10 K weniger um 24 Grad bringen.

Den Vogel abgeschossen hat dann aber die Modellrechnung vom gestrigen Samstag, bei der es aber gar nicht erst um den von Wetterkontor anvisierten 23.07. in 14 Tagen ging, sondern um den 18.07., also fünf Tage früher und damit „schon“ in neun Tagen:

Flächig (!) über 40 Grad in Deutschland, Westen bis 44, unsere Region um die 40, Osten verbreitet bis 42, stellenweise bis 43.

Natürlich ist auch diese Berechnung längst verworfen worden, was das Ausgreifen dieser Rekordhitze weit in den Norden und Nordosten angeht, aber es sind eben diese Karten, die dann die Runde machen. So lange das unter Laien und Hobbymets geschieht, wird damit kein Schaden angerichtet. Dass Meteorologen wie Dominik Jung und die BILD-Zeitung die Schlagzeile über die Seriosität stellen und Wochen oder gar Monate im Voraus Eiswinter, Blizzards und Russenpeitschen ankündigen, die dann weder stattfinden noch die zugehörigen „Prognosen“ überprüft werden, gehört seit vielen Jahren zur Folklore der boulevardisierten Wetterberichterstattung und dürfte den meisten mittlerweile auch als solche bekannt sein.

Wenn sich aber eine bisher als seriös einzuschätzende Wetterfirma im Zusammenspiel mit einer Redaktion mit ebensolchem Anspruch auf ein solches Niveau begibt, dann ist zu befürchten, dass all die Arbeit der Kachelmanns, Plögers und Bäckers dieser Wetterwelt ebenso vergeblich war wie die diverser DWD-Meteorologen, was den Umgang mit Modellrechnungen für Zeiträume der sogenannten „erweiterten Mittelfrist“ (gemeint ist damit in der Regel alles ab dem 8. Tag) angeht und auch welchen Modellen man eher Aufmerksamkeit und Glauben schenken kann und welchen weniger.

Womit wir bei den Möglichkeiten wären, sich alternativ zum GFS die Modellkarten des EZMW anzuschauen, was seit einiger Zeit in großem Umfang kosten- und registrierungsfrei möglich ist. Hier kann man aus einer Reihe von Angeboten schöpfen, und besonders interessant zur Abschätzung der Wahrscheinlichkeit einer kommenden Hitzewelle sind dabei diese Karten, bei denen man eine Temperaturgrenze („Event threshold“) auswählen und sich dann in farblicher Abstufung die Wahrscheinlichkeit für eine Überschreitung anzeigen lassen kann. Auf Basis des aktuellsten Laufs sieht das für Werte über 30 Grad von Samstag bis Montag so aus:

Und die ominöse 40? Auch für die besteht in der Tat eine regional gewisse Wahrscheinlichkeit, keine bis einschließlich Samstag, eine äußerst geringe am Sonntag, aber eine für Deutschland teils bemerkenswerte für Montag, wobei diese dort, wo sie überhaupt auftritt, zwischen 5 und 10 und in den wahrscheinlichsten Gebieten zwischen 25-50% liegt, das Nichteintreffen also selbst in dieser (kleinen) Region eine höhere Wahrscheinlichkeit aufweist.

Weiter im Voraus macht es einfach keinen Sinn, sich das anzuschauen, man kann es aber tun, denn angeboten wird es.

Besser ist und bleibt allerdings das Abwarten mit dem Tee oder Wasser trinken und die Entwicklung in den nächsten Tagen weiter zu beobachten. Es wird hier ein tägliches Update für den wahrscheinlichsten Bereich der Höchstwerte für die jeweils kommenden sieben Tage geben, so dass niemand die Hitzewelle verpassen wird, so sie denn auch auf unsere Region zurollt, und sich rechtzeitig vorbereiten kann.

Derzeit sieht die Lage völlig entspannt aus, die von Montag bis Sonntag zu erwartenden Höchstwerte sehen so aus (für die Niederungen wie Oberwesertal, im Solling und ähnlichen Höhenlagen entsprechend 2-3 K weniger):

Mo, 11.07.2022 21 °C
Di, 12.07.2022 27-28 °C
Mi, 13.07.2022 29-31 °C
Do, 14.07.2022 23-25 °C
Fr, 15.07.2022 24-26 °C
Sa, 16.07.2022 28-30 °C
So, 17.07.2022 32-35 °C

Mehr Hoch- als Frühsommer und viel zu trocken

Der Juni 2022 war der viertwärmste und zweitsonnigste seit Messbeginn

Der Klimawandel zeigt sich derzeit in kaum einem Monat so ausgeprägt wie im Juni: Bis auf den Dezember hat sich kein anderer Monat in den letzten zehn Jahren so stark erwärmt, und seit 2016 liegt die durchschnittliche Junitemperatur vor Ort sogar über der des Julimittels der Jahre 1991-2020. Die Entwicklung vom Frühsommermonat inklusive der klassischen Schafskälte hin zu mehr und mehr hochsommerlicher Witterung hat ein atemberaubendes Tempo erreicht und setzte sich auch in diesem Jahr ungebremst fort. Bei der Sonnenscheindauer wurde sogar der erst vor drei Jahren aufgestellte Rekord nur um wenige Stunden verfehlt. Während viele Menschen die vielen sonnigen Tage und lauen Abende in wieder geöffneten Biergärten und auf Freiluftveranstaltungen genießen konnten, fiel die Bilanz für die Natur weniger erfreulich aus, denn der Juni war verbreitet deutlich zu trocken. Durch hohe Temperaturen und viel Sonnenschein stieg die Verdunstung entsprechend an und mangels Feuchtenachschub von oben trockneten die Böden weiter aus.

Morgenstimmungen von Annette Mokross, Klicken für Vergrößerung

Mit einer Monatstemperatur von 18,44 °C war der Juni 2022 an der DWD-Klimastation in Bevern um 1,8 K wärmer als im Mittel der Jahre 1991-2020. Gegenüber der älteren Klimanorm von 1961-1990 betrug das Plus sogar 2,8 K. In der Zeitreihe Bevern/Holzminden ab 1934 war es der viertwärmste Juni hinter 2019, 2021 und 2003 – damit belegen nun drei der letzten vier Jahre die vordersten Plätze. Besonders auffällig ist der Anstieg der Junitemperaturen der jüngsten Vergangenheit: Der Schnitt der Jahre 2016-2021 hatte mit 18,44 °C ein Niveau sogar knapp oberhalb des Julimittels der Periode 1991-2020 erreicht – und wurde in diesem Jahr aufs Hundertstel genau getroffen.

Dabei hatte die erste Dekade noch vorwiegend frühsommerlichen Charakter, meteorologische Sommertage wurden im ersten Drittel nicht erreicht und die Nächte gestalteten sich sogar mehrfach sehr frisch. Nachfolgend setzte sich der Hochsommer mit 14 Sommertagen, darunter drei heißen Tagen, nachhaltig durch. Eine Hitzewelle blieb diesmal aber anders als 2019 und 2021 aus, und von wenigen Ausnahmen abgesehen brachten die Nächte einen Rückgang auf 15 Grad und darunter, so dass morgendliches Lüften der Wärmebelastung in den Innenräumen entgegenwirken konnte. Wärmster Tag war wie im Vorjahr der 18., diesmal mit einem Maximum von 32,9 °C.

Frische Nächte und teils Nebelbildung über der Weser wie hier am Morgen
des 3. Juni prägten den Monatsbeginn ©A. Mokross

An der privaten Wetterstation in Silberborn lag die Monatstemperatur mit 16,42°C sogar um 2,1 K über dem Mittel von 1991-2020; die Klimanorm der Jahre 1961-1990 wurde hier um 3,1 K übertroffen. Wärmster Tag war ebenfalls der 18.06. mit einem Höchstwert von 29,8 °C – ein heißer Tag wurde zumindest auf dieser Stationshöhe (428 m) knapp verfehlt. Drei weitere Sommertage kamen hinzu und eine tropische Nacht mit einem Minimum von 20,5 °C vom 18. auf den 19. – nur fünf Tage zuvor war es noch bis auf 3,9 °C hinuntergegangen. Der tiefste Wert wurde am 2. mit 3,2 °C gemessen.

Die Großwetterlagen über Europa zeigten im Juni zunächst überwiegend Westlagen, mit Ende der ersten Dekade in eine Hochdruckbrücke über Mitteleuropa übergehend. Nach Monatsmitte stellte sich dann eine Südlage mit tiefem Druck über Westeuropa und den Britischen Inseln ein, die vorderseitig sehr warme Luft zu uns pumpte.

Zwar wurden diese nach dem Katalog der Großwetterlagen https://www.orniwetter.info/wetterlagenkalender/ als überwiegend zyklonal eingestuft, die sich entwickelnden Störungen mit Schauern und Gewittern blieben aber regional begrenzt, frontales Geschehen war kaum im Spiel und flächige Regengebiete so gut wie gar nicht.

Der Himmel zeigte sich oft blau mit nur wenigen „Schönwetterwolken“ wie hier am Vormittag
des 21.06. zum Start in den astronomischen Sommer am Eulenkrug mit Blick auf
Wehrden an der gegenüberliegenden Weserseite

So blieb es auch vor Ort bei nur wenigen Niederschlagstagen, in Bevern wurden zum Beispiel ganze acht gezählt, in Silberborn zehn. Lediglich in der Nacht zum 20. fiel in der Fläche mit 10-15 mm eine größere Menge Regen und der Montag brachte bis zum Mittag ein ungewohntes Himmelsbild mit Nimbostratusgewölk, aus dem allerdings kaum noch etwas herausfiel. Danach blieb es in manchen Teilen bis zum Monatsende nahezu trocken – Ausnahme war ein lokal eng begrenzter Gewittercluster am Nachmittag des 30., der von Südwesten kommend den westlichen Teil des Kreises mit Starkregen traf und sich auf dem Weg nach Norden abschwächte. Die DWD-Radarsummen zeigen dabei Stundenwerte zwischen 15 und 16 Uhr von bis zu 40 mm in Teilen der Kreisstadt und über 30 nördlich von Höxter, gefallen in nur rund 20 Minuten. Diverse Feuerwehreinsätze wegen Überschwemmungen und umgestürzter Bäume in Holzminden waren die Folge – während es nur wenige Kilometer südöstlich im Solling weitgehend trocken blieb. Am Boden konnte dieses Ereignis nicht vollständig durch Messwerte erfasst werden, dazu ist das Stationsnetz nicht engmaschig genug. In Bevern waren es 16,9 mm in gut einer Viertelstunde, aus Lüchtringen wurden knapp 14 mm gemeldet, im Garten des Autors fielen 24,2 mm.

Starkregen am Nachmittag des 30.06. in Holzminden

Dies blieb zum Glück das einzige und im Vergleich zum Tornado über Merxhausen im Mai harmlose Unwetterereignis im Kreis im Juni – zumindest, wenn man nach der klassischen Definition geht, wonach „Unwetter“ sich als Naturgewalt in Form von Sturm, Orkan und Überflutungen zeigt. Doch immer mehr ist in letzter Zeit von Unwetter im Zusammenhang mit ausbleibendem Regen die Rede. Die Trockenheit, die im Osten des Landes bereits zu Waldbränden und Wasserknappheit führte, sie macht auch vor unserer Region nicht Halt. Und das vor allem im Solling, wo das Jahr zwar noch sehr nass begann, doch nach den nunmehr drei deutlich zu trockenen Monaten März, Mai und Juni die Reserven im Boden zur Neige gehen. In den letzten vier Monaten lag die Regensumme an der Station in Silberborn sogar um 30 mm unter der in Bevern – und das bei einer Waldvegetation, die an ein deutlich feuchteres Klima angepasst ist und nur langsam umgebaut werden kann. Hier gilt es, die weitere Entwicklung aufmerksam zu beobachten. Derzeit sieht es zwar nach einer recht moderat temperierten ersten Julihälfte mit mehr Wolken aus, aber viel Regen ist weiterhin nicht in Sicht.

Fast sieht es so aus, als präsentiere dieser Rotmilan seinen Fischfang stolz der Fotografin…
©A. Mokross

In nackten Zahlen ergab sich im Juni dieses Bild: In Bevern wurden dank des Gewitters am Monatsletzten noch 47,3 mm bzw. 70% des Klimamittels erreicht und in Lüchtringen 42,8 mm (63%). Aus Ottenstein fehlt leider die Meldung vom 30.06., bis dahin fielen nur 24,4 mm. In Polle waren es 36,9 mm, in Hehlen 32,8 mm, in Vorwohle 32,7, in Hellental 35,9 und in Amelith 34,3 mm – diese Werte entsprechend nur rund der Hälfte der Mittelwerte der letzten 30 Jahre oder noch etwas weniger. Trauriges Schlusslicht wurde Silberborn mit 30,4 mm und nur 36% des örtlichen Klimawertes. Dort fällt die Halbjahresbilanz mit 378 mm sogar noch magerer aus als 2018, das seine trockenste Phase allerdings erst von Juli bis November hatte.

Am Abend des 30.06. zog ein blitzintensives Gewitter über Polle hinweg
©A. Mokross

Die Sonne zeigte sich an jedem Tag im Juni am Himmel, selbst der trübste Tag schaffte noch fast drei Stunden. Mit 288 Stunden wurde der zweithöchste Monatswert in einem Juni seit Aufzeichnungsbeginn erzielt und der Rekord von 2019 nur um knapp zehn Stunden verfehlt. Die „längsten Tage“ brachten diesmal auch den meisten Sonnenschein: Am 22. und 23. wurden jeweils 15,6 Stunden erreicht – mehr geht in der Region aufgrund der umgebenden Höhenzüge nicht. Damit hat der Juni den März als sonnigsten Monat des laufenden Jahres abgelöst und die Bilanz per 30.06. weist 2022 mit 1.017 Stunden sogar als bisher sonnenscheinreichstes erstes Halbjahr seit Beginn der Wetterbeobachtungen aus.

Neue Sonnenscheinmesstechnik des DWD an der Station Lügde-Paenbruch – und gleich richtig was zu tun im Juni 2022, der dort die Marke von 300 h knackte
Die frühe Fotografin fängt den farbenprächtigen Morgenhimmel ein… ©A. Mokross

Emmelinde setzte dem Maisommer ein gewaltsames Ende

Der Mai 2022 war warm, sonnig und verbreitet zu trocken /
Tornado richtet Verwüstungen in Merxhausen an

Nach zuletzt mehreren unterkühlten Exemplaren zeigte sich der Mai in diesem Jahr oft von seiner warmen Seite. Vor allem in der zweiten Dekade gab es einen ersten Anlauf des Sommers mit Höchstwerten von bis zu fast 30 Grad. Dazu schien oft die Sonne und lockte die Menschen ins Freie, Regen fiel hingegen nur gelegentlich und in geringen Mengen. Damit wäre der dritte meteorologische Sommermonat als meist freundlicher und insgesamt unauffälliger, wenn auch zu trockener Geselle in die regionale Wetterstatistik eingegangen – doch manchmal reichen wenige Minuten, um buchstäblich alles umzuwerfen. So geschehen am späten Nachmittag des 20. beim Durchzug des Sturmtiefs Emmelinde, das nicht nur im Raum Paderborn/Lippstadt und bei Höxter, sondern auch im Kreis Holzminden einen Tornado entfachte. Dieser fegte vor allem durch Merxhausen, deckte reihenweise Dächer ab, machte Häuser unbewohnbar und verwüstete auch die Allee Richtung Macksensen im Kreis Northeim, wo gestandene, teils 200 Jahre alte Eichen der Naturgewalt nichts entgegenzusetzen hatten. In den betroffenen Gebieten wird dieser Mai noch lange als markantes Gegenteil eines Wonnemonats in Erinnerung bleiben.

Schauer- und Gewitterwolken von Sturmtief Emmelinde am 20. Mai ©A. Mokross


Mit einer Monatstemperatur von 14,83 °C war der Mai 2022 an der DWD-Klimastation in Bevern um 1,3 K wärmer als im Mittel der Jahre 1991-2020, gleichbedeutend mit deutlichen Plus von 2,4 K gegenüber der älteren Referenzperiode von 1961-1990. In der Zeitreihe Bevern/Holzminden ab 1935 war es der neuntwärmste Mai, wobei selbst der zweitwärmste aus dem Jahr 2000 mit 15,2 °C nicht weit entfernt liegt – nur der Rekordhalter von 2018 reißt mit fast 16,5 °C deutlich nach oben aus.

Dabei begann es am 1. noch sehr frisch, danach erfolgte ein erster Anstieg auf Höchstwerte um 20 Grad, bevor es ab 9. auf häufig früh- bis zeitweise sogar hochsommerliches Niveau ging. In der dritten Dekade wurde es schließlich kühler, zum Monatsende hin deutlich – und das Minimum wurde untypisch für die jahreszeitliche Entwicklung mit nur 3,3 °C erst am Monatsletzten in Bevern gemessen. Das Maximum lag bei 29,3 °C, erreicht am Nachmittag des 17.05., am Tag zuvor war es mit 29,1 °C in der Spitze ähnlich warm. Kurzzeitige sehr warme bis fast heiße Tage sind im Mai allerdings nicht ungewöhnlich, selbst im deutlich kühleren Vorgänger von 2021 ging es auf bis 28,8 °C hoch. Boden- oder gar Luftfrost waren diesmal anders als vor einem Jahr kein Thema mehr.

An der Unwetterreferenzstation des Wetterdienstleisters DTN und der Stadt Holzminden in Silberborn lag die Monatstemperatur mit knapp 13°C um 1,5 K über dem Mittel von 1991-2020; die Klimanorm der Jahre 1961-1990 wurde sogar um fast 2,6 K übertroffen. Wärmster Tag war gleichfalls der 17.05. mit einem Höchstwert von 26,0 °C. Auch im Hochsolling endete der Mai empfindlich kühl mit Tiefstwerten von nur knapp über zwei Grad an den beiden letzten Tagen. Den niedrigsten Höchstwert gab es am 29., als es unter dichtem Gewölk nicht einmal für zehn Grad reichte.

Wetterstation Silberborn am 27. Mai – Sonne und Quellwolken teilten sich den Himmel, dabei blieb es aber mit nur 15,5 Grad Höchsttemperatur frisch für die Jahreszeit

Die Großwetterlagen über Europa zeigten im Mai ein überwiegend hochdruckgeprägtes Bild mit unterschiedlicher Strömungskonfiguration. War es zu Monatsbeginn zunächst eine vor allem in höheren Schichten ausgeprägte Troglage mit Winden aus dem Sektor Nord, brachten anschließend Hochdrucklagen über Mitteleuropa (mal als Brücke, mal zentral gelegen) die Erwärmung auf frühsommerliche Werte, zwischenzeitlich auch unter westlicher Anströmung. Die wärmste Phase am Ende der zweiten Dekade geht zurück auf eine Südwestlage, die später in eine tiefdruckgeprägte Südlage (Trog Westeuropa) überging. Eine Umstellung auf Nordwest mit feuchtkühlen Luftmassen bescherte uns schließlich den deutlichen Temperaturrückgang mit vielen Wolken am Monatsende.

Morgenstimmungen an der Weser von Annette Mokross

Die brisante Unwetterlage, die beim Durchzug des kleinräumigen Sturm- und Gewittertiefs Emmelinde für den als F1 eingestuften Tornado im Raum Merxhausen sorgte, ist physikalisch komplex kann hier nicht im Detail erläutert werden. Am Thema Interessierten sei aber die ausführliche Fallstudie von Felix Welzenbach unter https://meteoerror.wordpress.com ans Herz gelegt. Die vorläufige Schadensbilanz vor Ort geht nach Informationen des NDR weit in den zweistelligen Millionenbereich, allein in Merxhausen wurden 42 Wohnhäuser beschädigt, zum Teil schwer. Die Schneise, die der Tornado auf einer Breite von 250 Metern in den Wald geschlagen hat, soll sich auf rund sechs Kilometer Länge belaufen, bei den zerstörten und gefällten Bäumen handele es sich nach Angaben des Revierförsters Hendrik Büning um die vierfache Menge eines Jahreseinschlags.

Die Weser bei Polle passierte Emmelinde, ohne Schäden zu hinterlassen.
Anders sah es im Osten des Kreises aus. ©A. Mokross

Von den lokal höchst unterschiedlichen Auswirkungen des Tiefs zeugen auch die Niederschlagswerte der Messstellen im Kreis an diesem Freitag: Während in Bevern knapp 20 mm in nur 20 Minuten fielen und es in Vorwohle sogar etwas über 30 in einer halben Stunde und allein 17 mm in zehn Minuten waren, gab es weiter westlich und südlich deutlich geringere Regenfälle.  Auf der anderen Seite des Sollings in Amelith kamen als Tagessumme nur 2 mm zusammen, und selbst in Hellental, nur zwei Kilometer entfernt von Merxhausen, blieb es mit acht Millimetern bei einem handelsüblichen Gewitterschauer.

Auch der 19.05. brachte Gewitter mit Regen, Blitz und Donner ©A. Mokross

Abseits der von dem kurzzeitigen Starkregen betroffenen Orte fiel der Mai 2022 deutlich zu trocken aus. Die Station in Bevern zählte immerhin noch 51,6 mm, wovon aber fast 24 auf den 20. Mai zurückgehen. Vor allem in der ersten Monatshälfte blieb es nahezu vollständig trocken, nach 15 Tagen standen in Bevern gerade einmal 1,6 mm zu Buche. Unterm Strich wurde das Klimamittel der Jahre 1991-2020 um knapp 8 mm oder 13% verfehlt. Deutlich magerer war die Bilanz an den meisten anderen Stationen: In Lüchtringen fielen ganze 20,7 mm und in Holzminden 28,5. Der Wilmeröder Berg in Polle meldete immerhin 47,7 mm, Ottenstein 39,1 und Hehlen 35,5 mm – auch das alles klar unterdurchschnittliche Mengen. Selbst Vorwohle landete trotz der Tagessumme von 34,3 mm am 20.05 – der siebthöchsten Menge im fast 2.000 Stationen umfassenden Niederschlagsmessnetz des DWD – mit einem Monatswert von 65,1 mm noch unterhalb seines Klimawertes. Ungewöhnlich trocken war es im Solling mit 37,1 mm in Hellental, 34,2 mm in Silberborn und 30,7 mm in Amelith, was nur rund der Hälfte der dort in einem durchschnittlichen Mai fallenden Regenmenge entspricht.

Die Sonne zeigte sich mit etwas über 230 Stunden gut 30 Stunden länger als in einem durchschnittlichen Mai. Dabei gab es einerseits keine zusammenhängende Phase mit einer Reihe von sonnenscheinreichen Tagen in Folge, andererseits aber auch fast keinen Tag, an dem die Sonne kaum einmal zu sehen war. Viele Tage landeten bei sieben bis gut zehn Stunden, an denen sich die Sonne den Himmel mit Quellwolken teilte, die im Laufe des Tages auch mal dichter ausfielen.

Die Sonne schien gut 230 Stunden im Mai ©A. Mokross

Beim Wind lassen sich kleinräumige Extreme wie in Merxhausen kaum messbar erfassen, dazu müsste sich ein solches Ereignis schon zufällig in unmittelbarer Umgebung einer Messstation abspielen. Dort wo vom DWD stetig gemessen wird, wurden die höchsten Werte meist am 20. Mai erreicht und lagen in den Spitzenböen bei Stärke 7, vereinzelt 8. Nur in Hameln wurde – allerdings bereits am 19. – mit knapp 85 km/h eine Böe Stärke 9 gemeldet.

Spot an! ©A. Mokross

Frühjahr 2022: Sehr trocken und sonnig, normal temperiert

Mit dem Mai endete auch das meteorologische Frühjahr. Es war in diesem Jahr durchschnittlich temperiert, während beim Niederschlag ein deutliches Defizit und beim Sonnenschein ein klares Plus in der Bilanz steht.  In Bevern lag die Mitteltemperatur der Monate März bis Mai mit 9,55 °C um ein Zehntel über dem Schnitt der Jahre 1991-2020 und damit etwa auf dem Niveau der Jahre 2019 und 2020, nachdem es im Vorjahr mit nur 7,85 °C ungewöhnlich kühl geblieben war. Silberborn meldete mit 8,05 °C ein deutlicheres Plus (0,65 K) zum dortigen Mittel – ein Resultat der vielen Hochdrucklagen.

In Bevern fielen mit 123,4 mm Niederschlag genau 2/3 des langjährigen Mittels, wobei dieser Standort sogar noch vergleichsweise gut davon kam in Sachen Regen. In Silberborn war es mit nur 111,9 mm (nicht ganz die Hälfte vom Klimawert 1991-2020) das trockenste Frühjahr seit 2011 und das zweittrockenste seit Bestehen der Messungen ab 1976 (bis 1983 in Neuhaus). Auch die anderen Stationen verfehlten ihre Klimawerte deutlich, nominal am trockensten war es in Lüchtringen mit ganzen 88,7 mm.

Die Sonne schien mit rund 647 Stunden um fast 180 Stunden oder knapp 39% länger als im Mittel der Periode 1991-2020, gegenüber dem Klimawert von 1961-1990 lag die Zahl der Überstunden sogar bei gut 215. Sonnigster Monat war, nicht nur relativ, sondern auch absolut – der März. Ob er es auch gegenüber den Sommermonaten bleibt?

Morgenrot am 10.05. ©A. Mokross

Vom Spätwinter in den Vollfrühling

Der April 2022 präsentierte sich als typischer Übergangsmonat

Weiß und Grün waren die maßgeblichen Farben im zweiten meteorologischen Frühlingsmonat: Rieselten zum Start noch Flocken vom Himmel und sorgten sogar bis in die Niederungen für eine Schneedecke, standen in der zweiten Hälfte die Obstbäume nach und nach in voller Blüte und zeugten davon, dass der Übergang vom Spätwinter in den Vollfrühling (phänologisch markiert durch den Beginn der Apfelblüte) vollzogen war. Gleichzeitig entfaltete sich langsam das erste frische Grün der Laubbäume. Das begleitende Wetter war zunächst deutlich unterkühlt und trüb, am wärmsten und sonnigsten zeigte sich die zweite Dekade und anschließend wurde es apriltypisch wechselhaft. Unterm Strich war blieb es ein Stück kälter als im Schnitt der vergangenen 30 Jahre, während die Niederschlagsbilanz überwiegend positiv ausfiel und sich die Sonnenscheindauer nahe dem klimatologischen Mittel bewegte.

Mit einer Monatstemperatur von 8,47 °C blieb der April 2022 an der DWD-Station in Bevern um gut ein Kelvin unter dem Mittel der Jahre 1991-2020, während die Abweichung zur älteren Periode von 1961-1990 mit +0,5 K leicht positiv ausfiel – diese Zahlen zeigen die starke Erwärmung des Aprils in den letzten 30 Jahren, die allerdings nicht linear, sondern unter deutlichen Schwankungen mit einzelnen markanten Ausreißern nach oben verlief. Vor allem in den vergangenen 15 Jahren zeigte sich dies an den „Aprilsommern“ 2007, 2009, 2011, mit Abstrichen 2014 und vor allem 2018. Dazwischen und danach tummeln sich aber auch eine Reihe durchschnittlicher bis leicht unterkühlter Exemplare und zuletzt war der April 2021 sogar so kalt ausgefallen wie seit 1977 nicht mehr. Die Spreizung allein in den letzten Jahren betrug fast 6,4 K zwischen dem neuen Rekordhalter 2018 mit 13 Grad und dem letztjährigen mit gerade einmal 6,64 °C. Von solchen Ausschlägen blieb der Jahrgang 2022 zwar weit entfernt, dennoch wurde in der Nacht zum 3. mit -5,0 °C eine der tiefsten Temperaturen in einem April in der Zeitreihe Bevern/Holzminden gemessen. Auf der anderen Seite der Skala steht als wärmster Tag der 13. mit einem Höchstwert von 23,9 °C und einem Tagesmittel über 15 Grad.

Temperaturverlauf mit einem Minimum von -5,0 und einem Maximum von 23,9 °C

An der DTN-Unwetterreferenzstation in Silberborn lag die Monatstemperatur mit 6,62 °C um 0,9 K unter dem dortigen Mittel von 1991-2020, gleichbedeutend mit einem Plus von 0,8 K gegenüber dem älteren Klimawert von 1961-1990. Frostig startete der April auch im Hochsolling, in der Nacht zum 3. ging es bis auf -7,4 °C hinab und an den ersten drei Tagen blieb sogar das Tagesmittel negativ. Die Erwärmung kurz vor Monatsmitte fand ihren Höhepunkt am 13.bei einem Maximum von 21,4 °C und einem Tagesmittel von 15,2 °C. Der vorläufig letzte Frost wurde am 11.  mit -2,1 °C gemessen.  

Zum Vergleich die Daten von der 318 m höher gelegenen Station in Silberborn

Bei den Großwetterlagen gestaltete sich die Lage abwechslungsreicher als noch im klar hochdruckdominierten März. Tiefdruck aus Norden, Nordwesten und Westen prägte die erste Dekade mit regelmäßigen, teils ergiebigen Niederschlägen, die zu Monatsbeginn bis in die tiefsten Lagen als Schnee und Schneeregen fielen. Anschließend brachte eine Drehung der Strömung auf Süd den bereits erwähnten deutlichen Temperaturanstieg – wie schon im März begleitet von Staub aus der Sahara.  Zur Monatsmitte stellte sich die Zirkulation auf Ost um – im Norden Europas hatte sich ein blockierendes Hoch breit gemacht und führte trockene, aber auch wieder kühlere Kontinentalluft zu uns. Neun trockene Tage waren die Folge, bevor es unter Rückdrehung auf Nord wechselhafter mit Niederschlägen wurde, die allerdings meist in Form von lokal unterschiedlich stark ausgeprägten Schauern fielen.

Der vorübergehende Vorstoß warmer Luft aus Süden war erneut mit Saharastaub verbunden,
wie dieses Foto von Annette Mokross vom 13.04. zeigt

Diese durch Kaltluft in ca. 5,5 km Höhe und die stärker werdende Sonneneinstrahlung ausgelöste Konvektion sorgte einerseits für das apriltypische Himmelsbild mit schnellem Wechsel aus tiefem Blau mit Sonnenschein und rasch vertikal mächtiger werdenden Quellwolken, andererseits für eine ungleichmäßige Verteilung der Niederschläge mit ihrem schauerartigen Charakter. Exemplarisch hierfür sei der Tagesniederschlag am 29.04. genannt, als an der Weser an der Station in Lüchtringen 6,7 mm gemessen wurden und im Nordosten in Vorwohle nur 0,7 mm.

Insgesamt wurden die langjährigen Mittelwerte beim Niederschlag in der Region weitgehend erreicht oder sogar übertroffen, zumindest was die Klimawerte der aktuellen Periode 1991-2020 angeht, in der der April deutlich trockener geworden ist als er noch 30 Jahre zuvor war – in Bevern zum Beispiel beträgt der Rückgang knapp zehn Millimeter oder fast 20%. Das sieht auf den ersten Blick nicht dramatisch aus, allerdings fällt dieser Rückgang zusammen mit einem deutlichen Temperaturanstieg und einer ebensolchen Zunahme der Sonnenscheindauer, was die hydrologische Bilanz des Aprils deutlich verschlechtert hat. In diesem Jahr hingegen fiel diese besser aus als es häufig in der jüngeren Vergangenheit der Fall war, allerdings gab es zuvor den rekordsonnigen und äußerst trockenen März. Immerhin ein Teil des Defizits konnte nun im April gebietsweise ausgeglichen werden.

Am Standort Bevern, wo seit Sommer 2006 gemessen wird, war es mit 61,1 mm Monatssumme immerhin der zweitnasseste April nach 2008. Das Mittel der Jahre 1991-2020 wurde um gut ein Drittel übertroffen. Noch ein ganzes Stück mehr war es an der privaten Station des Autors im südlichen Stadtgebiet von Holzminden mit 75,5 mm, was auch durch die Radarsummen des DWD untermauert wird. Etwas südwestlich in Lüchtringen fielen fast 20 mm weniger (56,6 mm), den meisten Niederschlag holte wieder einmal der Betreuer in Hellental aus dem Pott – diesmal 81,0 mm. Allerdings ist hier auch das feuchtere Klima auf 270 m am Solling zu berücksichtigen, das umso mehr für Silberborn auf über 400 m gilt, wo die Bilanz mit 60,5 mm allerdings vergleichsweise dünn ausfiel und das dortige Klimamittel (65 mm) nicht erreicht wurde. Polle meldete 58,9, Hehlen 50,9 und Vorwohle 56,5 mm; Schlusslicht war diesmal Ottenstein mit 47,4 mm.

Niederschlag – dahinter verbarg sich im April überwiegend Regen, aber nicht nur. Schon zum zweiten Mal in Folge gab es bis in die Niederungen zumindest einen offiziellen April-Schneedeckentag (definiert als messbarer Schnee von mindestens einem Zentimeter bei mehr als 50% Bedeckungsgrad der Fläche zum Termin um 07:50 Uhr MESZ), im Solling sogar je nach Lage drei bis vier Tage und mit bis zu zehn Zentimetern wurde es dort sogar vorübergehend noch einmal richtig weiß. Kaum weniger war es in Vorwohle mit neun und in Hellental mit acht Zentimetern, Bevern meldete am Morgen des 1. April immerhin drei.

Spätwinterliche Grüße am 1. April ©A. Mokross

Nach dem Rekord vom März schaltete die Sonne im April einen Gang zurück, wobei sich die erste Dekade äußerst trüb präsentierte mit nur rund 16 Stunden nach zehn Tagen, die zweite hingegen unter Hochdruckeinfluss und trockener Luft eine Reihe von sonnenscheinreichen Tagen brachte.  Nach Monatsmitte blieb es sogar für einige Tage fast wolkenlos mit der um diese Zeit astronomisch maximal möglichen Sonnenscheindauer von etwa 13,5 Stunden, wovon aber messtechnisch und standortbedingt nur 12,9 erfasst werden können. Danach wechselten sich sonnige und wolkenreiche Tage ab. Unter dem Strich schien die Sonne mit rund 176 Stunden geringfügig länger als im Mittel von 1991-2020.

Der Wind war meist schwach bis mäßig, zeitweise auffrischend unterwegs. Ausnahmen gab es am 4. mit Böen bis zu Beaufort 8 und vor allem am 7. mit bis zu Stärke 9, der regionale Spitzenwert an diesem Tag wurde an der Windmessstation des DWD am Tünderanger am Südrand von Hameln mit 97,9 km/h (Bft. 10) gemessen.

Rekordsonnenschein, häufiger Nachtfrost und extreme Trockenheit

Hochdruckdominanz machte den März 2022 zu einem denkwürdigen Wettermonat

Titelfoto: Annette Mokross

Gleich mehrfach wurde in den vergangenen Wochen bundesweite und regionale Wettergeschichte geschrieben: Unter fast durchgängigem Hochdruckeinfluss schien die Sonne im März nicht nur mehr als doppelt so lange wie im langjährigen Mittel, sondern auch länger als einem durchschnittlichen Juli. Ein neuer Trockenheitsrekord wurde erst am allerletzten Tag verhindert, der Luftdruck stieg zwischenzeitlich auf einen der höchsten bisher gemessenen Werte und es herrschte an fast jedem Tag Bodenfrost – der erste meteorologische Frühlingsmonat des Jahres war in vielerlei Hinsicht außergewöhnlich. Lediglich bei der Mitteltemperatur blieb er weitgehend unauffällig, wobei viele klare und frostige Nächte in Verbindung mit sonnigen Tagen für hohe Differenzen zwischen Tiefst- und Höchstwerten sorgten. Letztere blieben aber deutlich unter dem Rekord vom Vorjahr, als zum Märzfinale mit 25,3 °C erstmals ein meteorologischer Sommertag erreicht wurde.

Mit einer Mitteltemperatur von 5,35 °C erzielte der März 2022 an der DWD-Station in Bevern ein zartes Plus von 0,1 Kelvin gegenüber seinem langjährigen Mittelwert von 1991-2020. Im Vergleich zur älteren Klimareferenz der Periode 1961-1990 betrug die positive Abweichung 1,3 K. Deutlicher wird das Plus auch zum neuen Klimamittel, wenn man die Tageshöchstwerte separat betrachtet: Hier lag der Durchschnitt in diesem März bei 12,6 °C und damit 2,7 K über dem aktuellen 30-Jahresmittel – ein Resultat der vielen gering bewölkten oder sogar wolkenlosen Tage, die mit Frost in der Nacht und am Morgen starteten und mit der ungehinderten Sonneneinstrahlung steile Temperaturanstiege aufwiesen. Der Höchstwert wurde am 23. mit 19,1 °C gemessen, für den ersten „Zwanziger“ reichte es also noch nicht, aber immerhin für eine ungewöhnlich stabil temperierte frühlingshafte Phase in der dritten Dekade mit acht Tagen in Folge mit Höchstwerten um 18 Grad.

Die Anzahl der Frosttage lag mit 21 fast doppelt so hoch wie im langjährigen Durchschnitt (11), dabei blieb es in Bevern bei durchweg leichtem Frost mit einem Tiefstwert von -4,7 °C. In fünf Zentimetern über dem Erdboden gab es sogar nur einen einzigen frostfreien Tag am 27. – ansonsten herrschten Minima bis -6,4 °C.

Immer wieder Frost: An 21 Tagen fiel die Temperatur unter den Gefrierpunkt in 2 m Höhe,
in 5 cm über dem Erdboden sogar an 30 Tagen (hier nicht abgebildet)

An der DTN-Unwetterreferenzstation in Silberborn schloss der März mit einer Monatstemperatur von 4,6 °C um 1,3 K höher ab als im Mittel von 1991-2020 und um 2,5 K über dem Klimawert von 1961-1990 – in Relation zum Ortsklima war es also im Hochsolling um 1,2 K wärmer als im Wesertal. Ursache war die starke Hochdruckdominanz, die wie bereits häufig an dieser Stelle erläutert zu einem überproportionalen Temperaturplus in den höheren Lagen führt, gerade aufgrund der oft weniger starken nächtlichen Auskühlung. So wundert es dann auch nicht, dass die Anzahl der Frosttage in Silberborn mit 15 unter und die mittlere Tiefsttemperatur mit -0,4 °C über der in Bevern (-1,1 °C) lag. Am wärmsten wurde es auch im Hochsolling am 23.; der dort gemessene Höchstwert betrug 16,4 °C.

Die Ursache für die hohen Tagesgänge bei der Lufttemperatur, den Sonnenscheinrekord und die vielen trockenen Tage findet sich eindrucksvoll beim Blick auf die Großwetterlagen des Monats: Hochdruck mit Nordströmung, Hochdruck über Mitteleuropa, Hochdruck mit Südströmung, Hochdruck mit Südostströmung und schließlich Hochdruck mit Nordwestströmung.  Dabei wurde am 19. mit 1.046,4 hPa einer der höchsten je in unserer Region registrierten Luftdruckwerte (reduziert auf Meereshöhe) gemessen, in Schleswig-Holstein gab es sogar neue Luftdruckrekorde von bis zu fast 1.050 hPa. Der deutschlandweite Rekord liegt mit 1.060,8 hPa allerdings noch deutlich höher, er wurde 23. Januar 1907 an der Station Greifswald im Nordosten von Mecklenburg-Vorpommern gemessen.

Großwettertypen (GWT) im März 2022: Lediglich hinter den Süd- und Nordlagen verbergen sich auch einige Tage mit zyklonaler Prägung

Tiefdruck wurde lediglich zweimal vorstellig: Zur Monatsmitte näherte sich von Westen ein weit nach Süden ausgreifender, hochreichender Trog, der mit südlicher Strömung zunächst die ersten leichten Niederschläge des Monats heranführte und anschließend Staub aus der Sahara, der für eine Trübung des Himmels und beeindruckende Fotomotive sorgte. Dieses Phänomen wurde in den letzten Jahren bei Südlagen im Frühjahr mehrfach beobachtet, und wenn wie am 17. März noch Niederschlag hinzukommt, wird dieser in den Medien gern als Blutregen bezeichnet.

Beeindruckende Farben am Abendhimmel zur „blauen Stunde“ am 17.03.,
verursacht durch Staub aus der Sahara. Foto: Annette Mokross

Die zweite Ausnahme bedeutete bei rückblickender Betrachtung das Ende der Hochdrucklage zum Monatswechsel, als sich das zuvor dominierende Hochdruckgebiet nach Norden zurückzog und an seiner Südostflanke den Weg frei machte für Kaltluft aus Nordosten mit Wolken und Niederschlag, der in der Nacht zum 1. April (die bei diesem Parameter bis 07:50 MESZ noch zum März gehört) bis in die Niederungen in Schnee überging.

Erst durch diese sehr späten Tropfen und Flocken wurde quasi in den letzten Stunden des März ein neuer Trockenheitsrekord verhindert. Der 31. war erst der vierte Niederschlagstag des Monats und die zur Monatsmitte gefallenen Mengen waren mit wenigen Millimetern äußerst gering geblieben. Am Ende war es an der Station in Bevern mit 10,7 mm nach 2011 (8,2) und 1936 (10,0) der dritttrockenste März seit Aufzeichnungsbeginn. Vom 30-Jahres-Mittel wurden nicht einmal 18% erreicht. Auch im Hochsolling blieb es mit 17,2 mm in Silberborn außergewöhnlich trocken, dort finden sich (Messbeginn 1937 in Torfhaus) nur 1984 und 2011 noch geringere Niederschlagsmengen im März. Das dortige Klimamittel von 87 mm wurde fast genauso deutlich verfehlt (19,8%). Auch die weiteren Messgefäße im Umkreis brachten kaum Nass hervor: Hellental meldete 17,1 mm, Lüchtringen 11,4, Polle 10,8, Amelith 9,4, Vorwohle 8,3 und Ottenstein 8,0 mm. Schlusslicht war Hehlen mit 7,6 mm.

Nur an vier Tagen fiel etwas Niederschlag im drittrockensten März seit Aufzeichnungsbeginn

Bei so viel Hochdruck verwundert es nicht, dass der Wind, anders als im stürmischen Februar, keine Rolle spielte und selbst die stärksten Böen in den höheren Lagen nur kurzzeitig einmal Stärke 7 erreichten. Ansonsten blieb es bei Böenstärke 4-6 und der Mittelwind lag meist bei Beaufort 2-3.

Bereits vorab berichtet wurde über den neuen Sonnenscheinrekord in der TAH-Ausgabe vom 30.03. Drei Tage vor Monatsende waren mit 228 Stunden bereits fast 200% des langjährigen Mittelwerts erreicht, und entgegen mancher Vorhersagen gab es am 29. und 30. noch weitere zwölf Sonnenstunden, so dass die neue Rekordmarke bei gut 240 Stunden steht – ein zuvor schlicht nicht vorstellbarer Wert in einem März. Selbst der sonnigste Monat, der Juli, bringt es im Mittel nur auf 205 Stunden in unserer Region, ein durchschnittlicher März gerade mal auf etwas über 116 Stunden und der bisherige Rekord aus dem Jahr 2011 lag mit 183 Stunden um über 57 Stunden tiefer.

Die bisherige Y-Achse hätte nicht ausgereicht, den neuen Sonnenscheinrekord abzubilden.
Im März 2022 gab es gut 35 Stunden mehr als in einem durchschnittlichen Juli.

Und noch etwas Interessantes fördert der Blick in die Historie zu Tage: In den letzten 30 Jahren – das ist bereits der sonnigste Zeitraum seit Messbeginn – wurde nur in der Hälfte der Jahre ein höherer Wert als die im März erzielten 240 Stunden gemessen. Statistisch betrachtet liegt der Monat mit dem meisten Sonnenschein des Jahres mit einer Wahrscheinlichkeit von 50% also bereits hinter uns…

Eine weitere Farbfacette des Sonnenuntergangs am 17. März © A. Mokross

Ein vom Winde verwehter Wintermonat

Der Februar 2022 war stürmisch, mild und sehr nass / Sechstwärmster Winter seit Aufzeichnungsbeginn

„Von Winter kaum eine Spur“ lautete die Überschrift der vorläufigen Februarbilanz des Deutschen Wetterdienstes am vergangenen Montag – und was die Pressestelle in Offenbach für ganz Deutschland formuliert hatte, gilt ebenso als Fazit für das regionale Wetter im dritten und letzten meteorologischen Wintermonat. In den Niederungen fand sich auch bei wohlwollender Betrachtung keine Spur von Winter, lediglich ein paar schüchterne Schneeflecken in den höheren Lagen erinnerten gelegentlich an die offiziell geltende Jahreszeit. Turbulent ging es dennoch zu in diesem Februar, denn gleich mehrere Sturmtiefs fegten über den Landkreis hinweg und hielten die Einsatzkräfte in Atem. Sie brachten nicht nur Windgeschwindigkeiten bis Stärke 11, sondern auch jede Menge Regen mit und sorgten für Niederschlagssummen, die gebietsweise das Doppelte des langjährigen Durchschnitts erreichten. Dank einer Umstellung zu wolkenarmem Hochdruckwetter am Monatsende fiel die Sonnenscheinbilanz noch ausgeglichen aus.

Die Sonne tat sich auch im Februar lange schwer, bevor sie sich zum Monatsende besser durchsetzen konnte © A. Mokross

Da die Unwetter auch vor der DWD-Station in Bevern nicht Halt machten und es ab den Morgenstunden des 17.02. zu einem gut viertägigen Ausfall der Messwerte kam, musste bei der Berechnung der Monatswerte auf Messungen von Nachbarstationen und Radardaten zurückgegriffen werden. Demnach war es mit einer Monatsmitteltemperatur von 5,5°C um 3,1 Kelvin wärmer als im Mittel der Jahre 1991-2020, gegenüber der älteren Klimanorm von 1961-1990 betrug das Plus sogar über 4,1 K. Damit war es der fünftwärmste Februar in der Region seit Beginn der Beobachtungen, ähnlich mild war es in weiteren drei Jahrgängen. Sieben dieser acht Fälle stammen aus den Jahren ab 1990, davor gab es nur 1961 einen Februar, der in diese Temperaturregionen vorgestoßen war.

Das Außergewöhnliche in der Temperaturbilanz waren diesmal nicht die Höchstwerte wie im vergangenen Jahr, als es mit 19,3 °C noch einen neuen Allzeitrekord im Februar gegeben hatte – das diesjährige Maximum nahm sich mit 13,9 °C dagegen recht bescheiden aus. Auffällig war vielmehr das ungewöhnlich hohe absolute Minimum, das mit -2,9 °C lediglich im leichten Frostbereich landete. Im Januar ging es sogar nicht unter -2,4 °C, damit gab es bisher nur zwei Jahre in der lokalen Wetterhistorie, die per Ende Februar ein noch höheres Minimum aufweisen: 1974 und 1988. Dazu passt die Kältesumme (Summe der negativen Tagesmittel) von 0,0 für den Februar, während die Grünlandtemperatursumme (GTS) per 28.02. bereits gut 181 Kelvin betrug – ab 200 ist der nachhaltige Vegetationsbeginn von Wiesen und Weiden erreicht.

Morgenstimmung an der Weser Mitte Februar © A. Mokross

So schnell geht es in den Hochlagen des Sollings zwar noch nicht mit dem Einzug der Vegetation, aber auch dort wird ein außergewöhnlich milder und vor allem unwinterlicher Februar bilanziert. Mit einer Mitteltemperatur von 3,1 °C war die Abweichung zum lokalen Klimawert an der Station in Silberborn auf 428 m zwar nicht ganz so hoch (+2,7 K), dennoch reichte es zum immerhin achtwärmsten Februar seit Beobachtungsbeginn im Hochsolling 1937. Die Unterschiede im „Ranking“ gehen auf die jeweils vorherrschenden Wetterlagen zurück, Faustregel: Dominiert Tiefdruck, ist es relativ betrachtet etwas kälter am höher gelegenen Standort, bei Hochdruck ist es umgekehrt. Da der Februar 2022 vorwiegend unter Tiefdruckeinfluss stand, war die Differenz zwischen Hochsolling und Wesertal also noch etwas größer als im Durchschnitt.

Auch in Silberborn war auffälligste Merkmal in diesem Monat die nahezu vollständige Abwesenheit von Winterwetter. Weder ein Dauerfrosttag noch ein Tag mit negativem Tagesmittel wurde erreicht, auch hier lag die Kältesumme bei 0,0. Was auf den ersten Blick unspektakulär aussehen mag, ist tatsächlich ein Novum in der Geschichte der Wetteraufzeichnungen im Hochsolling vor 85 Jahren: Zum ersten Mal wurde im Februar kein Tag mit einer negativen Tagesmitteltemperatur registriert!

Und zum Leidwesen der Wintersportfans, egal ob Klein oder Groß, hieß es zudem auch noch: Ski und Rodel unmöglich. Nur für ein paar Tage mit dünner, durchbrochener Schneedecke reichte es in Silberborn, ein offizieller Schneedeckentag hingegen wurde nicht beobachtet – auch das gab es nach Durchsicht aller vorliegenden Unterlagen zuvor noch nie in einem Februar im Hochsolling.

Ursache der sehr milden Witterung waren atlantisch geprägte Westwetterlagen, die den Februar bis kurz vor Schluss dominierten. Bereits vor zwei Jahren hatte es eine persistente Westlage im Februar gegeben, die sogar noch mehr Regen brachte als in diesem Jahr. Doch auch die aktuellen Mengen können sich sehen lassen und sorgten zumindest für einen teilweisen Ausgleich des in den letzten Monaten aufgelaufenen Defizits. In Bevern kamen ca. 118 mm zusammen – fast genau doppelt so viel wie im langjährigen Mittel seit 1991. In Silberborn wurden 148,3 mm (181%) gemessen, in Amelith 148,0, in Holzminden 120,4, in Lüchtringen 124,5, in Polle 120,5, in Hehlen 114,9 und in Vorwohle 105,5 mm. Schlusslicht war diesmal Ottenstein mit 93,1 mm; Spitzenreiter wieder einmal Hellental mit 154,0 mm. Dabei gab es an mehreren Standorten mehrfach Tageswerte von über 20 mm. Entsprechend trat die Weser in der zweiten Monatshälfte deutlich über ihre Ufer – die erste Hochwasserlage seit März 2020.

Tiefs aus Westen brachten viel Regen mit und ließen die Weser erstmals seit fast zwei Jahren
wieder über ihre Ufer treten © A. Mokross

Die Sonne machte sich wie schon in den Vormonaten lange rar, zumindest die erste Dekade stand diesen in Sachen Trübnis nicht nach. Doch ein Zwischenhoch am zweiten Wochenende sowie eine grundlegende Umstellung der Großwetterlage hin zu Hochdruckwetter kurz vor Monatsende bescherte zweimal zwei Tage mit nahezu ungestörtem Sonnenschein – zusammen mit den vereinzelten Sonnenstunden an einigen anderen Tagen reichte dies sogar noch für eine ausgeglichene Bilanz auf dem Niveau des Klimawerts von rund 68 Stunden.

Frostig, aber deutlich sonniger als zuvor präsentierte sich das Monatsende © A. Mokross

Beim Blick in die Februar-Historie fällt immer wieder das Jahr 1990 ins Auge: Einerseits wegen des bis heute mit Abstand gültigen Temperaturrekords von fast 7 Grad Monatsmittel, damals noch in Holzminden gemessen, andererseits wegen der markanten Sturm- und Orkanserie, die damals auch unsere Region erschütterte. Ganz so wild trieben es die Sturmtiefs dieses Februars zwar nicht, dennoch kam es zu einer Reihe von Sachschäden, umgestürzten Bäumen und gesperrten Straßen. Personenschäden blieben zum Glück nach den vorliegenden Informationen aus. Zeitweise galt die höchste Warnstufe des DWD vor Orkanböen. Die stärksten Böen brachten die Zyklonen „Ylenia“ mit bis zu 106 km/h (Beaufort 11) an der Windstation Northeim-Stöckheim am Morgen des 17.02. und „Zeynep“ mit bis zu 107 km/h in Hameln und Warburg am Abend des 18.02., dabei wurde in Alfeld (Station in Gerzen seit 2007) mit 106 km/h ein neuer Rekord aufgestellt. „Antonia“ ließ es dann in der Nacht zum 21.02. mit Stärken von 8-10 schon etwas weniger ruppig angehen, anschließend lief die Tiefdruckserie langsam aus. Inwieweit die Wälder der Region, insbesondere im Solling, größere Schäden davongetragen haben, muss in den nächsten Wochen noch analysiert werden.

Eine Serie von Stürmen fegte mit bis zu Stärke 11 zwischen dem 16. und 22. Februar über die Region hinweg © A. Mokross

Winterbilanz: Sehr mild, kaum Schnee

Mit dem Februar endete der meteorologische Winter 2022 und er war gemessen und eingeordnet nicht anders als gefühlt: So gut wie nicht vorhanden. An der Station Bevern reichte es für genau einen Schneedeckentag am 21. Januar, in Silberborn waren es zwar elf, aber kaum einmal zusammenhängend. Mehr als knapp zehn Zentimeter waren selbst dort in der Spitze nicht drin und auch das nur für wenige Stunden. Die Zahl der Frosttage war mit 29 in Bevern erneut deutlich unterdurchschnittlich (Mittel: 44). In Silberborn gab es mit 46 Tagen Frost ebenfalls klar weniger als im Durchschnitt (61), Dauerfrost herrschte an ganzen drei Tagen im Dezember (Winterschnitt: 24) und damit sogar noch einen Tag weniger als in Bevern (Schnitt: elf). Auch die Kältesummen waren mit 17,9 K in Bevern ungewöhnlich und mit 27,7 K in Silberborn sogar außergewöhnlich niedrig.

Die Mitteltemperatur des Winters erreichte in Bevern etwas über 4,4 °C, das entspricht einem Plus von gut 2,1 K gegenüber dem Klimawert 1991-2020 bzw. fast 3,3 K gegenüber dem älteren Mittel von 1961-1990. Damit war es im Oberwesertal der sechstwärmste Winter seit Aufzeichnungsbeginn. Silberborn meldet den siebtwärmsten Winter mit einer Temperatur von 2,25 °C, was einem Plus von gut 1,9 bzw. 3,1 K gegenüber den dortigen Klimawerten entspricht.

Die Niederschlagsbilanz fällt aufgrund des sehr nassen Februars verbreitet etwas überdurchschnittlich aus: Bevern erreichte mit 218,3 mm 102% seines Mittels von 1991-2020, in Silberborn waren es mit 300,5 mm gut 106%.  Auch an den meisten anderen Messstellen der Region gab es ein leichtes Plus von bis zu 10%, die Ausnahme bildet Ottenstein im Nordwesten des Kreises, wo nur 181,4 mm fielen und der lokale Klimawert um rund 15% verfehlt wurde.

Bei der Sonnenscheindauer blieb trotz des ausgeglichenen Februars am Ende ein deutliches Minus: Mit knapp 104 Stunden wurden nur 70% des langjährigen Durchschnitts von 148 Stunden erreicht. Immerhin zeigt nun sowohl die erfolgte Umstellung der Wetterlage zu mehr Hochdruck und trockenerer Luft als auch die jahreszeitliche Entwicklung an, dass die dunkelsten und trübsten Tage hinter uns liegen.

… und es werde Licht! © A. Mokross