Vom unterkühlten Frühjahr direkt in den Hochsommer

Der Juni 2021 war der zweitwärmste seit Aufzeichnungsbeginn / Platzregen sorgt für Überschwemmungen

Titelfoto: Annette Mokross

Ein Blick auf die langfristigen Wettermodelle Ende Mai zeigte nur zwei Optionen an: Entweder die Fortsetzung des deutlich unterkühlten Wetters der beiden Vormonate oder höchstens einen durchschnittlich temperierten Juni. Doch es kam anders. Ganz anders: Der erste meteorologische Sommermonat vollzog eine komplette Trendwende gegenüber dem Frühjahr und geht als zweitwärmster Juni seit Aufzeichnungsbeginn in die lokale Klimareihe ein. Bis kurz vor Schluss wackelte sogar der noch junge Rekord aus dem Jahr 2019, erst die mit Gewittern und ergiebigen Regenfällen einhergehende Abkühlung am Monatsende verhinderte einen Sprung auf Platz 1. Neben vielen trockenen Tagen gab es auch einige Male „Unwetteralarm“ im Kreis, davon betroffenen waren jeweils aber nur einzelne Orte – Starkregen mit Überschwemmungen und nur geringer Niederschlag lagen dabei mehrfach dicht beieinander. Die Sonne zeigte sich länger als im Durchschnitt, anders als bei der Temperatur blieb der Rekord von 2019 aber in weiter Ferne.

Mit einer Monatstemperatur von 19,60 °C war der Juni 2021 an der DWD-Station in Bevern um fast 3,0 Kelvin wärmer als im Mittel der Jahre von 1991-2020. Nur vor zwei Jahren war es mit 19,81 °C noch wärmer, Platz drei belegt nunmehr der Juni aus dem „Jahrhundertsommer“ 2003. Besonders markant fällt der Unterschied zum vorausgegangenen kühlen Mai aus: Beträgt die durchschnittliche Differenz zwischen diesen beiden Monaten 3,1 K, lag sie in diesem Jahr bei 8,1 K – auch das ist Platz zwei seit Beobachtungsbeginn 1934 hinter dem Rekordhalter 2019. Viele hochsommerlich warme Tage, eine kurze Hitzewelle nach Monatsmitte sowie die völlige Abwesenheit kühler Phasen waren die Zutaten zu diesem sehr warmen Monat.

Das Ausbleiben von Kälterückfällen wie der sprichwörtlichen Schafskälte fällt seit 2016 besonders auf und ist ein wesentlicher Faktor für den deutlichen Temperaturanstieg im Juni in den letzten sechs Jahren. Das zeigt auch ein Blick auf die Zahl der Tage mit einer Höchsttemperatur von unter 20 Grad: Lag diese im langjährigen Mittel seit Aufzeichnungsbeginn lange Zeit um 12 Tage, gab es nach 2015 im Schnitt nur noch ganze vier davon. Und sehr kühle Tage, die der Deutsche Wetterdienst für das Tiefland von Juni bis August als solche mit einem Maximum von unter 17 Grad definiert, sind von durchschnittlich sechs im selben Zeitraum auf nur noch einen ab 2016 zurückgegangen. Natürlich ist ein Vergleich unterschiedlich langer Zeiträume problematisch und eine klare Trendaussage nach nur sechs Jahren nicht möglich. Im Kontext des langfristigen Erwärmungstrends deutet jedoch wenig darauf hin, dass es sich nur um eine vorübergehende Laune des Wetters handelt, sondern vielmehr um eine Entwicklung unseres Klimas, die allerdings ungewöhnlich kühle oder gar kalte Phasen nicht ausschließt, wie wir sie eindrucksvoll im April und Mai erlebt haben – die Wahrscheinlichkeit dafür ist aber deutlich kleiner geworden und dürfte in Zukunft wohl eher noch abnehmen. Auch die Tiefstwerte lagen fast im gesamten Monat im deutlich überdurchschnittlichen und fast durchweg zweistelligen Bereich, vereinzelt sogar über 18 Grad. Lediglich in der ersten Nacht sorgte der Rest der Maikälte für frische Werte von 5,4 °C in der Luft und 3,4 °C über dem Erdboden.

Auch an der Wetterstation im Kurgarten von Silberborn, einem Gemeinschaftsprojekt des internationalen Wetterdienstleisters DTN mit der Stadt Holzminden zur Beobachtung des Klimas im Hochsolling, fiel der Juni 2021 außergewöhnlich warm aus, hier betrug der Rückstand zum Rekord von 2019 nur 0,14 Kelvin. Mit einer Monatstemperatur von 17,81 °C war es um 3,5 K wärmer als im  Mittel der Jahre 1991-2020, gegenüber der älteren Klimanorm von 1961-1990 betrug das Plus sogar 4,5 K.

Woran lag es nun, dass der Juni nach einem ungewöhnlich kühlen Frühjahr so warm wurde? Anders als noch im vorherrschend von Nordlagen geprägten April und von kühler Luft aus Westnordwest dominierten Mai lag nördlich von uns nun meist hoher Luftdruck, der die Westwindzirkulation blockierte. Zudem wurden bereits Ende Mai deutlich wärmere Luftmassen nach Norden verfrachtet, so dass auch bei einer vorübergehenden leichten Nordwestlage, wie wir in der zweiten Woche erlebten, keine kühle Luft mehr nach Mitteleuropa strömte. Zuvor hatte eine östliche Strömung für einige sehr warme Tage zu Monatsbeginn gesorgt, die von lokal heftigen Gewittern rasch wieder beendet wurden. Ab Monatsmitte stellte sich eine hartnäckige Südlage ein, bei der ein weit nach Süden reichender Tiefdruckkomplex über Westeuropa hohem Druck über Osteuropa gegenüberstand. Kühle Luft kann uns bei einer solchen Konstellation nicht erreichen, allerdings wurde der Wettercharakter von West nach Ost fortschreitend rasch unbeständig, da sich der tiefere Druck vor allem in höheren Luftschichten langsam nach Osten ausbreiten konnte. Somit stand die erste Hitzewelle des Sommers mit vier heißen Tagen in Folge in Bevern und zwei in Silberborn unter zunehmender Zufuhr feuchter und als sehr schwül empfundener Luft.

Gewitter mit lokalem Starkregen und teils Überschwemmungen, die in mehreren Ortschaften die Feuerwehren ausrücken ließen, beendeten die Junihitze am dritten Wochenende. Anschließend stellte sich eine sehr wechselhafte Witterungsphase ein, die bis zum Monatsende andauern sollte. Einer Abkühlung auf mäßig warme Werte folgte erneut hochsommerliche Wärme am vierten Wochenende, bevor es wieder sehr schwül und gewittrig wurde. Geringe Luftdruckgegensätze, gerne auch als „Barosumpf“ bezeichnet – geprägt durch geringe Dynamik und verwaschene Strukturen auf den Wetterkarten  –  bestimmten die letzten Tage des Monats. Beständiges Hochdruckwetter konnte sich zu Beginn des sogenannten Siebenschläferzeitraums Ende Juni also nicht einstellen, stattdessen ähnelte die Entwicklung ein Stück dem Sommer vor vier Jahren, als sich ebenfalls in der dritten Junidekade aus einer tiefdruckgeprägten Südlage hervorgehend Tiefdruck über Mitteleuropa einnistete und bis Mitte August für einen äußerst unbeständigen und sehr nassen, wenn auch nicht kühlen Hochsommer sorgte.

Regenbogen bei Moringen im eindrucksvollen Abendlicht eines Gewitters bei Northeim am 28. Juni (Foto: Thomas Seliger)

So weit sind wir natürlich noch nicht, an dieser Stelle soll nicht über die weitere Entwicklung des Sommers spekuliert, sondern der im Juni gefallene Regen betrachtet werden. Insgesamt fiel die Bilanz an den Stationen im Kreis und an seinen Grenzen überdurchschnittlich aus mit allerdings nicht unerheblichen Unterschieden. Die Monatssummen lagen über dem 30-Jahres-Mittel der Periode 1991-2020, mitunter deutlich, und meist auch über dem Schnitt der nasseren Jahre 1961-1990. In Bevern wurden 98,5 mm gemessen, in Lüchtringen 95,6, in Ottenstein 86,6 und in Polle sogar 104,8 mm. Vorwohle meldete vergleichsweise bescheidene 73,0 mm, Hellental 88,4 und Amelith 96,9 mm. Spitzenreiter waren diesmal Holzminden und Hehlen mit jeweils fast 111 m. Die Kreisstadt wurde vom eng begrenzten Gewitter am Abend des 5. Juni mit 37 mm voll erwischt, in Hehlen fielen an zwei Tagen jeweils über 27 mm. In Silberborn, dem klimatisch feuchtesten Ort im Kreis, wurde das Mittel der Jahre 1991-2020 mit 82 mm nur leicht um knapp 5 mm überschritten, der ältere Durchschnittswert von 1961-1990 aber um rund 12 mm verfehlt.

Wie so oft im Sommer, erzählen die Regensummen nur die halbe Geschichte. Diese kamen an wenigen Niederschlagstagen zusammen (Bevern zählte ganze elf), zwischen dem 6. und 18. fiel so gut wie nichts, während die Verdunstung gerade in der zweiten Dekade bei Hitze und viel Sonnenschein hoch war. Die kurzen, sehr kräftigen Güsse bis hin zum Platzregen können vom Boden kaum aufgenommen werden und fließen größtenteils überirdisch ab – neben der damit verbundenen Überschwemmungsgefahr und vollgelaufenen Kellern ist solch eine Verteilung auch ungünstig für Landwirtschaft und Natur.

Auch die Sonnenscheinbilanz offenbart ein differenziertes Bild: Anders als im Juni 2019, als sich zum Temperaturrekord mit fast 300 Stunden auch ein neuer Höchstwert bei der Sonnenscheindauer gesellte, gab es neben einer Reihe von sehr sonnigen Tagen (vorwiegend in der zweiten Dekade) auch immer wieder Phasen, in denen dichte Bewölkung nur wenig Platz für die Sonne ließ. Die dritte Dekade fiel mit nur gut 42 Stunden sogar ausgesprochen trüb aus. Dennoch wurde das langjährige Mittel der Jahre 1991-2020 von ca. 200 Stunden um 31 Stunden oder 16% übertroffen.

Sonnenaufgang bei Polle am 17. Juni, dem Tag mit der längsten Sonnenscheindauer des Jahres 2021 (Foto: Annette Mokross)

Die Geschichte vom Mai, der ein April sein wollte

Der „Wonnemonat“ 2021 war kühl, nass, windig und trüb / Kältestes Frühjahr seit 2013

Fotos von Annette Mokross

Nach dem ungewöhnlich kalten April führte auch der Mai keine Trendwende beim Frühjahrswetter mehr herbei. Stattdessen geht der gerne als Wonnemonat bezeichnete dritte und letzte Monat des meteorologischen Frühlings als kühl und sonnenscheinarm in die lokale Klimareihe ein. Im Zusammenspiel mit häufigen Schauern in höhenkalter Luft erinnerte der Mai 2021 nicht nur bei den Messwerten an einen verspäteten oder verlängerten April – oder an ein Frühjahr „alter Schule“, wie man sie häufiger bis zum Ende der 1980er Jahre erleben konnte. Auch optisch herrschte oft typisches „Aprilwetter“. In den letzten Jahren hatte es hingegen viele sonnige und trockene Verläufe im Frühling gegeben – zur Freude vieler Menschen, aber leider auch mit negativen Folgen für die unter den Niederschlagsdefiziten leidende Natur. Auch davon grenzte sich der diesjährige Mai deutlich ab und sorgte für reichlich Regen in der Region, wobei aufgrund lokal begrenzter Schauer die Stationssummen recht unterschiedlich ausfielen. Zu trocken blieb es aber an keinem Standort.

Mit einer Monatstemperatur von 11,53 °C war der Mai 2021 an der DWD-Station in Bevern um glatt 2,0 Kelvin kälter als das Mittel der aktuellen Klimanorm von 1991-2020. Nach dem Wärmerekord im Jahr 2018 war es der dritte Mai in Folge, in dem sogar das Klimamittel der älteren und weniger warmen Periode von 1961-1990 verfehlt wurde. Drei so kühle Maie nacheinander – eine solche Serie besitzt Seltenheitswert, ist doch die letzte von 1961-1963 fast 60 Jahre her. Bezogen auf die letzten 30 Jahre war es sogar zusammen mit 2019 und 1996 der zweitkälteste Mai hinter 2010, als nur 10,7 °C gemessen wurden. Noch kälter war es zuvor im Mai 1991 mit nur knapp über zehn Grad, auf den dann noch ein ausgesprochen kühler Juni folgte. So weit dürfte es aber in diesem Jahr nicht kommen, wie die ersten Tage des meteorologischen Sommers bereits gezeigt haben.

Wie schon im April war nicht nur die niedrige Durchschnittstemperatur auffällig, sondern auch die geringe Anzahl warmer Tage mit einer Höchsttemperatur von mindestens 20 Grad. Davon schaffte der Mai deutlich unterdurchschnittliche fünf, zwei davon während des einzigen kurzen Vorstoßes sehr warmer Luftmassen zum Ende der ersten Dekade waren sogar Sommertage mit bis zu 28,8 °C. Vergleicht man die einzelnen Tageshöchstwerte in Bevern mit dem jeweiligen Durchschnittswert der letzten 30 Jahre, so wurde dieser an nur vier Tagen übertroffen, aber an 27 Tagen verfehlt. Schon im April hatte dieses Verhältnis bei außergewöhnlichen 5:25 gelegen. Und wenn man bei den Monatstemperaturen April und Mai gemeinsam betrachtet, kommt man auf nur 9,1 °C – noch tiefere Werte findet man in der lokalen Klimageschichte nur 1991 und dann erst wieder 1941 sowie in den 1930er-Jahren. Mit anderen Worten: es war in den acht Wochen vor Maiende nicht nur gefühlt, sondern auch objektiv gemessen wirklich außergewöhnlich kühl, wobei im Mai weniger als im April kalte Nächte die Ursache waren: Der einzige und schwache Luftfrost wurde in Bevern mit -0,3 °C ebenso am 8. Mai gemessen wie der letzte Bodenfrost – von Eisheiligen also keine Spur.

Auch die Messungen an der dtn-Unwetterreferenzstation in Silberborn untermauern diese Bilanz: Mit einer Monatstemperatur von 9,2 °C war der Mai 2021 dort sogar um 2,2 K kälter als das Mittel der Jahre 1991-2020 und ebenfalls so kühl wie seit 2010 nicht mehr. Warme Tage suchte man fast vergeblich, doch auch auf rund 430 m Höhe reichte es am 9. für einen meteorologischen Sommertag mit 26,6 °C. Letzter Frost wurde ebenfalls am 8. gemessen.

Die Analyse der Großwetterlagen im April hatte eine deutliche Übergewichtung des Sektors Nord ergeben mit dem Zustrom polarer oder subpolarer Luftmassen. Im Mai drehte die Strömung dann ein Stück zurück (Rückdrehung meint eine Verschiebung gegen den Uhrzeigersinn), so dass nun die Anströmung aus Nordwesten, teils Westen dominierte.  Eine kurzzeitige Vorderseite eines Tiefs über den Britischen Inseln sorgte für die kräftige Erwärmung aus Süd/Südwest am Ende der ersten Dekade. Ganz überwiegend kamen die Luftmassen aber über den noch kühlen Nordostatlantik oder die Nordsee zu uns, was neben vielen Wolken zu häufigen Niederschlägen und mehrfach böig auffrischendem Wind bis hin zu einer Sturmlage am 4. und teilweise noch am 5. Mai führte. Tiefdruck dominierte bis kurz vor Monatsende, erst dann stellte sich die Wetterlage langsam auf eine trockene und wärmere Nordost- bis Ostströmung um.

Die häufigen Tiefdrucklagen sorgten in der gesamten Region für überdurchschnittliche Regenmengen, die der Natur eine weitere Entspannung verschafften. Hatte die Vegetation aufgrund der niedrigen Temperaturen einen zögernden Start hingelegt, wurde es mit Unterstützung der kurzen Warmphase, vor allem aber aufgrund der milderen Nächte und der regelmäßigen Niederschläge zunehmend sattgrün. Die Messwerte zeigen dennoch ein recht inhomogenes Bild, da neben Landregen auch diverse Schauer unterwegs waren, die sich teils eng begrenzt und unterschiedlich häufig und intensiv entwickelten. An der Klimastation in Bevern gab es ungewöhnlich viele Niederschlagstage mit 25 an der Zahl, dabei summierten sich die Regenmengen auf 79,9 mm, was einem Plus von 35% gegenüber dem Mittel der Jahre 1991-2020 entspricht.

Doch damit war Bevern sogar noch die „trockenste“ Station im Kreis und den angrenzenden Gebieten: Lüchtringen meldete 97,7 mm, Polle 98,1 mm und Hehlen 94,2 mm. In Vorwohle waren es 88,1 mm und in Amelith 84,0 mm, während in Hellental mit 102,9 mm die 100er-Marke ebenso überschritten wurde wie in Ottenstein mit 105 mm. Spitzenreiter war Silberborn, wo sogar 114 mm gemessen wurden – gut die Hälfte mehr als im Schnitt der vergangenen 30 Jahre und Balsam für die Sollingwälder. Insgesamt war es der nasseste Mai seit 2014.

Bei vielen Wolken und bis kurz vor Monatsende vorherrschendem Tiefdruck blieb nicht allzu viel Platz für die Sonne, die sich nur rund 145 Stunden lang und damit 53 Stunden oder 27% weniger als im Mittel seit 1991 zeigen konnte. Sonnenscheinreiche Tage, definiert mit einer Quote von mindestens 80% der astronomisch möglichen Menge, gab es nur zwei – am 9. sowie am 31., als die Sonne zum Monatsausklang von früh bis spät schien. Umgekehrt waren komplett trübe Tage auch kaum einmal anzutreffen, bei der rasch wechselnden Bewölkung ergaben sich auch immer wieder mal Lücken für die Sonne – zur Freude gerade von Hobbyfotografen, die mit vielen optisch reizvollen Szenen inklusive diverser Regenbögen reichlich Motive geliefert bekamen vom Aprilwetter im Mai.

Frühjahrsbilanz: Kühl, nass und trüb wie seit 2013 nicht mehr

Ein März, ein April auf Märzniveau und ein Mai auf Aprilniveau – so lässt sich das meteorologische Frühjahr 2021 bei den Temperaturen nur wenig zugespitzt zusammenfassen. Unter dem Strich war es das kühlste seit 2013, als allerdings ein extrem kalter März für Schlagzeilen sorgte und den Wert drückte. Mit nur 7,85 °C war der aktuelle Frühling an der Station in Bevern der drittkälteste seit Beginn der globalen Erwärmung 1987 – nur 2013 und 1996 liegen noch darunter. Das Klimamittel der letzten 30 Jahre wurde um fast 1,4 K verfehlt und selbst gegenüber der älteren Periode 1961-1990 steht ein Minus von 0,3 K. Die in Silberborn erzielten 5,6 °C bedeuten sogar eine Abweichung von fast -1,8 K im Vergleich zum Klimawert seit 1991, auch dort war es das drittkälteste Frühjahr seit 1987 hinter 1996 und 2013, wobei 2006 anders als in Bevern mit dem aktuellen Frühling gleichauf liegt.

Der Jahreszeitniederschlag lag in Bevern nach einem ausgeglichenen März, einem leicht überdurchschnittlichen April und einem nassen Mai mit 197,4 mm um knapp 19% über dem Schnitt der letzten 30 Jahre und deutlich über dem Niveau seit 2014, nachdem es zuletzt mehrere sehr trockene Frühjahre gegeben hatte. In Silberborn kamen 244 mm zusammen, das Plus gegenüber dem dortigen Klimawert fiel mit gut 9% aber geringer aus. Nassester Standort im Kreis war Hellental mit 260,7 mm, am wenigsten fiel in Hehlen mit 189,3 mm.

Die Sonne schließlich schien mit nur rund 410 Stunden in der Region 76 Stunden oder gut 15% weniger als im Mittel von 1991-2020, auch der alte Klimawert von 1961-1990 von 432 Stunden wurde verfehlt. Besonders markant fällt das Minus gegenüber dem Vorjahr aus, als mit 690 Stunden ein neuer Rekord aufgestellt wurde.

Vom Frühling nichts Neues

Auch die erste Maihälfte war ungewöhnlich kühl und trüb

Trotz eines kurzen Wärmeintermezzos am Ende der ersten Dekade mit den Sommertagen 2 und 3 in diesem Frühjahr (nach dem ersten und historisch frühen am 31. März) verlief auch die erste Maihälfte deutlich kühler als im langjährigen Mittel.

Mit einer Mitteltemperatur von 11,2 °C lag die Durchschnittstemperatur an der DWD-Station in Bevern nach 16 Tagen um 1,3 K unter dem Verlaufswert der Periode 1991-2020. Vom erwähnten kurzen Ausflug in wärmere Bereiche am 9. und 10. abgesehen blieb das Tagesmaximum an allen anderen Tagen unter dem Mittel der letzten 30 Jahre. Dazu war es ausgesprochen trüb: Mit nur 62 Sonnenstunden schafften die ersten 16 Tage gerade 31% vom Gesamtmonatsmittel 1991-2020.

Und Besserung ist nicht in Sicht, im Gegenteil: Die kurz- und mittelfristigen Aussichten zeigen sogar noch ein Stück nach unten bei der Temperaturkurve und auch längerer Sonnenschein ist nicht in Sicht. Die Niederschlagsbilanz betrug hingegen bereits fast zwei Drittel des monatlichen Durchschnitts. Inklusive der Aussichten sieht es also nach einem kühlen bis sehr kühlen, sonnenscheinarmen und nassen „Wonnemonat“ 2021 aus, der ein außergewöhnlich kaltes Frühjahr beschließen dürfte.

Ja, ist denn immer noch Winter?

Der April 2021 war der kälteste seit 1977 und schneereichste seit 1984

Rückblick auf den April 2021 im Oberwesertal und im Hochsolling

Häufig berichten wir an dieser Stelle von neuen Wärmerekorden, so auch vor wenigen Wochen im Märzrückblick, als erstmals ein meteorologischer Sommertag im ersten Frühjahrsmonat gemessen wurde. Doch auch in Zeiten des Klimawandels gibt es Ausnahmen hin zur kalten Seite, wie der April nun eindrucksvoll unterstrichen hat. Sprichwörtlich macht er ja, was er will – und er wollte in diesem Jahr vor allem eines: kalt sein. Und das nicht nur ein bisschen, sondern so sehr wie seit 1977 nicht mehr. Doch nicht nur die Temperaturen erinnerten oft mehr an Spätwinter als an Frühling, auch der optische Eindruck unterschied sich deutlich von den Aprilbildern der vergangenen Jahre: Was da an weißen Flocken durch die Luft schwirrte und zu Boden fiel, war nicht etwa die Obstblüte, sondern echter Schnee – und der blieb am Ende der ersten Woche sogar liegen, so spät im Jahr wie lange nicht. Im Hochsolling waren es teils bis zu zehn Zentimeter, doch auch in den Niederungen wurde es vorübergehend so weiß wie seit Mitte der 1980er Jahre nicht mehr.

Mit einer Monatstemperatur von 6,64 °C war der April 2021 an der DWD-Station in Bevern um 2,9 Kelvin kälter als das Mittel der aktuellen Klimaperiode 1991-2020. In den letzten 15 Jahren hatte es im zweiten meteorologischen Frühjahrsmonat mehrfach sehr warme Vertreter mit Temperaturen über elf Grad gegeben, der Rekord vor drei Jahren kratzte sogar an der 13-Grad-Marke. Zwischendurch gab es zwar auch immer wieder kühlere Exemplare, aber wirklich kalt war es seit nunmehr 20 Jahren nicht – 2001 wurde letztmals das ältere und niedrigere Klimamittel der Jahre 1961-1990 von 7,93 °C verfehlt. Ähnlich tief wie in diesem Jahr war das Temperaturniveau zuletzt im April 1997, als es keine Wetterstation vor Ort im Wesertal gab und sich aus den Werten der Umgebung wie Hameln und Oberweser (heute Wesertal) sowie Moringen-Lutterbeck ein Wert von 6,7 °C errechnet. Auch 1986 kommt auf eine Apriltemperatur von 6,7 °C, gemessen an der damaligen Station in Holzminden am Bergblick/Sonnenwinkel, zweifelsfrei noch kälter war es zuletzt im April 1977 mit 6,3 °C, die am Vorgängerstandort Über dem Gerichte ermittelt wurden.

Doch nicht nur Monatsmitteltemperatur fiel außergewöhnlich niedrig aus, auch die Tageswerte unterstreichen die hartnäckige Kälte: Mit elf Frosttagen in Bevern wurde der Rekord in der Messreihe Holzminden/Bevern aus dem Jahr 1958 eingestellt. Bodenfrost in fünf Zentimetern über dem Erdboden trat sogar an 19 Tagen auf und im Vergleich zu den durchschnittlichen täglichen Höchstwerten der letzten 30 Jahre waren 25 Tage im April kälter und nur fünf wärmer. Das Maximum wurde mit 19,8 °C gleich am Monatsersten erreicht und lag erstmals seit 1997 unter der 20-Grad-Marke.

Noch ein ganzes Stück kälter und spätwinterlicher liest sich die Bilanz im Hochsolling: An der DTN-Unwetterreferenzstation im Silberborner Kurgarten lag die Monatsmitteltemperatur bei nur 4,27 °C und damit um 3,2 K unter dem Klimawert der Jahre 1991-2020. Vergleichbar kalt war es in Silberborn zuletzt 1986 mit 4,28 °C und auch dort muss man bis 1977 zurückblättern, um einen noch kälteren April zu finden. Wärmster Tag war der 28. mit einem Höchstwert von 17,9 °C.  An nur zwei weiteren Tagen gelang der Sprung über die 15-Grad-Marke, dafür gab es 13 Frosttage, am 6. und 7. sogar negative Tagesmittelwerte – und nicht nur das: Der Spätwinter meldete sich auch mit Schnee eindrucksvoll zurück. Auf knapp zehn Zentimeter wuchs die Schneedecke vorübergehend am Morgen des 7. April an – das ist selbst für diese Höhenlage ein ungewöhnlich hoher Wert zu einem solch späten Zeitpunkt im Jahr. Zuletzt hatte es Anfang April 1994 mit elf Zentimetern ähnlich viel Schnee in Silberborn gegeben, deutlich mehr war es zehn Jahre zuvor 1984, als in der ersten Aprildekade fast durchgehend Schnee lag und dabei stattliche Höhen von bis zu 32 cm gemessen wurden!

Was man aber auch festhalten muss: Einzelne Tage mit einer dünnen Schneedecke von meist 1-2 cm sind im Hochsolling auch in den letzten 30 Jahren im April immer wieder mal vorgekommen – ab und zu sogar noch nach Monatsmitte. Ganz anders sieht es im Wesertal aus: Auch dort finden sich bis zum Ende der 1980er Jahre immer wieder mal späte Schneedecken im April, meist nur kurz und auch nicht allzu hoch, aber es gab sie – in den Achtzigern immerhin in vier Jahren. 1984 ragt auch hier mit bis zu 15 cm deutlich heraus. Mit Beginn der globalen Erwärmung am Ende des Jahrzehnts war es dann wie abgeschnitten: 27 Jahre passierte nichts mehr, erst am 2. April 2015 gab es wieder eine offizielle Schneedeckenmeldung von der 2006 in Betrieb genommenen Station in Bevern, die mit einem Zentimeter aber gerade einmal die Mindesthöhe erreichte. Erst vor gut vier Wochen konnte Beobachter Manfred Springer an „seiner“ DWD-Station nun zum zweiten Mal seit Wiederbeginn der Messungen morgendliche handgemessene Schneehöhen im April nach Offenbach melden: Zunächst einen Zentimeter am 6. und einen Tag später sogar vier Zentimeter, die damit den höchsten Wert der Klimareihe seit 1984 und zugleich Stationsrekord am Standort Bevern im April bedeuten.

Auch die ehrenamtlichen Kollegen an den weiteren Messstellen in der Region setzten Schneemeldungen am Ende der ersten Aprilwoche ab: Je vier Zentimeter waren es in Lüchtringen, Ottenstein, Hehlen und Hellental, fünf in Polle, sechs in Amelith und sogar sieben in Vorwohle.

Woran lag es nun, dass dieser April deutlich aus dem Rahmen der jüngeren Vergangenheit herausfiel? Mit einer Trendwende beim Klima, da sind sich die Experten sicher, hat es nichts zu tun, die langjährige Entwicklung wird dadurch nicht in Frage gestellt. Oder, wie es Andreas Friedrich aus der Pressestelle des DWD formulierte: „Das, was wir im April erlebt haben, ist Wetter. Das war ein lokaler, kurzzeitiger Effekt.“ Mit dem Klimawandel, auch darauf wird seit Jahren hingewiesen, nimmt die Variabilität des mitteleuropäischen Klimas nicht ab, es gibt also weiterhin gerade in den Winter- und Frühlingsmonaten deutliche Abweichungen von den langjährigen Durchschnittswerten, wobei sich allerdings die Verteilung klar hin zur warmen Seite verschoben hat.
Eine tiefer gehende Analyse unter Einbeziehung der Stratopsphären-erwärmungen zu Jahresbeginn hat Kurt Hansen hier verfasst: http://www.wzforum.de/forum2/read.php?27,3961361
Seinen lesenswerten und lehrreichen Blog findet man hier: http://kurthansen-meteo.blogspot.com/

Immerhin lässt sich auch für die weniger versierten Hobbymeteorologen anhand der Großwetterlagen und -typen leicht erklären, warum es in diesem April kaum warm und oft kalt werden konnte: Über dem Nordatlantik hatte sich eine Hochdruckzone gebildet, die zum einen die Westwindströmung blockierte und zum anderen im Zusammenspiel mit Tiefdruck über Nordeuropa Luft aus polaren Breiten zu uns führte – je nach Lage der Druckgebilde herrschten in Deutschland Nordwest-, Nord- oder Nordostlagen – sie machten 24 von 30 Tagen aus.

In der vorwiegenden Nordströmung war der Wettercharakter durchaus apriltypisch wechselhaft, so dass sich stark bewölkte und heitere Abschnitte im Tagesverlauf oft rasch abwechselten und es nur wenige vollständig trübe Tage gab, ebenso reichte es kaum einmal für durchgehenden Sonnenschein. Von den als sonnenscheinreich eingestuften Tagen mit mindestens elf Stunden Sonnenschein gab es nur drei – im letzten April waren es noch 18 gewesen. Vor einem Jahr gab es mit 294 Stunden noch einen neuen Allzeitrekord bei der Monatssumme, diesmal musste man sich mit weniger als der Hälfte, genauer: mit 144 Stunden begnügen. Damit wurde das Klimamittel der Jahre 1991-2020 um ca. 28 Stunden oder gut 16% verfehlt.

Überdurchschnittlich war dagegen die Niederschlagssumme, zumindest an der Station in Bevern, wo mit 56,7 mm das Mittel der vergangenen 30 Jahre um immerhin 24% übertroffen wurde. Zuletzt hatte es oft längere Trockenheit im April gegeben, mehr Regen war in Bevern zuletzt 2008 gefallen. Auch die Werte aus Lüchtringen und Vorwohle lagen sehr ähnlich mit rund 58 mm, im Nordwesten des Kreises war es allerdings ein ganzes Stück trockener: In Polle wurden knapp 49 mm gemessen und in Ottenstein und Hehlen sogar nur 39 bzw. 38 mm. Auch im klimatisch nasseren Sollingumfeld gab es Unterschiede: Am meisten fiel in Hellental mit fast 71 mm, weiter südwestlich in Amelith auf ähnlicher Höhe waren es nur knapp 54 mm und Silberborn lag mit 61,7 mm nicht nur geographisch dazwischen. Der dortige Wert liegt geringfügig über dem Mittel der Jahre 1991-2020, so dass es zumindest keinen weiteren zu trockenen Monat im Hochsolling gab, von einer nachhaltigen Entspannung für die Wälder aber auch nicht die Rede sein kann.

Titelfoto: Annette Mokross, Polle

Die Diagramme öffnen sich wie immer per Klick in größerer Ansicht:

Nach Ostern wurde es noch einmal winterlich (Foto: Annette Mokross)
Der Schnee war am 17.04. zwar auch im Solling wieder verschwunden, aber von frühlingshafter Stimmung keine Spur. Immerhin entschädigt diese markante Wellenstruktur der stratiformen Bewölkung für das kühle und trübe Grau (Foto: Thomas Seliger)

So kalt wie seit 25 Jahren nicht mehr

Zwischenbilanz der ersten Aprilhälfte

Ja, ist denn schon wieder Weihnachten? Diese Frage könnte man sich durchaus stellen, wenn man auf die Temperaturen der ersten Aprilhälfte blickt: Ein Mittelwert von 4,9 °C an der DWD-Station in Bevern und von 2,4 °C an der DTN-Station in Silberborn, dazu acht bzw. zehn Frosttage und mehrere mit Schneedecke – diese Daten könnten durchaus aus einem Dezember stammen. Und der Blick in die Natur deutet zumindest im Hochsolling kaum etwas von einem Frühlingsdurchbruch an.

Auch wenn Kaltlufteinbrüche im mitteleuropäischen Frühjahr keine Seltenheit sind, ist die diesjährige Aprilkälte ungewöhnlich hartnäckig. Nur ein Tag bisher – gleich der Monatserste – war wärmer als im Durchschnitt der letzten 30 Jahre, alle anderen seither landeten unter ihrem Klimamittelwert, die meisten davon deutlich.

Zwar gab es neben mehreren sehr warmen Exemplaren seit dem ersten „Aprilsommer“ im Jahr 2007 auch immer wieder kühlere Vertreter wie 2015-2017, aber so kalt wie in diesem Jahr war es in der ersten Aprilhälfte im Oberwesertal zuletzt vor 25 Jahren im Jahr 1996. Damals gab es keine Messungen in Bevern oder Holzminden, aber eine Station des DWD in Boffzen, an der 4,5 °C bei den Tagesmitteltemperaturen und 9,4 °C bei den Höchstwerten (aktuell in Bevern 9,6 °C) zu Buche stehen. In Silberborn war es damals mit 2,4 °C genauso kalt wie in diesem Jahr, die aktuellen Höchstwerte liegen mit einem Durchschnittswert von 6,1 °C nach 15 Tagen sogar noch ein Stück unter denen vor 25 Jahren (6,8 °C). Erst weitere zehn Jahre zurück findet sich eine in der gesamten Region noch deutlich kältere erste Aprilhälfte: 1986 wurden in Holzminden 3,5 °C bei den Tagesmitteln und 6,5 °C bei den Höchstwerten gemessen, in Silberborn 1,0 und 3,7 °C. Gegenüber dem aktuellen Klimamittel der Jahre 1991-2020 waren die ersten 15 Apriltage 2021 in Bevern um 3,3 K und in Silberborn sogar um 3,7 K zu kalt.

Beim Niederschlag wurde bereits zur Halbzeit mit 44,1 mm fast das gesamte Monatsmittel erreicht, die Sonne zeigte sich nur selten und schaffte nur gut 26% der durchschnittlichen Monatssumme.

Von Frühling keine Spur: Trostloser Ausblick vom Hochsollingturm am 17.04. Foto: Thomas Seliger

Der Winter schlägt zurück

Das Gerangel zwischen Spätwinter und Frühsommer um die Vorherrschaft in diesem von markanten Gegensätzen geprägten Frühjahr ging zum Ende der ersten Aprilwoche in eine neue Runde: Nachdem erstmals seit Aufzeichnungsbeginn schon im März ein meteorologischer Sommertag an der DWD-Station in Bevern gemessen wurde, setzte der Winter nur wenige Tage später einen eindrucksvollen Konter. Am Morgen des 6. April gab es in Bevern (und nicht nur dort) zum Messtermin um 07:50 Uhr MESZ eine dünne Schneedecke von einem Zentimeter – auch das ist im April schon ein seltenes Ereignis, das es zuletzt vor sechs Jahren gab. Doch 24 Stunden später waren es dann sogar vier Zentimeter – die höchste Aprilschneedecke seit 1984, als am damaligen Standort am Bergblick in Holzminden am 3. April 15 cm gemessen wurden – da spielte der Spätwinter dann doch noch in einer anderen Liga. Aber in der Datenreihe ab 1951 findet sich nur noch eine weitere höhere Schneedecke als am vergangenen Mittwoch: Im Jahr 1975, ebenfalls am 7. gemessen.

Im Hochsolling ist Schnee – auch solcher, der liegenbleibt – im Frühjahr deutlich häufiger zu finden als im Wesertal und dennoch ist es auch dort schon lange her, dass es so spät im Jahr für eine vergleichbare Schneedecke reichte wie in der vergangenen Woche mit vier Tagen in Folge und bis zu neun Zentimetern. Vor 25 Jahren, in den ersten vier Tagen des April 1996, gab es eine fast identische Bilanz, mehr Schnee im April mit elf Zentimetern zuletzt am 05.04.1994. Der späteste Schnee der Sollingreihe bezogen auf die Standorte Neuhaus und Silberborn (ab 1976) wurde übrigens im Mai beobachtet – ein Zentimeter am Morgen des 03.05.1985, nachdem es in jenem Jahr bereits Ende April mehrere Schneedeckentage gegeben hatte. Im oben erwähnten April 1984 lagen in Silberborn bis zu 30 Zentimeter, und auch in der jüngeren Vergangenheit machte der Spätwinter noch einmal nachhaltig auf sich aufmerksam: 2008 gab es zwar nicht ganz so späte, aber doch sehr eindrucksvolle bis zu 28 cm Schnee Ende März. Damals konnte sich die Schneedecke sogar zwölf Tage lang halten, an neun Tagen in Folge lagen mindestens 17, an vier davon mindestens 21 Zentimeter. Und auch die Rekordhöhe wurde nicht im Winter, sondern im Frühjahr gemessen und ist bis heute gültig: 79 cm am 8. und 9. März 1988.

Schneeschauer und erstmals über 25 Grad

Rückblick auf den März 2021

Warmer Start, rekordwarmes Ende – und dazwischen oft kühl: So lässt sich der Temperaturverlauf im März 2021 in wenigen Worten zusammenfassen. Auch wenn die Gesamtbilanz aller wichtigen Parameter kaum von den langjährigen Durchschnittswerten abwich, schrieb der Monat dennoch lokale Wettergeschichte: Mit 25,3 °C wurde nicht nur der bisherige Rekord aus dem März 1968 übertroffen, sondern erstmals seit Beginn der Wetterbeobachtungen ein meteorologischer Sommertag im ersten Frühjahrsmonat gemessen. Nach November und Februar gab es damit bereits zum dritten Mal in den letzten fünf Monaten einen neuen Rekord bei den Höchstwerten.

Mit einer Monatstemperatur von 5,39 °C war der März 2021 an der DWD-Station in Bevern geringfügig wärmer als das Mittel der aktuellen Klimaperiode 1991-2020 von 5,22 °C. Gegenüber dem früheren Referenzmittel der Jahre 1961-1990 betrug das Plus deutlichere 1,35 K. Neben dem ersten Sommertag am 31.03. – statistisch wäre dieser bezogen auf die letzten 30 Jahre erst am 9. Mai zu erwarten und im letzten Jahre dauerte es sogar bis zum 2. Juni – schafften noch zwei weitere Tage am Monatsende den Sprung über die 20-Grad-Marke. Doch insgesamt bildeten milde bzw. warme Tage die Ausnahme in diesem Monat, weite Teile der ersten und fast die gesamte zweite Dekade verliefen zumindest leicht unterkühlt. Für einen richtig spätwinterlichen Abschnitt reichte es aber in den Niederungen nicht mehr. Die Anzahl von elf Frosttagen an der Station in Bevern entspricht fast genau dem Mittelwert der vergangenen 30 Jahre, Bodenfrost, genauer: Frost in fünf Zentimetern Höhe über dem Erdboden wurde an 21 Tagen gemessen. Es gibt auch Messungen im Erdboden an einem Teil der Stationen des DWD-Netzes, dort werden auch die Temperaturen in 5, 20, 50 und 100 cm Tiefe ermittelt, in Bevern gehören diese Werte aber nicht dazu.

An der fast 320 m höher gelegenen Wetterstation der Stadt Holzminden in Kooperation mit dem Wetterdienstleister DTN in Silberborn liest sich die Klimabilanz sehr ähnlich: Die dort gemessene Mitteltemperatur von 3,44 °C lag um 0,19 K über dem Durchschnitt der Jahre 1991-2020 und um 1,34 K über dem Wert der Periode 1961-1990. Frost gab es an 15 Tagen, das Minimum betrug -6,8 °C, gemessen am 6. März, doch auch zu Beginn des astronomischen Frühjahrs am 20. wurde es mit einem Tiefstwert von -6,1 °C noch einmal winterlich kalt. Schnee- und Schneeregenschauer traten dem Sollingklima entsprechend mehrfach auf, eine messbare Schneedecke am Morgen wurde aber nur noch am 10. mit 4-5 cm vorgefunden.

Ob es am Monatsende auch in Silberborn für einen neuen Wärmerekord reichte, kann leider nicht mit hinreichender Sicherheit ermittelt werden. Der 30.03.1968, bisheriger Spitzenreiter in der Region, fiel in die Zeit der Messlücke zwischen der Beendigung der Wetterbeobachtungen in Torfhaus Ende 1966 und der Einrichtung der Wetterstation in Neuhaus im Jahr 1975. Die Daten der Stationen auf ähnlicher Höhe in der weiteren Umgebung von damals lassen leider keine eindeutigen Rückschlüsse zu. Festzuhalten bleibt aber, dass es sich auch in Silberborn mit bis zu 21,7 °C um ein außergewöhnlich warmes Märzfinale handelte.

Die Ursachen für die Temperaturgegensätze lagen in einem Wechsel zwischen warmen Hochdrucklagen zu Monatsbeginn und -ende und kalten oder zumindest kühlen Nordlagen dazwischen, unterbrochen durch eine kurze Westlage zu Beginn der zweiten Dekade.  Ein überwiegend meridionales Zirkulationsmuster, bei der die dominierenden Luftströmungen längengradparallel ausgerichtet sind, ist im Frühjahr keine Seltenheit. Der Abfluss kalter Arktikluft nach Süden und die Verfrachtung subtropischer Luftmassen nach Norden ist vielmehr eine notwendige Voraussetzung dafür, dass es im hohen Norden Europas überhaupt Frühling werden kann. Deshalb finden sich trotz der grundsätzlichen Erwärmung aller Jahreszeiten gerade im Frühjahr immer wieder auch kalte Abschnitte deutlich unter den langjährigen Durchschnittswerten – der typische mitteleuropäische Frühling bleibt auch in Zeiten zunehmender Erwärmung von zwischenzeitlichen Kälterückfällen geprägt, das gilt ebenso und in den letzten Jahren sogar noch eher verstärkt für den April. Gleichzeitig haben die deutlich zu warmen Monate im Frühjahr ebenfalls zugenommen, mit anderen Worten: Die Gegensätze binnen kurzer Zeitabstände sind größer geworden.

Schlecht für die Natur: Niederschlagsreiche Phasen nehmen in solch einem Szenario ab. Dafür steht auch der März 2021 exemplarisch: Nennenswerte Regenmengen brachten lediglich die Tage mit West- und Nordwestströmung vor Monatsmitte, auf die fast der gesamte Niederschlag entfiel. An der Station in Bevern reichte das immerhin sogar fast zum Erreichen des Klimamittels der Jahre 1991-2020 von 61,3 mm – dazu fehlte am Ende nur ein halber Millimeter. Doch an den anderen Stationen in der Region war das Defizit teilweise größer: In Silberborn fielen mit 68,4 mm nur knapp 80%, in Amelith mit 58,7 mm gut 85%. Der höchste Messwert stammt aus Hellental, wo die schmale Tallage Stauniederschläge begünstigt und sich der nasseste Standort im Kreis befinden dürfte, wobei die Messungen über viele Jahre in Dassel stattfanden und erst seit Herbst 2018 in Hellental. Deshalb gibt es dort noch keine langjährigen Klimawerte, die man belastbar in Bezug zu den aktuellen Messwerten setzen kann. Im März jedenfalls holte der Beobachter insgesamt 87,5 mm aus dem Sammelbecher.
Die weiteren Werte: Vorwohle 57,0 mm, Hehlen 56,9 mm, Ottenstein 51,2 mm und Polle 56,0 mm. In Amelith und Silberborn reichte es am Morgen des 10. mit drei bzw. vier bis fünf Zentimetern zum einzigen Schneedeckentag des Monats, in den tieferen Lagen reichte es nur für die Meldung „Schneeflecken“, die einen Bedeckungsgrad von mehr 10, aber weniger als 50% der betrachteten Fläche beschreibt.

Die Sonne konnte sich nur an wenigen Tagen lange am Himmel zeigen, erst die Hochdruckphase zum Monatsende führte zum Erreichen bzw. leichten Überschreiten des 30-Jahres-Mittels von rund 117 Stunden. Umgekehrt gab es kaum richtig trübe Tage mit nur sehr wenig oder gar keinem Sonnenschein – auch das ist typisch für Nordlagen: Der schnelle Wechsel von dichter Bewölkung mit Schauern, teils mit Schnee und Graupel, und zwischenzeitlichen Aufheiterungen. Solche von höhenkalter Luft in ca. 5.500 m Höhe geprägte Wetterlagen gelten als typisches Aprilwetter, treten aber auch in anderen Monaten auf, am häufigsten im Frühjahr. Und da will der April in diesem Jahr, wie wir nun zum Erscheinen dieses Märzrückblicks bereits wissen, keine Ausnahme machen.

Titelfoto: Thomas Seliger

Fotos aus dem März 2021 von Annette Mokross:

Der Februar macht den Unterschied

Mehr Winter als in den letzten acht Jahren im Oberwesertal dank einer Woche im Februar

Rückblick auf den Winter 2021 an der DWD-Station Bevern

Mit einer Mitteltemperatur von 2,56 °C sortiert sich der Winter 2021 zwar als einer der kälteren der letzten zehn Jahre, aber im längeren Betrachtungszeitraum als durchaus mild ein. Seit Messbeginn 1934 in Holzminden waren bezogen auf den Standort Bevern 26 Winter wärmer und 60 kälter. Im Vergleich zum Klimamittel 1991-2020 steht ein zartes Plus von 0,2 K, gegenüber dem älteren der Jahre 1961-1990 fällt es mit 1,4 K deutlicher aus.

Während der Dezember trüb und überwiegend mild verlief und der Januar zwar recht kalt, aber ohne wirklich hochwinterliche Ambitionen dahindümpelte, hatte es der Februar mit extremen Ausschlägen in kurzer Zeit in sich. Er sorgte für den kältesten Abschnitt seit neun und den schneereichsten seit 34 Jahren – und anschließend für den wärmsten seit Aufzeichnungsbeginn.

Mit 19,3 °C gab es am 24.02.2021 einen neuen Jahreszeitenrekord bei den Höchsttemperaturen, die alte Bestmarke stammte mit 18,5 °C vom 27.02.2019.
Aufgrund der Kältewelle in der zweiten Februarwoche wurden acht Eistage und eine Kältesumme von 83,3 K gezählt – bezogen auf die letzten 30 Jahre liegt die Kältesumme fast genau im Schnitt, während die Anzahl der Eistage unterdurchschnittlich ist, obwohl in der Mehrzahl der Winter ab 1991 noch weniger gemessen wurden – ein klassisches Beispiel für eine schiefe Verteilung, verursacht durch die hohe Anzahl der Dauerfrosttage in den Wintern 1996+1997 und 2010+2011.
Die Anzahl der Frosttage lag mit 29 wiederum ziemlich genau im Mittel von 1991-2020 (30). Mit -18,7 °C wurde das tiefste Minimum in zwei Metern Höhe seit Jahresbeginn 2009 (-19,8 °C am 7. und 19,5 °C am 6. Januar) gemessen, für den Standort Bevern war es der dritttiefste Wert seit Inbetriebnahme der Station im Sommer 2006. Fünf Zentimeter über dem Erdboden oder vielmehr über der Schneedecke gab es mit -24,8 °C sogar einen neuen Standortrekord.

Die Niederschlagssumme war mit 184,9 mm über 13% niedriger als im Schnitt der letzten 30 Jahre. Mit 16 Schneedeckentagen verzeichnete Bevern die höchste Anzahl im meteorologischen Winter seit acht Jahren, die Höhe von bis zu 25 cm innerhalb einer Reihe von Tagen um oder über 20 cm Schnee bedeutet zugleich den schneereichsten Abschnitt seit Januar 1987.

Beim Sonnenschein konnte der Endspurt im Februar die trüben Monate Dezember und Januar nicht mehr ganz kompensieren: Mit knapp 142 Stunden wurde das Klimamittel seit 1991 geringfügig um rund sechs Stunden oder vier Prozent verfehlt.