Erstmals steht die 11 vor dem Komma

2020 war das wärmste Jahr seit Aufzeichnungsbeginn / Viel Sonne und erneut zu wenig Regen

Der zweitwärmste Winter der Messgeschichte, kein Schneedeckentag in den Niederungen, Sturm und viel Regen von Anfang Februar bis Mitte März mit anschließendem Hochwasser, ein neuer Sonnenscheinrekord im April, eine knackige Hitzewelle und ein Tornado im August, Spätsommerhitze und viel Sonne im September, ein grauer statt goldener Oktober, ein sehr trockener November und ein weiterer sehr milder und schneeloser Dezember – so verlief das lokale Wetterjahr 2020 im Zeitraffer. Unter dem Strich stand das wärmste Jahr seit Beobachtungsbeginn mit dem erstmaligen Erreichen der 11-Grad-Marke, die vierthöchste Summe der Sonnenscheindauer sowie ein erneutes Niederschlagsdefizit.

Mit einer Mitteltemperatur von 11,01 °C wurde der erst zwei Jahre alte Rekord aus dem Jahr 2018 an der DWD-Station in Bevern um 0,04 K und das Klimamittel der Jahre 1981-2010 um fast 1,6 K übertroffen. Selbst das ab 2021 offiziell gültige, neue und jüngste Referenzmittel der Periode von 1991-2020 erscheint angesichts der positiven Abweichung des abgelaufenen Jahres um 1,14 K schon fast wieder „überholt“ – wobei man freilich Vorsicht walten lassen sollte vor voreiligen Schlüssen. Dennoch steht das letzte Jahrzehnt von 2011-2020 ganz im Zeichen einer fortschreitenden und offenbar seit Sommer 2013 auch beschleunigten Erwärmung: Vier der fünf wärmsten Jahre seit Aufzeichnungsbeginn im Juni 1934 fallen in die letzten sieben Jahre ab 2014.

Jahrestemperaturen von über zehn Grad sind seitdem die Regel geworden, nachdem diese Schwelle 1990 erstmals und bis 2005 nur fünfmal überschritten wurde. Der Durchschnittswert der letzten 20 Jahre liegt bereits über zehn Grad, das neue 30-Jahres-Mittel seit 1991 mit 9,87 °C nur knapp darunter. Im Vergleich mit der alten Referenzperiode von 1961-1990 beträgt die Erwärmung 1,07 Kelvin. Am stärksten haben sich die Monate Januar, April, Juli und August mit Werten von 1,44 bis 1,59 K erwärmt, am schwächsten fällt sie in den drei Herbstmonaten mit 0,40 K (Oktober) bis 0,78 K (November) aus. Eine Sonderrolle nimmt der Dezember ein: Der erste Wintermonat hing bis 2010 ähnlich wie die Herbstmonate ein ganzes Stück zurück, machte seit 2011 aber einen deutlichen Satz nach oben und war der Monat mit der mit Abstand größten Erwärmung in den letzten zehn Jahren. Ein durchschnittlicher Dezember dieses Zeitraums war nur geringfügig (0,4 K) kälter als das Novembermittel von 1961-1990 – diese Zahlen untermauern den subjektiven Eindruck, dass sich unsere Winter zumindest in den Niederungen zunehmend wie ein endloser Spätherbst präsentieren.

Schauen wir einige hundert Meter höher und betrachten die Werte der DTN-Unwetterreferenzstation im Kurgarten in Silberborn auf 440 m, ergibt sich folgendes Bild: Die Jahresmitteltemperatur übertraf mit 8,89 °C ihr langjähriges Klimamittel von 1981-2010 um 1,46 K, was in der Gesamtbilanz der Hochsolling-Messreihe das zweitwärmste Jahr seit Beobachtungsbeginn 1937 bedeutet. Der Wärmerekord von 2018 wurde hier um zwei Zehntel verfehlt. Die Ursache dafür liegt in erster Linie am unterschiedlichen Herbstverlauf: Während diese Jahreszeit in Bevern im Jahr 2020 gegenüber 2018 um 0,4 K wärmer bilanzierte, war es in Silberborn vor zwei Jahren um 0,1 K wärmer. 2018 brachten häufige höhenwarme Hochdrucklagen mit Bodeninversionen kältere Nächte im Wesertal als 2020, während es in Silberborn aufgrund der Höhenlage relativ betrachtet wärmer blieb.

Beim Niederschlag steht bei der Jahressumme ein erneutes Defizit. Dieses fiel wie 2019 zwar nicht markant aus, doch im Zusammenhang mit dem Trockenjahr 2018 und der durch Wärme und Sonnenschein gestiegenen Verdunstung und dem daraus resultierenden höheren Bedarf der Vegetation fällt die Bilanz erneut besorgniserregend aus, zumal sich der Trend zu längeren trockenen Phasen im Frühjahr und im Sommer weiter verstärkt hat. Einzelne, eher punktuelle Starkregenschauer in den Sommermonaten sind dafür kein Ausgleich, weil große Teile solcher Niederschlagsereignisse abfließen und nicht in die tieferen Bodenschichten vordringen.

An der Station in Bevern wurden mit 735,8 mm knapp 93% der 30-Jahresmittel von 1961-1990 und 1991-2020 gemessen, diese beiden Referenzperioden unterscheiden sich mit 795 bzw. 793 mm kaum voneinander, so dass hier anders als bei der Temperaturentwicklung kein eindeutiger Trend vorliegt – es gilt aber wie erwähnt den erhöhten Bedarf und die veränderte Verteilung zu beachten. Gegenüber der nasseren Periode von 1981-2010, die in diesem Jahr letztmals als Hilfsreferenz verwendet wird, betrug das Defizit hingegen über 12%. Beim festen Niederschlag gab es den zweiten Totalausfall nach 1989, erst zum zweiten Mal gab es keinen Tag mit einer Schneedecke zum morgendlichen Meldetermin.

In Silberborn fielen mit 875,5 mm nur 78% des Mittels von 1981-2010, gegenüber der Periode von 1961-1990 waren es knapp 82%. Die Fehlmenge war also größer als in den tiefen Lagen der Region. Das jüngste Klimamittel der Jahre 1991-2020 lässt sich aufgrund der Messlücke von Oktober 2008 bis November 2016 nur abschätzen, es dürfte aber mit rund 1.050 mm deutlicher unter dem 30 Jahre älteren Mittel liegen als in Bevern, der Rückgang dürfte in Silberborn ca. 23 mm betragen. Anders als im Wesertal reichte es zwar für einige Schneedeckentage, doch ganz acht Stück markieren für den Solling einen neuen traurigen Tiefststand, der zuvor im Jahr 1989 mit neun Tagen registriert worden war. Immerhin brachten die letzten Februartage mit vorübergehend gut 10 cm etwas „Winterfeeling“, doch sollte man nicht die Augen davor verschließen, dass der Solling wie auch andere kleine Mittelgebirge in vergleichbarer Höhe zu den Verlierern des Klimawandels in Sachen Winterwetter und Wintersportmöglichkeiten gehören.

Die Sonne schien in der Region ca. 1.733 Stunden lang, das sind fast 280 Stunden oder rund 19% mehr als im langjährigen Mittel von 1981-2010. Damit war es das viertsonnigste Jahr seit Messbeginn dieses Parameters im Jahr 1951 und erstmals übertrafen drei Jahre in Folge die Marke von 1.700 Stunden. Am längsten schien die Sonne im April mit 294 Stunden (neuer Rekord), am trübsten war es im Dezember mit nicht einmal 27 Stunden bzw. relativ zum Klimamittel im Oktober mit 51 Stunden, was nur gut der Hälfte des Durchschnitts entspricht. Die bundesweite Spanne bei der Jahressumme lag zwischen 2.123 Stunden in Kaufbeuren im Allgäu und 1.614 Stunden auf dem Brocken.

Wie errechnet sich die Jahresmitteltemperatur?
Bevern gehört zum nebenamtlichen Klimastationsnetz des DWD. Bis auf die Schneehöhe werden alle Daten vollautomatisch erfasst und gespeichert. Alle zehn Minuten wird ein Datensatz geschrieben. Dieser enthält unter anderem die aktuelle Temperatur in 2 m Höhe über dem Erdboden (Minutenmittel am Ende des Zehn-Minuten-Intervalls).  Das um XX:50 Uhr gemessene Minutenmittel (immer „zehn vor der vollen Stunde“) bildet den Stundenwert ab. Aus den 24 Stundenwerten von 00:50 Uhr bis 23:50 Uhr MEZ bzw. 01:50 bis 00:50 MESZ wird das Tagesmittel gebildet und aus allen Tageswerten eines Monats das Monatsmittel, indem die Summe der Tagesmittel durch die Anzahl der Tage dividiert wird. Das Jahresmittel schließlich ist das arithmetische Mittel der Monatsmittelwerte, wobei alle zwölf Monate unabhängig von der Anzahl ihrer Tage gleich gewichtet werden.

Vom vierten Herbstmonat nichts Neues…

Der Dezember 2020 war mild, trüb und trotz vieler Regentage zu trocken

Offiziell beginnt in der Zählweise der Meteorologie am 1. Dezember der Winter – und für kurze Zeit sah es so aus, als wollte sich das Wetter in diesem Jahr zumindest ein wenig an diese Vorgabe halten: Pünktlich zum Start in den neuen Monat und die neue Jahreszeit fiel der erste Schnee im Solling und sorgte dort für ein zumindest vorübergehendes frühwinterliches Bild. Doch die dünne Schneedecke verschwand so schnell, wie sie gekommen war, und nach einer etwa durchschnittlich temperierten ersten Dekade erfolgte eine durchgreifende und bis zum Beginn des Weihnachtsfestes anhaltende Milderung. Danach wurde es zwar wieder kälter, aber der erste echte Wintereinbruch ließ weiter auf sich warten. Unter dem Strich stand schließlich wie so häufig seit 2011 ein sehr milder Dezember, in dem es zwar oft, aber meist nur unergiebig regnete und sich die Sonne nur selten durch die dichte Wolkendecke kämpfen konnte.

Mit einer Mitteltemperatur von 4,46 °C war der Dezember 2020 an der DWD-Station in Bevern um 2,37 Kelvin wärmer als im Mittel der Jahre 1981-2010. Dieses 30-Jahres-Mittel, das im vergangenen Jahrzehnt vom DWD und anderen europäischen Wetterdiensten zur Dokumentation der voranschreitenden Erwärmung zusätzlich als Vergleichswert zur offiziell gültigen WMO-Referenzperiode von 1961-1990 herangezogen wurde, findet in diesem Monatsrückblick letztmals Verwendung. Ab 2021 gilt dann das neue 30-Jahresmittel von 1991-2020, über das wir bereits im Laufe der letzten Monate regelmäßig berichtet haben. Um den langfristigen Klimatrend bei der Temperatur aber nicht aus den Augen zu verlieren, wird auch der mittlerweile gern als „old climate“ bezeichnete Durchschnitt der Jahre 1961-1990 weiter als Bezugsgröße in die Auswertungen einfließen.

Betrachtet man die Entwicklung des Dezembers im Vergleich dieser beiden Perioden, ergibt sich eine durchschnittliche Erwärmung von genau einem Kelvin in den letzten 30 Jahren – von 1,75 °C auf 2,75 °C. Die Erwärmung des Dezembers um genau 1,0 K in den letzten 30 Jahren entspricht fast dem durchschnittlichen Anstieg der Jahrestemperatur von 1,07 K und ordnet sich im Vergleich der einzelnen Monate im Mittelfeld ein. Eine Sonderrolle nimmt der Dezember jedoch in den letzten zehn Jahren ein: Betrachtet man nur die Jahre 2011-2020, so erreichte die Mitteltemperatur an der Station in Bevern bereits 4,47 °C (und der aktuelle Dezember entsprach diesem Mittel fast genau aufs Hundertstel) – das sind nur 0,4 K weniger als ein durchschnittlicher November der Jahre 1961-1990. Nicht nur subjektiv, sondern auch anhand dieser Zahlen festigt sich das Bild vom „vierten Herbstmonat“, der zwar auch in früheren Zeiten in den Niederungen häufiger spätherbstlich als hochwinterlich daherkam, aber noch nie so lange und so ausgeprägt. Lediglich die erste Monatshälfte 2012 bildete im abgelaufenen Jahrzehnt eine winterliche Ausnahme, die über den Status eines Intermezzos hinauskam.

Diese aus Wintersicht ernüchternde Bilanz gilt für die Station in Bevern auf 110 m über NN und vergleichbare Höhenlagen der Region. Weiter oben wie im Hochsolling reicht es zwar im Dezember in der Regel auch weiterhin für zeitweise winterliche Verhältnisse mit Schneefall, doch auch dort dominieren seit einigen Jahren an den meisten Tagen der Adventszeit die Farben grün und braun. Das untermauern auch die Zahlen der DTN-Unwetterreferenzstation im Kurgarten von Silberborn: Die Monatstemperatur lag mit 2,4 °C um 2,2 K über dem dortigen Mittel der Jahre 1981-2010. Zwar gab es 15 Frosttage, die sich aber fast nur im sehr leichten Bereich bis -1,5 °C abspielten – mit Ausnahme der beiden Weihnachtstage, als bis zu -4,3 °C gemessen wurden. Dauerfrost- oder Eistage gab es keinen und die Kältesumme, bei der die negativen Tagesmittel addiert werden und die einen wichtigen Kennwert für die Einordnung eines Wintermonats bildet, betrug auf rund 430 m Höhe gerade einmal 3,4 K.

In Bevern, um noch einmal ins Wesertal zurück zu schwenken und den Abschnitt zur Temperatur abzuschließen, lag dieser Wert bei 0,0. Die Anzahl der Frosttage war mit fünf genauso niedrig wie im November und damit deutlich unterdurchschnittlich. Die kälteste Nacht war die zum zweiten Weihnachtstag mit einem Tiefstwert von -3,2 °C. Vier Tage zuvor, am 22., hatte es mit 14,4 °C Höchsttemperatur und 11,0 °C Mitteltemperatur noch neue Tagesrekorde gegeben, die aber mittlerweile fast schon zur Gewohnheit geworden sind.

Was jedoch ein außergewöhnliches, möglicherweise auch bisher einmaliges Ereignis im bundesweiten Vergleich darstellt: Der auf den ersten Blick unscheinbare Tiefstwert am 28.12. in Bevern von 4,0 °C war an jenem Tag der höchste unter den fast 500 Klimastationen des DWD in Deutschland, ebenso wurde das in fünf Zentimetern über dem Erdboden gemessene Minimum von 1,5 °C von keiner anderen Station übertroffen. Da Bevern aufgrund der Flusstal- und Ortsrandlage eher zu den „nachtkalten“ Stationen gehört und um diese Jahreszeit Nord- und Ostsee noch vergleichsweise warm sind, muss schon eine ganz besondere Konstellation eintreten, damit solch eine kleine Rarität „am Rande der Ereignisse“ auftreten kann.

Hauptgrund für die recht milden Nachtwerte war die häufig starke bis geschlossene Bewölkung, die eine nennenswerte Ausstrahlung verhinderte. Tagsüber bedeutete dies ein Himmelsbild, das man am besten mit einem der Klassiker des früheren Sportreporters Fritz von Thurn und Taxis beschreiben kann: „Die Sonne scheint, ich sehe sie nicht, denn es ist bewölkt.“ Doch manchmal fand die Sonne dann doch ein paar Wolkenlücken, und am 18. und 19.12. mogelten sich sogar zwei freundliche Tage dazwischen. Die Monatssumme lag mit lediglich knapp 27 Stunden dennoch um 20% unter ihrem alles andere als üppigen Mittel von 1981-2010. Auch in der neuen Klimaperiode von 1991-2020 kommt dieser Wert kaum vom Fleck und verharrt unter 35 Stunden.

Aus den zahlreichen Wolken fiel zwar häufig Regen, bis auf die Tage vor Weihnachten handelte es sich aber meist um sehr geringe Mengen. So wurden in Bevern 22 Niederschlagstage registriert, die Monatssumme von 45,8 mm verfehlte den Durchschnittswert der Jahre 1981-2010 von 83,5 mm jedoch deutlich. Das neue Klimamittel ab 1991 liegt mit 76,5 mm etwas niedriger, doch auch in diesem Kontext ist auch der Dezember als klar zu trocken einzustufen, nachdem der November ein noch höheres Defizit aufwies. Die Zahlen aus Silberborn schlagen in dieselbe Kerbe: Mit 62,4 mm wurden dort ebenfalls nur knapp 55% des Klimamittels erreicht. Zu Monatsanfang und zum Ende fielen die Niederschläge im Hochsolling teils als Schnee, ganze drei Schneedeckentage mit maximal 2-3 cm sind allerdings für diese Region eine sehr magere Ausbeute.

Die Daten der anderen Messstellen des DWD für Niederschlag und Schnee im Kreis und seinen Nachbargemeinden lesen sich entsprechend: Mit 38,9 mm in Lüchtringen, 42,8 mm in Polle, 43,7 mm in Ottenstein, 41,7 mm in Hehlen und 42,5 mm in Vorwohle lagen die meisten Werte sehr eng zusammen, nur in der Umgebung des Sollings war es in Amelith mit 53,8 und in Hellental mit 59,6 mm etwas mehr – im dortigen feuchteren Klima liegen aber auch die Durchschnittswerte höher. Polle und Hellental meldeten je einen Schneedeckentag mit der Mindesthöhe von einem Zentimeter, Amelith deren zwei mit zwei Zentimetern, ansonsten blieb es grün oder es war maximal leicht angezuckert.

Die Analyse der Großwetterlagen (GWL) offenbart häufige Süd-, teils auch Südwestlagen, bei denen sich Tiefdruck westlich über den Britischen Inseln und Hochdruck östlich von uns befand, atlantische Fronten mit ergiebigeren Niederschlägen erreichten dabei meist nur den äußeren Westen und Nordwesten Deutschlands sowie den Stau der westlichen Mittelgebirge. Dort fiel mehr Regen als im Durchschnitt, in einem breiten Streifen über der Mitte bis in den Osten war es hingegen deutlich zu trocken. Lediglich zu Monatsbeginn und über die Weihnachtstage war kurzzeitig auch mal der Großwettertyp Nord aktiv. Die mildeste Phase trat in den Tagen vor Weihnachten auf, was der Singularität Weihnachtstauwetter entspricht, wobei es freilich wie so oft nichts zu tauen gab. Und trotz des Temperaturrückgangs zu den Feiertagen blieb die weiße Weihnacht wieder einmal aus und liegt nun bereits zehn Jahre zurück.

Der erste Schnee an der DTN-Unwetterreferenzstation im Silberborner Kurgarten fiel pünktlich zum Start in den meteorologischen Winter am 1. Dezember. Doch auch auf 430 m über NN trug der Dezember fast durchgängig grün.

Rekordwarmer Start und ein frostiges Ende

Der November 2020 war sehr mild, äußerst trocken und ungewohnt sonnig

Nachdem der sehr trübe Oktober in diesem Jahr den November quasi vorweggenommen hatte, präsentierte sich das Original deutlich freundlicher und ungewöhnlich abwechslungsreich. Den Monatsbeginn umwehte sogar noch ein Hauch von Spätsommer mit neuen Temperaturrekorden, auch danach blieb es häufig mild und trocken. Erst in der letzten Dekade gingen die Werte auf jahreszeitübliches Niveau zurück, am Ende wurde es verbreitet frostig. Die Sonne zeigte sich deutlich häufiger als im Durchschnitt, während die Niederschlagsbilanz ein markantes Defizit aufwies.

Mit einer Mitteltemperatur von exakt 7,00 °C war der November 2020 an der DWD-Station in Bevern um 1,72 Grad wärmer als im Mittel der Jahre 1981-2010. In der Zeitreihe Holzminden/Bevern ab 1934 ist der dritte meteorologische Herbstmonat zehnmal wärmer, dreimal gleichwarm und 73 Mal kälter ausgefallen. Das neue, ab 2021 offiziell gültige Temperaturmittel der Jahre 1991-2020 liegt für den November bei 5,64 °C, was einer Erwärmung von knapp 0,8 Kelvin gegenüber der Periode 1961-1990 entspricht. Der Mittelwert der vergangenen 15 Jahre liegt bereits bei 6,22 °C.

An der DTN-Wetterstation in Silberborn war der Temperaturüberschuss zwischenzeitlich noch etwas größer als im Wesertal, da häufig höhenwarme Luftmassen die ersten Novemberwochen bestimmten. Dafür fiel auch der anschließende Rückgang im Hochsolling ein Stück deutlicher aus, so dass am Ende mit einer Mitteltemperatur von 5,3 °C das dortige Klimamittel der Jahre 1981-2010 um vergleichbare 1,8 K übertroffen wurde. Der neue Referenzwert der Jahre 1991-2020 liegt in Silberborn bei 3,9 °C und damit ebenfalls fast 0,8 K über dem 30 Jahre älteren Durchschnittswert. Das Monatsende brachte auf der Stationshöhe von 428 m über NN sogar leichten Dauerfrost, der erste (leichte) Schneefall ließ sich aber noch Zeit bis in die Nacht zum 1. Dezember, die bereits zum meteorologischen Winter zählt.

Doch bevor es frühwinterlich wurde in der Region, erreichten die Temperaturen zu Monatsbeginn gebietsweise neue Rekorde. In Bevern wurde am 02.11. mit 21,0 °C der höchste je in der Region gemessene Novemberwert registriert, in Holzminden waren es sogar privat gemessene 21,2 °C. Erst einmal zuvor war in einem November die 20-Grad-Marke geknackt worden, das bisherige Maximum betrug 20,6 °C, stammte vom 01.11.1968 von der damaligen Klimastation Über dem Gerichte in Holzminden und hatte 52 Jahre Bestand, was in Zeiten beschleunigter Erwärmung ein ungewöhnlich langer Zeitraum ist. Auch der Tagesmittelwert von 17,7 °C übertraf den bisherigen Rekord deutlich. Ursache war eine kräftige Dynamik auf dem Nordatlantik in Gestalt des Ex-Hurricanes „Zeta“, der als mittlerweile normales, gleichwohl kräftiges Tiefdruckgebiet auf seinem Weg nach Nordosten einen kräftigen Schwall Subtropikluft in seinem breiten Warmsektor nach Mitteleuropa schaufelte.

Dieser Vorgang ist an sich noch nicht ungewöhnlich und führt nicht selten dazu, dass es auch im November noch einmal sehr mild werden kann, doch üblicherweise reicht es dann „nur“ für Werte um 15 Grad oder etwas darüber. Um aber die 20er-Marke so spät im Jahr zu übertreffen, müssen viele Rädchen ineinandergreifen, was an diesem 2. November auch der Fall war: Die Warmluftzufuhr muss über viele Stunden hinweg andauern, der entsprechende Sektor zwischen der Warmfront und der nachfolgenden Kaltfront des Tiefs also möglichst breit sein und die Zuggeschwindigkeit des Tiefs auch nicht allzu hoch. Dazu müssen die Höhenwinde weit heruntergemischt werden, damit die Warmluft auch die bodennahen Schichten erreicht und der vertikale Temperaturgradient möglichst voll ausgeprägt ist – zu dieser Jahreszeit ein schwieriges Unterfangen. Und schließlich braucht es auch die Unterstützung der Sonne, die Anfang November zwar bereits deutlich an Strahlungskraft verloren hat, aber noch stark genug ist, um den entscheidenden Unterschied auszumachen.

Auch in Silberborn war es an diesem Tag mit 17,7 °C Höchsttemperatur außergewöhnlich warm, der dortige Rekord vom 09.11.1983 von 18,6 °C wurde aber recht deutlich verfehlt.

Mit der nachfolgenden Kaltfront des Tiefs verschwanden die tiefroten positiven Anomalien zwar wieder aus den Karten, dennoch blieb es bis über die Monatsmitte hinaus überwiegend deutlich wärmer als im Durchschnitt. Beständiger Hochdruck über Südosteuropa sorgte dafür, dass kalten Luftmassen aus Norden oder Osten der Weg nach Mitteleuropa ebenso versperrt blieb wie atlantischen Tiefs, die es meist nur bis zu den Britischen Inseln schafften und im Zusammenspiel mit der Hochdruckzone im Südosten die Warmluftzufuhr aus Südwesten aufrecht erhielten. Dass es dabei dennoch ab der dritten Dekade zu einem recht deutlichen Temperaturrückgang kam, lag an einer sich über Mitteleuropa ausweitenden gradientschwachen Hochdruckbrücke, bei der die höhenwarme Luft aufgrund einer sich zunehmend ausbildenden Inversion die tieferen Schichten nicht mehr erreichen konnte, die Luftmassen also nicht mehr hinreichend durchmischt wurden – ein im Spätherbst häufig auftretender Wetterzustand. Als Folge kühlte die bodennahe Schicht mehr und mehr aus, es gab die ersten Nachtfröste und tagsüber blieben die Höchstwerte im einstelligen Bereich. Unter Zufuhr kälterer Luft auch in höheren Schichten sanken die Werte schließlich zum Monatsende weiter ab.

Da atlantische Tiefs bei dieser Konstellation kaum eine Chance hatten, nach Mitteleuropa vorzustoßen, blieb es an vielen Tagen trocken und die Niederschlagsbilanz deutlich unter den langjährigen Durchschnittswerten. So wurden in Bevern ganze 14,6 mm gemessen – fast 59 mm oder 80% weniger als im Mittel der Jahre 1981-2010. Nur dreimal – 1953, 1978 und im rekordtrockenen November 2011 – war es noch weniger, zudem waren sieben der letzten zehn November zu trocken, fünf davon deutlich. Für sich genommen markiert dies noch keine dramatische Entwicklung, da andere Monate diese Defizite oft ausgleichen konnten. Doch nach drei sehr warmen und sonnigen Jahren in Folge ist der Bedarf an Niederschlag natürlich gestiegen, auch während der vegetationsfreien Zeit, um die Grundwasserstände wieder aufzufüllen, so dass derzeit eigentlich jeder trockene Monat mit Sorge zu bewerten ist.

Wie auch immer: Auch an den anderen Messstellen in der Region fiel kaum oder nur sehr wenig Regen. Polle meldete 18,6 mm, Hehlen 12,5 mm, Lüchtringen sogar nur 10,9 mm; Ottenstein immerhin 23,7 mm, Vorwohle 16,8 mm, Hellental 24,1 mm und schließlich Silberborn 24,9 mm. Dort war das klimatologische Defizit in absoluten Zahlen mit 75 mm am größten. Die neuen 30-Jahresmittel ab 2021 für die Periode 1991-2020 betragen für Bevern 65,9 mm und für Silberborn ca. 95 mm.

Ein hochdruckgeprägter und trockener November geht nicht zwingend mit einer überdurchschnittlichen Sonnenscheindauer einher, Stichwort: (Hoch)Nebelproblematik mit ganztägigem Einheitsgrau. Davon war in diesem Monat aber nicht sehr viel zu sehen. Vor allem die Anzahl der Tage ohne einen erkennbaren Sonnenstrahl fiel mit vier ungewöhnlich niedrig aus, immerhin 21 Tage schafften über eine Stunde Sonnenschein, zwei davon sogar die zu dieser Jahreszeit astronomisch noch möglichen knapp acht Stunden. Man muss dabei natürlich berücksichtigen, dass von November bis Januar bei der Sonnenscheindauer in unserer Region die Zeit der ganz kleinen Brötchen herrscht und prozentual hohe Abweichungen nach oben dabei gern größer wirken als es die absoluten Zahlen sind.

So lag die Monatssumme von gut 72 Stunden einerseits um gut zwei Drittel über dem Mittelwert der Jahre 1981-2010, andererseits sind auch dies nur knapp zweieinhalb Stunden pro Tag im Schnitt – was aber dennoch für den viertsonnigsten November seit 1951 hinter 2011, 1989 und 2018 reichte. Die langjährigen Mittelwerte kommen trotz der beiden sonnigen Vertreter in den letzten drei Jahren aber auch nicht vom Fleck und verharren bei 45 Stunden.

Herbstbilanz: Sonnig, trocken und warm

Mit dem November ging auch der meteorologische Herbst zu Ende. Alle drei Monate fielen wärmer aus als im vieljährigen Durchschnitt, die Jahreszeittemperatur in Bevern lag mit 10,93 °C um 1,28 K über dem Mittel von 1981-2010, und erst die letzten recht kalten Novembertage verhinderten das Erreichen der 11-Grad-Marke. Damit war es hinter 2006, 2014 und 1982 zusammen mit 2000 der viertwärmste Herbst seit Messbeginn 1934. Seit 2013 war es nun immer mindestens zehn Grad warm, diese Marke wurde bis 2012 nur maximal dreimal am Stück erreicht oder übertroffen. In Silberborn war der Herbst 2020 mit 9,04 °C um 1,24 K wärmer als im dortigen Mittel des Vergleichszeitraums.

Beim Niederschlag wurden in Bevern mit 153,9 mm nur 73% des Mittels von 1981-2010 erreicht, einem überdurchschnittlich nassen Oktober standen ein trockener September und ein sehr trockener November gegenüber. Das gilt auch für Silberborn, wo mit 198,0 mm das dortige Klimamittel sogar um 90 mm oder gut 31% verfehlt wurde.

Umgekehrt zum Regen verhielt sich die Sonnenscheindauer: Deutlich überdurchschnittliche Werte im September und November konnten den sehr trüben Oktober sogar überkompensieren. Mit 325 Stunden schien die Sonne etwa 52 Stunden oder 19% länger als im 30-Jahresmittel von 1981-2010. Und erstmals seit dieser Parameter (ab 1951) flächendeckend erfasst wird, fiel der November vor Ort sonniger aus als der vorausgegangene Oktober.  

Nach dem Durchgang der Kaltfront von Tief „Sarah“ am 23.11. bei Lüchtringen:
Aufgelockerte Bewölkung in klarer Luft. Dieser Vorgang wird auch als postfrontale Subsidenz bezeichnet

Der Eindruck täuscht: Der November 2020 – hier bei Lüchtringen – war ausgesprochen trocken.
Der letzte Sonnenaufgang im Herbst 2020 am 30.11.

Goldener Oktober vergeblich gesucht

Der Oktober 2020 war mild, nass und sehr trüb

Nach den vielen sehr sonnigen Monaten von März bis September dominierte im zweiten meteorologischen Herbstmonat oft starke bis geschlossene Bewölkung und sorgte trotz der zunehmenden Laubeinfärbung dafür, dass der Oktober 2020 wohl als vorwiegend grau in Erinnerung bleibt. Vom sprichwörtlich goldenen Oktober war kaum einmal etwas zu sehen, man musste schon Glück haben, einen der wenigen längeren freundlichen Abschnitte zu erwischen. Auch das zweite klassische Wetterbild des Herbstes in den Niederungen des Wesertals – von zähem Bodennebel geprägte Vormittage oder gar ganze Tage im Nebel – blieb nahezu vollständig aus. Für Fotografen gab es also eher wenig zu holen in diesem Monat, dafür bekam die Natur endlich größere Mengen des dringend benötigten Regens. Wie schon im Vorjahr fiel der Oktober ungewöhnlich niederschlagsreich aus, allerdings hatte es vor einem Jahr dazu sogar leicht überdurchschnittlich viel Sonnenschein gegeben, während in diesem Jahr nur etwas mehr als die Hälfte der langjährigen Mittelwerte erreicht wurde. Bei den Temperaturen gab es trotz einer kühlen zweiten Dekade unterm Strich ein recht deutliches Plus.

Mit einer Mitteltemperatur von 11,15 °C war der Oktober 2020 an der DWD-Station in Bevern um 1,44 Grad wärmer als im Mittel der Jahre 1981-2010. Damit war er der zwölftwärmste seit Beginn der Aufzeichnungen im Jahr 1934. In den letzten vier Jahren landete der Oktober bei mindestens 10,6 °C, erst zum zweiten Mal nach 1966-1969 gab es viermal in Folge eine zweistellige Mitteltemperatur. Die Jahre 2011-2020 markieren zudem den wärmsten Zehnjahresdurchschnitt im Oktober. Dennoch fällt die langfristige Erwärmung in keinem anderen Monat so gering aus: Das neue 30-Jahres-Mittel von 1991-2020 liegt mit 9,91 °C nur um 0,4 K über dem der Periode 1961-1990. Ähnlich verhalten ist die Entwicklung lediglich noch im September.

Bei den Temperaturen lässt sich der Oktober 2020 grob in drei Abschnitte einteilen, die in etwa auch den Monatsdekaden entsprechen: Auf eine warme, zu Beginn sogar sehr warme erste mit nochmals 20 °C am Feiertag zur Deutschen Einheit folgte eine kühle zweite und schließlich eine sehr milde dritte. An der positiven Temperaturabweichung waren diesmal die Tiefstwerte überproportional beteiligt, während die durchschnittliche Höchsttemperatur ein geringeres Plus aufwies. Die Ursache dafür liegt im vorwiegenden Tiefdruckeinfluss, bei dem die vielen Wolken einen stärkeren Anstieg der Tagestemperaturen ebenso verhinderten wie eine deutlichere nächtliche Auskühlung. Letztes wird auch durch einen Blick auf die sogenannten Kenntage untermauert: In Bevern wurde im Oktober weder Luft- noch Bodenfrost gemessen.

Frostfrei blieb es auch gut 300 m höher in Silberborn. Der tiefste Wert an der DTN-Unwetterreferenzstation im Kurgarten lag am 13.10. mit 1,2 °C noch recht deutlich über dem Gefrierpunkt. Insgesamt war der Oktober auch im Hochsolling recht mild, die Mitteltemperatur lag mit 8,9 °C allerdings nur um 0,9 K über dem dortigen Klimawert der Jahre 1981-2010. Die Beobachtung, dass die positiven Abweichungen zum Durchschnittswert in den höheren Lagen in diesem Monat geringer ausfielen als in den Niederungen, lässt sich für das gesamte Bundesgebiet feststellen. Am wärmsten war es auch in Silberborn am Feiertag am 3.10. mit einem Maximum von 18,2 °C.  Das neue 30-Jahresmittel für die Jahre 1991-2020 liegt dort bei 8,1 °, damit fällt die Erwärmung des Oktobers in den letzten 30 Jahren im Hochsolling noch ein Stück schwächer aus als im Wesertal und beträgt nur gut 0,2 K.

Während der September noch deutlich zu trocken ausgefallen war, regnete es im Oktober häufig an insgesamt 24 Niederschlagstagen und zeitweise auch ergiebig. Höhepunkt waren zwei Regenbänder, die die Region am 22. und 23.10. überquerten und dabei Mengen von bis zu gut 30 mm innerhalb von nur 27 Stunden hinterließen, zeitweise in starken Schauern, die am Abend des 22. sogar von Blitz und Donner begleitet wurden.

Die Niederschlagssummen der Region lagen nicht nur deutlich über den langjährigen Mittelwerten, sie konnten auch das Defizit des Septembers mehr als ausgleichen, zumindest statistisch. In der Natur funktioniert diese Rechnung allerdings nicht: Trockenheit in der Vegetationsphase im Sommer-halbjahr kann nicht einfach durch überdurchschnittliche Regenmengen im Winterhalbjahr kompensiert werden, wie die letzten Jahre eindrucksvoll gezeigt haben. Dennoch trug der Oktoberregen natürlich ein Stück zur Entspannung in den Wäldern bei und spielt auch für das Grundwasser eine wichtige Rolle.

In Zahlen liest sich die Bilanz an den Messstellen der Region so: Bevern erreichte mit 94,3 mm rund 45% mehr als im Mittel der Jahre 1981-2010, Lüchtringen meldete 86,5 mm, in Ottenstein waren es 91,7 mm und in Hehlen 82,6 mm. Am wenigsten fiel in Polle mit 75,0 mm, im Osten und Südosten des Kreises war es deutlich mehr: Vorwohle kam auf 109,0 mm und Hellental sogar auf 123,2 mm. Ähnlich hoch war die Monatssumme in Silberborn mit 125 mm bei einem allerdings auch höheren Klimawert von 90,3 mm für die Jahre 1981-2010.

Für die Jahre 1991-2020 lässt sich am Standort Silberborn leider kein zuverlässiges neues Klimamittel beim Niederschlag bestimmen, die Unterbrechung der Messungen zwischen 2008 und 2016 wiegt dafür zu schwer. Anders als bei der Temperatur oder beim Sonnenschein sind Umrechnungen von Messwerten anderer Standorte beim Parameter Niederschlag angesichts der komplexen Topographie des Sollings kaum geeignet, zumal wenn es sich auch noch um eine Höhenlage handelt, die von den Umgebungsstationen nicht annähernd abgebildet wird. Somit lässt sich anhand der 21 Messjahre und der Gebietsmittelwerte aus den Jahren der Messlücke nur ein Näherungswert von ca. 89 mm ableiten.

Zwar gab es im Wesertal nach der Beendigung der Messungen in Holzminden Ende Juli 1991 eine noch längere Unterbrechung der Zeitreihe bis zur Inbetriebnahme der Klimastation in Bevern im Juli 2006, für den Niederschlag liegen aber mit Stahle (bis 2000), Negenborn (bis 1997) und Lüchtringen (bis heute) genügend Ersatzstationen auf vergleichbarer Höhenlage für eine Berechnung vor. Demnach liegt das neue 30-Jahresmittel für Bevern und Holzminden im Oktober bei 68,3 mm – ein deutlicher Zuwachs von gut 18 mm oder 36% gegenüber dem Durchschnitt von 1961-1990.  

Kaum Bewegung gibt es dagegen bei der Entwicklung der Sonnenscheindauer. Seit 1951 wird dieser Parameter flächendeckend gemessen und egal, welchen langjährigen Zeitraum man auch nimmt – für unsere Region landet man bei den 30-Jahres-Mitteln immer bei etwas unter 100 Stunden. Die Spannbreite liegt dabei zwischen 177 Stunden im Jahr 1951 und ganzen 36 im Jahr 1974. Der aktuelle Oktober sortiert sich mit seinen 51 Stunden weit unten ein, zusammen mit 2016 auf dem drittletzten Platz. Nach 1974 war es nur 1998 mit 47 Stunden noch trüber.

Somit nimmt der Oktober – übrigens nicht nur lokal, sondern auch im bundesweiten Gebietsmittel – bei der klimatischen Entwicklung der vergangenen 30 Jahre eine Sonderstellung ein: Er ist der Monat mit der schwächsten Erwärmung, dem stärksten Niederschlagszuwachs und der bisher einzige, der keine Zunahme beim Sonnenschein aufweist, sondern sogar einen – wenn auch sehr leichten – Rückgang. Ein solcher dürfte sich bei der Sonnenscheindauer aber wohl auch im November einstellen, zumindest regional – es sei denn, der goldene Herbst findet in diesem Jahr mit etwas Verspätung doch noch statt.

Spätsommer im November

Neuer Temperaturrekord an der DWD-Station in Bevern

Neue Monatsrekorde bei den Temperaturen gab es am gestrigen Montag – sowohl verbreitet deutschlandweit als auch regional im Oberwesertal. Mit einer Höchsttemperatur von 21,0 °C wurde es an der Station in Bevern so warm wie noch nie zuvor seit Aufzeichnungsbeginn in einem November und auch die sommertaugliche Tagesmitteltemperatur von 17,7 °C markierte einen neuen Rekord für den dritten meteorologischen Herbstmonat.

Und das kam so: Ex-Hurricane „Zeta“ schaufelte auf seiner Vorderseite einen Schwall subtropischer Luftmassen aus Südwesten nach Mitteleuropa. Im breiten Warmsektor des Tiefs herrschte zudem eine gute Durchmischung, so dass sich die ungewöhnlich warme Luft bis zum Boden durchsetzen konnte und dort durch zumindest zeitweise Sonneneinstrahlung weiter erwärmt wurde. Bis zum frühen Nachmittag stiegen die Werte an der DWD-Station in Bevern auf 21,0 °C und damit in zu dieser Jahreszeit noch nie dagewesene Höhen.

Der bisherige Novemberrekord von 20,6 °C, zugleich der bisher einzige „Zwanziger“ im November seit Beginn der lokalen Wetteraufzeichnungen, wurde vor 52 Jahren am 1. November 1968 an der früheren Holzmindener Station „Über dem Gerichte“ gemessen. Der bislang zweithöchste Novemberwert stammte vom aktuellen Stationsstandort in Bevern und wurde dort am 07.11.2015 mit 19,2 °C registriert. Von diesem Tag stammte auch der bisherige Tagesmittelwert-Rekord für November von 16,3 °C, der gestern um satte 1,4 K übertroffen wurde.

Vor fünf Jahren präsentierte sich übrigens der gesamte Monat in Rekordlaune und wurde der wärmste November seit Aufzeichnungsbeginn. Davon werden wir Stand heute aber wohl ein ganzes Stück entfernt bleiben in diesem Jahr, denn hinter dem Warmsektor des Tiefs hat uns mittlerweile dessen Kaltfront überquert und die Temperaturen wieder zurückgehen lassen. Ab Mittwoch liegen die Höchstwerte unter Hochdruckeinfluss bei der Jahreszeit angemessenen rund zehn Grad und auch nachts wird es deutlich frischer mit möglichem Bodenfrost. Zwar erreicht uns zum Wochenende wohl erneut höhenwarme Luft, diese wird sich aber anders als gestern nicht mehr bis zum Boden durchsetzen können.

Keinen neuen Rekord gab es hingegen im Hochsolling – zumindest bei der Höchsttemperatur: Gemessen wurden gestern Nachmittag 17,7 °C an der DTN-Station im Kurgarten und damit 0,7 K weniger als am 09.11.1983 an der damaligen DWD-Station, so dass die 18,4 °C von damals weiterhin Bestand als höchstes November-Maximum haben. Dieser Wert entstand bei einer anderen Großwetterlage, bei der die Wärme in den höheren Schichten ähnlich ausgeprägt war wie an diesem Montag, während weiter unten im Wesertal unter einer typischen Herbstinversion zunächst zäher Nebel herrschte. Mehr als 14,7 Grad waren damals in Holzminden nicht drin, weiter südlich im Oberwesertal in Lippoldsberg wurden sogar nur 8,9 °C gemessen – gestern auch dort hingegen über 20 Grad. Das zeigt das komplexe Mikroklima des Oberwesertals und seiner angrenzenden Mittelgebirge. Bei der Tagesmitteltemperatur gab es aufgrund der Bewölkung und der nur geringen nächtlichen Auskühlung auch in Silberborn einen deutlichen neuen Rekord: Mit 14,7 °C wurde der alte Top-Wert vom 03.11.2005 um fast 2 K übertroffen. Hier gilt es allerdings zu berücksichtigen, dass am Standort Silberborn erst ab 1983 gemessen wird und zwischen 2008 und 2016 eine Messlücke besteht.

Der deutschlandweite Höchstwert gestern wurde mit 24,0 °C an der DWD-Station in Bad Dürkheim an der Weinstraße gemessen, dicht gefolgt vom unweit entfernt gelegenen Worms mit 23,9 °C. Während es in verschiedenen Bundesländern wie Rheinland-Pfalz und Hessen neue Monatsrekorde gab, blieb der bundesweite Höchstwert in einem November unangetastet: Er liegt bei sommerlichen 25,9 °C und wurde am 06.11.1997 im oberbayerischen Rosenheim gemessen.

Zweikampf zwischen Sommer und Herbst

Rückblick auf den September 2020

Bekanntlich ticken die meteorologischen Jahreszeiten etwas anders als die astronomischen: Während nach der Definition der Wetter- und Klimawissenschaft am 1. September bereits der Herbst Einzug gehalten hat, gewährt der Kalender dem Sommer noch eine dreiwöchige Nachspielzeit – und zumindest ein Teil davon fiel tatsächlich ausgesprochen sommerlich aus. Zur Monatsmitte kletterten die Temperaturen in den tieferen Lagen der Region sogar für drei Tage über die 30-Grad-Marke. Ein leicht unterdurchschnittlich temperiertes erstes Monatsdrittel sowie eine markante Abkühlung im Laufe der letzten Woche sorgten dafür, dass die Monatsmitteltemperatur nicht wesentlich über den langjährigen Mittelwerten landete. Klarer fiel die Bilanz bei Niederschlag und Sonnenschein aus: Es war landkreisweit deutlich zu trocken und außergewöhnlich sonnig.

Mit einer Mitteltemperatur von 14,65 °C war der September 2020 an der DWD-Station in Bevern um 0,7 Kelvin wärmer als im Durchschnitt der Jahre 1981-2010. Gegenüber dem ab dem kommenden Jahr gültigen 30-Jahres-Mittel ab 1991 betrug die Abweichung noch 0,45 K. Auch in diesem Jahr zeigte sich wieder, dass hohe positive Temperaturanomalien im September im Vergleich zu vielen anderen Monaten nur vereinzelt vorkommen und selbst ein ungewöhnlich warmer Witterungsabschnitt, wie wir ihn mit dem Höhepunkt der kleinen Hitzewelle zur Monatsmitte erlebt haben, in der Monatsmitteltemperatur kaum wiederzufinden ist. Anschaulich formuliert befand sich diese knapp zweiwöchige, sommerlich bis hochsommerlich anmutende Phase in einem „Sandwich“, umgeben von einer frühherbstlichen ersten Dekade und einer weitgehend vollherbstlichen letzten Pentade.  

Wie ordnet sich dieser Monat in die lokale Klimareihe ab 1934 sowie in die Phase der globalen Erwärmung seit Herbst 1987 ein? Schaut man auf die vergangenen 30 Jahre zurück, so fällt auf, dass die große Mehrzahl der September in einem recht engen Korridor um den langjährigen Durchschnittswert pendelt – bei allerdings drei markanten Ausreißern nach oben: 1999, 2006 und 2016 mit 17,4 bis 17,5 Grad Monatstemperatur. Statistiker sprechen in solchen Fällen von einer rechtsschiefen Verteilung, der Median (der mittlere Wert der betrachteten Zahlenreihe, wenn man diese nach ihrer Größe sortiert) liegt unter dem arithmetischen Mittelwert, der gerade bei einer geringe Stichprobe anfällig ist für Verzerrungen aufgrund einzelner extremer Ausreißer. Allerdings sind solche schiefen Verteilungen gerade beim Wetter nicht ungewöhnlich, in den Wintermonaten ist häufig der umgekehrte Effekt zu beobachten: wenige sehr kalte Exemplare drücken den Mittel- oder Durchschnittswert unter den Median. Für den September bleibt festzuhalten, dass es auf der anderen Seite der Verteilung an sehr kühlen Exemplaren in den letzten 30 Jahren nahezu fehlt – sieht man vielleicht einmal von 1996 ab, wobei jenes Jahr in der Zeit nach 1987 insgesamt eine kalte Einzelstellung einnimmt.

Gerade beim September lohnt aber auch der Blick noch weiter zurück in die unmittelbare Nachkriegszeit, genauer: ins Jahr 1947. Schon der meteorologische Sommer damals war außergewöhnlich heiß ausgefallen und belegte bis 2003 den Spitzenplatz seit Aufzeichnungsbeginn – doch auch der zum Herbst zählende September schrieb Wetter- und Klimageschichte mit der verbreitet längsten und intensivsten Hitzewelle in einem September überhaupt. Leider liegen aus jenem Jahr keine Messungen aus dem Oberwesertal vor, in der erweiterten Umgebung wurden zwischen dem 12. und 20.09. aber sechs heiße Tage über der 30-Grad-Marke registriert und sogar einer an der fast 500 m hoch gelegenen Station an der Revierförsterei Torfhaus.  Weiter gen Süden und Osten der Republik waren es sogar bis zu zehn heiße Tage am Stück während der gesamten zweiten Dekade – wohlgemerkt in einem September in einer deutlich weniger warmen Klimaphase.

Doch auch die drei heißen Tage zur Monatsmitte in diesem Jahr stellen trotz der Erwärmung der letzten Jahrzehnte immer noch ein außergewöhnliches Ereignis dar: Selbst im aktuellsten Klimadurchschnitt seit 1991 liegt die mittlere Anzahl heißer Tage im September bei nur 0,4 – und drei davon am Stück gab es seit Tageswerte vor Ort vorliegen (1951) lediglich einmal vor vier Jahren. 2016 lag der absolute Höchstwert mit 32,8 °C noch ein Stück höher, dennoch reichte es in diesem Jahr am 15. und 16.09. für zwei neue Tagesrekorde der Klimareihe Holzminden/Bevern.

Nicht mehr heiß, aber ebenfalls ungewöhnlich warm verlief die sonnige Hochdruckphase im Hochsolling. An der Station in Silberborn wurden zur Monatsmitte noch einmal drei Sommertage mit bis zu 27,3 °C gemessen. Die Monatsmitteltemperatur lag mit 13,0 °C um 1,0 Kelvin über dem dortigen Klimamittel der Jahre 1981-2010. Die etwas höhere positive Abweichung gegenüber Bevern lag an den nur wenig tieferen Minima, die im Schnitt trotz der um 320 Meter höheren Stationslage nur ein halbes Grad niedriger lagen, in manchen Nächten kühlte es im Wesertal sogar stärker ab als im Solling. Bei den Höchstwerten hingegen war es in Bevern im Schnitt um 3,5 K wärmer als in Silberborn (21,7 zu 18,2 °C).

Auch 1947 gab es übrigens einen markanten Absturz in der dritten Dekade, und so erging es auch dem aktuellen September. Nach der Hitze zur Monatsmitte kam es zwar schon zu einer ersten deutlichen Abkühlung um über 12 K binnen eines Tages, diese war allerdings nicht von Bestand: Nach Durchzug der Kaltfront wurde rasch neue Warmluft herangeführt, die großräumige Strömung drehte von vorübergehend Nord auf Südost und später Südwest, so dass sich weitere sechs Tage mit Höchstwerten zwischen 22 und fast 27 Grad anschlossen. Erst das Übergreifen eines kräftigen Tiefs von Westen im Laufe des 24.09. beendete die spätsommerliche Witterung nachhaltig und brachte zumindest für einen Tag den dringend benötigten Landregen mit.

Doch dieser eine verregnete Tag am 26. mit verbreitet etwas über 20 mm in 24 Stunden konnte nicht verhindern, dass der September deutlich zu trocken ausfiel. An nur elf Tagen fiel messbarer Niederschlag, davon nur fünfmal mehr als ein Millimeter – so lauten die Zahlen aus Bevern, aber an den anderen Stationen der Region sah es kaum anders aus. Die Summe von 45,0 mm lag in Bevern rund 38% unter dem langjährigen Mittel von 1981-2010. Noch trockener war es in Silberborn, wo nur 42,7 mm gemessen wurden – bei einem deutlich höheren Klimawert von 98 mm, der um über 55% verfehlt wurde. Die weiteren Monatssummen: Lüchtringen 36,7 mm, Polle 40,6 mm, Ottenstein 43,4 mm, Hehlen 45,3 mm, Vorwohle 42,1 mm, Hellental 42,7 mm. Anders als im Sommer gab es im September kaum Unterschiede zwischen den Stationsstandorten, so dass es in der Fläche deutlich zu trocken war. Zwischenzeitlich hatte sich der Pegel der Weser sogar den Rekordtiefstständen aus dem Jahr 1959 angenähert, wie vor zwei Jahren gab das Flussbett zunehmend die Hungersteine frei, obwohl es in diesem Sommerhalbjahr insgesamt deutlich mehr regnete als 2018. Doch der fast trocken gefallene Ederstausee konnte schon längere Zeit kein Wasser mehr abgeben, was den Pegel weiter fallen ließ.

Alles andere als defizitär fiel die Sonnenscheinbilanz aus. Mit fast 202 Stunden lag sie um gut 50% über dem langjährigen Durchschnitt und damit so hoch wie seit 2006 nicht mehr in einem September. Allein die 12 Tage zwischen dem 11. und 22.09. brachten mit 10,6 Stunden im täglichen Durchschnitt fast ein ganzes Monatsmittel der Jahre 1981-2010 zusammen. Damit war der September in diesem Jahr sogar in absoluten Zahlen sonniger als Juli und August – trotz der fortschreitenden Jahreszeit. Berücksichtigt man die Ausschöpfung der jeweiligen astronomisch möglichen Sonnenscheindauer der einzelnen Monate, landet der September in diesem Jahr sogar auf Platz zwei hinter dem April. Auffällig in der kurzfristigen Betrachtung ist, dass es bereits der dritte sehr sonnige September in den letzten fünf Jahren war. Und bereits vor dem Schlussquartal steht fest, dass das Jahr 2020 als überdurchschnittlich sonniges Jahr abschließen wird, da selbst das Jahresmittel der jüngsten und sonnenscheinreichsten 30-Jahres-Phase ab 1991 schon per 30.09. um 70 Stunden übertroffen ist.

Heiße Septembermitte

Noch ein Stück höher als zunächst erwartet klettterten die Temperaturen in der ersten Wochenhälfte im Oberwesertal. An der DWD-Station in Bevern wurden an drei Tagen in Folge mindestens 31 Grad gemessen, damit gab es erst zum zweiten Mal in der Geschichte der Klimareihe (Tageswerte seit 1951) für Holzminden und Bevern drei heiße Tage im ersten Herbstmonat – und die traten wie schon 2016 am Stück auf. Für den 15. und 16. gab es neue Tagesrekorde. Vor vier Jahren hatte der Spitzenwert mit 32,8 °C sogar noch ein ganzes Stück höher gelegen als in dieser Woche. Dennoch bleibt eine solche kleine Hitzewelle (die das Kriterium nach Kysely erfüllte und damit die zweie Welle nach der langen im August in diesem Jahr war) zumindest derzeit noch ein außergewöhnliches Ereignis um diese Jahreszeit. Nach einer Revision der Daten von 1999 (damals wurde nicht direkt vor Ort gemessen, so dass nur interpolierte Schätzwerte vorliegen) ist relativ sicher davon auszugehen, dass es damals höchstens für zwei heiße Tage vor Ort gereicht haben dürfte.

Mit der über Nacht eingeflosseneren deutlich kühleren Luftmasse hat die Septemberhitze aber wie vorhergesagt an diesem Donnerstag ihr Ende gefunden, heute und an den kommenden Tagen werden die Höchstwerte bei weiterhin viel Sonnenschein deutlich niedriger liegen als zuletzt. Heute dürfte spätestens bei 20 Grad Schluss sein, das wären 11 K weniger als noch gestern, bevor es danach wieder langsam aufwärts geht und am Wochenende Werte bis 23 Grad drin sind. Anfang nächster Woche könnte es sogar noch einmal sommerlich warm werden, bevor sich der Spätsommer nach aktuellem Stand dann im Laufe der Woche zurückzieht und dem Herbst Platz macht.

Höchstwerte der letzten Tage, DWD-Station Bevern:
14.09. 31,0 °C
15.09. 31,2°C
16.09. 31,3 °C

Vergleich 2016:
12.09. 31,9 °C
13.09. 32,8°C
14.09. 31,1 °C

Doch Hitze allein ist nicht alles, wenn es um einen sehr warmen September geht: Der Rekordhalter von 2006 (17,48 °C und damit wärmer als ein durchschnittlicher Juli der Klimaperiode 1961-1990) kam ohne einen heißen Tag aus, während der aktuelle September am Ende kaum unter den wärmsten zu finden sein dürfte. Sollte die – natürlich noch unsichere – Prognose einer kühlen letzten Pentade eintreffen, dürfte die Monatsmitteltemperatur bei 15 Grad oder knapp darunter landen, das wäre dann: Ein Mittelfeldplatz.

Sommercomeback ante portas

Bisher verlief der September alles andere als außergewöhnlich, weder bei Temperaturen noch bei Niederschlag und Sonnenschein gab es in der ersten Dekade nennenswerte Abweichungen von den langjährigen Mittelwerten. Mit 14,7 °C war es etwas kälter als im Durchschnitt der Jahre ab 1991, gegenüber der älteren Peridoe 1961-1990 gab es hingegen keinerlei Differenz. Mit 19,0 mm fiel an der DWD-Station in Bevern geringfügig weniger Regen als das statistisch zu erwartende runde Drittel der mittleren Monatssumme und die Sonne zeigte sich mit gut 44 Stunden ebenfalls etwas zurückhaltender als im Schnitt. Die Höchstwerte der ersten zehn Tage lagen meist in einem recht engen Korrdidor zwischen 17,5 und 22,4 °C – nur der Mittwoch bewegte sich mit 24,0 °C ein Stück näher Richtung meteorologischer Sommertag, der zuletzt vor fast drei Wochen am 22.08. erreicht worden war.

Auch heute bleibt es noch bei Höchstwerte etwas über der 20-Grad-Marke, doch in den kommenden Tagen dreht der Spätsommer dann kräftig auf: Bis Sonntag steigen die Werte zunächst auf bis zu 25 Grad an, in der ersten Hälfte der kommenden Woche sind dann sogar Maxima bis 29 Grad zu erwarten, vielleicht wird auch noch einmal die Schwelle zum heißen Tag überschritten. In der zweiten Wochenhälfte dürfte diese kräftige Mittseptemberwärme aber ihr Ende finden, nach derzeitigem Stand wird ab Donnerstag wieder das aktuelle Niveau von etwa 22 Grad erreicht, bevor es evtl. von Nordosten weiter abkühlt und die Höchstwerte ab dem Wochenende unter 20 Grad bleiben.

Dazu wird meist die Sonne scheinen, bis Wochenmitte sind erst einmal kaum Wolken zu erwarten und auch die Nebelneigung dürfte noch gering bleiben. Die nachfolgende Abkühlung dürfte nach aktuellem Stand zwar etwas mehr Wolken bringen, Regen ist aber mal wieder kaum zu erwarten. Auch die anschließende nicht mehr so warme Witterungsperiode dürfte meist hochdruckgeprägt und eher freundlich verlaufen.

Trotz des Trends zu einer kühleren Phase ab etwa Wochenfrist lässt sich bereits jetzt festhalten, dass die zweite Monatsdekade sehr warm, sonnig und trocken verlaufen wird und in der dritten Dekade die Entscheidung fällt, ob der erste meteorologische Herbstmonat nur etwas oder sogar deutlich überdurchschnittlich warm ausfallen wird. Ein „zu kühler“ Monat zumindest unter dem langjährigen älteren Klimawert von 1961-1990 (13,75 °C) scheint jedenfalls heute schon nahezu ausgeschlossen.

Sommerlich warme Phasen im September sind weder eine Seltenheit noch treten sie zuverlässig auf – gerade in den letzten Jahren waren die Schwankungen diesbezüglich sehr groß. Während 2016 noch satte 14 und 2018 immerhin elf meteorologische Sommertage gezählt wurden, waren es im vergangenen Jahr nur zwei und in den Jahren 2015 und 2017 erreichte kein Tag mehr die 25-Grad-Marke. Die langjährigen Mittelwerte sind von 2,2 Sommertagen im Zeitraum 1961-1990 auf 4,0 seit 1991 angestiegen, insofern liegen die derzeit zu erwartenden vier von Sonntag bis Mittwoch erst einmal im Rahmen des Üblichen. Ein heißer Tag wäre allerdings immer noch eine Seltenheit im September im Oberwesertal, jedenfalls was den 30-Jahres-Schnitt angeht, der sich zwar in den letzten 30 Jahren vervierfacht hat – allerdings nur von 0,1 auf 0,4. Heiße Tage sind nun also etwas weniger selten als zuvor, wobei vor allem 2016 und 1999 mit je drei zum Anstieg beigetragen haben, 2006 waren es zwei, in manchen Jahren wie 2018 einer, aber die Mehrzahl der September ist auch im aktuellen Klima noch hitzefrei geblieben.