Februarschneemassen, Märzensommer und ein sehr langer Herbst

Das Wetter im Jahr 2021: Durchschnittlich temperiert, recht trocken und trüb

Titelfoto: Thomas Seliger

Eine Woche knackiger Winter im Februar, der erste Sommertag im März, ein dennoch kühles Frühjahr und ein sehr warmer Juni – die in Erinnerung bleibenden Wetterereignisse fanden fast alle im ersten Halbjahr statt. Das zweite kam zumindest gefühlt wie ein Dauerherbst daher, bevor neue Wärmerekorde Ende Dezember das letzte Wort hatten. Die Jahresbilanz zeigt für die Region durchschnittliche Temperaturen, die gemessen an den warmen Jahren der jüngsten Vergangenheit fast schon kühl anmuteten, dazu aufgrund des sehr trockenen Herbstes ein erneutes Defizit bei der Niederschlagssumme und deutlich weniger Sonnenschein als zuletzt. Nach drei ausgesprochen sonnenscheinreichen Jahren sortiert sich 2021 als eines der trübsten der letzten 33 Jahre in der lokalen Statistik ein.

Die Jahrestemperatur an der DWD-Station in Bevern lag mit 9,79 °C minimal unter dem Klimamittel der vergangenen 30 Jahre (-0,08 K). Gegenüber der älteren und kälteren Periode von 1961-1990 betrug die Abweichung hingegen glatt plus 1 K. Nachdem es im Jahr zuvor noch einen neuen Rekord in der Klimareihe Bevern/Holzminden gegeben hatte und erstmals die 11-Grad-Marke gefallen war, blieb 2021 erstmals seit 2013 wieder unter der 10-Grad-Marke.

In Silberborn wurde ein Jahreswert von 7,87 °C gemessen, was exakt dem dortigen Durchschnitt der letzten 30 Jahre entspricht und einem Plus von knapp 1,1 K gegenüber dem Mittel von 1961-1990. Es war in Relation zum Lokalklima im Hochsolling also um ein Zehntelgrad wärmer als im Wesertal, womöglich aufgrund des hochdrucklastigen Herbstes, wobei solch minimale Differenzen auch einfach im Rahmen der Fehlertoleranz bei den Messungen auftreten können.

Lassen wir das Wetterjahr 2021 noch einmal Revue passieren… was blieb hängen? Nach einem Durchschnittsjanuar zeigte der Februar innerhalb von nur zweieinhalb Wochen die ganze Bandbreite mitteleuropäischen (Spät)Winterwetters: Knackig kalt mit Tiefstwerten von nahe -20 Grad in zwei Metern Höhe sowie fast -25 direkt über dem Boden, dazu die höchste Schneedecke in den Niederungen seit mindestens 30 Jahren, was die Dauer angeht sogar seit Mitte der 1980er: Seit langem machte der Winter wieder einmal Schlagzeilen, gesperrte Straßen nach Schneeverwehungen und eingefrorene Leitungen nach einer Woche Dauerfrost inklusive – aber auch Rodelspaß für Klein und Groß im Rahmen der pandemiebedingten Möglichkeiten. Kurzzeitig deutete sich in den Wettermodellen sogar der kälteste Februar seit 1986 an. Doch wieder einmal zeigte der dritte Wintermonat, dass er ein kaum kalkulierbarer Geselle ist: Nach einer Umkehrung der Strömung von Nordost auf Südwest lagen wir rasch auf der warmen Seite der Großwetterlagen. Nur eine Woche nach dem letzten Eistag kletterte die Temperatur bereits auf über 18 °C und erreichte am 24.02. mit 19,3 °C sogar den höchsten je im Februar gemessenen Wert seit Beginn der Aufzeichnungen.

Eisig schön präsentierte sich die Weser bei Polle Mitte Februar © Annette Mokross

In Silberborn war die Schneedecke zwischenzeitlich sogar auf 45 cm angewachsen, selbst für den Hochsolling ein ungewöhnlich hoher Wert – doch auch hier konnte sich die weiße Pracht nicht lange halten und wurde rasch ein Raub der außergewöhnlichen Wärmeperiode der letzten Monatsdekade.

Die nächsten Wärmerekorde ließen nur wenige Wochen auf sich warten, Ende März war es so weit: Erstmals wurde im ersten Frühlingsmonat ein meteorologischer Sommertag gemessen. Bis auf 25,3 °C ging es zum Monatsausklang an der Station in Bevern, in Silberborn war bei 21,7 °C Schluss, aber auch dort wurde ein neuer Märzrekord aufgestellt.

Meteogramm der Station Bevern vom 31.03. – Ein Novum der lokalen Wettergeschichte:
Ein meteorologischer Sommertag im März. Quelle: mtwetter.de

Doch bevor ein falscher Eindruck entsteht: Abgesehen von diesen Rekorden hatte „warm“ nicht nur im März, sondern im gesamten meteorologischen Frühjahr kaum etwas zu melden. Blieb der März unter dem Strich noch nahe den langjährigen Mittelwerten, wurde es im April noch einmal spätwinterlich kalt mit den spätesten Schneedeckentagen in den Niederungen seit Jahrzehnten, während im Solling der Winter zu dieser Zeit ja häufiger noch einmal vorbeischaut. Auch nach dieser Episode war von frühsommerlicher Wärme, wie sie der April seit 2007 häufig geliefert hatte, nichts zu spüren. Im Gegenteil: Nicht nur im Solling, auch an der nur 110 m hohen Station in Bevern wurde im gesamten Monat nicht einmal die 20-Grad-Marke erreicht. Am Ende stand der kälteste April seit 1977 in der Region.

Und der Mai hatte auch keine große Lust auf Wärme und blieb zum dritten Mal in Folge unter dem alten Klimamittel der Jahre 1961-1990 – allerdings gab es zum Ende der ersten Dekade zwei Sommertage und am 9. mit 28,8 °C eine markante Temperaturspitze.

Aprilwetter im Mai © Annette Mokross

Der Juni schien dann in wenigen Wochen alles nachholen zu wollen und landete auf Platz zwei der wärmsten Junimonate seit Messbeginn, der erst zwei Jahre alte Rekord von 2019 wurde nur knapp verfehlt. Dazu war er mit gut 230 Stunden der mit Abstand sonnigste Monat des Jahres und brachte die einzigen heißen Tage des Jahres. Anders als in den drei Jahren zuvor blieb eine markante Hitzewelle diesmal aus.

Damit hatte der Sommer 2021 sein Pulver fast schon verschossen: Zwar gab es noch eine Reihe von Sommertagen jenseits der 25-Grad-Marke, aber eine zusammenhängende Schönwetterphase suchte man im Juli und auch im August vergeblich. Blieb der Juli noch auf durchschnittlichem Temperaturniveau, hielt in der zweiten Augusthälfte zeitweise bereits der Frühherbst Einzug und die 20-Grad-Marke erwies sich an vielen Tagen als zu hohe Hürde. Vor allem aber patzten beide Monate beim Sonnenschein und verfehlten das Mittel der letzten 30 Jahre um zusammen 100 Stunden.

Die Sonne machte sich rar im weiteren Sommerverlauf im Juli und August

Mit dem September begann auch offiziell der meteorologische Herbst und mit ihm wurden Hochdrucklagen zunehmend dominant. Das bescherte der Region zunächst einen Spätsommernachschlag in Form einer freundlichen und warmen erste Monatshälfte, doch anschließend blieb es häufig bewölkt bis hochnebelartig trüb und vor allem sehr trocken – an diesem vorwiegenden Wettercharakter sollte sich bis Jahresende nichts Wesentliches mehr ändern. Der Dezember tischte zumindest im Wesertal erst eine der hartnäckigsten trüben Phasen mit zehn Tagen am Stück ohne jeden Sonnenstrahl auf, dazu ein paar Dauerfrosttage vor und an den Weihnachtsfeiertagen, unterbrochen durch ein diesmal sehr kurzes Weihnachtstauwetter an Heiligabend und am Tag zuvor. Das Schlusskapitel des Wetterjahres 2021 schrieb dann ein markanter Warmluftvorstoß aus Südwesten mit neuen Tagesrekorden an den letzten beiden Tagen sowie der wärmsten Silvesternacht seit Beginn der Beobachtungen vor 87 Jahren.

Wenn die Sonne im Herbst herauskommt, zaubert sie intensive Farben an den Himmel

Die Niederschlagsbilanz war lange Zeit ausgeglichen bis überdurchschnittlich, doch mit den vier trockenen Monaten ab September wandelte sie sich noch in ein erneutes Defizit. In Zahlen heißt das: In Bevern fielen 720 mm, was etwa 91% des langjährigen Mittels entspricht, in Silberborn waren es mit 846 mm sogar nur 81%. Ähnlich trocken war es mit 82% in Ottenstein auf 295 m (699 mm), während im tiefer gelegenen Hehlen auf 133 m absolut (718 mm) und relativ (97%) mehr Niederschlag fiel. Lüchtringen brachte es nur auf 693 mm (85%), auch Amelith blieb mit 782 mm deutlich unter dem Klimamittel (86%). Aus Vorwohle liegt wegen eines längeren Ausfalls der Station im Sommer kein verwertbarer Jahreswert vor, der Wilmeröder Berg meldete für Polle 771 mm und Hellental 881 mm – der Spitzenwert unter den Stationen im Umkreis. An diesen beiden Standorten ist das vom DWD genannte Klimamittel aufgrund von Stationsverlegungen wenig plausibel, die genannten Werte von 94,4 bzw. 100,3% sind von den tiefer gelegenen und weniger nassen Standorten in Polle und Dassel beeinflusst und wurden bisher nicht homogenisiert.

Unabhängig davon war es für die Wälder ein erholsames Jahr: Ausreichend Regen im Frühjahr und Sommer, dazu weitgehend ausbleibende Hitze und deutlich weniger Sonnenschein als zuletzt sorgten in der Vegetationszeit für weniger Verdunstung und eine bessere Wasserversorgung auch in den tieferen Schichten. Dagegen fiel die Trockenheit im Herbst noch nicht allzu sehr ins Gewicht, ist aber statistisch alles andere als zu vernachlässigen, denn nur dreimal fiel in der Messreihe ab 1934 noch weniger Niederschlag im letzten Drittel des Jahres – und das ist sehr lange her: 1937, 1953 und zuletzt 1959.

Weniger kompliziert ist die Auswertung der Sonnenscheindaten: Mit einer Jahressumme von nur ca. 1.348 Stunden wurde das Klimamittel der Jahre 1991-2020 um 160 Stunden oder rund 11% verfehlt – vor allem die Monate April, Mai, Juli und August blieben deutlich zu trüb, während nur Februar und Juni ein nennenswertes Plus erzielten. Nach den drei sonnenscheinreichen Jahren 2018-2020 zeigte sich 2021 ein klarer Ausschlag nach unten – noch weniger schien die Sonne nach 1988 nur noch in den Jahren 2017 und 1998, ähnlich trüb waren 2013, 2010 und 1996.

Nach 11 Grad im Jahr 2020 blieb es 2021 mit 9,8 °C an der DWD-Station Bevern
vergleichsweise „kühl“
Mit nur rund 1.350 Sonnenstunden zählte die Region wieder einmal zu den trübsten im Lande

Zwischen Dauerfrost, Wärmerekorden und Industrieschnee

Der Dezember 2021 brachte ein Auf und Ab bei den Temperaturen, kaum Sonnenschein und wenig Niederschlag

Titelfoto: Annette Mokross

Fast die gesamte Spannbreite mitteleuropäischen Frühwinterwetters präsentierte der Dezember 2021 in der Region: Zu den zu dieser Jahreszeit unvermeidlichen zahlreichen dauertrüben Tagen mit Hoch- oder Bodennebel gesellten sich auch kurze freundliche Ausnahmen, an einigen Tagen herrschte Dauerfrost, an anderen blieb es nasskalt, zwischenzeitlich wurde es milder – man könnte auch kurz zusammenfassen: Keine besonderen Vorkommnisse, wozu auch das Ausblieben nennenswerter Schneefälle zählte – und auch aus der weißen Weihnacht wurde einmal mehr nichts. Doch zum Jahresende sorgte ein markanter Vorstoß sehr milder Luftmassen für neue Temperaturrekorde und damit für eine Fortdauer der seit elf Jahren andauernden Serie mehr oder weniger klar überdurchschnittlich temperierter Dezember. Dazu war es im vierten Monat in Folge deutlich zu trocken und die Sonne zeigte sich noch seltener am Himmel als es im dunkelsten Monat des Jahres ohnehin üblich ist bei uns.

Kaum Wind unter Hochdruckwetter im zweiten Monatsdrittel – gut zu sehen am fast senkrecht aufsteigenden Dampf über dem KKW Grohnde bei Hameln ©Annette Mokross


Mit einer Monatsmitteltemperatur von 3,64 °C war der Dezember 2021 an der DWD-Station in Bevern um knapp 0,9 Kelvin wärmer als im Mittel der Jahre 1991-2020. Nach dem 28.12. war die Bilanz noch ausgeglichen, das Plus ist also, wenn man so will, allein auf die letzten drei Tage zurückzuführen. Gegenüber der älteren Klimaperiode von 1961-1990 betrug die positive Abweichung 1,9 K. Abgesehen von den Temperaturrekorden an den letzten beiden Tagen mit Höchstwerten bis 15,0 °C und Tagesmitteln bis 13,6 °C (siehe: Rekordwarmer Jahreswechsel) war es zuvor gar nicht einmal so unwinterlich: Zwar platzten die Träume von der klassischen (und bei uns ohnehin sehr seltenen) weißen Weihnacht mit einer satten Schneedecke zum Heiligen Abend ein paar Tage vor dem Fest, nachdem zuvor einige Wettermodelle durchaus solche Optionen angezeigt hatten, aber zu den Feiertagen stellte sich kreisweit Dauerfrost und in den höheren Lagen sogar ein ganz klein wenig Schnee ein. Es gab 2021 also stellenweise „weiße Weihnacht light“. Die Bilanz von vier Eis-, zwölf Frost- und 19 Bodenfrosttagen an der Beveraner Station war gemessen an der jüngeren Vergangenheit überdurchschnittlich, mit -8,7 °C gab es die kälteste Dezembernacht seit neun Jahren und auch die Kältesumme von 16,7 Kelvin war zwar unspektakulär, gleichwohl aber die zweithöchste nach 2010.

Ähnlich in der Bilanz, aber anders in den Details präsentierte sich das Dezemberwetter im Hochsolling an der DTN-Unwetterreferenzstation in Silberborn: Höhenlagenbedingt gab es mehr Frosttage (19) und sogar ein paar dünne Schneedeckentage, unter dem Strich fiel das Plus bei der Temperatur mit 1,2 K gegenüber der Periode 1991-2020 und 2,1 K gegenüber 1961-1990 aber noch etwas größer aus als im Wesertal. Hauptgrund dafür war die Hochdrucklage vor Weihnachten, die unten für trostlose Nebelstimmung im Dauerfrost sorgte, weiter oben aber für Sonnenschein und tagsüber leichte Plusgrade. Die Monatsmitteltemperatur erreichte auf 428 m Stationshöhe 1,9 °C, die Zahl der Eistage lag mit drei jedoch unter der in Bevern. Neue Tagesrekorde zum Jahresende wurden mit bis zu 11,8 °C an Silvester auch in Silberborn gemessen, der tiefste Wert war eine -9,0 in der Nacht zum 22.12.

Die Analyse der Großwetterlagen zeigt für die erste Dekade vorwiegend Tiefdruckeinfluss aus Nordwesten und Norden, wobei die Niederschläge sehr überschaubar blieben. Es folgte eine bis kurz vor Weihnachten andauernde Hochdruckphase, die es gleich noch etwas genauer zu betrachten gilt, bevor sich ab 23. wieder Tiefdruck aus Westen mit teils ergiebigen Regenfällen durchsetzen konnte, unterbrochen durch Zwischenhocheinfluss an den Feiertagen. Die letzten Tage gehörten dann mit Südwest dem zu dieser Jahreszeit wärmstmöglichen Witterungstyp.

Dass Hochdruck in den Herbst- und Wintermonaten nur selten mit „Schönwetter mit viel Sonnenschein“ gleichzusetzen ist und wenn doch, dann deutlich eher in den Höhen des Sollings als in den Niederungen des Wesertals zu finden ist, zeigten die Tage zu Beginn der Weihnachtswoche wieder einmal exemplarisch. Während in der Vorwoche nirgends in der Region auch nur ein Sonnenstrahl zu finden war und die relative Luftfeuchte oft die Sättigungsgrenze von 100% erreichte, trocknete es anschließend in den höheren Lagen ein Stück ab und die Sonne kam zum Vorschein.

Weiter unten blieb es hingegen nicht nur trüb, ab den Abendstunden des 20.12. zeigte sich zumindest in der Kreisstadt ein Wetterphänomen, das leider in keiner offiziellen Beobachtung und Statistik auftaucht: Aus der extrem feuchten Luft in der Inversionsschicht fiel leichter Niederschlag, ohne dass dieser vom Radar oder den automatischen Messgeräten erkannt wurde. Gewöhnlich handelt es sich dabei um Nebelnässen, der sich als Tau oder Reif an Böden und Gegenständen absetzt und daher als „abgesetzter Niederschlag“ bezeichnet wird.

Doch das, was viele Holzmindener an diesen beiden Tagen auf Dächern, Fußwegen, teils auch Straßen und Autos vorfanden, war anders als in den Dörfern mit ehrenamtlichen DWD-Beobachtern echter Schnee. Wie kann es dazu kommen, dass offenbar nur im Stadtgebiet dieser Schnee zum Liegen kam? Die einzig schlüssige Erklärung lautet: Industrieschnee. Dabei handelt es sich um ein bei winterlichen Inversionslagen gelegentlich auftretendes Wetterphänomen, wenn die Luft zudem sehr feucht ist, so gut wie kein Wind geht und die Temperaturen unter den Gefrierpunkt fallen. Durch Emissionen aus Industrieanlagen (hauptsächlich Wasserdampf oder Kondensationskerne), aber auch durch Abgase im Straßenverkehr oder aus Schornsteinen entsteht dann in geringen Höhen von ca. 100-200 m diese besondere Form sehr feinen festen Niederschlags. Aufgrund der deutlich höheren Emissionsbelastung sind die Rahmenbedingungen für ein solches Ereignis in der Stadt Holzminden „besser“ als in der ländlichen Umgebung und gleichzeitig auch ein Indikator für die Luftverschmutzung.

Industrieschnee auf einem Auto in Holzminden am Abend des 22.12. Foto: Holger Friedrich

Übrigens: Nicht nur Schadstoffpartikel, auch sich daran anheftende Krankheitserreger wie das Coronavirus können sich bei solchen Bedingungen in der Außenluft anreichern, weil sie nicht wie sonst vom Wind fortgetragen werden. Auch wenn Details dazu noch wenig erforscht sind, empfiehlt sich bei solchen sehr austauscharmen Wetterlagen zu dieser Jahreszeit für empfindliche und gefährdete Personen zum Eigenschutz das Tragen einer FFP2-Maske auch unter freiem Himmel zumindest vorübergehend dort, wo Menschen zusammenkommen.

Mit dem Wechsel hin zu einer Westwetterlage verschwand die „abgestandene“ Luft einen Tag vor Weihnachten und wurde durch frische Meeresluft mit teils kräftigen Regenfällen ersetzt. Und auch nach den Feiertagen regnete es nochmals verbreitet in der Region, doch unter dem Strich stand dennoch der bereits vierte deutlich zu trockene Monat in Folge. Mit einer Summe von 42,4 mm fiel in Bevern wiederum nur gut die Hälfte des durchschnittlichen Niederschlags, an den anderen Messstellen des DWD im Umkreis sah es mit Quoten von ca. 50-65% ähnlich bzw. kaum besser aus. Am meisten fiel noch im Solling mit 64,8 mm in Silberborn, was im dortigen feuchteren Klima aber auch nur 68% des Klimamittels der letzten 30 Jahre entspricht, in denen der Dezember gegenüber den vorherigen 30 Jahren bereits rund 10% trockener geworden ist.

Schnee war rar, aber nicht komplett Fehlanzeige, wie die offiziellen Daten abseits des Industrieschnees in Holzminden zeigen: Während an den Stationen in Bevern, Lüchtringen, Polle und Hehlen „die Null stand“ und es in Ottenstein nur zweimal Schneeflecken zu melden gab, schafften Amelith und Hellental immerhin zwei, Vorwohle sogar drei zugegeben dünne Schneedeckentage. Spitzenreiter war Silberborn mit sechs plus ein paar Tagen mit Schneeflecken, von Rodel- oder Wintersportmöglichkeiten blieb man aber auch dort weit entfernt.

Der Wind frischte in den Tiefdruckphasen teils auf mit Böen von Beaufort 5-6, nur am 01.12. gab es verbreitet Böen der Stärke 7 und vereinzelt war in freien Lagen auch mal eine Sturmböe dabei. Unter der Hochdruckglocke vor Weihnachten „schlief“ der Wind zeitweise völlig ein. Die Sonne, ohnehin nur ein seltener Gast am Dezemberhimmel, brachte es nur auf gut 22 Stunden, was nicht einmal zwei Dritteln der durchschnittlichen Dauer entspricht. Insgesamt schloss das Jahr damit sehr trüb ab, nur ganze zweimal gab es nach 1988 noch weniger Sonnenschein als 2021, doch das soll dann eines der Themen des in Kürze folgenden Jahresrückblicks sein.

Der Köterberg ragte aus dem Nebelmeer heraus…
… und auch die Sonne konnte sich dort am Nachmittag des 21.12. zum Untergang
eindrucksvoll in Szene setzen Fotos: Annette Mokross
Foto: A. Mokross

Rekordwarmer Jahreswechsel

Nach einem weitgehend unauffälligen und zeitweise sogar recht winterlichen Dezemberverlauf purzelten zum Jahreswechsel die Temperaturrekorde: Bei den Tageshöchstwerten gab es zwischen dem 30.12. und 01.01. gleich drei neue Bestmarken am Stück für die Klimareihe Holzminden/Bevern mit Tageswerten ab 1951. Bei der Tagesmittel- und -tiefsttemperatur schrieb der Silvestertag sogar Wettergeschichte und setzte neue Monatsrekorde für Dezember.

Begonnen hatte die außergewöhnlich milde Witterungsphase unter südwestlicher Anströmung im Laufe des Mittwochs, am Donnerstag und Freitag wurden an der DWD-Station Bevern mit 14,6 °C und 15,0 °C so hohe Werte gemessen wie nie zuvor Ende Dezember. Blieb es bei den Maxima „nur“ bei neuen Tagesrekorden und der Monatsrekord vom Heiligen Abend 1977 von 16,1 °C noch unangetastet, schraubten sich Minimum und Tagesmittel am 31.12. auf bisher im Dezember ungekannte Höhen: Mit einem Tiefstwert von 12,2 °C wurden die bisherigen Rekorde aus Holzminden (11,0 °C aus 1985) und Boffzen (11,2 °C aus 1994) deutlich übertroffen, beim Tagesmittel liegt die neue Topmarke bei 13,6 °C (dies entspricht der Durchschnittstemperatur im Mai) und löst die 13,2 °C vom 21.12.1989 ab.

Und das neue Jahr machte sogleich weiter bei der Rekordjagd: Auf die mit deutlichem Abstand wärmste bisher in Bevern gemessene Neujahrsnacht mit einem Tiefstwert von 12,5 °C folgte eine neue Bestmarke beim Tageshöchstwert für einen 1. Januar von 14,6 °C (bisher waren es 13,2 °C zum Jahresauftakt 2012). Gleichzeitig ist dies neuer offizieller Januarrekord bei den Höchstwerten, es gilt aber die lange Messlücke von 1991-2006 zu berücksichtigen, so lässt sich leider nicht zweifelsfrei klären, ob es am 05.01.1999 vielleicht noch etwas wärmer war.

Doch nicht nur in den Niederungen des Oberwesertals, auch im Hochsolling an der Station in Silberborn wurden in diesen Tagen neue Spitzen erzielt: Mit Höchstwerten von 11,8 und 11,7 °C an Silvester und Neujahr und einem Tiefstwert von 9,7 °C in der Nacht dazwischen gab es neue Tagesrekorde seit Beginn der Wetteraufzeichnungen im Solling 1937. Der Dezemberrekord bei der Tagesmitteltemperatur wurde anders als in Bevern allerdings knapp verfehlt: Der Silvestertag blieb mit 10,8 °C um ein Zehntelgrad unter dem Wert vom 05.12.2006. Zum Vergleich: Am Neujahrstag 1979 sank das damals in Neuhaus im Einsatz befindliche Quecksilberthermometer auf minus 22,0 °C!

Und wie geht es nun weiter? Die sehr milde Witterung findet zu Wochenbeginn langsam ihr Ende, zum Mittwoch folgt ein deutlicher Rückgang der Tageshöchstwerte auf ca. 4 Grad im Tiefland und 1-2 Grad im Hochsolling, mögliche kältere Überraschungen inklusive. Normal temperiertes bis nasskaltes „Schmuddelwetter“ ist derzeit aber deutlich wahrscheinlicher als ein Winterwonderland, doch auch nach einer baldigen weiteren milden Phase sieht es derzeit nicht aus.

Wenig Sonne, wenig Regen, wenig Wetter…

Der November 2021 war trüb, trocken und durchschnittlich temperiert / Etwas Schnee am Monatsende

Titelfoto: Annette Mokross

Typisches Novemberwetter dominierte über weite Strecken das Geschehen im dritten und letzten meteorologischen Herbstmonat. Der Himmel präsentierte sich meist in Grau, Sonnenschein trat fast nur sporadisch auf und dennoch fiel aus den Wolken kaum einmal ergiebiger Niederschlag. Auch der Temperaturverlauf war anders als im Vorjahr, als mit 21 Grad ein neuer Rekord aufgestellt worden war, nichts für die Wettergeschichtsbücher. Es novemberte so vor sich hin, und erst ganz zum Schluss kam etwas Bewegung in die Wetterküche mit auffrischendem Wind, vorübergehend kälterer Luft und ersten dünnen Schneeauflagen in den höheren Regionen des Kreises. Dieses kleine Wintermezzo fand aber noch in den letzten Stunden des Novembers sein schnelles Ende. Unter dem Strich stand ein kleines Plus bei der Temperatur und ein großes bzw. sehr großes Minus bei Sonnenschein und Niederschlag. Mit dem dritten Monat in Folge mit deutlich zu wenig Regen schloss der Herbst als einer der trockensten seit Aufzeichnungsbeginn 1934 ab.

Intensive Abendfarben, wie es sie nur bei tiefem Sonnenstand zu bewundern gibt, hier über und in der Weser bei Polle. Foto: Annette Mokross

Die Monatstemperatur lag an der DWD-Station in Bevern mit 6,03 °C um 0,4 K über dem Mittel der Jahre von 1991-2020. Gegenüber der älteren Klimaperiode von 1961-1990 betrug das Plus 1,2 K. Nach einem milden Start und dem Höchstwert von 14,3 °C gleich am Monatsersten pendelten die Werte mal über, mal unter den langjährigen Durchschnittswerten mit einer nochmaligen Milderung am Ende der zweiten und dem bereits erwähnten kurzen frühwinterlichen Abschnitt am Ende der dritten Dekade. An sechs Tagen gab es leichten Frost in Bevern in zwei Metern Messhöhe, fünf Zentimeter über dem Erdboden fiel die Temperatur an elf Tagen unter den Gefrierpunkt – beides bewegt sich nah an den Mittelwerten der letzten 30 Jahre. Negative Tagesmitteltemperaturen gab es nicht, die sich hieraus errechnende Kältesumme lag somit bei null.

Leicht frostig wurde es häufiger, Reifspuren an Pflanzen und Beeren zeugen von der fortschreitenden Jahreszeit. Fotos: Annette Mokross

Im über 300 Meter höher gelegenen Silberborn erreichte diese Kennziffer einen Wert von 1,7 K, nachdem die Tagesmittel vom 27. bis 29. ein Minusvorzeichen trugen und am 29. ein erster Eis- bzw. Dauerfrosttag gemessen wurde – hauchdünn mit einer Höchsttemperatur von -0,1 °C. Dieses Temperaturniveau bei gleichzeitig vorübergehend negativen Taupunkten bescherte dem Hochsolling die ersten beiden Tage mit Schneedecke, am Dienstagmorgen waren einige Zentimeter zusammengekommen, die im Laufe des Tages aber rasch ein Raub der einsetzenden Milderung mit Übergang der Niederschläge in Regen wurden.

Die Monatstemperatur an der Silberborner Wetterstation lag mit 3,9 °C exakt im Mittel der Jahre 1991-2020 bzw. 0,8 K über dem Mittel von 1961-1990. Zum einen Eistag gesellten sich acht Frosttage mit einem Minimum von -3,9 °C am 28., am wärmsten war auch hier der Monatserste mit einem Höchstwert von 11,4 °C, zugleich der einzige zweistellige in diesem November.

Die Wetterlagenanalyse zeigt wie in den beiden Vormonaten und somit im gesamten meteorologischen Herbst eine Dominanz von Hochdrucklagen. Hauptsächlich waren diese durch eine Hochdruckbrücke über Mitteleuropa (abgekürzt BM) geprägt, die zusammen mit einer antizyklonalen Nordwestlage (NWa) von Beginn der zweiten bis zum Ende der fünften Pentade das Wettergeschehen bestimmte.  Aus der oft hochnebelartigen Bewölkung fiel dabei gelegentlich unergiebiger leichter Niesel, ansonsten war es oft trocken. Der milde Monatsstart resultierte aus einer Südlage von Ende Oktober her, die dann mit Ostverlagerung des hochreichenden Tiefs in eine Nordlage (Trog Mitteleuropa) überging. Eine solche Großwetterlage stellte sich erneut zur letzten Pentade ein und brachte einen im Tiefland nasskalten und in den höheren Lagen frühwinterlichen Abschnitt am Monatsende. Es fehlten sowohl klassische West- als auch Ostlagen.  

Die geringe Niederschlagsausbeute wurde bereits thematisiert, in Zahlen lesen sich die Monatssummen der verschiedenen Stationen in der Region wie folgt (wobei die kräftigen Regen- und teils Schneefälle zum Ultimo die Bilanzen noch deutlich aufbesserten):  Die Klimastation in Bevern meldete 31,7 mm, was nicht einmal ganz der Hälfte des dortigen Mittelwerts von entspricht, ähnlich wenig war es in Lüchtringen mit 30,6 mm. Polle, Ottenstein und Hehlen kamen jeweils auf knapp unter 40 mm, Eimen-Vorwohle auf immerhin auf 50,4 mm. Am meisten fiel im Solling und seinen Ausläufern in einem allerdings auch feuchteren Klima: In Hellental wurden 57,3 mm gemessen, Amelith stellte mit 62,8 mm den „Spitzenwert“ und Silberborn kam auf 58,1 mm – das sind letztlich aber auch nur rund zwei Drittel der durchschnittlichen Mengen.

Einen Schneedeckentag mit jeweils einem Zentimeter meldeten die Beobachter aus Polle auf dem Wilmeröder Berg und aus Amelith (Stationshöhen 270 bzw. 258 m) am 29.11. Dort fiel der Niederschlag am frühen Morgen des 30. schon wieder als Regen, während in Silberborn auf 428 m zunächst noch die feste Phase vorherrschte und ein zweiter Schneedeckentag registriert werden konnte, bevor auch dort Tauwetter einsetzte.

Nicht nur im Solling, auch auf der Ottensteiner Hochebene gab es einen ersten kleinen winterlichen Gruß am Monatsende. Foto: Annette Mokross

Bei der Sonnenscheindauer hielt sich der November ebenfalls dezent zurück und verfehlte sein wahrlich nicht üppiges Klimamittel deutlich. Mit dem aus den Umgebungsstationen mit Sonnenscheinmessung errechneten Monatswert von gut 33 Stunden reichte es nicht einmal ganz für 75% des langjährigen Durchschnitts. Einzig sonnenscheinreicher Tag war der 9. mit einer Tagessumme von 7,2 Stunden, mehr als die Hälfte des zu dieser Jahreszeit möglichen Sonnenscheins schaffte sonst nur noch der 22. mit 4,6 Stunden.

Die vielen Tagen mit hohem Luftdruck sorgten für weitgehend windschwache Verhältnisse, die Tagesmittel bewegten sich meist bei Beaufort 1-2, vereinzelt 3. Die Böen lagen allesamt unterhalb des warnwürdigen Bereichs, oft in Stärke 3-5, vereinzelt 6. Nur am 7. und am 30. frischte es vorübergehend bis zum steifen Wind (Bft. 7) auf.

Nur selten konnte sich die Sonne zeigen, einen dieser raren Momente am Morgen hat Annette Mokross eingefangen.

Herbstbilanz: Außergewöhnlich trocken

Mit dem November endet auch der meteorologische Herbst, und der 2021er war vor allem eines: sehr trocken. In allen drei Monaten wurden die Klimawerte des Niederschlags deutlich verfehlt, unter dem Strich standen in Bevern ganze 87,0 mm – lediglich viermal war es in der seit 1934 bestehenden Zeitreihe Holzminden/Bevern noch weniger, zuletzt allerdings erst vor drei Jahren im extrem trockenen Jahr 2018. Der Minusrekord stammt aus dem Jahr 1937 mit 68 mm, am nassesten war es 1998 mit 448 mm, der 30-Jahres-Schnitt seit 1991 liegt bei 195 mm und wurde in diesem Jahr um 55% verfehlt. Kaum anders sah es in Silberborn aus: Die dort gemessenen 122 mm reichten ebenfalls nicht einmal für die Hälfte des Klimawerts von 254 mm.

Die Mitteltemperatur landete im Bereich leicht überdurchschnittlich und entsprach etwa dem Niveau der jüngsten Vergangenheit der letzten zehn Jahre. Mit 10,63 °C war es in Bevern um 0,7 K wärmer als im Mittel von 1991-2020, gegenüber der älteren Klimaperiode 1961-1990 betrug das Plus knapp 1,3 K. In Silberborn waren es 8,86 °C, ebenfalls eine positive Abweichung vom lokalen Klimawert von 0,7 bzw. 1,25 K. Die Sonnenscheindauer schließlich verfehlte mit 275 Stunden den 30-Jahresschnitt leicht um elf Stunden oder vier Prozent.

Herbstlicher Gemischtwarenladen

Der Oktober 2021 brachte Durchschnittswerte bei Temperatur und Sonnenschein / Trockenheit setzt sich fort

Sonne, Wolken, Nebel, Regen und ein erster Herbststurm – der zweite meteorologische Herbstmonat brachte von allem etwas und bilanzierte bei den Temperatuten und der Sonnenscheindauer sehr nah an den langjährigen Durchschnittswerten. Beim Niederschlag zeigte sich der Oktober hingegen geizig und verfehlte sein Klimamittel meist um mehr als die Hälfte. Nachdem bereits der September deutlich zu trocken ausgefallen war, wuchs das Regendefizit in der Region weiter an.

Die Monatstemperatur lag an der DWD-Station in Bevern mit 10,24 °C um 0,3 K über dem Mittel der Jahre von 1991-2020. Gegenüber der älteren Klimaperiode von 1961-1990 betrug das Plus etwas höhere 0,7 K, wobei die Differenz zwischen den beiden Klimanormwerten in keinem Monat so gering ausfällt wie im Oktober. Die Spannweite zwischen dem wärmsten und kältesten Oktober beträgt fast sieben Kelvin (13,2 und 6,3 °C), beide Extremwerte stammen aus dem aktuellen Jahrhundert, was bei den Wärmerekorden normal, bei den Kälterekorden aber durchaus ungewöhnlich ist: Kurz nach dem „Jahrhundertsommer“ wurde im Jahr 2003 der lokal bisher kälteste Oktober gemessen. Immer bezogen auf die bis 1934 zurückreichende Klimareihe versteht sich: Ein Blick in noch ältere Wetteraufzeichnungen aus der Umgebung zeigt zum Beispiel, dass der Oktober 1922 mit nur rund fünf Grad noch ein ganzes Stück kälter war.

Zurück zur Gegenwart: Wärmster Tag des Monats war der Feiertag am 3. Oktober mit einem Höchstwert von 22,7 °C in Bevern, zugleich der wohl letzte warme Tag des Jahres mit einem Maximum von mindestens 20 Grad. Zwar wurde diese Marke im vergangenen Jahr erstmals in einem November übersprungen, das aktuelle Wetter und die Aussichten schließen eine Wiederholung aber so gut wie aus. Alle Tageshöchstwerte blieben oberhalb der Zehn-Grad-Marke – ein eher seltenes Ereignis, meist werden zu dieser Zeit die ersten einstelligen Maxima gemessen. Der erste Frost kam am 10. Oktober und damit deutlich früher als 2020, als es bis zum 20. November dauerte, bis die Temperatur in zwei Metern Höhe in Bevern erstmals im Herbst unter den Gefrierpunkt gefallen war.

An der Hochsolling-Wetterstation in Silberborn blieb die Nacht zum 10.10. noch frostfrei, gerade im Herbst ist es ja nicht ungewöhnlich, dass es auf über 400 m Höhe nicht so stark auskühlt wie in den Niederungen des Wesertals. Am 24.10. wurde dann aber auch im Kurgarten der erste leichte Frost der Saison gemessen. Wärmster Tag war auch hier der Tag der Deutschen Einheit, die 20-Grad-Marke wurde aber nicht mehr ganz erreicht, so dass als höchstes Maximum eine 19,5 steht. Die Monatsmitteltemperatur lag mit 8,7 °C um 0,6 K über dem Klimawert der Jahre 1991-2020, relativ auf das jeweilige Lokalklima bezogen war es also geringfügig wärmer als in Bevern, unterm Strich an beiden Standorten ein sehr unauffälliger Monat bei den Temperarturen.

Bei der Wetterlagenanalyse fallen wie schon im September vorwiegend Hochdrucklagen auf, diese brachten aber jahreszeitbedingt nur noch an wenigen Tagen ungetrübten Sonnenschein und oft hochnebelartige Bewölkung. Sehr kräftig war der Warmluftvorstoß zu Monatsbeginn im Rahmen einer Südlage: Die Höchstwerte von fast 23 Grad in Bevern und knapp 20 Grad im Solling am Feiertag wurden ohne Sonnenscheinunterstützung erreicht, waren also ausschließlich der Luftmasse und kräftigem Wind geschuldet. Anschließend dominierte die Großwetterlage „Hochdruckbrücke Mitteleuropa“, zu Beginn der zweiten Dekade durch eine ehr kühle Nordlage unterbrochen. Eine kurzzeitige tiefdruckgeprägte Westlage bescherte der Region am Anfang der dritten Dekade den ersten Herbststurm und immerhin ein paar nassere Tage, bevor die Rückdrehung der Strömung über Südwest auf Süd ein ungewöhnlich mildes Monatsende mit Höchstwerten von bis zu 18 Grad brachte.

Herbstfarben zwischen Weser und Solling, eingefangen von Annette Mokross

Die Niederschlagsbilanz blieb erneut deutlich unter den langjährigen Klimawerten: Bevern meldete nur 31,5 mm, was nicht einmal der Hälfte des 30-Jahres-Durchschnitts von 1991-2020 entspricht (46%). Quasi identisch war das Bild in Silberborn mit 42,8 mm, was ebenfalls lediglich 46% des dortigen Mittels ausmacht. Die weiteren Werte der Region: Lüchtringen kam sogar nur auf 26,7 mm; 33,1 mm waren es in Polle, 30,1 in Ottenstein, 34,5 in Hehlen, 42,7 in Eimen-Vorwohle, 43,4 in Hellental und 37,5 mm in Amelith. Bei der klimatischen Einordnung ist zu beachten, dass manche Karten und Tabellen als Referenzperiode noch die Jahre 1961-1990 verwenden, in der der Oktober deutlich trockener war. Die jüngsten 30 Jahre brachten eine Steigerung um ca. ein Drittel des mittleren Niederschlags, in Bevern zum Beispiel von 50,0 auf gut 68 mm. Der Oktober ist damit nicht nur der Monat mit der schwächsten Erwärmung, sondern zugleich der mit dem stärksten Zuwachs an Niederschlag. In der Jahressumme ist es in den letzten 30 Jahren hingegen geringfügig, seit 2011 sogar deutlich trockener geworden.

Und auch bei der Sonnenscheindauer nimmt der Oktober bei der Entwicklung seit 1991 eine Sonderrolle ein: Anders als in den meisten anderen Monaten hat die Anzahl der Sonnenstunden nicht zu-, sondern leicht abgenommen und liegt in der Region bei ca. 97 Stunden. Genau dieses Niveau erreichte auch der aktuelle Oktober und schaffte damit wie zuvor bereits der September bei diesem Parameter eine Punktlandung auf dem klimatischen Mittelwert. Am sonnigsten wurde es am Wochenende 9./10. mit jeweils über acht Stunden, der höchste Tageswert wurde am 24. mit fast neun Stunden erzielt. An nur drei Tagen zeigte sich die Sonne überhaupt nicht, das ist eine für die Jahreszeit in der Region ungewöhnlich niedrige Anzahl.

Der Wind schließlich war im Gegensatz zum September zumindest vorübergehend ein Thema: Der kräftige Südwind am warmen 3. Oktober brachte vereinzelte Böen bis Bft. 8 (stürmischer Wind) und das erste Sturmtief der Saison am 21. (mit etwas unklarer Namensgebung wegen einer sehr komplexen Bodenwetterlage, schließlich erhielt es den Namen „Hendrik II“) sogar Sturmböen (Bft. 9). Auch schwere Sturmböen (Bft. 10, ab 89 km/h) sind nicht auszuschließen, so wurden in Hameln 90,4 km/h gemessen, in Göttingen 87,1, in Alfeld hingegen nur 72 km/h. Leider ist die Windmessstation des DWD in Northeim-Stöckheim an jenem Tag ausgefallen und lieferte keinen Messwert.

Goldener Oktoberbaum © Annette Mokross

Trockenwarmer Übergang vom Sommer in den Herbst

Der September 2021 brachte oft spätsommerliche Temperaturen und kaum Regen

Titelfoto: Annette Mokross

Nach dem recht kühlen und trüben August mochte sich der Sommer noch nicht geschlagen geben und sorgte vor allem in der ersten Hälfte noch einmal für spätsommerliche Wärme und einige sonnige Tage. Anschließend klopfte der Herbst immer wieder mal an die Tür und es ging wechselhafter und weniger warm weiter, ohne dass sich kühle Luftmassen für längere Zeit durchsetzen konnten. Stattdessen war die zweite Monatshälfte von einem Auf und Ab bei den Temperaturen geprägt, wobei oft dichte Wolken dominierten, aus denen aber nur selten etwas Regen fiel. Unter dem Strich war der erste meteorologische Herbstmonat in diesem Jahr warm und deutlich zu trocken bei durchschnittlicher Sonnenscheindauer.

Die Monatstemperatur lag an der DWD-Station in Bevern mit 15,62 °C um 1,4 K über dem Mittel der Jahre von 1991-2020. Gegenüber der älteren Klimaperiode von 1961-1990 betrug das Plus fast 1,9 K. In der bis 1934 zurückreichenden Messreihe Bevern/Holzminden war es der zehntwärmste September, der Rekord aus dem Jahr 2006 von 17,5 °C blieb aber weit entfernt. Bis zur Monatsmitte lagen die Tageshöchstwerte beständig oberhalb der 20-Grad-Marke, darunter waren drei Sommertage und das Monatsmaximum von 28,4 °C. Im letzten Jahr hatte es um den 15. herum sogar noch einmal zu einer späten kleinen Hitzewelle mit drei Tagen oberhalb der 30-Grad-Marke gereicht, dennoch war der Monat insgesamt ein Grad weniger warm ausgefallen als in diesem Jahr – wie schon im Juli und August waren die Ausschläge nach oben und unten auch im September recht gering. Da Hitze mit mindestens 30 Grad im Oktober in unserer Region nahezu auszuschließen sind, bleibt es im Jahr 2021 bei einer klar unterdurchschnittlichen Bilanz von vier heißen Tagen – die gab es am Stück zwischen dem 16. und 19. Juni.

Jahreszeitbedingt abwärts ging es in der zweiten Monatshälfte, doch nur an zwei Tagen wurde die 15-Grad-Marke knapp nicht erreicht.  Dafür gab es am 26.09. das wohl letzte Aufbäumen des Sommers in diesem Jahr mit einem Höchstwert von 25,8 °C. Zwischen dem ersten und letzten meteorologischen Sommertag dürften in diesem Jahr somit ungewöhnlich lange 179 Tage gelegen haben, nachdem es bereits am 31. März über 25 Grad warm geworden war. Zum Vergleich: 2010 betrug diese Zeitspanne ganze 77 Tage. Dass solche Statistiken aber leicht in die Irre führen können, zeigt ein Blick auf die Durchschnittstemperatur des Sommerhalbjahres (April-September) in diesem Jahr, das mit 14,84 °C zur kühleren Hälfte der letzten 30 Jahre zählt.

An der Hochsolling-Wetterstation in Silberborn gab es am 9. September mit 26,0 °C den letzten Sommertag, die Monatsmitteltemperatur lag mit 13,9 °C sogar um 1,6 K über dem Durchschnitt der letzten 30 Jahre und um 2,1 K über dem Klimawert von 1961-1990. Insgesamt wurden noch zehn warme Tage mit mindestens 20 Grad gemessen, neun in der ersten und einer in der zweiten Monatshälfte. Am kühlsten blieb es am 19. mit einem Höchstwert von 11,8 °C, der Tiefstwert wurde mit 5,6 °C am 30. erreicht.

Nebelmorgen an der Weser (Foto: Annette Mokross)

Die Wetterlagenanalyse zeigt im Gegensatz zu den vergangenen Sommermonaten ein deutliches Übergewicht von Hochdrucklagen mit unterschiedlichen Strömungsrichtungen. Die erste Monatshälfte hatte das Muster einer rückdrehenden (gegen den Uhrzeigersinn gerichteten) Strömung: Von einer Nordlage („Hoch Britische Inseln“) ging die Witterung über „Hoch Mitteleuropa“ in eine Südwest- und schließlich in eine Südlage über.  Eine kurzzeitige Ostlage nach Monatsmitte konnte sich nicht halten und wurde durch eine erneute Rückdrehung erst durch eine Nordwest- und schließlich eine Westlage abgelöst.

Eines hatte dieses Sammelsurium an Großwetterlagen gemeinsam: Es gab ausgeprägte trockene Phasen und nur wenige Regentage. An meist 20 Tagen fiel in der Region kein messbarer Niederschlag und an den restlichen Tagen hielten sich die Mengen in sehr überschaubaren Grenzen. Nur in Hehlen und Ottenstein wurde ein Tagesmaximum knapp oberhalb der 10-mm-Marke gemessen.

Insgesamt blieb der Monat in der gesamten Region deutlich unter den Klimawerten: In Bevern fielen mit 23,8 mm nur 39% des Mittels der letzten 30 Jahre, in Silberborn mit 21,2 mm nicht einmal ein Viertel des langjährigen Werts. Auch die anderen beiden Stationen im bzw. am eigentlich feuchten Solling geizten mit Regen: In Amelith wurden 22,4 mm gemessen, ganze 17,9 mm waren es in Hellental, das diesmal sogar die trockenste Station im Umkreis stellt. Eimen-Vorwohle meldete mit 19,7 mm kaum mehr, Lüchtringen brachte es auf 21,2 mm, Hehlen auf 26,9 mm und Polle auf 28,1 mm. Am meisten Regen fiel noch in Ottenstein mit 33,9 mm, was aber auch nur gut der Hälfte des 30-Jahres-Mittels entspricht. Aufgrund der Sommermonate mit recht viel Regen, wenig Hitze und ab Juli unterdurchschnittlicher Sonnenscheindauer stuft der Dürremonitor des Helmholtz-Zentrums für Umweltforschung UFZ die Situation in der Region aber noch als entspannt ein (Stufen 0 bis 1 von 5 sowohl in den oberen als auch in den tieferen Bodenschichten).

Die Verdunstung hielt sich trotz der überdurchschnittlichen Temperaturen in Grenzen, da sich die Sonne nur in der ersten Dekade häufig länger zeigen konnte und der Wind meist eine untergeordnete Rolle spielte. Mit 145 Stunden erreichte die Sonnenscheindauer fast genau den Mittelwert der vergangenen 30 Jahre. Den sonnigsten Abschnitt brachte die Hochdruckphase zwischen dem 3. und 9. September mit fast 67 Stunden in sieben Tagen und viermal mehr als zehn Stunden am Tag. Anschließend wurde es wechselhafter mit deutlich mehr Wolken und einer ausgesprochen trüben Phase zwischen dem 15. und 21. mit nur gut sechs Stunden in Summe an sieben Tagen.

Entsprechend der Hochdruckdominanz blieb der Mittelwind meist schwach zwischen Windstärke 1 und 3, nur an einzelnen Tagen wie am 23. und am 29. lag er auch mal zwischen 3 und 4 mit einzelnen Böen bis Stärke 7.

Sonnenuntergang über dem Köterberg (Foto: Annette Mokross)

Ein Sommer, wie er früher einmal war…?

An seinem Ende stand ein mäßig warmer, recht nasser und sehr trüber August

„Da schlagen zwei Herzen in meiner Brust: Zum einen das Herz des Sommerliebhabers. Aus dieser Sicht war es ein wirklich schlechter Sommer. Abseits des Junis kühl, trüb und hintenraus wirklich frühherbstlich. Zum anderen das Herz des Naturfreundes. Wenig Hitze, wenig Trockenheit, das tat der Natur sichtbar gut.“ – „Ich fühle mich tatsächlich fast um eine komplette Jahreszeit betrogen (Juni ausgenommen). Noch viel zu nah sind die Erinnerungen an die trübe, kühle Zeit.“ – „Noch vor 30 Jahren wäre dies einer der wärmsten Sommer überhaupt gewesen. Manche Leute sollten ihr Anspruchsdenken überprüfen und froh sein, von Hitzewellen wie im östlichen Mittelmeerraum oder der Flut im Westen unseres Landes verschont geblieben zu sein.“ – Drei Stimmen aus einem Wetterforum zum Fazit des Sommers 2021 aus diesen Tagen, die sehr gut die unterschiedliche Bewertung der letzten Monate widerspiegeln und vermutlich auch im Leserkreis des TAH ähnlich ausfallen.

Was sagen die Messwerte in der Region dazu? Zumindest für den August sehen die Daten recht klar aus: Es war der zweitkühlste der letzten 15 Jahre, es regnete häufig und teils ergiebig, während sich die Sonne oft rar machte. Wie schon im Juli blieb ein längerer Abschnitt mit beständigem Hochdruckwetter aus, lediglich einige Tage vor Monatsmitte brachten eine recht heitere Phase mit hochsommerlichen Temperaturen. Die Sommerbilanz fällt dank des Junis zwar wärmer aus, doch unter dem Strich bleibt ein deutliches Sonnenscheindefizit, während es beim Niederschlag kein klares Bild gab.

Mit einer Monatstemperatur von 16,95 °C war der August 2021 an der DWD-Station in Bevern um fast 1,3 K kühler als im Mittel der Jahre von 1991-2020. Gegenüber der älteren Klimareferenzperiode von 1961-1990 reicht das aber immer noch für ein kleines Plus von zwei Zehnteln. Sieht man einmal von den letzten Tagen des Monats ab, ergibt sich ein ähnliches Fazit wie im Juli: Kühle und sehr warme Tage gab es kaum, meist spielte sich das Niveau der Tageshöchstwerte im mäßig warmen Bereich etwas oberhalb der 20-Grad-Marke ab. In der ersten Dekade blieb der Korridor bei den Maxima mit Werten zwischen 21,3 und 23,5 °C äußerst schmal. Lediglich vor Monatsmitte stiegen die Werte vorübergehend für vier Tage deutlich über die 25-Grad-Marke an. Die Anzahl meteorologischer Sommertage blieb mit fünf klar unterdurch-schnittlich, die 30-Grad-Marke wurde wie im Juli gar nicht erreicht. Der letzte August ohne heißen Tag ist zwar erst vier Jahre her, auf der Suche nach dem letzten hitzefreien Juli-August-Paar wird man aber erst vor fast 30 Jahren im Sommer 1993 fündig.

Die Hochsolling-Wetterstation in Silberborn liegt auf fast 430 m Höhe und entsprechend fallen die Sommerbrötchen dort kleiner aus. Sofern keine Inversionswetterlage herrscht, was in den Sommermonaten kaum einmal der Fall ist, beträgt die Differenz bei den Höchsttemperaturen zum Wesertal in der Regel rund drei Grad. Dies bestätigen auch die Augustwerte mit einem mittleren Tagesmaximum von 19,1 °C gegenüber Bevern mit 22,1 °C. Sommertage gab es in Silberborn nur zwei, dafür ging es gen Monatsende schon herbstlich zu mit Höchstwerten von unter 15 Grad. Die Monatsmitteltemperatur lag mit 14,65 °C um 1,4 K unter dem dortigen Klimawert der Jahre 1991-2020, während das 30 Jahre ältere Referenzmittel für langfristige Klimavergleiche von 14,7 °C fast auf den Punkt getroffen wurde.

Bei der Analyse der Großwetterlagen sieht man wie schon im Juli klare Tiefdruckdominanz mit Ausnahme der bereits erwähnten kurzen Phase vor Monatsmitte. Die Abfolge ab dem Beginn des sog. Siebenschläferzeitraums Ende Juni ähnelte sich dabei immer wieder trotz einzelner Unterschiede in den Details: Tiefdruckgebiete wurden oft von Hochdruckzonen auf dem Nordatlantik oder über Nordeuropa blockiert und zogen entweder auf südlicher Bahn Richtung Mitteleuropa oder tropften aus größeren Langwellentrögen ab und „eierten“ abgekoppelt von der Höhenströmung anschließend mit nur langsamer Geschwindigkeit über uns. Solche Lagen sind für die Computermodelle, auf die sich die moderne Wettervorhersage weitgehend stützt, oft nur schwer im Voraus zu berechnen. Im Extremfall bringen sie lang andauernde Starkniederschläge wie Mitte Juli bei der Flutkatastrophe im Westen oder später vor allem im Alpenvorland, wo im Stau der Gebirgskette ein außergewöhnlich nasser Sommer registriert wurde. Eine grundlegende Umstellung der großräumigen Zirkulation fand diesmal bis zum Ende des Sommers nicht mehr statt, die oftmals zu ruhigem Hochdruckwetter neigende Zeit im Spätsommer wurde entweder auf den September verschoben oder fällt in diesem Jahr ganz aus.

Niederschlag in Form von Regen fiel über den Monat verteilt in unterschiedlicher Intensität, vor allem die letzte Dekade sorgte mit teils kräftigen Schauern dafür, dass die Summen meist – aber nicht überall – über den langjährigen Durchschnittswerten landeten. In Bevern kamen 85,7 mm oder knapp 120% des Klimawerts von 1991-2020 zusammen, in Lüchtringen sogar 99,1 mm. Noch mehr war es in Polle auf dem Wilmeröder Berg mit 106,8 mm; Ottenstein meldete 85,4 mm, Hehlen 86,2 mm und Eimen-Vorwohle 75,8 mm. Während in Hellental 101,7 mm gemessen wurden, gab es im und am Solling Richtung Südwesten weniger Regen: In Silberborn waren es noch 91,2 mm – ein Plus von 5% gegenüber dem Schnitt – in Amelith hingegen nur 60,7 mm. Auch die Summe im Holzmindener Stadtgebiet, privat im Südteil gemessen, war mit 68,7 mm eher zurückhaltend. Einen guten Überblick über die ungefähren Werte auch abseits bestehender Messstellen am Boden bieten die Karten mit kalibrierten Radarsummen bei Kachelmannwetter unter der URL https://kachelmannwetter.com/de/regensummen/kalibrierte-summe-1std.html – dort kann man verschiedene Zeiträume wählen und in die Landkreise zoomen. Für den August zeigt die Karte, dass der Südzipfel des Kreises Holzminden (Bereich Derental und Lauenförde) deutlich trockener blieb als der Rest, dort wurden die langjährigen Klimawerte nicht erreicht.

Eindeutig ist das Bild beim Sonnenschein: Mit lediglich 138 Stunden wurde nicht nur das Mittel der letzten 30 Jahre deutlich verfehlt (um fast 30%), der August 2021 zählt auch klar zu den trübsten Vertretern der lokalen Wetterhistorie seit 1951: Nur sieben Mal gab es in den letzten 70 Jahren noch weniger Sonnenschein in einem August, zuletzt 2010, als der Minusrekord von nur 111 Stunden aufgestellt wurde.

Sie lachten in diesem August nur selten im Sonnenlicht: Sonnenblumenfeld von Annette Mokross, fotografiert am 23.08.

In der Sommerbilanz macht jeder Monat einen Anteil von einem Drittel aus und hier sorgt dann der Juni mit seinem markanten Temperaturüberschuss dafür, dass der Sommer 2021 unter dem Strich an der DWD-Station in Bevern mit 18,4 °C überdurchschnittlich ausfiel – eher leicht gegenüber dem aktuellen Klimamittel der letzten 30 Jahre von 17,8 °C, deutlich gegenüber der älteren Norm der Periode 1961-1990 von 16,5 °C. Zum Vergleich: Der damals als Hitzesommer eingestufte Sommer 1983 war mit 18,5 °C nur ein Zehntelgrad wärmer als der aktuelle. An solchen Zahlen lässt sich das Fortschreiten der Erwärmung in den letzten Jahren gut ablesen. Hitze blieb gleichwohl in diesem Sommer die Ausnahme und beschränkte sich auf vier Tage im Juni am Standort Bevern, in Silberborn waren es zwei, beides deutlich weniger als zuletzt und auch weniger als im langjährigen Mittel, das in Bevern bei fast zehn Tagen und in Silberborn bei rund vier Tagen liegt. Die Anzahl der Sommertage mit mindestens 25 Grad Höchsttemperatur lag in Bevern mit 35 im Schnitt der letzten 30 Jahre, in Silberborn wurde dieser mit elf von ca. 19 allerdings klar verfehlt. Die dortige Sommertemperatur von 16,3 °C unterscheidet sich hingegen bezogen auf das kühlere Klima vor Ort kaum von der in Bevern: An der Hochsollingstation lag der Sommer rund 0,7 Grad über dem Mittel der Jahre 1991-2020 und glatt zwei Grad über der älteren Norm von 1961-1990.

Beim Sonnenschein fiel das Defizit der Monate Juli und August deutlich größer aus als das Plus, das der Juni angesammelt hatte. Nach 92 Tagen betrug der Schätzwert für die Region, gewonnen aus fünf DWD-Stationen mit Sonnenscheinmessern in der Umgebung, rund 525 Stunden. Das ist ein Minus von 73 Stunden gegenüber dem Mittel der letzten 30 Jahre und der niedrigste Wert seit 2012. Der trübste Sommer stammt aus dem Jahr 1981, als mit Müh und Not die Marke von 400 Stunden knapp überschritten wurde, der Rekord immer noch aus dem „Sonnenjahr“ 1959, als ca. 753 Stunden erreicht wurden.

Die Niederschlagsbilanz des Sommers fällt weniger eindeutig aus, es gab sowohl nasse Orte als auch trockenere, letztere vorwiegend wie im August im Süden des Kreises mit teils nur ca. 180 mm. Doch auch im Nordwesten in Ottenstein wurde der langjährige Durchschnitt mit 205 mm recht deutlich verfehlt, während Polle, Lüchtringen und Hehlen mit Werten zwischen 273 und 233 mm zumindest leicht im Plus lagen. Hellental, wo noch kein Klimawert aufgrund der kurzen Messdauer vorliegt, meldete 238 mm, in Vorwohle gab es leider einen längeren Ausfall im Juli und daher keinen verwertbaren Wert. Silberborn blieb mit 245 mm um 9 mm unter seinem Mittel, Bevern hingegen übertraf seines deutlich um 35 mm (16%) und stellte nach Polle mit 254 mm den zweithöchsten Wert im Kreis.

Titelfoto: Wolkenbogenpanorama über der Weser am 26.08. von Annette Mokross

Goldenes Träumchen: Fluss- mit Bodennebel an der Weser nennt Fotografin Annette Mokross ihre Aufnahme vom 6. August um 06:28 Uhr morgens