Der Februar macht den Unterschied

Mehr Winter als in den letzten acht Jahren im Oberwesertal dank einer Woche im Februar

Rückblick auf den Winter 2021 an der DWD-Station Bevern

Mit einer Mitteltemperatur von 2,56 °C sortiert sich der Winter 2021 zwar als einer der kälteren der letzten zehn Jahre, aber im längeren Betrachtungszeitraum als durchaus mild ein. Seit Messbeginn 1934 in Holzminden waren bezogen auf den Standort Bevern 26 Winter wärmer und 60 kälter. Im Vergleich zum Klimamittel 1991-2020 steht ein zartes Plus von 0,2 K, gegenüber dem älteren der Jahre 1961-1990 fällt es mit 1,4 K deutlicher aus.

Während der Dezember trüb und überwiegend mild verlief und der Januar zwar recht kalt, aber ohne wirklich hochwinterliche Ambitionen dahindümpelte, hatte es der Februar mit extremen Ausschlägen in kurzer Zeit in sich. Er sorgte für den kältesten Abschnitt seit neun und den schneereichsten seit 34 Jahren – und anschließend für den wärmsten seit Aufzeichnungsbeginn.

Mit 19,3 °C gab es am 24.02.2021 einen neuen Jahreszeitenrekord bei den Höchsttemperaturen, die alte Bestmarke stammte mit 18,5 °C vom 27.02.2019.
Aufgrund der Kältewelle in der zweiten Februarwoche wurden acht Eistage und eine Kältesumme von 83,3 K gezählt – bezogen auf die letzten 30 Jahre liegt die Kältesumme fast genau im Schnitt, während die Anzahl der Eistage unterdurchschnittlich ist, obwohl in der Mehrzahl der Winter ab 1991 noch weniger gemessen wurden – ein klassisches Beispiel für eine schiefe Verteilung, verursacht durch die hohe Anzahl der Dauerfrosttage in den Wintern 1996+1997 und 2010+2011.
Die Anzahl der Frosttage lag mit 29 wiederum ziemlich genau im Mittel von 1991-2020 (30). Mit -18,7 °C wurde das tiefste Minimum in zwei Metern Höhe seit Jahresbeginn 2009 (-19,8 °C am 7. und 19,5 °C am 6. Januar) gemessen, für den Standort Bevern war es der dritttiefste Wert seit Inbetriebnahme der Station im Sommer 2006. Fünf Zentimeter über dem Erdboden oder vielmehr über der Schneedecke gab es mit -24,8 °C sogar einen neuen Standortrekord.

Die Niederschlagssumme war mit 184,9 mm über 13% niedriger als im Schnitt der letzten 30 Jahre. Mit 16 Schneedeckentagen verzeichnete Bevern die höchste Anzahl im meteorologischen Winter seit acht Jahren, die Höhe von bis zu 25 cm innerhalb einer Reihe von Tagen um oder über 20 cm Schnee bedeutet zugleich den schneereichsten Abschnitt seit Januar 1987.

Beim Sonnenschein konnte der Endspurt im Februar die trüben Monate Dezember und Januar nicht mehr ganz kompensieren: Mit knapp 142 Stunden wurde das Klimamittel seit 1991 geringfügig um rund sechs Stunden oder vier Prozent verfehlt.

Deutlich mehr Schnee als zuletzt

Rückblick auf den Winter 2021 im Hochsolling

Nach drei mehr oder weniger ausgefallenen Wintern ohne Wintersportmöglichkeiten hatte der Jahrgang 2020/2021 wieder mehr zu bieten – doch diesmal sorgte die Corona-Pandemie dafür, dass die Ausflugsziele in und um Neuhaus und Silberborn nur eingeschränkt besucht und genutzt werden konnten. Mit 47 Schneedeckentagen wurde in Silberborn auf 430 m exakt die Anzahl von vor vier Jahren erreicht, auch diesmal konzentrierte sich die weiße Phase im Hochsolling auf die Zeit von Anfang Januar bis Mitte Februar, wobei es anders als 2017 mehrere Tauwetterphasen gab, so dass sich die Abschnitte mit Schnee auf mehrere Etappen verteilten. Mit bis zu 45 cm wurden dabei selbst in dieser immer noch recht schneereichen Region zuletzt nicht mehr erreichte Höhen gemessen. Nach Februarmitte zog aber auch hier der Vorfrühling mit Macht und ungewöhnlicher Wärme ein – inklusive eines neuen Rekords bei den Tageshöchstwerten mit 16,3 °C am 24. Februar. Zuvor hatte es strengen Nachtfrost bis -18,0 °C gegeben.

Mit einer Mitteltemperatur von 0,82 °C war es an der in Kooperation mit dem Wetterdienstleister DTN (früher MeteoGroup und meteomedia) im Kurgarten von Silberborn betriebenen Station, die die frühere DWD-Messreihe (bis 2008) bei den Temperaturen homogen fortschreibt, um 0,5 Kelvin wärmer als im aktuellen Klimamittel der Jahre 1991-2020. Gegenüber dem früheren Referenzmittel der Periode 1961-1990 betrug die Abweichung knapp +1,7 K.
Auf einen weitgehend milden und fast schneelosen Dezember folgten ein recht kalter und schneereicher Januar und ein Februar mit zwei extrem unterschiedlichen Gesichtern. Hochwinterlich mit Schnee satt und Dauerfrost erinnerte vor allem die zweite Februarwoche an bereits vergessen geglaubte Zeiten, mit bisher unbekannter Wärme schlug das Pendel nur eine Woche später noch kräftiger in die andere Richtung aus.

Die Niederschlagsbilanz fiel mit 232,2 mm bescheiden aus, das Defizit gegenüber dem Mittel der letzten 30 Jahre betrug immerhin 19% – und das nach drei Jahren in Folge, in denen die Sollingwälder vor allem durch lange trockene Phasen Schaden genommen hatten. Auch wenn für die Vegetation die Niederschläge im Frühjahr und Sommer von größerer Bedeutung sind als im Winter, sind dies keine guten Nachrichten für die aufgrund des hohen Fichtenbestandes vom Klimawandel besonders betroffene Region. Der Forstwirtschaft bleibt nur die Hoffnung auf ein möglichst nasses Frühjahr, ansonsten drohen weitere Trockenschäden und eine erneute Borkenkäferplage. Doch zuletzt waren gerade die Frühlingsmonate oft überwiegend hochdruckgeprägt.

Zwischen Kältewelle und Wärmerekorden lagen nur wenige Tage

Viel Schnee und extreme Temperaturen kennzeichneten den Februar 2021

Blickt man nur auf die Monatstemperatur an der Klimastation des DWD in Bevern, war der Februar 2021 zwar etwas kälter als im Mittel der letzten 30 Jahre, aber alles andere als auffällig. Doch hinter der vermeintlichen Durchschnittskost verbergen sich extreme Witterungsphasen, die es in so rascher Abfolge noch nie gegeben hat seit Beginn der lokalen Wetterbeobachtungen. Auf Strengfrostnächte bis fast -20 Grad und Schneehöhen, wie sie zuletzt vor 34 Jahren gemessen wurden, folgte fast nahtlos der wärmste bisher in einem Februar registrierte Abschnitt mit einem neuen Monatsrekord von 19,3 °C. Zwischen Dauerfrost und dem Überschreiten der 15-Grad-Marke lagen ganze sechs Tage. Dazu war es etwas trockener und deutlich sonniger als im klimatologischen Durchschnitt.

Mit einer Monatstemperatur von 1,36 °C war der Februar 2021 an der DWD-Station in Bevern um knapp 1,1 K kälter als das Mittel der aktuellen Klimaperiode 1991-2020. Sah es zwischenzeitlich sogar nach einem sehr kalten Monat aus mit dem Potenzial, der kälteste seit 1986 zu werden, wendete sich das Blatt nach Monatsmitte deutlich. Die Aufholjagd endete exakt auf dem Niveau des Durchschnitts der Jahre 1961-1990 und sorgte dafür, dass der Monat im Vergleich zu den letzten 30 Jahren im unteren Mittelfeld landete.
An der DTN-Station in Silberborn war es, wie es sich für den Hochsolling gehört, zwar bei den absoluten Werten noch etwas kälter, im Vergleich zum dortigen Klima allerdings ein ganzes Stück milder: Die im Kurgarten gemessene Monatsmitteltemperatur lag mit 0,7 °C um 0,3 K über dem jüngeren Klimawert ab 1991 und um 1,5 K über dem älteren der Jahre 1961-1990. Hauptgrund dafür waren weniger eisige Nächte als im Wesertal, wo sich die schwere Kaltluft besser sammeln und länger halten konnte. Auch während der sehr milden Phase kurz vor Monatsende blieben die Nächte im Solling wärmer als in den Niederungen.

Nach noch milden Tagen zu Monatsbeginn legte der Winter im Laufe des ersten Wochenendes so richtig los: Dauerfrost und Schneeverwehungen verwandelten die Region in wenigen Stunden in eine hochwinterliche Landschaft mit entsprechenden Verkehrsbehinderungen und einzelnen Straßensperren. Teils türmten sich die Schneewehen auf über 2 Meter Höhe und ließen auch den Räumfahrzeugen keine Chance. Offiziell nach meteorologischen Standards wurden zu Beginn der zweiten Woche bis zu 25 cm an der Klimastation in Bevern gemessen und bis 45 cm im Kurgarten von Silberborn. An den meisten anderen Stationen des DWD im Kreis waren es um 30 cm, in Ottenstein sogar fast 40 – dort hatte der Wind seine Hand kräftig im Spiel. Je nach Standort war es die höchste Schneedecke seit elf oder im Falle von Bevern sogar seit 30 Jahren, als letztmals an der Holzmindener Vorgängerstation 25 cm gemessen wurden. Während diese Höhe im Februar 1991 aber eine Eintagsfliege blieb, lagen diesmal an acht Tagen in Folge mindestens 18 cm, so dass man weitere vier Jahre in den Januar 1987 zurück muss, um ein vergleichbares Schneeereignis in der Klimareihe Bevern/Holzminden zu finden.

Ursache für den kräftigen Wintereinbruch war eine Strömungsumkehr auf nordöstliche Richtung quasi durch die „Hintertür“ über eine südliche Westlage. Dabei ist die atlantische Frontalzone, auf der die Tiefdruckgebiete in der Regel von West nach Ost ziehen, deutlich nach Süden verschoben. Die Tiefs ziehen also statt über Skandinavien hinweg durchs Mittelmeer und können anschließend auf ihrer Nordseite kalte Luft aus Osten anzapfen. Gesellt sich dann noch ein kräftiges Hoch über Skandinavien hinzu, entsteht die für Mitteleuropa winterlichste Großwetterlage.  
In der zunächst noch feuchten Luft konnten sich die Schneefälle bilden, die am Samstagabend einsetzten und bis in den Montag anhielten. Der eisige und böige Nordostwind tat sein Übriges zum winterlichsten Witterungsabschnitt seit vielen Jahren. Anschließend ließen Niederschläge und Wind nach und die Wolkenlücken wurden größer, was zu mehr Sonnenanteilen tagsüber und sehr strengem Frost in der Nacht und den frühen Morgenstunden führte mit Tiefstwerten von bis zu -18,0 °C in Silberborn und -18,7 °C in Bevern, jeweils in zwei Metern Höhe gemessen. Fünf Zentimeter über der Schneedecke wurden in Bevern sogar fast -25 Grad erreicht – der tiefste Wert an diesem Standort seit Inbetriebnahme 2006.  

Doch so schnell und heftig der Winter aus Nordosten gekommen war, so rasch wurde er anschließend mit Beginn der zweiten Monatshälfte wieder verdrängt, zunächst von einer Westströmung, in der mildere Luft in der Höhe mit Regen auf die noch gefrorenen Böden traf und gebietsweise für gefährliches Glatteis sorgte. Später stellte sich mit einer Südwest- bis Südlage sogar der wärmste bisher in einem Februar beobachtete Witterungsabschnitt ein. Nur sechs Tage nach dem letzten Dauerfrosttag kletterten die Werte am 20.02. in Bevern erstmals über die 15-Grad-Marke – und sollten sich sechs Tage lang auf einem Niveau halten, das dem Durchschnitt von Ende April/Anfang Mai entspricht. Am 23. wurde der erst zwei Jahre alte Rekord von 18,5 °C eingestellt und tags drauf um fast ein Grad übertroffen. Auch in Silberborn gab es mit 16,3 °C einen neuen Februarrekord.

Die Temperaturspanne zwischen dem tiefsten Minimum und höchsten Maximum betrug in Bevern 38,0 Kelvin und lag damit so hoch wie nie zuvor innerhalb eines Monats seit Aufzeichnungsbeginn. Zwar ist der Februar für seine großen Schwankungen bekannt, aber solche aufeinanderfolgenden Extreme waren bisher nicht dokumentiert. An den DWD-Stationen Mühlhausen und Dachwig in Thüringen lag diese Spanne sogar bei jeweils 45,6 Kelvin!

Zu Beginn der letzten Woche zeigte sich ein weiteres Wetterphänomen, das bei Südlagen gern einmal auftritt: Saharastaub wurde bis nach Mitteleuropa verfrachtet und trübte die Atmosphäre, was zu vorübergehend gedämpfter Sonneneinstrahlung und ungewöhnlichen Himmelsfärbungen führte. Hatte sich die Sonne in der ersten Monatsdekade noch sehr schwer getan, zeigte sie sich anschließend regelmäßiger und länger, an mehreren Tagen blieb es sogar weitgehend wolkenlos. Unterm Strich stand mit 93 Stunden ein sonnenscheinreicher Monat, in dem das Klimamittel um 37% übertroffen wurde.

Kranichzug vor von Saharastaub verdunkelter Sonne (Foto: Annette Mokross)

Beim Niederschlag hingegen steht ein Minus im Vergleich zum 30-jährigen Durchschnitt: Regen und Schnee ergaben in Summe in Bevern mit 54,2 mm und in Silberborn mit 73,4 mm jeweils nur rund 90% vom Klimawert. An zwölf Tagen lag in Bevern Schnee, das hatte es zuletzt im Januar 2013 gegeben; in Silberborn an 15 Tagen – dort hatte bereits der diesjährige Januar mehr zu bieten, jedenfalls bei der Anzahl der Schneedeckentage. Die zwischenzeitlich gemessenen 45 cm sind aber auch im Solling längst kein Standard (mehr).

Titelbild: Annette Mokross

Faszination Winterlandschaft

Annette Mokross aus Polle hat die hochwinterliche Phase in der ersten Februarhälfte mit der Kamera eingefangen – und an der Weser faszinierende Motive festgehalten. Wer weiß, wann es wieder einmal so aussehen in der Region?

Herzlichen Dank , dass diese Auswahl hier gezeigt und genossen werden darf – mit einem Klick auf eines der Fotos öffnet sich die Galerie mit Darstellung in voller Größe:

Bisher unbekannte Februarwärme

Neuer Monatsrekord beim Tageshöchstwert an der DWD-Station Bevern

Der Durchzug einer Kaltfront beendete in der Nacht zum Freitag den außergewöhnlich milden Witterungsabschnitt, der sich fast nahtlos an die vorausgegangene Kältewelle angeschlossen hatte. Mit 19,3 °C wurde am Mittwoch (24.02.) ein neuer Rekord beim Tageshöchstwert in einem Februar für die Zeitreihe 2323 Bevern/Holzminden aufgestellt, der vorherige Spitzenwert stammte vom 27.02.2019 mit 18,5 °C und hielt nicht einmal zwei Jahre. Zudem gab es erstmals in einem Februar eine Serie von sechs Tagen in Folge mit einem Maximum oberhalb der 15-Grad-Marke, davon vier über 18 °C.
Beim Tagesmittelwert fiel die Bilanz weniger spektakulär aus, aufgrund des Hochdruckeinflusses mit nächtlicher Ausstrahlung betrug dieser in der Spitze „nur“ 11,2 °C am Donnerstag (25.02.) – ein ganzes Stück entfernt vom offiziellen Rekordwert vom 14.02.1958 mit 13,8 °C. Womöglich war es Anfang Februar 2004 während der Messlücke noch etwas wärmer.

Unter dem Strich heben sich die beiden extrem temperierten Phasen des heute zu Ende gehenden Monats fast gegeneinander auf. Der Februar 2021 dürfte mit 1,3 °C sehr nahe am Klimamittel der Periode 1961-1990 abschließen, gegenüber dem aktuellen Durchschnittswert der Jahre 1991-2020 wird aber ein Minus von voraussichtlich -1,1 K übrig bleiben. Damit gehört er zu den kälteren der letzten 30 Jahre (elf waren kälter, 18 wärmer), ohne bei der Mitteltemperatur auffällig zu werden. Der Februar 2021 zeigt damit besonders deutlich, wie wenig die reine Durchschnittstemperatur über den Verlauf im Detail aussagt.

So früh so warm wie noch nie

Zwischen Dauerfrost und Tagesrekord lagen nur wenige Tage

Lagen am vergangenen Sonntag (14.02.) bei Dauerfrost noch 20-35 cm Schnee in der Region, hat sich nicht einmal eine Woche später der Vorfrühling durchgesetzt. Und zwar mit Macht: Mit 18,1 °C wurde es an der DWD-Station in Bevern so warm wie noch nie an einem 21. Februar seit Tageswerte vorliegen (1951). Lediglich am 27.02.2019 war es mit 18,5 °C noch etwas wärmer. Nie zuvor war es also so früh im Jahr so warm wie gestern. Der bisherige Höchstwert an einem 21.02. hatte zuvor 16,6 °C betragen, das Maximum der ersten drei Februarwochen stammte vom 04.02.2004 mit 16,7 °C.

Damit schreibt dieser Februar in doppelter Hinsicht Wettergeschichte: Nur wenige Tage nach der markanten Kältewelle (der kräftigsten seit neun Jahren) mit Minima bis -18,7 °C sorgen nun Extremwerte auf der warmen Seite dafür, dass die Spanne zwischen dem Tiefst- und dem Höchstwert des Monats aktuell bei außergewöhnlichen 36,8 Kelvin liegt.

Und der gestrige Tag war keine Eintagsfliege – vielmehr reiht er sich in eine Serie von ungewöhnlichen warmen Tagen mit Höchstwerten ein, die dem Durchschnitt von Ende April/Anfang Mai entsprechen. Bis Donnerstag soll sich die frühe Wärme noch halten, bevor es zum Wochenende wohl (deutlich) abkühlt. Ein Winterrückfall ist aber derzeit nicht in Sicht. Heute allerdings könnten sich die Vorhersagen mit bis 17 °C als etwas zu hoch erweisen: Saharastaub, der die Atmosphäre trübt und die Sonneneinstrahlung bremst, hat sich über Nacht von Süden her ausgebreitet und dürfte auch die Region in den nächsten Stunden erreichen.

Bilanz der Kältewelle

Kürzer, aber intensiver als vor neun Jahren

Mit dem Überschreiten des Gefrierpunkts an diesem Vormittag endet im Holzmindener Oberwesertal sowohl der Dauerfrost als auch die Kältewelle, die die Region gut eine Woche fest im Griff hatte, bevor sie nun überraschend schnell deutlich milderer Luft Platz machen muss. Derzeit sieht es sogar nach dem ersten Vorfrühlingshauch im Laufe des kommenden Wochenendes aus, doch das bleibt erst noch abzuwarten. Aktuell ist in der Übergangsphase mit bei noch kalter Grundschicht und gefrorenen Böden mit einer gefährlichen Glatteislage zu rechnen. Die entsprechende Vorabinformation des DWD wurde am Vormittag zur Warnung hochgestuft.

Zeit für eine Bilanz der Werte an der DWD-Station Bevern:
Die aktuelle Kältewelle dauerte acht Tage vom 07.-14.02.2021. Dabei gab es acht Eistage, zugleich die ersten des meteorologischen Winters, mit Maxima zwischen -6,6 und -0,8 °C. Die in diesem Zeitraum erzielte Kältesumme beträgt 77,6 K. Bei den Minima gab es fünf Strengfrostnächte, vier davon mit sehr strengem Frost mit bis zu -18,7 °C, die drei kältesten Nächte lagen mit 18,5-18,7 °C sehr nahe beieinander. Bei der Zählung nach Klimatagen waren es sechs Tage mit sehr strengem Frost in Folge (-16,0 bis -18,7 °C). Mit bis zu -24,8 °C gab es am Standort Bevern neue Rekorde bei den TEmin. Die tiefste Tagesmitteltemperatur betrug -12,8 °C, fünf Tage blieben unter -10 °C.

Zum Vergleich: Die Kältewelle von Ende Januar bis kurz vor Mitte Februar 2012 brachte eine Kältesumme von 121,7 K und 15 Eistage in Folge mit Maxima von -6,4 bis -0,4 °C. Damals gab es elf Strengfrosttage nacheinander, davon aber nur zwei mit sehr strengem Frost und ein absolutes Minimum von -17,0 °C.
Damals lag so gut wie kein Schnee (nur an drei Tagen jeweils 1 cm, diesmal dagegen bis 25 cm und seit acht Tagen mindestens 18 cm), was ein noch tieferes Absinken der Nachtwerte verhinderte. Das sieht man auch an den 5cm-Werten, die vor neun Jahren „nur“ bis -19,0 °C sanken. Bei den Tagesmittelwerten gab es 2012 bis zu -11,4 °C und ebenfalls fünf Tage unter -10 °C.

Die aktuelle Monatstemperatur beträgt derzeit -3,9 °C, das sind -5,9 K weniger als im Mittel von 1991-2020 für die erste Februarhälfte. Zugleich wird es der Tiefpunkt für diesen Monat gewesen sein.
2012 setzte die Kälte deutlich früher ein und endete zwei Tage früher, damals gab es ein Verlaufstief von -10,1 °C nach der ersten Woche und nach dem 14. (nicht ganz Monatsmitte, weil Schaltjahr) waren es -7,6 °C.

Somit spricht sehr viel dafür, dass der Februar 2021 vor Ort weniger kalt ausfällt als 2012, zumal sich die Milderung nun doch rascher und deutlicher durchsetzen dürfte als es noch vor einigen Tagen aussah.

Beim Schnee wird es nun auch abwärts gehen, doch hier kann man auf einen noch außergewöhnlicheren Abschnitt zurückblicken (und ein bisschen dauert es ja auch noch, bis alles getaut ist). Heute Morgen wurden aus Bevern immer noch 18 cm gemeldet, es ist der achte Tag in Folge, der mindestens diese Höhe erreichte, zwischenzeitlich waren es sogar 25 cm. Ein solches Schneeereignis gab es lange nicht in den Niederungen der Region, im Januar 2013 waren es zwölf Schneedeckentage in Folge bei allerdings nur maximal zehn Zentimetern. Sucht man gezielt nach mindestens acht Tagen mit mindestens 18 cm, wird man sogar erst sogar erst im Januar 1985 wieder fündig. Zugegeben: Etwas viel Zahlenspielerei, denn insgesamt brachten alle Wintermonate des Jahres 2010 – Januar, Februar und Dezember – längere Abschnitte mit einer wenn auch etwas geringeren Schneedecke.

Wenn der Winter Ernst macht …

Hochwinterliche Phasen sind seltener geworden – aber kaum weniger intensiv

Die Elektronik kann vieles automatisch, aber wenn es Winter wird, ist nach wie vor die Tätigkeit des ehrenamtlichen Wetterbeobachters gefragt. Zu deren verbliebenen Aufgaben für den Deutschen Wetterdienstes (DWD) zählen vor allem das Messen und Melden der Schneehöhe am Morgen sowie im Falle einer Schneedecke das Verschieben des Bodentemperaturfühlers auf die vorgeschriebene Höhe von 5 cm über Grund. Liegt also Schnee, muss er entsprechend höher positioniert werden, da es sonst zu Verfälschungen der Messungen kommt – und zwar markanten, denn ein im dicken Schnee vergrabener Sensor ist gut geschützt vor der Kaltluft, die er eigentlich messen soll.

Dass an der einzigen Klimastation mit Temperaturmessung im Kreis alles zuverlässig seine Ordnung hat, dafür sorgt seit fast 15 Jahren Manfred Springer aus Bevern. Und so konnte „seine“ Station am frühen Mittwochmorgen einen neuen Kälterekord in fünf Zentimetern über der 25 cm hohen Schneedecke melden: -24,1 °C. Ein Blick auf die Temperaturkarte der DWD-Stationen zeigt leider auch: Anderswo funktioniert es nicht mehr richtig. An den Hauptämtern in Alfeld und Lügde-Paenbruch beispielsweise, an denen sogenannte „Vollautomaten“ am Werk sind und kein Personal zur Verfügung steht, lagen diese Temperaturfühler gut eingemummelt im Schnee und meldeten nur ganz leichten Frost von -0,8 bzw. -2,1 °C.

Solche gegen die eigenen Vorschriften verstoßenden und wertlosen Messwerte sind nicht das einzige Problem, dass der DWD bei winterlichem Wetter hat. Auch die automatische Messung der Schneehöhen mittels Laserpunktmessung auf einer kleinen Steinplatte gerät schon an vielen Tieflandstationen zum Glückspiel, vor allem dann, wenn Wind im Spiel ist und wie am ersten Februarwochenende den frischen Schnee verweht. An Bergstationen sind diese Lasermessungen meist völlig unbrauchbar und werden bisher auf exponierten Gipfeln auch gar nicht erst versucht, was dazu geführt hat, dass nach Abzug des letzten verbliebenen Beobachters von Norddeutschlands höchstem und schneereichsten Berg, dem Brocken, seit Dezember 2020 gar keine Schneehöhen mehr vorliegen.

Dazu kommt ein Ausdünnen des Messnetzes gerade im Bereich der reinen Niederschlagstationen in den letzten 30 Jahren, wobei der Landkreis Holzminden dank einiger neu hinzugekommenen Standorte wie Hehlen und Hellental noch vergleichsweise gut aufgestellt ist mit insgesamt fünf dieser Stationen, an denen nur Niederschlag (teils automatisch, teils von Hand) und Schneehöhe (nur von Hand) gemessen werden. Dazu kommen die angrenzenden Stationen in Bodenfelde-Amelith und Höxter-Lüchtringen. Doch gerade an so klimatisch komplexen Mittelgebirgszügen wie Hochsolling, Ith oder Hils verzichtet der DWD völlig auf Wetterbeobachtungen. Auch Verlegungen und Schließungen von Stationen, wenn ein Ehrenamtler seine Arbeit beendet und kein Nachfolger gefunden werden kann oder die Standortbedingungen die Anforderungen nicht mehr erfüllen erschweren einen Vergleich der aktuellen Hochwinterphase mit früheren. Doch auch mit diesen Einschränkungen lohnt ein Streifzug durch ausgesuchte Winter zurück bis ins Jahr 1929:

2009/2010: Als es plötzlich kein Streusalz mehr gab
Die letzten Winter, die als „zu kalt“ in die Klimastatistik eingingen, sind bereits mindestens zehn Jahre her. Genau genommen waren es drei am Stück, denn bereits im Januar 2009 hatte sich der Winter nach zwei zuvor außergewöhnlich milden Exemplaren mit knackiger Kälte zurückgemeldet. Am 7. Januar erreichte die Tiefsttemperatur in Manfred Springers Garten, gemessen in zwei Metern über dem Erdboden, den bis heute für diesen Standort gültigen Rekordwert von -19,8 °C. Auf fünf Zentimetern Höhe waren es sogar -23,6 °C, diese Marke hatte gut zwölf Jahre Bestand und wurde nun am vergangenen Mittwoch unterboten. Im Vergleich der Schneehöhen nahmen sich die maximal zehn Zentimeter jenes Januars aber recht bescheiden aus.

Kälteeinbruch Anfang Januar 2009: Nach langer Zeit trug die Weser wieder Eis (Foto: Archiv TAH, Frank Müntefering)

Fast so kalt wurde es 2009 noch einmal kurz vor Weihnachten mit -17,4 °C bzw. -19,9 °C in Bevern, dazu lagen bis 9 cm Schnee, von denen sich ein Rest bis Weihnachten retten konnte, bevor vorübergehend Tauwetter die Oberhand gewann. Doch an Silvester fiel weißer Nachschub und die neue Schneedecke hielt fast drei Wochen lang und wuchs auf bis zu 19 cm an – bis zum vergangenen Dienstag war dies der höchste in Bevern gemessene Wert. Und auch der zweite Versuch des Tauwetters blieb nur von kurzer Dauer: Ab 25.01. lag erneut Schnee – diesmal für 31 Tage am Stück – die bisher längste Serie am Standort Bevern. Doch selbst mit Beginn des Frühjahrs hatte der Winter noch nicht genug und setzte ab 6. März noch einmal nach mit neuen ergiebigen Schneefällen. Streusalz war da schon längst Mangelware und wurde zu teils horrenden Preisen verkauft. Die Vorräte waren weitgehend aufgebraucht, nach den milden und quasi schneelosen Wintern zuvor hatte man, wie sich nun herausstellte, zu knapp kalkuliert.

Nach dieser Erfahrung wurden im Herbst größere Vorräte angelegt, was sich schnell als richtig herausstellen sollte. Denn Ende November schaltete das Wetter von zuvor sehr mild kurzerhand auf Hochwinter um. Der Dezember schrieb vor allem in Norddeutschland Wettergeschichte, so auch in der Region: Mit 29 Schneedeckentagen in Bevern war es der schneereichste Dezember im Oberwesertal seit Aufzeichnungsbeginn, und mit einer Monatstemperatur von -3,8 °C wurde nicht nur eine Abweichung von -5,6 K zum Klimamittel der Jahre 1961-1990, sondern auch der zweitkälteste Dezember seit Beginn der lokalen Wetterbeobachtungen 1934 registriert. Nicht einmal eine Woche später, an Heilig Drei König 2011, beendete ein markanter Vorstoß milder Luft vom Atlantik diesen fünf Wochen langen Hochwinterabschnitt – und zwar nachhaltig, denn die Gesamtbilanz des Winters 2010/11 landete mit 0,1 °C Mitteltemperatur im gemäßigt kalten Bereich. Damit blieb der vorausgegangene Winter 2010 mit -0,65 °C der kälteste dieses jüngsten Kaltwinterblocks von 2009-2011 und zugleich der kälteste der letzten 25 Jahre.

Und – hätten Sie’s gewusst? – das Jahr 2010 belegt mit insgesamt 89 Schneedeckentagen sogar den Spitzenplatz der Zeitreihe Holzminden/Bevern seit Aufzeichnungsbeginn dieses Parameters 1951!

Einer von 89 Schneedeckentagen im Jahr 2010 in Holzminden

1995/96: Wenig Schnee, aber sehr kalt
Man muss tatsächlich 25 Jahre zurück, um den bis heute letzten richtig kalten Winter aufzuspüren. Ein Winter, der interessanterweise in vielen Rückblicken und Erinnerungen kaum eine Rolle spielt. Vielleicht liegt es daran, dass er sehr trocken ausfiel und daher für einen kalten Winter recht wenig Schnee brachte. Milde Abschnitte blieben fast völlig aus und mit -1,8 °C war es tatsächlich der kälteste Winter der letzten 50 Jahre. Auf seinen Verlauf wollen wir demnächst in einer gesonderten Analyse ausführlich zurückblicken.

Wesereis im Winter 1996 (Archiv TAH, Foto: Dieter Telp)

1985-1987: Das „Kaltwintertriple“
Der Herbst 1987 markiert wie wir heute wissen den messbaren Beginn des Temperaturanstiegs in Deutschland im Zuge der globalen Erwärmung. Zuvor waren kalte und schneereiche Winter noch deutlich häufiger anzutreffen. Die drei Exemplare von 1985-1987 werden oft als „Kaltwintertriple“ bezeichnet und stehen in deutlichem Kontrast zum nachfolgenden „Mildwintertriple“ der Jahre 1988-1990. Dabei war keiner der drei Winter von 1984/85 bis 86/87 durchgehend kalt, vor allem die Dezember verliefen überwiegend mild. Doch alle drei hatten anschließend ihre markanten eisigen Abschnitte.

Der Januar 1987 brachte am 14. mit -23,5 °C den zweittiefsten Wert der Messreihe Holzminden/Bevern (Tageswerte seit 1951), noch kälter war es nur am 16.02.1956 mit -23,7 °C.  Auch der Höchstwert jenes Tages von -14,2 °C rangiert auf Platz zwei hinter dem 01.02.1956 (-15,0 °C). Dazu gab es bis 25 cm Schnee am damaligen Stationsstandort Holzminden-Bergblick und mit -5,7 °C Durchschnittstemperatur war es der zweitkälteste Nachkriegsjanuar hinter dem von 1963. Nach vorübergehender leichter Milderung im Februar schlug der Winter noch einmal kräftig zu und sorgte für den kältesten März seit Aufzeichnungsbeginn.
In Silberborn gab es damals mit 85 Schneedeckentagen am Stück eine der längsten Serien in der Wettergeschichte des Sollings, sie begann am 3. Januar und dauerte bis 28. März, in der Spitze wurden 58 cm gemessen und selbst zum kalendarischen Frühlingsbeginn am 21.03. lagen satte 42 cm. Die Tiefstwerte des Januars erreichten nicht ganz das Niveau aus Holzminden, ein immer wieder beobachteter Effekt im Winterhalbjahr, da sich die schwere Kaltluft bei Hochdrucklagen im Wesertal besser sammeln kann.
1986 war es der Februar, der für klirrende Kälte in einem bis dahin milden Winter sorgte. An der Holzmindener Station herrschte ab dem 3. durchgehend Dauerfrost, die Mitteltemperatur lag mit -6,2 °C um 7,6 K unter dem Klimawert – so kalt wurde bis heute kein Monat mehr. In Silberborn waren es sogar -8,0 °C.
1985 präsentierte sich wiederum der Januar am winterlichsten: Bis 30 cm Schnee lagen in Holzminden und sogar bis 70 in Silberborn. Eine Milderung zum Monatsende sorgte dafür, dass es mit -4,7 °C bzw. -6,0 °C nicht ganz so kalt wurde wie 1987. Dafür schloss sich im laufe des Februars noch eine weitere Phase mit Dauerfrost und sehr strengen Nachtfrösten an.

1981: Viel Schnee und tiefweiße Weihnachten
Der Januar 1981 war nicht besonders kalt, dafür aber äußerst schneereich: 27 Schneedeckentage mit bis zu 29 cm in Holzminden und sogar bis 71 cm an der damaligen Sollingstation in Neuhaus spielen ganz oben in den Hitlisten mit, im Solling gab es wieder eine lange Serie von 63 Schneetagen in Folge bis in den März. Und der Dezember sorgte nicht nur für Platz 3 bei der Jahressumme der Schneedeckentage (77) in Holzminden, sondern auch für eines der sehr seltenen richtig weißen Weihnachtsfeste im Wesertal: 28 cm lagen an Heilig Abend, 30 an den beiden Feiertagen – bis heute klarer Rekord. In Neuhaus waren es an Weihnachten 43 cm und in der Jahresbilanz imposante 109 Schneedeckentage.

1978/79: Der Katastrophenwinter
An den Winter vor 42 Jahren wurde erst kürzlich wieder in verschiedenen Dritten Programmen erinnert, die sehenswerten Dokumentationen sind noch bis in den März z. B. in den Mediatheken des NDR und MDR verfügbar. Daher seien hier nur die bis heute höchste Schneedecke der Zeitreihe Holzminden-Bevern von 49 cm am 17.+18.01. und die zweitlängste Schneephase hinter 1962/63 im Oberwesertal von 64 Tagen in Folge hervorgehoben (31.12.-04.03.), im Solling waren es in Neuhaus sogar 84 Tage am Stück. Von den schweren Folgen des Schneesturms, der in Nord- und Ostdeutschland zum Jahreswechsel und den ersten Januartagen teils Infrastruktur und Versorgung zusammenbrechen ließ und vermutlich 35 Menschenleben kostete, blieb die Region aber verschont.

Aus dem Familienalbum: Im Januar 1979 fanden die Fußballspiele auch bei Schnee statt

1969/70: So kalt war seither kein Winter mehr
Mit einer Durchschnittstemperatur von -2,4 °C war es der drittkälteste Nachkriegswinter hinter 1963 und 1947.  Der Dezember 1969 war mit -4,2 °C an der Station Holzminden sogar der kälteste seit Aufzeichnungsbeginn 1934. Ab dem 9.12. lag Schnee, der sich 54 Tage bis zum 31. 01. halten konnte, weitere Schneephasen folgten nicht nur im Februar, sondern auch noch in den Frühjahrsmonaten März und April, die beide ungewöhnlich kalt ausfielen. Der vorausgegangene Winter war weniger kalt, hatte im Februar 1969 aber mit bis 36 cm die zweithöchste bisher in Holzminden und Bevern gemessene Schneedecke gebracht. Im Solling fanden zu dieser Zeit leider keine Wetterbeobachtungen statt.

1962/63: Der strengste Winter seit Aufzeichnungsbeginn
Der legendäre Eiswinter begann zunächst mild und startete ein paar Tage vor Weihnachten durch. Der erste Eistag an der Station Holzminden wurde am 20.12.1962 gemessen, 56 weitere sollten bis zum Ende des meteorologischen Winters folgen. An der damaligen Hochsolling-Station in Torfhaus waren es sogar 69 Tage mit Dauerfrost. In der Stadt begann am 21.12. mit sehr dünner Auflage von zunächst nur einem Zentimeter die längste ununterbrochene Schneedecke der Zeitreihe bis heute (75 Tage bis zum 05.03.1963), die maximale Höhe blieb mit bis zu 18 cm aber überschaubar. Auch hier zeigt sich: die kältesten Winter brachten oft nur recht geringe Niederschlagsmengen. In Torfhaus auf fast 500 m Höhe ging es mit der Schneedecke bereits am 14.12.1962 los, sie wuchs auf zwischenzeitlich bis zu 58 cm an und konnte sich 93 Tage bis zum 16. März halten. Die Mitteltemperaturen waren mit -4,9 °C (Holzminden) und -6,6 °C (Torfhaus) die tiefsten je erfassten in der Region, die Weser fror im Laufe der Kältewelle komplett zu.

Spaziergänge und Rodeln über die Weser im Strengwinter 1963 (Archiv TAH, Foto: Herta und Richard Ritter)
Eine Ente trotzt dem Winter 1963 auf der „Kegelbahn“ zwischen Neuhaus und Boffzen (Foto: Manfred Springer)

Eisfebruar 1956
Wer den Februar 1986 erlebt hat, mag sich kaum vorstellen, dass es noch deutlich kälter geht – doch 30 Jahre zuvor war genau das geschehen: Mit -9,3 °C (homogenisiert -9,4 °C) war es in Holzminden noch einmal über 3 K kälter, überhaupt gab es wohl nur einen Monat seit Beobachtungsbeginn, der womöglich ein noch tieferes Monatsmittel aufweist: Der Januar 1940. Klar ist das aber nicht, denn aus den Kriegsjahren liegen keine offiziellen Werte aus der Stadt vor. Auch damals war der Weg vom einen zum anderen Weserufer kurz über den hart gefrorenen Fluss. Die bis heute gültigen Temperaturrekorde stammen aus diesem Monat: Tiefstes Maximum (-15,0 °C) am 01.02. und niedrigstes Minimum in zwei Metern Höhe (-23,7 °C) sowie fünf Zentimetern (-28,3 °C) jeweils am 16.02. An der Station Torfhaus war es der kälteste Monat mit einer Mitteltemperatur von -10,4 °C der dortigen Messreihe, die mit 1937-1966 eine alles andere als warme Klimaphase umfasst.

Streng- und Hungerwinter 1947
Besonders hart wurde die notleidende Bevölkerung vom zweiten Nachkriegswinter getroffen. Schon während des Krieges waren von 1940-1942 mehrere ungewöhnlich kalte Winter aufgetreten, der Januar 1940 kam an der Station Hameln auf eine Monatstemperatur von -9,6 °C, der meteorologische Winter 1939/40 war in der Region fast so eisig wie der Rekordhalter 1962/63 (vermutlich in Holzminden nur ein Zehntelgrad „wärmer“). Waren die Winter 1943-1946 eher mild verlaufen, schlugen Schnee und vor allem eisige Kälte nun wieder voll zu – zunächst wechselten sich Strengfrost und mildere Phasen noch ab, ab der dritten Januardekade folgte einer der kältesten Abschnitte überhaupt. So lag die Mitteltemperatur vom 21.01. bis 28.02. an der Station in Torfhaus bei -9,7 °C, die Schneedecke wuchs im März sogar noch an (bis auf 58 cm) und verschwand erst mit einer deutlichen Milderung zum kalendarischen Frühlingsbeginn. Aus Holzminden liegen Tageswerte erst ab 1951 vor, man kann aber anhand der regional vorliegenden Daten ein Wintermittel von -4,5 °C errechnen – nur unwesentlich weniger eisig als 1940 und 1963. In keinem anderen meteorologischen Winter fiel der „wärmste“ der drei Monate Dezember bis Februar in der Zeitreihe Holzminden/Bevern so kalt aus wie vor 74 Jahren (Dezember 1946 mit fast -2,0 °C).

1929: Noch ein Eisfebruar
Am weitesten zurück noch in die Weimarer Republik reichen die Erinnerungen an den Februar 1929. Zwar liegen aus diesem Monat keine Wetteraufzeichnungen aus der Region vor, doch die Daten aus der Umgebung zeigen: Dieser Februar war ebenso kalt wie der des Jahres 1956. Und man staunt, dass es noch so gut erhaltene Fotos gibt, die mittlerweile 92 Jahre alt sind.

Vereiste Weser…
… und Arbeitseinsatz im Februar 1929 (Archiv E. Gümmer, TAH vom 24.02.2018)
Quelle: TAH vom 16.03.2018, Archiv Rolf Böcker)

2018: Mitteltemperaturen können täuschen
Abschließend sei ein Beispiel aus jüngster Vergangenheit dafür genannt, dass auch milde Winter die Zähne zeigen können: In der Gesamtbilanz gilt der Winter 2017/18 mit 2,5 °C alles andere als kalt, der Januar mit 4,5 °C (jeweils Stationswerte aus Bevern) sogar als sehr mild. Und doch schaffte das Wochenende nach Orkan Friederike bis fast 40 cm Schnee in Silberborn am 21.01., die allerdings auch so schnell wieder tauten wie sie gefallen waren. Und ein scharfer Kaltlufteinbruch Ende Februar brachte neben neuen Minusrekorden bei den lokalen Tageshöchstwerten sogar große Eisschollen auf der Weser zum Start ins meteorologische Frühjahr Anfang März.

35 cm Schnee im Hochmoor Mecklenbruch am 21. Januar 2018, knapp 40 cm sogar am Ortseingang – und drei Tage später war davon fast nichts mehr zu sehen
Klirrend kalt war das Finale des Winters 2018, der Start ins meteorologische Frühjahr konnte optisch kaum kälter ausfallen (Foto vom 2. März an der Weserbrücke Gieselwerder)

Fazit: Im Zuge des Klimawandels sind hochwinterliche Abschnitte seltener und kürzer geworden, wenn die Zutaten allerdings passen, stehen sie in der Intensität jenen der Vergangenheit kaum nach. Und manche Klimaforscher sehen sogar wieder eine Zunahme solcher Phasen aufgrund der deutlichen Erwärmung der Arktis und einer damit verbundenen Schwächung der Westwindzirkulation aufgrund abnehmender Temperaturgegensätze zwischen Polarregion und dem Subtropengürtel. Es bleibt also spannend beim Wetter.