Trüb, nass und erst nach Monatsmitte gelegentlich winterlich

Der Hochwintermonat Januar war auch 2023 sehr mild / Viel Regen in der ersten Hälfte

Fotos von Annette Mokross

Neuer Monat, neues Jahr und dazu „altes Wetter“ – 2023 begann dort, wo 2022 aufgehört hatte: Mit zuvor unerreichten Temperaturen. Mehrere Tagesrekorde und eine erste Monatshälfte auf durchschnittlichem Aprilniveau zeugen von einem der wärmsten Hochwinterabschnitte seit Aufzeichnungsbeginn. Dazu regnete es so ergiebig wie seit langem nicht mehr. Und ähnlich wie der Dezember hatte auch der Januar zwei sehr unterschiedliche Hälften: Nach Monatsmitte wurde es deutlich trockener und die Temperaturen passten sich der Jahreszeit an. Im Hochsolling konnte sich sogar eine Schneedecke ausbilden, in den Niederungen blieb Schnee hingegen erneut die Ausnahme. Am Himmel dominierte dazu die Farbe Grau, die Sonnenscheindauer erreichte nicht einmal ganz die Hälfte ihres Klimawerts.  

Mit einer Monatstemperatur von 4,78 °C war der Januar 2023 an der DWD-Klimastation in Bevern um 2,9 K wärmer als im Mittel der Jahre 1991-2020. Gegenüber der älteren Norm von 1961-1990 betrug das Plus sogar fast 4,4 K. Damit war es der fünftwärmste Januar in der fast 90 Jahre langen Klimareihe Holzminden/Bevern und der vierte über der Vier-Grad-Marke in den letzten sechs Jahren. Der Neujahrstag erreichte mit einem Höchstwert von 15,7 °C erneut frühlingshaftes Niveau und löste den erst vor einem Jahr aufgestellten Monatsrekord bereits wieder ab. Die ersten 15 Tage brachten es auf eine Mitteltemperatur von 8,7 °C und einen durchschnittlichen Höchstwert von 10,9 °C – beides findet man üblicherweise erst im Laufe des Aprils. Den ersten Frost gab es erst am Abend des 17. – eine frostfreie erste Januarhälfte hatte es zuvor am Standort Bevern (seit Sommer 2006) noch nie und an den Vorgängerstandorten in Holzminden nur einmal im Jahr 1975 gegeben.

Doch nach insgesamt fast vier Wochen fand auch dieser selbst für heutige Winterzeiten außergewöhnlich milde Witterungsabschnitt sein Ende und der Winter konnte, wie es die DWD-Pressestelle nicht ohne Sarkasmus formulierte, ein kraftloses Gastspiel an den Tag legen. In den Niederungen zeichnete sich dies durch häufigen, meist leichten Nachtfrost und Höchstwerte nur noch etwas über dem Gefrierpunkt aus, Dauerfrost wurde aber nicht und eine geschlossene Schneedecke nur kurz gemeldet. Der Tiefstwert von -5,6 °C lag in Bevern einerseits deutlich höher als in den meisten Jahren, reichte aber anderseits schon für die kälteste Januarnacht seit 2019.

Doch den höheren Lagen der Region sei Dank findet sich auch in Zeiten des Klimawandels fast immer noch zumindest zeitweise etwas Winter mit Schnee und Frost, so dass für eine Rodeltour nicht zwingend ein Ausflug in den Harz oder das Sauerland geplant werden muss. Und so brachte auch der Januar 2023 im Hochsolling eine Phase mit Schneedecke und leichtem Dauerfrost in der zweiten Monatshälfte.

An der DTN-Wetterstation in Silberborn fiel der Monat mit einer Mitteltemperatur von 2,2 °C zwar ebenfalls deutlich milder aus als im langjährigen Durchschnitt (+2,3 K gegenüber der Norm 1991-2020), doch reichte die Höhenlage hier für eine weitgehend winterlich anmutende zweite Hälfte. In der Nacht zum 17. ging der Regen in Schneefall über und brachte die erste messbare Schneedecke im diesem Januar, die in den Folgetagen noch etwas anwachsen konnte. Natürlich hat man im Solling schon ganz andere Schneeverhältnisse erlebt, aber der Abwärtstrend der letzten Jahre ist deutlich sicht- und messbar, so dass viele Schneehungrige aus der Region schon froh über diesen Abschnitt gewesen sein dürften. Eine erneute Milderung zum Monatsende ließ dann aber auch in den höchsten Lagen nur noch ein paar Schneereste zurück. Bis dahin gab es aber immerhin zehn Eis- und 14 Frosttage in Silberborn, wobei der Tiefstwert von -6,9 °C, zumal über einer dünnen Schneedecke, für eine Stationshöhe von fast 430 m alles andere als wirklich kalt daher kam.

Die Analyse der Großwetterlagen über Mitteleuropa zeigt für die ersten zwei Tage noch die die Rekordwärme zum Jahreswechsel verursachende Südwestlage und anschließend fast zwei Wochen tiefdruckgeprägte Westlagen. Nach Monatsmitte drehte die Strömung über Nord auf Nordost und brachte kältere und trockenere Luft, die nachfolgend unter Hochdruckeinfluss geriet und sich bis kurz vor Monatsende halten konnte, bevor eine Rückdrehung auf Nordwest mildere Nordseeluft ins Land steuerte.

Entsprechend dieser Wetterlagenwechsel fiel auch die Niederschlagsverteilung in der Region aus: Mehrere Tage mit ergiebigen Regenmengen und mehrfach Tagessummen um 20 mm ließen die erste Hälfte sehr nass ausfallen und sorgten dafür, dass das Defizit aus dem Jahr 2022 zumindest ein Stück gemindert werden konnte. Erstmals seit längerem trat die Weser wieder über ihre Ufer, der erste trockene Tag im Kreis wurde erst am 18. registriert. Doch viel kam anschließend nicht mehr nach (in Bevern beispielsweise nur noch 12 mm in den letzten 14 Tagen), so dass die Monatssummen zwar meist klar überdurchschnittlich ausfielen, aber auch nicht so üppig wie es sich zwischenzeitlich angedeutet hatte.

In Zahlen liest sich die Bilanz der ehrenamtlichen Ableser und automatisch meldenden Messstellen in der Region so: In Bevern wurde das Mittel der Jahre 1991-2020 mit 104,3 mm um 29 mm oder 38% überschritten, in Silberborn fielen 134,5 mm – ein Plus von ebenfalls fast 30 mm gegenüber dem Klimawert, was dort aber nur 28% ausmacht. Aus Polle, genauer: vom Wilmeröder Berg (270 m) wurden 115,3 mm gemeldet, aus Vorwohle im Nordosten des Kreises auf ähnlicher Höhe hingegen nur 84,7 mm. Amelith kam auf 128,7 mm, Spitzenreiter Hellental auf 139,0 mm und die Weserortschaften Lüchtringen und Hehlen auf 97,4 bzw. 94,8 mm. In Ottenstein hat der DWD in seinen Stationsdaten die Höhe auf 305 m korrigiert (zuvor waren jahrelang 295 m genannt), gemeldet wurden von dort 107,2 mm, während die Schneehöhenmessungen an diesem Standort zum Jahresende 2022 beendet wurden. An den anderen Standorten im Kreis gab es zwischen einem und vier Tagen mit Schneedecke, nur im Hochsolling konnte sich der Schnee gebietsweise länger bis kurz vor Monatsende halten.

Die Sonnenscheindauer erreichte mit ca. 22 Stunden nur knapp die Hälfte eines durchschnittlichen Januars im Zeitraum von 1991-2020, lag aber immerhin zehn Stunden über dem noch trüberen Januar 2022. Für mehr als eine Halbtagsschicht von 4 Stunden reichte es auch an den sonnigsten Tagen nicht und auch dieser Wert wurde nur zweimal erreicht. An rund der Hälfte der Tage zeigte sich die Sonne gar nicht und als „Höhepunkt“ blieb es vom 21.-27. eine ganze Woche am Stück vollständig trüb. Dunkelheit liefert der Winter also auch weiterhin mit hoher Zuverlässigkeit in der Region. Auch deutschlandweit war es mit nur 32 Stunden im Gebietsmittel ein trüber Monat, etwas freundlicher zeigten sich die Nordseeinseln mit etwas über 50 Stunden und das Alpenvorland mit rund 65 Stunden. Mit Abstand am meisten Sonnenschein gab es auf Deutschlands höchstem Berg, der Zugspitze, mit 118 Stunden.

Anders als in manch anderem milden uns nassen Januar – Stichworte Kyrill 2007 und Friederike 2018 – spielte der Wind keine wesentliche Rolle. Ein ausgewachsener Sturm blieb diesmal aus, in der Spitze wurden an den DWD-Windmessstellen um 68 km/h (Bft. 8, stürmischer Wind) an zwei bis drei Tagen in der ersten Monatshälfte erreicht.

Ein weiteres Jahr im Zeichen des Klimawandels

Hitzerekorde, sehr viel Sonnenschein, Trockenheit und ein Tornado prägten das Wetter 2022

„Erstmals steht die 11 vor dem Komma“ – so lautete die Überschrift vor zwei Jahren bei der Rückschau auf das Wetterjahr 2020 für die langjährige Klimareihe Bevern/Holzminden. Nach nur einem Jahr Verschnaufpause mit gemäßigteren Temperaturen kratzte das Jahr 2022 erneut am Wärmerekord bei der Jahrestemperatur und landete am Ende ebenfalls bei genau 11,0 °C, während in Silberborn mit 9,26 °C sogar das wärmste Jahr seit Beobachtungsbeginn im Hochsolling gemessen wurde. Dazu gab es neue Allzeitrekorde mit fast 39 Grad in den Niederungen und über 36 Grad in Silberborn am 20. Juli, 400 Stunden mehr Sonnenschein als im langjährigen Jahresmittel und erneut zu wenig Regen. Überregionale Schlagzeilen machte am 20. Mai ein Tornado, der eine Schneise der Verwüstung von Merxhausen bis Mackensen hinterließ. Mit anderen Worten: Die Auswirkungen des Klimawandels schlugen sich deutlich im Wetter des Jahres 2022 nieder. Neue Wärmerekorde weit über den bisherigen Höchstwerten zu Silvester rundeten dieses Bild exemplarisch ab.

Mit einer Jahrestemperatur von 11,0 °C war es 2022 an der DWD-Station in Bevern genauso warm wie im Rekordjahr 2020. Eine noch genauere Darstellung scheitert leider am mehrtägigen Ausfall der Elektronik im Februar, als mehrere Tageswerte nachträglich geschätzt wurden. Doch ob nun ein Hundertstel Grad mehr oder weniger – der Aufwärtstrend beschleunigt sich auch in unserer Region zunehmend, da fällt ein durchschnittlich temperiertes Jahr wie 2021 beim Blick auf die jüngste Vergangenheit bereits aus dem Rahmen. Die vier wärmsten Jahre seit Messbeginn im Sommer 1934 fallen alle in die fünf Jahre ab 2018, sieben der wärmsten zehn in die Jahre seit 2014 und die 15 wärmsten allesamt in die Zeit seit 1999.

Wie schon 2020 kam der Jahresrekord ohne neue Höchstmarken bei den Monatsmittelwerten zustande, es fehlten aber vor allem erneut deutlich zu kalte Monate im Vergleich zu den langjährigen Klimawerten, die bezogen auf die jüngste 30-Jahres-Periode 1991-2020 nur im April, September und Dezember ein Stück verfehlt wurden. Gegenüber der Periode 1961-1990 lagen sogar alle zwölf Monate im Plus – ein Novum in der bundesweiten wie regionalen Wettergeschichte. Herausragend waren neue Allzeitrekorde im Juli mit bis zu 38,7 °C am Standort Bevern sowie das neue Dezembermaximum von 18,1 °C, aufgestellt am letzten Tag des Jahres. Die Anzahl der heißen Tage mit mindestens 30 Grad Höchsttemperatur erreichte mit 20 den 3. Platz seit Messbeginn hinter 2018 und 2003. Wärmster Monat war der August mit über 20,5 °C Mitteltemperatur, am kältesten schnitt der Dezember mit 2,1 °C ab, der zugleich den einzigen längeren winterlichen Abschnitt des Jahres und mit -12,0 °C auch das Jahresminimum bei der Lufttemperatur beisteuerte.

An der Wetterstation in Silberborn muss keine Diskussion über die zweite Nachkommastelle geführt werden – dort war es mit 9,26 °C klar das wärmste Jahr seit Aufzeichnungsbeginn im Hochsolling in den 1930er Jahren. Der bisherige Rekord stammte anders als in Bevern aus dem Jahr 2018 und wurde um 0,15 K übertroffen. Auch auf fast 430 m Stationshöhe brachte der 20. Juli mit 36,3 °C einen neuen Allzeitrekord. Am kältesten wurde es am 13. Dezember mit -10,4 °C, zugleich der einzige Strengfrost des gesamten Jahres.

Der Baum des Jahres 2022 – die Rotbuche – vor frühsommerlicher Kulisse in Silberborn Ende Mai 2022. Ein typisches Bild im zweitsonnigsten Jahr seit Aufzeichnungsbeginn…

Ein kurzer Streifzug durch das Wetterjahr beginnt mit einem sehr milden Winter fast ohne Schnee und nur gelegentlich leichtem Frost, wobei der Februar mit Abstand der regenreichste Monat des Jahres wurde. Der März brachte viele Hochdruckwetterlagen mit einem neuen Sonnenscheinrekord und kaum Niederschlag, wechselhafter ging es im April zu, bevor der Mai die ersten sommerlichen Witterungsphasen brachte – inklusive eines Tornados, der am 20. in Merxhausen und Mackensen wütete, eine Reihe von Dächern abdeckte und eine alte Allee aus gestandenen Eichen zwischen den Ortschaften quasi rasierte.

Der anschließende meteorologische Sommer war der drittwärmste und sonnigste der Historie und zudem deutlich zu trocken. Immerhin einige Starkregenereignisse, so am 30. Juni in der Kreisstadt mit teils über 40 Litern in einer Stunde, polierten die Statistik zwar etwas auf, hatten aber kaum Nutzen für die zunehmend ausgetrockneten Böden. Auch der September begann sehr warm, zeigte sich in der zweiten Hälfte dann aber von seiner kühlen und herbstlichen Seite, während der Oktober im Monatsverlauf entgegen dem üblichen jahreszeitlichen Trend immer wärmer wurde. Nach dem drittsonnigsten November sorgte der Dezember für markante Kontraste mit einer hochwinterlich kalten zweiten Dekade und einer regenreichen und außergewöhnlich milden Jahresendrallye.

Doch die ergiebigen Niederschläge um die Weihnachtszeit konnten die negative Jahresbilanz kaum noch verbessern, wie ein Blick auf die Summen in der Region zeigt. In Bevern, wo wegen des Stationsausfalls im Februar kein offizieller Wert seitens des DWD verfügbar ist, errechnen sich mit 659 mm nur 83% des langjährigen Mittelwerts, in Silberborn reichten gemessene 758 mm sogar nur für 72%. Zusammen mit dem heißen und sonnigen Sommer war 2022 erneut kein gutes Jahr für den Wald in der Region. Zwar hatte das Vorjahr kaum Hitze und deutlich weniger Sonnenschein gebracht, zu trocken war es dennoch ausgefallen. Damit zeigt sich seit 2008 ein Abwärtstrend bei den Niederschlägen. Seither wurden die 30-jährigen Mittelwerte nur noch einmal überschritten (2017), alle anderen elf Jahre verfehlten den Klimawert hingegen mehr oder weniger deutlich. Dieses Fazit gilt nicht nur für die beiden genannten Standorte, sondern auch für die weiteren Niederschlagsstationen in der Region, deren Messwerte regelmäßig in den Monatsberichten aufgeführt werden.

… dessen Schattenseiten sich in den trockenen Böden zeigten wie im Hochmoor Mecklenbruch im August. Die hier heimische Moorbirke ist übrigens der Baum des Jahres 2023.

Bevor im Jahr 2024 ein neues Messverfahren beim DWD Einzug hält, wird die Sonnenscheindauer noch überwiegend mit Sonnenenergiesensoren an Masten mit meist 6-8 Metern Höhe über Grund erfasst. Diese sind weniger flächendeckend aufgestellt als Niederschlagsmesser, für die Gebiete dazwischen ohne direkte Messung, zu der auch unser Kreis gehört, wendet der DWD aus den Messwerten der Umgebung eine sogenannte Rastermittelung an. Diese ergibt für das Jahr 2022 ca. 1.922 Stunden und damit den zweithöchsten Wert seit 1951, dem Beginn der flächendeckenden Aufzeichnung der Sonnenscheindauer. In der Historie findet sich im Jahr 1959 mit 1.934 Stunden ein noch höherer Wert, allerdings ist der Vergleich wegen des gänzlich anderen Verfahrens (damals mittels Brennstreifen unter einer Glaskugel und oft nicht in ausreichender Höhe angebracht) nur bedingt belastbar. Die meisten Sonnenstunden brachte der Juni mit 288, in Relation zum Klima und der astronomisch möglichen Sonnenscheindauer stechen vor allem August (281) und März (240) hervor. Äußerst trüb blieb der Januar mit nicht einmal 13 Sonnenstunden – auf den Tag umgerechnet ergeben sich daraus ganze 25 Minuten.

Zwischen Dauerfrost und Wärmerekorden

Temperaturextreme prägten den Dezember 2022 – Regenreiches letztes Drittel

Blickt man nur auf die Mitteltemperatur des ersten meteorologischen Wintermonats, könnte man auf die Idee kommen, es habe sich um einen zwar leicht unterdurchschnittlichen, aber insgesamt unauffälligen oder sogar langweiligen Dezember gehandelt. Doch hinter diesem Glättungseffekt des arithmetischen Mittels verbergen sich zwei markant gegensätzliche Witterungsperioden: Eisig kalt mit Dauerfrost und sogar etwas Schnee präsentierte sich die zweite Monatsdekade, bevor eine 180-Grad-Kehrtwende hin zu milder West- und Südwestströmung nicht nur für ein weiteres grünes Weihnachtsfest, sondern zum Jahresende auch für erneute Wärmerekorde sorgte. Mit der Atlantikluft kam auch der dringend benötigte Regen und brachte noch ein leichtes Plus beim Monatsniederschlag. Auch die Sonne zeigte sich geringfügig länger als im langjährigen Durchschnitt.

Kalte Füße gab’s auf der Weser währen der Dauerfrostperiode in der zweiten Dekade ©A. Mokross


Mit einer Monatstemperatur von 2,13 °C war der Dezember 2022 an der DWD-Klimastation in Bevern um 0,6 K kälter als im Mittel der Jahre 1991-2020. Gegenüber der älteren Klimanorm von 1961-1990 ergab sich hingegen ein kleines Plus von 0,4 K. Damit war es immerhin der kälteste Dezember seit 2010, der seinerzeit nicht nur vorübergehend, sondern fast durchgehend hochwinterlich ausgefallen war. Nach einer mäßig kalten ersten Dekade ging es zu Beginn der zweiten in den Dauerfrostbereich, in dem die Temperaturen für acht Tage verharrten. In diese Phase fielen auch mehrere Nächte mit strengem Frost unter -10 Grad, direkt über dem Erdboden wurden fast -15 erreicht – und das alles ohne Schneedecke. Die hatte sich in den Niederungen nur kurzzeitig am Ende der ersten Woche gebildet und war noch vor dem Kaltlufteinbruch wieder abgetaut.

Die Milderung vollzog sich am 19. mit einer unfallträchtigen Glatteislage, als Regen auf die noch gefrorenen Böden fiel. Anschließend setzte eine beeindruckende „Aufholjagd“ bei den Temperaturen ein, die mit einem neuen Monatsrekord bei den Höchstwerten mit 18,1 °C am Silvestertag ihren Höhepunkt erreichte und den über 45 Jahre alten Dezemberrekord vom 24.12.1977 um volle zwei Grad hinter sich ließ. Die negative Abweichung der Monatstemperatur konnte dadurch zwar nicht mehr komplett getilgt, aber doch erheblich reduziert werden. Nach dem 18. hatte die fortlaufende Mitteltemperatur noch -1,9 °C betragen, am Ende stand mit +2,1 °C ein um vier Grad höherer Wert. Ähnlich markante Aufwärtsentwicklungen im Laufe der zweiten Monatshälfte hatte es zuletzt im Februar 2021 und beim Dezember im Jahr 2012 gegeben.

Winterliche Landschaft am Wilmeröder Berg ©Annette Mokross

An der DTN-Wetterstation in Silberborn war der winterliche Abschnitt mit deutlich mehr Schnee als im Wesertal verbunden. Am Vormittag des 5. wuchs die Schneedecke auf über zehn Zentimeter an, ein Teil davon taute rasch wieder, aber ein Rest konnte sich in die Dauerfrostphase retten, die in Silberborn sogar zehn Tage anhielt. Doch mit dem 19.12. endete auch im Hochsolling der Dezemberwinter und machte einer regenreichen und milden Wetterlage Platz, inklusive eines neuen Rekordwerts zu Silvester, der wie in Bevern die bisherige Dezember-Bestmarke um glatt 2 Grad übertraf. Der alte Rekord in Silberborn betrug 13,0 °C und stammte vom 01.12.1984. Bei der Monatstemperatur blieb mit 0,66 °C am Ende nicht einmal mehr ein Zehntelgrad vom Minus gegenüber dem Klimawert von 1991-2020 übrig. Relativ gesehen war es also oben im Solling weniger kalt als unten im Wesertal, wo sich während der Frostphase die schwere Kaltluft sammeln und es in den windschwachen und klaren Nächten noch stärker auskühlen konnte.

Die Analyse der Großwetterlagen zeigt zu Monatsbeginn eine Mischung aus tiefdruckgeprägten Nord- und Ostlagen, wobei meist geschlossene Bewölkung eine stärkere nächtliche Abkühlung verhinderte. Die anschließende hochwinterlich kalte Phase entstand im Zuge einer südlichen Westlage, was zunächst paradox klingt, vermutet man dahinter doch eher eine milde Witterung. Doch gerade in der Nordhälfte des Landes verbirgt sich dahinter vielmehr eine vorwiegende Ostwindlage, da die atlantische Frontalzone, auf der die Tiefs bei einer zonalen Zirkulationsform von West nach Ost ziehen, deutlich nach Süden verschoben ist. Dadurch ziehen die Tiefdruckgebiete durch das Mittelmeer und sorgen nördlich davon aufgrund ihrer gegen den Uhrzeigersinn gerichteten Drehbewegung für eine bodennahe Ostströmung, mit der kalte Festlandsluft nach Mitteleuropa transportiert wird. Druckanstieg über Osteuropa und eine Nordwärtsverlagerung der Frontalzone sorgten zum Ende der zweiten Dekade für eine Rückdrehung der Strömung auf Südwest und eine deutliche Milderung, auf die eine glatte klassische Westlage folgte und schließlich ein weiterer markanter Warmluftvorstoß aus Südwesten zum Monatsende.

Erst diese Umstellung sorgte im Laufe der dritten Dekade für ergiebige und dringend benötigte Regenfälle, denn bis dahin drohte auch der Dezember wie die meisten Monate des Jahres zu trocken auszufallen. Zwar brachte die Tiefdrucklage am 4. und 5. kräftige Niederschläge, teils als Regen, teils als Schnee, doch schon bald folgte mit Einfließen der kalten Festlandsluft eine längere trockene Phase. Vor allem an den beiden Tagen vor Heiligabend und am ersten Weihnachtstag wurden aber endlich die Schleusen geöffnet mit mehrfach zweistelligen Tagessummen, wobei der höchste Wert im Silberborn am 25. mit über 30 mm erzielt wurde.

Sonnenaufgang über der vereisten Weser am 17.12.2022 bei Polle ©A. Mokross

Die Monatsbilanz in der Region fiel dadurch erstmals seit längerer Zeit zumindest gebietsweise leicht überdurchschnittlich aus, ohne dass das über das Jahr hinweg aufgelaufene Defizit noch nennenswert reduziert werden konnte. In Bevern wurden 85,8 mm gemessen, immerhin ein Plus von gut 9 mm oder 12% gegenüber dem Mittel der Jahre 1991-2020. Sogar 114 mm waren es in Silberborn (+9%), Platz zwei im Umkreis geht an Hellental mit 106,8 mm, Amelith meldete 98,4 und Polle 89,6 mm. Nur durchschnittliche oder sogar leicht darunter liegende Mengen gab es in Vorwohle mit 75,8 mm, in Lüchtringen mit 72,9 mm sowie in Hehlen mit 70,5 mm.

Feuchte und milde Luft mit Regen setzte sich in den Tagen vor Weihnachten
durch und blieb bis Monatsende ©A. Mokross

Der Großteil dieser Niederschläge fiel als Regen, doch wenigstens über etwas Schnee durften sich die Winterfreunde in der Adventszeit auch in den Niederungen freuen. Meist waren es 2-5 Tage zwischen dem 3. und 7., an denen es überwiegend weiß wurde, in den Hochlagen des Sollings auch länger. Zum offiziellen Messtermin am Morgen um 06:50 Uhr meldeten Amelith und Hellental fünf Tage mit bis zu fünf Zentimetern, Bevern hatte zwei Tage mit bis zu vier Zentimetern, am meisten Schnee mit bis zu 10-11 cm gab es in Polle, Vorwohle und Silberborn. Einerseits eine zwar nicht wirklich üppige und mit wenigen Ausnahmen auch nur kurzlebige Schneephase, anderseits aber mehr als in den meisten Dezembern der letzten zehn Jahre.

Die Sonne zeigte sich wie zu dieser Jahreszeit üblich an den meisten Tagen nur selten oder gar nicht am Himmel. Die Ausnahme bildete die trockenkalte Phase in der zweiten Dekade, die im Zusammenspiel mit einer Reiflandschaft für viele schöne Wintermotive sorgte, wie es sie lange nicht mehr gegeben hatte. Zwischen dem 12. und 18. schien die Sonne immerhin gut 34 Stunden lang, was genau dem Durchschnitt des Gesamtmonats der Jahre 1991-2020 entspricht. Zusammen mit den wenigen lichten Momenten der restlichen überwiegend grauen Tage gab es in der Monatsbilanz sogar ein kleines Plus von 3,5 Stunden oder zehn Prozent. Zwei sonnige Wintertage oder ein sonniger Sommertag fehlten am Ende für einen neuen Jahresrekord bei der Sonnenscheindauer, die mit 1.922 Stunden erst zum zweiten Mal nach 1959 die Marke von 1.900 Stunden übertraf.

Sonne, Mond und Raureif zur Monatsmitte am Wilmeröder Berg ©A. Mokross

Ein November, der lange keiner sein wollte

Der dritte Herbstmonat war lange mild, kurz frühwinterlich, außergewöhnlich sonnig und viel zu trocken

Nach dem warmen Oktober blieb auch die erste Novemberhälfte deutlich überdurchschnittlich temperiert, bevor sich binnen weniger Tage ein Frühwintermezzo mit Schnee bis in die Niederungen einstellte. Bis zum Ende der zweiten Dekade zeigte sich zudem die Sonne ungewöhnlich häufig am Himmel. Erst in der letzten Woche herrschte dann klassisches Novemberwetter mit meist geschlossener, hochnebelartiger Bewölkung und etwas Sprühregen, so dass der letzte meteorologische Herbstmonat mal goldener Oktober, mal Dezember und mal er selbst sein wollte. Nur eines war er fast durchgehend: Erneut deutlich zu trocken – daran konnten auch ein paar regnerische Tage nach Monatsmitte nichts ändern.

Gänseflug vor frühwinterlicher Kulisse am 19.11. ©A. Mokross

Mit einer Monatstemperatur von 7,23 °C war der November 2022 an der DWD-Klimastation in Bevern um 1,6 K wärmer als im Mittel der Jahre 1991-2020. Gegenüber der älteren Klimanorm von 1961-1990 betrug das Plus fast 2,4 K. In der Zeitreihe seit 1934 fielen nur acht November noch milder aus, drei weitere waren etwa gleich temperiert. Hinter dem Monatsmittelwert verbirgt sich diesmal eine besonders große Spanne zwischen den Extremwerten:  Betrug das Maximum, gleich am Monatsersten erzielt, 18,1 °C, lag das Minimum in der Nacht zum 20. mit -6,9 °C so tief wie noch nie seit Bestehen des Stationsstandorts Bevern (2006) in einem November. In der Region war es auf vergleichbarer Höhe die kälteste Novembernacht seit 1998. Dazu gesellte sich während dieses zwar kurzen, aber recht intensiven und nicht mehr häufig vorkommenden Frühwintereinbruchs eine Schneedecke von 3 cm Höhe am Morgen des 21.11. – so viel gab es im November zuletzt vor zwölf Jahren. An immerhin drei Tagen vom 19.-21. blieb das Tagesmittel negativ, ein Eis- bzw. Dauerfrosttag wurde aber knapp verfehlt. Anschließend zog sich der Winter wieder zurück und von Westen erreichte uns mildere Luft mit wieder überdurchschnittlichen Tages- und Nachtwerten.

An der DTN-Wetterstation in Silberborn war es wie im Oktober relativ zum Sollingklima noch etwas milder: Mit einer Monatstemperatur von 5,8 °C betrug die Abweichung zum aktuellen 30-Jahres-Mittel +1,9 K und zum älteren Mittel +2,7 K. In der Hochsolling-Klimareihe, gestartet in den 1930er-Jahren in Torfhaus, war es der achtwärmste November. Auf der Stationshöhe von 428 m betrug die Spanne zwischen Höchst- und Tiefstwert des Monats ebenso wie in Bevern auf 110 m genau 25,0 Kelvin: Am wärmsten wurde es am 1. mit 15,6 °C und am kältesten in der Nacht zum 20. mit -9,4 °C. Auch in Silberborn wurde es damit so kalt wie seit 1998 nicht mehr in einem November. Anders als im Tal gab es sogar zwei Eistage, dazu eine vorübergehende Schneedecke von bis zu fünf Zentimetern, was in Silberborn zu dieser Zeit im Jahr aber nicht ungewöhnlich ist. Die anschließende Milderung ließ den ersten Schnee auch im Solling wieder rasch verschwinden. Die Summe der Frosttage blieb in Silberborn wie in Bevern mit vier gleichfalls übersichtlich wie unterdurchschnittlich.

Morgensonne am 10. November ©A. Mokross

Die Analyse der Großwetterlagen zeigt in der ersten Monatshälfte eine vorwiegende Südwestströmung, was den hohen Temperaturüberschuss in diesem Zeitraum gut erklärt. Anschließend stellte sich eine winkelförmige Westlage ein, bei der die atlantische Frontalzone an der Westseite eines blockierenden Hochs über Russland scharf nach Norden abbiegt. Für unsere Region bedeutet dies meist milde Luft und moderate Tiefdrucktätigkeit, während weiter östlich kältere Festlandsluft wirksam ist. Ein vorübergehendes Anzapfen dieser Luftmasse durch ein Hoch über Skandinavien, das die Strömung auf Ost drehen ließ, sorgte dann auch für den kurzen Winterbesuch zum Ende der zweiten Dekade. Anschließend gewann wieder die Westlage die Oberhand.

Auch wenn es sich um überwiegend als zyklonal, also tiefdruckgeprägte Wetterlagen handelte: Die Trockenheit der letzten Monate konnte der November nicht beenden. Im Gegenteil, das Niederschlagsdefizit in der Region wuchs weiter an. Die Monatssummen an den Messstellen im Kreis und den angrenzenden Regionen weisen wie üblich gewisse Unterschiede auf, die sich aber nur darauf beschränken, wie groß das Minus zum jeweiligen langjährigen Durchschnitt war. In Bevern fiel mit 31,3 mm nicht einmal die Hälfte des Klimawerts, in Lüchtringen gab es mit 33,0 mm nahezu dasselbe Bild. Polle und Ottenstein schafften mit 42,6 bzw. 48,7 mm immerhin die 60%-Marke, Hehlen mit 46,6 mm „sogar“ gut 70%. In Vorwohle waren es 41,4 mm (58%) und im Solling und seinen Ausläufern wurden 53,0 mm aus Hellental, 49,1 aus Amelith (je gut 60%) und 48,5 mm aus Silberborn gemeldet, was dort nur 52% des 30-Jahres-Mittels entspricht. Wenige Wochen vor Jahresende deutet in Silberborn immer mehr darauf hin, dass der Jahreswert des Trockenjahres 2018 (732 mm) in diesem Jahr noch unterboten wird.

Wie so oft in diesem Jahr ging auch im November das Minus beim Regen mit einem deutlichen Plus beim Sonnenschein einher. Mit 84,4 Stunden wurde der dritthöchste Wert seit Beginn der Aufzeichnung dieses Parameters im Jahr 1951 erzielt – nur 2011 und 1989 zeigte sich die Sonne mit 104 bzw. 93 Stunden zu dieser fortgeschrittenen Jahreszeit noch häufiger. Dass der November auch anders kann, zeigte die letzte Woche, deren sieben Tage gerade noch 3,4 Stunden in Summe beisteuerten. Da diese Umstellung auf eine sehr trübe Wetterlage einen nachhaltigen Charakter aufzuweisen scheint, dürfte es wohl nicht ganz für einen neuen Jahresrekord reichen. Um die 1.934 Stunden aus dem Jahr 1959 zu übertreffen, müsste der Dezember noch 50 Stunden „liefern“ – ein nach aktuellem Modellstand unwahrscheinliches Szenario.

Herbstbilanz: Sonnig, trocken und mild

Mit dem November endete auch der meteorologische Herbst, der als einer der wärmsten und sonnigsten in die lokalen Wetterbücher eingeht. An der Station in Bevern betrug die Mitteltemperatur 11,2 °C, wärmer war es im Oberwesertal nur in den Jahren 1982, 2014 und beim Rekord 2006 (12,8 °C). Beim Sonnenschein bedeuten rund 370 Stunden Rang sechs, hier stammt der Spitzenwert aus dem Jahr 1959 mit 490 Stunden. Zwar blieb der Herbst seit 1934 immerhin 19 mal noch trockener, allerdings fielen in diesem Jahr auch schon Sommer und Frühjahr deutlich zu trocken aus. In Bevern fehlten mit einer Summe von 136,3 mm fast genau 30% zum Klimamittel 1991-2020.

Die Niederschlagsbilanz in Silberborn fiel nahezu identisch aus: Gemessen wurden 187 mm, der langjährige Durchschnitt liegt bei 266 mm – auch hier fehlen also weitere 30% nach sogar noch trockenerem Frühjahr und Sommer als im Wesertal. Mit 9,65 °C war es am Standort der drittwärmste Herbst, die ersten beiden Plätze belegen auch im Hochsolling 2006 (11,2 °C) und 2014 (10,1 °C), während 1982 (9,5 °C) auf den vierten Platz verdrängt wurde.

Wenn das Herbstwetter Kopf steht

Der drittwärmste Oktober seit Messbeginn war sehr sonnig und trocken

Fotos von Annette Mokross

Mit der kühlen zweiten Septemberhälfte schien es in großen Schritten Richtung Vollherbst zu gehen und ein früher Start der Heizsaison die Energiekrise noch zu verschärfen. Doch statt der jahreszeitlich üblichen weiteren Abkühlung stand das Wetter im Oktober quasi auf dem Kopf und es wurde im Monatsverlauf immer wärmer. Am Ende gab es im deutschen Gebietsmittel mit 12,52 °C sogar einen neuen Rekord bei der Monatstemperatur, die lokale Auswertung sieht den Oktober 2022 auf Rang zwei bis drei. Dazu war es wie so oft in diesem Jahr deutlich überdurchschnittlich sonnig, während beim Niederschlag das nächste Defizit zu vermelden ist.


Mit einer Monatstemperatur von 12,37 °C war der Oktober 2022 an der DWD-Klimastation in Bevern um fast 2,5 K wärmer als im Mittel der Jahre 1991-2020. Gegenüber der älteren Klimanorm von 1961-1990 betrug das Plus fast 2,9 K. In der Zeitreihe seit 1934 sortiert er sich damit als drittwärmster hinter 2001 (13,2) und 2006 (13,0) sowie knapp vor 1995 und 2014 (je 12,3) ein. Besonders auffällig und in der Historie einmalig war dabei der Monatsverlauf: War die erste Hälfte noch nahe dem langjährigen Durchschnitt temperiert, stieg die fortlaufende Monatstemperatur im Laufe der zweiten Hälfte immer mehr an und erreichte ihren höchsten Wert ganz zum Schluss – so wie man es eigentlich in einem Frühjahrsmonat erwarten würde. In der rekordwarmen dritten Dekade gab es ein bisher kaum vorstellbares Finale, bei dem zwischen dem 27. und 30. viermal in Folge die 20-Grad-Marke überschritten wurde und die bisherigen Tagesrekorde nur so purzelten. Frost war hingegen am anderen Ende der Skala noch kein Thema, zumindest nicht in zwei Metern Messhöhe, während es in der Nacht zum 12. den ersten und bislang einzigen leichten Bodenfrost der Saison gab.

An der privaten Wetterstation in Silberborn war es relativ zum Sollingklima sogar noch wärmer: Mit 11,2 °C betrug die Abweichung zum aktuellen 30-Jahres-Mittel +3,1 K. Damit war es dort gemeinsam mit 2006 der zweitwärmste Oktober hinter dem Rekordhalter 2001 (11,5). Hauptursache für den noch höheren Überschuss war diesmal allerdings keine Inversionslage, bei der die Grundschicht im Tal auskühlt, weil die Luft nicht mehr vertikal durchmischt wird und es auch tagsüber weiter oben wärmer ist, sondern eine relativ schwache nächtliche Abkühlung mit oft hohen Minima, die als Folge der höhenwarmen Hochdrucklagen in der zweiten Monatshälfte verstärkt auftraten. Somit fiel der durchschnittliche Tiefstwert in Bevern und Silberborn trotz des Höhenunterschieds von 320 Metern fast identisch aus (7,3 zu 7,0 °C), während die Höchstwerte in Bevern im Schnitt um 3,2 K über denen in Silberborn lagen (18,3 zu 15,1), was einem für die Jahreszeit ungewöhnlich hohen vertikalen Temperaturgradienten von 0,1 K pro 100 Höhenmeter entspricht, wie man ihn sonst vorwiegend aus den Sommermonaten kennt. Folgerichtig blieb es auch im Hochsolling noch frostfrei, die kälteste Nacht zum 9. kam auf ein Minimum von 1,1 °C.

Die Analyse der Großwettertypen zeigt im wesentlichen zwei dominante Strömungsmuster: Vorwiegend West in der ersten Monatshälfte und ausschließlich den Sektor Süd in der zweiten, wobei die Großwetterlage Südwest antizyklonal (SWA) klar vorn lag. Die hochdruckgeprägte Südwestwetterlage ist mit gewissen Abstrichen im Winter die zu jeder Jahreszeit potenziell wärmste GWL und durchweg wärmer als der klimatologische Durchschnitt. Wenn „alles passt“ wie zum Monatsende, sind die Abweichungen zur Norm markant positiv, wobei das Außergewöhnliche im Oktober 2022 nicht das Auftreten der Südwestlage an sich war, sondern ihre Persistenz. Diese gestiegene Erhaltungsneigung, also das längere Andauern bestimmter Zirkulationsmuster, schreibt ein Großteil der Forschung dem Klimawandel zu.

Inwieweit der Klimawandel auch für Niederschlagsarmut verantwortlich zeichnet und ob es tatsächlich einen langfristigen Trend hin zu mehr Trockenheit gibt, ist dagegen noch nicht hinreichend erforscht. Eine Theorie besagt, dass es mit der unstrittigen und weiter zunehmenden Erwärmung sogar zu vermehrten Niederschlägen kommen könnte, weil vereinfacht gesagt warme Luft mehr Feuchtigkeit aufnehmen kann. Und zumindest im Vergleich der 30-Jahres-Klimazeiträume ab 1961 und ab 1991 gibt es bezogen auf Deutschland kein Signal in eine bestimmte Richtung. Die durchschnittlichen Jahressummen sind fast gleichgeblieben, der gemessene minimale Rückgang liegt bisher im Bereich der normalen Schwankungen. Aber: Seit 2011 ist ein Trend zu mehr Trockenheit unverkennbar, der auch vor der Weser-Solling-Region keinen Halt macht. Im Gegenteil – das Jahr 2022 verläuft vor Ort bisher sogar relativ zum Lokalklima noch trockener als in vielen anderen Teilen der Republik. Während nach dem nahezu flächig deutlich zu trockenen Sommer zum Beispiel im Südwesten und in der südlichen Mitte ein bisher sehr nasser Herbst registriert wurde, verläuft vor Ort auch die dritte Jahreszeit bisher trockener als im Schnitt.

Wenn Regen und tiefstehende Sonne zusammenfinden

Im Oktober dokumentiert sich dies anhand folgender Daten: An der Klimastation in Bevern fielen mit 53,6 mm etwa 78% des Mittels von 1991-2020. Regenschwerpunkte waren der Monatsbeginn und eine längere Phase ab Monatsmitte bis 24., dazwischen und danach gab zwei nahezu trockene Abschnitte. In Silberborn reichten 62,3 mm nicht einmal für 70% des langjährigen Durchschnitts, damit fehlen dort nach zehn Monaten noch rund 460 mm zur mittleren Jahressumme von ca. 1.050 mm. Im Schnitt kommen November und Dezember auf etwa 200 mm, und da auch die erste Novemberhälfte den Modellen nach in diesem Jahr nur wenig Regen bringen soll, sieht es sehr stark nach einem deutlich zu trockenen Jahr im Hochsolling aus, wenn sich in den letzten Wochen des Jahres nicht doch noch etwas dreht. Es wäre dann das vierte in den letzten fünf Jahren mit einem erheblichen Minus.

Die weiteren Stationen in der Region machten da keine Ausnahme und schnitten ebenfalls unter ihren Durchschnittswerten ab. Aus Polle wurden 53,0 mm gemeldet, aus Ottenstein 51,5 und in Hehlen waren es sogar nur 42,0. In Vorwohle fielen 46,1 mm, in Lüchtringen 48,0 und in Hellental 50,8, wo es das größte Defizit gab. In Amelith kamen zwar immerhin 66,9 mm zusammen, aber auch dort reichte es längst nicht zum Klimamittelwert.

Spiegelungen in der Weser bei Fürstenberg

Beim Sonnenschein gab es nach dem kleinen Durchhänger im September ein weiteres deutliches Plus und damit bleibt 2022 auf dem Weg zu einem der sonnigsten Jahre seit Aufzeichnungsbeginn 1951. Der Oktober steuerte dazu rund 145 Stunden und damit fast die anderthalbfache Menge seines langjährigen Mittels bei. Unabhängig vom Verlauf des Restjahres liegen vier der letzten fünf Jahre (einzige Ausnahme war das trübe Vorjahr) bei Jahressummen zwischen gut 1.700 und fast 1.900 Stunden. Bei einem 30-Jahres-Mittel von knapp 1.520 Stunden ist das Überstundenkonto also mehr als prall gefüllt und es wird interessant zu beobachten sein, ob wir es hier mit einer vorübergehenden Häufung sehr sonniger Jahre zu tun haben oder ob es sich um einen fundamentalen Trend handelt.

Im Eiltempo vom Sommer in den Herbst

Das Wetter im September: Durchschnitt bei Temperatur und Sonnenschein, weiterhin zu wenig Regen

Fotos von Annette Mokross

Nach dem sehr warmen und trockenen Sommer schien auch der erste meteorologische Herbstmonat zunächst auf Kurs Hochsommer-verlängerung unterwegs zu sein. Doch nach zwei Wochen meldete sich die dritte Jahreszeit auch beim Wetter mit Nachdruck und sorgte für ein kühlen und oft wolkenverhangenen Verlauf der zweiten Monatshälfte. Regen fiel zwar mehr als zuvor, doch anders als in vielen Regionen Deutschlands, in denen zwischen 150 und 300% des langjährigen Niederschlags gemessen wurden, blieb der September in der Region verbreitet erneut unter dem Klimamittel. Temperatur und Sonnenscheindauer bewegten sich hingegen sehr nahe an den Durchschnittswerten.

Sonne, Wolken…


Mit einer Monatstemperatur von 14,01 °C war der September 2022 an der DWD-Klimastation in Bevern um 0,2 K kühler als im Mittel der Jahre 1991-2020. Gegenüber der älteren Klimanorm von 1961-1990 gab es ein kleines Plus von 0,26 K. War die erste Dekade noch klar sommerlich geprägt mit fünf meteorologischen Sommertagen über 25 Grad und bis zu 29,9 °C in der Spitze, ging es anschließend bergab – in der zweiten Woche moderat mit Werten zwischen 19 und 23 Grad, ab der dritten Woche deutlich. Die 20-Grad-Marke wurde nach dem 13. nicht mehr erreicht, stattdessen sorgten teilweise Höchstwerte von unter 15 Grad für einen unerwartet frühen Start der Heizsaison. Die Tiefstwerte lagen nach dem 16. durchweg im einstelligen Bereich und sanken auf zwei Metern Messhöhe auf bis zu 3,0 und fünf Zentimeter über dem Erdboden auf bis zu 1,0 °C.

An der DTN-Unwetterreferenz-Station in Silberborn liest sich die Temperaturbilanz bezogen auf den höher gelegenen Standort ähnlich und aufgrund des überwiegenden Tiefdruckeinflusses geringfügig kühler. Der September verfehlte auf 428 m Höhe mit 11,9 °C sein Mittel von 1991-2020 um 0,4 K, gegenüber der Periode 1961-1990 blieb ein hauchzartes Plus von 0,1 K übrig. Zwei Sommertage mit bis 26,1 °C bildeten hier das obere Ende der Skala, das untere markierten Höchstwerte von unter zehn Grad kurz vor Monatsende und Tiefstwerte unter 2 Grad. Über dem Erdboden gab es an ungeschützten Stellen den ersten leichten Frost.

… Nebel…

Der Blick auf die Großwetterlagen offenbart das, was die Temperaturbilanz andeutet: Eine hochdruckgeprägte Südostlage bescherte den Sommernachschlag im Laufe der ersten Woche, bevor Tiefdruck die Regie übernahm. Zunächst geschah dies in Form einer Hochdruckzone über dem Nordmeer und Skandinavien mit tieferem Luftdruck südlich davon (sog. „High over Low“) mit noch mäßig warmen Luftmassen. Anschließend näherte sich vom Atlantik ein hochreichendes nach Süden ausgreifendes Tiefdrucksystem, das die Strömung mit Verlagerung nach Osten auf Nord drehen ließ und eine kühle zweite Monatshälfte einläutete. Diese Wetterlage wiederholte sich in der letzten Woche von der Grundstruktur her, nur dass diesmal die Tiefs direkt über Mitteleuropa hinweg zogen.

Kühle Luft aus dem Norden, viele Wolken und damit verbunden nur noch wenige Sonnenstunden – die zweite Monatshälfte hatte so gar nichts mehr vom Spätsommer, der sich in den letzten Jahren im September oft noch deutlich länger halten konnte. Für viele Regionen Deutschlands hieß das nun endlich auch: Aufatmen nach der langen Trockenheit des Sommers, die sich in der ersten Septemberwoche fortgesetzt hatte. Ergiebige Regenfälle ergossen sich dabei verbreitet über die Mitte, den äußern Süden und den Nordwesten des Landes, teils wurde fast das Vierfache des mittleren Monatsniederschlags gemessen, verbreitet war es dort die 1,5- bis 2-fache Menge. Dennoch gab es auch einige Gebiete, in denen weniger Regen als im Durchschnitt fiel: in Teilen des Südens und des Nordostens sowie im südlichen und südöstlichen Niedersachsen – unsere Region also eingeschlossen.

… und Regen: Der September hatte von allem etwas zu bieten.

Im Vergleich zu den Vormonaten blieben die Defizite zwar gering und im Solling konnte teilweise auch ein Plus erzielt werden, aber von einer Entspannung kann angesichts der Gesamtbilanz des Sommerhalbjahres wahrlich nicht die Rede sein. In Silberborn blieben die Monate März bis September in Summe um 286 mm trockener als im langjährigen Durchschnitt und waren damit sogar um rund 30 mm trockener als das Dürrejahr 2018 in diesem Zeitraum, der die Vegetationsphase abbildet. Zudem muss berücksichtigt werden, dass die Herbstmonate September und Oktober im Vergleich der Klimaperioden 1991-2020 und 1961-1990 nasser geworden sind, leider verwenden manche Karten im Internet noch das alte Mittel und weisen entsprechend höhere Prozentzahlen für den Niederschlag im diesjährigen September aus.

Im Detail sieht die Bilanz in der Region so aus: Bevern erreichte mit 51,4 mm nur 84% seines Mittels, in Holzminden sah es mit 55 mm ähnlich aus. Auch Hehlen und Vorwohle landeten mit 56,4 bzw. 54,1 mm in diesem Bereich, Polle und Ottenstein brachten es auf 63,1 und 64,0 mm. Nass wurde es hingegen am Sollingrand mit 105,7 mm in Amelith, wo der Stau des Hochsollings eine Rolle gespielt haben dürfte, ebenso im schmalen Hellental, von wo zumindest leicht überdurchschnittliche 91,0 mm gemeldet wurden. Silberborn konnte dagegen nicht in diesem Maße vom wertvollen Nass profitieren, dort blieb es mit 71,6 mm um knapp 10% trockener als im Mittel von 1991-2020.

Nach den Rekorden im März, August und Sommer ließ es die Sonne diesmal deutlich gemächlicher angehen und überließ ab der zweiten Woche oft den Wolken den Vortritt am Himmel. Mit einer Sonnenscheindauer von gut 140 Stunden lag die Monatssumme dennoch nur ganz leicht unter dem Klimawert der letzten 30 Jahre, gegenüber der Norm von 1961-1990 sprang sogar ein Plus von rund 10% heraus. Die Zwischenbilanz weist nach drei Vierteln des Jahres nun bereits 145 Stunden mehr aus als durchschnittlich im Gesamtjahr registriert werden, und im Vergleich zum trüben Vorjahr beträgt das Plus gegenüber dessen Jahressumme bereits 316 Stunden bei noch drei ausstehenden Monaten.

Nach den Rekorden zuletzt blieb die Sonnenscheindauer im September durchschnittlich

Ein neuer Jahresrekord scheint aber dennoch unwahrscheinlich: Zu den ca. 1.934 Stunden des Jahres 1959 fehlten per Ende September noch fast 280 Stunden. Im Schnitt bringt es das letzte Quartal vor Ort nur auf etwa 177 Stunden und das bisher sonnigste seit Aufzeichnungsbeginn 1951 gab es im Jahr 1972 mit ca. 268 Stunden. Größeren Sprüngen über die langjährigen Mittelwerte setzt nun die Jahreszeit zunehmend die Grenzen, denn am frühen Morgen des 23. September hat nicht nur der astronomische Herbst, sondern auch das Winterhalbjahr auf der Nordhalbkugel begonnen. Der flache Sonnenstand reicht dann erfahrungsgemäß immer weniger aus, um bei Hochdrucklagen den sich gern im Bereich der Flusstäler bildenden Nebel rasch wegzuheizen.

Ein weiterer Sommer der Superlative

Der dritte Hitzesommer innerhalb von fünf Jahren brach zahlreiche Rekorde

„Wann wird’s mal wieder richtig Sommer, ein Sommer wie er früher einmal war?“ – Rudi Carrells ironischer Spott über den deutschen Sommer aus dem Jahr 1975 wird inzwischen unter ganz anderen Vorzeichen wahrgenommen. Und wurde der Rekordsommer 2003 noch als früher Vorbote einer irgendwann in der Zukunft liegenden Häufung von heißen Sommern in Mitteleuropa wahrgenommen und bewertet, lässt sich knapp 20 Jahre später festhalten: Sonnige, trockene und heiße Sommer sind längst keine Ausnahmeerscheinung mehr in Deutschland, auch nicht in unserer Region in der nördlichen Mitte des Landes.

Der Sommer 2022 unterstrich diesen Trend eindrucksvoll mit einer Reihe von neuen Rekorden bei Höchsttemperatur, Sonnenscheindauer und Niederschlagsarmut. So war es Hochsolling der trockenste Sommer seit Beobachtungsbeginn, und das nur vier Jahre nach dem Dürresommer 2018. Im Rest des Kreises fiel zwar mehr Regen als vor vier Jahren, die langjährigen Klimawerte wurden aber durchweg klar verfehlt. Dazu schien die Sonne so lange vom Himmel wie noch nie seit Beginn der flächendeckenden Messungen 1951.

Nicht „always the sun“, aber so häufig wie seit mindestens 1947 nicht
zeigte sich die Sonne von Juni bis August in der Region

Mit einer Temperatur von 19,35 °C war der Sommer 2022 an der DWD-Klimastation in Bevern um rund 1,6 K wärmer als im aktuellen Mittel der Jahre 1991-2020 und lag sogar fast 2,9 K über der Referenz von 1961-1990.  Nur 2003 und 2018 war es mit 19,8 bzw. 19,7 °C noch wärmer, der bisher drittwärmste Sommer aus dem Jahr 2019 wurde hingegen knapp überflügelt. 2003 war auch das Jahr, in dem die 19-Grad-Marke bei der Sommertemperatur erstmals überschritten wurde – nun war es bereits das dritte Mal seit 2018 und selbst die Durchschnittstemperatur der letzten fünf Sommer ist auf über 19 Grad angestiegen.
Auf den viertwärmsten Juni folgte ein zwar streckenweise moderat temperierter Juli, der aber während einer kurzen markanten Hitzewelle am 20.07. mit 38,7 °C für einen neuen Allzeitrekord der Zeitreihe Bevern/Holzminden sorgte. Der zweitwärmste August steuerte gleich elf heiße Tage mit einem Höchstwert von mindestens 30 °C bei, so dass die Zahl der Hitzetage am Ende bei stattlichen 20 lag – nur 2003 und 2018 gab es noch mehr. Mit 18,5 °C lag der niedrigste Höchstwert so hoch wie in keinem Sommer zuvor und bei der Anzahl der warmen Tage mit einem Maximum von mindestens 20 Grad wurde mit 85 ein weiterer neuer Rekord in Bevern aufgestellt.

Entwicklung der Sommertemperatur der DWD-Zeitreihe 2323 ab 1934

Auch im Hochsolling war es ein denkwürdiger Sommer: Mit einer Mitteltemperatur von 17,5 °C wurde die Bestmarke von 2003 aus DWD-Zeiten an der aktuellen DTN-Unwetterreferenzstation in Silberborn sogar nur um wenige Hundertstel verfehlt, dazu gab es auch hier am 20.07. einen Allzeitrekord mit 36,4 °C Höchsttemperatur. Damit nicht genug: Da die wenigen kräftigen Schauer meist einen Bogen um Silberborn machten, fiel mit nur 109,2 mm noch weniger Regen als 2018 (111,6 mm) und es wurde ein neuer trauriger Trockenheitsrekord aufgestellt. Dieser entspricht nicht einmal 40% des Klimamittels von 1991-2020 und einem absoluten Defizit von über 165 mm. Nach der Verschnaufpause vor einem Jahr leiden die Wälder im Solling somit erneut unter einem markanten Niederschlagsdefizit, das bereits im März begann. Zusammen mit Erwärmung und Zunahme der Sonnenscheindauer hat die Klimaveränderung ein Tempo aufgenommen, das eine Anpassung der Natur kaum mehr möglich macht – jedenfalls seitens der Natur, wie wir sie kennen. Der Wald der Zukunft, er ist eine Herkulesaufgabe für Forstwissenschaft und -wirtschaft, und diese Aufgabe scheint derzeit eher noch größer zu werden.

Doch auch abseits des Hochsollings blieb der Sommer 2022 deutlich zu trocken und klar unter seinen Klimawerten. In Bevern kam zwar dank einiger Gewittertreffer mit 137,5 mm mehr als das Doppelte des rekordtrockenen Sommers 2018 zusammen, der aktuelle 30-Jahres-Durchschnitt wurde aber um über 80 mm bzw. rund 37% verfehlt. Besonders trocken blieb es sowohl im Südwesten des Sollings in Amelith mit 99,1 mm, während weiter nordöstlich in Hellental zwar 136,4 mm gemessen wurden, diese Orte aufgrund ihrer Höhenlage aber ein auch ein feuchteres Klima und einen größeren Klimawert aufweisen. Das gilt auch für Ottenstein und Vorwohle, wobei Ottenstein dank des Volltreffers vom 26.08. immerhin auf 146,8 mm kam, Vorwohle blieb hingegen mit 88,4 mm trockenste Station im Kreis. In Hehlen war es mit 105,3 mm ebenfalls deutlich zu trocken, Polle schaffte auf dem höher gelegenen Wilmeröder Berg auch nur 113,9 mm.

Symbolbild eines viel zu trockenen Sommers ©A. Mokross

Wo wenige Wolken mit sehr wenig Regen unterwegs sind, da hat die Sonne oft freie Bahn – und so überrascht es nicht, dass nicht nur der August, sondern auch der gesamte Sommer einen neuen Rekord bei der Sonnenscheindauer aufstellte. Mit rund 785 Stunden wurde die alte Bestmarke aus dem Jahr 1959 (753 h) deutlich übertroffen. Es gilt aber auch hier zu beachten, dass Sonnenschein erst seit 1951 flächendeckend erfasst wird. Der Sommer 1947 könnte anhand der vorhandenen Daten aus Göttingen tatsächlich noch ein paar Stunden mehr auf die Waage gebracht haben. Aber wie auch immer: Solche Mengen sind womöglich auch Sonnenscheinliebhabern zu viel und vielleicht mag der eine oder andere sich für 2023 in Anlehnung an Rudi Carrell einen Sommer ohne Sonnenschein von Juni bis September wünschen – und dafür so nass und so sibirisch wie vor 50 Jahren…

Heiße Tage im meteorologischen Sommer seit 1951 – 2022 landete gemeinsam mit 1994 auf dem dritten Platz knapp hinter 2003. Der Rekord von 2018 blieb aber deutlich entfernt.