Eine Inversionswetterlage wie aus dem Meteorologie-Lehrbuch gab es an diesem Sonnabend im Stadtgebiet von Holzminden zu erleben. Während im Wesertal unter grauer Hochnebeldecke Dauerfrost mit Werten um -2 Grad zur Mittagszeit herrschte, lachte über Silberborn zur selben Zeit bei fast zehn Grad mehr die Sonne von einem blauen Himmel. Die sehr flache Nebelschicht befand sich zu dieser Zeit auf etwa halber Strecke zwischen Holzminden und Mühlenberg auf etwa 230 m. Auf dem dortigen Parkplatz war der feuchte Asphalt überfroren und spiegelglatt. Bei einer Inversionswetterlage liegt wärmere Luft in der Höhe über der schwereren Kaltluft am Boden und kann sich nicht mit dieser durchmischen, eine im Herbst und Winter bei Hochdruck häufig auftretende Situation, mit der die beliebten Wetter-Apps auch im Jahr 2025 nach wie vor ihre Probleme hatten und auch den „Tal-Holzmindenern“ einen sonnigen Tag versprochen hatten, aus dem aber ganz und gar nichts wurde. Doch während es in der norddeutschen Tiefebene keinen Ausweg aus dem Grau gab, war der Weg in die wärmere Sonne in unserer Heimat nur wenige Autominuten entfernt. Erst am Nachmittag kämpfte sich die Sonne auch in Wesernähe zumindest noch zeitweise durch den Hochnebel, es blieb aber bei Dauerfrost, während in Silberborn bis 7,6 °C gemessen wurden.
Wärmstes Jahr seit Messbeginn brachte viel Niederschlag bei durchschnittlicher Sonnenscheindauer
„In Deutschland war noch nie seit Messbeginn 1881 ein Jahr so warm wie 2024. Damit muss der Deutsche Wetterdienst (DWD) nach 2023 erneut ein „Rekordjahr“ melden.“ So beginnt die Pressemeldung des DWD vom 30.12.2024 und ihre Aussage trifft auch auf unsere Heimatregion zu: Sowohl an der Wetterstation des DWD in Bevern, repräsentativ für die Niederungen des Kreises, als auch an der Station in Silberborn, einem privaten Gemeinschaftsprojekt mit der Stadt Holzminden und stellvertretend für den Hochsolling, erreichten die Jahrestemperaturen 2024 neue Höhen. Und das ohne extreme Temperaturspitzen, auch in diesem Punkt unterscheidet sich das lokale Wetter nicht von der bundesweiten Bilanz des DWD.
Mit einer Jahrestemperatur von 11,59 °C war das Jahr 2024 an der DWD-Station in Bevern so warm wie keines zuvor in der Geschichte der lokalen Messungen, die inzwischen 90 Jahre zurückreichen. Das Plus gegenüber dem Klimamittel der Jahre 1991-2020 betrug 1,7 K, gegenüber der älteren Periode von 1961-1990, die das Klima vor der Erwärmung abbildet, waren es sogar +2,8 K. Der erst im Vorjahr aufgestellte Rekord von 11,32 °C wurde erneut deutlich um fast 0,3 K übertroffen – wie 2023 schon der vorherige Höchstwert von 11,01 °C aus den Jahren 2020 und 2022, deren Marken nunmehr schon fast 0,6 K tiefer als der aktuelle Rekord liegen. Solche Sprünge nach oben hat es in der Vergangenheit nur nach zuvor kalten Jahren gegeben, aber noch nie von einem ohnehin schon sehr hohen Niveau aus. Salopp formuliert hat die Erwärmung seit 2014 mehr als nur eine Schippe draufgelegt, was folgender Vergleich verdeutlicht: Betrug das Mittel der Jahre 1961-1990 noch 8,80 °C, waren es 1991-2013 schon 9,65 °C und der Zeitraum seit 2014 kommt in nur elf Jahren auf einen weiteren Anstieg von über einem Kelvin auf 10,73 °C.
Wesentlicher Treiber waren ein rekordwarmer Februar, auf den ein neuer Jahreszeitenrekord im Frühjahr folgte. Der Sommer verlief zwar auch überdurchschnittlich warm, aber nicht heiß, so dass sich die Wärmebelastung durch Hitze in Grenzen hielt und vielen das Jahr in der Erinnerung wohl gar nicht so besonders warm vorkommen mag. Eine Hitzewelle blieb wie schon 2023 aus, das Maximum von 34,1 °C in Bevern fällt in die Rubrik unauffällig, ebenso wie die insgesamt zwölf heißen Tage. Auffällig war hingegen die dünne Bilanz am anderen Ende der Skala: An nur 35 von 366 Tagen gab es Frost – so wenige wie noch nie in der Messreihe Bevern/Holzminden. Das Minimum von -9,7 °C gilt mittlerweile als durchschnittlich, bis 2013 waren Werte deutlich unter minus 10 Grad noch die Regel beim Jahrestiefstwert. Und bei den Monatsbilanzen gab es erstmals kein Minus gegenüber dem neuen Klimamittel von 1991-2020, alle zwölf überschritten ihr Mittel – am klarsten der Februar mit über fünf (!) Kelvin, gefolgt von März und Mai mit knapp 3 K; am geringsten Juni und Juli mit jeweils rund 0,3 K.
An der Wetterstation in Silberborn auf 428 m gab es ebenfalls einen neuen Jahresrekord: Mit 9,45 °C wurden die langjährigen Mittelwerte um 1,6 K (1991-2020) bzw. 2,65 K (1961-1990) und die bisherige Höchstmarke aus dem Jahr 2022 um 0,2 K übertroffen. Auf einen neuen Februarrekord folgten ebenso wie in Bevern weitere Rekorde im März und im Frühjahr, wärmster Monat war wie im Wesertal der August und kältester der Januar, der für den einzigen wirklich winterlichen Abschnitt des Jahres im Hochsolling mit einer Schneedecke bis 12 cm und fast zwei Wochen Dauerfrost sorgte. Die weiteren Eckdaten des Jahres von der Station sind in der Übersicht aufgeführt.
Wie schon 2023 fiel nicht nur die Temperatur-, sondern auch die Niederschlagsbilanz klar überdurchschnittlich aus. Erfreulich für die Natur: Die Regenfälle verteilten sich diesmal recht homogen über das Jahr, kurze und sehr kräftige Starkregenereignisse wie am 1. August, als flächig gut 50 Liter auf jeden Quadratmeter binnen weniger Stunden am Abend und in der frühen Nacht fielen, blieben ebenso die Ausnahme wie längere Trockenperioden. In Bevern kamen insgesamt 962 mm zusammen, ein Plus von gut 21% gegenüber dem Mittel 1991-2020. Zehn Monate waren nasser als im Schnitt, am deutlichsten Februar, April, August und September, während Oktober und Dezember unter ihrem Mittel lagen.
Ähnlich auf höherem Niveau sehen die Zahlen aus Silberborn aus, wo bei der Jahressumme nur ein Millimeter zur Marke von 1.200 mm fehlte, das sind rund 14% mehr als im Schnitt. Auffällig nass waren hier Februar, April und Mai; ein erwähnenswertes Minus gab es nur im Oktober.
Die weiteren Werte aus der Region von DWD-Stationen mit Niederschlagsmessung: Amelith 1.165 mm, Hellental 1.102, Polle 1.036, Ottenstein 1.025, Hehlen 1.001, Vorwohle 977 und Lüchtringen 895 mm; die private Messung im Stadtgebiet von Holzminden ergab 972 mm.
Auch die Sonnenscheindauer lag mit ca. 1.537 Stunden etwas über dem langjährigen Mittel, das Plus fiel mit 18 Stunden oder knapp 2% aber so gering aus, dass das Jahr 2024 als durchschnittlich beim Sonnenschein einzuordnen ist. Dabei war die Phase mit den höchsten Temperaturüberschüssen von Februar bis Mai die trübste in Relation zu den langjährigen Mittelwerten, während August, September und, man staune, der Januar am deutlichsten über ihrem Durchschnitt landeten. In absoluten Zahlen lag der August mit gut 240 Stunden vorn, gefolgt von Mai, Juli und Juni mit Monatssummen zwischen 222 und 214 Stunden.
Von größeren Unwettererscheinungen, das schließt die insgesamt unauffällige Windbilanz mit ein, blieben der Kreis und seine Bewohner 2024 weitgehend verschont.
Der Dezember 2024 brachte überwiegend ruhiges, mildes und trübes Wetter
Fotos von Annette Mokross
Wenig los beim Wetter auf der Zielgeraden des Jahres 2024: Der erste meteorologische Wintermonat ließ es meist ruhig angehen und dürfte anders als sein Vorgänger aus dem letzten Jahr, der unserer Region eine markante Hochwasserlage zu Weihnachten beschert hatte, schnell in Vergessenheit geraten. Frost gab es kaum, Schnee fiel (mit Ausnahme einiger weniger Flocken in den höchsten Lagen) gar nicht, die Sonne zeigte sich selbst für Dezemberverhältnisse nur selten und auch ein Frühwintersturm blieb aus. Im Vergleich zu den langjährigen Mittelwerten schloss der Monat mit dem üblichen Plus bei der Temperatur, einem kleineren Minus beim Niederschlag und einem größeren Minus bei der Sonnenscheindauer ab.
Mit einer Monatstemperatur von 4,28 °C war der Dezember 2024 an der DWD-Klimastation in Bevern um gut 1,5 Kelvin wärmer als im Mittel der Jahre 1991-2020. Im Vergleich zum 30 Jahre älteren Klimawert der Periode 1961-1990 betrug das Plus 2,5 K. Der letzte Dezember mit einer negativen Abweichung zu dieser früheren Klimanorm ist mittlerweile 14 Jahre her. Die tiefsten Temperaturen wurden gleich am 1. mit -3,1 °C in zwei Metern Höhe und -5,3 °C auf fünf Zentimetern Höhe über dem Erdboden gemessen, insgesamt gab es sechs Frost- und sieben Bodenfrosttage. Aber auch nach oben blieben die Ausschläge diesmal vergleichsweise gering: Der Monatshöchstwert von 12,6 °C am 18. war einer von drei Tagen mit zweistelligem Maximum, die mildeste Nacht brachte es auf ein Minimum von 10,3 °C.
An der Station in Silberborn lag die Monatstemperatur bei 2,0 °C – ein Plus von 1,3 K gegenüber dem Mittel der Jahre von 1991-2020 und von 2,2 K im Vergleich zum Zeitraum von 1961-1990. Höhenlagenbedingt mutete es zumindest phasenweise winterlich an, so gab es vier Tage mit leichtem Dauerfrost, drei davon zum Monatsausklang. Eine Schneedecke wurde aber auch im Hochsolling nicht gesichtet, es blieb bei wenigen Flocken, die sich mal kurz unter den Regen mischten. Die Anzahl der Frosttage lag mit 13 zwar deutlich höher als im Wesertal, aber unter dem langjährigen Ortsdurchschnitt. Die Extremwerte auf 428 m Stationshöhe betrugen -3,2 °C als Tiefstwert in 2 m und -6,2 °C in 5 cm Höhe am 29. und je 9,7 °C als Höchstwert am 18. und 19.; das niedrigste Maximum lag bei -1,0 Grad am Monatsletzten.
Die Analyse der Großwetterlagen über Europa zeigt an den ersten Tagen eine Hochdruckbrücke über Mitteleuropa, anschließend eine kurze Westlage und nach der ersten Woche einen Übergang zu einer Ostlage am Rand eines Hochs über dem Nordmeer und Teilen Skandinaviens. Diese Großwetterlage mit dem Namen „Hoch Nordmeer/Fennoskandien, Mitteleuropa überwiegend antizyklonal“ ist im Winter eigentlich ein Garant für Kälte – nicht aber in diesem Fall, da der Ursprung der Luftmassen aus dem Bereich des schwarzen Meeres kam und sich auf dem Weg zu uns über dem meist schneefreien Osteuropa nicht wesentlich abkühlen konnte.
Zur Monatsmitte stellte sich dann eine nicht allzu aktive Westwindlage ein, gefolgt von einer tiefdruckgeprägten Nordlage kurz vor den Feiertagen – doch auch im Norden lag keine Winterluft bereit, so dass sich die weiße Weihnacht auf die höheren Mittelgebirgslagen im Lande beschränkte. Mit einer ruhigen und trockenen Hochdrucklage ging der Monat und mit ihm das Jahr 2024 auf die letzten Meter, wobei auf der Ziellinie mit einer zunehmenden Westströmung und auffrischendem Wind die von manchen ge- und befürchtete Feinstaubwolke infolge des Silvesterfeuerwerks ausblieb.
Nach dem sehr nassen Vorjahresmonat mit einer ausgeprägten Hochwasserlage zu Weihnachten hielt sich der Niederschlag in diesem Dezember etwas zurück, ohne dass es dabei auffällig trocken blieb. Die Monatssummen erreichten meist 80-90% des langjährigen Mittels. In Silberborn, wo am meisten Regen (inkl. einiger weniger Schneeflocken) gemessen wurde, waren es mit 102 mm nur drei Millimeter weniger als im Ortsdurchschnitt. In Hellental fielen 91,8 mm, in Amelith 88,7, in Polle 86,2 und in Vorwohle 75,8 mm. Ottenstein meldete 69,1 mm, Hehlen 64,8, Bevern 63,9 und Holzminden 62,1 mm. Schlusslicht war Lüchtringen mit 59,1 mm. Die höchsten Tageswerte lagen mit 12-18 mm am 6. im Nikolausstiefel, die Anzahl der trockenen Tage belief sich meist auf zwölf, die trockenste Phase bildeten die letzten acht Tage ab Heiligabend.
Auf der Suche nach Sonnenschein wurde man in der Region vor allem am 1. und am 28. fündig – diese beiden Tage sorgten zusammen für 13 der insgesamt nur gut 19 Stunden des Monats. An der deutlichen Mehrzahl der Tage (23) zeigte sich die Sonne gar nicht am Himmel, vom langjährigen Durchschnittswert der Monatssumme kam nur etwas über die Hälfte zusammen.
Der Wind war zwar oft spürbar lebhaft, Sturmstärke wurde aber nicht gemessen. Im Mittel war er meist mit Stärke 3-4 unterwegs, die Böen erreichten Spitzen bis Beaufort 7.
2024 war das wärmste Jahr seit Aufzeichnungsbeginn, brachte viel Regen und eine durchschnittliche Sonnenscheindauer
Das Wetterjahr 2024 liegt hinter und – und zum dritten Mal in Folge steht die höchste Jahrestemperatur seit Beobachtungsbeginn in der Schlussbilanz. An der DWD-Station in Bevern liegt der neue Rekord mit 11,6 °C um 0,3 K über der erst vor einem Jahr aufgestellten Marke, gegenüber dem 30-Jahres-Mittel der Jahre 1991-2020 ergibt sich ein stattliches Plus von über 1,7 K. Erstmals landeten alle zwölf Monate über dem Klimamittel der jüngsten Referenzperiode, der letzte Monat unter dem älteren Mittel der Jahre 1961-1990 liegt mit dem Mai 2021 schon über dreieinhalb Jahre zurück. Neue Monatsrekorde gab es im Februar und im März, der Mai war der zweitwärmste seit Aufzeichnungsbeginn und der August immerhin noch der sechstwärmste. Fast schon bescheiden angesichts der markanten Aufwärtsentwicklung der letzten Jahre nimmt sich der heißeste Tag mit einer Höchsttemperatur von 34,1 °C am 13.08. aus, am kältesten wurde es in Bevern am 11.01. mit -9,7 °C.
Auch an der Station in Silberborn konnte ein neuer Jahresrekord gemessen werden: Mit fast 9,5 °C wurde der bisherige Höchstwert aus dem Jahr 2022 um gut 0,2 K und das aktuelle 30-Jahres-Mittel um 1,6 K übertroffen. Erst 2018 lag die Jahrestemperatur im Hochsolling erstmals über der 9-Grad-Marke, nur sechs Jahre später ist der halbe Weg zur Zehn bereits zurückgelegt.
2024 geht nicht nur als sehr warmes, sondern auch als niederschlagsreiches Jahr in die lokale Statistik ein: In Bevern fielen gut 960 mm, nur etwas weniger als im sehr nassen Vorjahr und über 170 mm mehr als im langjährigen Durchschnitt. Über noch mehr Regen konnten sich die Wälder im Solling freuen, in Silberborn wurden fast 1.200 mm gemessen, was einem Plus von fast 150 mm gegenüber dem Klimamittel entspricht. Wie auch im Wesertal fielen die Niederschläge gut verteilt über das Jahr hinweg, längere Trockenphasen blieben nahezu aus. Die Sonne zeigte sich in der Region ca. 1.540 Stunden lang und damit geringfügig länger als im Schnitt der Jahre 1991-2020. Sonnigster Monat war der August mit 240 Stunden, am trübsten blieb es im Dezember mit gerade mal 20 Stunden.
Du muss angemeldet sein, um einen Kommentar zu veröffentlichen.