Der Februar 2026 begann mit Schnee und Eis und endete frühlingshaft warm
Fotos von Annette Mokross
Schnee im Februar – das war zumindest in den tiefer gelegenen Orten des Kreises in der jüngeren Vergangenheit ein seltenes Ereignis. Nur in drei letzten zehn Jahre konnte an mindestens einem Tag eine Schneedecke gemessen werden – zuletzt vor fünf Jahren. Doch dass das Wetter in diesem Winter etwas anders tickt als zuletzt, hatte bereits der Januar mit ungewöhnlich viel Schnee und vergleichsweise tiefen Temperaturen gezeigt – und der letzte meteorologische Wintermonat machte zunächst da weiter, wo der Vormonat aufgehört hatte. Einer Milderung zum Ende der ersten Dekade folgte ein nochmaliger kurzer Rückfall, bevor die dritte Dekade plötzlich die Jahreszeit wechselte und fast so warm wurde wie ein durchschnittlicher April. Damit bilanziert der Februar überdurchschnittlich bei der Temperatur, während die Niederschläge variierten und bei der Sonnenscheindauer ein klares Minus zu verzeichnen war.

Mit einer Monatstemperatur von 3,57 °C war der Februar 2026 an der DWD-Klimastation in Bevern um gut 1,1 Kelvin wärmer als im Mittel der Jahre 1991-2020 . Gegenüber der älteren Periode von 1961-1990 ergibt sich ein Plus von 2,2 K. Der winterliche Beginn brachte regelmäßigen Frost, für einen Eistag mit Dauerfrost reichte es aber nur noch einmal. Die Schneedecke aus dem Januar konnte sich unter zunächst nur leichten Verlusten bis kurz vor Ende der ersten Dekade halten.
Zur Monatsmitte gelangten wir nach vorausgehender Milderung nochmals in den Einflussbereich der kälteren Luftmassen aus dem Nordosten des Landes, die bis zum Ende der zweiten Dekade in Lauerstellung blieb. Anschließend folgte eine markante Umstellung auf eine für die Jahreszeit ungewöhnlich milde Südwestlage, die den Winter vertrieb und für frühlingshafte Temperaturen von bis zu fast 19 Grad am 27. sorgte – womit wir mal wieder beim Thema Wärmerekorde wären: Die Tage ab 21. blieben nicht nur allesamt frostfrei (das gab es schon), sondern brachten an jedem Tag zweistellige Höchstwerte und eine Mitteltemperatur von 9,1 °C – beides neue Spitzenwerte für eine dritte Februardekade seit Aufzeichnungsbeginn vor über 90 Jahren. Zum Vergleich: ein durchschnittlicher April bringt es auf 9,6 Grad.
Noch ein ganzes Stück winterlicher präsentierten sich die drei Wochen bis zur Witterungsumstellung im Hochsolling an der Wetterstation Silberborn mit mehreren Dauerfrosttagen zum Start und einer Schneedecke von bis zu 24 cm. Diese ging während der ersten Milderung zu Beginn der zweiten Dekade zwar vollständig verloren, es folgte aber ab dem 16. nochmals eine Phase mit Schnee bis knapp zehn Zentimeter, der bis zum 21. nach und nach abtaute. Ab da hieß es auch in den Höhen des Sollings Winter (vorerst?) adé, die dritte Dekade verlief frostfrei und brachte einen Temperaturanstieg bis auf gut 16 Grad am Monatsvorletzten. Insgesamt wurden 18 Frost- und fünf Eistage sowie 21 Tage mit Schneedecke gezählt, an den letzten vier Tagen überschritten die Höchstwerte jeweils die Zehngradmarke. Die Monatsmitteltemperatur lag mit 1,8 Grad um 1,4 K über dem Mittelwert der Jahre 1991-2020 und um gut 2,5 K über dem Klimawert von 1961-1990.

Die Analyse der Großwetterlagen über Europa war in den ersten beiden Dekaden geprägt von einer Grenzwetterlage, wie sie schon im Januar Bestand hatte: Hochwinterliche Kaltluft über dem Norden und Nordosten Europas und Tiefs auf südlicher Zugbahn, die von Westen versuchten, gegen dieses Bollwerk anzulaufen. Daraus resultierte nach Monatsmitte ein Temperaturunterschied zwischen dem äußeren Nordosten und dem Südwesten Deutschlands von bis zu 10 Grad. Bei uns kam mal die Kaltluft in abgeschwächter Form und mal die milde Luft zum Zuge. Bodennnah kam der Wind meist aus südöstlichen Richtungen, in der Höhe drehte die Strömung zeitweise auf West. Mit Beginn der dritten Dekade war der Widerstand der Kaltluft aufgrund einer auflebenden Westströmung dann gebrochen, mit Rückdrehung aus Südwest wurde schließlich Warmluft aus südlichen Breiten angezapft und der Frühling konnte unter zunehmendem Hochdruckeinfluss Einzug halten.
Dieses frühzeitige Frühlingshoch sorgte für trockene Tage zum Monatsende und auch dafür, dass die langjährigen Niederschlagswerte an mehreren Stationen doch noch verfehlt wurden. So kamen in Bevern 53,4 mm zusammen – ein Minus von rund 10%. Das ist ein geringeres Defizit als in den Vormonaten, aber nur der Oktober landete von den letzten inzwischen 13 Monaten über dem Durchschnitt!
In Hehlen wurden 52,7 mm gemessen, in Lüchtringen 54,4 und in Holzminden 57,7. Etwas mehr war es höhenbedingt auf dem Wilmeröder Berg in Polle und in Ottenstein mit je 66 sowie in Vorwohle mit 62 mm. Am meisten fiel im Süden am und im Solling, wo die Bilanz ein Plus ausweist: Hellental brachte es auf 86 mm und Amelith sogar auf 103. In Silberborn konnten 98 mm gemessen werden – rund 19 mm oder 24% mehr als im Mittel der Jahre 1991-2020.

Die Sonne tat sich lange Zeit schwer und die erste Monatshälfte brachte in Summe nicht einmal sechs Sonnenstunden – ähnlich dunkel war es zuletzt 1980. Ein isolierter Tag mit Sonnenschein von Auf-bis Untergang am 15. sowie das Frühlingshoch am Monatsende sorgten dafür, dass die Monatssumme es immerhin noch auf knapp 55 Stunden schaffte – ein Minus von 13,5 Stunden oder rund 20% gegenüber dem langjährigen Durchschnitt.
Der Wind verhielt sich wie in den Vormonaten meist unauffällig, Winterstürme blieben auch im Februar vollständig aus. Der Mittelwind bewegte sich fast durchweg zwischen Stärke 2 und 3, die Böen lagen meist bei 4-5 und nur in Spitzen und ganz vereinzelt im Bereich 6-7.

Winterbilanz: Trocken, recht sonnig – vergleichsweise kalt und dennoch mild
Mit dem Februar ist auch der meteorologische Winter 2026 Geschichte und er konnte im Kontext der jüngeren Vergangenheit durchaus ein paar Ausrufezeichen setzen. Zwar steht am Ende aufgrund der ersten drei Dezemberwochen und der letzten Februarwoche wieder einmal das Fazit „überdurchschnittlich mild“, aber die acht Wochen dazwischen hatten einen überwiegend winterlichen Charakter, wie es ihn zuletzt kaum mehr gegeben hatte.
Betrachten wir es etwas genauer anhand der Station in Bevern, die im Sommer 2006 in Betrieb ging und die anders als versehentlich in der TAH-Ausgabe vom 13.01.2026 zu lesen stand nicht vom Autor dieser Zeilen, sondern vom Deutschen Wetterdienst betrieben und von Manfred Springer ehrenamtlich betreut wird. Dort liegen nun Daten aus 20 Wintern am Stück vom selben Standort mit vollständigen Messwerten vor. Demnach brachte der Winter 2026 mit 26 Schneedeckentagen so viele wie seit 2013 nicht mehr, als es 31 waren. Insgesamt war es der Winter mit den viertmeisten Schneedeckentagen am Standort. Auf der kalten Seite stehen überdurchschnittliche 46 Frosttage und 56 mit Bodenfrost, während die Anzahl von sechs Dauerfrosttagen unter dem Mittel liegt. Strengfrost unter -10 Grad wurde im dritten Winter in Folge nicht gemessen, das Minimum lag bei -9,4 °C. Auf der warmen Seite stehen 17 Tage mit einem Höchstwert von mindestens zehn Grad (16 sind es im Schnitt) sowie deutlich überdurchschnittlichen vier Tagen mit über 15 Grad, die alle auf die letzten vier Februartage fielen und von denen es im Mittel nur 1,4 gibt. Der Höchstwert von 18,8 °C vom 27.02.2026 war das dritthöchste Wintermaximum der Stationshistorie in Bevern, Ende Februar 2021 ging es an zwei Tagen noch etwas höher bis auf den Winterrekord von 19,3 °C.
Die Mitteltemperatur der drei Wintermonate lag bei 2,69 °C – der Schnitt aus 20 Jahren in Bevern liegt um knapp 0,3 K höher bei 2,97 °C. Dort waren elf Winter milder und acht kälter, der letzte kältere liegt neun Jahre zurück. Bei der klimatisch langjährigen Einordnung in die Gesamtreihe Bevern und Holzminden mit Messbeginn im Juni 1934 landet der Winter 2026 auf Rang 31 – 30 waren also wärmer und 61 kälter. Gegenüber den üblichen 30-jährigen Referenzperioden ergibt sich ein kleines Plus von 0,4 Grad gegenüber dem Zeitraum von 1991-2020 und ein größeres von gut 1,5 K bezogen auf die Jahre von 1961-1990. Beim Niederschlag bedeuten 130,7 mm ein deutliches Minus von rund 83 mm oder 39% und beim Sonnenschein lag die Summe mit 161 Stunden um 13 Stunden oder knapp 9% im Plus – jeweils gegenüber dem Mittel von 1991-2020.
In Silberborn fällt die Bilanz noch ein ganzes Stück winterlicher aus – dort konnten trotz eines schneefreien Dezembers noch 41 Schneedeckentage mit bis zu 37 cm und einer mittleren Höhe von 16 cm gezählt werden, mehr waren es zuletzt vor fünf Jahren mit 47 Tagen. Die Mitteltemperatur lag mit 1,1 °C um gut 0,7 K über dem Schnitt der Jahre 1991-2020. Es wurden 56 Frost- und 24 Dauerfrosttage gemessen. Die Niederschlagssumme verfehlte mit knapp 227 mm das langjährige Mittel um ca. 62 mm bzw. um 21%.



















