Ein milder, lange trockener und sehr sonniger Start ins Frühjahr

Erst zum Monatsende zeigte sich der März von seiner kühlen und nassen Seite

Fotos von Annette Mokross

Mit einem neuen Temperaturrekord im letzten Monatsdrittel verabschiedete sich der Februar 2026 – und mit einem neuen Temperaturrekord im ersten Monatsdrittel startete der März 2026. Auch die Sonnenscheindauer lag nach der ersten Dekade auf Rekordkurs und der erste Regen des Monats fiel erst am Nachmittag des 10., nachdem schon der vergangene März der zweittrockenste seit Aufzeichnungsbeginn war. Doch mit Beginn des zweiten Drittels normalisierten sich die Verhältnisse zumindest ein Stück weit: Es wurde wechselhafter, ab Monatsmitte trat wieder Nachtfrost auf und zum Ende mischten sich sogar noch einmal Schneeflocken unter den Regen.  Unter dem Strich steht aber im gesamten Kreis ein milder und sehr sonniger erster meteorologischer Frühjahrsmonat mit einem erneuten Minus beim Niederschlag, auch wenn das Defizit nicht so groß ausfiel wie im letzten März.

Mit einer Monatstemperatur von 6,79 °C war der März 2026 an der DWD-Klimastation in Bevern um knapp 1,6 Grad wärmer als im Mittel der Jahre 1991-2020. Noch deutlicher fällt das Plus mit 2,75 K gegenüber der Periode von 1961-1990 aus, die der Deutsche Wetterdienst weiterhin als Referenz für langfristiges Klimamonitoring verwendet. Die erste Dekade überbot mit 9,1 °C den bisherigen Rekord von 9,0 °C aus dem Jahr 1960, am Ende reichte es aber nicht zu einem Platz in den Top Ten, der März 2026 ging auf Rang 13 in die in die gut 90 Jahre zurückreichende Messreihe Holzminden/Bevern ein. Die Temperaturspanne reichte von 19,0 °C auf der warmen Seite bis -1,1 °C auf der nachtfrostigen Seite. Die erste Monatshälfte verlief frostfrei, in der zweiten sammelten sich noch sieben Frosttage an. Direkt über dem Erdboden wurde an 24 Tagen Frost gemessen. Das durchschnittliche Maximum erreichte mit 13,5 °C den dritthöchsten Märzwert hinter 2014 (13,8) und 2025 (13,7).

An der Wetterstation in Silberborn lag die Monatstemperatur bei 5,6 °C, was einem Plus von gut 2,3 Grad gegenüber dem Mittel der Jahre 1991-2020 und sogar von 3,5 Grad gegenüber der Periode von 1961-1990 entspricht. Die positive Abweichung war im Hochsolling also noch ein ganzes Stück größer als im Wesertal, was den Beobachtungen im Sauerland und im Harz entspricht. Ursache war die Hochdruckdominanz im ersten Drittel und nach Monatsmitte, durch die es zu stärkerer nächtlicher Abkühlung in den Tallagen kam. Die Durchschnittswerte bei den Höchst- und Tiefstwerten verdeutlichen dies: Während das mittlere Maximum in Silberborn mit 10,5 °C um exakt drei Grad unter dem in Bevern lag, was recht gut dem jahreszeitlichen vertikalen Temperaturgradienten aus der Höhendifferenz von rund 320 Metern entspricht, lag das mittlere Minimum in Silberborn von 1,2 °C sogar um 0,3 Grad über dem von Bevern.  Der Tiefstwert von -2,0 °C stammt vom 17.03. (einem von acht Frosttagen); am wärmsten wurde es am 6. und 7. mit jeweils 16,4 °C.

Die Analyse der Großwetterlagen über Europa zeigt zu Monatsbeginn die Fortsetzung der hochdruckgeprägten Südwestlage von Ende Februar, bevor sich das Hochdruckzentrum für ein paar Tage über Mitteleuropa befand. Anschließend drehte die Strömung (weiterhin unter Hochdruck) auf Süd, womit wieder einmal Staub aus der Sahara zu uns gelangte. Der letzte Tag der ersten Dekade leitete den Übergang in eine vorübergehende tiefdruckgeprägte Westlage ein, es wurde wechselhafter, kühler und es fiel der erste Regen des Monats. Nach Monatsmitte übernahm wieder hoher Luftdruck in Form einer Brückenlage über Mitteleuropa die Wetterregie, es folgte die zweite Phase des Monats mit viel Sonnenschein und einer Serie von sieben bis acht niederschlagsfreien Tagen, ohne dass dabei die hohen Temperaturen vom Monatsbeginn wieder erreicht wurden. Am 25. vollzog sich schließlich eine markante Umstellung auf eine tiefdruckgeprägte Nordlage (Trog Mitteleuropa) mit deutlichem Temperaturrückgang und unbeständigem Schauerwetter, wobei hochreichende Kaltluft aus polaren Breiten für typisches Aprilwetter sorgte, bei dem sich vor allem in den höheren Lagen teils mit Schnee vermischte Schauer rasch mit sonnigen Phasen abwechselten. Ein Wechsel zwischen solchen Großwetterlagen (Hoch und zyklonal Nord) ist typisch für das mitteleuropäische Frühjahr und kann uns mit Spätfrösten bis weit in den April, mitunter bis in den Mai beschäftigen.

Die Niederschlagsbilanz fiel – man muss mittlerweile sagen: wie gewohnt – negativ aus, die langjährigen Durchschnittswerte wurden also erneut verfehlt, und das meist deutlich. Diesmal gab es nur geringe Unterschiede zwischen den Messstellen im Kreis und in seiner unmittelbaren Umgebung, womit die Defizite an den höher gelegenen und klimatisch feuchteren Stationen noch ein Stück größer waren. Am meisten fiel auf dem Wilmeröder Berg in Polle mit 52,8 mm, gefolgt von Hellental mit 52,0 mm. In Amelith wurden 48,7 mm gemessen, in Ottenstein 48,1, in Lüchtringen 47,7 und in Silberborn 47,6 mm. Bevern kam auf 45,7 mm, Hehlen auf 42,5 und Schlusslicht Vorwohle auf 40,2 mm.

Im Verhältnis zum langjährigen Mittel von 1991-2020 erreichte Bevern rund drei Viertel seines Niederschlags, in Silberborn waren es sogar nur 56%. Das Defizit der letzten 14 Monate seit Beginn der außergewöhnlich trockenen Witterungsphase im Februar 2025 liegt per Ende März 2026 mittlerweile bei 316 mm in Bevern und sogar bei 411 mm in Silberborn. Blick in die Wettermodelle zeigt bis zum Ende des ersten Aprildrittels kaum Niederschläge an, ob es danach nasser wird, bleibt abzuwarten. Zumindest ein Teil der Langfristmodelle hatte zu Monatsbeginn einen weiteren trockenen Monat in den Karten. Die Lage ist zwar derzeit noch nicht prekär, bleibt aber angespannt, gerade vor dem Hintergrund der sich nun rasch ausbreitenden Wachstumsphase in der Vegetation. Über den aktuellen Zustand der Böden im Kreis liefern der Bodenfeuchteviewer des DWD (recht entspannt) und der Dürremonitor des Helmholtz Zentrum für Umweltforschung UFZ (20-50-jährliche Dürre) leider widersprüchliche Aussagen.

Sonne satt hieß es während der beiden stabilen Hochdruckphasen im ersten Drittel und nach Monatsmitte, unter dem Strich zeigte sich die Sonne ca. 181 Stunden lang über dem Kreis – der vierthöchste Wert in einem März seit Messbeginn 1951. Das Mittel der Jahre 1991-2020 wurde um rund 65 Stunden bzw. gut 55% übertroffen. Drei der vier sonnigsten Märzen fielen in die jüngsten fünf Jahre, darunter auch der Fabelrekord von 240 Stunden aus dem Jahr 2022. Das dunkle Ende der Reihe markiert der nasse März von 1988 mit gerade einmal 48 Stunden, als sich der Schnee in Silberborn auf bis zu 80 Zentimetern Höhe türmte.

Der Wind war meist schwach bis mäßig unterwegs und frischte nur während der wenigen Frontdurchgänge sowie in Schauernähe am Monatsende deutlich auf. Die Spitzen wurden am 25. erzielt und erreichten an den frei liegenden Wetterstationen in 10 m Höhe über dem Grund Stärke sieben bis acht.

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Autor: wesersollingwetter

Hobbymeteorologe und Autor des monatlichen Lokalwetterrückblicks im Täglichen Anzeiger Holzminden.

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