Viel Durchschnittskost und eine Woche Hitze

Achtwärmster Sommer seit Aufzeichnungsbeginn bei ausgeglichener Regen- und Sonnenscheinbilanz

Nach zwei sehr sonnigen, trockenen und heißen Vorgängern bewegte sich der Sommer 2020 in allen drei Kategorien deutlich näher an den langjährigen Mittelwerten der letzten 30 Jahre. Vor allem bei Niederschlagsumme und Sonnenscheindauer wurden nur sehr geringe Abweichungen beobachtet, während es bei der Temperatur vor allem aufgrund der markanten Hitzewelle in der ersten Augusthälfte noch für den achtwärmsten Sommer seit Messbeginn 1934 reichte, die sehr hohen Werte von 2018 und 2019 aber deutlich verfehlt wurden.

Mit einer Mitteltemperatur von 18,46 °C war es im Sommer 2020 an der DWD-Station in Bevern um 1,14 Kelvin wärmer als im Durchschnitt der Jahre 1981-2010. Noch klarer zeigt sich die Entwicklung, wenn man die internationalen 30-Jahres-Referenzperioden miteinander vergleicht: War es im Mittel der Sommer 1961-1990 noch 16,5 °C warm, sind es 30 Jahre später bereits 17,8 °C – und selbst dieser Wert wurde im Sommer 2020 um 0,65 K übertroffen. Betrachtet man innerhalb der neuen Klimanorm von 1991-2020 die erste und zweite Hälfte getrennt, findet sich zuletzt sogar ein Anstieg auf eine Mitteltemperatur von 18,1 °C.  

Mit einem aufschlussreichen Blick über den regionalen Tellerrand hinaus ergibt sich folgendes Bild: Ein Durchschnittssommer der letzten 15 Jahre im Oberwesertal liegt exakt auf dem Temperaturniveau der Klimanorm vor 30 Jahren im deutlich wärmeren Frankfurt am Main, was auch das Diagramm auf dieser Seite veranschaulicht. Der Vergleich mit der Rhein-Main-Metropole fördert noch mehr bemerkenswerte Zahlen zutage: Im aktuellen 30-Jahres-Mittel gibt es in unserer Region ebenso viele meteorologische Sommertage mit einer Höchsttemperatur von mindestens 25 °C zwischen dem 1. Juni und 31. August wie in Frankfurt vor 30 Jahren – 34 Stück. Und bei den heißen Tagen ab 30 Grad sind es in diesem Quervergleich sogar mehr (9,5 zu 8,3). Zumindest was die Temperaturen im Sommer angeht, hat sich das damalige Klima aus einer der wärmsten Regionen Deutschlands in den letzten 30 Jahren bis zu uns vorgearbeitet.

Natürlich ist es auch im Rhein-Main-Gebiet wärmer geworden, dort liegt der aktuelle 30-Jahresschnitt im Sommer bei fast 19,7 °C und in den letzten Jahren ging es sogar regelmäßig über die 20-Grad-Marke, die bei uns noch nicht erreicht wurde, auch wenn ihr die Sommer 2003 und 2018 sehr nahe kamen. Doch obwohl der aktuelle Sommer bis auf die Augusthitze unauffällig blieb und bei den heißen Tagen mit acht sogar leicht unterdurchschnittlich, wurden erstmals drei Sommer in Folge mit über 18 °C Mitteltemperatur an der Station Bevern registriert. Die jüngsten sechs waren alle mindestens 17,95 °C warm – eine solche Serie hat es zuvor nicht annähernd gegeben: Von 1934 bis 2001 brauchte es noch 68 Jahre, um sechs solch warmer Sommer zu zählen, von denen nie mehrere aufeinander folgten.

Deutlich moderater fielen die Sommertemperaturen im Solling aus. An der Station in Silberborn, die seit Mitte Juni auch über einen Windmesser in 10 m Höhe über Grund an einem separat aufgestellten Mast verfügt, betrug die Mitteltemperatur 16,1 °C und es wurden nur zwei heiße sowie 16 Sommertage gezählt. Doch natürlich müssen diese Werte im Kontext der Höhenlage und des daraus resultierenden kühleren Klimas betrachtet werden, entscheidend sind auch hier die Abweichungen zu den langjährigen Mittelwerten vor Ort. Und da fällt die Erwärmung der letzten 30 Jahre genauso deutlich aus wie in den Niederungen: Ein Durchschnittssommer der Jahre 1961-1990 erreichte in Silberborn noch 14,3 °C, von 1991-2020 waren es schon 15,6 °C – der Zuwachs beträgt im Hochsolling also ebenso wie im Oberwesertal 1,3 Kelvin. Oben wie unten war in diesem Sommer der August der mit Abstand wärmste Monat und der Juli der kühlste, wobei der Unterschied in Silberborn noch etwas deutlicher ausfiel.

Hitze in Verbindung mit sehr viel Sonnenschein und zeitweise extremer Trockenheit – diese Mixtur hatte die Wälder in den letzten beiden Sommern stark in Mitleidenschaft gezogen, vor allem die im Solling weit verbreitete Fichte, die sich an die rasche Erwärmung nicht anpassen kann und der zudem noch der Borkenkäfer massiv zugesetzt hat – aber auch Laubbäume wie die Buche mussten vermehrt kapitulieren. Diesbezüglich war zumindest etwas Durchatmen im Sommer 2020 angesagt, denn nicht nur die geringere Anzahl an heißen Tagen, sondern auch die höhere Niederschlagssumme bei weniger Sonnenschein sorgten für ein Stück Entlastung in der Natur. Dennoch bleibt die Lage angespannt, denn für eine nachhaltigere Erholung hätte es schon einen Sommer der Kategorie kühl, trüb und verregnet gebraucht, wie sie zuletzt vor 40 Jahren gehäuft aufgetreten sind. Vorausgegangen war zudem ein rekordsonniges Frühjahr in diesem Jahr – letztlich bleibt die Erkenntnis, dass die Ansprüche unserer Natur an „gutes Wetter“ mittlerweile ganz andere sind als die der meisten von uns Menschen.

Doch zurück zu Zahlen und Fakten zum Thema Regen und Sonnenschein. Die Niederschlagssumme an der Station in Bevern lag in den drei Sommermonaten bei 231,9 mm (zu den Besonderheiten der August-Messwerte siehe Hitze, Gewitter und ein Tornado) und damit geringfügig über den Mittelwerten von 1981-2010 und 1991-2020 sowie exakt im Mittel der älteren Klimanorm von 1961-1990. Wie schon für den August gilt auch für den Gesamtsommer: Bevern hat mehr Regen abbekommen als die meisten anderen Stationen der Region. Vergleichbar viel wie Bevern meldete Lüchtringen mit 233,0 mm, in Hellental waren es 212,9 mm, allerdings herrscht dort auf 270 m Höhe am Rand des Sollings schon wieder ein deutlich feuchteres Klima, das es zu berücksichtigen gilt. Genaue Zahlen vor Ort liegen aber dazu noch nicht vor, denn in Hellental wird erst seit knapp zwei Jahren gemessen.

Deutlich länger ist die Messreihe in Silberborn, wenn auch leider von Oktober 2008 an für gut acht Jahre unterbrochen. An der im November 2016 im Kurgarten in Betrieb genommenen Station misst Ehrenbürgermeister Wolfgang Peter nach wie vor jeden Tag den gefallenen Niederschlag per Hand- und Augenablesung und notierte für den diesjährigen Sommer 255,3 mm – das ist zwar der höchste Wert der Region, aber auch hier sind die maßgeblichen Vergleichsgrößen die langjährigen Klimawerte vor Ort, und die wurden bezogen auf die Jahre 1981-2010 um rund 25 mm oder 9% verfehlt.

Im Nordkreis fiel weniger Regen: In Hehlen waren es an der im Juni 2018 in Betrieb genommenen Station 182,6 mm, in Ottenstein 173,5 mm und in Eimen-Vorwohle 190,7 mm. Und bei der nächsten Auswertung kommt noch eine weitere Messstelle des DWD im Kreis hinzu, die bisher ein wenig ein Schattendasein fristete:  In Polle, genauer auf dem Wilmeröder Berg, wird nun doch weiter gemessen und seit 1. August auch tagesaktuell über das Internet gemeldet. Bisher und letztmals im Juli waren dort die Werte noch auf Papierbögen erfasst und dann nach Offenbach zum DWD gesendet worden, wo die Eingabe in die Datenbanken erfolgte. Dieses zeitaufwändige Verfahren ist nun Geschichte, allerdings fehlen noch die Juli-Werte, so dass für den Sommer 2020 derzeit noch keine Jahreszeitensumme vorliegt.

Bleibt der Blick auf die Sonnenscheindauer: Sie lag mit glatt 600 Stunden zwar deutlich unter dem Niveau der beiden letzten Sommer, aber immer noch etwas höher als im langjährigen Mittel. Gegenüber den Jahren 1961-1990 schien die Sonne immerhin fast 60 Stunden länger, im Vergleich zum Durchschnitt der Zwischenperiode 1981-2010 lag das Plus bei 25 Stunden und das jüngste Mittel der letzten 30 Jahre wurde noch um hauchdünne zwei Stunden übertroffen. Und in dieser Kategorie reicht unsere Region auch mit 30 Jahren Verzögerung nicht an das eingangs erwähnte Rhein-Main-Gebiet heran: In Frankfurt lag das Mittel bereits von 1961-1990 bei 638 Stunden und ist seither auf 686 Stunden angestiegen.

Hitze, Gewitter und ein Tornado

Mehrere Extremwetterereignisse prägten den zweitwärmsten August seit Messbeginn im Oberwesertal

Nachdem der Sommer 2020 sein Werk gut zwei Monate lang recht unauffällig und typisch mitteleuropäisch wechselhaft verrichtet hatte, wendete sich das Blatt im Laufe der ersten Augustwoche: Eine ungewöhnlich lange Hitzewelle hatte weite Teile des Landes fest im Griff und sorgte für eine Reihe von Tagen mit Höchstwerten zwischen 30 und fast 36 Grad in der Region. Mit zunehmender Feuchte stieg die Wärmebelastung zusätzlich an, einzelne lokal begrenzte Schauer und Gewitter brachten kaum Erfrischung. Nach Monatsmitte wurde es schrittweise kühler, der bis dahin aufgebaute Temperaturüberschuss sorgte aber trotz eines leicht unterdurchschnittlichen Monatsendes für den zweitwärmsten August seit Aufzeichnungsbeginn. Höhepunkt der teils extremen Witterung im dritten Sommermonat war ein Tornado am Mittag des 17.08., der nordöstlich der Kreisstadt beobachtet wurde.

Mit einer Mitteltemperatur von 20,30 °C war der August 2020 an der DWD-Station in Bevern um 2,6 Kelvin wärmer als im Durchschnitt der Jahre 1981-2010 und der zweitwärmste seit Messbeginn 1934. Erst vor zwei Jahren hatte sich der August 2018 hinter dem Spitzenreiter 2003 auf den zweiten Platz geschoben – und musste diesen nun bereits wieder abgeben. Die Erwärmung im Zuge des Klimawandels schreitet derzeit in den Sommermonaten forciert voran, in der jüngsten Vergangenheit trifft dies besonders auf den August zu, der in den letzten zehn Jahren sogar den Juli als wärmsten Monat des Jahres abgelöst hat. Vergleicht man die Durchschnittswerte der Klimaperiode von 1961-1990 mit dem ab dem kommenden Jahr gültigen Referenzmittel der Jahre 1991-2020, so hat sich der August in den letzten 30 Jahren um fast 1,5 K erwärmt. Das ist zusammen mit dem Juli und nach dem April der zweitstärkste Anstieg aller zwölf Monate.

Nach einem sehr warmen Start mit Höchstwerten von knapp unter 30 Grad ging es erst einmal wieder abwärts. Mit mehreren Tagen leicht unter der 25-Grad-Marke setzte der Sommer 2020, für den diverse Medien und Meteorologen einmal mehr den Begriff vom „Schaukelsommer“ bemühten, seinen eingeschlagenen Weg der moderaten Wärme fast ohne Hitze aus den Vormonaten zunächst weiter fort – bis sich zu Beginn der zweiten Pentade das Hoch „Detlef“ von Westen kommend über Nordosteuropa festsetzte und eine Brücke zum Subtropenhoch auf dem Ostatlantik bildete. Die damit einfließende Luftmasse subtropischen Ursprungs erreichte in ca. 1.500 Metern Höhe Temperaturen von bis zu 18 Grad über unserer Region, was in Zusammenhang mit ungehinderter Sonneneinstrahlung und begünstigt durch die trockenen Böden zu Höchstwerten von bis zu fast 36 Grad führte, wobei die Luft zunächst noch trocken und die Nächte sogar noch vergleichsweise frisch blieben. Doch wie so oft bei heißen Sommerwetterlagen schummelte sich im Laufe des Wochenendes eine flache Tiefdruckrinne von Frankreich her nach Deutschland und führte deutlich feuchtere Luft in den Süden und die Mitte. Die Folgen bei uns: Die Hitze schwächte sich zwar mit zunehmender Bewölkung etwas ab, aufgrund der deutlich höheren Feuchte mit Taupunkten von bis zu 20 Grad stieg die Wärmebelastung aber sogar noch an.

In dieser feuchten, instabil geschichteten Luft konnten sich immer wieder einzelne, meist lokal eng begrenzte Schauer und Gewitter entwickeln, oft blieb es aber auch bei kurzem Donnergrollen. Dort, wo kräftiger Regen niederging, brachte dieser aber kaum Erleichterung, denn bis auf die temporäre Verdunstungskälte während der Niederschläge gab es keine Abkühlung, da mit den Schauern kein Luftmassenwechsel verbunden war, wie es bei an Kaltfronten geknüpften Gewittern der Fall ist. Vielmehr breitete sich das Gefühl einer riesigen Waschküche im Freien aus.

Insgesamt dauerte die Serie der heißen Tage mit mindestens 30 Grad Höchsttemperatur genau eine Woche lang an, nach der gängigen Definition des tschechischen Meteorologen Jan Kysely für die Analyse von Hitzewellen in Mitteleuropa waren es sogar zwölf Tage vom 5.-16.08. und damit eine der längsten Hitzewellen in der Region seit Beginn der Messungen. Wobei wie immer für den Begriff „Region“ gilt, dass die in Bevern gewonnenen Messwerte nur für die Tieflagen des Wesertals repräsentativ sind und es in den höheren Lagen ein Stück kühler oder weniger heiß wird. Das bestätigt auch der Blick auf die Messungen im Silberborner Kurgarten, wo nur zwei Hitzetage registriert wurden. Gleichwohl war es auch dort ein ungewöhnlich warmer August, der sich in der Hochsolling-Klimareihe als drittwärmster hinter 2003 und 1997 einsortiert. Mit einer Mitteltemperatur von 18,1 °C wurde das Klimamittel der Jahre 1981-2010 um 2,4 K übertroffen. Bei den wärmsten Nächten hatte Silberborn sogar die Nase vorn: Gleich zweimal sank das nächtliche Minimum nicht unter 20 Grad, am 21. wurde es sogar nicht kälter als 21,3 °C. In dieser Nacht reichte es auch am Standort Bevern mit 20,0 °C haargenau für eine der im Wesertal sehr seltenen Tropennächte.

Noch seltener und für jeden Wetterfan ein ganz besonderes Ereignis sind Tornados – und genau dieses Wetterphänomen konnten mehrere Bewohner des Kreises am Mittag des 17.08. beobachten und mit der Kamera einfangen. Was zunächst nach den ersten vorliegenden Bildern nur wie ein Funnel aussah, also eine Windrose, die den Boden nicht erreicht, entpuppte sich nach dem Eintreffen weiterer Fotos als handfester Tornado, der nur gut eine Stunde später bereits unter tornadoliste.de bestätigt wurde. Da er zum Glück über unbewohntem Gebiet niederging und daher keine Schäden gemeldet wurden, kann die Stärke nicht eingestuft werden. Diverse Augenzeugen berichteten aber davon, dass der Bodenwirbel auf Feldern über mehrere Minuten zu sehen war. Beobachtet wurde der Tornado u.a. von Bevern, Deensen, Arholzen, Stadtoldendorf und Braak aus, eine exakte Lokalisierung war aber nicht möglich.

Während der Tornado selbst nicht von Gewittern und Regen begleitet wurde, bildeten sich im Laufe des Nachmittags wieder lokale Starkregenfälle aus, während es an anderer Stelle nahezu trocken blieb. Als exemplarisches Beispiel seien zwei Tagessummen von DWD-Niederschlagsstationen an jenem Montag genannt: Während westlich der Kreisstadt in Lüchtringen 16,1 mm gemessen wurden, waren es auf der anderen Seite im Osten in Hellental nur 0,8 mm. Der 17.08. war zugleich der letzte Tag im August, an dem vereinzelt größere Mengen fielen.

Nachfolgend steuerte die Großwetterlage in ruhigeres Fahrwasser mit Höchstwerten zwischen 24 und 29 Grad und einigen trockenen, aber überwiegend bewölkten Tagen. Am 22.08. zeigte sich der August noch einmal von seiner freundlichen Seite und lud ein zu einer Tour durch den Kreis mit einer Mischung aus blauem Himmel und rasch ziehenden Cumuluswolken, die für interessante Licht-Schatten-Spiele sorgten. Es war zugleich der letzte Tag im August, an dem das Kriterium für einen meteorologischen Sommertag mit mindestens 25 °C erreicht wurde. Anschließend brachte eine Umstellung auf eine Westlage einen nur mehr mäßig warmen, unbeständigen und zu wiederkehrenden, aber meist nur leichten Regenfällen neigenden Witterungsabschnitt zum Ausklang des Sommers 2020.

Die Niederschlagssumme an der Station in Bevern lag mit 87,5 mm ein Stück höher als an den anderen Messplätzen des DWD, wo es meist zwischen 55 (Ottenstein) und 77 mm (Lüchtringen) waren. Derzeit findet man auf diversen Internetseiten (noch?) einen niedrigeren Wert für Bevern als hier genannt – Grund dafür ist ein Ausfall der Technik während der ersten Dekade. Wie Temperatur und Feuchte, wird auch der Niederschlag dort vollautomatisch erfasst und an den DWD übertragen. Doch seit Ende Juli streikte der Regenmesser und bis zur Instandsetzung vergingen fast 14 Tage – leider kein Einzelfall, wie Recherchen zu diesem Thema ergaben. Glücklicherweise befindet sich neben dem Automaten in Bevern noch ein manuelles Niederschlagsmessgerät, der klassische „Hellmann“, wie er an den konventionellen Stationen in Lüchtringen, Polle, Hehlen und Hellental beim DWD ebenso zum Einsatz kommt wie an der privaten Station in Silberborn. In Ottenstein und Vorwohle hingegen wird wie in Bevern vollautomatisch gemessen. Da der Hellmann in Bevern nie abgebaut wurde, konnte Betreuer Manfred Springer ihn nun vorübergehend zur Handmessung reaktivieren und so dafür sorgen, dass keine Lücke in der seit Juli 2006 vollständigen Messreihe in Bevern entsteht. Doch bis der DWD solche „Zumeldungen“ (wie sie im Amtsdeutsch heißen) in seine Datenreihen integriert hat, kann es dauern…

Auf diese Weise konnte zum Glück die Monatssumme auf Umwegen korrekt ermittelt werden, sie lag in Bevern immerhin 10 mm oder 13% über dem Mittel der Jahre 1981-2010. Allerdings ist für die trockengestresste Vegetation leichter Landregen deutlich besser als kurze, starke Schauer, bei denen ein Großteil des Regenwassers oberflächlich abfließt und die tieferen Bodenschichten nicht erreicht. Dazu kam die Hitze und zum Monatsende auch zeitweise auffrischender bis stürmischer Wind – all diese Faktoren begünstigen Verdunstung und Austrocknung der oberen Bodenschichten. Das Thema Trockenheit wird uns und vor allem die für die Wälder zuständigen Forstwirte auch weiterhin beschäftigen. Zumal im Solling, wo die langjährigen Klimawerte und damit die Menge, an die die Natur angepasst ist, höher liegen als im Wesertal, wo aber in Silberborn mit 86,3 mm nur 93,8% des Mittels von 1981-2010 gemessen wurden.

Die Sonnenscheinbilanz schließlich fiel leicht überdurchschnittlich aus, was hauptsächlich auf die sonnige erste Dekade zurückzuführen ist. Mit 196 Stunden schien die Sonne etwa acht Stunden länger als im langjährigen Mittel, was insofern etwas überraschend ist, als dass die bisherigen sehr warmen Augustmonate mit einer deutlich höheren Sonnenscheindauer zwischen 220 und fast 270 Stunden korreliert waren.   

Hitzewellen in der Region: Von der Ausnahme zur Regel

Heiße Tage haben deutlich zugenommen – doch Hitze ist nicht gleich Hitze

Nachdem sich der Sommer 2020 anders als seine beiden Vorgänger bis Ende Juli in Sachen heiße Tage noch vornehm zurückgehalten hatte, kam die Hitze im Laufe der ersten Augustwoche mit Macht nach Deutschland. Weitgehend ausgespart blieben dabei nur die Regionen etwa südlich der Donau, Höhenlagen ab etwa 800 Meter sowie die Küstenabschnitte und Inseln der Nord- und Ostsee – diese aber auch nur bei auflandigem Wind. Bei Winden aus östlicher Richtung lagen die Höchstwerte in Arkona auf Rügen nur zwischen 23 und 25 Grad Celsius, während in List auf Sylt bei dort ablandigem Wind von Freitag bis Montag vier heiße Tage oberhalb der 30-Grad-Marke in Folge erreicht wurden – erst zum zweiten Mal in der dortigen Messreihe seit immerhin 1937. Doch wie ordnet sich die aktuelle heiße Witterungsphase in die lokale Historie ein und wann liegt überhaupt eine Hitzewelle vor?

Für viele Begriffe in der Meteorologie gibt es klare und eindeutige Definitionen. So spricht man zum Beispiel von einem Frosttag, wenn der Gefrierpunkt unterschritten wird, ein Sommertag liegt vor, wenn die Höchsttemperatur mindestens 25 Grad Celsius erreicht und Tage mit einem Maximum von 30 Grad und mehr gelten als heiße bzw. Hitzetage. Eine Hitzewelle hingegen ist weder exakt noch verbindlich definiert, stattdessen gibt es unterschiedliche Ansätze, die mehr oder weniger versuchen, auch die lokalen Klimaverhältnisse sowie das Temperaturempfinden des Menschen und die sich aus verschiedenen Faktoren ergebende Wärmebelastung zu berücksichtigen. Es geht also um mehr als nur um eine Aneinanderreihung von heißen Tagen von mindestens 30 Grad.

Der Deutsche Wetterdienst DWD beschreibt den Begriff in seinem Wetterlexikon so: „Eine Hitzewelle ist eine mehrtägige Periode mit ungewöhnlich hoher thermischer Belastung. Eine Hitzewelle ist ein Extremereignis, welches die menschliche Gesundheit, die Ökosysteme und die Infrastruktur schädigen kann. In unseren Breiten treten Hitzewellen häufig im Zusammenhang mit andauernden sommerlichen Hochdrucklagen auf.“

Zu klären ist also vor allem, wann eine „mehrtägige ungewöhnlich hohe thermische Belastung“ vorliegt. Als mehrtägig hat sich mittlerweile eine Dauer von mindestens drei Tagen durchgesetzt. Die ungewöhnlich hohe thermische Belastung hingegen hängt von mehreren Faktoren ab – natürlich von der gemessenen Temperatur, aber auch von Sonneneinstrahlung, Luftfeuchte und Wind. Während trockene Luft im Sommer meist als weniger wärmebelastend empfunden wird, sinkt das Wohlempfinden mit zunehmender Feuchte bei den meisten Menschen deutlich ab. Sehr feuchte Luft wird oft als schwül und „drückend“ empfunden, ohne dass die Temperatur auf 30 Grad und mehr steigen muss, während trockene Hitze auch über 30 Grad meist weniger belastend ist, wenn man auf körperlich anstrengende Aktivitäten sowie längeren Aufenthalt in der prallen Sonne verzichtet. Aus dem Zusammenspiel der verschiedenen Faktoren errechnet sich die sogenannte „gefühlte Temperatur“. Für sie gilt: Sonne und Feuchte steigert sie (teils deutlich) über den gemessenen Wert, Wind führt zum gegenteiligen Effekt und wird daher im Sommer als angenehm kühlend, im Winter bei Frost als deutlich kälteverschärfend empfunden. Natürlich kommen individuelle Faktoren des Menschen wie Körpergewicht und Gesundheitszustand hinzu, was die Sache zunehmend komplex macht und hier nicht weitergehend erläutert werden kann. Zum Weiterlesen empfiehlt sich die Seite https://www.dwd.de/DE/service/lexikon/Functions/glossar.html?lv2=100932&lv3=100988 inklusive der dort verlinkten Artikel.

Dennoch hat der DWD einige Schwellenwerte für die thermische Belastung festgelegt. So beginnt eine mäßige Wärmebelastung ab einer gefühlten Temperatur von 26 °C, eine starke Wärmebelastung liegt ab 32 °C vor und ab einer gefühlten Temperatur von 38 °C spricht man von einer extremen Wärmebelastung. Und mit einer solchen extremen Belastung haben wir es in diesen Tagen durchaus zu tun: So wurden an der DWD-Station in Bevern am Samstag und Sonntag Höchstwerte von 35,5 und 34,6 °C gemessen, am Sonntag unter zunehmender Feuchte, die auch im weiteren Verlauf der Woche eine Rolle spielen wird. Ein wichtiger Rechenwert zur Beurteilung der „Schwüle“ ist der Taupunkt. In der Regel werden bei sommerlichen Temperaturen Taupunktwerte ab etwa 14 Grad als schwül, ab 17-18 Grad als sehr schwül empfunden. Am Sonntagabend unter der Wolkendecke war dieser Wert an der Beveraner Station von knapp 15 Grad am frühen Nachmittag auf extrem schwüle 21 Grad gestiegen, so dass sich die unter den Wolken gemessenen 28 Grad deutlich wärmer und belastender anfühlten. Der Rückgang der Lufttemperatur gegenüber dem Nachmittag führte also nicht zu einer thermischen Entlastung. Auch die am Montagnachmittag gemessenen 30 Grad führten bei einem Taupunkt von 16 Grad zu einer starken Wärmebelastung, für die der DWD auch eine entsprechende Warnung ausgegeben hatte.

Bleibt noch die Frage, wann eine solche Belastung als ungewöhnlich einzustufen ist. Dabei berechnet der DWD zunächst einen ortsgenauen Schwellenwert aus der noch gültigen Klimaperiode 1961-1990 – und zwar für jeden einzelnen Tag unter Zuhilfenahme der jeweils 15 Tage vor und nach dem Termin. Als Schwellenwert wird das 98-Perzentil verwendet. Ein Beispiel: Um den Schwellenwert für den 16. August zu ermitteln, werden die insgesamt 930 Höchstwerte vom 01.-31.08. der Jahre 1961-1990 vor Ort betrachtet (also die damals in Holzminden gewonnenen Messungen). Daraus werden aufsteigend sortiert 100 gleich große Gruppen von Werten gebildet und der 98. Wert dieser Perzentile ergibt den Schwellenwert. Wird dieser und zugleich die Marke von 28 Grad Celsius an mindestens drei Tagen überschritten, liegt in der Definition des DWD eine Hitzewelle vor.

Aus dieser Vorgehensweise ergeben sich im Alltag allerdings ein paar Probleme. Zum einen steht im kommenden Jahr wie mehrfach berichtet ein Wechsel der Referenzperiode beim Klima an, es gelten dann die Jahre 1991-2020, in den die Sommer in Deutschland im Schnitt um 1,3 Grad wärmer geworden sind. Gilt es die Schwellenwerte dann anzupassen? Und ein Blick in die Vergangenheit wird durch die komplexe Ermittlung der gefühlten Temperatur und der Wärmebelastung deutlich erschwert, da viele Messwerte zu berücksichtigen sind, die aber oft gar nicht vollständig vorliegen und zudem aufwändige Rechenoperationen erfordern.

Um die Frage nach den lokalen Hitzewellen seit 1951 (also seit Tageshöchstwerte vorliegen) zu beantworten, ist daher eine andere, einfachere Methode besser geeignet, auch wenn sie sich auf die reinen gemessenen Werte bezieht und die Wärmebelastung nicht berücksichtigt. Sie stammt vom tschechischen Meteorologen Jan Kysely und wird häufig für die Auswertung von Hitzeperioden in Mitteleuropa verwendet:
„Eine Hitzewelle wird festgestellt, sobald an mindestens drei Tagen in Folge die Maximaltemperatur 30 °C überschreitet und hält so lange an, wie die mittlere Maximaltemperatur über die gesamte Periode über 30 °C bleibt und an keinem Tag eine Maximaltemperatur von 25 °C unterschritten wird.“

Nach dieser Definition befinden wir uns also in einer laufenden Hitzewelle, da das Eingangskriterium von mindestens drei heißen Tagen in Folge am Samstag erreicht wurde und seitdem weder das mittlere Maximum seit Donnerstag unter 30 Grad gefallen ist noch die 25-Grad-Marke an einem Tag verfehlt wurde. Doch wie ordnet sich diese Hitzewelle in die Messungen in Holzminden und Bevern seit 1951 ein?

Dazu wurden alle Messungen seither ausgewertet, wobei die bekannten Messlücken zu stopfen waren: Die fünfmonatige von 1978, die auch die Sommermonate betraf, sowie die Zeit von August 1991 bis Juni 2006. Von 1992-1996 konnte die Ersatzstation Boffzen verwendet werden, von 1997 bis Juni 2006 musste auf ein Interpolierungsverfahren aus verschiedenen Umgebungsstationen (vorwiegend Hameln, Lippoldsberg, Schieder und Borgentreich) zurückgegriffen werden, mit dem sich zwar die Höchsttemperatur vor Ort nicht aufs Zehntel genau ermitteln lässt, die Abgrenzung einer Hitzewelle aber mit hinreichender Genauigkeit vorgenommen werden kann.

Das Ergebnis offenbart die zu erwartende deutliche Zunahme der Anzahl von Hitzewellen in den letzten 30 Jahren sowie eine weitere nach der Jahrtausendwende. Ob die jüngsten Jahre ab 2018 einen noch stärkeren Anstieg eingeläutet haben, muss natürlich abgewartet werden. Auffällig ist allerdings auch eine Intensivierung der Hitze seit 2015 mit dem Erreichen bzw. Überschreiten der 37-Grad-Marke in drei Jahren (2015, 2018, 2019).

So gab es in den 1950er und 1960er Jahren nur jeweils zwei Hitzewellen an der damaligen Klimastation in Holzminden, die repräsentativ für vergleichbare Höhenlagen um 100 m im selben Naturraum (Holzmindener Oberwesertal) ist und keine in aufeinanderfolgenden Jahren. Eine erste Häufung gab es Mitte der 1970er Jahre, als drei Sommer in Folge eine Hitzewelle schafften: 1974 in einem ansonsten kühlen Sommer eine kurze mit der Mindestlänge von drei Tagen und in den beiden für damalige Verhältnisse sehr warmen Folgesommern zwei längere Wellen, die sogar bis heute auf den vorderen Plätzen stehen: 1975 gab es vom 4. August an neun heiße Tage von mindestens 30 Grad in Folge (die gesamte Hitzewelle brachte es auf zwölf Tage) – bis heute Platz drei in dieser Kategorie, nur 2003 und 2018 schafften noch längere Serien von je 13 30ern. Und der Sommer 1976 stellt mit 18 Kysely-Tagen zusammen mit 2018 die längste Hitzewelle seit Aufzeichnungsbeginn.

Nach einer Reihe von kühlen und nassen Sommern in den Jahren 1977-1981 gab es erst 1982 und im damaligen „Jahrhundertsommer“ 1983 weitere Hitzewellen, die aber ebenso wie die des Sommers 1984 kurz blieben. 1983 wurden aber erstmals in einem Sommer gleich zwei voneinander getrennte Hitzewellen beobachtet.

Die nächste trat erst im Jahr 1990 auf, in den 90er-Jahren gab es dann schon sieben Jahre mit mindestens einer Hitzewelle, 1994 und 1999 waren es sogar je zwei. Nach der Jahrtausendwende wurden Hitzewellen zum Regelfall, in nur vier Jahren wurde seither keine mehr registriert: 2005, 2009, 2011 und zuletzt 2017. Dafür markierte die Hitze der ersten Augusthälfte 2003 eine Zäsur, als es gleich 13 Tage mit (teils deutlich) über 30 Grad in Folge gab. Auch damals glaubte man wieder an ein Jahrhundertereignis – um nur 15 Jahre später eines Besseren belehrt zu werden, als es erneut 13 heiße Tage am Stück und eine Kysely-Welle von sogar 18 Tagen gab. 2019 fügte verteilt auf zwei Wellen 13 weitere Tage hinzu und hätte sogar fast ein Novum mit drei Hitzewellen in einem Sommer nach dieser Definition geschafft, es reichte aber im Juni nicht für die drei Tage in Folge mit mindestens 30 Grad als Start-Kriterium. Nach der komplexeren DWD-Definition allerdings war 2019 der erste Sommer vor Ort mit gleich drei voneinander getrennten Hitzewellen.

Und wie ordnet sich die aktuelle heiße Phase ein?  Der absolute Höchstwert sollte am Samstag mit 35,5 °C erreicht worden sein, die Serie der heißen Tage dürfte noch bis Donnerstag, vielleicht auch bis Freitag andauern und die Hitzewelle nach den Kysely-Kriterien wäre wohl frühestens zu Beginn der kommenden Woche beendet. Bis dahin sollten die Verhaltensempfehlungen in den Warnungen des DWD soweit wie möglich beachtet werden.

 

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Diagramm mit Stand 11.08.2020

Beständig unbeständig durch den Hochsommer

Der Juli 2020 war wechselhaft, recht kühl und erneut zu trocken

Auch der zweite meteorologische Sommermonat verlief klassisch mitteleuropäisch: Der Juli 2020 brachte von allem etwas und unter dem Strich von allem etwas „zu wenig“: Sowohl Temperatur als auch Sonnenscheindauer und Niederschlagsmenge blieben unter den langjährigen Durchschnittswerten. Der Wettercharakter war unbeständig, es gab weder längere Phasen mit Badewetter noch nistete sich nachhaltiger Tiefdruck ein, so dass viele Tage von wechselnder Bewölkung geprägt waren, die in den Vorhersagen gerne als „Sonne-Wolken-Mix“ daherkommen. Wie zuvor der Juni blieb auch der Juli fast hitzefrei – bis es auf der Ziellinie am letzten Tag des Monats doch noch für den ersten heißen Tag des Jahres reichte. Auf der anderen Seite gab es in der Region mehrere ungewöhnlich kalte Nächte für die Jahreszeit – inklusive eines neuen Rekords an der Station in Silberborn, wo zuvor noch kein so niedriger Tiefstwert in einem Juli gemessen worden war wie am frühen Morgen des 11.07., als es bis auf 4,2 °C abkühlte.

Mit einer Mitteltemperatur von 17,37 °C war es an der DWD-Station in Bevern im Juli 2020 um 0,86 Kelvin kälter als im Durchschnitt der Jahre 1981-2010. Das ab dem kommenden Jahr gültige Mittel der Jahre 1991-2020 liegt für die Klimareihe Bevern/Holzminden bei 18,58 °C – dieser jüngste langjährige Durchschnittswert wurde vom aktuellen Juli also um deutliche 1,2 K verfehlt. Das reicht immerhin für den kühlsten Juli seit acht Jahren und den viertkältesten der letzten 20 Jahre – ein weiteres Indiz dafür, wie weit die Erwärmung zuletzt fortgeschritten ist. Monate, die vor 30 Jahren noch als recht warm eingestuft wurden, gelten mittlerweile als kühl.

Vor allem die erste Monatshälfte verlief unterkühlt mit Höchstwerten von oft nur etwas über 20 Grad, teils auch darunter. Meteorologische Sommertage mit mindestens 25 Grad gab es nur zwei, stattdessen aber eine Reihe von frischen Nächten, in denen die Tiefstwerte zwischen dem 10. und 14. fünf Mal in Folge in den einstelligen Bereich sanken. Die Werte in fünf Zentimetern Höhe über dem Erdboden fielen sogar auf bis zu unter fünf Grad. Dabei herrschte überwiegend der Großwettertyp West, mal eher antizyklonal, mal eher zyklonal. Daran änderte sich auch in der zweiten Monatshälfte nichts Grundlegendes, wobei der Hochdruckeinfluss aber etwas zunahm, so dass die Sonnenanteile und Temperaturen anstiegen und der Wettercharakter sommerlicher wurde. So lag die mittlere Höchsttemperatur in der ersten Monatshälfte nur bei 21,5 °C und die Sonnenscheindauer bei trüben 72 Stunden, während es in der zweiten immerhin 24,9 °C und 115 Stunden waren. Zum Monatsende stellte sich dann vorübergehend sogar die Großwetterlage „Hoch Mitteleuropa“ ein und brachte noch zwei nahezu wolkenlose Tage sowie am 31. mit 30,5 °C den ersten heißen Tag des Jahres – so spät wie seit 2004 nicht mehr.

Im deutlich kühleren Klima des Hochsollings dauerte es sogar bis zum 31., bis mit 26,8 °C der erste Sommertag des Monats an der Station in Silberborn gemessen werden konnte. Im vergangenen Jahr hatte es mit 35,2 °C noch einen neuen Allzeitrekord gegeben. Aber auch in diesmal kommt eine Rekordmeldung aus Silberborn: Am Morgen des 11. sank die Temperatur in zwei Metern Höhe auf 4,2 °C – der bisher tiefste dokumentierte Juli-Wert, seit dort 1983 mit Wetteraufzeichnungen begonnen wurde. Aber auch in den acht Jahren zuvor, in denen in Neuhaus auf etwas geringerer Stationshöhe gemessen wurde, findet sich kein vergleichbar niedriger Tiefstwert im Juli, so dass man von der kältesten Julinacht im Hochsolling seit mindestens 1975 sprechen kann.

Beim Niederschlag fiel die Bilanz wieder einmal unterdurchschnittlich aus. Hatte es zu Monatsbeginn noch ergiebige Regenfälle gegeben, blieb es im Rest des Monats meist bei einem Wechsel aus trockenen Tagen und solchen mit geringen Niederschlagsmengen. Aufgrund der moderaten Temperaturen der letzten Monate und des recht regenreichen Junis ist die Lage vor Ort zwar derzeit noch nicht akut kritisch, doch das Thema Trockenheit dürfte angesichts der zu erwartenden Hitzewelle in der ersten Augusthälfte schnell wieder in den Vordergrund treten, sollte sich tatsächlich ein längerer Abschnitt mit sehr hohen Temperaturen, viel Sonne und kaum Regen einstellen.

Die Monatssumme in Bevern lag mit 57,3 mm rund 17 mm oder 23% unter den langjährigen Mittelwerten der Jahre 1961-1990 und 1981-2010, gegenüber dem neuen Klimamittel von 1991-2020, in dem der Juli etwas nasser geworden ist, betrug das Defizit fast 24 mm oder 30%. Dabei war Bevern noch ein vergleichsweise regenreicher Standort im Juli in der Region – nur in Ottenstein wurde auf 295 m Stationshöhe mit 58,0 mm ein ähnlicher Wert gemessen. In Silberborn kam zwar mit gut 61 mm noch etwas mehr vom Himmel, bezogen auf das feuchtere Sollingklima auf fast 430 m Stationshöhe war das Defizit aber noch größer und betrug angesichts einer mittleren langjährigen Regenmenge im Juli von 100 mm fast 40 mm. Die weiteren Messwerte aus der Umgebung: Hellental auf 270 m meldete sehr trockene 47,4 mm, Eimen-Vorwohle auf 265 m 44,9 mm, Hehlen auf 133 m 51,9 mm und Lüchtringen auf 94 m 54,7 mm.

Die Sonnenscheindauer lag mit ca. 187 Stunden unter den jüngeren Klimawerten. Das Mittel der Jahre 1981-2010 wurde um zwölf, das der Jahre ab 1991 um 18 Stunden verfehlt. Die wolkenlosen beiden letzten Tage des Monats steuerten im Endspurt noch gut 28 Stunden bei, solche von früh bis spät sonnigen Tage blieben im Juli 2020 aber die Ausnahme.  Damit landet der klimatologisch sonnigste Monat, der zugleich mit dem Juni über die längste astronomisch mögliche Sonnenscheindauer verfügt (der gegenüber dem Juni zusätzliche Tag am 31. gleicht den im Monatsverlauf zunehmenden jahreszeitlichen Rückgang fast exakt aus) in der aktuellen Jahrestabelle nur auf Platz vier. Die Monate von April bis Juni waren durchweg sonniger – und vielleicht fällt der Juli in den kommenden Wochen noch weiter zurück: Monatssummen von mehr als 187 Stunden waren trotz der jahreszeitbedingt deutlich „kürzeren Tage“ in den letzten Jahren im August häufig und selbst im September zuletzt zweimal in vier Jahren aufgetreten.

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Ein wechselhafter und warmer Start in den Sommer

Der Juni 2020 brachte eine Mixtur aus Sonne, Wolken und Regen – und blieb hitzefrei

Vor einem Jahr hatte der erste meteorologische Sommermonat neue Rekorde geschrieben: Mit fast 20 Grad Mitteltemperatur und knapp 300 Sonnenstunden erlebte unsere Region den wärmsten und sonnigsten Juni seit Aufzeichnungsbeginn – große Hitze zum Monatsende inklusive.  Die blieb in diesem Jahr aus, erstmals seit 2012 machte der Juni wieder „Hitzefrei“. Dennoch stand am Ende ein im Vergleich zu den langjährigen Werten warmer bis sehr warmer Monat, in dem sich die Luft aufgrund der oft hohen Feuchte meist noch etwas wärmer anfühlte, sieht man einmal von einer recht kühlen Phase kurz nach Monatsbeginn ab. War das Frühjahr noch vorwiegend von Nord- und Ostlagen geprägt, überwogen im Juni Winde aus südlichen Richtungen. Dazu war es etwas sonniger als im Durchschnitt, während die Niederschlagsbilanz unterschiedlich ausfiel, wobei es im Süden des Kreises mehr regnete als im Norden.

Mit einer Mitteltemperatur von 17,71 °C war es an der DWD-Station in Bevern im Juni 2020 um 1,69 Kelvin wärmer als im Durchschnitt der Jahre 1981-2010. Gegenüber dem in diesem Jahr letztmals gültigen Referenzmittel der Weltmeteorologie-Organisation WMO der Jahre 1961-1990, mittlerweile auch salopp als „old climate“ bezeichnet, betrug die positive Abweichung sogar 2,1 K. Das ab dem kommenden Jahr gültige Mittel der Jahre 1991-2020 liegt für die Klimareihe Bevern/Holzminden bei 16,6 °C – auch dieser jüngste langjährige Durchschnittswert wurde vom aktuellen Juni bereits wieder um 1,1 K übertroffen.

Nun könnte mathematisch korrekt dennoch vom kältesten Juni der letzten fünf Jahre sprechen, denn tatsächlich liegt der 2020er im Kurzzeitvergleich seit 2016 auf dem letzten Platz – aber dies wäre eine sehr spitzfindige und wenig sachgerechte Betrachtungsweise. Und das nicht allein deshalb, weil zwischen dem Juni 2016 und dem diesjährigen nur ein einsames hundertstel Grad Differenz liegt, sondern weil der Blick in den Langfristchart offenbart, dass der Juni in den letzten fünf Jahren einen deutlichen Sprung nach oben gemacht hat. Seither beträgt die Monatsmitteltemperatur an der Station in Bevern durchweg mindestens 17,7 °C – zuvor, von Messbeginn 1934 in Holzminden bis 2015, gab es lediglich vier Junis, die diesen Wert erreichten oder übertrafen. Oder, nochmals salopp formuliert: Der Juni scheint mit Verzögerung auf den Zug der deutlichen Erwärmung aufgesprungen zu sein. Es gilt aber auch hier festzuhalten, dass dies kühle Junis in Zukunft keinesfalls ausschließt, aber die Wahrscheinlichkeit für „zu kalte“ Monate, gerade im Sommer, im Zuge des Klimawandels zunehmend sinkt.

Doch auch ein warmer Sommermonat muss nicht zwangsläufig Hitze mit sich bringen. Hatte es vor einem Jahr in Bevern gleich sechs heiße Tage mit bis zu 35,2 °C gegeben, begnügte sich der aktuelle Juni mit einem Höchstwert von 29,0 °C. Die Anzahl der meteorologischen Sommertage mit mindestens 25 °C lag mit zehn etwas über dem Durchschnitt der letzten 30 Jahre von acht Tagen, der erste davon wurde am 2. Juni gemessen und damit so spät wie seit 2013 nicht mehr. An der Wetterstation im Silberborner Kurgarten auf knapp 430 m Höhe waren es drei Sommertage, der höchste Wert wurde am 13.06. mit 26,4 °C erreicht und die Monatsmitteltemperatur lag mit 15,3 °C um 1,5 K über dem dortigen Mittelwert der Jahre 1981-2010.

Der Streifzug durch die Wetterlagen offenbart die Wechselhaftigkeit des Junis 2020: Es begann mit einer kurzen warmen bis sehr warmen Phase und Sonne satt zu Monatsbeginn. Anschließend stellte sich eine Tiefdrucklage ein, in der die Höchstwerte über mehrere Tage unter der 20-Grad-Marke blieben und die Sonne nur hin und wieder länger zum Vorschein kam. Dazu gesellten sich lokal Starkregen und Graupel. Mit Abschwächung des Tiefdrucks wurde es nachfolgend bis zu Beginn der zweiten Dekade etwas wärmer, der Himmel blieb aber oft wolkenverhangen. Ein kurzer Vorstoß sehr warmer Luft zum Ende der zweiten Woche ließ die Temperaturen für zwei Tage wieder in den sommerlichen Bereich ansteigen,  dieses Intermezzo wurde mit aufziehenden Gewittern am Samstagnachmittag, die aber einen Bogen um den Landkreis machten, schon wieder beendet.

Anschließend stellte sich eine Wetterlage ein, die gerne als „High over Low“ bezeichnet wird, also Hochdruck über dem Norden und südlich davon Tiefdruck. Solche Wetterlagen sind oft von wenig Dynamik gekennzeichnet und können sich daher recht hartnäckig halten. Und so verlief dann die dritte Juniwoche überwiegend nach demselben Schema: Eine Tiefdruckrinne über der Mitte des Landes trennte trockene und sehr warme Sommerluft im Norden und Nordosten von feuchterer und weniger warmer südwestlich davon. Von wirklich kühler Luft kann man dabei nicht sprechen, auch bei uns war die Luftmasse in etwa 1.500 m Höhe meist leicht überdurchschnittlich temperiert, aber durch die starke Bewölkung dieser Tage war es bodennah oft höchstens mäßig warm. Die feuchte Luft unter südöstlichen Winden sorgte dafür, dass es sich meist etwas wärmer anfühlte als tatsächlich gemessen. Innerhalb dieses Abschnitts stellte sich am Donnerstag (18.06.) vorübergehend Dauerregen ein, der von der Natur dankbar aufgenommen wurde. Ein solcher Landregen über Stunden kann viel besser in die Böden eindringen als kurzer Starkregen, der oft oberflächlich abfließt.

Im Laufe des dritten Wochenendes rutschten wir langsam in die Hochdruckzone mit deutlich mehr Sonnenschein bei zunächst noch mäßig warmer Luft. Ab dem 23.06. stellt sich die sommerlichste Phase des Monats mit viel Sonnenschein und einer Erwärmung auf hochsommerliche 26-29 Grad ein, zunächst unter einer östlichen, später südlichen Strömung. Wie schon zwei Wochen zuvor wurde es ab Samstagmittag gewittrig am Himmel, doch auch diesmal reichte es nur für wenige Tropfen im Kreis beim Durchzug einer kleinen Zelle, so dass der Nachmittag nochmals sonnig und sehr warm verlief. Mit dem Übergreifen einer Kaltfront aus Westen vollzog sich zum Monatsende die Umstellung auf eine Westwetterlage mit einem Wechselspiel aus Sonne und Wolken, mäßig warmer Meeresluft und kurzen Regenfällen.

Mit dem Stichwort Regenfälle kommen wir zur Niederschlagsbilanz. Diese fiel wie eingangs erwähnt recht unterschiedlich aus mit einem Gefälle von Süd nach Nord. Solch inhomogene Verteilungen sind in Sommermonaten nicht ungewöhnlich, weil kleinräumige Schauer mit Starkregen für große Unterschiede auf engem Raum sorgen können. An der Station in Bevern wurden 87,1 mm gemessen, das sind immerhin 19 mm oder fast 28% mehr als im Mittel von 1981-2010. In Holzminden waren es privat gemessene 80,4 mm, an der DWD-Station Lüchtringen sogar 101,1 mm – dort schlug ein „Volltreffer“ am 09.06. mit fast 30 mm zu Buche. Im und am Solling wurden in Silberborn 103 mm registriert, rund 17% mehr als im Mittel 1981-2010; in Hellental 95,7 mm und am meisten in Amelith mit 131,1 mm – dieser Wert am Südrand des Sollings ist auch eine Folge der häufigen Winde mit Südkomponente und entsprechendem Wolkenstau. Nach Norden hin nahm die Regenmenge ab, wobei in Vorwohle im Nordosten des Kreises immerhin noch 81,0 mm gemessen wurden, in Hehlen nur noch 63,7 und in Ottenstein 60,6 mm.

Obwohl die Niederschlagssumme beispielsweise am Standort Bevern im ersten Halbjahr mit 391 mm ein leichtes Plus von 20-30 mm gegenüber den Durchschnittswerten aufweist, ist es für eine Entwarnung in Sachen Trockenheit viel zu früh: Einerseits entsteht durch mehr Wärme und Sonnenschein auch mehr Verdunstung, so dass die langjährigen Klimawerte beim Niederschlag mit Vorsicht zu behandeln sind – es kann überdurchschnittlich viel und dennoch zu wenig regnen – andererseits war auch die Bilanz des ersten Halbjahres 2019 unauffällig, bevor Hitze und Trockenheit ab Mitte Juli für weitere große Schäden in den Wäldern der Region sorgten. Auch wenn man es sich auf dem heimischen Balkon oder im Urlaub gern warm, trocken und sonnig wünscht: Regen und niedrigere Temperaturen gegenüber den beiden Vorjahren sind im Sommer ein kostbares Gut geworden.

Die Sonne schließlich schien im Juni rund 217 Stunden lang, das sind 28 Stunden oder 15% mehr als im Mittel der Jahre 1981-2010, zugleich nach 2019 der zweithöchste Wert der letzten zehn Jahre. Erstmals seit 2011 gab es damit wieder drei Monate in Folge mit jeweils mehr als 200 Sonnenstunden, auch damals von April bis Juni. Vor neun Jahren folgte darauf der kühlste und trübste Juli der vergangenen 20 Jahre…

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Ein sehr trockener Mai und ein rekordsonniges Frühjahr

Nord- und Nordwestlagen brachten oft kühle Luft, aber kaum Regen

Überdurchschnittlich viel Sonnenschein bei unterdurchschnittlicher Temperaturbilanz: Diese ungewöhnliche Kombination prägte den dritten und letzten Frühlingsmonat 2020. Dazu war es erneut deutlich zu trocken, weil über fast den gesamten Monat hinweg Hochdruck- und Hochdruckrandlagen dominierten. Diese brachten zwar auch einige wolkenreiche Tage, so dass sich die Sonne längst nicht so lange zeigen konnte wie noch beim April-Rekord mit seinen fast 300 Stunden, dennoch lag die Monatssumme mit 227 Stunden rund 15% über den langjährigen Mittelwerten und bescherte der Region das sonnenscheinreichste Frühjahr seit Aufzeichnungsbeginn. Das Niederschlagsdefizit hingegen wuchs nach nunmehr elfeinhalb Wochen mit lediglich sporadischen Regenfällen weiter an.

Mit einer Mitteltemperatur von 12,18 °C war es an der DWD-Station in Bevern im Mai 2020 um 1,15 Kelvin kühler als im Durchschnitt der Jahre 1981-2010. Selbst das ältere Klimamittel der Periode 1961-1990 wurde um 0,3 K verfehlt, womit es der zweite kühle Mai in Folge war. An der DTN-Unwetterreferenzstation* in Silberborn lag die Monatstemperatur mit 10,0 °C um 1,3 K unter dem dortigen Klimawert von 1981-2020 und um 0,4 K unter jenem der Jahre 1961-1990. Was auf den ersten Blick eher wenig ungewöhnlich aussehen mag, entpuppt sich beim Blick in die Historie als durchaus seltenes Ereignis: Ähnlich kühle Maipaare finden sich in den letzten 40 Jahren nur noch 1995+1996 sowie 1983+1984. Wirklich außergewöhnlich aber ist das Zusammenspiel aus negativer Temperaturabweichung und einem Plus beim Sonnenschein, das zuletzt 1980 beobachtet wurde. Danach waren kühle Maie immer mit wenig Sonnenschein korreliert und sonnige Maie zugleich auch warm.

Was noch auffällt: Gegen den allgemeinen Trend ist die Erwärmung im Mai im ablaufenden Jahrzehnt von 2011-2020 sehr schwach ausgefallen. Der Dekadenmittelwert von 13,6 °C in Bevern liegt nur 0,3 K über dem Mittel der Jahre 1981-2010, die anderen Monate erwärmten sich in dieser Zeit zwischen 0,6 und 1,1 K mit einem kräftigen Ausreißer nach oben im Dezember, der einen markanten Anstieg um 2,4 K aufweist. Nun ist es zwar wegen der geringen Menge der Daten immer recht problematisch, wenn man kurze Zeiträume wie hier ein Jahrzehnt mit einer dreimal so langen Klimaperiode von 30 Jahren vergleicht, aber ein zumindest kurzfristiger Trend lässt sich daraus schon ableiten.

Da sich der April im gleichen Zeitraum sehr viel stärker erwärmt hat, ist eine mögliche Erklärung, dass sich nicht nur die phänologischen Jahreszeiten im Rahmen des Klimawandels nach vorn verschieben, sondern auch die Witterungsentwicklung. Der Mai hat seinen Ruf als Wonnemonat vor allem deshalb, weil man mit ihm erblühende Natur, erste warme Tage und viel Sonnenschein mit Hochdruckwetter in Verbindung bringt. All das findet seit einiger Zeit häufig bereits im April statt. Gleichzeitig hing der Juni bis vor einigen Jahren bei der Erwärmung und bei der Sonnenscheinentwicklung hinterher, weil in der Umstellungsphase der Atmosphäre auf der Nordhalbkugel hin zur Sommerzirkulation letzte Kaltluftrückfälle gerne für instabiles und oft wolkenreiches Wetter über Mitteleuropa sorgten. Dies könnte sich mittlerweile ebenfalls nach vorn verschoben haben und deshalb gehäuft im Mai auftreten, während der Juni zuletzt oft von hochsommerlich warmen und teils heißen Phasen geprägt war, die zuvor meist dem Juli vorbehalten waren. Hier gilt es, die kommenden Jahre abzuwarten, um die Belastbarkeit dieser Arbeitsthese zu ermitteln. Möglicherweise entpuppt sich die Häufung recht kühler Maie auch als zufällige und vorübergehende Schwankung unseres variablen mitteleuropäischen Klimas.

Anhänger sogenannter Singularitäten, auch Witterungsregelfälle genannt, werden beim Blick auf Kalender und Thermomater am 11. Mai und den Tagen danach die Bestätigung dafür gefunden haben, dass die „Eisheiligen“ pünktlich waren. In diesem Jahr fielen die kältesten Tage des Monats sowie der letzte Nachtfrost in Bevern tatsächlich in die erste Hälfte der zweiten Dekade – doch hier war sicher sehr viel mehr Zufall im Spiel als bei der zuvor aufgeworfenen Frage, ob es eine grundlegende Verschiebung der Frühjahrswitterung in Mitteleuropa gibt. Statistisch ist die Wahrscheinlichkeit für Frost im Mai zu Monatsbeginn am höchsten und nimmt dann kontinuierlich ab. Es gibt auch keine Auffälligkeit in der Zeit zwischen dem 11. und 14.05., also jenen Tagen, an denen im gregorianischen Kalender die vier Eisheiligen Mamertus, Pankratius, Servatius und Bonifazius aufgeführt werden, und erst recht nicht zehn Tage später, wo sie nach dem julianischen Kalender zu finden waren. Man muss diese Bauernregel aus ihrer Zeit heraus verstehen, im kälteren Klima des Mittelalters dürfte sie durchaus ihre Berechtigung gehabt haben. Genau nachprüfen lässt sich dies jedoch kaum. Anders sieht es für die jüngere Vergangenheit aus, und da ist der Blick in die Messreihe Holzminden/Bevern mit Tageswerten ab 1951 durchaus aufschlussreich, denn es finden sich in den 70 Jahren ganze drei Tage bzw. Nächte mit Frost zwischen dem 11. und 14. Mai – der 12.05.2020 war einer davon. Genau so viele sind es übrigens in der Zeit vom 15.-20. Mai, danach finden sich dann nur noch zwei einzelne sehr späte Fröste am 22.05.1988 und am 03.06.1962.

Wie auch immer: Die Großwetterlagen begünstigten in diesem Jahr das Auftreten kalter Nächte mit Bodenfrösten bis Monatsmitte und einstelligen Minima bis zum Schluss. Bis auf wenige Tage dominierten Nord- und Nordwestlagen, Strömungen aus dem Südsektor fehlten völlig.  Somit konnte immer wieder Luft (sub)polaren Ursprungs einließen, die sich in der Sonne jedoch spürbar erwärmte, so dass vielen Menschen der Mai vermutlich gar nicht mal kühl vorgekommen sein dürfte. Begünstigt wurde die Tageserwärmung auch durch die trockenen Böden, weil es dadurch an Verdunstungskälte fehlte.

Womit wir beim Thema Trockenheit und Niederschlagsarmut angekommen sind. Der ergiebige Regen von Ende Januar bis kurz vor Märzmitte ist längst aufgebraucht, seither gab es an der Station Bevern an 60 von 79 Tagen überhaupt keinen messbaren und an weiteren neun Tagen nur geringfügigen Niederschlag von weniger als 1 mm. Im Mai regnete es nur an neun Tagen und die Monatssumme blieb mit 29,9 mm fast exakt auf dem niedrigen Niveau des Vormonats. Vom Klimamittel der Jahre 1981-2010 wurden nur 46,5% erreicht. Noch trauriger liest sich die Bilanz in Silberborn mit nur 24 mm bei gleichzeitig höherem Klimawert von über 80 mm – im Hochsolling fiel also nur gut ein Viertel der durchschnittlichen Regenmenge. Die ohnehin angespannte Lage in den Wäldern hat sich damit erneut verschärft.

Das zeigt sich auch beim Blick auf die Bilanz des meteorologischen Frühjahrs, das in allen drei Monaten die langjährigen Durchschnittswerte des Niederschlags verfehlte, im März noch knapp, danach deutlich. In Bevern wurden mit 119,8 mm weniger als zwei Drittel des Klimamittels von 1981-2010 erreicht, in Silberborn mit ca. 135 mm sogar nur 55%.  Auch an den anderen Messstellen im Kreis war es mit 55-65% viel zu trocken, am meisten fiel noch in Hellental mit 156,2 mm.

Beim Sonnenschein ließ das Frühjahr 2020 dagegen alles hinter sich, was bisher gemessen wurde. Mit einer Summe von ca. 690 Stunden wurde der bisherige Rekord aus dem Jahr 2011 um 13 Stunden übertroffen. Bezogen auf das Mittel der Jahre 1981-2010 ergab sich ein Überschuss von genau 50%. Zur Einordnung: Nur wenige Sommer schafften eine noch höhere Sonnenscheinsumme als das abgelaufene Frühjahr, das mit einer Mitteltemperatur von 9,6 °C an der Station Bevern genau auf dem Niveau des Vorjahres abschnitt. Damit war es um 0,6 K wärmer als im Schnitt der Jahre 1981-2010, gegenüber dem  jüngsten 30-Jahresmittel seit 1991 gab es ein zartes Plus von 0,2 K. Auch in Silberborn wurde mit 7,6 °C genau der Vorjahreswert erreicht, die Abweichungen zur dortigen Klimanorm sind ebenfalls  identisch. Um dieselbe Temperatur zu erreichen, brauchte das Frühjahr 2019 fast 200 Sonnenstunden weniger. Charakteristisch im gesamten Frühjahr war das völlige Ausbleiben der Großwettertypen (GWT) Südwest und Süd sowie Trog und Tief. Nach der bis Mitte März andauernden Westlage, die noch einmal kurz zum Aprilende zum Zuge kam, gaben sich ausschließlich Nord-, Nordwest- und Ostlagen sowie Hochdruck Mitteleuropa die Klinke in die Hand.

*Der Wetterdienstleister MeteoGroup wurde durch die Schweizer Holding TBG AG übernommen, der bereits der Anbieter DTN gehörte, einem führenden Informationsdienstleister für wetterabhängige Branchen. Im Zuge der Umgestaltung zu einem gemeinsamen Auftritt wurde auch das Wetterstationsnetz, zu dem der Standort Silberborn gehört, entsprechend umbenannt.

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Der neue Wonnemonat heißt April

Rückblick auf den April 2020 an der DWD-Station Bevern

Über das hohe Tempo, in dem sich der April in den letzten 15 Jahren erwärmt und dabei häufig mehr Sonnenscheinstunden gebracht hat als der Mai, wurde bereits mehrfach berichtet, zuletzt hier: Weiterhin kein Regen in Sicht. Zur Monatsmitte zeichnete sich bereits ab, dass sich auch die 2020er-Ausgabe nahtlos in diesen Trend einfügen würde. Am Ende stand sogar der mit Abstand sonnigste April seit Messbeginn sowie ein weiterer sehr warmer, wenn auch im Kontext der rasanten Erwärmung der jüngsten Vergangenheit nicht mehr ungewöhnlich warmer Monat, der zudem lange mit Regen geizte. Erst ein Wechsel der Großwetterlage in den letzten Tagen brachte etwas Linderung der wieder auflebenden Trockenheit.

Mit einer Mitteltemperatur von 10,65 °C war es an der DWD-Station in Bevern im April 2020 um 1,8 Grad (Kelvin) wärmer als im Durchschnitt der Jahre 1981-2010. In der Messreihe Bevern/Holzminden, die seit Juni 1934 besteht, reichte dies dennoch nicht für einen Platz unter den wärmsten zehn, er landet direkt dahinter auf Rang elf. Allein seit 2007 war es im April fünfmal noch wärmer. Erstmals gab es aber drei Aprilmonate in Folge mit einer Mitteltemperatur von über zehn Grad. Mit einem Sprung von einer 30-jährigen Mitteltemperatur von 7,93 °C im Zeitraum 1961-1990 auf 9,51 °C in der Periode 1991-2020 hat sich der April um fast 1,6 Kelvin und damit so stark wie kein anderer Monat erwärmt. Den deutlichen Überschuss in diesem Jahr verdankt er den vielen Hochdruckwetterlagen und der Erwärmung der Luft durch die starke Sonneneinstrahlung. Wirklich warme Luftmassen waren in dem überwiegend von Nordwest-, Nord- und Ostlagen geprägten Monat kaum einmal im Spiel. Auch deshalb blieben die Nächte oft frisch, zu Monatsbeginn gab es noch Luftfrost bis zu -4,6 °C und Bodenfrost begleitete uns bis kurz vor Schluss immer wieder. Bei den Tageshöchstwerten gab es ein Zickzack-Muster, also keine längere warme Phase mit Werten über 20 Grad über Tage hinweg, wie wir sie zuletzt mehrfach im April erlebt hatten. Auf ein bis zwei warme Tage folgte jeweils eine vorübergehende Abkühlung. Der wärmste Tag war der 8. mit einem Maximum von 24,2 °C. Der erste meteorologische Sommertag, zuletzt häufiger bereits im April anzutreffen, ließ also noch auf sich warten.

Trotz eines kalten Starts brachte der April erneut eine frühe Obstblüte inklusive der damit verbundenen Gefahr durch Spätfrostschäden. Diesmal ging aber erst einmal alles gut, die in den Wettermodellen gezeigten Fröste zur Monatsmitte traten weiter südlich auf als ursprünglich berechnet und verschonten unsere Region bis auf ganz leichten Frost in der Nacht zum 15. Doch noch sollten Hobbygärtner die Wettervorhersage aufmerksam im Blick behalten und empfindliche Pflanzen nicht draußen stehen lassen, denn zum Zeitpunkt der Entstehung dieses April-Rückblicks deutet sich übereinstimmend in den führenden Wettermodellen ein kräftiger Kälterückfall zu Beginn der zweiten Maidekade beginnend mit der Nacht zum Montag an, also zu dem Zeitpunkt, der immer noch als Start in die „Eisheiligen“ gilt, obwohl – wie in vielen Auswertungen klar gezeigt werden konnte – das Frostrisiko der jahreszeitlichen Entwicklung folgend Anfang Mai am höchsten ist und dann kontinuierlich sinkt. Da es sich dabei aber um Durchschnittswerte handelt, kommen Abweichungen davon natürlich gelegentlich vor.

Aber zurück zum April und seiner Niederschlagsbilanz, die lange Zeit kaum mehr als nichts betrug, bevor die Umstellung auf eine Westlage kurz vor Monatsende doch noch Regen brachte, zunächst nur ein paar Liter pro Quadratmeter, zum Ultimo am 30. sogar ergiebige Mengen von verbreitet um 17 mm an den verschiedenen Messstellen des Kreises, der sich genau innerhalb eines recht schmalen Korridors befand, in dem ein intensives Regengebiet vom Saarland bis zur Wismarbucht zog. Die Monatssumme in Bevern blieb mit 29,7 mm dennoch deutlich unter den langjährigen Mittelwerten, bezogen auf den Zeitraum 1981-2010 fielen nur knapp 60%, wobei der Trend weiterhin nach unten zeigt: Das neue Klimamittel der Jahre 1991-2020 beträgt nur noch 45,7 mm, von 1961-1990 waren es noch 55,2 mm. Betrachtet man nur die letzten 15 Jahre seit 2006, sind es sogar nur noch 37,8 mm. Der April ist damit in der Region wie auch im deutschen Gebietsmittel zum trockensten Monat des Jahres geworden.

Auch ohne einen offiziellen Sonnenscheinmesser vor Ort kann zweifelsfrei festgestellt werden: So sonnig war es in einem April noch nie und selbst von Mai bis Juli nur ganz selten. Mit fast 294 Stunden wurde der alte Rekord aus dem Jahr 2007 um 32 Stunden übertroffen und damit war unsere Region sogar – was eine weitere Seltenheit ist – noch etwas sonniger als das bundesdeutsche Gebietsmittel, das mit 292,4 Stunden nach Angaben des DWD ebenfalls einen neuen Rekordwert erreichte.

Eine Auswertung des Meteorologen Michael Theusner (der die sehr empfehlenswerte Seite mtwetter.de mit aktuellen und historischen Werten aller DWD-Stationen betreibt) ergab, dass der April 2020 bezogen auf die astronomisch mögliche Sonnenscheindauer sogar der sonnigste Monat überhaupt seit Messbeginn war – ebenfalls bundesweit wie lokal. Um die Besonderheit der letzten Wochen in Gänze zu erfassen, lohnt es sich, auch die sehr hochdrucklastige und sonnige zweite Märzhälfte einzubeziehen. Betrachtet man die sechseinhalb Wochen vom 14. März bis zum 27. April, ergeben sich vor Ort ca. 429 Stunden Sonnenschein in diesen 45 Tagen, ein zuvor nicht annähernd erreichter Wert. Zum Vergleich: Die Sommer 1977 und 1980 schafften an 92 Tagen mit zusätzlich längerer astronomisch möglicher Sonnenscheindauer nur 410 bzw. 423 Stunden.

Und wo wir gerade beim Blick in die Vergangenheit sind, soll abschließend der April von 1970 kurz in Erinnerung gerufen werden: Vor 50 Jahren war es selbst für die damaligen klimatischen Verhältnisse ausgesprochen kalt und trüb. In Holzminden wurde mit 6,2 °C der sechstkälteste April der Messreihe registriert, er war damit über 1,7 K kälter als das Mittel 1961-1990 und sogar fast 4 K kälter als der Schnitt der letzten 15 Jahre. Bundesweit wie lokal war es der zweitkälteste April der letzten 50 Jahre hinter 1973. Die 20-Grad-Marke wurde hier an keinem Tag erreicht, dafür hatte jener April andere „Qualitäten“: Mit gerade einmal 82 Stunden Sonnenschein ist er der trübste in der Region seit Messbeginn und damit der Gegenpol zum rekordsonnigen 2020er. Dafür regnete es mit 82,3 mm sehr ergiebig und es gab an der Holzmindener Station sogar noch eine dünne Schneedecke am 3. April, in Höxter auch noch einmal am 5. Im Solling wurde damals leider nicht gemessen, doch deuten Werte anderer Stationen auf etwa 400 m Höhe darauf hin, dass es im Solling 14-15 Schneedeckentage gegeben haben dürfte mit Schneehöhen bis über 20 cm. 1970 war zudem eines der kältesten Frühjahre der lokalen Klimareihe, nachdem es zuvor bereits den zweitkältesten Nachkriegswinter hinter 1962/63 gegeben hatte. Erst im Mai endete die Serie von fünf außergewöhnlich kalten Monaten vor 50 Jahren.

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April_1935-2020_TT

April_1935-2020_RR

April_1951-2020_SSD

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Weiterhin kein Regen in Sicht

Sehr sonnige und extrem trockene erste Aprilhälfte

Die erste Aprilhälfte ist vorbei und sie schloss fast nahtlos an die zweite Märzhälfte an: Hochdruckwetter mit sehr viel Sonnenschein und fast ohne einen Tropfen Regen kennzeichneten auch die ersten beiden Aprilwochen – jahreszeit- und wetterlagenbedingt auf höherem Temperaturniveau als noch im März. Dreimal wurde an der DWD-Station in Bevern die 20-Grad-Marke überschritten, der Höchstwert betrug 24,2 °C am 08.04. Sehr kalt war die Nacht zum 01.04. mit -4,6 °C in 2 m und -6,9 °C in 5 cm Höhe. Danach gab es noch zweimal sehr leichten Luftfrost, der den Obstblüten zum Glück bisher nichts anhaben konnte. Der Vollfrühling begann im Stadtgebiet mit der Apfelblüte bereits am 08.04. und damit zweieinhalb Wochen früher als im Mittel der Jahre 1991-2017, gegenüber dem Mittel der Jahre 1961-1990 sogar um über drei Wochen früher. Bodenfrost gab es hingegen regelmäßig, so dass die mittlere Tiefsttemperatur in 5 cm Höhe nach 15 Tagen mit -0,5 °C noch negativ ist. Die Monatsmitteltemperatur liegt nach 15 Tagen bei 9,47 °C und damit rund 1,3 K über dem Mittelwert der Jahre 1991-2019 sowie 2,5 K höher als im Durchschnitt der Jahre 1961-1990.

Die Sonnenscheinbilanz erreichte mit 141 Stunden bereits die mittlere Monatssumme der alten Klimaperiode 1961-1990 und auch der deutlich höhere Durchschnitt der Jahre 1991-2019 wird angesichts der stabilen Aussichten im Laufe des Sonnabends überschritten werden. Ein weiterer April mit über 200 Sonnenstunden dürfte nach gegenwärtigem Stand bereits in der kommenden Woche „eingetütet“ werden. Regen hingegen fiel nur in kaum messbarer Menge: Ganze 0,6 mm kamen an zwei Niederschlagstagen zusammen. Das Problem dabei: schon in der zweiten Märzhälfte fiel kaum noch Regen, so dass sich die Summe seit Mitte März auf ganze 5,3 mm bemisst – und es ist auch weiterhin kein Wechsel der Großwetterlage hin zu einer tiefdruckgeprägten Witterung mit Niederschlägen zu erwarten in der Mittelfrist. Lediglich am Samstag könnte nach Berechnungen einzelner Wettermodelle ein klein wenig Regen fallen, aber selbst erscheint derzeit bei Betrachtung anderer Modelle mehr als fraglich. Im weiteren Verlauf sieht dann zum Beispiel das amerikanische Modell GFS bis mindestens 25.04. keinen weiteren Niederschlag.