Der Winter schlägt zurück

Das Gerangel zwischen Spätwinter und Frühsommer um die Vorherrschaft in diesem von markanten Gegensätzen geprägten Frühjahr ging zum Ende der ersten Aprilwoche in eine neue Runde: Nachdem erstmals seit Aufzeichnungsbeginn schon im März ein meteorologischer Sommertag an der DWD-Station in Bevern gemessen wurde, setzte der Winter nur wenige Tage später einen eindrucksvollen Konter. Am Morgen des 6. April gab es in Bevern (und nicht nur dort) zum Messtermin um 07:50 Uhr MESZ eine dünne Schneedecke von einem Zentimeter – auch das ist im April schon ein seltenes Ereignis, das es zuletzt vor sechs Jahren gab. Doch 24 Stunden später waren es dann sogar vier Zentimeter – die höchste Aprilschneedecke seit 1984, als am damaligen Standort am Bergblick in Holzminden am 3. April 15 cm gemessen wurden – da spielte der Spätwinter dann doch noch in einer anderen Liga. Aber in der Datenreihe ab 1951 findet sich nur noch eine weitere höhere Schneedecke als am vergangenen Mittwoch: Im Jahr 1975, ebenfalls am 7. gemessen.

Im Hochsolling ist Schnee – auch solcher, der liegenbleibt – im Frühjahr deutlich häufiger zu finden als im Wesertal und dennoch ist es auch dort schon lange her, dass es so spät im Jahr für eine vergleichbare Schneedecke reichte wie in der vergangenen Woche mit vier Tagen in Folge und bis zu neun Zentimetern. Vor 25 Jahren, in den ersten vier Tagen des April 1996, gab es eine fast identische Bilanz, mehr Schnee im April mit elf Zentimetern zuletzt am 05.04.1994. Der späteste Schnee der Sollingreihe bezogen auf die Standorte Neuhaus und Silberborn (ab 1976) wurde übrigens im Mai beobachtet – ein Zentimeter am Morgen des 03.05.1985, nachdem es in jenem Jahr bereits Ende April mehrere Schneedeckentage gegeben hatte. Im oben erwähnten April 1984 lagen in Silberborn bis zu 30 Zentimeter, und auch in der jüngeren Vergangenheit machte der Spätwinter noch einmal nachhaltig auf sich aufmerksam: 2008 gab es zwar nicht ganz so späte, aber doch sehr eindrucksvolle bis zu 28 cm Schnee Ende März. Damals konnte sich die Schneedecke sogar zwölf Tage lang halten, an neun Tagen in Folge lagen mindestens 17, an vier davon mindestens 21 Zentimeter. Und auch die Rekordhöhe wurde nicht im Winter, sondern im Frühjahr gemessen und ist bis heute gültig: 79 cm am 8. und 9. März 1988.

Schneeschauer und erstmals über 25 Grad

Rückblick auf den März 2021

Warmer Start, rekordwarmes Ende – und dazwischen oft kühl: So lässt sich der Temperaturverlauf im März 2021 in wenigen Worten zusammenfassen. Auch wenn die Gesamtbilanz aller wichtigen Parameter kaum von den langjährigen Durchschnittswerten abwich, schrieb der Monat dennoch lokale Wettergeschichte: Mit 25,3 °C wurde nicht nur der bisherige Rekord aus dem März 1968 übertroffen, sondern erstmals seit Beginn der Wetterbeobachtungen ein meteorologischer Sommertag im ersten Frühjahrsmonat gemessen. Nach November und Februar gab es damit bereits zum dritten Mal in den letzten fünf Monaten einen neuen Rekord bei den Höchstwerten.

Mit einer Monatstemperatur von 5,39 °C war der März 2021 an der DWD-Station in Bevern geringfügig wärmer als das Mittel der aktuellen Klimaperiode 1991-2020 von 5,22 °C. Gegenüber dem früheren Referenzmittel der Jahre 1961-1990 betrug das Plus deutlichere 1,35 K. Neben dem ersten Sommertag am 31.03. – statistisch wäre dieser bezogen auf die letzten 30 Jahre erst am 9. Mai zu erwarten und im letzten Jahre dauerte es sogar bis zum 2. Juni – schafften noch zwei weitere Tage am Monatsende den Sprung über die 20-Grad-Marke. Doch insgesamt bildeten milde bzw. warme Tage die Ausnahme in diesem Monat, weite Teile der ersten und fast die gesamte zweite Dekade verliefen zumindest leicht unterkühlt. Für einen richtig spätwinterlichen Abschnitt reichte es aber in den Niederungen nicht mehr. Die Anzahl von elf Frosttagen an der Station in Bevern entspricht fast genau dem Mittelwert der vergangenen 30 Jahre, Bodenfrost, genauer: Frost in fünf Zentimetern Höhe über dem Erdboden wurde an 21 Tagen gemessen. Es gibt auch Messungen im Erdboden an einem Teil der Stationen des DWD-Netzes, dort werden auch die Temperaturen in 5, 20, 50 und 100 cm Tiefe ermittelt, in Bevern gehören diese Werte aber nicht dazu.

An der fast 320 m höher gelegenen Wetterstation der Stadt Holzminden in Kooperation mit dem Wetterdienstleister DTN in Silberborn liest sich die Klimabilanz sehr ähnlich: Die dort gemessene Mitteltemperatur von 3,44 °C lag um 0,19 K über dem Durchschnitt der Jahre 1991-2020 und um 1,34 K über dem Wert der Periode 1961-1990. Frost gab es an 15 Tagen, das Minimum betrug -6,8 °C, gemessen am 6. März, doch auch zu Beginn des astronomischen Frühjahrs am 20. wurde es mit einem Tiefstwert von -6,1 °C noch einmal winterlich kalt. Schnee- und Schneeregenschauer traten dem Sollingklima entsprechend mehrfach auf, eine messbare Schneedecke am Morgen wurde aber nur noch am 10. mit 4-5 cm vorgefunden.

Ob es am Monatsende auch in Silberborn für einen neuen Wärmerekord reichte, kann leider nicht mit hinreichender Sicherheit ermittelt werden. Der 30.03.1968, bisheriger Spitzenreiter in der Region, fiel in die Zeit der Messlücke zwischen der Beendigung der Wetterbeobachtungen in Torfhaus Ende 1966 und der Einrichtung der Wetterstation in Neuhaus im Jahr 1975. Die Daten der Stationen auf ähnlicher Höhe in der weiteren Umgebung von damals lassen leider keine eindeutigen Rückschlüsse zu. Festzuhalten bleibt aber, dass es sich auch in Silberborn mit bis zu 21,7 °C um ein außergewöhnlich warmes Märzfinale handelte.

Die Ursachen für die Temperaturgegensätze lagen in einem Wechsel zwischen warmen Hochdrucklagen zu Monatsbeginn und -ende und kalten oder zumindest kühlen Nordlagen dazwischen, unterbrochen durch eine kurze Westlage zu Beginn der zweiten Dekade.  Ein überwiegend meridionales Zirkulationsmuster, bei der die dominierenden Luftströmungen längengradparallel ausgerichtet sind, ist im Frühjahr keine Seltenheit. Der Abfluss kalter Arktikluft nach Süden und die Verfrachtung subtropischer Luftmassen nach Norden ist vielmehr eine notwendige Voraussetzung dafür, dass es im hohen Norden Europas überhaupt Frühling werden kann. Deshalb finden sich trotz der grundsätzlichen Erwärmung aller Jahreszeiten gerade im Frühjahr immer wieder auch kalte Abschnitte deutlich unter den langjährigen Durchschnittswerten – der typische mitteleuropäische Frühling bleibt auch in Zeiten zunehmender Erwärmung von zwischenzeitlichen Kälterückfällen geprägt, das gilt ebenso und in den letzten Jahren sogar noch eher verstärkt für den April. Gleichzeitig haben die deutlich zu warmen Monate im Frühjahr ebenfalls zugenommen, mit anderen Worten: Die Gegensätze binnen kurzer Zeitabstände sind größer geworden.

Schlecht für die Natur: Niederschlagsreiche Phasen nehmen in solch einem Szenario ab. Dafür steht auch der März 2021 exemplarisch: Nennenswerte Regenmengen brachten lediglich die Tage mit West- und Nordwestströmung vor Monatsmitte, auf die fast der gesamte Niederschlag entfiel. An der Station in Bevern reichte das immerhin sogar fast zum Erreichen des Klimamittels der Jahre 1991-2020 von 61,3 mm – dazu fehlte am Ende nur ein halber Millimeter. Doch an den anderen Stationen in der Region war das Defizit teilweise größer: In Silberborn fielen mit 68,4 mm nur knapp 80%, in Amelith mit 58,7 mm gut 85%. Der höchste Messwert stammt aus Hellental, wo die schmale Tallage Stauniederschläge begünstigt und sich der nasseste Standort im Kreis befinden dürfte, wobei die Messungen über viele Jahre in Dassel stattfanden und erst seit Herbst 2018 in Hellental. Deshalb gibt es dort noch keine langjährigen Klimawerte, die man belastbar in Bezug zu den aktuellen Messwerten setzen kann. Im März jedenfalls holte der Beobachter insgesamt 87,5 mm aus dem Sammelbecher.
Die weiteren Werte: Vorwohle 57,0 mm, Hehlen 56,9 mm, Ottenstein 51,2 mm und Polle 56,0 mm. In Amelith und Silberborn reichte es am Morgen des 10. mit drei bzw. vier bis fünf Zentimetern zum einzigen Schneedeckentag des Monats, in den tieferen Lagen reichte es nur für die Meldung „Schneeflecken“, die einen Bedeckungsgrad von mehr 10, aber weniger als 50% der betrachteten Fläche beschreibt.

Die Sonne konnte sich nur an wenigen Tagen lange am Himmel zeigen, erst die Hochdruckphase zum Monatsende führte zum Erreichen bzw. leichten Überschreiten des 30-Jahres-Mittels von rund 117 Stunden. Umgekehrt gab es kaum richtig trübe Tage mit nur sehr wenig oder gar keinem Sonnenschein – auch das ist typisch für Nordlagen: Der schnelle Wechsel von dichter Bewölkung mit Schauern, teils mit Schnee und Graupel, und zwischenzeitlichen Aufheiterungen. Solche von höhenkalter Luft in ca. 5.500 m Höhe geprägte Wetterlagen gelten als typisches Aprilwetter, treten aber auch in anderen Monaten auf, am häufigsten im Frühjahr. Und da will der April in diesem Jahr, wie wir nun zum Erscheinen dieses Märzrückblicks bereits wissen, keine Ausnahme machen.

Titelfoto: Thomas Seliger

Fotos aus dem März 2021 von Annette Mokross:

Der Februar macht den Unterschied

Mehr Winter als in den letzten acht Jahren im Oberwesertal dank einer Woche im Februar

Rückblick auf den Winter 2021 an der DWD-Station Bevern

Mit einer Mitteltemperatur von 2,56 °C sortiert sich der Winter 2021 zwar als einer der kälteren der letzten zehn Jahre, aber im längeren Betrachtungszeitraum als durchaus mild ein. Seit Messbeginn 1934 in Holzminden waren bezogen auf den Standort Bevern 26 Winter wärmer und 60 kälter. Im Vergleich zum Klimamittel 1991-2020 steht ein zartes Plus von 0,2 K, gegenüber dem älteren der Jahre 1961-1990 fällt es mit 1,4 K deutlicher aus.

Während der Dezember trüb und überwiegend mild verlief und der Januar zwar recht kalt, aber ohne wirklich hochwinterliche Ambitionen dahindümpelte, hatte es der Februar mit extremen Ausschlägen in kurzer Zeit in sich. Er sorgte für den kältesten Abschnitt seit neun und den schneereichsten seit 34 Jahren – und anschließend für den wärmsten seit Aufzeichnungsbeginn.

Mit 19,3 °C gab es am 24.02.2021 einen neuen Jahreszeitenrekord bei den Höchsttemperaturen, die alte Bestmarke stammte mit 18,5 °C vom 27.02.2019.
Aufgrund der Kältewelle in der zweiten Februarwoche wurden acht Eistage und eine Kältesumme von 83,3 K gezählt – bezogen auf die letzten 30 Jahre liegt die Kältesumme fast genau im Schnitt, während die Anzahl der Eistage unterdurchschnittlich ist, obwohl in der Mehrzahl der Winter ab 1991 noch weniger gemessen wurden – ein klassisches Beispiel für eine schiefe Verteilung, verursacht durch die hohe Anzahl der Dauerfrosttage in den Wintern 1996+1997 und 2010+2011.
Die Anzahl der Frosttage lag mit 29 wiederum ziemlich genau im Mittel von 1991-2020 (30). Mit -18,7 °C wurde das tiefste Minimum in zwei Metern Höhe seit Jahresbeginn 2009 (-19,8 °C am 7. und 19,5 °C am 6. Januar) gemessen, für den Standort Bevern war es der dritttiefste Wert seit Inbetriebnahme der Station im Sommer 2006. Fünf Zentimeter über dem Erdboden oder vielmehr über der Schneedecke gab es mit -24,8 °C sogar einen neuen Standortrekord.

Die Niederschlagssumme war mit 184,9 mm über 13% niedriger als im Schnitt der letzten 30 Jahre. Mit 16 Schneedeckentagen verzeichnete Bevern die höchste Anzahl im meteorologischen Winter seit acht Jahren, die Höhe von bis zu 25 cm innerhalb einer Reihe von Tagen um oder über 20 cm Schnee bedeutet zugleich den schneereichsten Abschnitt seit Januar 1987.

Beim Sonnenschein konnte der Endspurt im Februar die trüben Monate Dezember und Januar nicht mehr ganz kompensieren: Mit knapp 142 Stunden wurde das Klimamittel seit 1991 geringfügig um rund sechs Stunden oder vier Prozent verfehlt.

Deutlich mehr Schnee als zuletzt

Rückblick auf den Winter 2021 im Hochsolling

Nach drei mehr oder weniger ausgefallenen Wintern ohne Wintersportmöglichkeiten hatte der Jahrgang 2020/2021 wieder mehr zu bieten – doch diesmal sorgte die Corona-Pandemie dafür, dass die Ausflugsziele in und um Neuhaus und Silberborn nur eingeschränkt besucht und genutzt werden konnten. Mit 47 Schneedeckentagen wurde in Silberborn auf 430 m exakt die Anzahl von vor vier Jahren erreicht, auch diesmal konzentrierte sich die weiße Phase im Hochsolling auf die Zeit von Anfang Januar bis Mitte Februar, wobei es anders als 2017 mehrere Tauwetterphasen gab, so dass sich die Abschnitte mit Schnee auf mehrere Etappen verteilten. Mit bis zu 45 cm wurden dabei selbst in dieser immer noch recht schneereichen Region zuletzt nicht mehr erreichte Höhen gemessen. Nach Februarmitte zog aber auch hier der Vorfrühling mit Macht und ungewöhnlicher Wärme ein – inklusive eines neuen Rekords bei den Tageshöchstwerten mit 16,3 °C am 24. Februar. Zuvor hatte es strengen Nachtfrost bis -18,0 °C gegeben.

Mit einer Mitteltemperatur von 0,82 °C war es an der in Kooperation mit dem Wetterdienstleister DTN (früher MeteoGroup und meteomedia) im Kurgarten von Silberborn betriebenen Station, die die frühere DWD-Messreihe (bis 2008) bei den Temperaturen homogen fortschreibt, um 0,5 Kelvin wärmer als im aktuellen Klimamittel der Jahre 1991-2020. Gegenüber dem früheren Referenzmittel der Periode 1961-1990 betrug die Abweichung knapp +1,7 K.
Auf einen weitgehend milden und fast schneelosen Dezember folgten ein recht kalter und schneereicher Januar und ein Februar mit zwei extrem unterschiedlichen Gesichtern. Hochwinterlich mit Schnee satt und Dauerfrost erinnerte vor allem die zweite Februarwoche an bereits vergessen geglaubte Zeiten, mit bisher unbekannter Wärme schlug das Pendel nur eine Woche später noch kräftiger in die andere Richtung aus.

Die Niederschlagsbilanz fiel mit 232,2 mm bescheiden aus, das Defizit gegenüber dem Mittel der letzten 30 Jahre betrug immerhin 19% – und das nach drei Jahren in Folge, in denen die Sollingwälder vor allem durch lange trockene Phasen Schaden genommen hatten. Auch wenn für die Vegetation die Niederschläge im Frühjahr und Sommer von größerer Bedeutung sind als im Winter, sind dies keine guten Nachrichten für die aufgrund des hohen Fichtenbestandes vom Klimawandel besonders betroffene Region. Der Forstwirtschaft bleibt nur die Hoffnung auf ein möglichst nasses Frühjahr, ansonsten drohen weitere Trockenschäden und eine erneute Borkenkäferplage. Doch zuletzt waren gerade die Frühlingsmonate oft überwiegend hochdruckgeprägt.

Zwischen Kältewelle und Wärmerekorden lagen nur wenige Tage

Viel Schnee und extreme Temperaturen kennzeichneten den Februar 2021

Blickt man nur auf die Monatstemperatur an der Klimastation des DWD in Bevern, war der Februar 2021 zwar etwas kälter als im Mittel der letzten 30 Jahre, aber alles andere als auffällig. Doch hinter der vermeintlichen Durchschnittskost verbergen sich extreme Witterungsphasen, die es in so rascher Abfolge noch nie gegeben hat seit Beginn der lokalen Wetterbeobachtungen. Auf Strengfrostnächte bis fast -20 Grad und Schneehöhen, wie sie zuletzt vor 34 Jahren gemessen wurden, folgte fast nahtlos der wärmste bisher in einem Februar registrierte Abschnitt mit einem neuen Monatsrekord von 19,3 °C. Zwischen Dauerfrost und dem Überschreiten der 15-Grad-Marke lagen ganze sechs Tage. Dazu war es etwas trockener und deutlich sonniger als im klimatologischen Durchschnitt.

Mit einer Monatstemperatur von 1,36 °C war der Februar 2021 an der DWD-Station in Bevern um knapp 1,1 K kälter als das Mittel der aktuellen Klimaperiode 1991-2020. Sah es zwischenzeitlich sogar nach einem sehr kalten Monat aus mit dem Potenzial, der kälteste seit 1986 zu werden, wendete sich das Blatt nach Monatsmitte deutlich. Die Aufholjagd endete exakt auf dem Niveau des Durchschnitts der Jahre 1961-1990 und sorgte dafür, dass der Monat im Vergleich zu den letzten 30 Jahren im unteren Mittelfeld landete.
An der DTN-Station in Silberborn war es, wie es sich für den Hochsolling gehört, zwar bei den absoluten Werten noch etwas kälter, im Vergleich zum dortigen Klima allerdings ein ganzes Stück milder: Die im Kurgarten gemessene Monatsmitteltemperatur lag mit 0,7 °C um 0,3 K über dem jüngeren Klimawert ab 1991 und um 1,5 K über dem älteren der Jahre 1961-1990. Hauptgrund dafür waren weniger eisige Nächte als im Wesertal, wo sich die schwere Kaltluft besser sammeln und länger halten konnte. Auch während der sehr milden Phase kurz vor Monatsende blieben die Nächte im Solling wärmer als in den Niederungen.

Nach noch milden Tagen zu Monatsbeginn legte der Winter im Laufe des ersten Wochenendes so richtig los: Dauerfrost und Schneeverwehungen verwandelten die Region in wenigen Stunden in eine hochwinterliche Landschaft mit entsprechenden Verkehrsbehinderungen und einzelnen Straßensperren. Teils türmten sich die Schneewehen auf über 2 Meter Höhe und ließen auch den Räumfahrzeugen keine Chance. Offiziell nach meteorologischen Standards wurden zu Beginn der zweiten Woche bis zu 25 cm an der Klimastation in Bevern gemessen und bis 45 cm im Kurgarten von Silberborn. An den meisten anderen Stationen des DWD im Kreis waren es um 30 cm, in Ottenstein sogar fast 40 – dort hatte der Wind seine Hand kräftig im Spiel. Je nach Standort war es die höchste Schneedecke seit elf oder im Falle von Bevern sogar seit 30 Jahren, als letztmals an der Holzmindener Vorgängerstation 25 cm gemessen wurden. Während diese Höhe im Februar 1991 aber eine Eintagsfliege blieb, lagen diesmal an acht Tagen in Folge mindestens 18 cm, so dass man weitere vier Jahre in den Januar 1987 zurück muss, um ein vergleichbares Schneeereignis in der Klimareihe Bevern/Holzminden zu finden.

Ursache für den kräftigen Wintereinbruch war eine Strömungsumkehr auf nordöstliche Richtung quasi durch die „Hintertür“ über eine südliche Westlage. Dabei ist die atlantische Frontalzone, auf der die Tiefdruckgebiete in der Regel von West nach Ost ziehen, deutlich nach Süden verschoben. Die Tiefs ziehen also statt über Skandinavien hinweg durchs Mittelmeer und können anschließend auf ihrer Nordseite kalte Luft aus Osten anzapfen. Gesellt sich dann noch ein kräftiges Hoch über Skandinavien hinzu, entsteht die für Mitteleuropa winterlichste Großwetterlage.  
In der zunächst noch feuchten Luft konnten sich die Schneefälle bilden, die am Samstagabend einsetzten und bis in den Montag anhielten. Der eisige und böige Nordostwind tat sein Übriges zum winterlichsten Witterungsabschnitt seit vielen Jahren. Anschließend ließen Niederschläge und Wind nach und die Wolkenlücken wurden größer, was zu mehr Sonnenanteilen tagsüber und sehr strengem Frost in der Nacht und den frühen Morgenstunden führte mit Tiefstwerten von bis zu -18,0 °C in Silberborn und -18,7 °C in Bevern, jeweils in zwei Metern Höhe gemessen. Fünf Zentimeter über der Schneedecke wurden in Bevern sogar fast -25 Grad erreicht – der tiefste Wert an diesem Standort seit Inbetriebnahme 2006.  

Doch so schnell und heftig der Winter aus Nordosten gekommen war, so rasch wurde er anschließend mit Beginn der zweiten Monatshälfte wieder verdrängt, zunächst von einer Westströmung, in der mildere Luft in der Höhe mit Regen auf die noch gefrorenen Böden traf und gebietsweise für gefährliches Glatteis sorgte. Später stellte sich mit einer Südwest- bis Südlage sogar der wärmste bisher in einem Februar beobachtete Witterungsabschnitt ein. Nur sechs Tage nach dem letzten Dauerfrosttag kletterten die Werte am 20.02. in Bevern erstmals über die 15-Grad-Marke – und sollten sich sechs Tage lang auf einem Niveau halten, das dem Durchschnitt von Ende April/Anfang Mai entspricht. Am 23. wurde der erst zwei Jahre alte Rekord von 18,5 °C eingestellt und tags drauf um fast ein Grad übertroffen. Auch in Silberborn gab es mit 16,3 °C einen neuen Februarrekord.

Die Temperaturspanne zwischen dem tiefsten Minimum und höchsten Maximum betrug in Bevern 38,0 Kelvin und lag damit so hoch wie nie zuvor innerhalb eines Monats seit Aufzeichnungsbeginn. Zwar ist der Februar für seine großen Schwankungen bekannt, aber solche aufeinanderfolgenden Extreme waren bisher nicht dokumentiert. An den DWD-Stationen Mühlhausen und Dachwig in Thüringen lag diese Spanne sogar bei jeweils 45,6 Kelvin!

Zu Beginn der letzten Woche zeigte sich ein weiteres Wetterphänomen, das bei Südlagen gern einmal auftritt: Saharastaub wurde bis nach Mitteleuropa verfrachtet und trübte die Atmosphäre, was zu vorübergehend gedämpfter Sonneneinstrahlung und ungewöhnlichen Himmelsfärbungen führte. Hatte sich die Sonne in der ersten Monatsdekade noch sehr schwer getan, zeigte sie sich anschließend regelmäßiger und länger, an mehreren Tagen blieb es sogar weitgehend wolkenlos. Unterm Strich stand mit 93 Stunden ein sonnenscheinreicher Monat, in dem das Klimamittel um 37% übertroffen wurde.

Kranichzug vor von Saharastaub verdunkelter Sonne (Foto: Annette Mokross)

Beim Niederschlag hingegen steht ein Minus im Vergleich zum 30-jährigen Durchschnitt: Regen und Schnee ergaben in Summe in Bevern mit 54,2 mm und in Silberborn mit 73,4 mm jeweils nur rund 90% vom Klimawert. An zwölf Tagen lag in Bevern Schnee, das hatte es zuletzt im Januar 2013 gegeben; in Silberborn an 15 Tagen – dort hatte bereits der diesjährige Januar mehr zu bieten, jedenfalls bei der Anzahl der Schneedeckentage. Die zwischenzeitlich gemessenen 45 cm sind aber auch im Solling längst kein Standard (mehr).

Titelbild: Annette Mokross

Faszination Winterlandschaft

Annette Mokross aus Polle hat die hochwinterliche Phase in der ersten Februarhälfte mit der Kamera eingefangen – und an der Weser faszinierende Motive festgehalten. Wer weiß, wann es wieder einmal so aussehen in der Region?

Herzlichen Dank , dass diese Auswahl hier gezeigt und genossen werden darf – mit einem Klick auf eines der Fotos öffnet sich die Galerie mit Darstellung in voller Größe:

Bisher unbekannte Februarwärme

Neuer Monatsrekord beim Tageshöchstwert an der DWD-Station Bevern

Der Durchzug einer Kaltfront beendete in der Nacht zum Freitag den außergewöhnlich milden Witterungsabschnitt, der sich fast nahtlos an die vorausgegangene Kältewelle angeschlossen hatte. Mit 19,3 °C wurde am Mittwoch (24.02.) ein neuer Rekord beim Tageshöchstwert in einem Februar für die Zeitreihe 2323 Bevern/Holzminden aufgestellt, der vorherige Spitzenwert stammte vom 27.02.2019 mit 18,5 °C und hielt nicht einmal zwei Jahre. Zudem gab es erstmals in einem Februar eine Serie von sechs Tagen in Folge mit einem Maximum oberhalb der 15-Grad-Marke, davon vier über 18 °C.
Beim Tagesmittelwert fiel die Bilanz weniger spektakulär aus, aufgrund des Hochdruckeinflusses mit nächtlicher Ausstrahlung betrug dieser in der Spitze „nur“ 11,2 °C am Donnerstag (25.02.) – ein ganzes Stück entfernt vom offiziellen Rekordwert vom 14.02.1958 mit 13,8 °C. Womöglich war es Anfang Februar 2004 während der Messlücke noch etwas wärmer.

Unter dem Strich heben sich die beiden extrem temperierten Phasen des heute zu Ende gehenden Monats fast gegeneinander auf. Der Februar 2021 dürfte mit 1,3 °C sehr nahe am Klimamittel der Periode 1961-1990 abschließen, gegenüber dem aktuellen Durchschnittswert der Jahre 1991-2020 wird aber ein Minus von voraussichtlich -1,1 K übrig bleiben. Damit gehört er zu den kälteren der letzten 30 Jahre (elf waren kälter, 18 wärmer), ohne bei der Mitteltemperatur auffällig zu werden. Der Februar 2021 zeigt damit besonders deutlich, wie wenig die reine Durchschnittstemperatur über den Verlauf im Detail aussagt.

So früh so warm wie noch nie

Zwischen Dauerfrost und Tagesrekord lagen nur wenige Tage

Lagen am vergangenen Sonntag (14.02.) bei Dauerfrost noch 20-35 cm Schnee in der Region, hat sich nicht einmal eine Woche später der Vorfrühling durchgesetzt. Und zwar mit Macht: Mit 18,1 °C wurde es an der DWD-Station in Bevern so warm wie noch nie an einem 21. Februar seit Tageswerte vorliegen (1951). Lediglich am 27.02.2019 war es mit 18,5 °C noch etwas wärmer. Nie zuvor war es also so früh im Jahr so warm wie gestern. Der bisherige Höchstwert an einem 21.02. hatte zuvor 16,6 °C betragen, das Maximum der ersten drei Februarwochen stammte vom 04.02.2004 mit 16,7 °C.

Damit schreibt dieser Februar in doppelter Hinsicht Wettergeschichte: Nur wenige Tage nach der markanten Kältewelle (der kräftigsten seit neun Jahren) mit Minima bis -18,7 °C sorgen nun Extremwerte auf der warmen Seite dafür, dass die Spanne zwischen dem Tiefst- und dem Höchstwert des Monats aktuell bei außergewöhnlichen 36,8 Kelvin liegt.

Und der gestrige Tag war keine Eintagsfliege – vielmehr reiht er sich in eine Serie von ungewöhnlichen warmen Tagen mit Höchstwerten ein, die dem Durchschnitt von Ende April/Anfang Mai entsprechen. Bis Donnerstag soll sich die frühe Wärme noch halten, bevor es zum Wochenende wohl (deutlich) abkühlt. Ein Winterrückfall ist aber derzeit nicht in Sicht. Heute allerdings könnten sich die Vorhersagen mit bis 17 °C als etwas zu hoch erweisen: Saharastaub, der die Atmosphäre trübt und die Sonneneinstrahlung bremst, hat sich über Nacht von Süden her ausgebreitet und dürfte auch die Region in den nächsten Stunden erreichen.