Ein sehr trockener Mai und ein rekordsonniges Frühjahr

Nord- und Nordwestlagen brachten oft kühle Luft, aber kaum Regen

Überdurchschnittlich viel Sonnenschein bei unterdurchschnittlicher Temperaturbilanz: Diese ungewöhnliche Kombination prägte den dritten und letzten Frühlingsmonat 2020. Dazu war es erneut deutlich zu trocken, weil über fast den gesamten Monat hinweg Hochdruck- und Hochdruckrandlagen dominierten. Diese brachten zwar auch einige wolkenreiche Tage, so dass sich die Sonne längst nicht so lange zeigen konnte wie noch beim April-Rekord mit seinen fast 300 Stunden, dennoch lag die Monatssumme mit 227 Stunden rund 15% über den langjährigen Mittelwerten und bescherte der Region das sonnenscheinreichste Frühjahr seit Aufzeichnungsbeginn. Das Niederschlagsdefizit hingegen wuchs nach nunmehr elfeinhalb Wochen mit lediglich sporadischen Regenfällen weiter an.

Mit einer Mitteltemperatur von 12,18 °C war es an der DWD-Station in Bevern im Mai 2020 um 1,15 Kelvin kühler als im Durchschnitt der Jahre 1981-2010. Selbst das ältere Klimamittel der Periode 1961-1990 wurde um 0,3 K verfehlt, womit es der zweite kühle Mai in Folge war. An der DTN-Unwetterreferenzstation* in Silberborn lag die Monatstemperatur mit 10,0 °C um 1,3 K unter dem dortigen Klimawert von 1981-2020 und um 0,4 K unter jenem der Jahre 1961-1990. Was auf den ersten Blick eher wenig ungewöhnlich aussehen mag, entpuppt sich beim Blick in die Historie als durchaus seltenes Ereignis: Ähnlich kühle Maipaare finden sich in den letzten 40 Jahren nur noch 1995+1996 sowie 1983+1984. Wirklich außergewöhnlich aber ist das Zusammenspiel aus negativer Temperaturabweichung und einem Plus beim Sonnenschein, das zuletzt 1980 beobachtet wurde. Danach waren kühle Maie immer mit wenig Sonnenschein korreliert und sonnige Maie zugleich auch warm.

Was noch auffällt: Gegen den allgemeinen Trend ist die Erwärmung im Mai im ablaufenden Jahrzehnt von 2011-2020 sehr schwach ausgefallen. Der Dekadenmittelwert von 13,6 °C in Bevern liegt nur 0,3 K über dem Mittel der Jahre 1981-2010, die anderen Monate erwärmten sich in dieser Zeit zwischen 0,6 und 1,1 K mit einem kräftigen Ausreißer nach oben im Dezember, der einen markanten Anstieg um 2,4 K aufweist. Nun ist es zwar wegen der geringen Menge der Daten immer recht problematisch, wenn man kurze Zeiträume wie hier ein Jahrzehnt mit einer dreimal so langen Klimaperiode von 30 Jahren vergleicht, aber ein zumindest kurzfristiger Trend lässt sich daraus schon ableiten.

Da sich der April im gleichen Zeitraum sehr viel stärker erwärmt hat, ist eine mögliche Erklärung, dass sich nicht nur die phänologischen Jahreszeiten im Rahmen des Klimawandels nach vorn verschieben, sondern auch die Witterungsentwicklung. Der Mai hat seinen Ruf als Wonnemonat vor allem deshalb, weil man mit ihm erblühende Natur, erste warme Tage und viel Sonnenschein mit Hochdruckwetter in Verbindung bringt. All das findet seit einiger Zeit häufig bereits im April statt. Gleichzeitig hing der Juni bis vor einigen Jahren bei der Erwärmung und bei der Sonnenscheinentwicklung hinterher, weil in der Umstellungsphase der Atmosphäre auf der Nordhalbkugel hin zur Sommerzirkulation letzte Kaltluftrückfälle gerne für instabiles und oft wolkenreiches Wetter über Mitteleuropa sorgten. Dies könnte sich mittlerweile ebenfalls nach vorn verschoben haben und deshalb gehäuft im Mai auftreten, während der Juni zuletzt oft von hochsommerlich warmen und teils heißen Phasen geprägt war, die zuvor meist dem Juli vorbehalten waren. Hier gilt es, die kommenden Jahre abzuwarten, um die Belastbarkeit dieser Arbeitsthese zu ermitteln. Möglicherweise entpuppt sich die Häufung recht kühler Maie auch als zufällige und vorübergehende Schwankung unseres variablen mitteleuropäischen Klimas.

Anhänger sogenannter Singularitäten, auch Witterungsregelfälle genannt, werden beim Blick auf Kalender und Thermomater am 11. Mai und den Tagen danach die Bestätigung dafür gefunden haben, dass die „Eisheiligen“ pünktlich waren. In diesem Jahr fielen die kältesten Tage des Monats sowie der letzte Nachtfrost in Bevern tatsächlich in die erste Hälfte der zweiten Dekade – doch hier war sicher sehr viel mehr Zufall im Spiel als bei der zuvor aufgeworfenen Frage, ob es eine grundlegende Verschiebung der Frühjahrswitterung in Mitteleuropa gibt. Statistisch ist die Wahrscheinlichkeit für Frost im Mai zu Monatsbeginn am höchsten und nimmt dann kontinuierlich ab. Es gibt auch keine Auffälligkeit in der Zeit zwischen dem 11. und 14.05., also jenen Tagen, an denen im gregorianischen Kalender die vier Eisheiligen Mamertus, Pankratius, Servatius und Bonifazius aufgeführt werden, und erst recht nicht zehn Tage später, wo sie nach dem julianischen Kalender zu finden waren. Man muss diese Bauernregel aus ihrer Zeit heraus verstehen, im kälteren Klima des Mittelalters dürfte sie durchaus ihre Berechtigung gehabt haben. Genau nachprüfen lässt sich dies jedoch kaum. Anders sieht es für die jüngere Vergangenheit aus, und da ist der Blick in die Messreihe Holzminden/Bevern mit Tageswerten ab 1951 durchaus aufschlussreich, denn es finden sich in den 70 Jahren ganze drei Tage bzw. Nächte mit Frost zwischen dem 11. und 14. Mai – der 12.05.2020 war einer davon. Genau so viele sind es übrigens in der Zeit vom 15.-20. Mai, danach finden sich dann nur noch zwei einzelne sehr späte Fröste am 22.05.1988 und am 03.06.1962.

Wie auch immer: Die Großwetterlagen begünstigten in diesem Jahr das Auftreten kalter Nächte mit Bodenfrösten bis Monatsmitte und einstelligen Minima bis zum Schluss. Bis auf wenige Tage dominierten Nord- und Nordwestlagen, Strömungen aus dem Südsektor fehlten völlig.  Somit konnte immer wieder Luft (sub)polaren Ursprungs einließen, die sich in der Sonne jedoch spürbar erwärmte, so dass vielen Menschen der Mai vermutlich gar nicht mal kühl vorgekommen sein dürfte. Begünstigt wurde die Tageserwärmung auch durch die trockenen Böden, weil es dadurch an Verdunstungskälte fehlte.

Womit wir beim Thema Trockenheit und Niederschlagsarmut angekommen sind. Der ergiebige Regen von Ende Januar bis kurz vor Märzmitte ist längst aufgebraucht, seither gab es an der Station Bevern an 60 von 79 Tagen überhaupt keinen messbaren und an weiteren neun Tagen nur geringfügigen Niederschlag von weniger als 1 mm. Im Mai regnete es nur an neun Tagen und die Monatssumme blieb mit 29,9 mm fast exakt auf dem niedrigen Niveau des Vormonats. Vom Klimamittel der Jahre 1981-2010 wurden nur 46,5% erreicht. Noch trauriger liest sich die Bilanz in Silberborn mit nur 24 mm bei gleichzeitig höherem Klimawert von über 80 mm – im Hochsolling fiel also nur gut ein Viertel der durchschnittlichen Regenmenge. Die ohnehin angespannte Lage in den Wäldern hat sich damit erneut verschärft.

Das zeigt sich auch beim Blick auf die Bilanz des meteorologischen Frühjahrs, das in allen drei Monaten die langjährigen Durchschnittswerte des Niederschlags verfehlte, im März noch knapp, danach deutlich. In Bevern wurden mit 119,8 mm weniger als zwei Drittel des Klimamittels von 1981-2010 erreicht, in Silberborn mit ca. 135 mm sogar nur 55%.  Auch an den anderen Messstellen im Kreis war es mit 55-65% viel zu trocken, am meisten fiel noch in Hellental mit 156,2 mm.

Beim Sonnenschein ließ das Frühjahr 2020 dagegen alles hinter sich, was bisher gemessen wurde. Mit einer Summe von ca. 690 Stunden wurde der bisherige Rekord aus dem Jahr 2011 um 13 Stunden übertroffen. Bezogen auf das Mittel der Jahre 1981-2010 ergab sich ein Überschuss von genau 50%. Zur Einordnung: Nur wenige Sommer schafften eine noch höhere Sonnenscheinsumme als das abgelaufene Frühjahr, das mit einer Mitteltemperatur von 9,6 °C an der Station Bevern genau auf dem Niveau des Vorjahres abschnitt. Damit war es um 0,6 K wärmer als im Schnitt der Jahre 1981-2010, gegenüber dem  jüngsten 30-Jahresmittel seit 1991 gab es ein zartes Plus von 0,2 K. Auch in Silberborn wurde mit 7,6 °C genau der Vorjahreswert erreicht, die Abweichungen zur dortigen Klimanorm sind ebenfalls  identisch. Um dieselbe Temperatur zu erreichen, brauchte das Frühjahr 2019 fast 200 Sonnenstunden weniger. Charakteristisch im gesamten Frühjahr war das völlige Ausbleiben der Großwettertypen (GWT) Südwest und Süd sowie Trog und Tief. Nach der bis Mitte März andauernden Westlage, die noch einmal kurz zum Aprilende zum Zuge kam, gaben sich ausschließlich Nord-, Nordwest- und Ostlagen sowie Hochdruck Mitteleuropa die Klinke in die Hand.

*Der Wetterdienstleister MeteoGroup wurde durch die Schweizer Holding TBG AG übernommen, der bereits der Anbieter DTN gehörte, einem führenden Informationsdienstleister für wetterabhängige Branchen. Im Zuge der Umgestaltung zu einem gemeinsamen Auftritt wurde auch das Wetterstationsnetz, zu dem der Standort Silberborn gehört, entsprechend umbenannt.

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GWT Frühjahr 2020

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Der neue Wonnemonat heißt April

Rückblick auf den April 2020 an der DWD-Station Bevern

Über das hohe Tempo, in dem sich der April in den letzten 15 Jahren erwärmt und dabei häufig mehr Sonnenscheinstunden gebracht hat als der Mai, wurde bereits mehrfach berichtet, zuletzt hier: Weiterhin kein Regen in Sicht. Zur Monatsmitte zeichnete sich bereits ab, dass sich auch die 2020er-Ausgabe nahtlos in diesen Trend einfügen würde. Am Ende stand sogar der mit Abstand sonnigste April seit Messbeginn sowie ein weiterer sehr warmer, wenn auch im Kontext der rasanten Erwärmung der jüngsten Vergangenheit nicht mehr ungewöhnlich warmer Monat, der zudem lange mit Regen geizte. Erst ein Wechsel der Großwetterlage in den letzten Tagen brachte etwas Linderung der wieder auflebenden Trockenheit.

Mit einer Mitteltemperatur von 10,65 °C war es an der DWD-Station in Bevern im April 2020 um 1,8 Grad (Kelvin) wärmer als im Durchschnitt der Jahre 1981-2010. In der Messreihe Bevern/Holzminden, die seit Juni 1934 besteht, reichte dies dennoch nicht für einen Platz unter den wärmsten zehn, er landet direkt dahinter auf Rang elf. Allein seit 2007 war es im April fünfmal noch wärmer. Erstmals gab es aber drei Aprilmonate in Folge mit einer Mitteltemperatur von über zehn Grad. Mit einem Sprung von einer 30-jährigen Mitteltemperatur von 7,93 °C im Zeitraum 1961-1990 auf 9,51 °C in der Periode 1991-2020 hat sich der April um fast 1,6 Kelvin und damit so stark wie kein anderer Monat erwärmt. Den deutlichen Überschuss in diesem Jahr verdankt er den vielen Hochdruckwetterlagen und der Erwärmung der Luft durch die starke Sonneneinstrahlung. Wirklich warme Luftmassen waren in dem überwiegend von Nordwest-, Nord- und Ostlagen geprägten Monat kaum einmal im Spiel. Auch deshalb blieben die Nächte oft frisch, zu Monatsbeginn gab es noch Luftfrost bis zu -4,6 °C und Bodenfrost begleitete uns bis kurz vor Schluss immer wieder. Bei den Tageshöchstwerten gab es ein Zickzack-Muster, also keine längere warme Phase mit Werten über 20 Grad über Tage hinweg, wie wir sie zuletzt mehrfach im April erlebt hatten. Auf ein bis zwei warme Tage folgte jeweils eine vorübergehende Abkühlung. Der wärmste Tag war der 8. mit einem Maximum von 24,2 °C. Der erste meteorologische Sommertag, zuletzt häufiger bereits im April anzutreffen, ließ also noch auf sich warten.

Trotz eines kalten Starts brachte der April erneut eine frühe Obstblüte inklusive der damit verbundenen Gefahr durch Spätfrostschäden. Diesmal ging aber erst einmal alles gut, die in den Wettermodellen gezeigten Fröste zur Monatsmitte traten weiter südlich auf als ursprünglich berechnet und verschonten unsere Region bis auf ganz leichten Frost in der Nacht zum 15. Doch noch sollten Hobbygärtner die Wettervorhersage aufmerksam im Blick behalten und empfindliche Pflanzen nicht draußen stehen lassen, denn zum Zeitpunkt der Entstehung dieses April-Rückblicks deutet sich übereinstimmend in den führenden Wettermodellen ein kräftiger Kälterückfall zu Beginn der zweiten Maidekade beginnend mit der Nacht zum Montag an, also zu dem Zeitpunkt, der immer noch als Start in die „Eisheiligen“ gilt, obwohl – wie in vielen Auswertungen klar gezeigt werden konnte – das Frostrisiko der jahreszeitlichen Entwicklung folgend Anfang Mai am höchsten ist und dann kontinuierlich sinkt. Da es sich dabei aber um Durchschnittswerte handelt, kommen Abweichungen davon natürlich gelegentlich vor.

Aber zurück zum April und seiner Niederschlagsbilanz, die lange Zeit kaum mehr als nichts betrug, bevor die Umstellung auf eine Westlage kurz vor Monatsende doch noch Regen brachte, zunächst nur ein paar Liter pro Quadratmeter, zum Ultimo am 30. sogar ergiebige Mengen von verbreitet um 17 mm an den verschiedenen Messstellen des Kreises, der sich genau innerhalb eines recht schmalen Korridors befand, in dem ein intensives Regengebiet vom Saarland bis zur Wismarbucht zog. Die Monatssumme in Bevern blieb mit 29,7 mm dennoch deutlich unter den langjährigen Mittelwerten, bezogen auf den Zeitraum 1981-2010 fielen nur knapp 60%, wobei der Trend weiterhin nach unten zeigt: Das neue Klimamittel der Jahre 1991-2020 beträgt nur noch 45,7 mm, von 1961-1990 waren es noch 55,2 mm. Betrachtet man nur die letzten 15 Jahre seit 2006, sind es sogar nur noch 37,8 mm. Der April ist damit in der Region wie auch im deutschen Gebietsmittel zum trockensten Monat des Jahres geworden.

Auch ohne einen offiziellen Sonnenscheinmesser vor Ort kann zweifelsfrei festgestellt werden: So sonnig war es in einem April noch nie und selbst von Mai bis Juli nur ganz selten. Mit fast 294 Stunden wurde der alte Rekord aus dem Jahr 2007 um 32 Stunden übertroffen und damit war unsere Region sogar – was eine weitere Seltenheit ist – noch etwas sonniger als das bundesdeutsche Gebietsmittel, das mit 292,4 Stunden nach Angaben des DWD ebenfalls einen neuen Rekordwert erreichte.

Eine Auswertung des Meteorologen Michael Theusner (der die sehr empfehlenswerte Seite mtwetter.de mit aktuellen und historischen Werten aller DWD-Stationen betreibt) ergab, dass der April 2020 bezogen auf die astronomisch mögliche Sonnenscheindauer sogar der sonnigste Monat überhaupt seit Messbeginn war – ebenfalls bundesweit wie lokal. Um die Besonderheit der letzten Wochen in Gänze zu erfassen, lohnt es sich, auch die sehr hochdrucklastige und sonnige zweite Märzhälfte einzubeziehen. Betrachtet man die sechseinhalb Wochen vom 14. März bis zum 27. April, ergeben sich vor Ort ca. 429 Stunden Sonnenschein in diesen 45 Tagen, ein zuvor nicht annähernd erreichter Wert. Zum Vergleich: Die Sommer 1977 und 1980 schafften an 92 Tagen mit zusätzlich längerer astronomisch möglicher Sonnenscheindauer nur 410 bzw. 423 Stunden.

Und wo wir gerade beim Blick in die Vergangenheit sind, soll abschließend der April von 1970 kurz in Erinnerung gerufen werden: Vor 50 Jahren war es selbst für die damaligen klimatischen Verhältnisse ausgesprochen kalt und trüb. In Holzminden wurde mit 6,2 °C der sechstkälteste April der Messreihe registriert, er war damit über 1,7 K kälter als das Mittel 1961-1990 und sogar fast 4 K kälter als der Schnitt der letzten 15 Jahre. Bundesweit wie lokal war es der zweitkälteste April der letzten 50 Jahre hinter 1973. Die 20-Grad-Marke wurde hier an keinem Tag erreicht, dafür hatte jener April andere „Qualitäten“: Mit gerade einmal 82 Stunden Sonnenschein ist er der trübste in der Region seit Messbeginn und damit der Gegenpol zum rekordsonnigen 2020er. Dafür regnete es mit 82,3 mm sehr ergiebig und es gab an der Holzmindener Station sogar noch eine dünne Schneedecke am 3. April, in Höxter auch noch einmal am 5. Im Solling wurde damals leider nicht gemessen, doch deuten Werte anderer Stationen auf etwa 400 m Höhe darauf hin, dass es im Solling 14-15 Schneedeckentage gegeben haben dürfte mit Schneehöhen bis über 20 cm. 1970 war zudem eines der kältesten Frühjahre der lokalen Klimareihe, nachdem es zuvor bereits den zweitkältesten Nachkriegswinter hinter 1962/63 gegeben hatte. Erst im Mai endete die Serie von fünf außergewöhnlich kalten Monaten vor 50 Jahren.

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Weiterhin kein Regen in Sicht

Sehr sonnige und extrem trockene erste Aprilhälfte

Die erste Aprilhälfte ist vorbei und sie schloss fast nahtlos an die zweite Märzhälfte an: Hochdruckwetter mit sehr viel Sonnenschein und fast ohne einen Tropfen Regen kennzeichneten auch die ersten beiden Aprilwochen – jahreszeit- und wetterlagenbedingt auf höherem Temperaturniveau als noch im März. Dreimal wurde an der DWD-Station in Bevern die 20-Grad-Marke überschritten, der Höchstwert betrug 24,2 °C am 08.04. Sehr kalt war die Nacht zum 01.04. mit -4,6 °C in 2 m und -6,9 °C in 5 cm Höhe. Danach gab es noch zweimal sehr leichten Luftfrost, der den Obstblüten zum Glück bisher nichts anhaben konnte. Der Vollfrühling begann im Stadtgebiet mit der Apfelblüte bereits am 08.04. und damit zweieinhalb Wochen früher als im Mittel der Jahre 1991-2017, gegenüber dem Mittel der Jahre 1961-1990 sogar um über drei Wochen früher. Bodenfrost gab es hingegen regelmäßig, so dass die mittlere Tiefsttemperatur in 5 cm Höhe nach 15 Tagen mit -0,5 °C noch negativ ist. Die Monatsmitteltemperatur liegt nach 15 Tagen bei 9,47 °C und damit rund 1,3 K über dem Mittelwert der Jahre 1991-2019 sowie 2,5 K höher als im Durchschnitt der Jahre 1961-1990.

Die Sonnenscheinbilanz erreichte mit 141 Stunden bereits die mittlere Monatssumme der alten Klimaperiode 1961-1990 und auch der deutlich höhere Durchschnitt der Jahre 1991-2019 wird angesichts der stabilen Aussichten im Laufe des Sonnabends überschritten werden. Ein weiterer April mit über 200 Sonnenstunden dürfte nach gegenwärtigem Stand bereits in der kommenden Woche „eingetütet“ werden. Regen hingegen fiel nur in kaum messbarer Menge: Ganze 0,6 mm kamen an zwei Niederschlagstagen zusammen. Das Problem dabei: schon in der zweiten Märzhälfte fiel kaum noch Regen, so dass sich die Summe seit Mitte März auf ganze 5,3 mm bemisst – und es ist auch weiterhin kein Wechsel der Großwetterlage hin zu einer tiefdruckgeprägten Witterung mit Niederschlägen zu erwarten in der Mittelfrist. Lediglich am Samstag könnte nach Berechnungen einzelner Wettermodelle ein klein wenig Regen fallen, aber selbst erscheint derzeit bei Betrachtung anderer Modelle mehr als fraglich. Im weiteren Verlauf sieht dann zum Beispiel das amerikanische Modell GFS bis mindestens 25.04. keinen weiteren Niederschlag.

Die zwei Gesichter des ersten Frühlingsmonats

Rückblick auf den März 2020 an der DWD-Station Bevern

Der März 2020 war an der DWD-Station Bevern wie in weiten Teilen des Landes geprägt von einer tiefdruckdominierten, nassen, trüben und sehr milden ersten Monatshälfte sowie einer hochdruckdominierten, sehr trockenen, außergewöhnlich sonnenscheinreichen und im Verlauf kühlen bis kalten zweiten Hälfte, in der es fast durchgehend Bodenfrost und in den letzten neun Tagen auch regelmäßig Luftfrost gab.
Hervorstechend waren dabei der 30. März, der mit einem Minimum von -5,9 °C in 2 m Höhe und -8,1 °C in 5 cm über dem Erdboden die kälteste Nacht des Winterhalbjahres brachte, sowie die Phase vom 22.-28. mit einer der längsten bisher beobachteten Abfolge an Tagen mit nahezu maximal möglicher Sonnenscheindauer. Die zweite Monatshälfte war damit die sonnigste seit Messbeginn dieses Parameters 1951.

Insgesamt sortiert sich der März 2020 wie folgt in die nunmehr 86-jährige Messreihe ein:
19 mal war es wärmer, 64 mal kälter und zweimal gleichwarm, also im Temperaturranking ein geteilter 20. Platz.
49 Märzen waren trockener und 36 nasser, hier gibt’s also einen Platz im Mittelfeld, während nur ein März bisher sonniger war (2011) und einer ähnlich (2003, die eine Stunde Differenz liegt im Rahmen der Fehlertoleranz bei der Interpolation).
Eine Schneedecke gab es wie schon im gesamten Winter nicht, damit stellt das Winterhalbjahr ein Novum in der Messreihe dar, denn auf den bisher einzigen schneelosen Winter folgte 2008 ein März mit drei Schneedeckentagen. Sollte nun noch das sehr seltene Ereignis Schneedeckentag(e) im April ausbleiben (worauf die Modelle ja hindeuten), wäre es tatsächlich das erste Winterhalbjahr ohne jeden Schneedeckentag seit Messbeginn.
Schneelose Märzen seit 1951 gab es zuvor 30, dies ist also Nummer 31, wobei die abgelaufene Dekade (2011-2020) die mit den wenigsten Jahren mit Schneedecke war (lediglich zwei Jahre, 2013 und 2018).

März_2020_Übersicht
Monatsübersicht mit den wichtigsten Messwerten, Klimamittelwerten und Rekorden
März_2020_TT
Temperaturverlauf der Tageswerte. Regelmäßige Fröste in der dritten Dekade und der 30. brachte die kälteste Nacht des Winters sowie einen der tiefsten Werte bei Minimum und Tagesmittel an einem 30.03. – nur 1977 war es nachweislich und 1993 vermutlich noch kälter
März_2020_RR
Viel Regen in der ersten, kaum noch Niederschlag in der 2. Monatshälfte, die letzten Niederschläge des Monats fielen als Schnee:
März_2020_SSD
Umgekehrt zum Niederschlag verhielt sich die Sonnenscheindauer
März_2020_Tm
Die täglichen Tagesmittel im Vergleich zu den mittleren langjährigen. In den ersten beiden Dekaden lag fast jeder Tag über den vieljährigen Durchschnittswerten, die meisten deutlich. Anschließend wendete sich das Blatt
März_2020_Tx
Dasselbe für die täglichen Maxima. Aufgrund der Strahlungslage fällt der Abfall im letzten Drittel nicht so krass aus wie bei den Tagesmitteln
März_2020_Tx_Rekorde
Die Maxima 2020 im Kontext der historischen Rekorde
März_2020_Tm_Fortlaufend
 Das fortlaufende Monatsmittel bei den Tagesmittelwerten, wie schon im Februar von Anfang bis Ende oberhalb der langjährigen Mittelwerte
März_2020_Tx_Fortlaufend
Dasselbe Spiel für die Maxima

Während in den gezeigten Diagrammen als aktuelles Mittel der Zeitraum 1991-2019 angegeben ist, wollen wir nun noch auf die Entwicklung der 30-Jahres-Mittel bei der Temperatur, genauer: bei den Tagesmittelwerten und den mittleren Tageshöchstwerten blicken, und zwar für die beiden WMO-Referenzperioden 1961-1990 und 1991-2020 sowie die „Hilfsperiode“ 1981-2010:

März_1961-2020_30-Jahres-Mittel
Wie erwartet liegt der jüngste Abschnitt oben und der älteste unten – mit der Besonderheit, dass die Kurven in der dritten Dekade vorübergehend zusammenlaufen, besonders am 21. sowie vom 25.-28. – an letzterem liegen sie sogar quasi aufeinander
März_1961-2020_30-Jahres-Mittel_Tx
Dasselbe Spiel für die Tx – mit einem ähnlichen, wenn auch nicht ganz so stark ausgeprägten Effekt in der dritten Dekade, bevor die Kurven an den letzten beiden Tagen deutlich auseinanderlaufen

Und damit zu den Charts für die gesamte Zeitreihe. Monatswerte gibt’s für den März seit 1935 (Temperatur und Niederschlag), Tageswerte seit 1951, worauf sich die Schneedeckentagbilanz stützt. Sonnenscheinwerte zur Interpolation werden ebenfalls seit 1951 herangezogen.

März_1935-2020_TT
Temperaturchart: Das gleitende 30-Jahres-Mittel zeigt den intakten Aufwärtstrend
März_1935-2020_RR
Keine klare Tendenz beim Niederschlag. Seit 2011 ein Rückgang im 30-Jahres-Mittel. zuvor aber ein Anstieg. Auffällig trockene Phase von 2011-2014
März_1951-2020_SHK
Schneedeckentage treten in gut jedem dritten März statistisch betrachtet auf, wenn man die Gesamtreihe betrachtet. Im abgelaufenen Jahrzehnt war es nur in jedem fünften der Fall. Dieser Rückgang deckt sich mit den Daten aus den Wintermonaten
März_1951-2020_SSD
Nur 2011 war es noch sonniger im ersten Frühlingsmonat (damals aber homogener verteilt über den Monat hinweg). Es gibt einen Aufwärtstrend im gleitenden 30-Jahres-Mittel, dieser schneidet aber erst 2013 die Linie des Mittels des Gesamtzeitraums. Auffällig ist ein im Vergleich recht sonniger 15-Jahres-Zeitraum zu Beginn ab 1951 ohne nennenswerte Ausschläge nach oben und unten und ein trüber Elfjahreszeitraum ab 1978

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So wenig Winter wie noch nie

Rückblick auf den Februar und Winter 2020 an der MeteoGroup-Unwetterreferenzstation Silberborn

Während es im Oberwesertal für mehrere Vizetitel in der Februar- und Winterbilanz reichte, gab es im Hochsolling sogar neue Rekorde –  bei vergleichbar langer Messreihe. Der Februar verlief dabei nicht ganz so weit am oberen Rand der Zeitreihe wie in Bevern/Holzminden, er liefert ein gutes Beispiel für die Unterschiede des lokalen Klimas zwischen Wesertal und Solling – der meteorologische Winter hingegen stellte den Temperaturrekord von 2007 ein und setzte sogar neue Spitzenwerte bei Kältesumme und Schneedeckentagen – natürlich jeweils auf der unwinterlichen Seite.

Die Mitteltemperatur betrug im Februar 2020 in Silberborn 3,6 °C und lag damit 3,8 K über dem Mittel der Jahre 1981-2010. Trotz dieser deutlichen positiven Abweichung reichte es „nur“ zu einem mit 1961 geteilten Platz 5 in der Zeitreihe: Weit vorn bleibt der Februar 1990 mit 4,7 °C, aber auch in den Jahren 1998, 2002 und – man staune – 2019 war es ein bis zwei Zehntel wärmer. An den jüngsten beiden Vertretern lässt sich exemplarisch zeigen, dass zwischen der Kreisstadt und dem höchstgelegenen Stadtteil nicht nur 300 bis fast 400 m liegen, sondern bei manchen Wetterlagen noch deutlichere Unterschiede zu Tage treten, als es diese Höhendifferenz allein vermuten ließe.

Im Jahr 2019 war der Februar vor allem ab Monatsmitte von einer höhenwarmen Hochdrucklage geprägt. Es dominierte die Großwetterlage Hoch Mitteleuropa mit ungewöhnlich hohen Temperaturen tagsüber, die dank sehr milder Luftmassen in der mittleren Troposphäre und der sich zunehmend kräftigenden Sonneneinstrahlung mehrere neue Tagesrekorde bedeuteten. Nachts hingegen konnte die bodennahe Luftschicht aufgrund der windschwachen Lage deutlich auskühlen, dieser Effekt war im inversionsanfälligen Wesertal deutlich stärker ausgeprägt. Man sieht dies sehr schön an den mittleren Höchst- und Tiefstwerten: Während das durchschnittliche Maximum in Bevern 10,2 °C und in Silberborn 7,7 °C betrug, lag der Schnitt des Minimums in Bevern bei 0,0 °C und in Silberborn bei +0,3 °C – es war also nachts und am frühen Morgen oben wärmer bzw. weniger kalt als unten. Insgesamt war es in Bevern mit 4,6 °C Monatsmitteltemperatur lediglich der zwölftwärmste Februar (mittlerweile Rang 13) seit Messbeginn im Juni 1934, in Silberborn mit 3,8 °C dagegen der drittwärmste der Hochsolling-Messreihe seit 1936, der Unterschied zwischen beiden Stationen betrug also gerade einmal 0,8 K bei der Monatstemperatur – bei einer Höhendifferenz von 318 m.

Eine gänzlich andere Wetterlage prägte den Februar 2020. Wie bereits im Rückblick auf das Wetter im Raum Holzminden/Bevern Der zweitwärmste Februar im zweitwärmsten Winter war stürmisch und sehr nass erläutert, handelte es sich von einer kurzen Hochdruckphase nach Monatsbeginn abgesehen um die bisher persistenteste zyklonale Westlage (abgekürzt Wz), die in einem Februar beobachtet werden konnte und die auch heute am Ende der ersten Märzwoche noch anhält. Die mit dieser Wetterlage verbundene hohe Durchmischung der Luftmasse sorgte für eine Monatsmitteltemperatur von 6,2 °C an der Station Bevern, weil das Thema Inversion in diesem Monat keines war. Bei einer solchen Wetterlage ist der Temperaturgradient stark ausgeprägt, an der Station Silberborn war es deshalb 2,6 K kälter, der Unterschied beim durchschnittlichen Maximum  betrug 3,0 K (9,0 zu 6,0 °C), beim Minimum immerhin noch 1,7 K (2,9 zu 1,2 °C) – im Vergleich zum Vorjahresmonat lag der durchschnittliche Tiefstwert in Bevern also 2,9 K höher, in Silberborn dagegen nur 0,9 K.

Auch beim Niederschlag sortiert sich der Februar 2020 an der Silberborner Station auf Rang fünf ein – 156,7 mm fielen an 23 Niederschlagstagen, am meisten am 23.02. mit 21,4 mm.  Noch nasser war es in den Jahren 1946, 2002, 1937 und 1950, im Jahr 1958 fiel fast genausoviel. Dieser Niederschlag war lange Zeit ganz überwiegend flüssig, Schnee oder Graupel mischte sich nur kurzzeitig unter, ohne für eine Schneedecke sorgen zu können. Anders dann an den letzten Tagen des meteorologischen Winters: Ab dem 26.02. war die Meeresluft polaren Ursprungs kalt genug, um (teils in Verbindung mit Niederschlagsabkühlung) für „echten“ Schnee zu sorgen, der dann auch liegen blieb – am Morgen des 27. betrug der offizielle Messwert an der Station 11 cm, am 28. noch 10 cm, an anderen Stellen des Ortes bis zu 15 cm.
Allerdings handelte es sich um aus Wintersportsicht minderwertigen Nassschnee, so dass Schlitten und Ski weiterhin im Keller bleiben mussten. Immerhin konnte sogar die Schneehöhe des vergangenen Winters übertroffen werden, die bei zehn Zentimetern gelegen hatte und erst im meteorologischen Frühjahr im März aufgetreten war, zuvor ging es nicht über acht Zentimeter. Doch bevor ein falscher Eindruck entsteht: die gerade vier Schneedeckentage am Monatsende ändern kaum etwas an der ernüchternden Bilanz, die einen der schneeärmsten Februare der Messreihe ausweist. Und mit dem einsetzenden Tauwetter am Monatsende war dieses Wintermezzo im Solling dann auch schnell wieder Geschichte.

Dies gilt umso mehr für den Gesamtwinter, nachdem der Dezember fast und der Januar komplett ohne Schneedeckentag geblieben waren: Mit ganzen sechs Tagen setzt sich der Winter 2020 im Hochsolling an die Spitze der schneeärmsten Winter seit Aufzeichnungsbeginn. Auch bei der Kältesumme wurde lokale Wettergeschichte geschrieben: Sie lag mit ganzen 12,6 K so niedrig wie noch nie.
Ein Wimpernschlagfinale gab es bei der Wintermitteltemperatur, die wie im Rekordwinter 2007 3,0 °C betrug. Zieht man die Hundertstel hinzu, bleiben beide Winter mit 2,98 °C auf Augenhöhe. Dabei gilt zu beachten: Vor 13 Jahren wurde auf einem gut zehn Meter höher gelegenen Standort mit manuellen Instrumenten in einer englischen Hütte gemessen, so dass keine ganz identischen Bedingungen vorliegen. Auch die Ablesezeiten für die Errechnung des Tagesmittels waren damals andere als heute, es gibt bei beiden Messinstrumenten Fehlertoleranzen und zu guter Letzt hatte der aktuelle Winter noch den Vorteil des milden Schalttages am Ende – ein Streit um den wärmsten Winter im Hochsolling würde deshalb eher philosophischer Natur sein und soll daher an dieser Stelle sogleich salomonisch mit dem Schiedsspruch „Unentschieden“ wieder beigelegt werden.

Während in Bevern also der Rekord von 2007 um deutliche 0,6 K verfehlt wurde, schaffte Silberborn die Einstellung des Rekordwerts von vor 13 Jahren – und das trotz des dort gar nicht mal so mild ausgefallenen Februars (siehe oben)? Was zunächst nach Widerspruch klingt, klärt sich beim Blick auf die anderen beiden Wintermonate: Vor allem im Dezember 2019, aber auch über Teile des Januars 2020 profitierte Silberborn von weniger gut durchmischten Hochdrucklagen, die Temperaturdifferenz zu Bevern betrug daher im Dezember nur knapp 1,4 K und im Januar 1,9 K. Erst im Februar war das Delta in der kräftigen Westströmung stark ausgeprägt. Anders herum betrachtet: Der insgesamt stärker zyklonal geprägte Winter 2006/2007 sorgte dafür, dass in Silberborn der neue Rekord vor 13 Jahren bezogen auf den lokalen Mittelwert nicht so hoch ausfiel wie im Wesertal, das damals üblicherweise verwendete Klimamittel der Periode 1961-1990 wurde „nur“ um knapp 3,8 K übertroffen, während es in Bevern über 4,3 K waren. Mit anderen Worten: Der Winter 2007 hatte die Latte in Silberborn nicht so hoch gelegt wie in tieferen Lagen.

Weit weg von Rekorden, aber dank des sehr nassen Februars immerhin ganz leicht über dem langjährigen Mittelwert der Periode 1981-2010 lag die Niederschlagssumme von 309,2 mm – doch ein Blick auf das Vorjahr zeigt, dass das Thema Trockenheit damit längst nicht abgehakt sein muss: Der Winter 2019 hatte sogar 352,1 mm gebracht, ohne dass dies den geschädigten Wäldern wirklich helfen konnte – wichtiger für dessen Zustandsentwicklung wird sein, wie die Regenmengen und ihre Verteilung in der Vegetationszeit im Frühjahr und Sommer ausfällt und wie stark der Verlust durch Wärme bzw. Hitze und Sonnenschein sein wird.

02_2020_Übersicht

02_2020_Diagramm

Winter_2020_Übersicht

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Der zweitwärmste Februar im zweitwärmsten Winter war stürmisch und sehr nass

Rückblick auf den Februar und Winter 2020 im Raum Holzminden/Bevern

Der dritte und letzte meteorologische Wintermonat geht als außergewöhnlich wetteraktiv in die regionale Klimastatistik ein: Sowohl bei der Temperatur als auch beim Niederschlag wurden die zweithöchsten Werte seit Aufzeichnungsbeginn gemessen. Dazu fegten mehrere Stürme über den Kreis hinweg und sorgten für umgestürzte Bäume und gesperrte Straßen. Schnee, bereits in den letzten beiden Wintern Mangelware, gab es diesmal überhaupt nicht in den Niederungen des Wesertals, dort war es nach 2008 der zweite Winter ohne Schnee. Stattdessen setzte es Regen satt, wie man ihn seit dem Sommer 2017 nicht mehr erlebt hatte. Die vielen Wolken ließen nur wenig Platz für die Sonne, die sich deutlich weniger als im langjährigen Durchschnitt zeigen konnte.

Mit einer Mitteltemperatur von 6,2 °C war es an der DWD-Station in Bevern im Februar 2020 um 4,4 Grad wärmer als im Durchschnitt der Jahre 1981-2010. Noch wärmer war es nur vor 30 Jahren, als am früheren Stationsstandort in Holzminden 6,8 °C gemessen worden waren. An 13 Tagen lag die Höchsttemperatur über zehn Grad, am wärmsten wurde es am 16.02. mit einem neuen Dekadenrekord von 16,3 °C. Die hohe Monatsmitteltemperatur ist aber ebenso ein Ergebnis der nahezu völlig ausgebliebenen Kälte: Nur in zwei Nächten fielen die Werte in Bevern leicht unter den Gefrierpunkt. Die durchschnittliche Anzahl an Frosttagen beträgt im langjährigen Vergleichszeitraum fast 16, der Minusrekord aus den Jahren 1961 und 1990 mit je einem Frosttag wurde nur knapp verfehlt.  Das neue Klimamittel für die Monatstemperatur im Februar der Periode 1991-2020 liegt für den Standort Bevern mit Abschluss dieses 30-Jahres-Zeitraums bei 2,43 °C und damit etwas mehr als ein Grad über dem Klimawert 30 Jahre zuvor. Der Februar hatte sich zunächst ein ganzes Stück weniger stark erwärmt als der Januar, im letzten Jahrzehnt aber aufholen können – trotz der beiden sehr kalten Vertreter 2012 und 2018. Kennzeichen des Februars bleibt seine starke Schwankung, die sich statistisch in der höchsten Standardabweichung aller zwölf Monate ausdrückt.

Der Monat wurde abgesehen von einer kurzen Pause nach Monatsbeginn von einer zyklonalen Westwetterlage dominiert, wie sie in dieser Persistenz im Februar bisher noch gar nicht beobachtet wurde. Eine solche Großwetterlage ist geprägt von einer meist recht glatt verlaufenden atlantischen Frontalzone, an der die Tiefs wie an einer Perlenschnur von West nach Ost ziehen, man spricht von einer zonal ausgerichteten Zirkulationsform. Höhenwinde können meist gut bis in die Grundschicht am Boden heruntergemischt werden, was zwei Folgen hat: Der vertikale Temperaturgradient ist gut ausgeprägt, so dass die Lufttemperatur nach oben pro 100 m um bis zu 0,1 K abnimmt. Dieser Effekt tritt nicht an jedem Tag gleich stark zutage und ist im Winter mangels Sonneneinstrahlung ohnehin etwas schwächer ausgeprägt als im Sommer, so dass die gemessene Differenz zwischen der DWD-Station Bevern auf 110 m und der MeteoGroup-Unwetterreferenzstation in Silberbornauf 428 m zwar „nur“ 2,6 K betrug, was aber deutlich mehr ist als beispielsweise im Dezember 2019, als es in Bevern lediglich 1,4 K wärmer war als in Silberborn.

Die zweite Folge der aktiven Westwetterlage: Es konnten sich gleich mehrere Sturmtiefs bilden, die zwar nicht die Intensität und Schadenshöhe der Sturmserie vor 30 Jahren erreichten, aber dennoch für gesperrte Straßen im Kreis sorgten, teils wegen umgestürzter Bäume, teils als vorbeugende Vorsichtsmaßnahme aufgrund der Gefahr, die von den trockenheitsgeschädigten Wäldern und Bäumen weiterhin ausgeht. Am stärksten fegte „Sabine“ am 9.2. mit Windstärken von bis zu 10 Beaufort über die Region hinweg, es ist nicht auszuschließen, dass in höheren und freien Lagen auch einzelne Böen mit Stärke 11 (mindestens 104 km/h) dabei waren. Auch wenn die nachfolgenden Stürme weniger stark ausgeprägt waren, blieb das Muster bis zum Monatsende quasi dasselbe: Vor allem an den Wochenenden wurde es stürmisch und vorübergehend sehr mild, anschließend sorgten Kaltfronten für weitere stürmische Böen vor allem in Schauernähe, bevor es um die Wochenmitte etwas kälter und weniger windig wurde. In der Nacht zum 11.2. weckte sogar ein Wintergewitter mit Blitz und Donner die Bewohner in der Kreisstadt, zudem gab es auch tagsüber kurzzeitig festen Niederschlag bis in die Niederungen, weil sich in höhenkalter Luft Graupelschauer entwickeln konnten. Optisch reizvoll vor allem für Hobbyfotografen ist bei einer solchen gern als „Aprilwetter“ bezeichneten Lage die rasche Abfolge von sonnigen Abschnitten und dunklen Schauerwolken mit schnell wechselnden Lichtstimmungen.

Der anhaltende Tiefdruck sorgte dafür, dass nach zuvor zwei recht trockenen Wintermonaten endlich Zählbares in die Messbecher und vor allem in die Böden fiel. Bis auf die kurze Hochdruckphase nach Monatsbeginn regnete es fast täglich und oft ergiebig, am meisten am 23.2., als in der Region flächig 20 mm und mehr als Tagessumme gemessen wurden. Unterm Strich stand schließlich der zweitnasseste Februar im Wesertal mit einer Summe von 143,6 mm in Bevern, was fast der zweieinhalbfachen Menge des Durchschnitts der Jahre 1981-2010 entspricht.

Überblick über die Niederschlagssummen im Kreis und den angrenzenden Gebieten:

Heinade-Hellental (270 m) 179,3 mm
Hehlen (133 m) 161,5 mm
Eimen-Vorwohle (265 m) 158,2 mm
Bodenfelde-Amelith (258 m) 155,6 mm
Ottenstein (295 m) 155,3 mm
Alfeld (144 m) 145,4 mm
Bevern (110 m) 143,6 mm
Holzminden (93 m) 141,5 mm
Höxter-Lüchtringen (94 m) 131,9 mm

Bei so viel Regenwolken hatte die Sonne nur wenig zu melden: Mit ca. 49 Stunden wurden in der Region nur rund 70% des langjährigen Durchschnitts erreicht. Zum Vergleich: in den beiden Jahren zuvor waren es mit 108 und 113 Stunden mehr als doppelt so viele.

Winterbilanz: Nur 2007 war es noch milder

An der DWD-Station Bevern lag die Temperatur mit 4,94 °C um 3,2 K über dem Mittel von 1981-2010, gleichbedeutend mit dem zweitwärmsten Winter seit Messbeginn hinter dem Spitzenreiter 2007, der es auf 5,54 °C brachte. Nur 23 Frosttage sind zusammen mit 1975 die zweitwenigsten nach 2007 (16), ebenso gibt es mit 7,3 K die zweitniedrigste Kältesumme (Summe aller negativen Tagesmittel) nach 1975 zu vermelden (6,4 K). Lediglich ein Eistag direkt zu Winterbeginn am 1.12. spielt ebenfalls weit vorn mit (1975 und 1989 blieben ohne einen Dauerfrosttag). Und einen alleinigen Rekord hat sich der Winter 2020 dann doch geholt: Die Tiefsttemperatur von -4,4 °C, gemessen am 2. Januar, lag an der Station Bevern so hoch wie noch nie, der bisherige Rekord von -5,5 °C aus dem Winter 1989 wurde deutlich überboten.

Die Niederschlagssumme in Bevern übertraf mit 248,6 mm das Klimamittel um gut 11%, so dass Trockenheit in den oberen und mittleren Bodenschichten nach dem regenreichen Februar vorerst kein Thema mehr ist. In der Tiefe bleibt aufgrund des verzögerten Einsickerns der Feuchtigkeit noch abzuwarten, wie nachhaltig sich die Situation entspannt.
Sonnenscheinreichster Monat war der Dezember trotz seiner geringsten astronomisch möglichen Sonnenscheindauer, der Januar blieb leicht, der Februar deutlich unterdurchschnittlich – die Summe von 143 Stunden entspricht fast genau dem langjährigen Mittel.

Februar_2020_Übersicht

Februar_2020_TT

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Winter_2020_Übersicht

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Vor 30 Jahren: Stürme, Orkane, Wärmerekorde

Der Februar 1990 schrieb regional und bundesweit Wettergeschichte

Im aktuellen Februar erleben wir derzeit eine kräftige und ungewöhnlich ausdauernde Westwetterlage mit Regen, Sturm und für die Jahreszeit meist deutlich überdurchschnittlichen Temperaturen. Ein Blick zurück ins Jahr 1990 offenbart allerdings noch ganz andere Kaliber: Vor 30 Jahren richtete eine Serie von schweren Stürmen und Orkanen über Teilen Europas immense Schäden an und forderte eine Reihe von Menschenleben, allein 64 in Deutschland.

Mitteleuropa stand mehrfach im Zentrum der Sturmfelder, in Deutschland wüteten zwischen dem 25. Januar und 1. März insgesamt acht Sturmtiefs, von denen Daria und Vivian in unserer Region die kräftigsten und schadensträchtigsten waren, während Wiebke zum Abschluss der Kette am 1. März vor allen die Südhälfte heimsuchte. Dazu präsentierte sich der Monat außergewöhnlich warm, die Höchstwerte im Wesertal lagen an vielen Tagen über zehn und im Vorfeld des Orkans Vivian sogar tagelang zwischen 15 und 17 Grad. Frost gab es dagegen nur an einem einzigen Tag. Die an der damaligen DWD-Station Holzminden am Bergblick gemessene Monatsmitteltemperatur von 6,8 °C stellte einen neuen Februarrekord auf und wurde bis heute trotz der allgemeinen Erwärmung noch nicht annähernd wieder erreicht. Auch im deutschen Gebietsmittel führt der Februar 1990 die Liste mit 5,74 °C Mitteltemperatur an.

Den Startschuss für diese turbulente Spätwinterwitterung lieferte Orkan Daria am 25. Januar 1990. Das Sturmtief hatte sich bei Schottland gebildet und bis zu einem Kerndruck von etwas unter 950 Hektopascal vertieft. In Deutschland erreichten die Orkanböen Spitzengeschwindigkeiten von bis zu 230 km/h auf dem Brocken und bis zu 161 km/h im Tiefland in Cuxhaven. Großflächig wurden vor allem in der Nordhälfte der alten Bundesrepublik 120-130 km/h erreicht. In unserer Umgebung wurde an den DWD-Stationen in Bad Lippspringe mit 126 und Göttingen mit 124,2 km/h volle Orkanstärke gemessen. An der nächstgelegenen Station mit Windmesser in Hameln waren es zwar „nur“ 108,7 km/h, doch nur ein Stück weiter nordwestlich in Bückeburg wurde mit 153,7 km/h die deutschlandweit zweitstärkste Tieflandböe registriert.

Daria forderte in Deutschland acht Menschenleben und mindestens 94 in Europa. Es galt längere Zeit als das Orkantief, das europaweit den höchsten versicherten und volkswirtschaftlichen Schaden angerichtet hat.  Der versicherte Schaden würde in Deutschland heute ca. 1,5 Milliarden € (indexiert auf das Jahr 2012) betragen und wurde erst im Januar 2007 durch Kyrill übertroffen.

Daria wird in der Fachwelt als „Shapiro-Keyser-Zyklone“ eingestuft: Während sich üblicherweise Warm- und Kaltluft in einem Tiefdruckgebiet mischen und die vorlaufende Warmfront von der nachfolgenden Kaltfront eingeholt wird, so dass sich diese zu einer Mischfront (Okklusion) vereinen, bleiben Warm- und Kaltfront bei der Shapiro-Keyser-Zyklone getrennt. Dabei ist die Kaltfront schwächer ausgeprägt und beinahe im rechten Winkel zur Warmfront ausgerichtet.  Bei einem solchen Tiefdruckgebiet sticht meist zunächst der Warmsektor mit sehr hohen Windgeschwindigkeiten hervor, die aber meist noch auf die höheren Regionen beschränkt bleiben. Für das Tiefland liegt der Fokus für die höchsten Windgeschwindigkeiten nicht selten erst beim Durchzug der Kaltfront, wo mit plötzlich einsetzender vertikaler Umlagerung (sichtbar durch teils kräftige Schauer- oder Gewitterwolken) die Höhenwinde vorübergehend bis in tiefe Lagen herabgemischt werden können mit dem entsprechend größten Böenpotenzial. Auf Satellitenaufnahmen sieht die um das Zentrum herumgewirbelte Luft wie der Schwanz eines Skorpions aus. Die „giftige“ Spitze wird in dem Fall durch das Bodenwindfeld mit den extrem hohen Windgeschwindigkeiten repräsentiert. In der Meteorologie wird dies auch unter dem Begriff „Stachelstrahl“ (engl. „Sting Jet“) beschrieben, wobei der „Stich des Skorpions“ das Durchziehen des Windmaximums darstellt.

Auf Daria folgten mit Herta, Judith, Nana, Ottilie und Polly in kurzen Abständen bis Monatsmitte weitere kräftige Stürme, von denen Herta am 3. Februar in der Umgebung Windstärke 11 (orkanartige Böen) in Bad Lippspringe und Hameln erreichte. Die höchsten Windgeschwindigkeiten und Schäden traten weiter südlich und südwestlich in Hessen, Rheinland-Pfalz, dem Saarland und Teilen NRWs auf, deutschlandweit starben sieben Menschen.

Anschließend beruhigte sich die Lage vorübergehend – die Ruhe vor dem nächsten Sturm, der sich zum Orkan auswachsen sollte. Zunächst aber sorgte eine Südwestlage für außergewöhnlich hohe Temperaturen. Nach einer kurzen kälteren Phase um die Monatsmitte, die immerhin dem Solling ein paar Tage mit Schnee brachte, stiegen die Werte wieder deutlich an und erreichten an der Holzmindener Station am 19. Februar glatt 15 Grad. Genau eine Woche lang dauerte diese ungewöhnliche Wärme mit Höchstwerten zwischen 14,5 und 17 Grad an – weder zuvor noch danach gab es so früh im Jahr eine so lange zusammenhängende Reihe mit solch hohen Temperaturen. Dazu schien unter Hochdruckeinfluss häufig die Sonne. Der Höhepunkt wurde am 24.02. erreicht, als das Quecksilber (mit dem damals tatsächlich noch gemessen wurde) nach einem Maximum von 17 Grad in der folgenden Nacht kaum unter zehn Grad fiel.

Dieser Schwall sehr warmer Luft stand allerdings schon im Zusammenhang mit der Vorderseite des Orkans Vivian, der sich am 25.02. entwickelte. Zu diesem Zeitpunkt lag der Kerndruck des Tiefs bereits bei nur 950 hPa über der nördlichen Nordsee. Auf seinem Weg nach Nordosten fiel der Druck auf bis zu 940 hPa ab. Vivian suchte vom 25.-27.02.1990 weite Teile Europas heim und kostete 64 Menschen das Leben. In Deutschland waren die Windgeschwindigkeiten in der Fläche am 26.02. am höchsten, nach Süden hin einen Tag später.

Auf dem Wendelstein gab es Spitzenböen bis zu 265 km/h, in ganz Deutschland herrschten weiträumige Geschwindigkeiten um 120 bis 130 km/h. In Düsseldorf wurde der Rosenmontagszug in den Mai verschoben, in Köln fand er unter Sicherheitsvorkehrungen statt. In Hamburg gab es mehrere aufeinanderfolgende Sturmfluten, in unserer Region wurde an der Station in Hameln die bis heute höchste Geschwindigkeit von 151,6 km/h gemessen. Landesweit starben 15 Menschen. Der versicherte Schaden würde in Deutschland wie bei Daria heute ca. 1,5 Milliarden € (indexiert auf das Jahr 2012) betragen.

Diese Schadenssumme wird auch für Wiebke hochgerechnet, den letzten Orkan der Serie, der in der Nacht vom 28. Februar auf den 1. März vor allem die Südhälfte Deutschlands sowie Teile Österreichs und der Schweiz mit voller Wucht traf. Allein in Deutschland kamen 35 Menschen ums Leben. Wiebke erreichte hierzulande Windgeschwindigkeiten von bis zu 140 km/h selbst in tiefen Lagen wie in Essen und bis knapp über200 km/h auf den Gipfeln von Feldberg, Zuspitze, Wendelstein und Brocken, am Jungfraujoch in der Schweiz gab es sogar Orkanböen von 285 km/h. Der entstandene Schaden in der Forstwirtschaft, an Häusern und Autos waren erheblich. Besonders in den Mittelgebirgsregionen wurden eine große Anzahl von Bäumen, aber auch ganze Fichten-, Douglasien- und Buchenbestände, wie Streichhölzer geknickt. Man geht von 60 bis 70 Millionen Festmetern Sturmholz aus, das entsprach damals in etwa dem doppelten Jahreseinschlag in Deutschland. In unserer Region fiel Wiebke weniger stark aus, in Hameln wurden genau 100 km/h gemessen, dies entspricht Beaufort 10 (schwerer Sturm) und ist etwa vergleichbar mit Sabine am 9. Februar dieses Jahres.

Bis heute hat es keine vergleichbare Häufung von Stürmen und Orkanen über Europa mehr gegeben. Im Dezember 1999 traten noch drei in recht rascher Folge auf (Anatol, Lothar und Martin), wobei Lothar als Schnellläufer an Weihnachten aus Frankreich kommend im Süden und Südwesten des Landes teils verheerende Schäden anrichtete.  Kyrill am 18. Januar 2007 und Friederike auf den Tag genau elf Jahre später waren hingegen quasi Einzelgänger, richteten aber gerade in den Sollingwäldern immense Schäden an.  Die deutliche Ausweitung und Professionalisierung des Warnmanagements in den letzten 20 Jahren als Folge des Weihnachtsorkans Lothar hat mit dazu beigetragen, dass bei den vergangenen schweren Stürmen weniger Personenschäden zu beklagen waren als vor 30 Jahren. Umso unverständlicher, dass mitunter über eine „Überwarnung“ geklagt und gespottet wird.

Abschließend sei noch erwähnt, dass Vivian und Wiebke auf ihrer Rückseite deutlich kältere Luft einströmen ließen, so dass sich an der Wetterstation in Silberborn Anfang März 1990 eine Schneedecke von bis zu 19 cm bilden konnte. Im Wesertal hingegen blieb jener Winter – damals war es der wärmste seit Aufzeichnungsbeginn – bis auf ein kleines Intermezzo um den Dreikönigstag schneefrei.

Verwendete Quellen:
AON Benfield: Winterstürme in Europa – Historie von 1703-2012
Deutscher Wetterdienst: Thema des Tages vom 16.01.2015 unter dwd.de
wetteran.de – Meteorologie aus Leidenschaft: Sturmtiefs
Eigene Recherche

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Doch noch Schnee auf der Ziellinie?

Lange Zeit sah es so aus, als würde der aktuelle Winter der zweite nach 2008 ohne einen einzigen Schneedeckentag im Oberwesertal werden. Doch nun deutet sich in den Modellen immer mehr die Tendenz zu einem späten Schneeereignis an den letzten Tagen des meteorologischen Winters an, der am Samstag endet. Dabei ist zu unterscheiden zwischen zwischenzeitlich fallendem (und evtl. auch liegen bliebendem) Schnee und einer messbaren Schneedecke (von mindestens einem aufgerundeten Zentimeter) zum offiziellen Messtermin um 06:50 Uhr MEZ.

Eher vage sind dabei die Optionen auf nächtlichen Schneefall am frühen Mittwoch, hier zeigen die Modelle zwar immer wieder leichten Niederschlag an, der auch bis in tiefe Lagen als Schnee fallen kann, die Mengen sind aber als eher gering einzustufen und eine Schneedecke bis in die Niederungen erscheint derzeit zwar möglich, aber mehr als eine Anzuckerung ist nicht wahrscheinlich, so lange keine höheren Intensitäten beim Niederschlag auftreten, allein schon wegen der vergleichsweise warmen Böden.

Interessanter erscheint derzeit ein kleinräumiges Tief, das im Laufe des Donnerstags von Westen her nach Nordrhein-Westfalen ziehen soll. An seiner Nordseite soll es ein ergiebiges Niederschlagsgebiet mit sich führen und je nach genauer Zugbahn würde unsere Region in bzw. unter diesem Gebiet liegen, wobei der zu erwartende Niederschlag größtenteils als Schnee bis in die Niederungen fallen soll.

Die globalen Wettermodelle GFS und ICON zeigen aktuell ab Donnerstagabend Schneefall und die Ausbildung einer Schneedecke, so dass am Freitagmorgen erstmals Besen und Schaufel zum Einsatz kommen könnten:

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Die genaue Entwicklung bleibt jedoch noch abzuwarten, ob sich das Tief überhaupt so entwickelt, wie die genaue Zugbahn sein wird und welche Niederschlagsmengen es mit sich führt – diese Fragen sind derzeit noch nicht klar zu beantworten. Klar ist aber, dass modellarisch der Schnee so nahe ist wie es bisher in diesem Winter noch nicht annähernd der Fall war.