Der neue Wonnemonat heißt April

Erneut prägte sehr viel Sonnenschein den zweiten Frühlingsmonat

Fotos von Annette Mokross

„Der Mai ist gekommen, die Bäume schlagen aus“ – so beginnt das Frühlingsgedicht von Emanuel Geibel aus dem Jahr 1841, und diese Naturbeobachtung behielt noch weitere 150 Jahre ihre Gültigkeit. Doch im Zuge des Klimawandels nimmt der April immer häufiger den Mai vorweg. Obstblütenmeere und das erste Grün an den Bäumen, dazu tiefgelbe Rapsfelder vor blauem Himmel mit strahlendem Sonnenschein sind zum Postkartenpanorama des zweiten meteorologischen Frühlingsmonats geworden. Da machte auch der April 2026 keine Ausnahme: Mit fast 250 Stunden war er der viertsonnigste seit Aufzeichnungsbeginn im Kreis und nach 255 Stunden im Vorjahr der zweite markant sonnige in Folge. Auf die Temperaturen wirkten die häufigen Hochdrucklagen unter vorwiegend nördlicher und östlicher Anströmung hingegen dämpfend, vor allem auf die nächtlichen Tiefstwerte über dem verbreitet trockenen Erdboden. Dadurch landete die Monatstemperatur nah an den langjährigen Mittelwerten, während diese beim Niederschlag erneut fast überall verfehlt wurden.

Regelmäßiger Bodenfrost und die ersten warmen Tage in den Niederungen

Mit einer Monatstemperatur von 9,67 °C war der April 2026 an der DWD-Klimastation in Bevern um 0,15 Kelvin wärmer als im Mittel der Jahre 1991-2020, im Vergleich zur Klimaperiode von 1961-1990 betrug das Plus gut 1,7 K. In der Zeitreihe Holzminden/Bevern ab 1935 war der April 24 mal wärmer und 67 mal kälter. Die ersten warmen Tage mit Höchstwerten über 20 Grad ließen bis nach Monatsmitte auf sich warten und beschränkten sich auf zwei am 17. und 18., das Maximum lag mit 21,6 °C im moderaten Bereich. Hoher Luftdruck und geringe Bewölkung sorgten für sehr frische Nächte, das durchschnittliche Minimum lag bei nur 2,8 °C. Sechsmal wurde leichter Luftfrost gemessen, der Tiefstwert am 2. fiel mit -1,8 °C ebenfalls moderat aus. Über dem Erdboden lag das Minimum bei -4,1 °C, insgesamt gab es 16 Bodenfrosttage. Die leichten Fröste von meist nur wenigen Zehnteln unter dem Gefrierpunkt sollten der Obstblüte keinen Schaden zugefügt haben, anders als im Osten der Republik, wo gebietsweise bis Monatsende mäßige Luftfröste um -5 Grad und über dem Erdboden noch tiefere Werte gemessen wurden. Die Problematik der Klimaentwicklung im Frühjahr bleibt aber auch bei uns bestehen: Dem zeitlich nach vorn gerückten Vegetationsbeginn steht eine kaum veränderte Wahrscheinlichkeit für späte Fröste gegenüber – wolken- und windarme Hochdruckwetterlagen fördern ebenso wie Trockenheit im Oberboden die nächtliche Auskühlung.

An der Wetterstation in Silberborn fällt die Bilanz relativ zum kühleren Klima des Hochsollings fast identisch aus: Die Monatstemperatur erreichte mit 7,6 °C ein sehr zartes Plus von 0,1 K zum Mittel der Jahre 1991-2020 und ein deutliches von 1,8 K zum Durchschnittswert der Periode von 1961-1990. Auf den ersten warmen Tag muss man hier noch bis in den Mai warten, der Aprilhöchstwert von 17,9 °C am 17.04. verharrte noch klar unter der 20-Grad-Marke. Empfindlich kühl blieb es mit einem Höchstwert von nur 4,4 °C am 20., das niedrigste Minimum wurde am 2. mit -1,8 °C gemessen und die Anzahl der Frosttage bzw. -nächte betrug trotz der Höhendifferenz von über 300 m ebenso wie in Bevern sechs.

Häufige Hochdrucklagen mit östlicher und nördlicher Strömung

Die Analyse der Großwetterlagen über Europa illustriert die Messwerte mit den entsprechenden Druckverteilungen und Strömungsrichtungen. Zunächst herrschte noch die Troglage von Ende März mit gelegentlichen leichten Niederschlägen bis zum Ostersonntag, anschließend setzte sich von Westen zunehmend hoher Luftdruck durch, kurz unterbrochen von einer Front im Zuge einer Umstellung auf östliche Anströmung zum Ende der 1. Dekade. Diese Hochrandlage war zeitweise von dichter Bewölkung geprägt, Regen fiel daraus aber kaum. Ganz anders sah es am 19.04. aus: Ein kleinräumiges Tief brachte innerhalb weniger Stunden verbreitet ergiebige Regenfälle über dem Kreis, allerdings mit unterschiedlicher Intensität, wie wir im nächsten Abschnitt sehen werden. Es folgte noch etwas Getröpfel am Abend des 20.04., anschließend blieb die gesamte dritte Dekade unter einer antizyklonalen Nordlage komplett trocken, während die Sonnenscheindauer einen neuen Rekordwert für die letzte Aprildekade aufstellte.

Weiterhin verbreitet zu wenig Regen

Die Niederschlagssummen speisten sich ganz wesentlich aus den wenigen Stunden am Morgen des 19., wobei die Klimastation in Bevern am üppigsten bedacht wurde: Hier fielen in den fünf Stunden ab sechs Uhr morgens gut 30 mm, wodurch die Monatssumme auf 46,2 mm stieg und das Mittel der Jahre 1991-2020 sogar ganz leicht übertroffen wurde. Das war aber die Ausnahme unter den Stationen des DWD im Kreis und in seiner unmittelbaren Nachbarschaft, wo die langjährigen Durchschnittswerte meist klar verfehlt wurden. Hellental sicherte sich zwar mit 48,7 mm den ersten Platz bei den absoluten Zahlen, hat aber ein deutlich feuchteres Klima wie auch die anderen beiden Standorte im Einflussbereich des Sollings in Silberborn und Amelith, wo 44,0 bzw. sogar nur 36,1 mm gemessen wurden. Für Silberborn bedeutet dies ein weiteres Defizit von fast genau einem Drittel des Aprilmittels und einen Anstieg der rechnerischen Fehlmenge der letzten 15 Monate auf 428 mm – bildlich ausgedrückt sind das 4,3 Hektoliter oder gut 14 30-Liter-Fässer auf jeden einzelnen Quadratmeter.

Die weiteren Messwerte reichen von 45,9 mm in Vorwohle über 38,8mm in Ottenstein, 36,0 mm in Lüchtringen, 34,7 mm in Hehlen und 34,1 mm in Polle (Wilmeröder Berg) bis 32,9 mm in Gerzen bei Alfeld nur gut einen Kilometer nordöstlich der Landkreisgrenze.

Fast 250 Sonnenstunden und ein neuer Dekadenrekord

Die Sonnenscheindauer landete bei ca. 249 Stunden und übertraf das Mittel der Jahre 1991-2020 deutlich um 77 Stunden bzw. 45% – nur dreimal seit 1951 zeigte sich die Sonne im April noch länger. Besonders auffällig waren die letzten zehn Tage mit einem neuen Dekadenrekord von 121 Stunden – das macht einen Schnitt von gut zwölf Stunden pro Tag. Sonnenliebhaber kamen also wie im Vorjahr in den ersten beiden Frühjahrsmonaten reichlich auf ihre Kosten, der erst im vergangenen Jahr aufgestellte Jahreszeitenrekord von 716 Stunden ist aber kaum in Gefahr, denn es deutet sich für den Mai nach einem nochmals sehr sonnigen (und warmen) Start ein deutlich wechselhafterer und wolkenreicherer Witterungsabschnitt an. Ob es dann aber auch für flächig ergiebige Regenmengen reicht, bleibt abzuwarten.

Der Wind war im Mittel meist mit Stärke zwei bis drei unterwegs, in Böen oft mit Stärke vier bis sechs.  Die Spitzenböen des Monats erreichten an den umliegenden Stationen des DWD mit Windmessung überwiegend kurzzeitig Beaufort sieben und ganz vereinzelt acht, gemessen jeweils am 5. April.

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Autor: wesersollingwetter

Hobbymeteorologe und Autor des monatlichen Lokalwetterrückblicks im Täglichen Anzeiger Holzminden.

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