Zwischen Dauerfrost, Wärmerekorden und Industrieschnee

Der Dezember 2021 brachte ein Auf und Ab bei den Temperaturen, kaum Sonnenschein und wenig Niederschlag

Titelfoto: Annette Mokross

Fast die gesamte Spannbreite mitteleuropäischen Frühwinterwetters präsentierte der Dezember 2021 in der Region: Zu den zu dieser Jahreszeit unvermeidlichen zahlreichen dauertrüben Tagen mit Hoch- oder Bodennebel gesellten sich auch kurze freundliche Ausnahmen, an einigen Tagen herrschte Dauerfrost, an anderen blieb es nasskalt, zwischenzeitlich wurde es milder – man könnte auch kurz zusammenfassen: Keine besonderen Vorkommnisse, wozu auch das Ausblieben nennenswerter Schneefälle zählte – und auch aus der weißen Weihnacht wurde einmal mehr nichts. Doch zum Jahresende sorgte ein markanter Vorstoß sehr milder Luftmassen für neue Temperaturrekorde und damit für eine Fortdauer der seit elf Jahren andauernden Serie mehr oder weniger klar überdurchschnittlich temperierter Dezember. Dazu war es im vierten Monat in Folge deutlich zu trocken und die Sonne zeigte sich noch seltener am Himmel als es im dunkelsten Monat des Jahres ohnehin üblich ist bei uns.

Kaum Wind unter Hochdruckwetter im zweiten Monatsdrittel – gut zu sehen am fast senkrecht aufsteigenden Dampf über dem KKW Grohnde bei Hameln ©Annette Mokross


Mit einer Monatsmitteltemperatur von 3,64 °C war der Dezember 2021 an der DWD-Station in Bevern um knapp 0,9 Kelvin wärmer als im Mittel der Jahre 1991-2020. Nach dem 28.12. war die Bilanz noch ausgeglichen, das Plus ist also, wenn man so will, allein auf die letzten drei Tage zurückzuführen. Gegenüber der älteren Klimaperiode von 1961-1990 betrug die positive Abweichung 1,9 K. Abgesehen von den Temperaturrekorden an den letzten beiden Tagen mit Höchstwerten bis 15,0 °C und Tagesmitteln bis 13,6 °C (siehe: Rekordwarmer Jahreswechsel) war es zuvor gar nicht einmal so unwinterlich: Zwar platzten die Träume von der klassischen (und bei uns ohnehin sehr seltenen) weißen Weihnacht mit einer satten Schneedecke zum Heiligen Abend ein paar Tage vor dem Fest, nachdem zuvor einige Wettermodelle durchaus solche Optionen angezeigt hatten, aber zu den Feiertagen stellte sich kreisweit Dauerfrost und in den höheren Lagen sogar ein ganz klein wenig Schnee ein. Es gab 2021 also stellenweise „weiße Weihnacht light“. Die Bilanz von vier Eis-, zwölf Frost- und 19 Bodenfrosttagen an der Beveraner Station war gemessen an der jüngeren Vergangenheit überdurchschnittlich, mit -8,7 °C gab es die kälteste Dezembernacht seit neun Jahren und auch die Kältesumme von 16,7 Kelvin war zwar unspektakulär, gleichwohl aber die zweithöchste nach 2010.

Ähnlich in der Bilanz, aber anders in den Details präsentierte sich das Dezemberwetter im Hochsolling an der DTN-Unwetterreferenzstation in Silberborn: Höhenlagenbedingt gab es mehr Frosttage (19) und sogar ein paar dünne Schneedeckentage, unter dem Strich fiel das Plus bei der Temperatur mit 1,2 K gegenüber der Periode 1991-2020 und 2,1 K gegenüber 1961-1990 aber noch etwas größer aus als im Wesertal. Hauptgrund dafür war die Hochdrucklage vor Weihnachten, die unten für trostlose Nebelstimmung im Dauerfrost sorgte, weiter oben aber für Sonnenschein und tagsüber leichte Plusgrade. Die Monatsmitteltemperatur erreichte auf 428 m Stationshöhe 1,9 °C, die Zahl der Eistage lag mit drei jedoch unter der in Bevern. Neue Tagesrekorde zum Jahresende wurden mit bis zu 11,8 °C an Silvester auch in Silberborn gemessen, der tiefste Wert war eine -9,0 in der Nacht zum 22.12.

Die Analyse der Großwetterlagen zeigt für die erste Dekade vorwiegend Tiefdruckeinfluss aus Nordwesten und Norden, wobei die Niederschläge sehr überschaubar blieben. Es folgte eine bis kurz vor Weihnachten andauernde Hochdruckphase, die es gleich noch etwas genauer zu betrachten gilt, bevor sich ab 23. wieder Tiefdruck aus Westen mit teils ergiebigen Regenfällen durchsetzen konnte, unterbrochen durch Zwischenhocheinfluss an den Feiertagen. Die letzten Tage gehörten dann mit Südwest dem zu dieser Jahreszeit wärmstmöglichen Witterungstyp.

Dass Hochdruck in den Herbst- und Wintermonaten nur selten mit „Schönwetter mit viel Sonnenschein“ gleichzusetzen ist und wenn doch, dann deutlich eher in den Höhen des Sollings als in den Niederungen des Wesertals zu finden ist, zeigten die Tage zu Beginn der Weihnachtswoche wieder einmal exemplarisch. Während in der Vorwoche nirgends in der Region auch nur ein Sonnenstrahl zu finden war und die relative Luftfeuchte oft die Sättigungsgrenze von 100% erreichte, trocknete es anschließend in den höheren Lagen ein Stück ab und die Sonne kam zum Vorschein.

Weiter unten blieb es hingegen nicht nur trüb, ab den Abendstunden des 20.12. zeigte sich zumindest in der Kreisstadt ein Wetterphänomen, das leider in keiner offiziellen Beobachtung und Statistik auftaucht: Aus der extrem feuchten Luft in der Inversionsschicht fiel leichter Niederschlag, ohne dass dieser vom Radar oder den automatischen Messgeräten erkannt wurde. Gewöhnlich handelt es sich dabei um Nebelnässen, der sich als Tau oder Reif an Böden und Gegenständen absetzt und daher als „abgesetzter Niederschlag“ bezeichnet wird.

Doch das, was viele Holzmindener an diesen beiden Tagen auf Dächern, Fußwegen, teils auch Straßen und Autos vorfanden, war anders als in den Dörfern mit ehrenamtlichen DWD-Beobachtern echter Schnee. Wie kann es dazu kommen, dass offenbar nur im Stadtgebiet dieser Schnee zum Liegen kam? Die einzig schlüssige Erklärung lautet: Industrieschnee. Dabei handelt es sich um ein bei winterlichen Inversionslagen gelegentlich auftretendes Wetterphänomen, wenn die Luft zudem sehr feucht ist, so gut wie kein Wind geht und die Temperaturen unter den Gefrierpunkt fallen. Durch Emissionen aus Industrieanlagen (hauptsächlich Wasserdampf oder Kondensationskerne), aber auch durch Abgase im Straßenverkehr oder aus Schornsteinen entsteht dann in geringen Höhen von ca. 100-200 m diese besondere Form sehr feinen festen Niederschlags. Aufgrund der deutlich höheren Emissionsbelastung sind die Rahmenbedingungen für ein solches Ereignis in der Stadt Holzminden „besser“ als in der ländlichen Umgebung und gleichzeitig auch ein Indikator für die Luftverschmutzung.

Industrieschnee auf einem Auto in Holzminden am Abend des 22.12. Foto: Holger Friedrich

Übrigens: Nicht nur Schadstoffpartikel, auch sich daran anheftende Krankheitserreger wie das Coronavirus können sich bei solchen Bedingungen in der Außenluft anreichern, weil sie nicht wie sonst vom Wind fortgetragen werden. Auch wenn Details dazu noch wenig erforscht sind, empfiehlt sich bei solchen sehr austauscharmen Wetterlagen zu dieser Jahreszeit für empfindliche und gefährdete Personen zum Eigenschutz das Tragen einer FFP2-Maske auch unter freiem Himmel zumindest vorübergehend dort, wo Menschen zusammenkommen.

Mit dem Wechsel hin zu einer Westwetterlage verschwand die „abgestandene“ Luft einen Tag vor Weihnachten und wurde durch frische Meeresluft mit teils kräftigen Regenfällen ersetzt. Und auch nach den Feiertagen regnete es nochmals verbreitet in der Region, doch unter dem Strich stand dennoch der bereits vierte deutlich zu trockene Monat in Folge. Mit einer Summe von 42,4 mm fiel in Bevern wiederum nur gut die Hälfte des durchschnittlichen Niederschlags, an den anderen Messstellen des DWD im Umkreis sah es mit Quoten von ca. 50-65% ähnlich bzw. kaum besser aus. Am meisten fiel noch im Solling mit 64,8 mm in Silberborn, was im dortigen feuchteren Klima aber auch nur 68% des Klimamittels der letzten 30 Jahre entspricht, in denen der Dezember gegenüber den vorherigen 30 Jahren bereits rund 10% trockener geworden ist.

Schnee war rar, aber nicht komplett Fehlanzeige, wie die offiziellen Daten abseits des Industrieschnees in Holzminden zeigen: Während an den Stationen in Bevern, Lüchtringen, Polle und Hehlen „die Null stand“ und es in Ottenstein nur zweimal Schneeflecken zu melden gab, schafften Amelith und Hellental immerhin zwei, Vorwohle sogar drei zugegeben dünne Schneedeckentage. Spitzenreiter war Silberborn mit sechs plus ein paar Tagen mit Schneeflecken, von Rodel- oder Wintersportmöglichkeiten blieb man aber auch dort weit entfernt.

Der Wind frischte in den Tiefdruckphasen teils auf mit Böen von Beaufort 5-6, nur am 01.12. gab es verbreitet Böen der Stärke 7 und vereinzelt war in freien Lagen auch mal eine Sturmböe dabei. Unter der Hochdruckglocke vor Weihnachten „schlief“ der Wind zeitweise völlig ein. Die Sonne, ohnehin nur ein seltener Gast am Dezemberhimmel, brachte es nur auf gut 22 Stunden, was nicht einmal zwei Dritteln der durchschnittlichen Dauer entspricht. Insgesamt schloss das Jahr damit sehr trüb ab, nur ganze zweimal gab es nach 1988 noch weniger Sonnenschein als 2021, doch das soll dann eines der Themen des in Kürze folgenden Jahresrückblicks sein.

Der Köterberg ragte aus dem Nebelmeer heraus…
… und auch die Sonne konnte sich dort am Nachmittag des 21.12. zum Untergang
eindrucksvoll in Szene setzen Fotos: Annette Mokross
Foto: A. Mokross

Rekordwarmer Jahreswechsel

Nach einem weitgehend unauffälligen und zeitweise sogar recht winterlichen Dezemberverlauf purzelten zum Jahreswechsel die Temperaturrekorde: Bei den Tageshöchstwerten gab es zwischen dem 30.12. und 01.01. gleich drei neue Bestmarken am Stück für die Klimareihe Holzminden/Bevern mit Tageswerten ab 1951. Bei der Tagesmittel- und -tiefsttemperatur schrieb der Silvestertag sogar Wettergeschichte und setzte neue Monatsrekorde für Dezember.

Begonnen hatte die außergewöhnlich milde Witterungsphase unter südwestlicher Anströmung im Laufe des Mittwochs, am Donnerstag und Freitag wurden an der DWD-Station Bevern mit 14,6 °C und 15,0 °C so hohe Werte gemessen wie nie zuvor Ende Dezember. Blieb es bei den Maxima „nur“ bei neuen Tagesrekorden und der Monatsrekord vom Heiligen Abend 1977 von 16,1 °C noch unangetastet, schraubten sich Minimum und Tagesmittel am 31.12. auf bisher im Dezember ungekannte Höhen: Mit einem Tiefstwert von 12,2 °C wurden die bisherigen Rekorde aus Holzminden (11,0 °C aus 1985) und Boffzen (11,2 °C aus 1994) deutlich übertroffen, beim Tagesmittel liegt die neue Topmarke bei 13,6 °C (dies entspricht der Durchschnittstemperatur im Mai) und löst die 13,2 °C vom 21.12.1989 ab.

Und das neue Jahr machte sogleich weiter bei der Rekordjagd: Auf die mit deutlichem Abstand wärmste bisher in Bevern gemessene Neujahrsnacht mit einem Tiefstwert von 12,5 °C folgte eine neue Bestmarke beim Tageshöchstwert für einen 1. Januar von 14,6 °C (bisher waren es 13,2 °C zum Jahresauftakt 2012). Gleichzeitig ist dies neuer offizieller Januarrekord bei den Höchstwerten, es gilt aber die lange Messlücke von 1991-2006 zu berücksichtigen, so lässt sich leider nicht zweifelsfrei klären, ob es am 05.01.1999 vielleicht noch etwas wärmer war.

Doch nicht nur in den Niederungen des Oberwesertals, auch im Hochsolling an der Station in Silberborn wurden in diesen Tagen neue Spitzen erzielt: Mit Höchstwerten von 11,8 und 11,7 °C an Silvester und Neujahr und einem Tiefstwert von 9,7 °C in der Nacht dazwischen gab es neue Tagesrekorde seit Beginn der Wetteraufzeichnungen im Solling 1937. Der Dezemberrekord bei der Tagesmitteltemperatur wurde anders als in Bevern allerdings knapp verfehlt: Der Silvestertag blieb mit 10,8 °C um ein Zehntelgrad unter dem Wert vom 05.12.2006. Zum Vergleich: Am Neujahrstag 1979 sank das damals in Neuhaus im Einsatz befindliche Quecksilberthermometer auf minus 22,0 °C!

Und wie geht es nun weiter? Die sehr milde Witterung findet zu Wochenbeginn langsam ihr Ende, zum Mittwoch folgt ein deutlicher Rückgang der Tageshöchstwerte auf ca. 4 Grad im Tiefland und 1-2 Grad im Hochsolling, mögliche kältere Überraschungen inklusive. Normal temperiertes bis nasskaltes „Schmuddelwetter“ ist derzeit aber deutlich wahrscheinlicher als ein Winterwonderland, doch auch nach einer baldigen weiteren milden Phase sieht es derzeit nicht aus.

Wenig Sonne, wenig Regen, wenig Wetter…

Der November 2021 war trüb, trocken und durchschnittlich temperiert / Etwas Schnee am Monatsende

Titelfoto: Annette Mokross

Typisches Novemberwetter dominierte über weite Strecken das Geschehen im dritten und letzten meteorologischen Herbstmonat. Der Himmel präsentierte sich meist in Grau, Sonnenschein trat fast nur sporadisch auf und dennoch fiel aus den Wolken kaum einmal ergiebiger Niederschlag. Auch der Temperaturverlauf war anders als im Vorjahr, als mit 21 Grad ein neuer Rekord aufgestellt worden war, nichts für die Wettergeschichtsbücher. Es novemberte so vor sich hin, und erst ganz zum Schluss kam etwas Bewegung in die Wetterküche mit auffrischendem Wind, vorübergehend kälterer Luft und ersten dünnen Schneeauflagen in den höheren Regionen des Kreises. Dieses kleine Wintermezzo fand aber noch in den letzten Stunden des Novembers sein schnelles Ende. Unter dem Strich stand ein kleines Plus bei der Temperatur und ein großes bzw. sehr großes Minus bei Sonnenschein und Niederschlag. Mit dem dritten Monat in Folge mit deutlich zu wenig Regen schloss der Herbst als einer der trockensten seit Aufzeichnungsbeginn 1934 ab.

Intensive Abendfarben, wie es sie nur bei tiefem Sonnenstand zu bewundern gibt, hier über und in der Weser bei Polle. Foto: Annette Mokross

Die Monatstemperatur lag an der DWD-Station in Bevern mit 6,03 °C um 0,4 K über dem Mittel der Jahre von 1991-2020. Gegenüber der älteren Klimaperiode von 1961-1990 betrug das Plus 1,2 K. Nach einem milden Start und dem Höchstwert von 14,3 °C gleich am Monatsersten pendelten die Werte mal über, mal unter den langjährigen Durchschnittswerten mit einer nochmaligen Milderung am Ende der zweiten und dem bereits erwähnten kurzen frühwinterlichen Abschnitt am Ende der dritten Dekade. An sechs Tagen gab es leichten Frost in Bevern in zwei Metern Messhöhe, fünf Zentimeter über dem Erdboden fiel die Temperatur an elf Tagen unter den Gefrierpunkt – beides bewegt sich nah an den Mittelwerten der letzten 30 Jahre. Negative Tagesmitteltemperaturen gab es nicht, die sich hieraus errechnende Kältesumme lag somit bei null.

Leicht frostig wurde es häufiger, Reifspuren an Pflanzen und Beeren zeugen von der fortschreitenden Jahreszeit. Fotos: Annette Mokross

Im über 300 Meter höher gelegenen Silberborn erreichte diese Kennziffer einen Wert von 1,7 K, nachdem die Tagesmittel vom 27. bis 29. ein Minusvorzeichen trugen und am 29. ein erster Eis- bzw. Dauerfrosttag gemessen wurde – hauchdünn mit einer Höchsttemperatur von -0,1 °C. Dieses Temperaturniveau bei gleichzeitig vorübergehend negativen Taupunkten bescherte dem Hochsolling die ersten beiden Tage mit Schneedecke, am Dienstagmorgen waren einige Zentimeter zusammengekommen, die im Laufe des Tages aber rasch ein Raub der einsetzenden Milderung mit Übergang der Niederschläge in Regen wurden.

Die Monatstemperatur an der Silberborner Wetterstation lag mit 3,9 °C exakt im Mittel der Jahre 1991-2020 bzw. 0,8 K über dem Mittel von 1961-1990. Zum einen Eistag gesellten sich acht Frosttage mit einem Minimum von -3,9 °C am 28., am wärmsten war auch hier der Monatserste mit einem Höchstwert von 11,4 °C, zugleich der einzige zweistellige in diesem November.

Die Wetterlagenanalyse zeigt wie in den beiden Vormonaten und somit im gesamten meteorologischen Herbst eine Dominanz von Hochdrucklagen. Hauptsächlich waren diese durch eine Hochdruckbrücke über Mitteleuropa (abgekürzt BM) geprägt, die zusammen mit einer antizyklonalen Nordwestlage (NWa) von Beginn der zweiten bis zum Ende der fünften Pentade das Wettergeschehen bestimmte.  Aus der oft hochnebelartigen Bewölkung fiel dabei gelegentlich unergiebiger leichter Niesel, ansonsten war es oft trocken. Der milde Monatsstart resultierte aus einer Südlage von Ende Oktober her, die dann mit Ostverlagerung des hochreichenden Tiefs in eine Nordlage (Trog Mitteleuropa) überging. Eine solche Großwetterlage stellte sich erneut zur letzten Pentade ein und brachte einen im Tiefland nasskalten und in den höheren Lagen frühwinterlichen Abschnitt am Monatsende. Es fehlten sowohl klassische West- als auch Ostlagen.  

Die geringe Niederschlagsausbeute wurde bereits thematisiert, in Zahlen lesen sich die Monatssummen der verschiedenen Stationen in der Region wie folgt (wobei die kräftigen Regen- und teils Schneefälle zum Ultimo die Bilanzen noch deutlich aufbesserten):  Die Klimastation in Bevern meldete 31,7 mm, was nicht einmal ganz der Hälfte des dortigen Mittelwerts von entspricht, ähnlich wenig war es in Lüchtringen mit 30,6 mm. Polle, Ottenstein und Hehlen kamen jeweils auf knapp unter 40 mm, Eimen-Vorwohle auf immerhin auf 50,4 mm. Am meisten fiel im Solling und seinen Ausläufern in einem allerdings auch feuchteren Klima: In Hellental wurden 57,3 mm gemessen, Amelith stellte mit 62,8 mm den „Spitzenwert“ und Silberborn kam auf 58,1 mm – das sind letztlich aber auch nur rund zwei Drittel der durchschnittlichen Mengen.

Einen Schneedeckentag mit jeweils einem Zentimeter meldeten die Beobachter aus Polle auf dem Wilmeröder Berg und aus Amelith (Stationshöhen 270 bzw. 258 m) am 29.11. Dort fiel der Niederschlag am frühen Morgen des 30. schon wieder als Regen, während in Silberborn auf 428 m zunächst noch die feste Phase vorherrschte und ein zweiter Schneedeckentag registriert werden konnte, bevor auch dort Tauwetter einsetzte.

Nicht nur im Solling, auch auf der Ottensteiner Hochebene gab es einen ersten kleinen winterlichen Gruß am Monatsende. Foto: Annette Mokross

Bei der Sonnenscheindauer hielt sich der November ebenfalls dezent zurück und verfehlte sein wahrlich nicht üppiges Klimamittel deutlich. Mit dem aus den Umgebungsstationen mit Sonnenscheinmessung errechneten Monatswert von gut 33 Stunden reichte es nicht einmal ganz für 75% des langjährigen Durchschnitts. Einzig sonnenscheinreicher Tag war der 9. mit einer Tagessumme von 7,2 Stunden, mehr als die Hälfte des zu dieser Jahreszeit möglichen Sonnenscheins schaffte sonst nur noch der 22. mit 4,6 Stunden.

Die vielen Tagen mit hohem Luftdruck sorgten für weitgehend windschwache Verhältnisse, die Tagesmittel bewegten sich meist bei Beaufort 1-2, vereinzelt 3. Die Böen lagen allesamt unterhalb des warnwürdigen Bereichs, oft in Stärke 3-5, vereinzelt 6. Nur am 7. und am 30. frischte es vorübergehend bis zum steifen Wind (Bft. 7) auf.

Nur selten konnte sich die Sonne zeigen, einen dieser raren Momente am Morgen hat Annette Mokross eingefangen.

Herbstbilanz: Außergewöhnlich trocken

Mit dem November endet auch der meteorologische Herbst, und der 2021er war vor allem eines: sehr trocken. In allen drei Monaten wurden die Klimawerte des Niederschlags deutlich verfehlt, unter dem Strich standen in Bevern ganze 87,0 mm – lediglich viermal war es in der seit 1934 bestehenden Zeitreihe Holzminden/Bevern noch weniger, zuletzt allerdings erst vor drei Jahren im extrem trockenen Jahr 2018. Der Minusrekord stammt aus dem Jahr 1937 mit 68 mm, am nassesten war es 1998 mit 448 mm, der 30-Jahres-Schnitt seit 1991 liegt bei 195 mm und wurde in diesem Jahr um 55% verfehlt. Kaum anders sah es in Silberborn aus: Die dort gemessenen 122 mm reichten ebenfalls nicht einmal für die Hälfte des Klimawerts von 254 mm.

Die Mitteltemperatur landete im Bereich leicht überdurchschnittlich und entsprach etwa dem Niveau der jüngsten Vergangenheit der letzten zehn Jahre. Mit 10,63 °C war es in Bevern um 0,7 K wärmer als im Mittel von 1991-2020, gegenüber der älteren Klimaperiode 1961-1990 betrug das Plus knapp 1,3 K. In Silberborn waren es 8,86 °C, ebenfalls eine positive Abweichung vom lokalen Klimawert von 0,7 bzw. 1,25 K. Die Sonnenscheindauer schließlich verfehlte mit 275 Stunden den 30-Jahresschnitt leicht um elf Stunden oder vier Prozent.

Herbstlicher Gemischtwarenladen

Der Oktober 2021 brachte Durchschnittswerte bei Temperatur und Sonnenschein / Trockenheit setzt sich fort

Sonne, Wolken, Nebel, Regen und ein erster Herbststurm – der zweite meteorologische Herbstmonat brachte von allem etwas und bilanzierte bei den Temperatuten und der Sonnenscheindauer sehr nah an den langjährigen Durchschnittswerten. Beim Niederschlag zeigte sich der Oktober hingegen geizig und verfehlte sein Klimamittel meist um mehr als die Hälfte. Nachdem bereits der September deutlich zu trocken ausgefallen war, wuchs das Regendefizit in der Region weiter an.

Die Monatstemperatur lag an der DWD-Station in Bevern mit 10,24 °C um 0,3 K über dem Mittel der Jahre von 1991-2020. Gegenüber der älteren Klimaperiode von 1961-1990 betrug das Plus etwas höhere 0,7 K, wobei die Differenz zwischen den beiden Klimanormwerten in keinem Monat so gering ausfällt wie im Oktober. Die Spannweite zwischen dem wärmsten und kältesten Oktober beträgt fast sieben Kelvin (13,2 und 6,3 °C), beide Extremwerte stammen aus dem aktuellen Jahrhundert, was bei den Wärmerekorden normal, bei den Kälterekorden aber durchaus ungewöhnlich ist: Kurz nach dem „Jahrhundertsommer“ wurde im Jahr 2003 der lokal bisher kälteste Oktober gemessen. Immer bezogen auf die bis 1934 zurückreichende Klimareihe versteht sich: Ein Blick in noch ältere Wetteraufzeichnungen aus der Umgebung zeigt zum Beispiel, dass der Oktober 1922 mit nur rund fünf Grad noch ein ganzes Stück kälter war.

Zurück zur Gegenwart: Wärmster Tag des Monats war der Feiertag am 3. Oktober mit einem Höchstwert von 22,7 °C in Bevern, zugleich der wohl letzte warme Tag des Jahres mit einem Maximum von mindestens 20 Grad. Zwar wurde diese Marke im vergangenen Jahr erstmals in einem November übersprungen, das aktuelle Wetter und die Aussichten schließen eine Wiederholung aber so gut wie aus. Alle Tageshöchstwerte blieben oberhalb der Zehn-Grad-Marke – ein eher seltenes Ereignis, meist werden zu dieser Zeit die ersten einstelligen Maxima gemessen. Der erste Frost kam am 10. Oktober und damit deutlich früher als 2020, als es bis zum 20. November dauerte, bis die Temperatur in zwei Metern Höhe in Bevern erstmals im Herbst unter den Gefrierpunkt gefallen war.

An der Hochsolling-Wetterstation in Silberborn blieb die Nacht zum 10.10. noch frostfrei, gerade im Herbst ist es ja nicht ungewöhnlich, dass es auf über 400 m Höhe nicht so stark auskühlt wie in den Niederungen des Wesertals. Am 24.10. wurde dann aber auch im Kurgarten der erste leichte Frost der Saison gemessen. Wärmster Tag war auch hier der Tag der Deutschen Einheit, die 20-Grad-Marke wurde aber nicht mehr ganz erreicht, so dass als höchstes Maximum eine 19,5 steht. Die Monatsmitteltemperatur lag mit 8,7 °C um 0,6 K über dem Klimawert der Jahre 1991-2020, relativ auf das jeweilige Lokalklima bezogen war es also geringfügig wärmer als in Bevern, unterm Strich an beiden Standorten ein sehr unauffälliger Monat bei den Temperarturen.

Bei der Wetterlagenanalyse fallen wie schon im September vorwiegend Hochdrucklagen auf, diese brachten aber jahreszeitbedingt nur noch an wenigen Tagen ungetrübten Sonnenschein und oft hochnebelartige Bewölkung. Sehr kräftig war der Warmluftvorstoß zu Monatsbeginn im Rahmen einer Südlage: Die Höchstwerte von fast 23 Grad in Bevern und knapp 20 Grad im Solling am Feiertag wurden ohne Sonnenscheinunterstützung erreicht, waren also ausschließlich der Luftmasse und kräftigem Wind geschuldet. Anschließend dominierte die Großwetterlage „Hochdruckbrücke Mitteleuropa“, zu Beginn der zweiten Dekade durch eine ehr kühle Nordlage unterbrochen. Eine kurzzeitige tiefdruckgeprägte Westlage bescherte der Region am Anfang der dritten Dekade den ersten Herbststurm und immerhin ein paar nassere Tage, bevor die Rückdrehung der Strömung über Südwest auf Süd ein ungewöhnlich mildes Monatsende mit Höchstwerten von bis zu 18 Grad brachte.

Herbstfarben zwischen Weser und Solling, eingefangen von Annette Mokross

Die Niederschlagsbilanz blieb erneut deutlich unter den langjährigen Klimawerten: Bevern meldete nur 31,5 mm, was nicht einmal der Hälfte des 30-Jahres-Durchschnitts von 1991-2020 entspricht (46%). Quasi identisch war das Bild in Silberborn mit 42,8 mm, was ebenfalls lediglich 46% des dortigen Mittels ausmacht. Die weiteren Werte der Region: Lüchtringen kam sogar nur auf 26,7 mm; 33,1 mm waren es in Polle, 30,1 in Ottenstein, 34,5 in Hehlen, 42,7 in Eimen-Vorwohle, 43,4 in Hellental und 37,5 mm in Amelith. Bei der klimatischen Einordnung ist zu beachten, dass manche Karten und Tabellen als Referenzperiode noch die Jahre 1961-1990 verwenden, in der der Oktober deutlich trockener war. Die jüngsten 30 Jahre brachten eine Steigerung um ca. ein Drittel des mittleren Niederschlags, in Bevern zum Beispiel von 50,0 auf gut 68 mm. Der Oktober ist damit nicht nur der Monat mit der schwächsten Erwärmung, sondern zugleich der mit dem stärksten Zuwachs an Niederschlag. In der Jahressumme ist es in den letzten 30 Jahren hingegen geringfügig, seit 2011 sogar deutlich trockener geworden.

Und auch bei der Sonnenscheindauer nimmt der Oktober bei der Entwicklung seit 1991 eine Sonderrolle ein: Anders als in den meisten anderen Monaten hat die Anzahl der Sonnenstunden nicht zu-, sondern leicht abgenommen und liegt in der Region bei ca. 97 Stunden. Genau dieses Niveau erreichte auch der aktuelle Oktober und schaffte damit wie zuvor bereits der September bei diesem Parameter eine Punktlandung auf dem klimatischen Mittelwert. Am sonnigsten wurde es am Wochenende 9./10. mit jeweils über acht Stunden, der höchste Tageswert wurde am 24. mit fast neun Stunden erzielt. An nur drei Tagen zeigte sich die Sonne überhaupt nicht, das ist eine für die Jahreszeit in der Region ungewöhnlich niedrige Anzahl.

Der Wind schließlich war im Gegensatz zum September zumindest vorübergehend ein Thema: Der kräftige Südwind am warmen 3. Oktober brachte vereinzelte Böen bis Bft. 8 (stürmischer Wind) und das erste Sturmtief der Saison am 21. (mit etwas unklarer Namensgebung wegen einer sehr komplexen Bodenwetterlage, schließlich erhielt es den Namen „Hendrik II“) sogar Sturmböen (Bft. 9). Auch schwere Sturmböen (Bft. 10, ab 89 km/h) sind nicht auszuschließen, so wurden in Hameln 90,4 km/h gemessen, in Göttingen 87,1, in Alfeld hingegen nur 72 km/h. Leider ist die Windmessstation des DWD in Northeim-Stöckheim an jenem Tag ausgefallen und lieferte keinen Messwert.

Goldener Oktoberbaum © Annette Mokross

Trockenwarmer Übergang vom Sommer in den Herbst

Der September 2021 brachte oft spätsommerliche Temperaturen und kaum Regen

Titelfoto: Annette Mokross

Nach dem recht kühlen und trüben August mochte sich der Sommer noch nicht geschlagen geben und sorgte vor allem in der ersten Hälfte noch einmal für spätsommerliche Wärme und einige sonnige Tage. Anschließend klopfte der Herbst immer wieder mal an die Tür und es ging wechselhafter und weniger warm weiter, ohne dass sich kühle Luftmassen für längere Zeit durchsetzen konnten. Stattdessen war die zweite Monatshälfte von einem Auf und Ab bei den Temperaturen geprägt, wobei oft dichte Wolken dominierten, aus denen aber nur selten etwas Regen fiel. Unter dem Strich war der erste meteorologische Herbstmonat in diesem Jahr warm und deutlich zu trocken bei durchschnittlicher Sonnenscheindauer.

Die Monatstemperatur lag an der DWD-Station in Bevern mit 15,62 °C um 1,4 K über dem Mittel der Jahre von 1991-2020. Gegenüber der älteren Klimaperiode von 1961-1990 betrug das Plus fast 1,9 K. In der bis 1934 zurückreichenden Messreihe Bevern/Holzminden war es der zehntwärmste September, der Rekord aus dem Jahr 2006 von 17,5 °C blieb aber weit entfernt. Bis zur Monatsmitte lagen die Tageshöchstwerte beständig oberhalb der 20-Grad-Marke, darunter waren drei Sommertage und das Monatsmaximum von 28,4 °C. Im letzten Jahr hatte es um den 15. herum sogar noch einmal zu einer späten kleinen Hitzewelle mit drei Tagen oberhalb der 30-Grad-Marke gereicht, dennoch war der Monat insgesamt ein Grad weniger warm ausgefallen als in diesem Jahr – wie schon im Juli und August waren die Ausschläge nach oben und unten auch im September recht gering. Da Hitze mit mindestens 30 Grad im Oktober in unserer Region nahezu auszuschließen sind, bleibt es im Jahr 2021 bei einer klar unterdurchschnittlichen Bilanz von vier heißen Tagen – die gab es am Stück zwischen dem 16. und 19. Juni.

Jahreszeitbedingt abwärts ging es in der zweiten Monatshälfte, doch nur an zwei Tagen wurde die 15-Grad-Marke knapp nicht erreicht.  Dafür gab es am 26.09. das wohl letzte Aufbäumen des Sommers in diesem Jahr mit einem Höchstwert von 25,8 °C. Zwischen dem ersten und letzten meteorologischen Sommertag dürften in diesem Jahr somit ungewöhnlich lange 179 Tage gelegen haben, nachdem es bereits am 31. März über 25 Grad warm geworden war. Zum Vergleich: 2010 betrug diese Zeitspanne ganze 77 Tage. Dass solche Statistiken aber leicht in die Irre führen können, zeigt ein Blick auf die Durchschnittstemperatur des Sommerhalbjahres (April-September) in diesem Jahr, das mit 14,84 °C zur kühleren Hälfte der letzten 30 Jahre zählt.

An der Hochsolling-Wetterstation in Silberborn gab es am 9. September mit 26,0 °C den letzten Sommertag, die Monatsmitteltemperatur lag mit 13,9 °C sogar um 1,6 K über dem Durchschnitt der letzten 30 Jahre und um 2,1 K über dem Klimawert von 1961-1990. Insgesamt wurden noch zehn warme Tage mit mindestens 20 Grad gemessen, neun in der ersten und einer in der zweiten Monatshälfte. Am kühlsten blieb es am 19. mit einem Höchstwert von 11,8 °C, der Tiefstwert wurde mit 5,6 °C am 30. erreicht.

Nebelmorgen an der Weser (Foto: Annette Mokross)

Die Wetterlagenanalyse zeigt im Gegensatz zu den vergangenen Sommermonaten ein deutliches Übergewicht von Hochdrucklagen mit unterschiedlichen Strömungsrichtungen. Die erste Monatshälfte hatte das Muster einer rückdrehenden (gegen den Uhrzeigersinn gerichteten) Strömung: Von einer Nordlage („Hoch Britische Inseln“) ging die Witterung über „Hoch Mitteleuropa“ in eine Südwest- und schließlich in eine Südlage über.  Eine kurzzeitige Ostlage nach Monatsmitte konnte sich nicht halten und wurde durch eine erneute Rückdrehung erst durch eine Nordwest- und schließlich eine Westlage abgelöst.

Eines hatte dieses Sammelsurium an Großwetterlagen gemeinsam: Es gab ausgeprägte trockene Phasen und nur wenige Regentage. An meist 20 Tagen fiel in der Region kein messbarer Niederschlag und an den restlichen Tagen hielten sich die Mengen in sehr überschaubaren Grenzen. Nur in Hehlen und Ottenstein wurde ein Tagesmaximum knapp oberhalb der 10-mm-Marke gemessen.

Insgesamt blieb der Monat in der gesamten Region deutlich unter den Klimawerten: In Bevern fielen mit 23,8 mm nur 39% des Mittels der letzten 30 Jahre, in Silberborn mit 21,2 mm nicht einmal ein Viertel des langjährigen Werts. Auch die anderen beiden Stationen im bzw. am eigentlich feuchten Solling geizten mit Regen: In Amelith wurden 22,4 mm gemessen, ganze 17,9 mm waren es in Hellental, das diesmal sogar die trockenste Station im Umkreis stellt. Eimen-Vorwohle meldete mit 19,7 mm kaum mehr, Lüchtringen brachte es auf 21,2 mm, Hehlen auf 26,9 mm und Polle auf 28,1 mm. Am meisten Regen fiel noch in Ottenstein mit 33,9 mm, was aber auch nur gut der Hälfte des 30-Jahres-Mittels entspricht. Aufgrund der Sommermonate mit recht viel Regen, wenig Hitze und ab Juli unterdurchschnittlicher Sonnenscheindauer stuft der Dürremonitor des Helmholtz-Zentrums für Umweltforschung UFZ die Situation in der Region aber noch als entspannt ein (Stufen 0 bis 1 von 5 sowohl in den oberen als auch in den tieferen Bodenschichten).

Die Verdunstung hielt sich trotz der überdurchschnittlichen Temperaturen in Grenzen, da sich die Sonne nur in der ersten Dekade häufig länger zeigen konnte und der Wind meist eine untergeordnete Rolle spielte. Mit 145 Stunden erreichte die Sonnenscheindauer fast genau den Mittelwert der vergangenen 30 Jahre. Den sonnigsten Abschnitt brachte die Hochdruckphase zwischen dem 3. und 9. September mit fast 67 Stunden in sieben Tagen und viermal mehr als zehn Stunden am Tag. Anschließend wurde es wechselhafter mit deutlich mehr Wolken und einer ausgesprochen trüben Phase zwischen dem 15. und 21. mit nur gut sechs Stunden in Summe an sieben Tagen.

Entsprechend der Hochdruckdominanz blieb der Mittelwind meist schwach zwischen Windstärke 1 und 3, nur an einzelnen Tagen wie am 23. und am 29. lag er auch mal zwischen 3 und 4 mit einzelnen Böen bis Stärke 7.

Sonnenuntergang über dem Köterberg (Foto: Annette Mokross)

Ein Sommer, wie er früher einmal war…?

An seinem Ende stand ein mäßig warmer, recht nasser und sehr trüber August

„Da schlagen zwei Herzen in meiner Brust: Zum einen das Herz des Sommerliebhabers. Aus dieser Sicht war es ein wirklich schlechter Sommer. Abseits des Junis kühl, trüb und hintenraus wirklich frühherbstlich. Zum anderen das Herz des Naturfreundes. Wenig Hitze, wenig Trockenheit, das tat der Natur sichtbar gut.“ – „Ich fühle mich tatsächlich fast um eine komplette Jahreszeit betrogen (Juni ausgenommen). Noch viel zu nah sind die Erinnerungen an die trübe, kühle Zeit.“ – „Noch vor 30 Jahren wäre dies einer der wärmsten Sommer überhaupt gewesen. Manche Leute sollten ihr Anspruchsdenken überprüfen und froh sein, von Hitzewellen wie im östlichen Mittelmeerraum oder der Flut im Westen unseres Landes verschont geblieben zu sein.“ – Drei Stimmen aus einem Wetterforum zum Fazit des Sommers 2021 aus diesen Tagen, die sehr gut die unterschiedliche Bewertung der letzten Monate widerspiegeln und vermutlich auch im Leserkreis des TAH ähnlich ausfallen.

Was sagen die Messwerte in der Region dazu? Zumindest für den August sehen die Daten recht klar aus: Es war der zweitkühlste der letzten 15 Jahre, es regnete häufig und teils ergiebig, während sich die Sonne oft rar machte. Wie schon im Juli blieb ein längerer Abschnitt mit beständigem Hochdruckwetter aus, lediglich einige Tage vor Monatsmitte brachten eine recht heitere Phase mit hochsommerlichen Temperaturen. Die Sommerbilanz fällt dank des Junis zwar wärmer aus, doch unter dem Strich bleibt ein deutliches Sonnenscheindefizit, während es beim Niederschlag kein klares Bild gab.

Mit einer Monatstemperatur von 16,95 °C war der August 2021 an der DWD-Station in Bevern um fast 1,3 K kühler als im Mittel der Jahre von 1991-2020. Gegenüber der älteren Klimareferenzperiode von 1961-1990 reicht das aber immer noch für ein kleines Plus von zwei Zehnteln. Sieht man einmal von den letzten Tagen des Monats ab, ergibt sich ein ähnliches Fazit wie im Juli: Kühle und sehr warme Tage gab es kaum, meist spielte sich das Niveau der Tageshöchstwerte im mäßig warmen Bereich etwas oberhalb der 20-Grad-Marke ab. In der ersten Dekade blieb der Korridor bei den Maxima mit Werten zwischen 21,3 und 23,5 °C äußerst schmal. Lediglich vor Monatsmitte stiegen die Werte vorübergehend für vier Tage deutlich über die 25-Grad-Marke an. Die Anzahl meteorologischer Sommertage blieb mit fünf klar unterdurch-schnittlich, die 30-Grad-Marke wurde wie im Juli gar nicht erreicht. Der letzte August ohne heißen Tag ist zwar erst vier Jahre her, auf der Suche nach dem letzten hitzefreien Juli-August-Paar wird man aber erst vor fast 30 Jahren im Sommer 1993 fündig.

Die Hochsolling-Wetterstation in Silberborn liegt auf fast 430 m Höhe und entsprechend fallen die Sommerbrötchen dort kleiner aus. Sofern keine Inversionswetterlage herrscht, was in den Sommermonaten kaum einmal der Fall ist, beträgt die Differenz bei den Höchsttemperaturen zum Wesertal in der Regel rund drei Grad. Dies bestätigen auch die Augustwerte mit einem mittleren Tagesmaximum von 19,1 °C gegenüber Bevern mit 22,1 °C. Sommertage gab es in Silberborn nur zwei, dafür ging es gen Monatsende schon herbstlich zu mit Höchstwerten von unter 15 Grad. Die Monatsmitteltemperatur lag mit 14,65 °C um 1,4 K unter dem dortigen Klimawert der Jahre 1991-2020, während das 30 Jahre ältere Referenzmittel für langfristige Klimavergleiche von 14,7 °C fast auf den Punkt getroffen wurde.

Bei der Analyse der Großwetterlagen sieht man wie schon im Juli klare Tiefdruckdominanz mit Ausnahme der bereits erwähnten kurzen Phase vor Monatsmitte. Die Abfolge ab dem Beginn des sog. Siebenschläferzeitraums Ende Juni ähnelte sich dabei immer wieder trotz einzelner Unterschiede in den Details: Tiefdruckgebiete wurden oft von Hochdruckzonen auf dem Nordatlantik oder über Nordeuropa blockiert und zogen entweder auf südlicher Bahn Richtung Mitteleuropa oder tropften aus größeren Langwellentrögen ab und „eierten“ abgekoppelt von der Höhenströmung anschließend mit nur langsamer Geschwindigkeit über uns. Solche Lagen sind für die Computermodelle, auf die sich die moderne Wettervorhersage weitgehend stützt, oft nur schwer im Voraus zu berechnen. Im Extremfall bringen sie lang andauernde Starkniederschläge wie Mitte Juli bei der Flutkatastrophe im Westen oder später vor allem im Alpenvorland, wo im Stau der Gebirgskette ein außergewöhnlich nasser Sommer registriert wurde. Eine grundlegende Umstellung der großräumigen Zirkulation fand diesmal bis zum Ende des Sommers nicht mehr statt, die oftmals zu ruhigem Hochdruckwetter neigende Zeit im Spätsommer wurde entweder auf den September verschoben oder fällt in diesem Jahr ganz aus.

Niederschlag in Form von Regen fiel über den Monat verteilt in unterschiedlicher Intensität, vor allem die letzte Dekade sorgte mit teils kräftigen Schauern dafür, dass die Summen meist – aber nicht überall – über den langjährigen Durchschnittswerten landeten. In Bevern kamen 85,7 mm oder knapp 120% des Klimawerts von 1991-2020 zusammen, in Lüchtringen sogar 99,1 mm. Noch mehr war es in Polle auf dem Wilmeröder Berg mit 106,8 mm; Ottenstein meldete 85,4 mm, Hehlen 86,2 mm und Eimen-Vorwohle 75,8 mm. Während in Hellental 101,7 mm gemessen wurden, gab es im und am Solling Richtung Südwesten weniger Regen: In Silberborn waren es noch 91,2 mm – ein Plus von 5% gegenüber dem Schnitt – in Amelith hingegen nur 60,7 mm. Auch die Summe im Holzmindener Stadtgebiet, privat im Südteil gemessen, war mit 68,7 mm eher zurückhaltend. Einen guten Überblick über die ungefähren Werte auch abseits bestehender Messstellen am Boden bieten die Karten mit kalibrierten Radarsummen bei Kachelmannwetter unter der URL https://kachelmannwetter.com/de/regensummen/kalibrierte-summe-1std.html – dort kann man verschiedene Zeiträume wählen und in die Landkreise zoomen. Für den August zeigt die Karte, dass der Südzipfel des Kreises Holzminden (Bereich Derental und Lauenförde) deutlich trockener blieb als der Rest, dort wurden die langjährigen Klimawerte nicht erreicht.

Eindeutig ist das Bild beim Sonnenschein: Mit lediglich 138 Stunden wurde nicht nur das Mittel der letzten 30 Jahre deutlich verfehlt (um fast 30%), der August 2021 zählt auch klar zu den trübsten Vertretern der lokalen Wetterhistorie seit 1951: Nur sieben Mal gab es in den letzten 70 Jahren noch weniger Sonnenschein in einem August, zuletzt 2010, als der Minusrekord von nur 111 Stunden aufgestellt wurde.

Sie lachten in diesem August nur selten im Sonnenlicht: Sonnenblumenfeld von Annette Mokross, fotografiert am 23.08.

In der Sommerbilanz macht jeder Monat einen Anteil von einem Drittel aus und hier sorgt dann der Juni mit seinem markanten Temperaturüberschuss dafür, dass der Sommer 2021 unter dem Strich an der DWD-Station in Bevern mit 18,4 °C überdurchschnittlich ausfiel – eher leicht gegenüber dem aktuellen Klimamittel der letzten 30 Jahre von 17,8 °C, deutlich gegenüber der älteren Norm der Periode 1961-1990 von 16,5 °C. Zum Vergleich: Der damals als Hitzesommer eingestufte Sommer 1983 war mit 18,5 °C nur ein Zehntelgrad wärmer als der aktuelle. An solchen Zahlen lässt sich das Fortschreiten der Erwärmung in den letzten Jahren gut ablesen. Hitze blieb gleichwohl in diesem Sommer die Ausnahme und beschränkte sich auf vier Tage im Juni am Standort Bevern, in Silberborn waren es zwei, beides deutlich weniger als zuletzt und auch weniger als im langjährigen Mittel, das in Bevern bei fast zehn Tagen und in Silberborn bei rund vier Tagen liegt. Die Anzahl der Sommertage mit mindestens 25 Grad Höchsttemperatur lag in Bevern mit 35 im Schnitt der letzten 30 Jahre, in Silberborn wurde dieser mit elf von ca. 19 allerdings klar verfehlt. Die dortige Sommertemperatur von 16,3 °C unterscheidet sich hingegen bezogen auf das kühlere Klima vor Ort kaum von der in Bevern: An der Hochsollingstation lag der Sommer rund 0,7 Grad über dem Mittel der Jahre 1991-2020 und glatt zwei Grad über der älteren Norm von 1961-1990.

Beim Sonnenschein fiel das Defizit der Monate Juli und August deutlich größer aus als das Plus, das der Juni angesammelt hatte. Nach 92 Tagen betrug der Schätzwert für die Region, gewonnen aus fünf DWD-Stationen mit Sonnenscheinmessern in der Umgebung, rund 525 Stunden. Das ist ein Minus von 73 Stunden gegenüber dem Mittel der letzten 30 Jahre und der niedrigste Wert seit 2012. Der trübste Sommer stammt aus dem Jahr 1981, als mit Müh und Not die Marke von 400 Stunden knapp überschritten wurde, der Rekord immer noch aus dem „Sonnenjahr“ 1959, als ca. 753 Stunden erreicht wurden.

Die Niederschlagsbilanz des Sommers fällt weniger eindeutig aus, es gab sowohl nasse Orte als auch trockenere, letztere vorwiegend wie im August im Süden des Kreises mit teils nur ca. 180 mm. Doch auch im Nordwesten in Ottenstein wurde der langjährige Durchschnitt mit 205 mm recht deutlich verfehlt, während Polle, Lüchtringen und Hehlen mit Werten zwischen 273 und 233 mm zumindest leicht im Plus lagen. Hellental, wo noch kein Klimawert aufgrund der kurzen Messdauer vorliegt, meldete 238 mm, in Vorwohle gab es leider einen längeren Ausfall im Juli und daher keinen verwertbaren Wert. Silberborn blieb mit 245 mm um 9 mm unter seinem Mittel, Bevern hingegen übertraf seines deutlich um 35 mm (16%) und stellte nach Polle mit 254 mm den zweithöchsten Wert im Kreis.

Titelfoto: Wolkenbogenpanorama über der Weser am 26.08. von Annette Mokross

Goldenes Träumchen: Fluss- mit Bodennebel an der Weser nennt Fotografin Annette Mokross ihre Aufnahme vom 6. August um 06:28 Uhr morgens

Hitzefrei und unbeständig durch den Hochsommer

Gemäßigte Temperaturen, viele Wolken und dennoch meist wenig Regen prägten den Juli 2021

Titelfoto von Annette Mokross: Gewitter in der Abendsonne am 26. Juli

Zu den Entwicklungen im Zuge des Klimawandels in den letzten Jahren gehört eine erhöhte Erhaltungsneigung von Großwetterlagen, die sich zunehmend auch im Sommer zeigt und der alten Siebenschläferregel zu neuer Popularität verhilft. Wie schon 2017 und 2018 wurden die Weichen für den Verlauf des Hochsommers bereits Ende Juni gestellt. War es vor drei Jahren eine hochdruckdominierte, sehr sonnige, heiße und rekordtrockene Zeit zwischen Ende Juni und Anfang/Mitte August, ähnelte der Verlauf in diesem Jahr dem von 2017: Tiefdruck bestimmte weitgehend das Wettergeschehen in der Region mit vielen Wolken und meist moderater Wärme. Erstmals seit 2011 blieb der Juli ohne einen heißen Tag mit mindestens 30 Grad Höchsttemperatur. Ein wesentlicher Unterschied zu 2017 war die Niederschlagsbilanz: Vor vier Jahren hatte es noch neue Regenrekorde gegeben, diesmal blieben die Mengen unter den langjährigen Mittelwerten, teils sogar deutlich. Doch die Flutkatastrophe im Westen der Republik zeigt auf drastische Weise die zerstörerische Kraft der Großwetterlage „Tief Mitteleuropa“ im Hochsommer.

Mit einer Monatstemperatur von 18,68 °C landete der Juli 2021 an der DWD-Station in Bevern fast genau im Mittel der Jahre von 1991-2020. Gegenüber der älteren Klimareferenzperiode von 1961-1990 gab es ein Plus von knapp 1,6 Kelvin. An den meisten Tagen lagen die Höchstwerte im mäßig warmen bis warmen Bereich, an 27 Tagen innerhalb eines Korridors zwischen 20 und 27 Grad. Das Maximum von 28,5 °C war das niedrigste in einem Juli seit 2011, tiefer lag es zuletzt vor 21 Jahren, als im Juli 2000 nicht einmal ein meteorologischer Sommertag erreicht wurde. Wie schon im Juni gab es auf der kühlen Seite kaum etwas zu vermelden, nur an zwei Tagen blieb der Höchstwert unter der 20-Grad-Marke – am Monatsersten mit nur 15,3 °C allerdings so deutlich, dass damit ein neuer Minusrekord für einen 1. Juli in der Klimareihe Bevern/Holzminden aufgestellt wurde – bezogen auf den Zeitraum ab 1951, für den die entsprechenden Tageswerte vorliegen.

Wenn der Hochsommer mit Werten über 27 Grad im Wesertal schon so geizt, dann bleibt in den höher gelegenen Orten der Region kaum noch ein meteorologischer Sommertag übrig, wie ein Blick auf die Daten der Station in Silberborn zeigt, wo nur an zwei Tagen über 25 Grad gemessen wurden. An immerhin elf Tagen wurde hier die 20-Grad-Marke verfehlt, am kühlsten war auch im Hochsolling der Monatserste mit nur 13,0 °C Höchsttemperatur. Das Monatsmittel von 16,5 °C entsprach wie in Bevern fast genau dem jüngsten klimatologischen Durchschnitt (+0,1 K) und einem Plus von 1,6 K im Vergleich zur Periode 1961-1990. Der Temperaturverlauf an beiden Stationen zeigt auf, dass wie schon 2017 selbst ein sonnenscheinarmer und tiefdruckgeprägter Juli ein ganzes Stück wärmer abschneidet als vor 30 Jahren.

Und als sonnenscheinarm ist der Juli 2021 eindeutig einzustufen: Nur rund 156 Stunden ergeben sich als Rechenwert aus den DWD-Stationen der Umgebung – so wenig wie seit 2011 nicht mehr. Das entspricht nur 76% des Klimawerts von 1991-2020 und reicht immerhin für Platz sechs der trübsten Julimonate der letzten 40 Jahre. Nur dreimal wurde die 10-Stunden-Marke überschritten und nur einmal gab es mehr als zwölf Stunden als Tagessumme – ein weiteres Indiz für das Ausblieben einer hochdruckgeprägten „Schönwetterlage“. Das zeigt auch ein Blick auf die Analyse der Großwetterlagen, bei denen sich tiefdruckgeprägte Exemplare die Klinke in die Hand gaben, meist Südlagen wie Trog Westeuropa und Tief Britische Inseln, aber eben auch Tief Mitteleuropa, wovon gleich noch ausführlicher die Rede sein wird. Und die einzige Hochdruckphase nach Monatsmitte war dummerweise auch noch eine Nordwestlage, abgekürzt NWa, bei der es zwar trocken blieb, sich aber aufgrund der Anströmung über die Nordsee oftmals stratiforme Bewölkung an der Mittelgebirgsschwelle staute und nur ab und zu mal Lücken für längeren Sonnenschein ließ.

Aufziehendes Gewitter am 26. Juli über der Weser bei Polle

Die Flutkatastrophe im Westen – auch bei uns möglich?

Eine besondere Wetterlage führte Mitte des Monats zu ergiebigem Dauerregen über Teilen des Westens, der sich binnen weniger Stunden zu einer Naturkatastrophe ausweitete. Später waren auch noch Teile Süddeutschlands betroffen. Bis Ende Juli starben in Deutschland mindestens 184 Menschen, viele verloren Obdach und Hab und Gut. Eine ausführliche meteorologische Analyse steht Interessierten kostenlos und frei zugänglich unter dem Link https://berliner-wetterkarte.de/Beilagen/2021/Die_Flutkatastrophe_2021.pdf zur Verfügung.

Schaut man sich die Niederschlagsmengen an den DWD-Stationen in den betroffenen Regionen an, fällt auf, dass die Flut war nicht zwingend dort am schlimmsten war, wo der meiste Regen fiel. Spitzenreiter war am 14.07. Köln-Stammheim (Kläranlagengelände) mit 153,5 mm Tagesniederschlag, in Köln blieb die Hochwasserlage aber weitgehend entspannt. Ende Juni war an mehreren Stationen in der Uckermark sogar noch deutlich mehr Regen gefallen – bis zu 199,2 mm binnen 24 Stunden in Ludwigsburg. Doch das dortige Relief verhinderte, dass es zu Überflutungen kam, ganz anders als zwei Wochen später in Teilen des Sauerlandes, der Eifel, des Rheinlands und im Ahrtal, wo kleine Bäche zu reißenden Strömen wurden und ganze Häuser mit sich rissen.

Schnell war von einem Jahrhundertereignis die Rede, doch sollte man mit diesem Begriff vorsichtig umgehen. Der Jahrhundertsommer 2003 zum Beispiel wurde zwar noch nicht in Gänze übertroffen, aber viel hat in den Jahren 2018 und 2019 nicht gefehlt, als zugleich in Nord- und Ostdeutschland neue Rekordmarken gesetzt wurden. Und ob ein ähnliches Flutereignis erst wieder in einhundert oder doch schon in den nächsten Jahren auftritt, kann niemand vorhersagen.

Was sich aber feststellen lässt: Sollte es auch in Zukunft zu vermehrten Blockierungslagen im Sommer kommen, bei denen Tiefdruckgebieten die Zugbahn von West nach Ost versperrt wird und stattdessen Tiefs vor allem in höheren Luftschichten „abtropfen“ und dann mit nur sehr geringer Verlagerungsgeschwindigkeit über Mitteleuropa kreisen, es also weiterhin zu einem gehäuften Auftreten der Großwetterlage Tief Mitteleuropa kommen, wie sie in den letzten Jahren beobachtet wurde, dann steigt die Wahrscheinlichkeit für markante Unwetterereignisse mit sehr hohen Regenmengen binnen kurzer Zeit deutlich an. Jedenfalls dann, wenn wie in diesem Jahr sehr feuchte und warme Luftmassen einbezogen werden. Die konkreten Folgen hängen dann von den Gegebenheiten und dem Hochwasserschutz vor Ort ab. Jedenfalls tun die zuständigen Behörden auch in den in diesem Jahr verschonten Gebieten gut daran, potenzielle Gefahrenquellen wie Bachläufe vor Ort zu ermitteln und wenn nötig Schutzmaßnahmen zu treffen – auch wenn sie hoffentlich nie gebraucht werden.

Denn auch in unserer Region ist eine ähnliche Katastrophe durchaus denkbar, auch das Oberwesertal ist umgeben von Höhenzügen mit talwärts führenden Bächen, zudem bietet viel landwirtschaftlich genutzte Fläche im Falle eines Falles die Gefahr des Mitreißens großer Mengen Schlamm, wie unlängst vereinzelt zum Beispiel am Rand von Heinsen oder in Warbsen geschehen. Und der Blick zurück auf Tief „Alfred“ vor vier Jahren zeigt: Niederschlagsmengen von 150 mm und teils noch etwas mehr sind auch bei uns nicht nur möglich, sondern im Juli 2017 tatsächlich auch binnen kurzer Zeit gefallen – zum Glück damals nicht binnen 24, sondern „nur“ in 48 Stunden und weniger als extremer Starkregen binnen sehr kurzer Zeit (den gab es zum Beispiel am Mittag des 9. Juli 2017 in der Bülte, als die Kanalisation den Regenmengen nicht standhalten konnte, zum Glück aber nur etwa eine Stunde lang), sondern eher als ergiebiger Dauerregen ohne die ganz hohen stündlichen Raten.

Dies soll als kleiner Exkurs reichen, wenden wir uns nun den bei uns in diesem Juli gefallenen Regenmengen zu: Diese waren, wie eingangs kurz angedeutet, mehr oder wenig deutlich unterdurchschnittlich. An über der Hälfte der Tage fiel an den meisten Stationen kein Regen, die rund 14 Niederschlagstage brachten abgesehen vom Monatsersten meist mäßige bis geringe Mengen – mit Ausnahme einzelner teils gewittriger Starkregengüsse. Wo diese herunterkamen und ein Messgerät steht, konnten Tagesmengen von über 20 mm dokumentiert werden – wo nicht, blieb es ein deutlich zu trockener Monat.

Die Daten im Einzelnen: Die Klimastation in Bevern brachte es vor allem aufgrund eines „Treffers“ am 26.07. mit 22,4 mm auf eine Monatssumme von 69,8 mm, das sind rund 13% weniger als im Mittel der Jahre 1991-2020. In Silberborn wurde mit 71,9 mm das Klimamittel um 21% verfehlt, dort gab es am 9. eine Tagessumme von 25,4 mm. Polle meldete immerhin noch 61,4 mm, Lüchtringen nur 47,2 mm und in Ottenstein und Hehlen fiel mit 33,0 bzw. 35,6 mm nicht einmal die Hälfte der durchschnittlichen Julimenge. Auch das gewöhnlich niederschlagsreiche Hellental erlebte mit 48,7 mm einen trockenen Monat. Etwas mehr, aber auch deutlich unter dem Klimawert, fiel mit 58,9 mm in Amelith. Aus Vorwohle liegt leider keine verwertbare Monatssumme vor, dort gab es vom 2. bis 17. Juli einen Ausfall des automatischen Messgeräts.

Bleibt noch ein kurzer Blick auf die Frage, wie es wohl weitergeht mit dem Sommerwetter. Nach übereinstimmenden und wenig Interpretationsspielraum lassenden Modellrechnungen bleibt die gesamte erste Augustdekade unbeständig und unterkühlt – die durchschnittlichen Höchstwerte erreichen zu dieser Zeit ihr Maximum von bis zu über 26 Grad in Bevern, doch meteorologische Sommertage sind in diesem Jahr in der ersten Dekade kaum zu erwarten. Der Wettercharakter bleibt also bis mindestens zum Ende des Siebenschläferzeitraums und des Hochsommers unbeständig und wie 2017 könnte der Sommer in diesem Jahr ohne Hitzewelle zu Ende gehen, sieht man einmal von der frühen Junihitze ab. Darauf deuten jedenfalls die meisten mittel- und langfristigen Wettermodelle hin, allerdings steht über dem Mittelmeerraum verbreitet große Hitze bereit, die unter Abschwächung vielleicht doch noch ihren Weg nordwärts finden könnte im Laufe des Monats – derzeit spricht allerdings mehr dagegen als dafür.

Rauchfahne des EZMW für den Standort Holzminden: Bis zum Ende der ersten Dekade bleiben die Temperaturen in ca. 1.500 m eng gebündelt auf unterdurchschnittlichem Niveau, anschließend zeigt vor allem der hoch aufgelöste Hauptlauf (gestrichelte rote Linie) nach oben, dies wird von den meisten Ensemble-Membern aber nicht mitgetragen
Morgensonne über dem Dunst der Weser mit Blick von Polle Richtung Heidbrink, fotografiert von Annette Mokross

Vom unterkühlten Frühjahr direkt in den Hochsommer

Der Juni 2021 war der zweitwärmste seit Aufzeichnungsbeginn / Platzregen sorgt für Überschwemmungen

Titelfoto: Annette Mokross

Ein Blick auf die langfristigen Wettermodelle Ende Mai zeigte nur zwei Optionen an: Entweder die Fortsetzung des deutlich unterkühlten Wetters der beiden Vormonate oder höchstens einen durchschnittlich temperierten Juni. Doch es kam anders. Ganz anders: Der erste meteorologische Sommermonat vollzog eine komplette Trendwende gegenüber dem Frühjahr und geht als zweitwärmster Juni seit Aufzeichnungsbeginn in die lokale Klimareihe ein. Bis kurz vor Schluss wackelte sogar der noch junge Rekord aus dem Jahr 2019, erst die mit Gewittern und ergiebigen Regenfällen einhergehende Abkühlung am Monatsende verhinderte einen Sprung auf Platz 1. Neben vielen trockenen Tagen gab es auch einige Male „Unwetteralarm“ im Kreis, davon betroffenen waren jeweils aber nur einzelne Orte – Starkregen mit Überschwemmungen und nur geringer Niederschlag lagen dabei mehrfach dicht beieinander. Die Sonne zeigte sich länger als im Durchschnitt, anders als bei der Temperatur blieb der Rekord von 2019 aber in weiter Ferne.

Mit einer Monatstemperatur von 19,60 °C war der Juni 2021 an der DWD-Station in Bevern um fast 3,0 Kelvin wärmer als im Mittel der Jahre von 1991-2020. Nur vor zwei Jahren war es mit 19,81 °C noch wärmer, Platz drei belegt nunmehr der Juni aus dem „Jahrhundertsommer“ 2003. Besonders markant fällt der Unterschied zum vorausgegangenen kühlen Mai aus: Beträgt die durchschnittliche Differenz zwischen diesen beiden Monaten 3,1 K, lag sie in diesem Jahr bei 8,1 K – auch das ist Platz zwei seit Beobachtungsbeginn 1934 hinter dem Rekordhalter 2019. Viele hochsommerlich warme Tage, eine kurze Hitzewelle nach Monatsmitte sowie die völlige Abwesenheit kühler Phasen waren die Zutaten zu diesem sehr warmen Monat.

Das Ausbleiben von Kälterückfällen wie der sprichwörtlichen Schafskälte fällt seit 2016 besonders auf und ist ein wesentlicher Faktor für den deutlichen Temperaturanstieg im Juni in den letzten sechs Jahren. Das zeigt auch ein Blick auf die Zahl der Tage mit einer Höchsttemperatur von unter 20 Grad: Lag diese im langjährigen Mittel seit Aufzeichnungsbeginn lange Zeit um 12 Tage, gab es nach 2015 im Schnitt nur noch ganze vier davon. Und sehr kühle Tage, die der Deutsche Wetterdienst für das Tiefland von Juni bis August als solche mit einem Maximum von unter 17 Grad definiert, sind von durchschnittlich sechs im selben Zeitraum auf nur noch einen ab 2016 zurückgegangen. Natürlich ist ein Vergleich unterschiedlich langer Zeiträume problematisch und eine klare Trendaussage nach nur sechs Jahren nicht möglich. Im Kontext des langfristigen Erwärmungstrends deutet jedoch wenig darauf hin, dass es sich nur um eine vorübergehende Laune des Wetters handelt, sondern vielmehr um eine Entwicklung unseres Klimas, die allerdings ungewöhnlich kühle oder gar kalte Phasen nicht ausschließt, wie wir sie eindrucksvoll im April und Mai erlebt haben – die Wahrscheinlichkeit dafür ist aber deutlich kleiner geworden und dürfte in Zukunft wohl eher noch abnehmen. Auch die Tiefstwerte lagen fast im gesamten Monat im deutlich überdurchschnittlichen und fast durchweg zweistelligen Bereich, vereinzelt sogar über 18 Grad. Lediglich in der ersten Nacht sorgte der Rest der Maikälte für frische Werte von 5,4 °C in der Luft und 3,4 °C über dem Erdboden.

Auch an der Wetterstation im Kurgarten von Silberborn, einem Gemeinschaftsprojekt des internationalen Wetterdienstleisters DTN mit der Stadt Holzminden zur Beobachtung des Klimas im Hochsolling, fiel der Juni 2021 außergewöhnlich warm aus, hier betrug der Rückstand zum Rekord von 2019 nur 0,14 Kelvin. Mit einer Monatstemperatur von 17,81 °C war es um 3,5 K wärmer als im  Mittel der Jahre 1991-2020, gegenüber der älteren Klimanorm von 1961-1990 betrug das Plus sogar 4,5 K.

Woran lag es nun, dass der Juni nach einem ungewöhnlich kühlen Frühjahr so warm wurde? Anders als noch im vorherrschend von Nordlagen geprägten April und von kühler Luft aus Westnordwest dominierten Mai lag nördlich von uns nun meist hoher Luftdruck, der die Westwindzirkulation blockierte. Zudem wurden bereits Ende Mai deutlich wärmere Luftmassen nach Norden verfrachtet, so dass auch bei einer vorübergehenden leichten Nordwestlage, wie wir in der zweiten Woche erlebten, keine kühle Luft mehr nach Mitteleuropa strömte. Zuvor hatte eine östliche Strömung für einige sehr warme Tage zu Monatsbeginn gesorgt, die von lokal heftigen Gewittern rasch wieder beendet wurden. Ab Monatsmitte stellte sich eine hartnäckige Südlage ein, bei der ein weit nach Süden reichender Tiefdruckkomplex über Westeuropa hohem Druck über Osteuropa gegenüberstand. Kühle Luft kann uns bei einer solchen Konstellation nicht erreichen, allerdings wurde der Wettercharakter von West nach Ost fortschreitend rasch unbeständig, da sich der tiefere Druck vor allem in höheren Luftschichten langsam nach Osten ausbreiten konnte. Somit stand die erste Hitzewelle des Sommers mit vier heißen Tagen in Folge in Bevern und zwei in Silberborn unter zunehmender Zufuhr feuchter und als sehr schwül empfundener Luft.

Gewitter mit lokalem Starkregen und teils Überschwemmungen, die in mehreren Ortschaften die Feuerwehren ausrücken ließen, beendeten die Junihitze am dritten Wochenende. Anschließend stellte sich eine sehr wechselhafte Witterungsphase ein, die bis zum Monatsende andauern sollte. Einer Abkühlung auf mäßig warme Werte folgte erneut hochsommerliche Wärme am vierten Wochenende, bevor es wieder sehr schwül und gewittrig wurde. Geringe Luftdruckgegensätze, gerne auch als „Barosumpf“ bezeichnet – geprägt durch geringe Dynamik und verwaschene Strukturen auf den Wetterkarten  –  bestimmten die letzten Tage des Monats. Beständiges Hochdruckwetter konnte sich zu Beginn des sogenannten Siebenschläferzeitraums Ende Juni also nicht einstellen, stattdessen ähnelte die Entwicklung ein Stück dem Sommer vor vier Jahren, als sich ebenfalls in der dritten Junidekade aus einer tiefdruckgeprägten Südlage hervorgehend Tiefdruck über Mitteleuropa einnistete und bis Mitte August für einen äußerst unbeständigen und sehr nassen, wenn auch nicht kühlen Hochsommer sorgte.

Regenbogen bei Moringen im eindrucksvollen Abendlicht eines Gewitters bei Northeim am 28. Juni (Foto: Thomas Seliger)

So weit sind wir natürlich noch nicht, an dieser Stelle soll nicht über die weitere Entwicklung des Sommers spekuliert, sondern der im Juni gefallene Regen betrachtet werden. Insgesamt fiel die Bilanz an den Stationen im Kreis und an seinen Grenzen überdurchschnittlich aus mit allerdings nicht unerheblichen Unterschieden. Die Monatssummen lagen über dem 30-Jahres-Mittel der Periode 1991-2020, mitunter deutlich, und meist auch über dem Schnitt der nasseren Jahre 1961-1990. In Bevern wurden 98,5 mm gemessen, in Lüchtringen 95,6, in Ottenstein 86,6 und in Polle sogar 104,8 mm. Vorwohle meldete vergleichsweise bescheidene 73,0 mm, Hellental 88,4 und Amelith 96,9 mm. Spitzenreiter waren diesmal Holzminden und Hehlen mit jeweils fast 111 m. Die Kreisstadt wurde vom eng begrenzten Gewitter am Abend des 5. Juni mit 37 mm voll erwischt, in Hehlen fielen an zwei Tagen jeweils über 27 mm. In Silberborn, dem klimatisch feuchtesten Ort im Kreis, wurde das Mittel der Jahre 1991-2020 mit 82 mm nur leicht um knapp 5 mm überschritten, der ältere Durchschnittswert von 1961-1990 aber um rund 12 mm verfehlt.

Wie so oft im Sommer, erzählen die Regensummen nur die halbe Geschichte. Diese kamen an wenigen Niederschlagstagen zusammen (Bevern zählte ganze elf), zwischen dem 6. und 18. fiel so gut wie nichts, während die Verdunstung gerade in der zweiten Dekade bei Hitze und viel Sonnenschein hoch war. Die kurzen, sehr kräftigen Güsse bis hin zum Platzregen können vom Boden kaum aufgenommen werden und fließen größtenteils überirdisch ab – neben der damit verbundenen Überschwemmungsgefahr und vollgelaufenen Kellern ist solch eine Verteilung auch ungünstig für Landwirtschaft und Natur.

Auch die Sonnenscheinbilanz offenbart ein differenziertes Bild: Anders als im Juni 2019, als sich zum Temperaturrekord mit fast 300 Stunden auch ein neuer Höchstwert bei der Sonnenscheindauer gesellte, gab es neben einer Reihe von sehr sonnigen Tagen (vorwiegend in der zweiten Dekade) auch immer wieder Phasen, in denen dichte Bewölkung nur wenig Platz für die Sonne ließ. Die dritte Dekade fiel mit nur gut 42 Stunden sogar ausgesprochen trüb aus. Dennoch wurde das langjährige Mittel der Jahre 1991-2020 von ca. 200 Stunden um 31 Stunden oder 16% übertroffen.

Sonnenaufgang bei Polle am 17. Juni, dem Tag mit der längsten Sonnenscheindauer des Jahres 2021 (Foto: Annette Mokross)