Ein warmer und sehr nasser Start in den Herbst

Der September 2024 war abwechslungsreich von hochsommerlich heiß bis herbstlich kühl und brachte trockene Phasen und ergiebigen Regen

Fotos von Annette Mokross

„Insgesamt gab es bei Temperatur, Sonnenschein und Niederschlag eine überdurchschnittliche Bilanz“ – dieses Fazit aus dem August- und Sommerrückblick gilt auch einen Monat später für den ersten meteorologischen Herbstmonat. Der September 2024 brachte der Region erneut ein jeweils deutliches Plus bei allen wichtigen Parametern gegenüber den langjährigen Mittelwerten und präsentierte sich dennoch sehr abwechslungsreich. Neben einem rekordwarmen hochsommerlichen Beginn gab es auch frühherbstlich kühle Phasen und eine klassische Spätsommerlage mit nebligem Tagesbeginn und angenehmer Wärme am Nachmittag. Und trotz der hohen Monatssummen war es kein völlig verregneter Monat, da es an mindestens der Hälfte der Tage trocken blieb. Dafür hatten es aber die Wetterwechsel von Hochdruck zu Tiefdruck am Ende der ersten Dekade und die Zeit nach dem astronomischen Herbstbeginn in Sachen Niederschläge in sich – allein in den letzten sieben Tagen pladderte fast ein volles Monatsmittel vom Himmel. Die Sonne zeigte sich vor allem zu Beginn häufig und auch im zunehmend wechselhaften Verlauf blieben längere trübe Phasen die Ausnahme.

Mit einer Mitteltemperatur von 16,03 °C war der September 2024 an der DWD-Station in Bevern um 1,8 K wärmer als im Mittel der Jahre 1991-2020, was einem Plus von 2,3 K gegenüber der älteren Klimanorm von 1961-1990 entspricht. Die erste Woche erzielte ein neues Rekordniveau für diese Zeit und lag mit einer durchschnittlichen Tagestemperatur von 22,3 °C sogar noch über dem wärmsten bisher je im Kreis gemessenen Monat, dem Juli 2006. Eine markante Umstellung zum Ende der ersten Dekade sorgte jedoch dafür, dass die Dinge nicht völlig aus dem Ruder liefen und sich das Wetter der Jahreszeit anpasste, wozu im September auch schon mal herbstlich kühle Phasen gehören wie in der ersten Hälfte der zweiten Dekade sowie am Monatsende. Die niedrigsten Werte in Bevern wurden am 29. mit einem Minimum von 4,0 °C in zwei Metern Höhe und 1,9 °C über dem Erdboden gemessen und die Höchstwerte schafften es an den letzten drei Tagen nicht mehr über 15 Grad. Somit blieb der aktuelle September in der Gesamtbilanz ein ganzes Stück unter dem neuen Rekord aus dem Vorjahr, gleichwohl ist der außergewöhnlich warme Beginn mit einem Maximum von 31,6 °C, zwei heißen und acht Sommertagen sowie einem mittleren Höchstwert von 28,5 °C in der ersten Woche eine weitere deutlich lesbare Visitenkarte des Klimawandels.

An der Wetterstation in Silberborn schloss der September mit glatt 14,0 °C ab – gut 1,6 K über dem Mittel von 1991-2020 und fast 2,2 K über dem Schnitt von 1961-1990. Vier Sommertage mit bis zu 28,2 °C kennzeichneten hier die sehr warme erste Woche. Über die Grenzen der Region hinaus machte das Wetter im Hochsolling aber nach dem deutlichen Temperaturrückgang einige Tage später auf sich aufmerksam, als der am frühen Morgen des 12. gemessene Tiefstwert von 2,0 °C  in zwei Metern Höhe von nur sehr wenigen, allesamt deutlich höher gelegenen Stationen in ganz Deutschland noch unterboten wurde. In Niedersachsen war es nur am fast 1.000 m hoch gelegenen Wurmberg bei Braunlage noch ein paar Zehntel kälter. Damit schaffte es die Silberborner Station am Abend sogar ins Hallo-Niedersachsen-Wetter im NDR Fernsehen um kurz vor 20 Uhr. Mit 0,0 °C in 5 cm Höhe wurde schließlich am 29. der erste Bodenfrost denkbar knapp verfehlt.

Stefan Laps zeigt im Wetter vor acht in Hallo Niedersachsen am 12.09. den ungewöhnlich niedrigen Tiefstwert der Nacht von der Station Silberborn © Norddeutscher Rundfunk

Die Analyse der Großwetterlagen über Europa zeigt zunächst eine Südostlage, die uns den Hochsommernachschlag zu Herbstbeginn bescherte und die über weite Strecken des Sommers dort liegende heiße Luft nach Mitteleuropa transportierte. Zum Ende der ersten Dekade vollzog sich eine Umstellung auf eine herbstliche Nordlage (Trog Mitteleuropa, TrM) mit deutlichem Temperaturrückgang, begleitet von kräftigen Regenfällen. Anschließend beruhigte sich das Wetter bei uns wieder, während der Kaltluftvorstoß ins sehr warme Mittelmeer über dem Golf von Genua ein Unwettertief hervorrief, das u.a. in Teilen Österreichs, Tschechiens und Polens für extremes Hochwasser sorgte und in der Folge die Pegel von Oder und Elbe stark anschwellen ließ. Vor Ort blieben die fast zwei Wochen vom Beginn der zweiten Dekade bis zum Start der letzten Woche nahezu trocken und bescherten uns nach Monatsmitte einige Tage Altweibersommer mit Nebel am Morgen in Wesernähe, der sich teils bis in den Vormittag halten konnte, sowie spätsommerlichen Nachmittagen mit seinem warmen Licht unter der zunehmend tiefer stehenden Sonne. Das hierfür verantwortliche Hoch über Skandinavien verlor mit dem Beginn des astronomischen Herbstes am 22. seinen Einfluss auf unser Wetter, das nun wieder unter der Regie von Tiefs vom Atlantik gestaltet und damit deutlich nasser wurde. Der erneute Temperaturrückgang vollzog sich in zwei Etappen – zunächst blieb es noch recht mild mit Wind aus Südwest bis Süd, das Monatsende präsentierte sich mit auf Nordwest drehender Höhenströmung kühl.

Die Niederschläge erreichten vor allem am 25.09. sehr hohe Tageswerte von 25-30 mm und an allen Stationen im Kreis gab es mehrere Tage mit zweistelligen Mengen. Die Monatssummen lagen verbreitet um die 100 mm und damit je nach Standort zwischen 20 und mehr als 60% über den langjährigen Mittelwerten. Erstmals seit über 15 Jahren schlossen damit zwölf Monate am Stück mindestens auf und meist deutlich über dem Durchschnitt ab, jedenfalls gab es seit September 2023 keinen trockenen Monat mehr. Die 12-Monats-Summen seit Oktober 2023 liegen mit meist etwas über 1.100 mm an den niedrigen Standorten und bis zu 1.415 mm an der niederschlagsreichsten Station in Silberborn so hoch wie seit 2007 nicht mehr.

Im Einzelnen meldeten die Automaten und ehrenamtlichen Beobachter und Beobachterinnen folgende Monatswerte: Am meisten fiel in Hellental mit 112 mm, gefolgt von Hehlen mit 105, Holzminden mit 103 sowie Silberborn und Ottenstein mit je 101 mm. Bevern scheiterte mit 99,7 mm hauchdünn an der 100er-Marke, Vorwohle kam auf 96, Lüchtringen auf 94 und „Schlusslicht“ Polle auf 90 mm.

Die Sonne schien zwar deutlich weniger als im vergangenen September, der mit fast 230 Stunden der zweitsonnigste seit Messbeginn war, übertraf mit gut 176 Stunden den langjährigen Mittelwert aber um 32 Stunden bzw. 22%. Abseits der nebelanfälligen wesernahen Orte dürften die Werte noch etwas höher gelegen haben, wie ein Blick über den Köterberg ins Lippische zeigt, wo die DWD-Station in Lügde-Paenbruch 183 Stunden registrierte.

Der Wind war im Mittel meist mit Stärke 2-3 unterwegs, die Böen erreichten meist Beaufort 4-6, in Spitzen je nach Standort auch 7-8. Ein erster echter Herbststurm, in den Wettermodellen vorübergehend für den 27.09. berechnet, blieb also noch aus. Das könnte sich im Oktober ändern, zumal die in dieser Saison stark ausgeprägten Tropenstürme auf ihrem Weg über den Atlantik durchaus als noch sehr veritables Sturmtief auf das europäische Festland treffen könnten.

Der letzte Abend des astronomischen Sommers an der Weser bei Forst am 22.09. © J. Höneke

Sechstwärmster August seit Aufzeichnungsbeginn

Der August 2024 war zudem sonnig und nach nassem Start zunehmend trocken

Fotos von Annette Mokross

Der dritte und letzte meteorologische Sommermonat begann mit wolkenbruchartigen Regenfällen, die über dem Landkreis verbreitet die höchsten bisher gemessenen Tagesmengen in einem August auskippten. Weitere teils gewittrig verstärkte Niederschläge um die Monatsmitte sorgten dafür, dass die durchschnittlichen Monatssummen vielerorts bereits frühzeitig übertroffen wurden. Dazwischen und vor allem danach gab es dagegen lange nahezu trockene Abschnitte, so dass in Teilen des Kreises in der dritten Dekade fast gar kein Regen mehr fiel – Gartenbesitzer werden es am erhöhten Bewässerungsbedarf gemerkt haben, der zudem durch meist hohe Temperaturen und viel Sonnenschein auf der Zielgeraden des Sommers noch forciert wurde. Insgesamt gab es im August bei Temperatur, Sonnenschein und Niederschlag eine überdurchschnittliche Bilanz – mit Abstrichen beim Regen an zwei Stationen im Kreis.

Mit einer Mitteltemperatur von 20,07 °C war der August 2024 an der DWD-Station in Bevern der sechstwärmste der Klimareihe Bevern/Holzminden seit Messbeginn 1934. Das Mittel der Jahre 1991-2020 wurde um 1,85 K übertroffen und die ältere Referenz von 1961-1990 um satte 3,3 K. Vor 1997 hatte es keinen August mit mehr als 20 Grad gegeben, seit 2018 wurde diese Marke nun schon zum vierten Mal in sieben Jahren übersprungen. Heißester Tag des Monats und des Sommers war der 13.08. mit einem Maximum von 34,1 °C, insgesamt gab es vier heiße Tage mit mindestens 30 Grad, aber keine zusammenhängende Hitzewelle. 19 Sommertage mit mindestens 25 Grad liegen ebenso über dem Schnitt wie die 30 warmen Tage – nur am 18. wurde die 20-Grad-Marke knapp verfehlt. Mit anderen Worten: es war nicht oft heiß, aber sehr oft sehr warm und niemals kühl in diesem August. Die mittlere Höchsttemperatur betrug stattliche 26,3 °C, in der wärmsten Nacht zum 15. lag das Minium bei 19,4 °C und in der kältesten zum 26. bei 8,2 °C.

An der Wetterstation in Silberborn wurde eine Monatstemperatur von 17,72 °C gemessen, damit war es dort der achtwärmste August seit Beginn der 1930er-Jahre, als erste Beobachtungen im Hochsolling dokumentiert wurden. Die 30-Jahresmittel von 1991-2020 und 1961-1990 wurden hier um 1,64 bzw. knapp 3,1 K übertroffen. Das Maximum vom 13. blieb mit 29,8 °C unter der Grenze für einen Hitzetag, es gab acht Sommertage und 23 warme Tage mit mindestens 20 Grad. Die mittlere Höchsttemperatur lag bei 22,7 Grad, die wärmste Nacht war die zum 13. mit einem Tiefstwert von 19,3 °C und herbstlich frisch war es am Morgen des 26. mit dem niedrigsten Minimum von 6,8 °C.

Die Analyse der Großwetterlagen über Europa zeigt in der ersten Hälfte eine Mischung aus West-, Südwest- und Südlagen, bei denen sich bereits eine Verschiebung von der bisherigen Tiefdruckdominanz des Sommers zu mehr Hochdruck hin abzeichnete und in der zweiten Hälfte zunehmend eine Hochdruckbrücke über Mitteleuropa, unter der die Bodenwinde vorübergehend auch mal auf östliche Richtungen drehten. Eine klassische Ostlage mit einem Hoch über Skandinavien und trockener Festlandsluft aus Osten blieb aber im gesamten Sommer ebenso wie eine Nordlage komplett aus, so dass auch im August meist feuchte und oft als schwül empfundene Luftmassen vom Atlantik und vor allem aus dem Mittelmeerraum vorherrschten. Ein Stück östlich von uns lagen die Balkanländer unter einem quasistationären Höhenrücken, unter dem immer wieder heiße Luft aus südlichen Breiten einströmte und dort für einen markanten Hitzesommer sorgte, der bis nach Österreich ausstrahlte und in unserem Nachbarland für den heißesten Sommer seit Beginn der Aufzeichnungen sorgte, während in Deutschland und auch bei uns vor Ort nach wie vor der Sommer 2003 an der Spitze steht.

Die Niederschlagssummen wurden wie eingangs erwähnt maßgeblich vom Starkregen am Abend des Monatsersten in die Höhe getrieben, als in der Südhälfte des Kreises flächig um bzw. über 50 mm in wenigen Stunden vom Himmel kamen. Nach Norden hin fiel etwas weniger, nur ganz im Nordosten waren es unter 30 mm, dafür im Süden auf Northeimer Kreisgebiet am Rande des Sollings in Amelith fast 80 mm. Dort wurde mit 128 mm auch der höchste Monatswert gemessen, in Hehlen waren es 117, in Polle 114, in Ottenstein 110 und in Bevern 100 mm. In Silberborn kamen 99 mm zusammen, in Holzminden 95 und in Lüchtringen 91mm – an all diesen Orten wurde das langjährige Mittel teils deutlich, zumindest aber ein Stück weit übertroffen, wobei die Anzahl der Niederschlagstage mit 12-14 unterdurchschnittlich blieb und die Monatsbilanz ohne das Ereignis vom ersten Abend ganz anders, nämlich klar zu trocken ausgefallen wäre.
In Vorwohle lag die Summe von 80 mm hingehen gerade im Klimamittel, während dieses in Hellental, sonst oft nasseste Gemeinde im Kreis, diesmal aber mit 70 mm klares Schlusslicht, sogar recht deutlich verfehlt wurde. Die dritte Dekade brachte überall kaum noch messbares Nass und in Verbindung mit Wärme, Wind und Sonnenschein trockneten die oberen Bodenschichten langsam aus – ein Zustand, der sich in den ersten Septembertagen noch verschärfte.

Die Sonne zeigte sich rund 240 Stunden am Himmel, wobei die letzte Monatsdekade mit gut 100 Stunden diesmal entgegen der jahreszeitlichen astronomischen Entwicklung die sonnigste war. Zum Mittel der Jahre 1991-2020 gab es ein Plus von 47 Stunden oder knapp 25%, komplett ohne Sonnenschein blieb nur ein Tag, während acht Tage zweistellige Tagessummen schafften, die meisten davon gab es Richtung Monatsende.

Der Wind war überwiegend im Mittel mit Stärke 2-3 unterwegs und frischte zeitweise böig auf. Die stärksten Böen wurden an allen Messstellen des DWD im Umkreis am Abend des 24. gemessen und lagen zwischen Beaufort 7 und 8, also in den Kategorien steifer bzw. stürmischer Wind, letztlich nichts Ungewöhnliches. Anders an der niedersächsischen Nordseeküste, wo es am frühen Abend desselben Tages teils orkanartige Böen gab und auf der Insel Spiekeroog mit 127 km/h sogar volle Orkanstärke 12 erreicht wurde.

Sommerbilanz: Zunehmend warm, sonnig, überdurchschnittliche Niederschläge

Mit dem dem August endete auch der meteorologische Sommer 2024, dem in der öffentlichen Wahrnehmung lange der Ruf anhaftete, „kein richtiger“ bzw. ein eher „schlechter“ Sommer zu sein. Dies dürfte vor allem mit der häufigen Unbeständigkeit, dem Ausbleiben längerer hochdruckgeprägter stabiler Phasen einerseits und der häufigen Feuchte und damit verbundenen Schwüle anderseits zu tun haben und vielleicht auch damit, dass die sonnigste, wärmste und trockenste Phase in die Zeit nach dem Ende der Schulferien in den August fiel. Doch letztlich ist die Frage, was denn einen besseren oder schlechteren Sommer überhaupt ausmacht, ohnehin nicht zu klären, weil die persönlichen Vorlieben und Empfindungen der meisten Menschen sehr individuell geprägt sind – und sich möglicherweise in den letzten Jahren auch verändert haben und Regen nicht mehr automatisch mit „Schietwetter“ gleichgesetzt wird, seit die Vegetationsschäden der Trockensommer wie 2018 und 2022 auch in der Region nicht zu übersehen sind.

Doch wie war der heute zu Ende gehende Sommer aus der nüchternen Sicht der Zahlen? Die vorläufige der Daten ergeben für die Oberweser- und Sollingregion folgendes Bild: Alle wesentlichen Parameter – Mitteltemperatur, Niederschlagsmenge und Sonnenscheindauer – lagen über den langjährigen Klimawerten. Mit 18,64 °C und einem Plus von 0,83 K gegenüber dem Mittel der Jahre 1991-2020 war es an der DWD-Station im Bevern der achtwärmste Sommer seit Aufzeichnungsbeginn 1934, wobei sowohl Gemeinsamkeiten als auch deutliche Unterschiede zum letzten Sommer auffallen. Bei der Mitteltemperatur landeten wir in diesem Jahr nahezu exakt auf dem Vorjahresniveau, doch während es 2023 eine außergewöhnlich warme erste Hälfte und eine moderatere zweite gab, war es diesmal umgekehrt und der August bilanziert als deutlich wärmster der drei Sommermonate (gut 20 Grad gegenüber 18,9 im Juli und knapp 17 Grad im Juni).

Der Hochsommer geht in den Spätsommer über (20.08., © J. Höneke)

Am wärmsten wurde es in Bevern am 13. August mit einem Höchstwert von 34,1 °C. Es gab zehn heiße Tage mit mindestens 30 Grad Höchsttemperatur, davon aber nie mehr als zwei in Folge, so dass eine echte Hitzewelle mit mindestens drei aufeinanderfolgenden heißen Tagen ebenso ausblieb wie schon im Vorjahr – das hatte es zuletzt 1988+1989 gegeben. In Silberborn wurde sogar erstmals seit mindestens zehn Jahren gar kein heißer Tag gemessen, dort erreichte der Sommer 2024 mit einer Mitteltemperatur von 16,3 °C den zwölften Platz der Hochsolling-Messreihe, die ebenfalls seit den 1930er Jahren geführt wird.

Auch die Regenmengen übertrafen an den meisten Messstellen im Kreis die langjährigen Mittelwerte. In Bevern fielen 263,8 mm, ein Plus von gut 20%. Die Wälder des Hochsollings durften sich über noch mehr Regen freuen, in Silberborn waren es 313 mm bzw. rund 14% mehr als im Schnitt des feuchteren Sollingklimas.

Hochmoor Mecklenbruch im Juli © J. Hoeneke

Die Sonnenscheindauer betrug in allen drei Sommermonaten jeweils klar über 200 Stunden – was zunächst nicht ungewöhnlich aussehen mag, gab es tatsächlich zuvor erst viermal (1959, 1976, 2003 und 2022). In der Summe brachten ca. 672 Stunden ein Plus von rund 74 Stunden oder 12% zum Mittel der Jahre 1991-2020 mit dem höchsten Monatswert im August. Damit war es der zehntsonnigste Sommer seit Beginn der Erfassung von Sonnenscheindaten im Jahr 1951.

Im Wechselbad eines typischen Mitteleuropa-Sommermonats

Der Juli 2024 war unbeständig, leicht überdurchschnittlich bei Temperatur und Sonnenschein und gebietsweise sehr nass

Fotos von Annette Mokross

Was sich bereits Ende Juni zu Beginn des sogenannten Siebenschläferzeitraums andeutete, zog sich durch den gesamten zweiten meteorologischen Sommermonat: Schnelle Wechsel zwischen kurzen Hochdruckphasen und rasch nachfolgenden Tiefs vom Atlantik prägten den Juli 2024 mit vielen Westlagen und vorübergehend mal nordwestlichem, mal südwestlichem Einschlag. So erklärt sich auch das Auf und Ab bei den Temperaturen durch regelmäßige Luftmassenwechsel. Hitzewellen oder länger anhaltende beständig sonnige und trockene Witterungsabschnitte haben bei solch einer Zirkulation keine Chance – durchweg kühles und verregnetes Wetter über mehrere Tage hinweg aber auch nicht. Unter dem Strich steht der arg strapazierte Begriff vom „Juli-Schaukelsommer“, der in der Region meist leicht über den langjährigen Mittelwerten der jüngsten Vergleichsperiode abschloss. Damit ähnelt die Bilanz sehr stark der des Juli aus dem Vorjahr.

An der DWD-Klimastation in Bevern wurde eine Monatstemperatur von 18,88 °C gemessen, das entspricht einem kleinen Plus von 0,3 K zum Klimamittel der Jahre 1991-2020 und einem deutlich größeren von fast 1,8 K zum Durchschnitt der Zeit von 1961-1990, die repräsentativ für die Jahre vor Einsetzen der globalen Erwärmung Ende der 1980er Jahre ist. In der Messreihe Bevern/Holzminden mit Monatswerten ab 1934 landet der Juli 2024 auf einem geteilten Platz 21 von 91, gehörte also knapp zum wärmsten Viertel. Auffällig: die letzten vier Juli seit 2021 kommen auf eine sehr enge Spanne zwischen 18,7 und 19,1 °C.

Nach einem durchaus bemerkenswert kühlen Start mit Höchstwerten von teils kaum über 16 Grad und nur einem sehr knappen Überschreiten der 20-Grad-Marke in den ersten fünf Tagen wurde es deutlich wärmer. Die Höchstwerte landeten nachfolgend an keinem Tag mehr unter 22 Grad und es wurden noch 16 Sommertage mit mindestens 25 Grad, darunter vier heiße Tage mit mindestens 30 Grad gezählt. Eine Hitzewelle mit mindestens drei heißen Tagen am Stück blieb aber ebenso aus wie ein sehr heißer Tag, vielmehr lag das Juli- und bisherige Jahresmaximum per 31.07. mit 31,5 °C so niedrig wie noch nie seit Inbetriebnahme der Station am aktuellen Standort im Frühsommer 2006.  

Bei den Tiefstwerten waren die frischen Nächte mit Werten von zehn bis zwölf Grad in der Überzahl, so dass der Wärmebelastung in Innenräumen mit morgendlichem Auslüften gut entgegengewirkt werden konnte. Einige wärmere Nächte unter Wolkendecken gab es in der zweiten Monatshälfte zwar auch, mit einem höchsten Minimum von 17,5 °C blieben wir aber weit von einer tropischen Nacht (nicht unter 20 Grad) entfernt. Aufgrund oft hoher Feuchte dürften die gefühlten Temperaturen jedoch zumeist etwas über den gemessenen gelegen haben, an manchen Nachmittagen wurde es sogar sehr schwül, etwa beispielhaft am 12., als die Temperatur zwischen 25 und knapp 27 Grad zwar nicht ungewöhnlich hoch für Juli war, in Verbindung mit einem Taupunkt von 18 bis fast 20 Grad aber eine starke Wärmebelastung herrschte.

An der Wetterstation in Silberborn landete der Monat exakt auf dem Niveau des Mittels der Jahre 1991-2020 von 16,45 °C, was einem Plus von 1,5 K zur Klimanorm von 1961-1990 entspricht. Relativ betrachtet war es also 0,3 K kühler oder weniger warm als im Wesertal, was sich durch die vorwiegenden tiefdruckgeprägten Wetterlagen erklärt, die in den Höhen des Sollings zu mehr Wind und zu mehr konvektiver Bewölkung und weniger Sonnenschein führen. Fünfmal wurde die Sommertags-Marke übertroffen, ein heißer Tag war aber nicht dabei, das Maximum lag bei 28,1 °C und wurde am Nachmittag des 9. gemessen. In immerhin 14 Nächten sanken die Temperaturen auf Tiefstwerte unter zehn Grad, am kältesten war es am Morgen des 7. mit 6,4 °C in 2 m und 3,2 °C in 5 cm Höhe.

Bei der Analyse der Großwetterlagen über Europa fällt die bereits eingangs erwähnte Dominanz von Westlagen auf, vor allem in der zweiten Monatshälfte, in der die Zirkulation zunehmend zonalisierte, während die erste Hälfte neben westlicher auch von nordwestlicher (kühler Monatsbeginn) und südwest- bis südlicher Strömung (deutliche Erwärmung in der zweiten Woche) gekennzeichnet war. Nord- und Ostlagen – letztere sind im Sommer oft beständig trocken, warm und sonnig – gab es gar nicht, weil sich über Skandinavien kein Hochdruckgebiet festsetzen konnte.  Kurze Hochdruckphasen gab es dennoch, sie wurden aber schnell von Tiefs und ihren Ausläufern abgelöst, exemplarisch dafür war das Monatsende mit einem sehr sonnigen und warmen Montag, einem heißen Dienstag in noch trockener Luft und einem deutlich wolkigeren und schwülen Mittwoch. Mehr als zwei beständige Tage am Stück waren einfach nicht drin.

Längst nicht jeder überwiegend bewölkte Tag brachte nennenswerten Niederschlag und von punktuellen Ausnahmen abgesehen blieben auch Starkregenfälle mit lokal sehr hohen Mengen binnen kurzer Zeit weitgehend aus, dennoch läpperten sich die Regentage und vor allem die Summen am Ende auf Werte, die überwiegend etwas, teils auch deutlich über dem langjährigen Durchschnitt lagen. Lokale Unterschiede auf recht engem Raum sind in den Sommermonaten nicht ungewöhnlich. So wurden an den meisten Stationen im Kreis und nahe seiner Grenzen 18-19 Niederschlagstage registriert und Mengen zwischen knapp 80 und fast 120 mm gemessen – bei Klimamittelwerten von gut 70 bis etwas über 100 mm.

Am wenigsten fiel diesmal an der Station in Bevern mit 78,5 mm (98%), gefolgt von Holzminden mit 81 mm (101%) und Lüchtringen mit 86 mm, Hellental und Ottenstein mit je 92 sowie Polle mit gut 93 mm.  Deutlich mehr gab es in Silberborn mit 108 mm, Amelith und Hehlen mit je 110 und in Vorwohle, „unserem“ Juli-Spitzenreiter, mit 118 mm. Lokal größere Mengen, die nicht von einem Messgerät am Boden erfasst wurden, dürfte es laut Radardaten im Raum Stadtoldendorf mit bis zu 150 mm gegeben haben. Von den vorliegenden Messwerten sind die 110 mm in Hehlen die größte Abweichung nach oben vom langjährigen Mittel. Dort fielen an vier Tagen des Monats jeweils über 15 mm – in Bevern betrug die höchste Tagesmenge 13,2 mm und die 10-mm-Marke wurde nur zweimal übertroffen.

Bei der Sonnenscheindauer gab es ähnlich wie im Vormonat nach einem sehr trüben Start mit nur rund 2,5 Stunden pro Tag in den ersten sechs Tagen noch eine Aufholjagd, die mit den beiden sehr sonnigen Tagen kurz vor Monatsende sogar noch für ein Plus gegenüber dem 30-Jahres-Durchschnitt von 1991-2020 sorgte. Mit 218 Stunden wurde dieser noch um rund 13 Stunden oder gut 6% übertroffen und damit landete der aktuelle Juli sehr nah bei der Summe der beiden Vorjahre von 216 bzw. 222 Stunden.

Der Wind war im Mittel oft mit Stärke 2-3 unterwegs, in Richtung Monatsende teils auf Stärke 1 abnehmend. Die stärksten Böen lagen meist bei Beaufort 5-6, am Ende vermehrt 3-5, erreichten an einigen wenigen Tagen aber auch Spitzen von (je nach Standort) 7-8. Eine Ausnahme gab es an der DWD-Windstation Northeim-Stöckheim, wo während eines Gewitters am 16. eine orkanartige Böe von 103,3 km/h (Bft. 11) dabei war.

Zwischen Schafskälte und Hochsommer

Der Juni 2024 war wechselhaft und unbeständig / Ergiebiger Regen am Monatsende

Fotos von Annette Mokross

Der erste meteorologische Sommermonat präsentierte sich in diesem Jahr seit längerem mal wieder so, wie man ihn bis 2015 kannte: Als eher unbeständig mit einem Wechsel aus späten Kälterückfällen und den ersten Versuchen des Sommers, in Mitteleuropa Fuß zu fassen – kurz: Früh- statt hochsommerlich und damit anders als in den letzten Jahren, in denen sich Rekorde bei Temperaturen und Sonnenschein die Klinke in die Hand gaben. Die ersten Wochen verliefen überwiegend kühl bis mäßig warm mit mehr Wolken als Sonne, aber dennoch wenig Regen, bevor der Sommer im Laufe der dritten Dekade kräftig in Schwung kam mit der einzigen Hochdruckphase des Monats, die der Region einige sehr sonnige und im Verlauf auch die ersten heißen Tage bescherte. Mit Gewittern, ergiebigen Regenfällen und einer nachfolgenden Kaltfront wurde der Hochsommer am Monatsende aber wieder vom Hof gejagt und die Witterung im sogenannten Siebenschläferzeitraum Ende Juni/Anfang Juli deutet auf einen insgesamt wechselhaften und eher durchschnittlich temperierten Hochsommer hin. Der Juni schloss am Ende mit einem jeweils leichten Plus bei Temperatur, Sonnenscheindauer und Regen ab, wobei die Niederschlagsbilanz kein einheitliches Bild ergab.

Die Monatstemperatur an der DWD-Station in Bevern lag mit 16,97 °C um 0,35 K über dem aktuellen Mittel der Jahre 1991-2020 und um 1,38 K über dem das frühere Klima abbildenden Mittel der Jahre 1961-1990. Nach zuvor acht ungewöhnlich warmen Exemplaren, in denen der Durchschnittswert auf 18,5 Grad und damit auf Juliniveau geklettert war, zeigte sich der Juni in diesem Jahr zumindest phasenweise auch wieder einmal von seiner kühleren Seite. Im Laufe der ersten Hälfte lagen die Tiefstwerte regelmäßig im deutlich einstelligen Bereich und die Höchstwerte mit meist 15 bis 21 Grad im kühlen bis mäßig warmen Bereich. Nach Monatsmitte stiegen die Temperaturen zunächst etwas, zum Ende hin mit einem Vorstoß sehr warmer Luftmassen aus Südeuropa vorübergehend deutlich auf bis zu knapp über 30 Grad an, bevor sich mit den Gewittern in der Nacht zum 30. wieder kühlere Luft durchsetzen konnte.  Am wärmsten wurde es in Bevern mit 30,5 °C am 26., am kältesten war die Nacht zum 6. mit Minima von 5,0 °C in der Luft und 2,7 °C am Boden.

An der Wetterstation in Silberborn gab es ebenfalls ein geringes Plus gegenüber den langjährigen Klimawerten, das bei einer Mitteltemperatur von 14,54 °C mit 0,2 K gegenüber der jüngeren und 1,2 K gegenüber der älteren Referenzperiode etwas kleiner ausfiel als in Bevern. Am 25. reichte es auf 428 m Stationshöhe für den ersten meteorologischen Sommertag des Jahres, der Höchstwert wurde zwei Tage später mit 28,5 °C gemessen. Zeitweise sehr frische Nächte kennzeichneten die Phase vom 5. bis 13., als die Tiefstwerte kaum über die 5-Grad-Marke hinauskamen und diese sogar mehrfach unterschritten. Am kältesten war es am frühen Morgen des 6. mit nur 2,8 °C in zwei Metern Höhe und 1,3 °C über dem Erdboden.

Welche Großwetterlagen standen hinter diesen Messwerten? Bis in die dritte Dekade hinein dominierte tiefdruckgeprägte Witterung, in der ersten Monatshälfte bei westlicher bis nordwestlicher Anströmung. Letztere brachte erstmals seit 2015 wieder die klassische Konstellation für eine „Schafskälte“, wie sie bis dahin mehr oder weniger regelmäßig im Laufe der ersten Juniwochen zu finden war. In der zweiten Hälfte gruben sich die Tiefs meist westlich von uns nach Süden ein, wodurch die Strömung auf südliche Richtungen drehte – eine Wetterlage, die sich seit dem Spätwinter immer wieder einstellt und die die Temperaturen zunächst etwas ansteigen ließ, während der unbeständige Wettercharakter noch erhalten blieb.

Zu Beginn der vierten Woche konnte das atlantische Subtropenhoch, oft Azorenhoch genannt, eine vorübergehende Brücke zum Hoch über Nordosteuropa schlagen und für den sonnigsten und wärmsten Abschnitt sorgen. Mit Zufuhr von feuchter Mittelmeerluft wurde es schließlich aus Südwesten schwül und wieder instabiler, bevor zum Monatswechsel erneut Tiefs aus nördlichen Breiten kühlere Luft mit Regen heranführten und sich wieder eine zyklonale Nordwestlage – die zu dieser Jahreszeit im Grunde kühlstmögliche Variante –etablieren konnte.

Beim Niederschlag hatte es lange nach einem recht trockenen Monat in der Region ausgesehen, doch die intensiven Regenfälle in der Nacht zum 30. und in der darauffolgenden Nacht zum 1. Juli – bis 07:50 Uhr MESZ zählen die Werte noch zum Vortag und damit zum Vormonat – sorgten je nach Standort und Stärke der Regenfälle zum Monatswechsel für eine ausgeglichene Bilanz oder sogar erneut für ein Plus gegenüber den Durchschnittswerten an der Mehrheit der Messstellen in der Region.

Mit Abstand am meisten Regen fiel diesmal an der Hochsolling-Station in Silberborn mit 106 mm – fast 23 mm bzw. 27% mehr als im Mittel von 1991-2020, wobei betont werden muss, dass sich Juni und Juli im Vergleich der 30-Jahres-Perioden unterschiedlich entwickelt haben: Sowohl im bundesweiten Gebietsmittel als auch in unserer Region ist der Juni trockener geworden (vor Ort noch deutlicher als landesweit) und der Juli nasser, der damit den Juni als regenreichsten Monat des Jahres abgelöst hat. Auf Karten und in Tabellen, die mit dem alten Klimamittel von 1961-1990 vergleichen, fällt das Plus für den Juni 2024 also geringer aus bzw. wird sogar ein Minus ausgewiesen.

Auch an der Klimastation in Bevern wurde der Durchschnitt der jüngeren 30-Jahres-Periode um 27% übertroffen: Hier fielen 85 mm, genau die Hälfte davon auf der Zielgeraden zwischen Sonntagnacht und Montagfrüh. Bis dahin hatten sich trockene Tage, darunter auch Phasen von 4-5 Tagen ohne Regen, und solche mit meist geringen Mengen abgewechselt. An vier Tagen wurden Gewitter beobachtet – kurz, aber besonders blitzintensiv fiel das letzte in der Nacht zum 30. aus, als es am Himmel zwischen 02:50 und 03:10 flackerte wie in einer Disco und rund 20 mm Regen nieder gingen.

Die Messwerte der weiteren Stationen in der Region: In Holzminden war es mit 92 mm noch etwas nasser als in Bevern, auf Platz drei landete diesmal mit 90,5 mm das sonst eher trockene Hehlen, wo am 18. ein lokaler Gewittertreffer im Nordkreis für ein zusätzliches Starkregenereignis gesorgt hatte. In Polle auf dem Wilmeröder Berg fielen 84,5 und in Lüchtringen und Amelith je 83 mm. Leicht unterdurchschnittlich blieben die Monatssummen hingehen in Hellental mit 75 mm, in Vorwohle mit 70 und in Ottenstein 66,5 mm.

Auch die Sonnenscheindauer hing zunächst lange hinter den Mittelwerten und nach einer Reihe von außergewöhnlich sonnigen Junimonaten in den letzten Jahren wohl auch hinter den Erwartungen zurück – nach drei Wochen standen erst 118 Stunden zu Buche. Doch passend zum Ferienbeginn in Niedersachsen zeigte sich der Juni in der letzten Woche von seiner sonnigen Seite und schloss mit 214 Stunden sogar noch um 15 Stunden über dem Durchschnitt der Jahre 1991-2020 ab. Verfehlt wurde dieser zuletzt übrigens im nachfolgend sehr sonnigen, trockenen und heißen Sommer 2018.

Der Wind war für die Jahreszeit oft ungewöhnlich stark unterwegs. Auch wenn echte Sturmtage ausblieben, wurden doch an etlichen Tagen Böen der Stärke 5 bis 6 gemessen, was frischem bis starkem Wind entspricht. Die Spitzenböen im Monatsverlauf erreichten verbreitet bis Beaufort 8 (stürmischer Wind), zumeist in der kurzen, aber knackigen Gewitternacht zum Monatsletzten.

Nachleuchtende Wolken (NLC) in der vorletzten Juninacht,
aufgenommen von Thomas Seliger bei Moringen

Sehr warm, sonnig und dennoch nass

Zweitwärmster Mai und wärmstes Frühjahr seit Aufzeichnungsbeginn / Lokale Überschwemmungen

Fotos von Annette Mokross

Ein sommerlicher Start, eine sehr sonnige zweite Woche mit der ersten stabilen Schönwetterphase des Jahres und eine wechselhafte, nasse zweite Hälfte mit lokalem Starkregen bis in den Unwetterbereich: Der Mai 2024 präsentierte dem Landkreis fast die ganze Bandbreite des Wetters innerhalb kurzer Zeit – mit einer Ausnahme: Anders im vorausgegangenen April und so manchem Mai der Vergangenheit blieben späte Kälterückfälle diesmal aus, so dass von Eisheiligen keine Rede sein konnte. Stattdessen lag das Temperaturniveau an den meisten Tagen deutlich über den langjährigen Durchschnittswerten, die kühlsten Tage lagen kaum darunter.

Beim Niederschlag gab es nach zwei grundverschiedenen Hälften – sehr trocken die erste, umso nasser die zweite – in der Monatsbilanz überall in der Region ein erneutes Plus, wobei eng begrenzte Starkregenschauer zu größeren Unterschieden bei den Tages- und Monatssummen führten und nicht jedes Ereignis von einer Messstation erfasst werden konnte. Die Sonne leistete vor allem in der zweiten Woche kräftig Überstunden, unterm Strich stand nach einer trüben zweiten Halbzeit noch ein Plus von 12%. Ein optischer Höhepunkt waren intensive Polarlichter am Nachthimmel vor allem am späten Abend des 10. bis nach Mitternacht am 11.Mai:

Mit einer Monatstemperatur von 16,27 °C war der Mai 2024 an der DWD-Klimastation in Bevern der zweitwärmste in der Zeitreihe Bevern/Holzminden seit Beobachtungsbeginn 1934 und erreichte damit fast das Niveau eines mittleren Junis.  Gegenüber den langjährigen Maiwerten betrug das Plus bezogen auf die aktuelle Periode 1991-2020 2,75 K und sogar 3,79 K im Vergleich zum Klimamittel der Jahre 1961-1990. Die Höchstwerte lagen an ungewöhnlich vielen Tagen (22) über der 20-Grad-Marke, sieben Mal wurde ein meteorologischer Sommertag (ab 25 Grad) erreicht, Hitze blieb jedoch aus – der Höchstwert von 27,2 °C wurde gleich am 1. und nochmals am 15. gemessen. Der nächtliche Tiefstwert lag mit 4,0 °C am 8. so hoch wie noch nie in einem Mai, seit in Bevern gemessen wird (Inbetriebnahme Juli 2006) und erst zum dritten Mal blieb Bodenfrost im letzten Frühlingsmonat dort ganz aus.

An der DTN-Unwetterreferenzstation in Silberborn war es ebenfalls der zweitwärmste Mai seit Beginn der Wetterbeobachtungen im Hochsolling im Jahr 1931. Die dortige Mitteltemperatur lag mit 13,98 °C etwas weniger deutlich über den Klimawerten (+2,53 K gegenüber 1991-2020 und +3,58 K bezogen auf 1961-1990) und teilt sich den zweiten Platz mit dem Mai 1931 hinter dem Rekord von 2018 (14,87 °C). Wärmster Tag war gleich der Maifeiertag mit einem Höchstwert von 24,0 °C, der Tiefstwert lag am 8. bei 4,1 °C und Bodenfrost wurde wie in Bevern nicht mehr gemessen.

Die Analyse der Großwetterlagen über Europa zeigt in der ersten Woche einen Wechsel aus Südost- und südlicher Westlage, an die sich in der zweiten Woche mit einer Brücke über Mitteleuropa (BM) die erste stabile Hochdruckphase des Jahres anschloss und die in eine erneute Südostlage bis zur Monatsmitte mündete. In diese achttägige Witterungsphase vom 8.-15. fiel mit 106 Stunden fast die Hälfte des im gesamten Monat gemessenen Sonnenscheins.

Klar tiefdruckdominiert verlief dagegen die zweite Monatshälfte, da sich der zuvor für uns wetterbestimmende Hochdruck nach Nordosteuropa zurückzog und sich Tiefs, die sich zuvor auf den Südwesten des Landes beschränkt hatten, über weite Landesteile ausbreiten konnten. Diese Großwetterlage „Tief Mitteleuropa“ ist gekennzeichnet durch nur schwache Luftdruckgegensätze und wenig Dynamik, so dass die Regengebiete oft kaum von der Stelle kommen und punktuell für sehr hohe Niederschlagsmengen sorgen können, während es nur wenige Kilometer entfernt kaum regnet oder sogar trocken bleibt. So geschehen am Abend des 27. Mai in mehreren Ortschaften im Nordkreis, in denen Starkregen für Sturzbäche und Schlammlawinen sorgte und auch zwischen Stadtoldendorf und Eschershausen sehr große Mengen in kurzer Zeit niederprasselten.

In den Monatssummen aus den Bodenmessungen kommen diese eng begrenzten Regenereignisse nicht hinreichend zum Ausdruck – nicht überall steht eine Messstation, um alle Niederschläge in der Fläche erfassen zu können. In solchen Fällen helfen kalibrierte Radarsummen, wie sie der Anbieter Kachelmannwetter beispielsweise bei Kachelmannwetter zur Verfügung stellt. Demnach fielen am Abend des 27. gebietsweise über 30 und punktuell sogar etwas über 50 mm Regen binnen nur zwei Stunden.

Dort, wo am Boden gemessen wird, wurden folgende Monatssummen registriert: Regionaler Spitzenreiter war Amelith im Anstau des Sollings mit 131 mm, gefolgt von Silberborn und Vorwohle mit je 106 mm. Polle meldete 93,5 mm, Ottenstein 86, Lüchtringen 79,5, Bevern und Holzminden je 78 und Hehlen 75 mm. Schlusslicht war diesmal etwas überraschend das oft regenreiche Hellental mit 72,5 mm. Bezieht man die Radarsummen mit ein, finden sich um Stadtoldendorf stellenweise bis 120 mm.

Beim Sonnenschein fällt eine deutlich unterschiedliche Verteilung zwischen der ersten und zweiten Monatshälfte auf: Waren es bis 16. imposante 150 Stunden, kamen danach kaum über 70 Stunden hinzu. Unter dem Strich bilanziert der Mai mit 222 aber noch um 24 Stunden oder 12% über dem Mittel der Jahre 1991-2020.

Der Wind wehte im Mittel meist nur mit Stärke 2-3 und in Böen nur ganz vereinzelt mal mit 6-7 Beaufort. Da auch Wind nicht flächendeckend gemessen werden kann, sind kurzzeitig punktuell stärkere Böen in lokalen Gewittern nicht auszuschließen.

Frühjahrsbilanz: Rekordwarm und sehr nass

Mit dem Mai endete das meteorologische Frühjahr und es brachte im deutschen Gebietsmittel ebenso wie regional einen neuen Temperaturrekord, zugleich den ersten Jahreszeitenrekord seit 2007. Mit Temperaturen von 11,71 °C in Bevern und 9,64 °C in Silberborn wurden die bisherigen Höchstwerte von vor 17 Jahren um fast 0,6 bzw. knapp 0,4 K übertroffen und die jüngsten 30-jährigen Klimawerte um 2,3 bzw. 2,2 K.

Auch die Niederschlagsbilanz fällt klar überdurchschnittlich aus, wenn auch fernab von neuen Rekorden: In Bevern kamen 239,6 mm zusammen, ein Plus von gut 73 mm oder 44% gegenüber dem Mittel und der höchste Wert seit 2007. In Silberborn wurden 267 mm gemessen und damit 44 mm oder 20% mehr als im Durchschnitt. Die Rekorde liegen bei 344 mm aus dem Jahr 1981, seinerzeit noch in Holzminden am Stadtblick gemessen, und 396 mm in Silberborn aus dem Jahr 1994.

Beim Sonnenschein steht hingehen am Ende wie schon zuvor im Winter ein Minus: Mit rund 442 Stunden wurde das Klimamittel der Jahre 1991-2020 um knapp zehn Prozent bzw. 45 Stunden verfehlt. Damit war es das dritttrübste Frühjahr der letzten 20 Jahre.  

Vom frühen Sommer in den späten Winter und wieder zurück

Scharfe Kontraste kennzeichneten das Wetter im April 2024

Fotos von Annette Mokross

Nach den jüngsten Temperaturrekorden im Februar und im März setzte auch der April die Jagd nach neuen Höhen zunächst in noch forscherem Tempo fort. Zum Ende der ersten Woche präsentierten sich Vegetation und Wetter ihrer Zeit weit voraus: In der Phänologie begann mit der Apfelblüte der Vollfrühling und in der Meteorologie wurden bereits die ersten Sommertage registriert. Doch das optisch reizvolle frühe Austreiben und Aufblühen machen Blatt und Blüte anfällig für Kälterückfälle, wie sie im mitteleuropäischen Frühjahr auch in Zeiten des Klimawandels nach wie vor typisch sind – und auch in diesem Jahr nicht ausblieben. Das zweite Gesicht des Aprilwetters brachte zu Beginn der dritten Dekade nicht nur noch einmal Schneeschauer, sondern auch späten Frost. Während die Schadensbilanz in der Natur noch offen ist, steht beim Wetter nach der Achterbahnfahrt unter dem Strich ein mittleres Plus bei der Monatstemperatur, ein größeres Plus beim Niederschlag und ein dickes Minus beim Sonnenschein.

Mit einer Monatstemperatur von 10,84 °C war der April 2024 an der DWD-Klimastation in Bevern um 1,32 Kelvin wärmer als im Mittel der Jahre 1991-2020, im Vergleich zur Klimaperiode von 1961-1990 waren es deutliche +2,9 K. Damit war es der zehntwärmste April seit Aufzeichnungsbeginn 1935. Bis etwa zur Halbzeit war der zweite meteorologische Frühlingsmonat sogar auf Kurs des Rekords von 2018, bevor er durch eine Umstellung der Strömung auf Nord deutlich ausgebremst wurde. Bereits am 6. gab es in Bevern mit 25,6 °C den ersten Sommertag – es war der zweitfrüheste hinter 2021, als die 25er-Marke schon am 31. März geknackt worden war. Nach mehreren Tagesrekorden ging es ab dem Ende der ersten Dekade stufenweise abwärts, die Talfahrt endete zwei Wochen später im Keller mit Nachtfrost bis knapp unter -2, Bodenfrost bis -4,2 °C und einstelligen Höchstwerten, bevor eine erneute Trendwende die Temperaturen zum Ende wieder auf über 20 Grad ansteigen ließ mit einem Maximum von 26,0 °C am Monatsletzten.

An der Wetterstation in Silberborn fällt die Bilanz vergleichbar aus: Im kühleren Klima des Hochsollings erreichte die Monatstemperatur 8,76 °C – ein Plus von 1,3 K gegenüber dem Mittel der Jahre 1991-2020 und fast 3,0 K im Vergleich zu 1961-1990. Nimmt man denselben Vergleichszeitraum ab 1935, war es auch hier der zehntwärmste April. Für Sommertage reichte es auf 430 m Höhe zwar noch nicht, aber insgesamt fünf Tage über der 20-Grad-Marke brachten zeitweise zumindest Mai-Feeling mit einem Höchstwert von 22,8 °C zum Finale. Die Winterrückkehr hatte gut eine Woche zuvor ihre Spuren mit einer dünnen Schneedecke am Morgen des 21. und zwei Nächten mit Luftfrost bis -4 und Bodenfrost bis -6 Grad hinterlassen.

Die Analyse der Großwetterlagen über Europa illustriert die gemessenen Temperaturen und das erlebte Wetter mit den entsprechenden Strömungsmustern: Die sehr warmen Phasen im Laufe der ersten Woche und am Monatsende wurden durch Südlagen verursacht, die mit Luft aus Nordafrika nicht nur den frühen Sommer nach Mitteleuropa transportierten, sondern auch erneut Staub aus der Sahara im Gepäck hatten, was zu einer Trübung des Himmelsbilds tagsüber, aber auch farbenfrohen Sonnenauf- und -untergängen führte (siehe Info: Stichwort Saharastaub). Nach einer vorübergehenden Hochdrucklage vor Monatsmitte drehte die Zirkulation über Nordwest auf Nord, womit nun Luftmassen aus polaren Breiten zu uns gelangten, bevor wir erneut auf die Vorderseite des zugehörigen Langwellentroges gerieten und die Strömung auf Süd zurückdrehte. Da sowohl die Süd- als auch die Nordlagen überwiegend tiefdruckgeprägt waren, blieb eine stabilere Phase mit längerem Sonnenschein aus. Es dominierten die Wolken am Himmel und brachten wie schon in den Vormonaten überdurchschnittlich viel Niederschlag.

Dabei wurde in Bevern mit 92,4 mm sogar etwas mehr als das Doppelte des Monatsmittels von 1991-2020 gemessen und auch an den anderen Standorten in der Region der langjährige Durchschnitt deutlich übertroffen. Am meisten fiel einmal mehr in Hellental mit 107 mm, in Silberborn waren es 95 und in Amelith 91 mm. Ottenstein meldete 89 mm, Polle 84, Holzminden 80, Lüchtringen 77, Vorwohle 73 und Hehlen als Schlusslicht 69 mm. Die Anzahl der Niederschlagstage blieb mit rund 17 im Schnitt, die Monatssummen wurden vor allem von den intensiven Regenfällen am 1. und 19. in die Höhe getrieben, wobei am 19. stellenweise über 30 mm in 24 Stunden fielen.

Spendabel beim Niederschlag, geizig beim Sonnenschein: So zeigten sich die Monate seit Oktober im Kreis – gefühlt und meist auch gemessen, nur der Januar machte eine kleine und kurze Ausnahme. Der April schaffte mit 117 Stunden nur gut zwei Drittel seiner mittleren Sonnenscheindauer und sortiert sich damit als zweittrübster der letzten 25 Jahre ein – nur 2008 schien die Sonne mit ganzen 92 Stunden noch weniger. Die höchste Tagessumme blieb mit 10,7 Stunden am 30. ebenfalls deutlich unter den astronomischen Möglichkeiten, die am Monatsende bereits bei über 14 Stunden liegen.

Der Wind war im Mittel meist mit Stärke 2-3 und in Böen mit Stärke 5-6 unterwegs – mit einer Ausnahme zur Monatsmitte, als mit Aufzug einer Kaltfront aus Nordwesten Spitzenböen bis Bft. 9 an drei der vier Windmessstellen des DWD in der Umgebung gemessen wurden. Das Kriterium eines Sturmtags mit einem 10-min-Mittel von mindestens Bft. 8 (62 km/h) wurde aber an keinem Standort erreicht.

Stichwort Saharastaub

Dieser Wüstenstaub besteht überwiegend aus winzigen Sandkörnchen (Quarz), die sowohl einen direkten als auch einen indirekten Einfluss auf die Sonneneinstrahlung besitzen. Der direkte Einfluss besteht darin, dass die Atmosphäre durch den Staub getrübt und damit die Einstrahlung am Boden reduziert wird, da die eingestrahlte Energie an den Partikeln zum Teil unmittelbar ins Weltall zurückgestreut wird. Der „Otto-Normal-Wetterkonsument“ nimmt entsprechend die Sonne auch an einem sonst wolkenfreien Himmel nur als milchig-trübe Scheibe wahr.
Der indirekte Einfluss ist darauf zurückzuführen, dass die Staubpartikel zur Wolkenbildung beitragen. Diese Teilchen sind nämlich hygroskopisch, also wasseranziehend. Das bedeutet, dass sie als Kondensationskeime dienen. Der in der Luft enthaltene Wasserdampf kann an den Teilchen zu kleinen Tröpfchen kondensieren. Wenn durch den zusätzlichen Eintrag von Saharastaub nun mehr hygroskopische Aerosole in die Luft gelangen, kann dadurch die Wolkenbildung angeregt werden. Durch diese sozusagen „zusätzlich“ gebildeten Wolken kommt es dann ebenfalls zu einer Reduzierung der Sonneneinstrahlung.  
(Quelle: Deutscher Wetterdienst, https://www.dwd.de/DE/wetter/thema_des_tages/2024/4/28.html)

Sommer im frühen April mit neuen Dekadenrekorden

Bis zu 25,6 °C an der DWD-Station Bevern gemessen

Nach zuletzt drei kühlen Exemplaren holt der April in diesem Jahr mit Schwung zur Gegenbewegung aus und schloss die erste Woche mit einer Mitteltemperatur von 12,8 °C an der DWD-Station Bevern als bisher wärmste seit Beobachtungsbeginn ab. „Schuld“ daran war ein sommerliches Wochenende mit außergewöhnlich hohen Temperaturen und dem ersten meteorologischen Sommertag am Samstag, auf den am Montag sogar noch der zweite folgte. Nur einmal wurde bisher die 25-Grad-Marke noch früher erreicht bzw. überschritten: Am 31. März 2021. Für den April bedeuten die in Bevern gemessenen 25,6 °C, zugleich höchster Wert in Niedersachsen am Samstag, einen neuen Rekord bei den Höchstwerten in einer ersten Aprildekade. Der bisherige Spitzenwert vom 8. April 2018 wurde damit um 1,2 K übertroffen. Der Sonntag war mit bis zu 24,2 °C nur etwas weniger warm und am heutigen Montag ging es sogar noch einmal aufwärts bis auf 25,2 °C. Auch im Hochsolling fiel am Samstag der bisherige Dekadenrekord vom 8. April 2018, der bei 22,1 °C gelegen hatte und nun bei 22,3 °C steht. Heute war es in Silberborn mit bis zu 22,2 °C nur minimal weniger warm.

Nach diesem dreifachen Paukenschlag ist die Zeit der ganz hohen Temperaturen zwar erst einmal vorbei und zum Dienstag erwartet uns ein Rückgang um rund 10 Grad auf halbwegs durchschnittliche Werte, doch in der zweiten Wochenhälfte dürfte es bereits wieder ein Stück aufwärts gehen und am kommenden Wochenende sind nochmals Höchstwerte über 20 °C drin, auch wenn das aktuelle Niveau kaum mehr erreicht werden dürfte. Ob es danach zu einem deutlichen Temperaturrückgang auf seit langem mal wieder unterdurchschnittliche Werte kommt, bleibt noch abzuwarten, ist aber derzeit die von den Wettermodellen mehrheitlich favorisierte Variante. Dennoch bliebe auch dann die Option eines neuen Aprilrekords und damit des dritten Monatsrekords in Folge noch im Rennen – die Entscheidung dürfte erst in der letzten Woche fallen. Bisher stellt der April 2018 mit einem Monatsmittel von 13,0 °C (genau 12,99 °C) den Spitzenwert der Zeitreihe Bevern/Holzminden ab 1935.

Und auch, wenn es vermessen klingen mag: Am Wochenende wäre bei „optimalem“ Verlauf sogar noch mehr drin gewesen. Dies zeigt ein Blick auf die Temperaturkarte in der 850-hPa-Fläche in ca. 1.500 m Höhe:

Luftmassentemperatur laut GFS-Analyse in ca. 1500 m Höhe am 07.04.2024 um 0 Uhr UTC (Quelle: https://www.wetterzentrale.de/de/reanalysis.php?map=1&model=avn&var=2&jaar=2024&maand=4&dag=7&h=0&nmaps=24)

Über unserer Region lag in der Nacht zum Sonntag eine ca. 16-17 Grad warme Luftmasse, was selbst im Hochsommer nur selten der Fall ist und dann zu Höchstwerten um 32-33 Grad führen würde, sofern die Sonne dazu länger scheint. Doch auch Anfang April sind Aufschläge von rund 15 K auf die Luftmassentemperatur durchaus möglich, insofern bestand tatsächlich sogar ein theoretisches Potenzial für einen heißen Tag.

Dass es nicht soweit kam, hat mit vier Faktoren zu tun: Erstens erreichte uns die wärmste Luftmasse zu nachtschlafender Zeit, während sie am Samstag und am Sonntag zur Zeit der üblichen Höchstwerte am frühen Nachmittag niedriger lag, zweitens konnte die warme Luft „oben“ nicht ganz zum Boden heruntergemischt werden (leichte Inversion), drittens dämpften die feuchten Böden den Temperaturanstieg in 2 m Höhe und schließlich wurde auch die Sonneneinstrahlung deutlich ausgebremst, weil mit der südlichen Strömung erneut Saharastaub die Atmosphäre trübte und durch Kondensationskeime Wolkenbildung forciert wurde. Hätte wenn und aber… Somit lagen die Höchstwerte am Boden „nur“ 11-13 K über dem Durchschnitt am Ende der ersten Aprilwoche, während es bei der Luftmassentemperatur bisher kaum vorstellbare rund 17 K waren.

Drei neue Tages- und einen neuen Dekadenrekord brachte der Aprilsommer von Samstag bis Montag (Klick für Vergrößerung):

Kickstart in den Frühling mit einem weiteren Temperaturrekord

Auf den wärmsten Februar folgte der wärmste März seit Aufzeichnungsbeginn

Fotos von Annette Mokross

Die jüngste außergewöhnliche Temperaturanomalie, die unser Wetter seit dem Beginn der dritten Januardekade geprägt und für einen neuen Rekord im Februar gesorgt hatte, setzte sich auch im ersten meteorologischen Frühjahrsmonat nahtlos fort. Ein spätwinterlicher Kaltlufteinbruch, sonst ein häufiger Begleiter beim Übergang der Jahreszeiten, blieb diesmal vollständig aus. So wundert es nicht, dass im deutschen Gebietsmittel ebenso wie in der Weser-Solling-Region auch der März der wärmste seit Beginn der Messungen war – vor Ort allerdings mit denkbar knappem Vorsprung im Hundertstelbereich gegenüber dem bisherigen Rekordhalter von 2012.

Nach einer sehr trockenen ersten Monatshälfte sorgten zeitweise ergiebige Regenfälle für eine weitgehend ausgeglichene Niederschlagsbilanz mit einigen lokalen Unterschieden, während die Sonnenscheindauer erneut unter dem aktuellen Klimamittel blieb, dieses aber nicht so deutlich verfehlte wie im Februar.

Hohe Temperaturen, eine gute Wasserversorgung in den Böden und zumindest gelegentlich freundliche Abschnitte – diese Mixtur sorgte für einen Vegetationsstand, der seiner durchschnittlichen Zeit um zwei bis drei Wochen voraus ist. Und da zumindest vorerst keine Änderung in den Karten steht und es vielmehr nach dem ersten frühsommerlichen Wochenende Anfang April aussieht, dürfte im Zuge dieses Warmluftvorstoßes auch die Apfelblüte beginnen und damit der Start des phänologischen Vollfrühlings vollzogen werden.

Ein dichtes AC-Feld verdeckt die Sonne wie ein Vorhang am 17. März

Mit einer Monatstemperatur von 8,01 °C war der März 2024 an der DWD-Klimastation in Bevern um 2,79 Kelvin wärmer als im Mittel der Jahre 1991-2020, im Vergleich zur Klimaperiode von 1961-1990 betrug das Plus sogar fast 4 K. Damit landete er um den Wimpernschlag eines Hundertstels vor dem bisherigen Rekordhalter von 2012. Bei Rundung auf Zehntelgrad hätte man also „nur“ die Einstellung des Rekords festgestellt, doch seit einigen Jahren listet der DWD die Werte mit zwei Nachkommastellen auf – und auch wenn man über den Sinn geteilter Meinung sein mag, sollen diese offiziellen Zahlen des nationalen Wetterdienstes auch in der lokalen Wetterberichterstattung des TAH verwendet werden.

Die Betrachtung der Tageswerte ähnelt stark der im Februar: Signifikant war vor allem das Ausbleiben von Kälte, wovon sowohl der niedrigste Höchstwert von fast 8 Grad als auch der Tiefstwert von lediglich -2 Grad zeugen. Auch die Zahl der Frosttage lag mit vier deutlich unter dem Durchschnitt von zwölf, ebenso wurden zweistellige Höchstwerte viel häufiger (24) gemessen als im Mittel (15), während das absolute Maximum von 18,7 °C nicht ungewöhnlich hoch ausfiel.

„Straße des Lichts“ am 16. März

Nicht nur in Bevern auf 110 m gab es einen hauchdünnen neuen Märzrekord, auch im Hochsolling sprechen die Messwerte dieselbe Sprache. An der Wetterstation in Silberborn auf 428 m schloss der Monat mit einer Mitteltemperatur von 6,19 °C ab – 2,93 K über dem Klimawert von 1991-2020 und 0,03 K über dem bisherigen Höchstwert von 2012. Der Spätwinter, gewöhnlich ein recht häufiger Gast in der ersten Frühjahrshälfte, machte in diesem März einen großen Bogen um das regionale Mittelgebirge: Kein Schnee, ebenfalls nur vier Frosttage und ein mittleres Maximum von fast zehn Grad erinnern eher an einen April. Am wärmsten wurde es am 27. mit 15,9 °C, die kälteste Nacht zum 8. brachte nur leichten Frost von -1,9 °C.

Bei den Großwetterlagen über Europa dominierte klar die Luftzufuhr aus dem südlichen Sektorviertel, also Südost, Südwest und vor allem am Monatsende die reine Südlage, was sich in einer Trübung des Himmels durch Saharastaubeintrag in die Atmosphäre zeigte.  Das letzte Drittel und die Monatsmitte waren dabei überwiegend tiefdruckgeprägt mit zeitweise ergiebigen Regenfällen, teils schauerartig verstärkt, während an den restlichen Tagen oft Hochdruckrandlagen vorherrschten, die zwar oft viele Wolken, aber kaum Niederschlag brachten – nicht nur die Landwirte dürften bis Monatsmitte froh über die erste längere nahezu trockene Phase seit fünf Monaten gewesen sein.

Zu Monatsbeginn stand immer noch das Wasser auf den Feldern

Unterm Strich landeten die Niederschlagssummen an den meisten der Messstellen vor Ort nahe den langjährigen Mittelwerten, die nasse zweite Hälfte und die trockene erste hoben sich weitgehend gegeneinander auf – einige Unterschiede auf recht engem Raum inklusive. So fielen in Bevern 69 mm, was einem Plus von rund 13% gegenüber dem langjährigen Mittel entspricht; in Ottenstein 70, in Polle 65 und in Hehlen 63 mm. Vorwohle brachte es ebenso wie Holzminden auf 61 mm – bis hierhin also eine sehr homogene Verteilung. Lüchtringen meldete als Schlusslicht nur 51 mm, während der Titel nassester Ort im Kreis wieder einmal nach Hellental ging, diesmal mit gut 80 mm. Die Werte aus Amelith (60 mm) und Silberborn (66) muss man im Kontext des feuchteren Klimas des Sollings betrachten, dort wurden jeweils nur rund 80% des langjährigen Mittels erreicht. Die genauen Standorte begünstigen Staulagen mit hohen Niederschlagsmengen vor allem bei West- und Nordwestströmung, weniger bei südlicher Windrichtung.

Um Trockenheit muss man sich anders als in den letzten Jahren also zumindest vorerst keine Sorgen machen – das zeigen sowohl die reinen Zahlen, die das Winterhalbjahr von Oktober bis März als eines der drei nassesten seit Beobachtungsbeginn in den 1930er-Jahren ausweisen, als auch der Bodenfeuchte-Viewer des DWD, der in einer modifizierten und interaktiven Version unter https://www.dwd.de/DE/fachnutzer/landwirtschaft/appl/bf_view/_node.html abrufbar ist und bessere Zustandskarten liefert als der Dürremonitor des UFZ, der allen Ernstes die aktuelle Situation des Oberbodens vor Ort als mittlere bis schwere Dürre einstuft.

Am 23. März zeigte der Himmel über Ottenstein das Höhenkaltluft-typische Gesicht

Die Sonne tat sich erneut schwer gegen die starke bis geschlossene Bewölkung und konnte sich nur an wenigen Tagen weitgehend ungestört zeigen – am längsten zum Start ins zweite Wochenende am 8. und 9. mit jeweils gut zehn Stunden. Ansonsten wechselten sich meist trübe Tage und solche mit gelegentlichen sonnigen Abschnitten ab. Die Monatssumme lag mit gut 103 Stunden um 13 Stunden oder 11% unter dem Mittel der Jahre 1991-2020, klar über dem Tiefpunkt von 1988 mit nur 48 Stunden, aber noch weiter entfernt vom Rekord vor zwei Jahren, als mit 240 Stunden ein bis dahin kaum vorstellbarer Wert gemessen wurde.

Der Wind spielte in den ersten beiden Dekaden kaum eine Rolle mit Tagesmitteln von meist 2-3 Beaufort (in Böen 4-6) und frischte im letzten Drittel zeitweise stürmisch auf mit vereinzelten Spitzen im Bereich zwischen Bft. 8 und 9 am 23. März. Ein Sturmtag mit einem Zehnminutenmittel von mindestens Stärke 8 war aber wie schon im Februar nicht dabei.

Biene beim Arbeitseinsatz in Mandelblüten am 17. März
Wolkenschauspiel am Abend des 14. März