Der Mai 2026 brachte kühle und sehr warme Phasen, viel Sonnenschein und endlich ergiebigen Regen
Fotos von Annette Mokross
Ein sommerlicher Start, ein bereits hochsommerlicher Abschnitt mit dem ersten 30er in der dritten Dekade und dazwischen eine ganze Reihe von kühlen Tagen – der diesjährige Mai reizte die Variabilität des mitteleuropäischen Klimas voll aus und lud zum Anbaden in den Freibädern (wo sie denn schon geöffnet hatten) ebenso ein wie er wohl in vielen Wohnungen und Häusern nochmals die Heizungen warmlaufen ließ. Unter dem Strich bilanzierte der dritte und letzte meteorologische Frühjahrsmonat mit einem moderaten Plus bei der Temperatur und – in dieser Kombination nicht alltäglich – mit deutlich überdurchschnittlichen Sonnenschein- und Niederschlagssummen. Während in anderen Regionen Deutschlands in diesem Frühjahr teils Rekordtrockenheit vermeldet wurde, lag der Landkreis im Mai innerhalb eines sehr regenreichen Streifens über der Mitte, so dass mancherorts sogar noch das Jahreszeitenmittel beim Niederschlag übertroffen werden konnte.
Mit einer Monatstemperatur von 14,08 °C war der Mai 2026 an der DWD-Klimastation in Bevern um 0,56 Grad wärmer als im Mittel der Jahre 1991-2020, im Vergleich zur Klimaperiode von 1961-1990 betrug das Plus 1,6 Grad. Das verlängerte Wochenende zu Beginn brachte die ersten meteorologischen Sommertage des Jahres, nur drei Tage später lagen die Höchstwerte kaum noch über zehn Grad. An das vorübergehend wieder wärmere zweite Wochenende schloss sich beginnend am 11. eine längere kühle Phase an, erst nach Monatsmitte wurde es zögernd wärmer, für 20 Grad reichte es aber in der gesamten zweiten Dekade nicht. Dafür fielen die Tiefstwerte bis in den niedrigen einstelligen Bereich – nach landläufiger Meinung hatten wir es also mit sehr pünktlichen „Eisheiligen“ zu tun.
Doch deren Terminierung auf die Zeit vom 11. bis 14. Mai im Norden und bis 15. Mai im Süden stammt noch aus dem Mittelalter zu Zeiten des Julianischen Kalenders und müsste heute – Schaltjahresverschiebungen inbegriffen – zwei Wochen später liegen, und das war die wärmste Phase in diesem Mai. Betrachtet man die letzten einhundert Jahre, lassen sich keine Hinweise auf auffällige Kälterückfälle in einem bestimmten Zeitraum im Mai finden. Gemittelt ist – wie aufgrund der jahreszeitlichen Entwicklung zu erwarten – der 1. Mai der kälteste, der 31. der wärmste Tag und dazwischen liegt ein fast linearer Anstieg. Blickt man auf deutlich kürzere Zeiträume von wenigen Jahren oder auf ein konkretes Jahr, ergeben sich aufgrund der bereits angesprochenen Variabilität unseres Klimas mitunter deutliche Schwankungen.
Auf die sehr kühle zweite Dekade folgte eine der wärmsten dritten seit Aufzeichnungsbeginn. Die Höchstwerte lagen nun durchweg über 20 Grad, darunter waren sechs Sommertage und am 26. mit einem Maximum von 30,8 °C auch der erste heiße Tag des Jahres.
An der Wetterstation in Silberborn lag die Monatstemperatur mit 12,01 °C ebenfalls um 0,56 K über dem Klimamittel von 1991-2020 und um 1,6 K über dem der Jahre 1961-1990. Für einen meteorologischen Sommertag reichte es auf 430 m Höhe erstmals am 23.05., dem noch zwei weitere folgten. Der Höchstwert wurde am 26. mit 27,3 °C gemessen, am kühlsten blieb es tagsüber am 7. mit einem Maximum von nur 6,8 °C. An insgesamt fünf Tagen reichte es nicht für die Zehn-Grad-Marke. Auffällig waren die tiefen Minima in der zweiten Dekade, so schrammte die Nacht zum 15. mit 0,3 °C in zwei Metern Höhe nur knapp am Luftfrost vorbei und es wurde um die Monatsmitte herum wiederholt leichter Bodenfrost gemessen. Und auch kurz vor Monatsende ließ eine sehr frische Nacht noch einmal aufhorchen: Der Tiefstwert von 2,5 °C am frühen Morgen des 28. war bundesweit einer der niedrigsten und wurde nur an vier der knapp 500 Stationen des Deutschen Wetterdienstes noch unterboten.

Mitteleuropahoch bringt den Sommer im letzten Drittel
Die Analyse der Großwetterlagen über Europa zeigt den sommerlichen Start unter einem Mitteleuropa-Hoch, gefolgt von einer Südwestlage und die anschließende deutliche Abkühlung durch eine Westlage. Nach kurzem Hochdruckeinfluss zum Ende der ersten Dekade setzte sich eine sehr kühle Nordwest- bis Nordströmung durch, eine Rückdrehung auf West leitete nach Monatsmitte den zögernden Temperaturanstieg ein und mit Beginn der dritten Dekade setzte sich ein Hoch mit zunehmend sommerlicher Wärme und viel Sonnenscheinüber Mitteleuropa fest, das erst kurz vor Monatsende Platz machte für Fronten aus Westen, die mit Schauern und Gewittern für eine Umstellung der Wetterlage hin zu unbeständigem Tiefdruckwetter und zurückgehenden Temperaturen sorgte.
Endlich viel Regen und erneut viel Sonnenschein
Die Niederschlagsbilanz liest sich diesmal anders als in vielen Monaten zuvor: es regnete zwar an den meisten Orten im Kreis an weniger als der Hälfte der Tage, dafür konnten sich die Tagessummen oft sehen lassen und addierten sich inklusive einer Gewitterlage am Monatsende auf meist deutlich überdurchschnittliche Werte. An der DWD-Klimastation in Bevern wurde mit 94,4 mm der langjährige Mittelwert von 1991-2020 sogar um 60% übertroffen, dort war es der nasseste Mai seit 2014. In Silberborn fielen 103,4 mm, was einem Plus von gut einem Drittel gegenüber dem Durchschnitt im feuchteren Sollingklima entspricht. Den höchsten Wert im Kreis meldete Vorwohle mit fast 120 mm, gefolgt von Ottenstein mit knapp 117 und Amelith kurz hinter der Kreisgrenze mit 109 mm. In Hellental wurden 105 mm gemessen, in Polle auf dem Wilmeröder Berg 103 mm, in Hehlen 99 und in Lüchtringen knapp 95 mm.

Die Sonne zeigte sich wie in den Vormonaten deutlich länger als im Durchschnitt und schien ca. 233 Stunden lang über dem Kreis – gut 34 Stunden bzw. rund 17% mehr als im Mittel von 1991-2020. Nach dem sehr sonnigen Start an den ersten beiden Tagen dominierte lange Zeit Wechselhaftigkeit mit unterdurchschnittlicher Sonnenscheindauer – so entfielen auf die 19 Tage vom 3. bis zum 21. nur 77 Stunden, ein Schnitt von gerade mal gut vier Stunden am Tag. Doch mit dem Mitteleuropa-Hoch drehte die dritte Dekade den Spieß noch deutlich um und erzielte mit 133 Stunden den zweithöchsten Wert in einem letzten Maidrittel überhaupt, nur im rekordsonnigen Mai 1989 waren es noch zwei Stunden mehr.

Der Wind wehte im Mittel meist mit Stärke 2-3 und in Böen häufig mit Stärke 4-6 – mit einem Ausreißer nach oben im Zuge der mit der Kaltfront aufgetretenen Schauer und Gewitter am 29., als die umliegenden DWD-Stationen mit Windmessung (in 10 m Höhe über dem Grund) Spitzenböen von Beaufort 7-8, an den Standorten Lügde-Paenbruch und Northeim-Stöckheim bis Stärke 9 registrierten.
Frühjahr: Recht warm und sehr sonnig
Mit dem Mai endete das meteorologische Frühjahr und es brachte bei der Temperatur ein deutliches Plus im März, ein sehr kleines im April und ein moderates im Mai – macht unterm Strich an der Station in Bevern 10,18 °C bzw. 0,74 K mehr als im Mittel der Jahre 1991-2020. Erstmals in der lokalen Historie schafften es damit drei Frühjahre in Folge über die Zehn-Grad-Marke. In Silberborn wurden knapp 8,4 °C gemessen – ein etwas größeres Plus zum dortigen Klimamittel von fast einem Grad.
Bei den Niederschlägen sorgte der sehr nasse Mai dafür, dass die Dreimonatssumme vielerorts im Bereich der Durchschnittswerte landete oder sogar noch etwas darüber, so auch an der DWD-Station in Bevern, wo mit 186,3 mm ein Plus von rund 20 mm oder 12% zum Mittel gemessen wurde. Etwas anders sah die Lage im Solling aus: In Silberborn reichten die gefallenen 195 mm nicht an das langjährige Mittel heran, es verblieb ein Defizit von ca. 28 mm bzw. knapp 13%.
Sehr sonnige Frühjahre sind in jüngster Vergangenheit häufiger anzutreffen und da machte 2026 keine Ausnahme: Mit ca. 663 Stunden schien die Sonne sogar erneut länger als in einem durchschnittlichen Sommer, gegenüber dem Frühjahrsmittel ergab sich ein Plus von rund 176 Stunden oder 36%. Damit war es das viertsonnigste seit Beginn der Sonnenscheinmessungen 1951, vier der fünf sonnigsten fallen in die Jahre seit 2020.















