Zwischen goldenen Tagen und kräftigen Regenfällen

Der Oktober 2026 war überdurchschnittlich in allen Kategorien

Fotos von Annette Mokross

Gab es vor einem Jahr an dieser Stelle noch einen Oktober, der lieber ein November sein wollte zu bilanzieren, zeigte sich der zweite meteorologische Herbstmonat diesmal deutlich abwechslungsreicher: Tage mit kräftigen Regenfällen waren ebenso dabei wie sonnige Phasen, die zusammen mit der Laubfärbung für den sprichwörtlichen goldenen Oktober sorgten. Aber auch tiefhängende, hochnebelartige Bewölkung unter einem kräftigen Hochdruckgebiet, eine ganz typische Herbstwetterlage bei uns, war mit von der Partie. So war vermutlich für jeden Geschmack etwas dabei und unter dem Strich steht ein dreifaches Plus gegenüber den langjährigen Mittelwerten: Der Oktober war im Kreis Holzminden wärmer, sonniger und nasser als im Durchschnitt – eine zu dieser Jahreszeit durchaus ungewöhnliche Kombination.

Mit einer Mitteltemperatur von 11,04 °C war der Oktober 2026 an der DWD-Station in Bevern um 1,1 Grad wärmer als im Mittel der Jahre 1991-2020. Gegenüber dem älteren Referenzmittel der Periode von 1961-1990, deren Differenz zum jüngeren Klimamittel in keinem anderen Monat geringer ist als im Oktober, betrug das Plus 1,5 Grad. Ein Großteil der positiven Temperaturabweichung geht auf die erste Woche zurück, in der ein weiterer neuer Rekord in der Geschichte der Wetteraufzeichnungen für die Zeitreihe Bevern/Holzminden notiert werden konnte: An den ersten sieben Tagen stieg die Höchsttemperatur täglich auf über 20 Grad und sorgte damit für die bisher längste Serie an warmen Tagen vom Oktoberstart an. Der Monatshöchstwert wurde am Nachmittag des 7. mit 24,2 °C gemessen.

Auch wenn sich dieses Niveau im Verlauf nicht halten ließ und die Temperaturen ab der zweiten Woche bis auf einen nochmaligen kurzen Anstieg auf 20,5 Grad genau zur Halbzeit meist im Bereich der jahreszeitüblichen Werte pendelten: Kalt wurde es im Verlauf nicht. So blieben die Höchstwerte durchweg im zweistelligen Bereich und Luftfrost wurde nicht gemessen. Nur über dem Erdboden ging es in der Nacht zum 20. zum ersten Mal in dieser Saison unter den Gefrierpunkt. Auf zwei Metern Höhe lag der tiefste Wert des Monats aus derselben Nacht bei plus 1,1 Grad.

An der Wetterstation in Silberborn lag die Monatstemperatur bei 9,1 °C und damit um gut 1,0 Grad über dem Mittelwert von 1991-2020 bzw. um knapp 1,3 Grad über dem Klimamittel von 1961-1990. Abgesehen vom höhenlagenbedingt kühleren Gesamtniveau fällt das Fazit ähnlich aus wie in Bevern: Die ersten sieben Tage sowie der 16. brachten die höchsten Tageswerte, zwei Nächte (zum 20. und 31.) brachten leichten Bodenfrost, für Luftfrost reichte es aber auch auf fast 430 m Stationshöhe noch nicht. Das tiefste Minimum in zwei Metern Höhe wurde am 31.10. mit 1,2 °C gemessen, am wärmsten war es am 7. mit einem Maximum von 19,8 °C. An acht Tagen lagen die Höchstwerte über der 15-Grad-Marke, an neun Tagen blieben sie einstellig, am niedrigsten am 24. mit 8,1 °C.

Die Analyse der Großwetterlagen über Europa zeigt am Monatsersten die Front eines kräftigen Tiefs südlich von Island über Deutschland ziehen, verbunden mit kräftigen Regenfällen – obwohl bei uns am Boden Hochdruck herrschte mit Werten von über 1.020 Hektopascal (hPa). Hinter der Front konnte sich die Hochdruckbrücke wieder kräftigen und für „echtes“ Hochdruckwetter sorgen mit spätsommerlichen Temperaturen und viel Sonnenschein bis zum Ende der ersten Woche. Eine Drehung der Strömung auf Süd brachte den Höhepunkt der warmen Tage zum 7., aber auch die Annäherung von Tiefs aus Westen, die für einen wechselhaften und nassen Abschnitt sorgten, bevor sich erneut eine Hochdruckbrücke ausbilden konnte, die bis Monatsmitte hielt. Mit Verlagerung des Hochs und damit verbundener östlicher Anströmung gingen die Temperaturen anschließend wieder deutlich zurück, der Wettercharakter blieb wechselhaft – mal sonnig, mal stark bewölkt und gelegentlich fiel leichter Regen. Eine Rückdrehung auf West brachte neue Fronten mit stark auffrischendem Wind und kräftigem Regen im Laufe der ersten Hälfte des letzten Drittels, bevor die letzten Tage des Monats unter Hochdruckeinfluss wieder ruhiger, trocken und zeitweise sonnig verliefen – der 30.10. brachte noch einmal den goldenen Oktober, während es am anschließenden Feiertag ganztägig trüb blieb.

Formal gab es also mehr Hoch- als Tiefdruck, und doch reichte es (endlich mal wieder) für überdurchschnittliche Regensummen im Kreis. Dazu trugen neben den recht zahlreichen Niederschlagstagen – meist 20 bis 21 – vor allem die sehr ergiebigen Regenfälle am 1. und 24. bei, die mit Tagessummen von teils über 20 mm verbreitet über 40% der Monatssummen ausmachten.
Am meisten fiel diesmal in Silberborn mit gut 107 mm, was einem Plus von rund 20% gegenüber dem 30-Jahresmittel von 1991-2020 entspricht. Es folgt Amelith mit fast genau 100 mm und dahinter ein breites Mittelfeld mit eng beieinander liegenden Werten: Der Wilmeröder Berg in Polle bekam knapp 92 mm ab, Hellental und Lüchtringen je 88 sowie Ottenstein etwas über 83 und Bevern genau 83 mm. Schlusslichter sind Vorwohle und Hehlen mit je gut 74 mm.  Die Ausbeute an der Klimastation in Bevern entspricht rund 122% des langjährigen Mittelwertes.

Beim Sonnenschein konnte sich der Oktober 2026 deutlich von seinem sehr trüben Vorgänger vor einem Jahr absetzen: Reichte es damals nicht einmal für 55 Stunden, gab es in diesem Jahr mehr als doppelt so viele – fast 119. Damit wurde der Durchschnitt der Jahre 1991-2020 um fast 23% übertroffen und das Plus bei der Sonnenscheindauer fiel ähnlich deutlich aus wie beim Niederschlag – eine solche Kombination ist ein seltenes Ereignis im Oktober. In der Mehrzahl der Fälle korreliert ein sonniger Oktober mit eher wenig Regen und umgekehrt. Am meisten Sonnenschein brachte die Phase zwischen dem 2. und 7. Oktober mir fast 46 Stunden in sechs Tagen, danach wurde es schwerer für die Sonne, sich gegen die Wolken durchzusetzen. Aber ein länger trüber Abschnitt, wie er zu dieser Jahreszeit durchaus schon mal auftritt, war im Verlauf nicht dabei, dafür zwischendurch sowohl einzelne Tage mit hohen Tagessummen von acht bis über neun Stunden als auch solche, an denen sich die Sonne (fast) gar nicht zeigte. Unter dem Strich steht der immerhin viertsonnigste Oktober der letzten 30 Jahre.

Der Wind hatte vor allem im letzten Monatsdrittel in Form der Sturmtiefs Luise und Manja ein Wörtchen mitzureden. An den umliegenden DWD-Stationen mit Windmesser wurden dabei zwischen dem 23. und 25. Oktober an drei Tagen in Folge Böen zwischen Stärke 7 und 8 erreicht, an der Station in Gerzen bei Alfeld am 25.10. mit bis zu 76 km/h kurzzeitig Stärke 9. Während dieses Witterungsabschnitts erreichte der Mittelwind Stärke 4, ansonsten war er mit Stärke 2-3 unterwegs.

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Autor: wesersollingwetter

Hobbymeteorologe und Autor des monatlichen Lokalwetterrückblicks im Täglichen Anzeiger Holzminden.

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