Der September 2023 war rekordwarm, außergewöhnlich sonnig und sehr trocken
Fotos von Annette Mokross
Eher trüb, nass und meist moderat temperiert lautete das Fazit des diesjährigen Hochsommers und so mancher mag sich gefragt haben: war das schon alles oder kommt da noch was? Nun sind noch sommerlich anmutende Phasen im ersten meteorologischen Herbstmonat zwar keine Seltenheit, doch die Antwort des diesjährigen Septembers überrascht in ihrer Klarheit selbst in Zeiten der fortschreitenden Erderwärmung: Die Monatstemperatur lag nicht nur so hoch wie noch nie seit Beginn der Wetteraufzeichnungen, sie übertraf sogar die eines Durchschnittsjulis früherer Jahre. Diverse Tagesrekorde, die höchste bisher gemessene Anzahl heißer Tage und eine Sonnenscheindauer, die sich lediglich dem Fabelrekord von 1959 geschlagen geben musste, runden das Bild vom vollwertigen Sommermonat ab. Dass die Niederschlagsbilanz bei solchen Bedingungen negativ ausfällt, ist eine fast zwangsläufige Folge wochenlanger Hochdruckdominanz und so setzte sich der Trend der letzten Jahre zu deutlich trockeneren Septembern weiter fort.

Mit einer Monatstemperatur von 17,53 °C ließ der September 2023 an der DWD-Klimastation in Bevern den bisherigen Rekord aus dem Jahr 2006 um ein halbes Zehntelgrad hinter sich. Im Gegensatz zum deutschen Gebietsmittel, bei dem ein neuer Rekord schon zu Beginn der letzten Dekade so gut wie feststand, war das lokale Rennen bis kurz vor Schluss offen und äußerst knapp. Im Vergleich zu den langjährigen Mittelwerten gab es imposante Abweichungen von +3,3 K zur Klimaperiode 1991-2020 und sogar +3,8 K zur älteren Norm von 1961-1990.
Nach einem noch verhaltenen Start folgten neun meteorologische Sommertage am Stück und die Woche vom 5. bis 11. beeindruckte mit vier heißen Tagen und einem durchschnittlichen Höchstwert von 30,3 °C. Und auch wenn danach keine Hitze mehr auftrat und sich die Temperaturen insgesamt dem jahreszeitlichen Rückgang ein wenig anpassten: Wärmer als im langjährigen Vergleich war bis zum Monatsende bis auf eine Ausnahme jeder einzelne Tag – und das meist deutlich. Bei den Tiefstwerten machte sich zeitweise nächtliches Aufklaren und die Ausbildung flacher Nebelfelder in Wesernähe bemerkbar, so dass es in den Morgenstunden Richtung Monatsende auch mal in den deutlich einstelligen Bereich zurückging.

An fast jedem Tag landete die Höchsttemperatur deutlich über den langjährigen Mittelwerten
An der Wetterstation in Silberborn lag die Monatstemperatur mit 16,0 °C sogar fast 3,7 K über dem dortigen Klimawert der Jahre 1991-2020 und 4,1 K über der Periode von 1961-1990 – für einen neuen Rekord reichte es im Hochsolling aber dennoch nicht. Wie kann das sein? Nun: dass es aufgrund der Höhenlage relativ gesehen wärmer ist als im Wesertal – diese Beobachtung tritt immer dann auf, wenn in einem Monat und besonders im Herbst höhenwarme Hochdrucklagen dominieren und war hier schon häufiges Thema. Aber daraus müsste ja eigentlich umso eher auch ein Rekordmonat in Silberborn resultieren?
Hierfür müssen wir nun den lokalen Spitzenreiter aus dem Jahr 1999, als in Silberborn noch am langjährigen Standort am Anemonenweg gemessen wurde, etwas genauer anschauen. Der bis heute gültige Rekord liegt bei 16,2 °C, was einem Plus von 4,3 K gegenüber dem Mittel 1961-1990 entspricht. Und genau diese +4,3 K finden wir auch an der damaligen Station Köterberg auf ähnlicher Höhe und sie lassen sich auch an etwas weiter entfernten Stationen in mittlerer Höhenlage validieren. Im Ergebnis war also der September 1999 gerade in Lagen um 500 m noch etwas wärmer. Aber auch ohne neuen Rekord waren die warmen Tage mit über 20 Grad Maximum hier klar in der Mehrheit, sogar sieben Sommertage wurden noch gemessen. So war auch im Hochmoor und anderen Ausflugszielen des Sollings bei der Bekleidung T-Shirt statt Jacke gefragt.

Die Analyse der Großwetterlagen über Europa zeigt eine fast durchgehende Dominanz von Hochdruck mit einem Hoch Mitteleuropa (HM) und einer Südwestlage (SWa) während der wärmsten Phase kurz nach Monatsbeginn, bei der sich in der Höhe die berühmte und sehr stabile Omegalage ausgebildet hatte. Anschließend ließ es eine Trogvorderseite mit südlicher Strömung etwas unbeständiger werden aufgrund der Nähe zum Tiefdruckkomplex über Westeuropa – in diese Phase kurz vor Monatsmitte fiel das einzige größere Niederschlagsereignis des Monats, in der Folge gab es noch vereinzelte, meist unergiebige Schauer. In der letzten Dekade bildete sich eine Hochdruckbrücke aus, unter der es erneut viele Tage trocken blieb.
Entsprechend blieben die Tage mit Niederschlag in der Minderheit – meist waren es acht bis neun – und die Summen deutlich unterdurchschnittlich. Nur die kräftigen Regenfälle am 12. und teils noch am 13.09. verhinderten einen extrem trockenen Monat. An den meisten Stationen wurden die die langjährigen Klimawerte, die je nach Höhenlage zwischen gut 60 und etwas über 80 mm liegen, um mehr als die Hälfte verfehlt. Bevern brachte es auf 28,2 mm, Lüchtringen und Holzminden sogar nur auf 22,9 bzw. 22,5 mm und Hehlen auf 25,4 mm. An den etwas höher gelegenen Standorten kamen in Polle 32,3, in Ottenstein 32,2, in Hellental 31,0 und in Vorwohle 28,5 mm zusammen, und auch auf über 400 m in Silberborn reichte es nur für 30,2 mm, was dort nur gut einem Drittel des Klimamittels entspricht. Schaut man sich die letzten zehn Jahre an, so weist der Trend beim Niederschlag im September klar nach unten. So wurden von 1991-2013 in der Reihe Bevern/Holzminden noch 65 mm im Schnitt gemessen und in Silberborn sogar 91 mm, während es im Zeitraum 2014-2023 nur noch 44 bzw. 55 mm waren. Der Solling ist also noch stärker vom Rückgang betroffen, für die stark bewaldete Region ist das eine beunruhigende Entwicklung.

Beim Sonnenschein gab es diesmal keinen freien Tag für die Sonne, selbst die niedrigste Tagessumme brachte es noch auf 1,1 Stunden, womit es keinen einzigen „trüben“ Tag, definiert mit höchstens einer Sonnenstunde, in diesem September gab – ein Novum in der Historie, seit Daten hierfür vorliegen. Die Tage vom 5. bis 9. schafften die jeweils astronomisch noch mögliche Ausbeute von rund 12 Stunden, im Laufe des Monats bildeten sich dann in den Morgenstunden in Wesernähe gelegentlich flache Nebelfelder, die dafür sorgten, dass die für diese Gebiete errechnete Monatssumme mit etwa 229 Stunden ein Stück niedriger lag als in den etwas höheren Lagen, wo es sogar etwas über 240 Stunden waren. Der immer noch irreal erscheinende Rekord von 270 Stunden aus dem Jahr 1959 wurde zwar deutlich verfehlt, aber wie im deutschen Gebietsmittel war es auch lokal der zweitsonnigste September seit Messbeginn. Die langjährigen Mittelwerte wurden um rund 60% übertroffen und ein durchschnittlicher Juli kommt in unserer Region auf rund 25 Stunden weniger. Damit war es bereits der dritte September in den letzten vier Jahren, der den vorausgegangenen August bei der Sonnenscheindauer hinter sich ließ.


























































































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