Wärmster September seit Aufzeichnungsbeginn

Es war ein knappes Rennen, doch am Ende hatte der September 2023 die Nase knapp vorn: Mit einer Mitteltemperatur von 17,53 °C an der DWD-Station in Bevern stellte der erste meteorologische Herbstmonat einen neuen Rekord auf und überholte den bisherigen Spitzenreiter aus dem Jahr 2006 (17,48 °C) um wenige Hundertstel. Auch beim Sonnenschein erfüllte der September die Kriterien für einen vollwertigen Sommermonat: Mit ca. 229 Stunden schien die Sonne rund 25 Stunden länger als in einem durchschnittlichen Juli – Platz zwei hinter dem fast unantastbar scheinenden Rekord von 1959, als in der Region um 270 Stunden gemessen wurden. Dazu war es im äußerst hochdruckdominierten September 2023 deutlich zu trocken, an den verschiedenen Messstellen im Kreis fielen nur zwischen gut 20 und 30 mm – weniger als die Hälfte der langjährigen Mittelwerte.

Mit dem neuen Septemberrekord stellt sich die Liste der lokal wärmsten Monate in der Klimareihe Holzminden/Bevern nun so dar:

Januar 6,44 °C (1975)
Februar 6,78 °C (1990)
März 8,00 °C (2012)
April 12,99 °C (2018)
Mai 16,44 °C (2018)
Juni 19,81 °C (2019)
Juli 22,22 °C (2006)
August 20,9 °C (2003, interpolierter Wert während der Messlücke)
September 17,53 °C (2023)
Oktober 13,2 °C (2001, interpolierter Wert während der Messlücke)
November 8,62 °C (2009)
Dezember 7,81 °C (2015)

Während die Rekorde ab März (Ausnahmen siehe August und Oktober) am aktuellen Standort in Bevern gemessen wurden, stammen die Januar- und Februarwerte noch von den Vorgängerstationen in Holzminden (1975 100 m über NN und 1990 128 m). Aufgeführt sind die unhomogenisierten offiziellen Werte aus der DWD-Datei. Reduziert auf den Standort Bevern und homogenisiert dürfte der Januarwert bei niedrigeren 6,1 °C und der Februarwert bei etwas höheren 6,9 °C anzusetzen sein.

So viel Regen wie seit 2010 nicht mehr

Der August 2023 war sehr nass, recht trüb und durchschnittlich temperiert

Fotos von Annette Mokross

So wie der Juli endete, so präsentierte sich auch das erste Augustdrittel: Sehr unbeständig, nur mäßig warm und mit fast täglichen Regenfällen. Während die Temperaturen zu Beginn der zweiten Dekade einen Satz nach oben machten, blieb die Wechselhaftigkeit erhalten. Erst nach Monatsmitte nahmen die trockenen Abschnitte zu und die Sonne konnte sich vorübergehend häufiger zeigen. Unterm Strich bilanziert der dritte und letzte meteorologische Sommermonat mit einem deutlichen Plus beim Niederschlag, einem moderaten Minus bei der Sonnenscheindauer und wie schon der Juli auf einem unauffälligen Temperaturniveau.

Mit einer Monatstemperatur von 18,36 °C lag der August 2023 an der DWD-Klimastation in Bevern um 0,14 K über dem Mittelwert von 1991-2020; gegenüber der älteren, kühleren Norm von 1961-1990 betrug das Plus 1,6 K.  Eine Hitzewelle blieb wie im gesamten Sommer aus, an drei Tagen wurde die 30-Grad-Marke erreicht bzw. überschritten, der Höchstwert stammt vom 19. mit 32,9 °C. Elf meteorologische Sommertage mit mindestens 25 Grad Höchsttemperatur liegen ganz leicht unter dem langjährigen Durchschnitt, während die 20-Grad-Marke nur zweimal verfehlt wurde. Nachts kühlte es meist auf schlaftaugliche 10-15 Grad ab, nur zum Ende der zweiten Dekade sorgte ein Vorstoß subtropischer Luftmassen aus Südwesten für ein paar wärmere Nächte. Das höchste Minimum lag am 19. bei 19,0 °C, am kältesten wurde es am Morgen des 10. mit 8,5 °C.

An der Wetterstation in Silberborn lag die Monatstemperatur mit 16,1 °C genau auf dem Mittelwert der Jahre 1991-2020, was einem Plus von 1,4 K gegenüber dem Klimawert von 1961-1990 entspricht. Heiß wurde es auf rund 430 m Stationshöhe nicht mehr, der Höchstwert am 19. lag bei 29,2 °C. Vier Sommertagen stehen 17 Tage unter der 20-Grad-Marke gegenüber, zweimal blieb es sogar unter 15 Grad, davon einmal am 7. während der statistisch wärmsten Phase des Jahres. Wer also bereits auf der Suche nach herbstlichen Temperaturen war, der wurde im Hochsolling mehrfach fündig und konnte sich die Vielfalt des lokalen Klimas im Kreis zu Nutze machen.  Die Tiefstwerte sackten mehrfach und zum Monatsende stetig in den einstelligen Bereich ab, am weitesten am 7. und am 31. mit jeweils 6,4 °C.

Die Analyse der Großwetterlagen über Europa zeigt zunächst die Fortsetzung der bereits in der zweiten Julihälfte vorherrschenden tiefdruckgeprägten Westlage, im Laufe der ersten Woche auf Nordwest drehend und damit auf ein für die statistisch wärmste Zeit deutlich unterdurchschnittliches Temperaturniveau absinkend. Zu Beginn der zweiten Dekade erfolgte eine Umstellung auf eine Südwestlage, mit der ganz im Süden der Republik eine außergewöhnlich lange Hitzewelle ihren Anfang nahm. Weiter nach Norden konnte sich die deutlich wärmere Luft nur abgeschwächt durchsetzen, so dass es zwar noch einmal sommerlich warm, aber kaum mehr heiß wurde. Allerdings sorgte sehr feuchte Luft mit großer Schwüle zum Ende der zweiten Dekade inkl. kurzzeitiger Hitze für eine vorübergehend hohe Wärmebelastung. Der nachfolgende Temperaturrückgang fand in zwei Schritten statt, zunächst auf Höchstwerte in den Niederungen um 27 Grad und endlich auch einmal mit mehreren trockenen Tagen am Stück (Wetterlage Südwest antizyklonal), bevor das Hereinschwenken eines Troges von Westen für erneuten Tiefdruckeinfluss und eine deutlichere Abkühlung sorgte.

Damit verbunden waren auch weitere Regenfälle, nachdem die langjährigen Monatssummen bereits verbreitet in der ersten Hälfte erreicht bzw. überschritten waren. Unterm Strich wurde es der nasseste August seit 2010 in der Region. Die Klimastation in Bevern meldete 115,8 mm und übertraf ihr Monatsmittel der Jahre 1991-2020 um über 60%, während es auf ähnlicher Höhenlage in Lüchtringen nur 94,5 mm waren. Hehlen (112,5), Ottenstein (115,1), Polle (118,6), Vorwohle (108,0) und Holzminden (107,2) lagen hingegen auf ähnlichem Niveau. Am meisten fiel im und am Solling mit 128,3 in Hellental, 125,6 mm in Amelith und 124,6 mm in Silberborn, was gut 40% über dem dortigen Klimawert liegt. Ein Blick in die Nachbarschaft zeigt sogar 173,2 mm in Wesertal-Lippoldsberg und 182,1 mm in Bad Driburg.

Da längere Hochdruckphasen ausblieben, verwundert es kaum, dass die Sonnenscheindauer die langjährigen Mittelwerte verfehlte. Mit rund 171 Stunden blieb sie um 22 Stunden oder knapp 12% unter der Norm von 1991-2020. Der August hat sich damit in den letzten Jahren als sehr variabel gezeigt, erst im vergangenen Jahr hatte es mit 281 Stunden einen neuen Rekord gegeben, während davon im Jahr zuvor mit nur 138 Stunden nicht einmal die Hälfte gemessen wurde.

Sogar einige Sonnenflecken sind auf dieser Aufnahme vom Morgen des 24.08. zu erkennen ©A. Mokross

Sommerbilanz: Warm und nass

Auch wenn der September uns derzeit noch einmal kräftigen Nachschlag in Sachen Sommerwetter beschert, ist der meteorologische Sommer 2023 bereits Geschichte. Deutschlandweit wie regional war es der sechstwärmste seit Aufzeichnungsbeginn, vor Ort lauten die zugehörigen Messwerte 18,7 °C an der Station in Bevern und 16,5 °C in Silberborn – jeweils 0,9 K mehr als im Mittel von 1991-2020.

In Bevern lagen zwischen dem wärmsten Monat (Juni) und dem „kühlsten“ (August) nur 0,6 K Abstand – ein solch ausgeglichenes Niveau über alle drei Sommermonate hinweg hatte es zuletzt 2017 gegeben. In Silberborn war das Delta mit 0,9 K etwas größer, weil dort der hochdruckgeprägte Juni relativ betrachtet wärmer und der tiefdruckgeprägte August kühler ausgefallen waren.

Die Anzahl der heißen Tage blieb in Bevern mit acht und in Silberborn mit nur einem unter dem Durchschnitt, während die Anzahl der Sommertage (41 bzw. 24) etwas über dem Mittel lag. Bei der Anzahl der warmen Tage (mindestens 20 Grad Maximum) wurde in Bevern der erst im Vorjahr aufgestellte Rekord mit 85 gleich wieder eingestellt, womit sich der Trend zu kaum noch kühlen Phasen seit 2016 weiter fortgesetzt hat.

Auch wenn es die eine oder andere Freizeitaktivität eingeschränkt hat und auch die Landwirte nicht sehr erfreut gewesen sein dürften: Nach einer Reihe von trockenen Sommern war der häufige und umfangreiche Niederschlag ein Segen für die Vegetation. Zumal der Regen diesmal gleichmäßiger verteilt und nur zu einem kleinen Teil als Starkregen fiel und er damit besser in die Böden eindringen konnte. Alle drei Monate brachten sowohl in Bevern als auch in Silberborn überdurchschnittliche Mengen, womit es in Summe der nasseste Sommer seit 2017 wurde und in der Klimareihe Holzminden/Bevern immerhin Platz 21 seit 1934. In Bevern betrug die Summe 283,5 mm und lag damit knapp 30% über dem Klimamittel, in Silberborn waren es 332,4 mm, was einem Plus von 21% entspricht.

Aprilwetter zum Augustfinale: In höhenkalter Luft wechselten sich Sonnenschein und Schauer ab ©A. Mokross (31.08.2023)

Der Sonnenschein war ungleich verteilt, auf einen außergewöhnlich sonnigen Juni folgte ein Juli mit kleinem Plus und ein August mit etwas größerem Minus. Dennoch war der „Überschuss“ aus dem Juni so groß, dass in der Endbilanz mit 681 Stunden der immerhin achtsonnigste Sommer seit Beginn der Aufzeichnungen dieses Parameters im Jahr 1951 steht. Interpoliert für den Standort Bevern bedeutet dies 83 Stunden oder 14% mehr als im Mittel der Jahre 1991-2020. Wenn der persönliche Eindruck ein trüberer war, dann lag dies wohl einerseits daran, dass oft nicht der erste, sondern der letzte Eindruck in Erinnerung bleibt (und der war Ende August eher grau) und wir vom Vorjahressommer besonders verwöhnt wurden, der mit 786 Stunden einen neuen Rekord aufgestellt hatte.

Die zwei Gesichter eines Hochsommermonats

Der Juli 2023 war sehr wechselhaft mit einer regenreichen zweiten Hälfte

Fotos von Annette Mokross

Nach dem sehr sonnigen und warmen Juni brachten auch die ersten beiden Juliwochen noch viel Sonnenschein und nach einem etwas verhaltenen Start auch wieder hochsommerlich warme bis heiße Tage, so dass die erste Halbzeit des Sommers als die wärmste seit Aufzeichnungsbeginn bilanzierte (wir berichteten ausführlich in der TAH-Ausgabe vom 20.07.). Dennoch vollzog sich bereits zu dieser Zeit ein Wechsel der Großwetterlage, zunächst eher schleichend, in der zweiten Hälfte dann deutlich spür- und messbar: Der Atlantik übernahm nach und nach die Wetterregie führte zunehmend wolkenreiche und nur noch mäßig warme Luft aus Westen heran. Längere sonnige Abschnitte gab es kaum noch, dafür regnete es wiederholt und mehrfach auch ergiebig. Unter dem Strich stand bei allen drei wesentlichen Parametern – Temperatur, Niederschlag und Sonnenschein – ein leichtes Plus gegenüber den langjährigen Mittelwerten. Damit setzte sich der Trend aus den Vorjahren fort, nach dem beständiges Sommerwetter eher im Juni und im August zu finden ist als im Hochsommermonat Juli.

Mit einer Monatstemperatur von 18,80 °C lag der Juli 2023 an der DWD-Klimastation in Bevern um 0,2 K über dem Mittelwert von 1991-2020; gegenüber der älteren, kühleren Norm von 1961-1990 gab es ein Plus von 1,7 K.  Das Maximum wurde am 9. mit 34,6 °C gemessen, nachdem im vergangenen Jahr am 20.07. ein neuer Allzeitrekord von 38,7 °C Wettergeschichte geschrieben hatte. Insgesamt gab es vier heiße Tage mit einem Höchstwert von mindestens 30,0 °C, was genau dem Durchschnitt der letzten 30 Jahre entspricht, während die Anzahl der Sommertage (mindestens 25 Grad) mit zwölf leicht darunter lag. Unter der 20-Grad-Marke landeten wie im Juni nur zwei Tage – der Trend zu kaum noch kühlen Tagen im Sommer setzte sich also weiter fort. Die Nächte blieben überwiegend recht frisch mit Minima meist zwischen 10 und 15 Grad, die wärmste Nacht war mit einem Tiefstwert von 18,0 °C weit von einer Tropennacht entfernt.

An der Wetterstation in Silberborn lag die Monatstemperatur mit 16,52 °C fast genau auf dem Mittelwert der Jahre 1991-2020 von 16,45 °C, was einem Plus von 1,6 K gegenüber dem Klimawert von 1961-1990 entspricht. Am wärmsten wurde es auch hier am 9. mit einem Höchstwert von 30,5 °C, dem einzigen heißen Tag des Monats. Sommertage wurden nur fünf gezählt, dafür ganze 14 Tage, an denen die 20-Grad-Marke verfehlt wurde. Wie immer, wenn Tiefdruckeinfluss dominiert, traten die Unterschiede des Lokalklimas zwischen Wesertal und Hochsolling gerade beim Temperaturniveau und dort bei den Tageshöchstwerten besonders hervor. Die Tiefstwerte rutschten mehrfach in den einstelligen Bereich, am kältesten wurde es am frühen Morgen des 26. mit 6,1 °C, am wärmsten blieb die Nacht zum 8. mit 17,9 °C.

Der Blick auf die Großwetterlagen über Europa zeigt eine klare Dominanz von Westlagen, überwiegend tiefdruckgeprägt (zyklonal), unterbrochen von einer zehntägigen Phase mit Süd- und Südwestlagen vom 7. bis 16., in der es entsprechend am wärmsten und sonnigsten wurde.  In diesen Abschnitt fielen alle vier heißen Tage und neun der zwölf Sommertage an der Station Bevern, danach wurde die Marke von 25 Grad nur noch dreimal knapp überschritten. Auch wenn eine anhaltende sonnige und störungsfreie Phase fehlte, war der Wettercharakter bis kurz nach Monatsmitte doch überwiegend freundlich und nach mäßig warmem Start auch hochsommerlich temperiert – vor allem aber schon wieder deutlich zu trocken. In Bevern waren bis zur Halbzeit kaum 13 mm Regen gefallen und auch an den anderen Stationen war es viel zu trocken.

Dies änderte sich mit dem Durchbruch einer Westlage „alter Schule“, wie wir sie so anhaltend zu dieser Zeit im Jahr lange nicht mehr erlebt haben. Manche erinnern sich vermutlich noch an den extrem nassen Juli 2017, bei dem aber die Großwetterlage „Tief Mitteleuropa“ über 48 Stunden lang kräftigen Dauerregen über dem Kreis auskippte und zudem mehrere gewittrige Starkregenschauer niedergingen. Diesmal waren es hingegen einzelne Tage mit einigen Stunden mäßigem Regen und mehrere mit gelegentlichen Schauern, dazwischen aber auch immer wieder trockenen Abschnitten – die Niederschläge „läpperten“ sich nach und nach zu überdurchschnittlichen Monatssummen und die Böden konnten den Regen sehr viel besser aufnehmen als dies bei sehr hohen Mengen in kurzer Zeit der Fall ist. Für die Natur also eine dankbare zweite Monatshälfte, während sich so mancher Bewohner oder Feriengast, egal ob klein oder groß, diesen Teil der Sommerferien wohl anders vorgestellt hatte und nicht nur der durch Personalmangel eingeschränkte Betrieb die Anzahl der Freibadbesuche deutlich reduzierte.

Aufgrund der Mischung von flächigem Regen und einzelnen lokalen Schauern fiel die Bilanz an den Niederschlagsstationen zwar fast überall überdurchschnittlich aus, im Detail ergaben sich aber Unterschiede. Am wenigsten fiel diesmal in Eimen-Vorwohle mit 82,5 mm, wo das Mittel der Jahre 1991-2020 sogar verfehlt wurde, gefolgt von Hehlen mit 86,2 und Bevern mit 86,7 mm, was jeweils einem leichten Plus gegenüber dem Klimawert entspricht. Deutlicher fiel dieses an den anderen Stationen aus: In Holzminden wurden 98,0 mm gemessen, in Polle 102,4, in Ottenstein 103,5, in Hellental 107,3 (davon allein am 24.07. 30,3 mm – der höchste Tageswert der Region) und in Lüchtringen 107,6 mm, wo es das größte Plus zum langjährigen Mittel gab. Silberborn übertraf sein Mittel mit 115,4 mm um 11% und die höchste Summe erzielte Amelith mit 124,1 mm. Insgesamt war es hinter 2017 und 2015 der drittnasseste Juli der letzten zehn Jahre.

Auch wenn es gefühlt aufgrund der wolkenreichen letzten Dekade ein eher trüber Monat gewesen dürfte: Die Sonnenscheindauer lag mit 222 Stunden nicht nur 17 Stunden oder 8% über dem Mittel der Jahre 1991-2020, es war sogar nach dem außergewöhnlich sonnigen 2018er der zweitsonnigste Juli der letzten zehn Jahre. Zu dieser vielleicht etwas überraschenden Bilanz beigetragen hat eine (vermutlich eher zufällige und vorübergehende) Verschiebung der Zirkulationsmuster hin zu oft sehr sonniger und hochsommerlich warmer Witterung im Juni mit zuletzt oft beständigen Hochdrucklagen, die dann auch gern wieder im Laufe des Augusts anzutreffen sind, während der Hochsommermonat Juli zuletzt oft unbeständig und wolkenreich daherkam. Allerdings blieben auch die trübsten Vertreter der jüngsten Vergangenheit wie 2021 mit seinen 156 Stunden noch weit vom Minusrekord entfernt, der nicht in grauer Vorzeit, sondern im Expo-Sommer 2000 zu finden ist, als sich die Juli-Sonne nicht einmal 80 Stunden lang am Himmel zeigte. Das andere Ende der Skala markiert der Juli 2006, bis heute nicht nur wärmster, sondern auch sonnigster Monat vor Ort mit fast 333 Stunden Sonnenscheindauer.

Die Berechnung des Parameters Sonnenschein für die Region aus den umliegenden Stationen muss seit diesem Monat mit einem Standort weniger auskommen: Am Tünderanger im Süden von Hameln wird seit einigen Wochen nur noch Wind gemessen. Damit fehlt ein „Anker“ Richtung Norden im selben Flussgebiet, was aber erst der Anfang einer umfassenden Neustrukturierung der Sonnenscheinmessungen im DWD ist: Ab 2024 soll dann nur noch an einigen wenigen „hochwertigen“ Bodenstandorten direkt gemessen und zusätzlich auf Satellitenbilder zur Ermittlung der Bewölkung zurückgegriffen werden, um daraus die Werte für die Fläche zu errechnen.

Wärmste erste Sommerhälfte seit Aufzeichnungsbeginn

Mitte Juli hat nicht nur der Hochsommermonat, sondern auch der meteorologische Sommer „Halbzeit“ – Gelegenheit, eine kurze Zwischenbilanz zu ziehen.

Mit einer Mitteltemperatur von 19,24 °C an der DWD-Station in Bevern war die erste Sommerhälfte die bisher wärmste der Reihe Holzminden/Bevern seit Aufzeichnungsbeginn 1934. Der bisherige Halbzeitspitzenreiter 2021 hatte es auf 19,15 °C gebracht. Dazu war es mit 420 Stunden ungewöhnlich sonnig, nur 2010 hatte es zur Halbzeit auf einen noch höheren Wert (454 h) gebracht. Beim Niederschlag fällt die Bilanz zwiespältig aus: Zwar fielen immerhin 93,9 mm und damit ein ganzes Stück mehr als in den trockeneren Regionen des Landes, aber erstens dennoch zu wenig gegenüber dem lokalen Klimamittel (43% des Gesamtsommerwertes) und zweitens wird dieser 45-tägige Niederschlag im Wesentlichen von 24 Stunden am 22./23.06. getragen – an weiterhin zu vielen Tagen fällt kein oder kaum Regen. Auch der Juli ist mit bisher nur 12,9 mm viel zu trocken.

Die Rekorde des Gesamtsommers (01.06.-31.08.) stammen aus den Jahren 2003 bei der Mitteltemperatur (19,83 °C), 2022 beim Sonnenschein (785,5 h) und 1956 (436,6 mm) beim Niederschlag, wobei nasse Sommer mit Ausnahme von 2017 mittlerweile rar gesät sind. Der trockenste im Jahr 2018 brachte es auf ganze 64,9 mm – immerhin werden uns solche Dimensionen in diesem Jahr erspart bleiben. Die meisten heißen Tage mit einer Höchsttemperatur von mindestens 30 Grad gab es 2018 mit 29; 2023 sind es bisher fünf, wobei in der zweiten Hälfte im Durchschnitt mehr auftreten als in der ersten – Ausnahmen wie 2021 bestätigen auch hier die Regel, als es nach damals rekordwarmer erster Hälfte keinen heißen Tag mehr gab.

Wie geht es in etwa weiter? Die Wettermodelle zeigen für diese Woche zunächst einen mäßig warm bis warm temperierten Abschnitt mit Höchstwerten zwischen 23 und 25 Grad Celsius, was in etwa dem klimatischen Durchschnitt der letzten 30 Jahre entspricht bzw. geringfügig darunter liegt. Ob es zum Wochenwechsel zu einem kurzen, deutlichen Temperaturanstieg kommt, ist noch unklar, anschließend soll es aber erst einmal gemäßigt weiter gehen. Eine Hitzewelle ist auch in der ersten Woche der Hundstage derzeit nicht in Sicht. Dazu soll es ab Wochenmitte auch mehr Wolken als zuletzt geben, während beim Niederschlag abzuwarten bleibt, ob es bei einzelnen Schauern bleibt oder die Trockenheit etwas nachhaltiger gelindert werden kann. Zumindest für die nächsten sieben Tage ist kaum Regen in Sicht, danach könnte dann auch mal etwas mehr aus den Wolken fallen.

Foto: Annette Mokross

Hochsommerlich und viel Regen dank „Lambert“

Der Juni war auch 2023 sehr warm und außergewöhnlich sonnig

Fotos von Annette Mokross

Erinnert sich noch jemand an die „Schafskälte“? Dieser Begriff beschreibt eine sogenannte Wettersingularität, nach der im Laufe der ersten oder zweiten Junidekade mit späten Kälterückfällen in Mitteleuropa durch eine feuchtkalte Nordwestlage zu rechnen ist. Die Wahrscheinlichkeit dafür lag bis 1990 bei bis zu 70% und ist danach im Zuge des Klimawandels deutlich gesunken. In den letzten Jahren trat sie kaum mehr auf, stattdessen entwickelte sich der Juni in rasantem Tempo vom Früh- zum Hochsommermonat, der regelmäßig die Temperaturen eines durchschnittlichen Julis erreicht oder sogar überbietet – so auch in diesem Jahr. Auch beim Sonnenschein ist er in neue Dimensionen vorgestoßen: wie im Vorjahr fehlten nur zehn Stunden zum erst 2019 aufgestellten Rekord von fast 300 Stunden. Auf Regen mussten Mensch und Natur hingegen erst lange warten, bevor Tief „Lambert“ mit den höchsten 24-Stunden-Summen seit „Alfred“ im Juli 2017 für deutliche Entspannung in Sachen Trockenheit sorgte.

Cumulus- und feine Cirruswolken teilten sich den Himmel bei Ostwind am 15. Juni

Mit einer Monatstemperatur von 18,94 °C lag der Juni 2023 an der DWD-Klimastation in Bevern um 2,3 K über dem Mittelwert von 1991-2020; gegenüber der älteren Norm von 1961-1990 betrug das Plus sogar über 3,3 K. Insgesamt war es der viertwärmste seit Beginn der lokalen Wetteraufzeichnungen. Mit dem regelrechten Sprung ab dem Jahr 2016 und einer weiteren Beschleunigung seit 2019 ist das Junimittel der letzten acht Jahre auf 18,5 °C angewachsen und entspricht nahezu dem des Hochsommermonats Juli. Erstmals war die 18-Grad-Marke vor 20 Jahren, im Rekordsommer 2003, überschritten worden, der zweite Fall trat 2007 auf und seit 2018 blieb nur noch ein Juni (2020) unter 18 Grad. Zusammen mit dem Dezember liegt der Juni damit bei der Erwärmung der letzten zehn Jahre ganz vorn.

Hitze brauchte es dafür in diesem Jahr übrigens so gut wie keine – nur an einem Tag lag der Höchstwert in Bevern knapp über der 30-Grad-Marke. Doch bei der Anzahl der meteorologischen Sommertage von mindestens 25 Grad gab es mit 18 einen neuen Rekord in der gesamten Klimareihe Holzminden/Bevern seit 1934 in einem Juni. Ungewöhnlich kühl blieb es hingegen zum Auftakt: Am 1. wurde mit 15,1 °C das tiefste Monats-Maximum seit 2015 gemessen. Nur der nachfolgende Tag blieb noch unter der 20-Grad-Marke, die anschließende Serie von 28 Tagen darüber bedeutet die Einstellung des Rekords an sogenannten „warmen Tagen“. Infolge des in den ersten zwei Dekaden vorherrschenden Hochdrucks und der Trockenheit kühlte es in den Nächten meist gut aus, in der ersten Woche lagen die Minima noch regelmäßig im einstelligen Bereich. Ganz anders die Nacht zum 19., in der mit 19,6 °C eine Tropennacht nur knapp verfehlt wurde.

An der Wetterstation in Silberborn lag die Monatstemperatur mit 16,93 °C sogar fast 2,6 K über dem Klimawert der Jahre 1991-2020 bzw. 3,6 K über dem Mittel von 1961-1990. Auch im Hochsolling war es der viertwärmste Juni seit Messbeginn. Das Maximum wurde am 20. mit 26,2 °C erreicht und blieb von Hitze weit entfernt, bemerkenswert ist aber der für diesen Standort hohe durchschnittliche Höchstwert von fast 22 Grad. Am kühlsten war auch in Silberborn gleich der Monatsbeginn mit einem Maximum von 12,5 °C und die folgende Nacht mit einem Minimum von 6,2 °C, die wärmste Nacht war auch hier die zum 19. mit minimal 17,9 °C.  Warme Tage mit mindestens 20 Grad Höchstwert wurden ungewöhnlich hohe 23 gezählt, davon fünf meteorologische Sommertage.

Gewitter im Anmarsch am 16. Juni…

Die Analyse der Großwetterlagen über Europa zeigt bis über die Monatsmitte hinaus ausschließlich hochdruckgeprägte Nord- und Ostlagen, die den Wettercharakter – sonnig, trocken, warm, aber nicht heiß – gut erklären. Mit Drehung der Strömung auf Süd auf der Vorderseite eines Tiefdruckkomplexes über Westeuropa wurde ab dem Ende der zweiten Dekade vorübergehend feuchtere Luft nach Mitteleuropa gesteuert, die der anhaltenden Trockenheit durch Tief Lambert mit intensiven flächigen Regenfällen ein Ende setzte. Anschließend konnte sich für ein paar Tage ein Mitteleuropahoch etablieren, das für den wärmsten Tag des Monats sorgte, bevor mit einer nordwestlichen bis westlichen Strömung am Monatsende mäßig warme und erneut feuchtere und wolkenreichere Luft mit einzelnen Regenschauern die Regie übernahm.

… und ein Regenbogen am selben Abend

Durch den kräftigen Regen, der vom Nachmittag des 22. an für 24-Stunden-Summen von gut 60 bis knapp 80 Litern pro Quadratmeter im Landkreis sorgte, fiel die Monatsbilanz an den Messstellen zumindest leicht überdurchschnittlich aus. Auch wenn es zu einzelnen Einsätzen der Feuerwehren kam, blieb der Kreis von einer echten Unwetterlage weitgehend verschont. Die kräftigsten Schauer waren gleich zu Beginn der Regenphase am Donnerstagnachmittag aufgetreten, am Freitag verteilte sich der Regen über viele Stunden. Die lange Trockenheit zuvor hatte die Lage allerdings deutlich angespannt, so dass der Landkreis am Tag vor den Regenfällen eine Verfügung erlassen hatte, die die Entnahme zur Gartenbewässerung eingeschränkt. Diese Verfügung ist laut Internetseite des Kreises weiterhin gültig und sollte auch bei „günstigerem“ Witterungsverlauf unbedingt eingehalten werden. Zwar hat der Regen die Situation im Oberboden bis 25 cm erst einmal deutlich verbessert, in den tieferen Schichten wirken jedoch die langen trockenen Wochen zuvor nach – und mit der nächsten sonnigen und heißen Phase steigt auch die Verdunstung in den oberen Schichten wieder an.

An der Klimastation in Bevern brachte der Juni mit 81,0 mm rund 20% mehr als im Mittel der Jahre 1991-2020, in Silberborn fielen 94 mm, ein Plus von 13%. Am meisten kam in Amelith mit 106,1 mm vom Himmel, dort stauen sich bei süd- und südwestlicher Anströmung die Regenwolken gerne am Solling. Hellental meldete 99 mm, Ottenstein 93,3, Vorwohle 87,1, Lüchtringen 84,8, Holzminden 84,4, Polle 83,5 und Hehlen 77,5 mm.

Die Sonne zeigte sich fast jeden Tag und in Summe 288 Stunden lang

Die Sonnenscheindauer lag mit 288 Stunden genau auf dem Niveau des Vorjahres und nur zehn Stunden unter dem Rekordwert von 2019. Das Mittel der Jahre 1991-2020 wurde damit erneut um fast 90 Stunden oder 44% übertroffen. Nur an einem Tag – gleich am Ersten – zeigte sich die Sonne gar nicht am Himmel, die sonnenscheinreichste Phase gab es zwischen dem 9. und 13. mit 14,5 Stunden im Schnitt pro Tag und insgesamt wurden an zehn Tagen des Monats, also einem Drittel, mehr als 14 Stunden erzielt. Ein Blick auf das andere Ende der Skala in der Historie zeigt zum Beispiel nur 110 Stunden im Juni 1991 und von 1987 bis 1990 drei weitere Exemplare mit um die 120 Stunden – Zahlen aus einer offenbar lange vergangenen Zeit. Und der letzte trübe Juni ist mittlerweile ebenso wie die letzte nennenswerte Schafskälte auch bereits elf Jahre her.

Fast 80 Liter Regen in 24 Stunden

Tief „Lambert“ beendet vorerst die Trockenheit in der Region

Nach dem trockenen Mai hatte sich die Situation in der ersten Junihälfte weiter verschärft: Nur wenige Liter Regen fielen in den ersten Wochen vom Himmel, und auch wenn Hitze bisher ausblieb, sorgte hochsommerliche Wärme zusammen mit viel Sonnenschein (212 Stunden nach zwei Dekaden) für entsprechend starke Verdunstung.

Ab den Nachmittagsstunden des 22. setzte Tief „Lambert“ dem ein vorläufiges Ende: zunächst mit gewittrigem Starkregen, dem noch einige Zeit eher leichte Regenfälle folgten, bevor nach einer mehrstündigen Pause in der Nacht zum Freitag Dauerregen einsetzte, der bis in den Nachmittag einhielt. Dadurch konnten diesmal nicht nur punktuell, sondern flächig hohe Summen von 60-80 Litern pro Quadratmeter gemessen werden, verbreitet die höchsten Mengen in so kurzer Zeit seit Tief „Alfred“ Ende Juli 2017, als bis zu 150 mm in zwei Tagen gemessen wurden: https://wesersollingwetter.com/2017/07/26/tief-alfred-versenkt-den-sommer/

Die Daten der Messstationen im Kreis und seiner unmittelbaren Umgebung, bei denen es sich um 48-Stunden-Summen von Donnerstag 07:50 bis Samstag 07:50 Uhr MESZ handelt, wovon aber fast alles im Zeitraum von Donnerstag ca. 17 Uhr bis Freitag 16 Uhr, also nicht einmal 24 Stunden, zusammen kam und die in etwa dem langjährigen Durchschnitt für den gesamten Juni entsprechen:

Ottenstein (DWD) 79,0 mm
Bodenfelde-Amelith (DWD) 78,7 mm
Lügde-Paenbruch (DWD) 76,8 mm
Höxter-Lüchtringen (DWD) 70,5 mm
Alfeld OT Gerzen (DWD) 69,5 mm
Heinade-Hellental (DWD) 67,2 mm
Holzminden-Silberborn (DTN) 67,2 mm
Hehlen (DWD) 64,3 mm
Polle (DWD) 63,9 mm
Holzminden (privat) 63,3 mm
Eimen-Vorwohle (DWD) 62,9 mm
Bevern (DWD) 61,8 mm






Lokale Überschwemmungen und dennoch zu trocken

Der Mai 2023 brachte viel Sonne und in der Fläche deutlich zu wenig Regen

Fotos von Annette Mokross

Wechselhaftes Wetter dominierte die erste Hälfte des letzten meteorologischen Frühlingsmonats, der gerne auch als „Wonnemonat“ bezeichnet wird. Mal sonnig, mal grau, mal eher kühl und mal mäßig warm – die ersten Wochen verliefen in ruhigem Fahrwasser und brachten auch ausreichend Niederschläge. Doch in der zweiten Hälfte setzte sich hochdruckgeprägte und vor allem sehr trockene Witterung durch, kurz unterbrochen durch lokale Gewitter mit Starkregen am Abend des 22., die gebietsweise für Überschwemmungen sorgten, von denen vor allem ein Streifen von Negenborn bis Stadtoldendorf betroffen war sowie Teile der B64 nach Eschershausen. Aber auch in anderen Orten gab es punktuelle „Volltreffer“, während es nur wenige Kilometer weiter kaum regnete. Fast gar nichts bekam der Solling an diesem Abend ab und auch sonst war es dort in der zweiten Monatshälfte nahezu komplett trocken, so dass die Niederschlagsbilanz in der Fläche ein deutliches Minus aufweist. Dank eines Schlussspurts mit einer Reihe von sehr sonnigen Tagen wurde das Klimamittel bei der Sonnenscheindauer noch übertroffen, die Temperaturen entsprachen nahezu exakt den langjährigen Durchschnittswerten.

Gewitter zogen am Abend des 22. durch den Kreis und brachten stellenweise Starkregen mit,
der zu Überschwemmungen führte, während es andernorts nahezu trocken blieb

Mit einer Monatstemperatur von 13,51 °C machte der Mai 2023 an der DWD-Klimastation in Bevern eine Punktlandung auf dem Mittelwert von 1991-2020; gegenüber der älteren Norm von 1961-1990 gab es ein Plus von 1,0 K. Nach dem letzten warmen Mai und seinen drei (sehr) kühlen Vorgängern erlebte die Region diesmal also Durchschnittskost. Auch die Maxima und Minima waren unauffällig: Am wärmsten wurde es in Bevern am 22. vor den Gewittern mit einem Höchstwert von sommerlichen 27,9 °C, die kälteste Nacht schrammte am 3. mit 0,1 °C denkbar knapp am Luftfrost vorbei. Recht ungewöhnlich war allerdings die hohe Anzahl von kühlen bis kalten Nächten mit Tiefstwerten zwischen null und gut sechs Grad, während es nur in vier Nächten zweistellig blieb. Einen späten Bodenfrost meldete die Beveraner Station am 18. mit einem Wert von -1,2 °C in fünf Zentimetern Höhe über dem Erdboden.

An der Wetterstation in Silberborn lag die Monatstemperatur mit 11,6 °C knapp 0,2 K über dem Klimawert der Jahre 1991-2020 bzw. 1,2 K über dem Mittel von 1961-1990. Am 2. blieb der Höchstwert letztmals einstellig (8,6 °C), am 3. gab es mit -0,7 °C den letzten Luftfrost. Am wärmsten wurde es auch im Hochsolling am 22., als in Silberborn auf rund 430 m Messhöhe ein meteorologischer Sommertag mit 24,9 °C hauchdünn verfehlt wurde. Die Anzahl der Tage mit einem Höchstwert über 20 Grad blieb mit ganzen vier sehr überschaubar. Auch hier gab es viele kühle Nächte, die durchschnittliche Tiefsttemperatur lag mit 6,2 °C aber nur geringfügig unter der im Wesertal in Bevern (6,8 °C), da die Höhenlage eine stärkere Auskühlung häufig verhindert, weil sich die kalte Luft oft nicht so stark wie im Tal sammeln kann, sondern talwärts ausfließt.

Die Vegetation präsentierte sich in frischem, sattem Grün
und zeigte am Monatsende ein frühsommerliches Gesicht

Die Analyse der Großwetterlagen über Europa zeigt eine klare Dominanz von Nord-und Ostlagen. Dabei befand sich eine deutlich positive Druck- und Potenzialanomalie auf dem Nordostatlantik nordwestlich von Irland und manifestierte sich dort in der zweiten Monatshälfte. Im Bodenfeld reichte oft eine Hochdruckbrücke bis nach Nordosteuropa, während der Mittelmeerraum unter Tiefdruckeinfluss stand. Bei einer solchen Anordnung der Druckgebilde haben Tiefs vom Atlantik mit Regen kaum eine Chance, bis nach Mitteleuropa vorzudringen. Entsprechend erklärt sich die fast durchgehend trockene zweite Monatshälfte. Die Luftmassen in der 850-hPa-Fläche (ca. 1.500 m Höhe) waren aufgrund der Anströmung und ihres Ursprungs oft unterkühlt bis maximal mäßig warm; die Ausnahme bildete eine vorübergehende Drehung auf eine feuchtwarme Südostlage zu Beginn der dritten Dekade, die für die teils unwetterartigen Gewitter sorgte. Mit der fast ungehinderten Einstrahlung der kräftigen Maisonne erwärmte sich die Luft am Boden zum Monatsende dann im Tagesverlauf zunehmend, die Nächte blieben aber kühl.

Fiel die Niederschlagsbilanz bis Monatsmitte noch normal aus, gab es in der zweiten Hälfte nur noch 1-3 Regentage im Kreis – und die einzigen größeren Mengen gingen eng begrenzt als Starkregen nieder, der – dies zeigen die Überschwemmungen – nicht in die Bodenschichten eindringen kann, sondern diese teils mitreißt, ansonsten weitgehend oberflächlich abfließt. Während anders als im vergangenen Sommer diesmal zunächst noch ausreichend Feuchte in den tieferen Bodenschichten vorhanden ist, sind die oberen Schichten in den letzten Wochen rasch wieder ausgetrocknet – und die Situation scheint sich bis mindestens Mitte Juni nicht zu ändern: Viel Hochdruck mit Sonnenschein, vielleicht mal Gewitterschauer, aber keinen flächigen Regen zeigen die Wettermodelle übereinstimmend an.

Dort, wo es am Abend des 22. schüttete, wurden die langjährigen Mittelwerte im Mai sogar fast noch erreicht, anderswo lagen die Summen deutlich im Minus. In Bevern, das kaum von der Gewitterlinie betroffen war, fielen 45,4 mm, das sind gut drei Viertel des Klimawerts. Spitzenreiter war diesmal Hehlen mit 68,0 mm, es folgen Polle mit 64,1 und Vorwohle mit 60,6 mm. Lüchtringen und die Holzmindener Südstadt, am Abend des 22. mit je über 20 mm dabei, brachten es auf 54,4 bzw. 56,0 mm und Ottenstein im Nordwesten des Kreises auf genau 50 mm. Deutlich weniger war es trotz des feuchteren Klimas im Solling: Hellental, sonst oft vorn, meldete nur 42,1 mm, und Silberborn sogar lediglich 39 mm – dort fiel nicht einmal die Hälfte der durchschnittlichen Menge.

Die Sonnenscheindauer lag mit gut 244 Stunden am Ende 46 Stunden über dem Mittel der Jahre 1991-2020. Nach langen wechselhaften Phasen etablierte sich zum Monatsende eine sonnenscheinreiche Lage mit fast 80 Stunden in den letzten sechs Tagen. Am 31. wurde erstmals in diesem Jahr die 15-Stunden-Marke geknackt, überhaupt kein Sonnenstrahl schaffte es am 11. durch die geschlossene Wolkendecke. Dieser Tag, im Kalender gern als erster Eisheiliger namens Mamertus geführt, brachte statt Kälte den regenreichsten Tag des Monats an der Station Bevern.

Frühjahr: Fast alles im Durchschnitt

Bleibt der Blick auf die Bilanz des meteorologischen Frühjahrs von März bis Mai: An der Station in Bevern lag die Mitteltemperatur mit 9,42 °C bis aufs Hundertstel genau auf dem Klimamittel von 1991-2020, es fiel mit 177,6 mm geringfügig (11 mm) mehr Regen und auch beim Sonnenschein gab es mit 492 Stunden ein ganz kleines Plus von gut einem Prozent oder fünf Stunden. Der Mai konnte mit seinem Schlussspurt das Minus der Vormonate beim Sonnenschein also noch überkompensieren, während der Trend beim Niederschlag in die andere Richtung weist: Der leichte Überschuss geht auf den nassen März zurück, während April und Mai verbreitet zu trocken waren.

In Silberborn war das Frühjahr mit 7,27 °C minimal kühler als aktuellen 30-Jahres-Mittel (7,4 °C). Nach einem ebenfalls sehr nassen Auftakt in den ersten Wochen brachten April und Mai zusammen nur noch etwa so viel Regen wie der März und verkehrten das deutliche Plus nach dem ersten Drittel noch in ein – wenn auch nur kleines – Minus: 221 mm war hier die Jahreszeitsumme, 3 mm weniger als der aktuelle Klimawert. Dies konnte auch durch ein ganz und gar unmeteorologisches Fundstück am Morgen des 1. Mai nicht ausgeglichen werden, als statt Regentropfen eine Abfallschale mit Ketchupresten im Auffangbehälter des Regenmessers zum Vorschein kam.

Viel Tiefdruck und dennoch wenig Regen

Der April 2023 war kühl und trocken bei durchschnittlicher Sonnenscheindauer

Fotos von Annette Mokross

Blickt man nur auf die Wetterkarten mit den Luftdruckverteilungen, so kommt man fast zwangsläufig zu dem Schluss, dass der April 2023 mehr Regen als gewöhnlich gebracht haben muss. Und tatsächlich war es bundesweit gesehen, also im deutschen Gebietsmittel, nicht nur überdurchschnittlich nass, sondern es wurde sogar der April mit der größten Niederschlagssumme seit immerhin 15 Jahren registriert. Ungewöhnlich an den üblichen regionalen Unterschieden war diesmal, dass sie keinem erkennbaren geographischen oder meteorologischen Muster folgten. So fanden sich umgeben von Landstrichen mit viel Regen solche mit klar unterdurchschnittlichen Mengen, u.a. im Breisgau, in der Vorderpfalz und am Mittelrhein sowie in einem Streifen von Ostwestfalen bis an die Ostseeküste von Mecklenburg-Vorpommern, in dem sich auch der Landkreis Holzminden befand. An den meisten Stationen wurde nur etwa die Hälfte bis zwei Drittel der mittleren Aprilsumme gemessen. Dazu war es oft kühl mit häufigem Bodenfrost und die Sonnenscheindauer lag geringfügig unter dem langjährigen Mittel.

Mit einer Monatstemperatur von 8,44 °C war der April 2023 an der DWD-Klimastation in Bevern um 1,1 K kälter als im Mittel der Jahre 1991-2020. Gegenüber der älteren Norm von 1961-1990 gab es hingegen ein Plus von 0,5 K und im Vergleich zum Vorjahr betrug der Unterschied nur wenige Hundertstel. Damit bestätigte der April erneut die große Spannbreite bei den Temperaturen in den letzten Jahren: Neben einigen frühsommerlich geprägten Exemplaren mit dem vorläufigen Höhepunkt im Jahr 2018 findet sich in jüngster Vergangenheit eine Reihe von eher kühlen Vertretern, die das Mittel der aktuellen Klimaperiode 1991-2020 recht deutlich verfehlten. Das gleitende Zehnjahresmittel ging in den letzten sieben Jahren trotz des 2018er Rekords von seinem Höchststand von 10,0 °C um über 0,6 K zurück. Bevor man allerdings vorschnell eine Abschwächung der Erwärmung oder gar Trendumkehr ableitet, muss man die Anfälligkeit kurzer Betrachtungszeiträume für eher zufällige Witterungsverläufe berücksichtigen. Es gilt hier also abzuwarten, auch wenn manche Klimamodelle für das Frühjahr eine nicht ganz so starke Erwärmung berechnen wie für die anderen Jahreszeiten.

Zurück vom Großen und Ganzen zu den Messwerten vor Ort: Am wärmsten wurde es in Bevern am 22. mit einem Höchstwert von 23,7 °C, einem von nur zwei Tagen über der 20-Grad-Marke und einem von nur sechs Tagen, an denen 15 Grad und mehr erreicht wurden. Das ist eine ungewöhnlich geringe Anzahl, während die Tage mit Bodenfrost mit 15 überdurchschnittlich hoch ausfiel und es selbst am Monatsletzten über dem Erdboden noch einmal unter den Gefrierpunkt ging. Luftfrost gab es an sechs Tagen, zuletzt am 27., der Tiefstwert wurde mit -3,8 °C am 4. April gemessen.

An der Wetterstation in Silberborn fällt die Bilanz bezogen aufs kühlere und feuchtere Sollingklima ähnlich aus. Mit einer Monatstemperatur von 6,2 °C war es im Vergleich zum Mittel der Jahre von 1991-2020 mit einer Abweichung von -1,3 K noch etwas kälter, gegenüber der Periode 1961-1990 gab es ein Plus von 0,4 K. Wärmster Tag war auch hier der 22. mit einem Maximum von 20,7 °C, ansonsten wurde die 15-Grad-Marke nur noch zwei Mal überschritten. Luftfrost gab es an acht Tagen und das Minium lag mit -5,0 °C am 4. im mäßigen Frostbereich. „Echte“ Winterrückfälle mit einer messbaren Schneedecke gab es aber auch auf über 400 m im Hochsolling anders als in den letzten beiden Jahren nicht mehr.

Die Analyse der Großwetterlagen über Europa zeigt wie eingangs erwähnt ein deutliches Übergewicht von Tiefdruck in Mitteleuropa. In der von Nordost- und Ostlagen geprägten ersten Dekade findet sich vom 4.-6. die einzige Hochdruckphase des gesamten Monats. Ab der zweiten Dekade wechselten sich dann Tiefdrucklagen aus West, Südwest, Nordwest und Ost munter ab, wobei ergiebige Niederschläge allerdings einen Bogen um die Region machten. Die höchsten Tagessummen lagen an den meisten der Stationen mit Niederschlagsmessung im Kreis und den angrenzenden Gebieten nur wenig über fünf Millimeter.

Die Monatssumme in Bevern schaffte es nur knapp über die Marke von 30 Millimetern, was einem Minus von fast einem Drittel gegenüber dem Klimawert von 1991-2020 entspricht, der zudem eine trockene Phase des Aprils abbildet. In den Jahren 1961-1990 hatte der Durchschnittswert noch fast 10 mm höher gelegen. Auffällig ist die geringe Zahl von Tagen mit Mengen über einem Millimeter, von denen nur sechs gemessen wurden. In Silberborn waren es davon zwar immerhin zehn, doch mit einer Monatssumme von 36,2 mm wurde das dortige Mittel von 1991-2020 mit nur 60% ebenfalls deutlich verfehlt.

Zur Einordnung der niedrigen Regenmengen muss aber auch betont werden, dass es sich anders als in vielen Jahren zuvor nicht um eine Trockenheit im Frühjahr handelt. Zum einen fielen März und Januar sehr nass aus, zum anderen sorgten niedrige Temperaturen und viele Wolken für eine nur geringe Verdunstung. Somit zeigt der Dürremonitor des Helmholtz-Zentrums für Umweltforschung (UFZ) unter ufz.de derzeit normale Verhältnisse im Oberboden bis 25 cm und nur noch leichte bis moderate Trockenheit im Gesamtboden bis 1,80 m Tiefe an. Vor Ort zeugte Weserhochwasser noch bis weit in den April hinein vom regenreichen März.

Die Monatssummen der weiteren Niederschlagsstationen in der Region lauten: Lüchtringen 23,6, Holzminden 25,0, Eimen-Vorwohle 34,0, Ottenstein 34,2, Hehlen 36,3, Polle und Hellental je 40,2 und Amelith 44,0 mm.

Die Sonnenscheindauer lag mit gut 165 Stunden etwas unter dem Mittel der Jahre 1991-2020 von 172,3 Stunden. Der einzige etwas längere freundliche Abschnitt fiel in die Hochdruckphase ab dem 4. April mit einer Viertagessumme von 41 Stunden. Ansonsten war Unbeständigkeit Trumpf, wie sie dem April ja sprichwörtlich anhängt, und es wechselten sich trübe Tage mit solchen mit einigen Stunden Sonnenschein ab und gelegentlich gesellte sich auch mal ein überwiegend sonniger Tag hinzu. Fast wolkenlos blieb es am Monatsletzten, dem einzigen Tag, an dem die astronomisch und messtechnisch maximale Tagessumme erreicht wurde, die am 30.04. bei immerhin schon 13,5 Stunden liegt. Diese steigt noch rund sechs Wochen Tag für Tag an und erreicht zwischen Mitte Juni und Anfang Juli einen Wert von ca. 15,6 Stunden (mehr lassen die Höhenzüge im Westen nicht zu). Danach geht es dann wieder Schritt für Schritt abwärts bis zur Talsohle Mitte Dezember, wenn nicht einmal mehr acht Stunden am Tag drin sind – die zu jener Jahreszeit aber in der Regel ohnehin kaum einmal erreicht werden.

Ein ungewöhnliches Ereignis spielte sich am Nachthimmel des 24. April ab, als bis über die Landesmitte intensive Polarlichter beobachtet werden konnten, die durch einen starken Sonnensturm verursacht wurden. Leider verwehrten in der Region dichte Wolken den Blick auf das Naturschauspiel.

Der Wind war trotz der häufigen Tiefdrucklagen meist nur mäßig, in Böen frisch unterwegs (Bft. 5-6). Nur an wenigen Tagen mischte sich mal eine Böe mit Bft. 7 darunter, die Spitzenwerte des Monats wurden am 11.04. an den DWD-Stationen in Northeim-Stöckheim mit 75,6 km/h (Bft. 9) und Lügde-Paenbruch mit 73,1 km/h (Bft. 10) gemessen, in Alfeld blieb es dagegen bei 54,4 km/h.