Ein trister Herbstabschluss

Rückblick auf den November 2019 an der DWD-Station Bevern

Dem November eilt ein nur wenig schmeichelhafter Ruf voraus, er steht für graue Tage, wenig Licht und gilt nicht gerade als Stimmungsaufheller in der zunehmend dunklen Jahreszeit. Manchmal tut man dem letzten der drei meteorologischen Herbstmonate damit durchaus Unrecht, denn hin und wieder kann man sich zumindest abschnittsweise an durchaus goldenen Tagen erfreuen, wie es erst im vergangenen Jahr über weite Strecken der ersten Monatshälfte der Fall war. Doch in diesem Jahr entsprach der November geradezu exemplarisch dem Klischee eines freudlosen Gesellen, bei dem sich ein Tag anfühlte wie der andere und man schon ein gutes Timing brauchte, um die wenigen lichten Momente mit etwas Sonnenschein zu erwischen. Vom ohnehin nicht üppigen Mittelwert der Sonnenscheindauer von knapp 45 Stunden erreichte er nur gut drei Viertel, im Schnitt kaum mehr als eine Stunde pro Tag. Dazu fielen trotz regelmäßiger Regenfälle zu Monatsbeginn nur 70% des langjährigen Niederschlags, während die Temperaturbilanz ein leichtes Plus ausweist.

Mit einer Mitteltemperatur von 5,75 °C war der November 2019 an der DWD-Station in Bevern um 0,47 Grad wärmer als im Mittel der Jahre 1981-2010. Gegenüber dem Mittel der letzten 30 Jahre betrug das Plus nur gut ein Zehntel Grad, mit anderen Worten: Der vergangene November entsprach fast genau dem regionalen klimatologischen Durchschnitt seit 1990. Ausreißer nach oben oder unten gab es dabei auch nicht, die erste Nacht war mit -2,4 °C gleich die kälteste und – immerhin das ist dann doch etwas ungewöhnlich – nur einen Tag später wurde mit 15,4 °C der höchste Wert des Monats gemessen. An immerhin sechs Tagen gab es an der Beveraner Station Luftfrost, direkt über dem Erdboden sogar an 14 Tagen, ein wirklich kalter Tag war aber nicht dabei, lag doch der niedrigste Höchstwert immer noch oberhalb der 5-Grad-Marke.

Das Wettergeschehen war fast den gesamten Monat über von Tiefdruckgebieten geprägt. In der ersten Woche nahmen sie von Westen her direkten Kurs auf Mitteleuropa und sorgten für häufige Niederschläge sowie milde Luft. Anschließend zogen sie um Deutschland herum, so dass es trotz tiefen Luftdrucks häufig trocken blieb. Diese niederschlagsarme Phase, überwiegend durch Winde aus südlichen Richtungen geprägt und kurz unterbrochen durch Regenfälle nach Monatsmitte, dauerte bis zum 26.11. an. Anschließend drehte die Strömung zunächst wieder auf West und es wurde noch einmal nass mit recht ergiebigen Regenfällen am 27. und 28., bevor mit einer lebhaften Nordwestwindlage deutlich kältere Luft zum Monatsende herangeführt wurde.  Im Laufe des Freitags (29.) setzte zudem von Westen her deutlicher Druckanstieg ein, der sich am Samstag fortsetzte, so dass sich der November mit einem trockenen Tag und einer frostigen Nacht verabschiedete.

Die Niederschlagssummen an den Stationen im Kreis waren durchweg unterdurchschnittlich. In Bevern kamen 51,6 mm zusammen, das sind fast 22 mm oder knapp 30% weniger als im Mittel der Jahre 1981-2010.

Herbstbilanz

Der meteorologische Herbst 2019 ordnet sich als mild und leicht überdurchschnittlich bei Regen und Sonnenscheindauer in die lokale Klimareihe Bevern/Holzminden ein. Auch wenn spektakuläre Wärmerekorde, wie es sie 2018 an mehreren Tagen gab, diesmal weit entfernt blieben, war es seit Beginn der Messungen 1934 im Schnitt aller drei Monate nur zehnmal noch wärmer. In den letzten drei Jahren hat sich der Herbst auf einem bemerkenswert konstanten Durchschnittsniveau von mal auf- und mal abgerundeten 10,5 °C eingependelt. 2019 waren es 10,49 °C und damit 0,84 °C mehr als im Mittel von 1981-2010. Wie bereits in den letzten Rückblicken ausführlicherer erläutert, schreitet die Erwärmung im Herbst bisher langsamer voran als in den anderen Jahreszeiten. Der letzte Herbst mit (leicht) negativer Abweichung liegt nunmehr aber auch bereits sieben Jahre zurück, der Rekord von 2006 thront allerdings satte 2,3 Grad über dem diesjährigen Wert und wurde bisher nicht annähernd wieder erreicht.

Der nach dem zweiten deutlich zu trockenen Sommer in Folge dringend benötigte Niederschlag fiel nach einem durchschnittlichen September vor allem im sehr nassen Oktober, der das Defizit des Novembers kompensieren konnte und dafür sorgte, dass unterm Strich ein zartes Plus in der Herbstbilanz am Standort Bevern steht. Dort wurden 219,3 mm oder 4,3% mehr als im Schnitt der Jahre 1981-2010 gemessen. Allerdings gilt dies nicht für die gesamte Region: In Silberborn fielen zwar sogar 268,4 mm, doch entspricht dies nur 93% des dortigen höheren Klimamittelwerts. Die Trockenheit in den Wäldern des Sollings ist also erst einmal nur gelindert, aber längst nicht ausgeglichen. Wasser auf Wegen und Feldern zeugt war von einer gut durchnässten oberen Bodenschicht, doch in den tieferen Schichten ist weiterhin noch zu wenig Feuchte vorhanden.

Die Sonne zeigte sich mit rund 280 Stunden etwa fünf Stunden länger als im langjährigen Mittel, der trübe November fiel dabei also nicht so stark ins Gewicht und wurde von den beiden Vormonaten ausgeglichen.

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Einer der wenigen lichten Momente des Monats, aufgenommen am 29.11. am Weserkai in Holzminden:

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Autor: wesersollingwetter

Hobbymeteorologe und Autor des monatlichen Lokalwetterrückblicks im Täglichen Anzeiger Holzminden.

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