Nur fünf Oktober waren noch milder

Rückblick auf den Oktober 2019 an der DWD-Station Bevern

Hand aufs Herz: Hätten Sie vermutet, dass es in der immerhin 85 Jahre langen Geschichte der Wetteraufzeichnungen vor Ort nur fünf Oktober gab, die noch wärmer waren als der diesjährige? Schließlich verlief gleich zu Beginn das Brückenwochenende nach dem Tag der Deutschen Einheit durchaus kühl mit erstem Bodenfrost und zum Monatsende wurden sogar verbreitet die ersten Luftfröste des Herbstes gemessen, während doch der letztjährige Oktober noch eine Reihe von neuen Tagesrekorden mit Werten bis über 27 Grad aufgestellt hatte und gefühlt wie ein Spätsommermonat dahergekommen war. Und dennoch war der zweite meteorologische Herbstmonat 2019 fast ein ganzes Grad wärmer als im Vorjahr. Die Hauptursache dafür lag in vorwiegendem Tiefdruckeinfluss, der neben vielen milden Nächten auch häufige und ergiebige Regenfälle brachte, bevor sich eine ungewöhnlich trockene Phase ab Beginn der dritten Dekade anschloss. Lange Zeit sah es nach einem trüben Monat aus, doch Hoch Oldenburgia sorgte am Ende sogar noch für eine überdurchschnittliche Sonnenscheinbilanz.

Mit einer Mitteltemperatur von 11,63 °C war der Oktober 2019 an der DWD-Station in Bevern um 1,92 Grad wärmer als im Mittel der Jahre 1981-2010. Das scheint auf den ersten Blick in Zeiten eines sich zuletzt offenbar beschleunigenden Klimawandels und der damit einhergehenden Erwärmung nicht besonders viel zu sein, doch die Ausführungen im letzten Rückblick über die bisher vergleichsweise schwache Erwärmung des Septembers gelten noch mehr für den Oktober: Dieser hat sich im Vergleich der WMO-Referenzperiode der Jahre 1961-1990 mit dem Mittelwert von 1991-2018 lediglich um 0,3 Grad erwärmt und damit so wenig wie kein anderer Monat. Auch das ist ein Grund dafür, warum sich in der lokalen Messreihe ab 1934 nur ganze fünf Oktober finden, in denen es noch wärmer war: 2001, 2006, 1995, 2014 und 2017 – somit stammen die sechs wärmsten Oktober alle aus den letzten 25 Jahren und drei davon aus den letzten sechs Jahren.

Ein Streifzug durch den Monat

Trüb, sehr nass mit über 20 mm Regen an der Station in Bevern und dennoch warm mit fast 19 Grad Höchsttemperatur verlief der Einstand des Oktobers. Anschließend wurde es nach und nach kühler, meist war es unter Tiefdruckeinfluss grau und es regnete, mal weniger und mal deutlich mehr. Bis auf ein kurzes Zwischenhoch am 7., das auch den ersten Bodenfrost brachte, hielt diese Witterung bis zum Ende der ersten Dekade an. Anschließend blieb es einige Tage nahezu trocken und die Temperaturen stiegen deutlich auf spätsommerliche Werte an – fast hätte es sogar noch einmal für einen Sommertag in Bevern gereicht.

Einen Leckerbissen für Wetterfans gab es zwei Tage später: Noch lag die Warmluft über uns und brachte noch einmal über 23 Grad in den Niederungen sowie viel Sonne tagsüber. Auch wenn die Temperaturrekorde des Vorjahres ein ganzes Stück höher liegen: 22-24 Grad sind zumindest gegenwärtig zur Oktobermitte weiterhin als ungewöhnlich warm einzustufen. Und diese Wärme wurde in den späten Abendstunden mit Pauken und Trompeten, sprich: Blitz und Donner sowie jeder Menge Regen verabschiedet. Die Kehrseite: In mehreren Orten des Kreises mussten die Einsatzkräfte wegen umgestürzter Bäume und Überschwemmungen ausrücken. Soweit bekannt, blieb es glücklicherweise bei meist leichten Sachschäden. Die Gewitterschauer des Abends und der Regen der Nacht summierten sich auf weitere 22-34 mm in der Region, womit die durchschnittlichen Monatswerte bereits nach 15 Tagen deutlich übertroffen wurden.

Etwas weniger warm, aber immer noch sehr mild verliefen die nachfolgenden zehn Tage. Dabei fiel bis zum 20. weiterer Regen, anschließend blieb es aber bis zum Ende des Monats fast komplett trocken. In Bevern wurden ab Beginn der dritten Dekade noch ganze 0,9 mm gemessen – nur dreimal seit 1934 war es noch weniger. Der insgesamt sehr nasse Monat bestand also zu einem Drittel aus einer außergewöhnlich trockenen Phase – auch daran zeigt sich wieder, dass man nicht allein auf die Monatswerte schauen, sondern auch die einzelnen Tage und Witterungsphasen betrachten muss.

Eine Umstellung auf eine Hochdrucklage mit nordöstlichen Winden sorgte in den letzten Tagen für einen deutlichen Temperaturrückgang und die bis dahin weitgehend vermisste klassische Oktoberstimmung mit Nebel im Flusstal in den Morgen- und Vormittagsstunden. Sonne von früh bis spät für alle nach einer frostigen Nacht brachte schließlich der Feiertag am Reformationstag, entgegen der jahreszeitlichen Entwicklung fiel damit der sonnigste Tag des Monats auf den 31.10., bevor sich pünktlich zum Novemberbeginn wieder Tiefdruck mit Wolken und steigenden Temperaturen durchsetzen konnte.

Dank der sonnigen Phase am Monatsende lag der Oktober in den Niederungen um gut fünf Stunden über seinem Sonnenscheinmittel von 96 Stunden. Beim Niederschlag ging die Entspannung trotz des trockenen letzten Drittels weiter: Mit 97,2 mm wurde der Durchschnittswert der Jahre 1981-2010 in Bevern um fast 50% übertroffen. Auch die anderen Stationen der Region meldeten erfreulich hohe Regenmengen: Lüchtringen 98,1 mm, Holzminden (privat) 99,0 mm, Hellental 108,8 mm, Amelith 109,4 mm, Vorwohle 110,1 mm, Hehlen 119,6 mm und Ottenstein sogar 141,3 mm.  Die Feuchte im Oberboden hat sich nach vier Wochen mit reichlich Niederschlag ab der letzten Septemberwoche normalisiert und auch in den tieferen Bodenschichten hat die Trockenheit deutlich abgenommen. Ob es sich dabei um eine nachhaltige Entspannung handelt, lässt sich aus heutiger Sicht allerdings nicht abschätzen, darüber entscheidet der Witterungsverlauf in den kommenden Monaten.

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Autor: wesersollingwetter

Hobbymeteorologe und Autor des monatlichen Lokalwetterrückblicks im Täglichen Anzeiger Holzminden.

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