Ein wechselhafter und warmer Start in den Sommer

Der Juni 2020 brachte eine Mixtur aus Sonne, Wolken und Regen – und blieb hitzefrei

Vor einem Jahr hatte der erste meteorologische Sommermonat neue Rekorde geschrieben: Mit fast 20 Grad Mitteltemperatur und knapp 300 Sonnenstunden erlebte unsere Region den wärmsten und sonnigsten Juni seit Aufzeichnungsbeginn – große Hitze zum Monatsende inklusive.  Die blieb in diesem Jahr aus, erstmals seit 2012 machte der Juni wieder „Hitzefrei“. Dennoch stand am Ende ein im Vergleich zu den langjährigen Werten warmer bis sehr warmer Monat, in dem sich die Luft aufgrund der oft hohen Feuchte meist noch etwas wärmer anfühlte, sieht man einmal von einer recht kühlen Phase kurz nach Monatsbeginn ab. War das Frühjahr noch vorwiegend von Nord- und Ostlagen geprägt, überwogen im Juni Winde aus südlichen Richtungen. Dazu war es etwas sonniger als im Durchschnitt, während die Niederschlagsbilanz unterschiedlich ausfiel, wobei es im Süden des Kreises mehr regnete als im Norden.

Mit einer Mitteltemperatur von 17,71 °C war es an der DWD-Station in Bevern im Juni 2020 um 1,69 Kelvin wärmer als im Durchschnitt der Jahre 1981-2010. Gegenüber dem in diesem Jahr letztmals gültigen Referenzmittel der Weltmeteorologie-Organisation WMO der Jahre 1961-1990, mittlerweile auch salopp als „old climate“ bezeichnet, betrug die positive Abweichung sogar 2,1 K. Das ab dem kommenden Jahr gültige Mittel der Jahre 1991-2020 liegt für die Klimareihe Bevern/Holzminden bei 16,6 °C – auch dieser jüngste langjährige Durchschnittswert wurde vom aktuellen Juni bereits wieder um 1,1 K übertroffen.

Nun könnte mathematisch korrekt dennoch vom kältesten Juni der letzten fünf Jahre sprechen, denn tatsächlich liegt der 2020er im Kurzzeitvergleich seit 2016 auf dem letzten Platz – aber dies wäre eine sehr spitzfindige und wenig sachgerechte Betrachtungsweise. Und das nicht allein deshalb, weil zwischen dem Juni 2016 und dem diesjährigen nur ein einsames hundertstel Grad Differenz liegt, sondern weil der Blick in den Langfristchart offenbart, dass der Juni in den letzten fünf Jahren einen deutlichen Sprung nach oben gemacht hat. Seither beträgt die Monatsmitteltemperatur an der Station in Bevern durchweg mindestens 17,7 °C – zuvor, von Messbeginn 1934 in Holzminden bis 2015, gab es lediglich vier Junis, die diesen Wert erreichten oder übertrafen. Oder, nochmals salopp formuliert: Der Juni scheint mit Verzögerung auf den Zug der deutlichen Erwärmung aufgesprungen zu sein. Es gilt aber auch hier festzuhalten, dass dies kühle Junis in Zukunft keinesfalls ausschließt, aber die Wahrscheinlichkeit für „zu kalte“ Monate, gerade im Sommer, im Zuge des Klimawandels zunehmend sinkt.

Doch auch ein warmer Sommermonat muss nicht zwangsläufig Hitze mit sich bringen. Hatte es vor einem Jahr in Bevern gleich sechs heiße Tage mit bis zu 35,2 °C gegeben, begnügte sich der aktuelle Juni mit einem Höchstwert von 29,0 °C. Die Anzahl der meteorologischen Sommertage mit mindestens 25 °C lag mit zehn etwas über dem Durchschnitt der letzten 30 Jahre von acht Tagen, der erste davon wurde am 2. Juni gemessen und damit so spät wie seit 2013 nicht mehr. An der Wetterstation im Silberborner Kurgarten auf knapp 430 m Höhe waren es drei Sommertage, der höchste Wert wurde am 13.06. mit 26,4 °C erreicht und die Monatsmitteltemperatur lag mit 15,3 °C um 1,5 K über dem dortigen Mittelwert der Jahre 1981-2010.

Der Streifzug durch die Wetterlagen offenbart die Wechselhaftigkeit des Junis 2020: Es begann mit einer kurzen warmen bis sehr warmen Phase und Sonne satt zu Monatsbeginn. Anschließend stellte sich eine Tiefdrucklage ein, in der die Höchstwerte über mehrere Tage unter der 20-Grad-Marke blieben und die Sonne nur hin und wieder länger zum Vorschein kam. Dazu gesellten sich lokal Starkregen und Graupel. Mit Abschwächung des Tiefdrucks wurde es nachfolgend bis zu Beginn der zweiten Dekade etwas wärmer, der Himmel blieb aber oft wolkenverhangen. Ein kurzer Vorstoß sehr warmer Luft zum Ende der zweiten Woche ließ die Temperaturen für zwei Tage wieder in den sommerlichen Bereich ansteigen,  dieses Intermezzo wurde mit aufziehenden Gewittern am Samstagnachmittag, die aber einen Bogen um den Landkreis machten, schon wieder beendet.

Anschließend stellte sich eine Wetterlage ein, die gerne als „High over Low“ bezeichnet wird, also Hochdruck über dem Norden und südlich davon Tiefdruck. Solche Wetterlagen sind oft von wenig Dynamik gekennzeichnet und können sich daher recht hartnäckig halten. Und so verlief dann die dritte Juniwoche überwiegend nach demselben Schema: Eine Tiefdruckrinne über der Mitte des Landes trennte trockene und sehr warme Sommerluft im Norden und Nordosten von feuchterer und weniger warmer südwestlich davon. Von wirklich kühler Luft kann man dabei nicht sprechen, auch bei uns war die Luftmasse in etwa 1.500 m Höhe meist leicht überdurchschnittlich temperiert, aber durch die starke Bewölkung dieser Tage war es bodennah oft höchstens mäßig warm. Die feuchte Luft unter südöstlichen Winden sorgte dafür, dass es sich meist etwas wärmer anfühlte als tatsächlich gemessen. Innerhalb dieses Abschnitts stellte sich am Donnerstag (18.06.) vorübergehend Dauerregen ein, der von der Natur dankbar aufgenommen wurde. Ein solcher Landregen über Stunden kann viel besser in die Böden eindringen als kurzer Starkregen, der oft oberflächlich abfließt.

Im Laufe des dritten Wochenendes rutschten wir langsam in die Hochdruckzone mit deutlich mehr Sonnenschein bei zunächst noch mäßig warmer Luft. Ab dem 23.06. stellt sich die sommerlichste Phase des Monats mit viel Sonnenschein und einer Erwärmung auf hochsommerliche 26-29 Grad ein, zunächst unter einer östlichen, später südlichen Strömung. Wie schon zwei Wochen zuvor wurde es ab Samstagmittag gewittrig am Himmel, doch auch diesmal reichte es nur für wenige Tropfen im Kreis beim Durchzug einer kleinen Zelle, so dass der Nachmittag nochmals sonnig und sehr warm verlief. Mit dem Übergreifen einer Kaltfront aus Westen vollzog sich zum Monatsende die Umstellung auf eine Westwetterlage mit einem Wechselspiel aus Sonne und Wolken, mäßig warmer Meeresluft und kurzen Regenfällen.

Mit dem Stichwort Regenfälle kommen wir zur Niederschlagsbilanz. Diese fiel wie eingangs erwähnt recht unterschiedlich aus mit einem Gefälle von Süd nach Nord. Solch inhomogene Verteilungen sind in Sommermonaten nicht ungewöhnlich, weil kleinräumige Schauer mit Starkregen für große Unterschiede auf engem Raum sorgen können. An der Station in Bevern wurden 87,1 mm gemessen, das sind immerhin 19 mm oder fast 28% mehr als im Mittel von 1981-2010. In Holzminden waren es privat gemessene 80,4 mm, an der DWD-Station Lüchtringen sogar 101,1 mm – dort schlug ein „Volltreffer“ am 09.06. mit fast 30 mm zu Buche. Im und am Solling wurden in Silberborn 103 mm registriert, rund 17% mehr als im Mittel 1981-2010; in Hellental 95,7 mm und am meisten in Amelith mit 131,1 mm – dieser Wert am Südrand des Sollings ist auch eine Folge der häufigen Winde mit Südkomponente und entsprechendem Wolkenstau. Nach Norden hin nahm die Regenmenge ab, wobei in Vorwohle im Nordosten des Kreises immerhin noch 81,0 mm gemessen wurden, in Hehlen nur noch 63,7 und in Ottenstein 60,6 mm.

Obwohl die Niederschlagssumme beispielsweise am Standort Bevern im ersten Halbjahr mit 391 mm ein leichtes Plus von 20-30 mm gegenüber den Durchschnittswerten aufweist, ist es für eine Entwarnung in Sachen Trockenheit viel zu früh: Einerseits entsteht durch mehr Wärme und Sonnenschein auch mehr Verdunstung, so dass die langjährigen Klimawerte beim Niederschlag mit Vorsicht zu behandeln sind – es kann überdurchschnittlich viel und dennoch zu wenig regnen – andererseits war auch die Bilanz des ersten Halbjahres 2019 unauffällig, bevor Hitze und Trockenheit ab Mitte Juli für weitere große Schäden in den Wäldern der Region sorgten. Auch wenn man es sich auf dem heimischen Balkon oder im Urlaub gern warm, trocken und sonnig wünscht: Regen und niedrigere Temperaturen gegenüber den beiden Vorjahren sind im Sommer ein kostbares Gut geworden.

Die Sonne schließlich schien im Juni rund 217 Stunden lang, das sind 28 Stunden oder 15% mehr als im Mittel der Jahre 1981-2010, zugleich nach 2019 der zweithöchste Wert der letzten zehn Jahre. Erstmals seit 2011 gab es damit wieder drei Monate in Folge mit jeweils mehr als 200 Sonnenstunden, auch damals von April bis Juni. Vor neun Jahren folgte darauf der kühlste und trübste Juli der vergangenen 20 Jahre…

Juni_2020_Übersicht

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Juni_2020_Tm

Juni_2020_Tm_Fortlaufend

Juni_2020_Tx

Juni_2020_Tx_Fortlaufend

Juni_2020_Tx_Rekorde

Juni_1934-2020_TT

Juni_1934-2020_RR

Juni_1951-2020_SSD

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Autor: wesersollingwetter

Hobbymeteorologe und Autor des monatlichen Lokalwetterrückblicks im Täglichen Anzeiger Holzminden.

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