Der Winter schlägt zurück

Das Gerangel zwischen Spätwinter und Frühsommer um die Vorherrschaft in diesem von markanten Gegensätzen geprägten Frühjahr ging zum Ende der ersten Aprilwoche in eine neue Runde: Nachdem erstmals seit Aufzeichnungsbeginn schon im März ein meteorologischer Sommertag an der DWD-Station in Bevern gemessen wurde, setzte der Winter nur wenige Tage später einen eindrucksvollen Konter. Am Morgen des 6. April gab es in Bevern (und nicht nur dort) zum Messtermin um 07:50 Uhr MESZ eine dünne Schneedecke von einem Zentimeter – auch das ist im April schon ein seltenes Ereignis, das es zuletzt vor sechs Jahren gab. Doch 24 Stunden später waren es dann sogar vier Zentimeter – die höchste Aprilschneedecke seit 1984, als am damaligen Standort am Bergblick in Holzminden am 3. April 15 cm gemessen wurden – da spielte der Spätwinter dann doch noch in einer anderen Liga. Aber in der Datenreihe ab 1951 findet sich nur noch eine weitere höhere Schneedecke als am vergangenen Mittwoch: Im Jahr 1975, ebenfalls am 7. gemessen.

Im Hochsolling ist Schnee – auch solcher, der liegenbleibt – im Frühjahr deutlich häufiger zu finden als im Wesertal und dennoch ist es auch dort schon lange her, dass es so spät im Jahr für eine vergleichbare Schneedecke reichte wie in der vergangenen Woche mit vier Tagen in Folge und bis zu neun Zentimetern. Vor 25 Jahren, in den ersten vier Tagen des April 1996, gab es eine fast identische Bilanz, mehr Schnee im April mit elf Zentimetern zuletzt am 05.04.1994. Der späteste Schnee der Sollingreihe bezogen auf die Standorte Neuhaus und Silberborn (ab 1976) wurde übrigens im Mai beobachtet – ein Zentimeter am Morgen des 03.05.1985, nachdem es in jenem Jahr bereits Ende April mehrere Schneedeckentage gegeben hatte. Im oben erwähnten April 1984 lagen in Silberborn bis zu 30 Zentimeter, und auch in der jüngeren Vergangenheit machte der Spätwinter noch einmal nachhaltig auf sich aufmerksam: 2008 gab es zwar nicht ganz so späte, aber doch sehr eindrucksvolle bis zu 28 cm Schnee Ende März. Damals konnte sich die Schneedecke sogar zwölf Tage lang halten, an neun Tagen in Folge lagen mindestens 17, an vier davon mindestens 21 Zentimeter. Und auch die Rekordhöhe wurde nicht im Winter, sondern im Frühjahr gemessen und ist bis heute gültig: 79 cm am 8. und 9. März 1988.

Autor: wesersollingwetter

Hobbymeteorologe und Autor des monatlichen Lokalwetterrückblicks im Täglichen Anzeiger Holzminden.

Kommentar verfassen

Bitte logge dich mit einer dieser Methoden ein, um deinen Kommentar zu veröffentlichen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s