Vom Spätwinter in den Vollfrühling

Der April 2022 präsentierte sich als typischer Übergangsmonat

Weiß und Grün waren die maßgeblichen Farben im zweiten meteorologischen Frühlingsmonat: Rieselten zum Start noch Flocken vom Himmel und sorgten sogar bis in die Niederungen für eine Schneedecke, standen in der zweiten Hälfte die Obstbäume nach und nach in voller Blüte und zeugten davon, dass der Übergang vom Spätwinter in den Vollfrühling (phänologisch markiert durch den Beginn der Apfelblüte) vollzogen war. Gleichzeitig entfaltete sich langsam das erste frische Grün der Laubbäume. Das begleitende Wetter war zunächst deutlich unterkühlt und trüb, am wärmsten und sonnigsten zeigte sich die zweite Dekade und anschließend wurde es apriltypisch wechselhaft. Unterm Strich war blieb es ein Stück kälter als im Schnitt der vergangenen 30 Jahre, während die Niederschlagsbilanz überwiegend positiv ausfiel und sich die Sonnenscheindauer nahe dem klimatologischen Mittel bewegte.

Mit einer Monatstemperatur von 8,47 °C blieb der April 2022 an der DWD-Station in Bevern um gut ein Kelvin unter dem Mittel der Jahre 1991-2020, während die Abweichung zur älteren Periode von 1961-1990 mit +0,5 K leicht positiv ausfiel – diese Zahlen zeigen die starke Erwärmung des Aprils in den letzten 30 Jahren, die allerdings nicht linear, sondern unter deutlichen Schwankungen mit einzelnen markanten Ausreißern nach oben verlief. Vor allem in den vergangenen 15 Jahren zeigte sich dies an den „Aprilsommern“ 2007, 2009, 2011, mit Abstrichen 2014 und vor allem 2018. Dazwischen und danach tummeln sich aber auch eine Reihe durchschnittlicher bis leicht unterkühlter Exemplare und zuletzt war der April 2021 sogar so kalt ausgefallen wie seit 1977 nicht mehr. Die Spreizung allein in den letzten Jahren betrug fast 6,4 K zwischen dem neuen Rekordhalter 2018 mit 13 Grad und dem letztjährigen mit gerade einmal 6,64 °C. Von solchen Ausschlägen blieb der Jahrgang 2022 zwar weit entfernt, dennoch wurde in der Nacht zum 3. mit -5,0 °C eine der tiefsten Temperaturen in einem April in der Zeitreihe Bevern/Holzminden gemessen. Auf der anderen Seite der Skala steht als wärmster Tag der 13. mit einem Höchstwert von 23,9 °C und einem Tagesmittel über 15 Grad.

Temperaturverlauf mit einem Minimum von -5,0 und einem Maximum von 23,9 °C

An der DTN-Unwetterreferenzstation in Silberborn lag die Monatstemperatur mit 6,62 °C um 0,9 K unter dem dortigen Mittel von 1991-2020, gleichbedeutend mit einem Plus von 0,8 K gegenüber dem älteren Klimawert von 1961-1990. Frostig startete der April auch im Hochsolling, in der Nacht zum 3. ging es bis auf -7,4 °C hinab und an den ersten drei Tagen blieb sogar das Tagesmittel negativ. Die Erwärmung kurz vor Monatsmitte fand ihren Höhepunkt am 13.bei einem Maximum von 21,4 °C und einem Tagesmittel von 15,2 °C. Der vorläufig letzte Frost wurde am 11.  mit -2,1 °C gemessen.  

Zum Vergleich die Daten von der 318 m höher gelegenen Station in Silberborn

Bei den Großwetterlagen gestaltete sich die Lage abwechslungsreicher als noch im klar hochdruckdominierten März. Tiefdruck aus Norden, Nordwesten und Westen prägte die erste Dekade mit regelmäßigen, teils ergiebigen Niederschlägen, die zu Monatsbeginn bis in die tiefsten Lagen als Schnee und Schneeregen fielen. Anschließend brachte eine Drehung der Strömung auf Süd den bereits erwähnten deutlichen Temperaturanstieg – wie schon im März begleitet von Staub aus der Sahara.  Zur Monatsmitte stellte sich die Zirkulation auf Ost um – im Norden Europas hatte sich ein blockierendes Hoch breit gemacht und führte trockene, aber auch wieder kühlere Kontinentalluft zu uns. Neun trockene Tage waren die Folge, bevor es unter Rückdrehung auf Nord wechselhafter mit Niederschlägen wurde, die allerdings meist in Form von lokal unterschiedlich stark ausgeprägten Schauern fielen.

Der vorübergehende Vorstoß warmer Luft aus Süden war erneut mit Saharastaub verbunden,
wie dieses Foto von Annette Mokross vom 13.04. zeigt

Diese durch Kaltluft in ca. 5,5 km Höhe und die stärker werdende Sonneneinstrahlung ausgelöste Konvektion sorgte einerseits für das apriltypische Himmelsbild mit schnellem Wechsel aus tiefem Blau mit Sonnenschein und rasch vertikal mächtiger werdenden Quellwolken, andererseits für eine ungleichmäßige Verteilung der Niederschläge mit ihrem schauerartigen Charakter. Exemplarisch hierfür sei der Tagesniederschlag am 29.04. genannt, als an der Weser an der Station in Lüchtringen 6,7 mm gemessen wurden und im Nordosten in Vorwohle nur 0,7 mm.

Insgesamt wurden die langjährigen Mittelwerte beim Niederschlag in der Region weitgehend erreicht oder sogar übertroffen, zumindest was die Klimawerte der aktuellen Periode 1991-2020 angeht, in der der April deutlich trockener geworden ist als er noch 30 Jahre zuvor war – in Bevern zum Beispiel beträgt der Rückgang knapp zehn Millimeter oder fast 20%. Das sieht auf den ersten Blick nicht dramatisch aus, allerdings fällt dieser Rückgang zusammen mit einem deutlichen Temperaturanstieg und einer ebensolchen Zunahme der Sonnenscheindauer, was die hydrologische Bilanz des Aprils deutlich verschlechtert hat. In diesem Jahr hingegen fiel diese besser aus als es häufig in der jüngeren Vergangenheit der Fall war, allerdings gab es zuvor den rekordsonnigen und äußerst trockenen März. Immerhin ein Teil des Defizits konnte nun im April gebietsweise ausgeglichen werden.

Am Standort Bevern, wo seit Sommer 2006 gemessen wird, war es mit 61,1 mm Monatssumme immerhin der zweitnasseste April nach 2008. Das Mittel der Jahre 1991-2020 wurde um gut ein Drittel übertroffen. Noch ein ganzes Stück mehr war es an der privaten Station des Autors im südlichen Stadtgebiet von Holzminden mit 75,5 mm, was auch durch die Radarsummen des DWD untermauert wird. Etwas südwestlich in Lüchtringen fielen fast 20 mm weniger (56,6 mm), den meisten Niederschlag holte wieder einmal der Betreuer in Hellental aus dem Pott – diesmal 81,0 mm. Allerdings ist hier auch das feuchtere Klima auf 270 m am Solling zu berücksichtigen, das umso mehr für Silberborn auf über 400 m gilt, wo die Bilanz mit 60,5 mm allerdings vergleichsweise dünn ausfiel und das dortige Klimamittel (65 mm) nicht erreicht wurde. Polle meldete 58,9, Hehlen 50,9 und Vorwohle 56,5 mm; Schlusslicht war diesmal Ottenstein mit 47,4 mm.

Niederschlag – dahinter verbarg sich im April überwiegend Regen, aber nicht nur. Schon zum zweiten Mal in Folge gab es bis in die Niederungen zumindest einen offiziellen April-Schneedeckentag (definiert als messbarer Schnee von mindestens einem Zentimeter bei mehr als 50% Bedeckungsgrad der Fläche zum Termin um 07:50 Uhr MESZ), im Solling sogar je nach Lage drei bis vier Tage und mit bis zu zehn Zentimetern wurde es dort sogar vorübergehend noch einmal richtig weiß. Kaum weniger war es in Vorwohle mit neun und in Hellental mit acht Zentimetern, Bevern meldete am Morgen des 1. April immerhin drei.

Spätwinterliche Grüße am 1. April ©A. Mokross

Nach dem Rekord vom März schaltete die Sonne im April einen Gang zurück, wobei sich die erste Dekade äußerst trüb präsentierte mit nur rund 16 Stunden nach zehn Tagen, die zweite hingegen unter Hochdruckeinfluss und trockener Luft eine Reihe von sonnenscheinreichen Tagen brachte.  Nach Monatsmitte blieb es sogar für einige Tage fast wolkenlos mit der um diese Zeit astronomisch maximal möglichen Sonnenscheindauer von etwa 13,5 Stunden, wovon aber messtechnisch und standortbedingt nur 12,9 erfasst werden können. Danach wechselten sich sonnige und wolkenreiche Tage ab. Unter dem Strich schien die Sonne mit rund 176 Stunden geringfügig länger als im Mittel von 1991-2020.

Der Wind war meist schwach bis mäßig, zeitweise auffrischend unterwegs. Ausnahmen gab es am 4. mit Böen bis zu Beaufort 8 und vor allem am 7. mit bis zu Stärke 9, der regionale Spitzenwert an diesem Tag wurde an der Windmessstation des DWD am Tünderanger am Südrand von Hameln mit 97,9 km/h (Bft. 10) gemessen.

Autor: wesersollingwetter

Hobbymeteorologe und Autor des monatlichen Lokalwetterrückblicks im Täglichen Anzeiger Holzminden.

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