Der unwahrscheinlichere Fall tritt ein…

Vor gut einer Woche stand als Fazit des Ausblicks für die erste Adventswoche hier zu lesen, dass eine leichte positive Abweichung der Novembermitteltemperatur wahrscheinlicher sei als eine negative. Mit jedem Tag hat sich seither ein Stückchen mehr gezeigt, dass diese Prognose nicht zu halten sein wird, und schon ab Wochenmitte sprach dann sehr viel für eine negative Abweichung. Seit gestern steht nun unverrückbar fest: Der November 2016 bleibt an der DWD-Station Bevern  unter der langjährigen Mitteltemperatur (1961-1990) von 4,9 °C und wird damit als zweiter Monat in Folge „zu kalt“, wie es nach wie vor häufig und unglücklich formuliert wird. „Unter den klimatologischen Mittelwerten“ trifft es besser, da damit anders als mit der Bewertung „zu kalt“ (das trifft natürlich ebenso auf „zu warm“, „zu nass“ etc. zu) die Bezugsgröße nicht zu einem „Sollwert“ erklärt wird, dessen Über- oder Unterschreiten (das ja der Regelfall ist, denn wann wird ein Mittelwert schon einmal genau getroffen) in den Verdacht gerückt wird, etwas „Unnormales“ darzustellen.

Wie auch immer: Viele der vergangenen sieben Tage entwickelten sich weniger warm bzw. kälter als zunächst gedacht. Die sehr milde Luft zu Wochenbeginn konnte sich nicht voll bis in die tiefsten Schichten durchsetzen. Zwar waren die gemessenen Höchstwerte von Sonntag bis Dienstag mit bis zu 13,9 °C für die Jahreszeit ungewöhnlich hoch und auch die Nächte blieben mild, aber statt der ansivisierten knapp 15 Grad am Dienstag wurden es nur 12,5 Grad, während weiter nördlich zum Beispiel um Hannover herum verbreitet über 14 Grad gemessen wurden. Noch deutlicher zeigt der Mittwoch, dass eine Flusstallage im Herbst anfällig für bodennahe Inversionsschichten ist: Bevern erreichte nur noch ein Maximum von 10,9 °C, während an unserer neuen, 318 Meter höher gelegenen Station in Silberborn 13,6 °C erreicht wurden. Die dortigen Messwerte sind übrigens, wie Vergleichsmessungen mit einem Hochpräzisionsthermometer am Freitag zeigten, zum Glück von sehr guter Qualität.

Ein Lehrbeispiel für die deutlichen Unterschiede unseres lokalen Klimas zwischen (Hoch)Solling und Oberwesertal präsentierte dann der gestrige Samstag: Während Holzminden ganztägig unter einer weißlichgrauen Hochnebeldecke lag, zeigte sich in den Sollingortschaften neben einigen Schleierwolken blauer Himmel mit Sonnenschein. Dazwischen lag auf rund 250 m Höhe am Nordwestrand des Sollings teils dichter Bodennebel:

Diese Wetterlage führte mit der vorausgegangenen, zunächst noch klaren Nacht mit leichtem Frost dazu, dass die Tageswerte in den Niederungen kaum über den Gefrierpunkt anstiegen und sowohl in Bevern als auch in Holzminden (dort zum ersten Mal in diesem Herbst) ein negatives Tagesmittel gemessen wurde. Damit blieb dieser erste Adventssonnabend bei den Höchstwerten rund sieben Grad kälter als vor einer Woche angenommen.

Auch wenn diese bodennahe Kaltluftschicht nun aktuell von einer sog. „maskierten Kaltfront“ (kältere Luft fließt dabei in höheren Schichten ein, die an das frontale Geschehen gekoppelte auflebende vertikale Durchmischung der Luftmassen führt aber am Boden zu einem Temperaturanstieg und beseitigt damit die Inversion) ausgeräumt wurde, wird die Monatsmitteltemperatur in den letzten drei Tagen von Montag bis Mittwoch noch ein Stück zurück gehen: Zu Wochenbeginn erwarten uns bei wieder zunehmendem Hochdruck mit Wolkenauflösung kalte Nächte mit Frost, der vor allem in der Nacht zum Dienstag und am Dienstagmorgen auch mäßig ausfallen kann. Somit dürfte der Monat November am Ende eine Mitteltemperatur von 4,4 bis 4,5 °C erreichen und ähnlich wie der Oktober eine Abweichung von ca. -0,4 Kelvin vom langjährigen Mittel aufweisen.

Erst im Laufe des Mittwochs soll uns dann die nächste Front aus Westen mit Wolken, etwas Regen und einem Temperaturanstieg erreichen. Bis dahin dürfen wir uns wohl zumindest auf zwei sonnige Tage am Montag und Dienstag freuen – der Freitag hat ja schon mal vorgemacht, wie das aussieht. Und dann sollte auch im Wesertal Nebel hoffentlich kein Thema sein, da von Osten her trockene Luftmassen einfließen sollen – zumindest, wenn sich das Wetter an die Vorhersagen hält.

Autor: wesersollingwetter

Hobbymeteorologe und Autor des monatlichen Lokalwetterrückblicks im Täglichen Anzeiger Holzminden.

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