Trockener Dezember, trockenes Jahr 2016

Mit einer ungewöhnlichen Hochdruckdominanz im Dezember ging das Wetterjahr in der Weser-Solling-Region zu Ende. Dabei verlief die erste Dekade (siehe Beitrag vom 12.12.2016) kalt und frostig, die zweite dann mild und nach einem etwas kälteren Start in die Weihnachtswoche gab es die wärmsten Tage des Monats zu den Feiertagen, bevor sich am Jahresende wieder eine frostige Phase einstellte. Unterm Strich lag die Monatsmitteltemperatur mit 2,6 °C an der DWD-Station in Bevern genau im Mittel der vergangenen 30 Jahre, während es gegenüber den Klimaperioden mit 0,8 K (1961-1990) und 0,5 K (1981-2010) leicht positive Abweichungen gab. Im Vorjahr hatte sich der erste meteorologische Wintermonat mit einem Mittel von 7,8 °C noch mit deutlichem Vorsprung an die Spitze der wärmsten Dezembermonate katapultiert, den letzten sehr kalten Dezember gab es 2010 und im abgelaufenen Jahr nun also einen bei den Temperaturen völlig unauffälligen Vertreter.

Ungewöhnlich war dagegen die auch im letzten Monat des Jahres sehr geringe Niederschlagssumme. Mit gerade einmal 28,3 mm wurde an der Beveraner DWD-Station lediglich gut ein Drittel der langjährigen Werte registriert, damit blieben acht Monate im Jahr 2016 unter der Klimanorm, sieben sogar deutlich und in der Jahresbilanz steht mit nur 633,9 mm der niedrigste Wert seit 2003. Gegenüber den langjährigen Mittelwerten summierte sich das Defizit auf 20,3% (1961-1990) und sogar 24,5% im Vergleich zur Periode 1981-2010. Zudem gehen die Jahre 2007-2016 als niederschlagsärmster Zehnjahreszeitraum in die seit 1934 bestehende lokale Messreihe ein.

Die spärlichen Niederschläge fielen nicht nur in Bevern auf 110 m, sondern auch im Hochsolling ausschließlich als Regen, so dass der Dezember wie schon 2015 in der gesamten Region ohne Schneefall blieb.

Trotz eines eher kühlen letzten Quartals reichte es erneut für eine Jahresmitteltemperatur im zweistelligen Bereich, nach 10,9 °C im Rekordjahr 2014 und 10,4 °C im Jahr 2015 waren es 2016 in Bevern 10,2 °C, was gleichbedeutend mit dem wärmsten Dreijahreszeitraum seit Aufzeichnungsbeginn 1934 ist. Wärmster Monat war der Juli mit 19,2 °C, die höchste positive Abweichung vom langjährigen Mittel erzielte aber der September, der mit 17,4 °C seinen Rekord von 2006 nur um 0,1 K verfehlte und ein fast durchgängig hochsommerliches Temperaturniveau bescherte.

Dank eines Schlussspurts mit einer wolkenlosen Phase vom 29. Dezember bis zum frühen Nachmittag des Silverstertages übertraf der Dezember sein bescheidenes Sonnenscheinmittel noch deutlich – zumindest in Prozent, während sich die Bilanz in Stunden weniger imposant liest: 46,5 Sonnenstunden stehen in der Monatsbilanz, die langjährigen Mittelwerte liegen bei knapp 31 Stunden (1961-1990) bzw. knapp 34 Stunden (1981-2010). Damit geht das Jahr mit  2016 1.512 Stunden als recht sonnenscheinreich in die Klimareihe ein. Die Mittelwerte sind bei diesem Parameter nur Schätzwerte und liegen bei ca. 1.377 (1961-1990) und 1.452 Stunden (1981-2010). 2015 hatte die Sonne noch rund 20 Stunden länger geschienen. Sonnenscheinreichster Monat war 2016 der Mai mit etwas über 216 Stunden hauchdünn vor dem August (215 Stunden), bezogen auf die Klimawerte und die astronomisch mögliche Sonnenscheindauer ragte aber der September mit fast 199 Stunden heraus.

An unserer neuen privaten Wetterstation in Silberborn auf 428 m ging der erste vollständig erfasste Monat Dezember 2016 mit dieser Bilanz zu Ende: Die Monatsmitteltemperatur betrug 1,2 °C, dies entspricht einer Abweichung von +0,6 K gegenüber dem dort in den Jahren der Kurklimastation von 1983-2008 gemessenen 25-Jahres-Mittel. Am wärmsten war es auch hier am zweiten Weihnachtstag mit 8,2 °C, während der Nikolaustag der kälteste Tag des Monats mit einem Maximum von -2,6 °C und einem Minimum von -8,7 °C war. Schnee suchte man wie bereits erwähnt bis in die höchsten Lagen des Sollings vergeblich, der Niederschlag blieb mit 42,0 mm auch in Silberborn deutlich unter den langjährigen Mittelwerten. Der durchschnittliche Dezemberniederschlag betrug zwischen 1983 und 2007 112,9 mm und wurde bei der Wiederaufnahme der Messungen um fast 63% verfehlt.

Das Jahr 2016 in Bildern:

 

 

Autor: wesersollingwetter

Hobbymeteorologe und Autor des monatlichen Lokalwetterrückblicks im Täglichen Anzeiger Holzminden.

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