Der Juni 2017 im Oberwesertal

Unbeständig auf hohem Temperaturniveau / Zum Ende sehr trüb

Die Bilanz des lokalen Wettergeschehens im Juni 2017 ähnelt stark der des Vorjahres. Dabei waren Monatsmitteltemperaturen und Sonnenscheindauer sogar nahezu identisch, während es beim Niederschlag eine räumlich andere Verteilung und eine geringere Gesamtsumme gab. Dennoch wurde die Trockenheit der vergangenen Monate vorerst beendet. Ein fünftägiger hochsommerlicher, teils heißer Witterungsabschnitt fand mit den Gewittern am Abend des 22. sein Ende, auf einen der heißesten Junitage in der lokalen Messreihe mit fast 34 Grad folgte eine zwar noch mäßig warm temperierte, aber außergewöhnlich trübe letzte Woche.

Mit einer Mitteltemperatur von 17,8 °C war es an der Station des Deutschen Wetterdienstes in Bevern um 1,8 Grad wärmer als im Mittel der Jahre 1981-2010; gegenüber dem älteren Referenzwert der Periode 1961-1990 betrug die Abweichung sogar +2,2 °C. Nur im Rekordsommer 2003 und im Jahr 2007 war es in der seit 1934 bestehenden Messreihe Holzminden/Bevern im Juni noch wärmer; der 17,7 Grad warme Juni 2016 musste seinen dritten Rang aus dem Vorjahr gleich wieder abgegeben.

Deutschlandweit prägten wie schon 2016 sehr große Unterschiede das Bild beim Sonnenschein im Juni, allerdings mit umgekehrtem Vorzeichen: War es vor einem Jahr im Südwesten außergewöhnlich trüb und im Nordosten sehr sonnig gewesen, profitierten diesmal der Südwesten und Süden von der Nähe zum Hochdruck über Westeuropa und dem westlichen Mittelmeer, während der Nordosten und Norden häufiger von Tiefdruck und kälteren Luftmassen über Skandinavien und Nordosteuropa beeinflusst wurde. Unsere Region lag meist im Übergangsbereich zwischen der wolkenreichen und kühleren bis mäßig warmen Luft aus Nordwesten und der sehr warmen bis heißen Luft im Süden.

Nachdem diese Subtropikluft ab dem 18.06. weiter nach Norden ausgreifen konnte und auch bei uns für eine sehr warme bis heiße Phase gesorgt hatte, räumte eine Gewitterfront pünktlich zu Ferienbeginn am 22. nicht nur die hochsommerliche Luftmasse aus, sondern läutete auch einen sehr sonnenscheinarmen Witterungsabschnitt ein, der bis zum Monatsende anhalten sollte. Hatte es bis einschließlich 22.06. 174 Sonnenstunden gegeben, darunter gleich vier mit der maximal messbaren Tagessumme von etwas über 15 Stunden (etwa eine Stunde der zu dieser Jahreszeit astronomisch möglichen Sonnenscheindauer „verschwindet“ auch bei wolkenlosem Wetter durch die Horizonteinschränkungen der umliegenden Höhenzüge), kamen in den letzten acht Tagen nur noch knapp 18 Stunden zusammen, so dass die Monatssumme mit rund 192 Stunden fast genau auf dem Niveau des Vorjahres von 193 Stunden und damit geringfügig über den langjährigen Mittelwerten von 188 bzw. 184 Stunden landete. Der wesentliche Unterschied: War es im Juni 2016 nur nordöstlich etwa einer Linie Bremen-Dresden sonniger als bei uns, stellte das Weserbergland zusammen mir den angrenzenden Gebieten in diesem Juni die sonnenscheinärmste Region Deutschlands.

Mehrere teils kräftige Gewitterschauer sorgten für den Hauptanteil des Monatsniederschlags, der zumindest einen Teil der Trockenheit der vergangenen Monate lindern konnte. Allerdings gab es aufgrund der bei Gewitterlagen üblichen lokal begrenzten stärkeren Intensitäten und fehlendem längeren flächendeckenden Regen entsprechende Unterschiede in den Monatsbilanzen. An der DWD-Station in Bevern, wo es am Abend des 15. Juni einen Volltreffer mit 32,1 mm in nur etwas über zwei Stunden gegeben hatte (gleichbedeutend mit der höchsten Tagesmenge seit Ende Mai 2013), lag die Summe nach 30 Tagen bei 94,5 mm und damit fast 39% über dem Mittelwert der Jahre 1981-2010 und immerhin noch knapp 13% über dem älteren Mittel der Jahre 1961-1990.  In Eimen-Vorwohle im Nordosten des Kreises lag die Monatssumme mit 93,0 mm ähnlich hoch wie in Bevern, während weiter westlich in Ottenstein mit 68,5 mm und in Höxter-Lüchtringen mit 69,7 mm rund ein Viertel weniger Regen registriert wurde. Dort bilanziert der Juni 2017 gegenüber dem Mittel der Jahre 1981-2010 ausgeglichen und gegenüber 1961-1990 erneut zu trocken.

Insgesamt zeigte sich auch im ersten Sommermonat 2017 die schon im letzten Sommer auffällige Tendenz zu deutlich positiven Temperaturanomalien bei nur etwa durchschnittlicher Sonnenscheindauer. Mit anderen Worten: Mit der Zunahme an Wärme bzw. dem Rückgang kühler Phasen (auch 2017 blieb die Schafskälte aus) ist kein vergleichbarer Zuwachs von „Schönwetterphasen“ verbunden – auch in Zeiten des Klimawandels bleibt die Unbeständigkeit und Wechselhaftigkeit unserer Sommer eine feste Konstante.

Daten der Station Bevern (Betreiber: DWD, 110 m über NN, Datenbasis: DWD, teilweise bearbeitet):

Monatsmitteltemperatur: 17,8 °C (+2,2 K gegenüber dem Mittel 1961-1990 / +1,8 K gegenüber dem Mittel 1981-2010)
Maximummittel: 23,6 °C
Minimummittel: 12,0 °C
Minimummittel 5 cm: 10,7 °C
Maximum: 33,8 °C am 22.06.
Niedrigstes Maximum: 16,9 °C am 07.06.
Minimum: 7,3 °C am 01.06.
Höchstes Minimum: 16,8°C am 23.06.
Höchstes Tagesmittel: 22,9°C am 22.06.
Niedrigstes Tagesmittel: 12,7 °C am 07.06.
Bodenfrosttage: 0
Sommertage: 9
Heiße Tage: 2
Sehr warme Tage (Tmax 27-29 °C): 5
Warme Tage (Tmax  24-26 °C): 6
Mäßig warme Tage (Tmax 21 bis 23°C): 11
Kühle Tage (Tmax 17 bis 20 °C): 5
Sehr kühle Tage (Tmax <17 °C): 1

Niederschlagssumme: 94,5 mm (112,9% vom Mittel 1961-1990 / 138,8% vom Mittel 1981-2010)
Höchste Tagessumme (07:50 Uhr bis 07:50 Uhr MESZ Folgetag): 32,1 mm am 15.06.
Tage mit messbarem Niederschlag: 16
Tage ohne Niederschlag: 13

Sonnenscheindauer (interpoliert): 191,8 Stunden (104,4% vom Mittel 1961-1990 / 102,1% vom Mittel 1981-2010)
Maximum: 15,5 Stunden am 14.06.
Heitere Tage (>= 13 h): 4
Trübe Tage (<= 1 h): 3
davon ohne Sonnenschein: 1

Die Entwicklung der Junitemperatur der Zeitreihe Bevern/Holzminden:

Juni1934_2017

Die  Junitemperaturen seit Bestehen der Station Bevern:

Juni2007_2017

 

 

Autor: wesersollingwetter

Hobbymeteorologe und Autor des monatlichen Lokalwetterrückblicks im Täglichen Anzeiger Holzminden.

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