Monatsbilanz Juli 2017: Regenrekorde und nur wenig Sonnenschein

Schon in den ersten drei Wochen hatte sich der Juli mit vielen Niederschlagstagen, teils mit kräftigem Starkregen wie am Mittag des 10., als überdurchschnittlich nass präsentiert. Doch der Höhepunkt stand der Region in Form einer historischen Dauerregenlage ab dem 24. erst noch bevor: Über zwei Tage hielten die Wassermassen von Tief „Alfred“ die Einsatzkräfte im Landkreis in Atem und beherrschten die lokale Berichterstattung. Am Ende standen neben vollgelaufenen Kellern, über die Ufer getretenen Bächen und überfluteten und teils unterspülten Straßen neue Niederschlagsrekorde an mehreren Messstellen des Deutschen Wetterdienstes – sowohl bei den 48-Stunden-Werten als auch bei den Monatssummen. Auch die Anzahl der Regentage fiel mit 24 stark überdurchschnittlich aus. Die Sonne zeigte sich entsprechend der Tiefdruckdominanz deutlich weniger als im langjährigen Mittel, während die Temperaturbilanz unauffällig ausfiel und angesichts der vorherrschenden Witterung sogar noch als überraschend warm einzustufen ist.

Die an der DWD-Station in Bevern gemessene Monatstemperatur von 18,4 °C entsprach exakt dem Mittelwert der vergangenen 30 Jahre. Im Vergleich zum Klimamittel von 1981-2010 war es mit 0,2 Grad minimal wärmer und gegenüber dem älteren und deutlich niedrigeren WMO-Referenzmittel der Periode von 1961-1990 fiel die Abweichung mit 1,3 °C entsprechend höher aus. An der privaten Hochsolling-Station in Silberborn lag die Monatstemperatur bei 16,1 °C und damit um 0,1 bzw. 1,2 Grad über den dortigen 30-Jahres-Mittelwerten.

Nach kühlem Beginn stellte sich eine erste warme Phase ab dem 5. ein, die mit den markanten Niederschlägen am 10. und 12. ihr Ende fand. Ein zweiter hochsommerlich temperierter Abschnitt folgte für weitere fünf Tage ab dem 18. mit dem einzigen heißen Tag des Monats mit 32,3 °C Höchsttemperatur in Bevern am 19. Diese Vorderseitenlage des Großwetterlagentyps „Tief Großbritannien“ mit aus Südwesten herangeführter schwülwarmer und feuchter Luft bildete sozusagen die Brutstätte für Tief „Alfred“, das unsere Region, aber auch die angrenzenden Gebiete Richtung Hannover, Hildesheim und Harz mit über 48stündigem Dauerregen unter Wasser setzte und aufgrund der Niederschlagsabkühlung der Luft auch für die beiden kältesten Tage des Monats mit Höchstwerten nur knapp über 15 Grad sorgte. Zum Monatsende polierten dann zwei sehr warme und überwiegend freundliche Tage die Bilanz noch ein Stück auf.

Die Sonnenscheinsumme lag mit nur rund 163 Stunden deutlich unter den langjährigen Mittelwerten von 200 Stunden (1981-2010) bzw. 183 Stunden (1961-1990). Nur fünfmal zeigte sich die Sonne in den vergangenen 30 Jahren im Juli noch weniger, vom markanten Tiefpunkt des Jahres 2000 mit gerade einmal 85 Stunden (!) blieben wir aber weit entfernt. Aufgrund der Tiefdruckdominanz wurde lediglich am 18. ein heiterer Tag (im Juli definiert mit einer Sonnenscheindauer von mindestens zwölf Stunden) registriert und einen zusammenhängenden „Schönwetterabschnitt“ mit mehreren trockenen, sonnigen und warmen Tagen in Folge gab es zum Leidwesen nicht nur der Freibadbetreiber während der gesamten Schulferien in Niedersachsen in den sechs Wochen ab dem 22. Juni überhaupt nicht. Auch im wechselhaften Klima Mitteleuropas eine außergewöhnliche Bilanz, die selbst erfahrene Meteorologen in Erstaunen versetzte.

Im Fokus des Monats standen natürlich Tief „Alfred“ und die Wassermassen, die es der Region am 24. und 25. hinterließ. Die Monatssummen markierten sowohl in Bevern mit 209,9 mm als auch in Vorwohle mit 248,8 mm neue Rekorde und tilgten die bisherigen Spitzenwerte aus den Jahren 1956 bzw. 1954. Im Hochsolling hingegen bleibt der Rekord aus dem Juli 1954 unangetastet: Der DWD unterhielt damals zwei Stationen in Torfhaus auf 491 m und in Schießhaus auf 395 m, an beiden wurde der in diesem Juli in Silberborn gemessene Wert von 264,2 mm damals mit 308,6 mm (Torfhaus) bzw. 271,1 mm (Schießhaus) noch übertroffen. Siehe dazu auch: Tief Alfred versenkt den Sommer

Zu einem neuen Sommerrekordwert fehlen übrigens zum Beispiel in Bevern noch 132,2 mm, die der letzte meteorologische Sommermonat August beisteuern müsste – der Wunsch danach dürfte bei den meisten Bewohnern der Region aber wohl eher gering ausgeprägt sein…

Daten der Station Bevern (Betreiber: DWD, 110 m über NN, Datenbasis: DWD, teilweise bearbeitet):

Monatsmitteltemperatur: 18,4 °C
(0,0 K vs. gleitendes 30-Jahres-Mittel, +0,2 K vs. 1981-2010, +1,3 K vs. 1961-1990)
Tmax-Mittel 23,7 °C
Tmax 32,3 °C am 19.07.
Tmin-Mittel 13,4 °C
Tmin 9,3 °C am 13.07.
Tmin-Mittel 5 cm: 12,3 °C
Tmin 5 cm: 7,6 °C am 13.07.
Heiße Tage: 1
Sommertage: 13
Kühle Tage: 7

RR: 209,9 mm (281,4% vom Mittel 81-10; 283,6% vom Mittel 61-90) – neuer Julirekord –
Tagesmaximum: 60,8 mm am 24.07.
Tage mit messbarem Niederschlag: 24
Trockene Tage: 6
Gewittertage: 3

SSD: 163,2 h (81,4% vom Mittel 81-10; 89,4% vom Mittel 61-90)
Maximum: 14,7 h am 18.07.
Heitere Tage: 1
Trübe Tage: 6
Davon ohne Sonnenschein: 3

Juli2017_TemperaturJuli2017_RR+SSDJuli 1934_2017_RRJuli 1934_2017_TTJuli 2006_2017_TTCollage_Juli_2017

Autor: wesersollingwetter

Hobbymeteorologe und Autor des monatlichen Lokalwetterrückblicks im Täglichen Anzeiger Holzminden.

4 Kommentare zu „Monatsbilanz Juli 2017: Regenrekorde und nur wenig Sonnenschein“

  1. Nachdem Wetter-Ereignissvollen Juli 2017, wo es auch in NRW gute Gewitter- und Starkregenlagen gab, scheint der August 2017 mit herbstlichen Erscheinungen daherkommen zu wollen. Die Modelle GFS und ECMWF deuten bei leichter positiver NAO und vielen Westlagen kaum auf Sommerwetter hin, die wärmeren Abschnitte reichen daher nur für den Süden und Osten Deutschlands aus. Eine Ostlage mit Sommerwetter gab es diesen Sommer noch nicht, und ist auch nicht absehbar.
    Nun stellt sich die Frage, ob die positive NAO bis weit in den Herbst 2017 reicht und quasi ein Kontrast-Programm zum Herbst 2016 einleitet mit West- und Sturmlagen ?

    Gruss Johannes.von.Nepomuk

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    1. Danke für die Ergänzung.
      Ja, die Abwesenheit einer GWL Ost, also Hoch Fennoskandien, ist nicht nur in diesem Sommer auffällig,
      aber dass sie gar nicht aufritt, ist dann schon ziemlich ungewöhnlich. So verblieben wir wohl tatsächlich bis zum Ende des Sommers im Wechsel aus meist zyklonalen Westlagen, Trogvorderseiten und abgetropften Höhentiefs über Mitteleuropa. Es fehlt nicht nur die Ostlage, auch die GWL HM oder auch Südwest- und Südlagen in der antizyklonalen Variante sind nicht mit dabei.

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  2. @wesersollingwetter Laut der Veröffentlichung «Witterungsreport Express» des DWD gab es die GWL Hoch Nordmeer-Fennoskandien vom 18.7.-20.7., jedoch in zyklonaler Ausprägung.
    Die GWL HM gab es allerdings sehr wohl schon, und zwar vom 8.6.-14.6. sowie 18.6.-21.6., dazwischen und danach auch eine mehrtägige antizyklonale NW- bzw. W-Lage. Die Südwestlage der letzten beiden Juiltage (30./31.7.) war jedoch zyklonal geprägt. Das sind die Angaben der subjektiven WLK-Einstufung, die der objektiven Klassifikation sehen etwas anders aus: http://www.dwd.de/DE/leistungen/wetterlagenklassifikation/wetterlagenklassifikation.html
    Der Juli 2017 ist dort leider noch nicht vorhanden, die Juni-Klassifikation sieht so aus: http://www.dwd.de/DE/leistungen/wetterlagenklassifikation/abruf_wlktabelle.html?nn=16102&lsbId=375412

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    1. Dieser DWD-Einschätzung ist mMn deutlich zu widersprechen: bei einer GWL HNFz sollte definitionsgemäß
      eine Ostlage vorliegen, tatsächlich erfolgte aber zu dieser Zeit (18.-20.07.) ein recht markanter Warmluftvorstoß aus
      Südsüdwest, so dass ich mich mit der Einstufung von Fabienne Murisets Wetterlagenkalender
      deutlich besser anfreunden kann: 16.-18.07. BM, 19.-23.07. TB, anschließend das TM namens Alfred.
      Die Abwesenheit der GWL HM sowie antizyklonaer GWL Südwest und Süd bezog sich nur auf den Juli und auf die bisher vorliegenden Erkenntnisse und Aussichten für den August, der Juni hatte ja in den ersten gut drei Wochen ja noch überwiegend auf der antizyklonalen Seite gespielt.

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