Der Januar 2018 im Oberwesertal: Hochwasser, Orkan und kaum Frost

Der Januar 2018 geht als außergewöhnlich milder, sehr nasser und extrem sonnenscheinarmer Monat in die Klimastatistik ein. Dazu gab es erneut kaum Schnee,
die Schlagzeilen beherrschten zunächst das Hochwasser und Sturm Burglind zu Monatsbeginn, bevor auf den Tag genau elf Jahre nach Kyrril am 18.01. mit Friederike wieder ein Winterorkan über die Region hinwegfegte.

Die Monatsmitteltemperatur an der DWD-Station in Bevern lag mit 4,5 °C um 3,2 Grad über dem Mittel der Periode 1981-2010. Damit war es in der Zeitreihe Bevern/Holzminden mit Monatswerten ab 1935 zusammen mit 1944 der sechstwärmste Januar, noch milder war es nur in den Jahren 1975, 1983, 1988, 2007 und 2008. Das Maximum der Temperatur wurde am 24. mit 12,4 °C erreicht (zugleich neuer Tagesrekord), insgesamt gab es sechs Tage mit einem Höchstwert von mindestens 10,0 °C, allein fünf davon fielen in die letzte Dekade, die mit einer Mitteltemperatur von 6,0 °C einen neuen Wärmerekord aufstellte. Außergewöhnlich niedrig war die Anzahl der Frosttage mit ganzen fünf an der Zahl, weniger gab es lediglich in den Jahren 1975 und 1988 mit je drei; der Tiefstwert des Monats lag mit -1,8 °C so hoch wie selten zuvor. Besonders auffällig ist die Kältesumme, bei der man zur Beurteilung der Strenge eines Winters alle negativen Tagesmittel ab dem 01.11. addiert: Diese lag auch per 31.01. immer noch bei 0,0 – ein bislang einmaliger Vorgang seit Messbeginn.

Die Niederschlagsmenge betrug in Bevern 108,7 mm und lag damit um 37% über dem langjährigen Mittel. Die starken Regenfälle zu Monatsbeginn sorgten für Hochwasser an der Weser und immer mehr aufgeweichte Böden, die den Baumwurzeln kaum noch Halt geben konnten, was trotz einer längeren trockenen Phase bis Monatsmitte seinen Teil zur Schadensbilanz des Orkans Friederike beitrug.

Eine Schneedecke gab es in Bevern, stellvertretend für vergleichbare Höhenlagen unserer Region, lediglich an zwei Tagen mit vier bzw. zwei Zentimetern am 21. und 22.01., damit war es in den Niederungen der fünfte schneearme Januar in Folge.

Über das weitgehende Verschwinden des Sonnenscheins wurde mittlerweile auch überregional mehrfach berichtet und die extreme Trübnis der vergangenen Monate setzte sich bei uns auch im Januar fort: Mit nur 19,6 Sonnenstunden wurden nicht einmal 44% des Klimamittels der Jahre 1981-2010 erreicht und in Summe brachten es die Monate November 2017 bis Januar 2018 auf gerade einmal 50 Stunden Sonnenschein – dieser Dreimonatszeitraum war damit der sonnenscheinärmste seit Messbeginn. Zum Vergleich: Allein im Januar 2017 schien die Sonne 18 Stunden länger als im zurückliegenden Vierteljahr.

Mit Burglind am 3. und Friederike am 18.01. gab es zwei ausgeprägte Winterstürme, wobei letzterer über der nördlichen Mitte Deutschlands und damit auch in unserer Region volle Orkanstärke selbst in tieferen Lagen erreichte. So meldete der Flugplatz Höxter-Holzminden Spitzengeschwindigkeiten von bis zu 126 km/h, die Station des privaten Wetterdienstes meteogroup in Beverungen-Drenke gar bis 144 km/h. Damit war Friederike bei uns der stärkste Sturm nach Kyrill vor elf Jahren, der allerdings noch deutlich länger gewütet und im Solling rund eine halbe Million Festmeter Holz gefällt hatte. Ganz so verheerend fiel die Bilanz von Friederike nicht aus, aber auch deren Schäden sind nach ersten Schätzungen mit rund 300.000 gefallenen Festmetern immens.

Daten der Station Bevern (Betreiber: DWD, 110 m über NN, ID 2323, Datenbasis: DWD, teilweise bearbeitet, Sonnenscheinwerte interpoliert) – Januar 2018:

Monatsmitteltemperatur: 4,5 °C
(+2,6 K vs. gleitendes 30-Jahres-Mittel, +3,2 K vs. 1981-2010, +4,1 K vs. 1961-1990, +3,7 K vs. Gesamtreihe 1935-2018)
Höchstes Tagesmittel 10,1 °C am 24.01.
Tiefstes Tagesmittel: 0,8 °C am 21.01.
Tmax-Mittel: 6,9 °C
Tmax: 12,4 °C am 24.01.  -neuer Tagesrekord-
Tmin-Mittel: 2,1 °C
Tmin: -1,8°C am 15.01.
Tmin-Mittel 5 cm: 0,5 °C
Tmin 5 cm: -4,7 °C am 15.01.
Frosttage: 5
Eistage: 0
Tage mit Bodenfrost: 15
Kältesumme: 0
Besonderes Vorkommnis: Neue Rekordmitteltemperatur in der 3. Dekade mit 6,0 °C

RR: 108,7 mm (137,3% vom Mittel 1981-2010, 160,8% vom Mittel 1961-1990)
Maximum: 13,9 mm am 03.01.
Tage mit messbarem Niederschlag: 22
Trockene Tage: 9
Schneedeckentage: 2
Max. Gesamtschneehöhe: 4 cm am 21.01.

SSD: 19,6 h (43,8% vom Mittel 1981-2010, 52,9% vom Mittel 1961-1990)
Maximum: 3,5 h am 29.12.

Sonnenscheinreiche Tage: 0
Trübe Tage: 24
Davon ohne Sonnenschein: 14

Januar_2018_TTJanuar_2018_RR+SSD

Januar 1935-2018 Temp

Autor: wesersollingwetter

Hobbymeteorologe und Autor des monatlichen Lokalwetterrückblicks im Täglichen Anzeiger Holzminden.

Ein Gedanke zu „Der Januar 2018 im Oberwesertal: Hochwasser, Orkan und kaum Frost“

  1. Die beiden Stürme im Januar waren auch in NRW sehr heftig. Der erste Sturm „Burglind“ brachte mit einer Kaltfront starke Graupelgewitter und orkanartige Böen, teilweise Orkanböen in Südwestfalen. Die Feuerwehr rückte 1.500 mal aus, zudem auch wegen Hochwasser welches sich seit Mitte Dezember 2017 bis zum 7.01.2018 lange halten konnte.

    Die stürmische Westlage ab dem 15.01.2018 war ebenfalls sehr turbulent mit teils heftigen Schnee- und Graupelgewittern. Am 16.01.2018 brachten eine Graupelgewitterfront sogar Sturmböen und in den umliegenden Kreisen orkanartige Böen und einen Tornado in Lippstadt !
    Weitere heftige Schnee-Gewitter mit der Kalamität von Sommer-Gewittern zogen in den Frühstunden des 17.01.2018 über NRW !
    Bevor am 18.01.2018 der Orkan „Friederike“ in NRW verbreitet orkanartige Böen/Orkanböen von 100 bis 120 Km/h, und vom Niederrhein über das Münsterland/Ruhrgebiet bis nach Ostwestfalen verbreitet Orkanböen um 130 Km/h brachte !

    – Beverungen-Drenke 144 Km/h
    – Kahler Asten 143 Km/h
    – Issum 133 Km/h
    – Unna 132 Km/h
    – Borken 131 Km/h
    – Münster 126 Km/h
    – Wuppertal 126 km/h
    – Steinfurt 122 Km/h
    – Düsseldorf 117 Km/h

    Damit war Friederike in Nord-NRW deutlich stärker als Kyrill ! Die Schäden waren diesmal ähnlich. Von der Stärke ist Friederike in NRW zu vergleichen mit Quimburga 1972, Daria 1990, Vivian 1990 und Kyrill 2007 und ist so einer der stärksten Stürme der letzten 50 Jahre in NRW !
    Die Feuerwehr in NRW rückte über 22.000 mal aus !

    Noch ein Wort zur Sturmsaison 2017/2018: Die Stürme Sebastian, Xavier, Herwart, Burglind und Friederike haben große Schäden in Deutschland und Europa hinterlassen. Damit übertrifft die Sturmsaison 2017/2018 sogar die von 2006/2007 und somit die stärkste seit 1999/2000 !

    Gruss Johannes.von.Nepomuk

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