Sommer, Sonne, Hitze, Dürre: Ein Sommermonat der Extreme

Rückblick auf den Juli 2018 im Oberwesertal

Ein weiterer Monat für die lokalen Wettergeschichtsbücher liegt hinter uns: Der Juli 2018 brachte nicht nur die längste bisher in einem Juli beobachtete Hitzewelle und weit über 300 Stunden Sonnenschein, sondern bezogen auf die Klimareihe Bevern/Holzminden auch die geringste Regenmenge seit Messbeginn 1934. Der zweite meteorologische Sommermonat präsentierte sich damit in markantem Kontrast zum Vorjahr, als Rekordregenfälle die Schlagzeilen beherrschten und die Sonne sich kaum mehr als halb so lang am Himmel zeigte wie in diesem Jahr. Die seit April andauernde Wärmeanomalie ist regional wie bundesweit ohne Beispiel, es ist mit Abstand der wärmste Viermonatsabschnitt von April bis Juli seit Beginn der flächendeckenden Wetterbeobachtungen im Jahr 1881.

Mit einer Mitteltemperatur von 21,0 °C war der Juli 2018 an der Station des Deutschen Wetterdienstes in Bevern um 2,8 Grad wärmer als im Mittel der Jahre 1981-2010. Nur 2006 und 1994 war es im Juli noch wärmer. Auch die Anzahl der meteorologischen Sommertage mit mindestens 25 °C Höchsttemperatur lag mit 23 deutlich über dem Durchschnitt und wurde ebenfalls nur 2006 (28) und 1994 (25) übertroffen. Bei den heißen Tagen mit einem Maximum von mindestens 30 °C wurde der 2006er-Rekord (15) nur um einen Tag verfehlt und noch nie zuvor gab es in einem Juli eine Serie von neun heißen Tagen am Stück, wie sie vom 23. bis 31. auftraten. An den beiden letzten Tagen des Monats wurden neue Tagesrekorde aufgestellt und am 31. das bisherige Jahresmaximum von 35,2 °C gemessen.

Der Monatsverlauf lässt sich in zwei Hälften unterteilen: Die erste begann unter Hochdruckeinfluss und trockenem Nordostwind sehr sonnig, bevor die Strömung auf Nordwest drehte und zum Ende der ersten Dekade wolkenreiche Nordseeluft heranführte, die am 10. die einzigen etwas ergiebigeren Regenfälle des Monats im Gepäck hatte und Temperaturen in Bevern nur auf etwas über 16 Grad ansteigen ließ. In Silberborn war es mit Höchstwerten von 12-14 Grad am 10. und 11. sogar ausgesprochen kühl. Anschließend konnte sich erneut sonniges Hochdruckwetter durchsetzen, wobei die Temperaturen zunächst tagsüber im angenehm sommerlichen Bereich um 25 Grad lagen und es nachts deutlich abkühlte auf teils unter zehn Grad. Bis zum 15. lagen die Temperaturen in der Region im unauffälligen Bereich genau auf dem Niveau des Klimamittels der Jahre 1981-2010.

Nach Monatsmitte konnte sich der hohe Luftdruck weiter nach Norden ausdehnen, Mitteleuropa lag nun wieder häufiger in einer östlichen Strömung und die Temperaturen stiegen deutlich an auf Höchstwerte von regelmäßig 30 Grad und mehr. Die sonst oft im Hochsommer bei heißen Lagen auftretenden Gewitter blieben weitgehend aus und streiften die Region lediglich am letzten Samstag des Monats. Der nächtliche Temperaturrückgang fiel zum Monatsende zunehmend schwächer aus, die Nacht zum 28 war sogar tropisch mit einem Tiefstwert von über 20 Grad – ein in Bevern sehr seltenes Ereignis. Ein Luftmassenwechsel mit Abkühlung ließ auch zum Monatswechsel weiter auf sich warten, da uns atlantische Tiefausläufer wie schon seit Monaten nicht erreichen konnten: Die blockierende Großwetterlage regenerierte sich immer wieder und verhinderte einen Durchbruch der Westströmung, die häufig das wechselhafte Sommerklima in Deutschland prägt.

Trockenster Juli seit Messbeginn

Am deutlichsten zeigen sich die Auswirkungen dieser anhaltenden Hochdruckdominanz beim Blick auf die Niederschlagsbilanz: Nur ein Jahr nach dem nassesten Juli seit Messbeginn 1934 mit 209,9 mm Regen folgte in der Reihe Bevern/Holzminden der trockenste mit ganzen 11,4 mm – dies entspricht nur 15% des langjährigen Mittelwerts. Damit wurde der Juli 1983 als Rekordhalter abgelöst, damals waren am Holzmindener Stationsstandort am Bergblick 15,7 mm gemessen worden. Auch die Anzahl der trockenen Tage lag mit 26 auf Rekordniveau.

An den anderen DWD-Messstellen im Kreis kam zwar etwas mehr Regen zusammen, doch auch dort fiel der Monat deutlich zu trocken aus. So wurden an der neuen Station in Hehlen 21,6 mm gemessen (dort gibt es noch keine langjährigen Vergleichswerte), in Ottenstein immerhin 34,9 mm (dort brachten die Gewitter am 28.07. fast 20 mm) und in Vorwohle 18,0 mm. Am letztgenannten Standort mit Daten seit 1951 war es der zweittrockenste Juli nach 1983. Im benachbarten Lüchtringen fielen 22,4 mm, dort war es der vierttrockenste Juli in der seit 1947 bestehenden Messreihe.

Sonnenscheinrekord nur knapp verfehlt

Die Sonne zeigte sich in der Region rund 320 Stunden am Himmel und damit fast doppelt so lang wie im trüben und nassen Vorjahresjuli (163 Stunden). Das Überschreiten der 300er-Marke hat anders als im Nordosten und Südwesten des Landes im vergleichsweise sonnenscheinarmen Weserbergland absoluten Seltenheitswert und war zuvor nur zweimal seit Beginn flächendeckender Sonnenscheinmessungen 1951 dokumentiert worden: Erstmals im Mai 1989 mit 314 Stunden in Holzminden bzw. 317 Stunden in Silberborn und dann noch einmal im Juli 2006, als mit knapp 330 Stunden der Rekordwert erzielt wurde.

An 20 Tagen schien die Sonne über zehn Stunden lang, zu Monatsbeginn waren es bei wolkenlosem Himmel sogar 15,5 Stunden – mehr ist aufgrund der Horizonteinschränkungen nicht messbar.

Das Jahr 2018 ist damit auf dem besten Wege, ein sehr sonnenscheinreiches zu werden. Bereits per Ende Juli sind mit 1.232 Stunden rund 85% des Jahresmittels erreicht, während das sehr trübe Jahr 2017 auf gerade einmal 1.310 Stunden nach zwölf Monaten kam. Zum Schluss noch eine Zwischenbilanz: Nach 2/3 liegt der Sommer 2018 mit einer Temperatur von 19,5 °C per Ende Juli sogar 0,2 Grad über dem Rekordsommer 2003, der damals als Jahrhundertereignis eingestuft wurde. Vor 15 Jahren kam die große Hitze allerdings erst in der ersten Augusthälfte.

Daten der Station Bevern (Betreiber: DWD, 110 m über NN, ID 2323, Datenbasis: DWD, teilweise bearbeitet, Sonnenscheinwerte interpoliert) – Juli 2018:

Monatsmitteltemperatur: 20,98 °C  – Drittwärmster Juli nach 2006 und 1994 –
(+2,4 K vs. 1991-2018, +2,5 K vs. gleitendes 30-Jahres-Mittel, +2,8 K vs. 1981-2010, +3,9 K vs. 1961-1990)
Höchstes Tagesmittel 26,8 °C am 31.07.
Tiefstes Tagesmittel: 13,7 °C am 10.07.
Tmax-Mittel: 28,1 °C
Tmax: 35,2 °C am 31.07.
Tmin-Mittel: 12,7 °C
Tmin: 7,7 °C am 07.07.
Tmin-Mittel 5 cm: 10,6 °C
Tmin 5 cm: 5,5 °C am 07.07.
Warme Tage Tmax>= 20 °C: 29
Sommertage: 23
Heiße Tage: 14

RR: 11,4 mm (15,3% vom Mittel 1981-2010, 15,4% vom Mittel 1961-1990)
– Niederschlagsärmster Juli der Messreihe seit 1934 –
Maximum: 7,4 mm am 10.06.
Tage mit messbarem Niederschlag: 5
Trockene Tage: 26

SSD interpoliert: 320,1 h (159,7% vom Mittel 1981-2010)
Maximum: 15,5 h am 01.+02.07.
Sonnenscheinreiche Tage >= 12 h: 13
Trübe Tage <= 1 h: 2
Davon ohne Sonnenschein: 1

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Autor: wesersollingwetter

Hobbymeteorologe und Autor des monatlichen Lokalwetterrückblicks im Täglichen Anzeiger Holzminden.

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