Späte Hitze und früher Frost

Rückblick auf den September 2018 an der DWD-Station Bevern

Der erste meteorologische Herbstmonat präsentierte sich in den ersten drei Wochen überwiegend sommerlich und verlängerte die seit April andauernde beispiellose Wärme und Trockenheit fast auf den Tag genau bis zum Ende des astronomischen Sommers. Anschließend setzte sich der Herbst nicht nur auf dem Kalender, sondern auch bei der Witterung durch. Außergewöhnlich kalte Nächte zum Monatsende zeigten das zweite Gesicht des Wetterjahres 2018, das sich bisher kaum einmal mit Mittelmaß begnügt und immer wieder kräftige Ausschläge bei den Temperaturen zeigt – meist hin zur warmen Seite, zeitweise aber auch in Richtung unteres Ende der Skala wie im Spätwinter und nun Ende September. Trotz Dauerregens am dritten Sonntag, unter dem verschiedene regionale Veranstaltungen zu leiden hatten, blieb es in der Monatsbilanz erneut deutlich zu trocken, während die Sonne wieder eine Reihe von Überstunden leistete.

Mit einer Mitteltemperatur von 15,0 °C war es an der DWD-Station in Bevern um 1,1 Grad wärmer als im Mittel der Jahre 1981-2010. 15 wärmeren Septembern stehen 68 kältere und ein gleich warmer in der Klimareihe Holzminden/Bevern ab 1934 gegenüber. Ungewöhnlich hoch war wie schon in den Vormonaten die Anzahl der meteorologischen Sommertage: Der September steuerte elf solcher Tage mit einer Höchsttemperatur von mindestens 25 Grad zur Jahresbilanz von mittlerweile 80 Stück bei – der alte Rekord von 64 aus dem Jahr 2006 wurde damit geradezu pulverisiert. Die 20-Grad-Marke wurde im September an 21 Tagen überschritten und im Jahresverlauf bereits 138 Mal, auch diese Zahl war zuvor kaum vorstellbar. Zum Vergleich: Das Jahr 1962 brachte ganze 60 solcher warmen Tage, der langjährige Durchschnitt liegt bei 96.

Und selbst in Sachen Hitze setzte der September noch einen drauf: Am 18. wurden in Bevern 31,9 °C gemessen, dies war der 33. heiße Tag des Jahres und zugleich ein neuer Tagesrekord. In der Klimareihe Holzminden/Bevern, in der Tageswerte leider erst ab 1951 vorliegen bzw. erhalten sind, wurde noch nie zuvor zu einem so späten Zeitpunkt im Jahr die 30-Grad-Marke überschritten. 1947 war es allerdings am 19. und 20. in der Region noch heißer. Das zweite Nachkriegsjahr hatte seinerzeit Wettergeschichte geschrieben mit dem mit Abstand wärmsten Sommerhalbjahr: 16,4 °C betrug damals die Mitteltemperatur der Monate April bis September – ein Wert, der 70 Jahre lang unangetastet geblieben war und nun 2018 mit 17,3 °C deutlich übertroffen wurde.

Mit einer markanten Kaltfront, die am Mittag des 21. für stürmische Böen und einen Temperatursturz von über zehn Grad sorgte, verabschiedete sich der längste Sommer aus der Region. Vor allem nachts und in den Morgenstunden brachte die letzte Woche des Monats für die Jahreszeit ungewöhnlich tiefe Temperaturen, da die zuvor eingeflossene kältere Luft erneut unter Hochdruckeinfluss geriet und es in den länger werdenden Nächten ohne schützende Wolkendecke stark auskühlen konnte. In den Morgenstunden bildete sich in Wesernähe mehrfach Nebel, der von der Septembersonne aber noch rasch aufgelöst werden konnte. Außergewöhnlich kalt ging es zum Monatsende zu: Mit 0,4 °C Tiefsttemperatur wurde in Bevern am Morgen des 29. ein neuer Dekadenrekord aufgestellt, dazu gab es zweimal Bodenfrost in 5 cm Messhöhe.

Hochdruck prägte nicht nur die frischen und sonnigen letzten Tage, sondern weite Strecken des Monats, wobei es durchaus auch wolkige Phasen gab, die aber mit Ausnahme des 23. keinen nennenswerten Regen brachten. Atlantische Tiefs konnten sich nur kurzzeitig durchsetzen, das Niederschlagsdefizit verschärfte sich nach dem nunmehr fünften deutlich zu trockenen Monat in Folge sogar noch. Nachdem der Pegel der Weser weiter gesunken war, musste die Poller Fähre ihren Betrieb ab Monatsmitte vorübergehend einstellen.

Mit 28,0 mm Monatsniederschlag wurden in Bevern nur 38,8% des langjährigen Mittels erreicht, wovon mehr als die Hälfte am verregneten kalendarischen Herbstbeginn fiel, während es an 20 Tagen trocken blieb. Auch hier lohnt ein Blick auf die Sommerhalbjahresbilanz: Die Regensumme von April bis September betrug in Bevern lediglich 172 mm und lag damit so niedrig wie noch nie seit Messbeginn 1935. Im zuvor trockensten Sommerhalbjahr waren 1976 immerhin 226,9 mm gefallen.

Die Sonne zeigte sich rund 193,5 Stunden am Himmel und schien damit knapp 50 Stunden oder 45% länger als im Mittel der Jahre 1981-2010. Bis auf Januar und Juni fielen alle Monate des Jahres deutlich sonniger aus als im Durchschnitt, besonders scharf ist der Kontrast zum trüben September des Vorjahres, der es nicht einmal auf die Hälfte des aktuellen Wertes brachte.

Monatsübersicht_2018_09Monatsdiagramm2018_09

 

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Autor: wesersollingwetter

Hobbymeteorologe und Autor des monatlichen Lokalwetterrückblicks im Täglichen Anzeiger Holzminden.

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