Weiterer DWD-Standort im Kreis Holzminden in Betrieb

Auch in Hellental wird jetzt Niederschlag gemessen

Seit Ende September gibt es auf der Karte der DWD-Stationen einen neuen Punkt im Landkreis Holzminden: Nach über einem Jahr konnte in Heinade-Hellental ein Nachfolgestandort für die langjährige Niederschlagsstation Dassel eingerichtet und in Betrieb genommen werden. Der Standort Dassel musste wegen des Todes des ehrenamtlichen Beobachters im Juli 2017 geschlossen werden, seither suchte die Regionalzentrale Hamburg des Deutschen Wetterdienstes einen Nachfolger. Aus dem Ort selbst lagen offenbar keine Bewerbungen vor, im Frühjahr war Hehlens Bürgermeister Sebastian Rohde auf dieses Gesuch des DWD aufmerksam geworden und ist seit dem Sommer als Niederschlagsbeobachter für den staatlichen Wetterdienst in seinem Heimatort aktiv. Über diese neue Station im Nordkreis hatte der Tägliche Anzeiger Holzminden ausführlich in seiner Ausgabe vom 26.07.2018 berichtet und dabei auch noch einmal die Gesuche des DWD nach ehrenamtlichen Beobachtern in Dassel, Polle und Beverungen bzw. deren näherer Umgebung veröffentlicht. Auf diesen Lokalzeitungsartikel hin hatte sich ein Leser aus Hellental am Rande des Sollings für den Nachfolgestandort von Dassel beworben und nach einigen Wochen den „Zuschlag“ bekommen.
Seit dem Morgen des 1. Oktober gibt es nun eine tägliche Meldung über den gefallenen Niederschlag in Hellental. Der Standort zählt ebenso wie Hehlen zum konventionellen Niederschlagsmessnetz des DWD. An solchen Stationen ist ein auch als „Hellmann“ (nach seinem Erfinder, dem preußischen Meteorologen Gustav Hellmann) bezeichneter Regenmesser im Einsatz. Der Niederschlag fällt in ein Auffanggefäß mit einer normierten Öffnungsfläche von 200 cm² durch einen Trichter in eine Sammelkanne, die der Beobachter zu einem festgelegten Ablesetermin am Morgen (05:50 Uhr UTC = 06:50 Uhr MEZ / 07:50 Uhr MESZ) in einen Zylinder entleert und anschließend die Menge in Zehntelmillimetern anhand der Skala auf Augenhöhe abliest. Ein Millimeter entspricht dabei einem Liter pro Quadratmeter. Dieser Messwert wird anschließend zeitnah über eine Eingabeseite im Internet an den DWD übermittelt, von wo aus die Messung nach einer ersten formalen automatischen Prüfung weiterverbreitet wird.
Am schnellsten sind die Daten auf dem CDC-ftp-Server des DWD unter CDC-ftp-Server des DWD (dort auf die zip-Datei im Ordner Datei:tageswerte_RR_00923_akt.zip klicken) oder über den Anbieter Kachelmannwetter (Beispiellink zum Messwert vom Morgen des 1.10.) abzurufen.

Auf diesen Seiten finden sich auch die Messwerte der anderen DWD-Stationen im Kreis, deren Zahl auf nunmehr sechs angewachsen ist: Neben den Standorten in Hehlen auf 133 m und Hellental auf 270 m zählt auch noch Polle auf ebenfalls 270 m (Wilmeröder Berg), wo weiterhin ein Nachfolger für die Betreuung gesucht wird, zum konventionellen Niederschlagssmessnetz. Dazu kommen die automatisch arbeitenden Niederschlagsstationen in Ottenstein auf 295 m und Eimen-Vorwohle auf 265 m, an denen der fallende Niederschlag elektronisch erfasst und stündlich an den DWD übermittelt wird, ohne dass hierfür eine Eingabe des Betreuers notwendig ist. Automatisch arbeitet schließlich auch die einzige Klimastation im Kreis in Bevern auf 110 m (Typ AMDA III oder WST III), wo neben dem Niederschlag auch die Temperatur in 2 m und 5 cm Höhe sowie die Luftfeuchte gemessen wird.
Ganz ohne Menschenhand geht es aber auch an den automatischen Stationen nicht: An allen sechs Standorten wird zwischen dem 1. Oktober und 30. April auch die Schneehöhe gemessen und erfasst, und dies geschieht – wenn denn einmal Schnee gefallen ist – klassisch von Hand durch den ehrenamtlichen Beobachter.  Hierbei haben die Betreuer an den konventionellen Stationen etwas mehr zu tun, denn wenn Schnee gefallen ist, muss dieser aufgetaut werden, um auch die Höhe des flüssigen Niederschlags zu bestimmen. Dazu verfügt jeder Beobachter über einen zweiten „Hellmann“, der im Falle von festem Niederschlag im Auffanggefäß zum Ablesezeitpunkt am Morgen gegen den anderen ausgetauscht wird. Anschließend wird der Schnee im Messgefäß, das mit einem Deckel verschlossen wird, in einem nicht zu warmen Raum langsam aufgetaut und dann die Entleerung der Sammelkanne und die Ablesung und Meldung vorgenommen. Daher liegen die Tageswerte des Niederschlags an konventionellen Stationen im Falle von Schnee und Eis erst etwas später vor. An den automatisierten Standorten sorgt je nach Bauart des Ombrometers entweder Frostschutzmittel oder eine Beheizung dafür, dass die Messung permanent erfolgen kann.
Höhenlagenbedingt dürfe der neue Betreuer in Hellental ebenso wie seine Kollegen in Ottenstein und Vorwohle häufiger Schnee messen und melden als die Beobachter an den tiefer gelegenen Standorten Bevern und Hehlen. Gerade in den letzten beiden Wintern gab es ja deutliche Unterschiede bei der Anzahl der Schneedeckentage und der Schneehöhe zwischen dem Wesertal und den Höhenzügen des Kreises. Dies belegen besonders die Messungen am Standort im Silberborner Kurgarten auf rund 430 m über NN, wo jeweils bis zu 36 cm gemessen wurden. Diese Station gehört zwar nicht zum offiziellen DWD-Netz, verfügt aber über dieselbe Niederschlagsmesstechnik mit zwei Hellmann-Geräten, von denen einer freundlicherweise vom DWD Hamburg zur Verfügung gestellt wurde. Und die Schneemessung erfolgt dort wie hier mit einem Schneepegel oder einem gewöhnlichen Zollstock.
Aber bis es soweit ist, wird es in diesem Jahr noch etwas dauern, anders als vor drei Jahren, als bereits am Morgen des 13. Oktober der erste Schnee in den höheren Lagen gefallen war: Fulminantes Sommercomeback mitten im Herbst

Der neue Standort in Hellental an der Hauptstraße:

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Bericht über die Niederschlagsstation Hehlen im TAH vom 26.07.2018:

TAH 26072018

Autor: wesersollingwetter

Hobbymeteorologe und Autor des monatlichen Lokalwetterrückblicks im Täglichen Anzeiger Holzminden.

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