Vom spätsommerlichen Gold zum tristen Grau

Rückblick auf den Oktober 2018 an der DWD-Station Bevern

Nach einem vorübergehend herbstlich kühlen Start setzte sich auch im Oktober die seit April anhaltende sehr warme, sonnige und trockene Witterung fort. Der sprichwörtlich goldene Oktober prägte die lokale Witterung bis zum Beginn der dritten Dekade, bevor ein Umschwung für einen sehr trüben, zunehmend kühlen und auch regnerischen Abschnitt sorgte, der aber die seit Monaten anhaltende Trockenheit kaum lindern konnte. Auch der Oktober schloss mit einem deutlichen Niederschlagsdefizit ab, dazu war es sonniger und wärmer als im langjährigen Durchschnitt, wobei der Temperaturüberschuss zum Monatsende hin wie schon im September noch ein ganzes Stück abgebaut wurde.

Mit einer Mitteltemperatur von 10,7 °C war es an der DWD-Station in Bevern um 1,0 Grad wärmer als im Mittel der Jahre 1981-2010. Damit brachte der Oktober die bisher geringste Abweichung vom langjährigen Klimawert im Jahr 2018, war also auf den ersten Blick am „normalsten“ temperiert. Doch hinter diesem Durchschnittswert verbergen sich ungewöhnliche Ausschläge im Monatsverlauf: Vor allem zu Beginn des zweiten Drittels deutlich hin zur warmen Seite, zum Monatsende dann zur kalten. Recht kühl und von dichten Wolken geprägt verliefen auch die ersten Tage, bevor sich ab dem 5. wieder warmes und sonniges Hochdruckwetter durchsetzen konnte, das seinen Höhepunkt durch Hoch „Viktor“ in der dritten Pentade fand, als täglich neue Tagesrekorde aufgestellt und die bisher spätesten meteorologischen Sommertage in der Region gemessen wurden, inklusive des neuen Monatsrekords von 27,3 °C.

Ein bemerkenswertes Randereignis bescherte der 16.10. der Region: Auch an diesem Tag waren Höchstwerte von über 20 Grad vorhergesagt, doch erreicht wurden nicht einmal 16 – zumindest nicht in Bevern, während in Silberborn, rund 320 m höher gelegen, über 18 °C gemessen wurden. Das ist im Herbst eigentlich nicht ungewöhnlich, sondern eher der Klassiker, wenn es zu einer höhenwarmen Wetterlage kommt, bei der sich wegen einer Inversion und ggf. Nebel im Wesertal die Wärme nicht mehr bis in die tiefe Grundschicht durchsetzen kann. Doch diesmal war es nicht Nebel, sondern ein nach durch Aufklaren kühler Nacht am Morgen aufziehendes Wolkenband, das die Temperaturen stark dämpfte – und dieses Wolkenband wurde zwar im Tagesverlauf immer schmaler, hielt sich jedoch über dem Wesertal hartnäckig bis zum späten Nachmittag, während sich drumherum längst die Sonne durchgesetzt und die Luft erwärmt hatte. So brachte der Blick auf die Tageshöchstwerte im Netz des Deutschen Wetterdienstes an diesem Abend ein außergewöhnliches Ergebnis: Von den fast 500 Klimastationen meldeten nur fünf einen noch niedrigeren Wert als Bevern – sämtlich Mittelgebirgs- und Berggipfelstationen mit Höhenlagen zwischen 887 und 2.964 m über NN. Dieser Tag trug mit dazu bei, dass die Temperaturabweichung vom lokalen Klimawert im Oktober in Bevern geringer ausfiel als im bundesweiten Durchschnitt – um immerhin 0,5 Grad, wie schon im September.

Sorgenkind blieb auch im Oktober die Niederschlagsbilanz: Zwar brachte der Wechsel hin zu wolkenreicher Witterung in der letzten Dekade erstmals seit Ende März/Anfang April sieben Tage mit Regen in Folge, aber die Mengen waren viel zu gering, um eine Entspannung der Dürre der letzten Monate in Gang zu bringen. Trügerisch ist dabei der Blick über Felder und Wiesen, die sich mittlerweile wieder überwiegend grün statt braun zeigen, denn nur in den oberen Schichten konnte das Defizit etwas abgebaut werden. In den tieferen Schichten bis 1,80 m Bodentiefe herrschte gemäß der Klassifizierung des Dürremonitors des Helmholtz-Zentrums für Umweltforschung (UFZ) auch Ende Oktober weiterhin die höchste Stufe „außergewöhnliche Dürre“ auch in unserer Region. Die Monatssumme erreichte mit 29,7 mm in Bevern nur knapp 46% des langjährigen Mittels von 1981-2010.

Die Sonnenscheindauer lag mit rund 140 Stunden trotz der wolkenreichen dritten Dekade um ca. 45% über den langjährigen Werten. Die Berechnung dieses nicht direkt vor Ort gemessenen Parameters fiel im Oktober etwas schwerer als sonst, da der Sensor an der nächstgelegenen Messstelle des DWD in Lügde-Paenbruch seit Monatsmitte defekt ist und seitdem keine Werte mehr liefert. Die ungleiche Verteilung zeigt ein Blick auf die Tagessummen: Die erste Monatshälfte steuerte mit 100 Stunden den Hauptanteil bei, und vom 11.-15. zeigte sich kaum ein Wolke am Himmel, so dass in diesen Tagen die jahreszeitbedingt noch möglichen knapp zehn Stunden Sonnenschein erreicht wurden. In scharfem Kontrast dazu brachten die neun Tage zwischen dem 22. und 30. ganze 2,4 Stunden zusammen. Trotz dieses zwischenzeitlichen Rückfalls auf 2017er-Niveau weist die Jahresbilanz nach zehn Monaten nun beeindruckende 1.805 Stunden aus.

Nach längerer Zeit machte sich am Monatsende auch der Wind wieder einmal bemerkbar: Ein von Süd nach Nord ziehendes kräftiges Tiefdruckgebiet verursachte am Abend des 30.10. stürmische Böen mit Stärke 8 bis in die Niederungen. Mit Abzug des Tiefs verschwanden in der Nacht zum 31. auch die dichten grauen Wolken und der Oktober 2018 verabschiedete sich zum Feiertag am Reformationstag so, wie er sich über weite Strecken gezeigt hatte: Sonnig und trocken.

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Autor: wesersollingwetter

Hobbymeteorologe und Autor des monatlichen Lokalwetterrückblicks im Täglichen Anzeiger Holzminden.

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