Nur 2007 und 2008 gab’s noch weniger Schnee

Rückblick auf den Winter 2018/2019 an der DWD-Station Bevern

Temperaturrekorde in der zweiten Februarhälfte und so wenig Schnee wie kaum einmal zuvor prägten den Winter 2019 im Oberwesertal. In der Messreihe ab 1934/35 gab es zwar immerhin neun noch mildere Winter, aber in der Bilanz der Schneedeckentage belegt der 2019er den drittletzten und bei der maximalen Schneehöhe den vorletzten Platz. Ganz hinten rangiert der einzige bisher schneelose Winter 2008, gefolgt von dessen rekordmildem Vorgänger 2007, der es aber immerhin auf einen Tag mit 2 cm brachte, während es diesmal die Mindesthöhe von 1 cm war, die zweimal morgens gemessen wurde – am 25.01. als aufgerundeter Wert und am 26. als gerade dahin tauender Matsch. Früher war mehr Lametta – zumindest in Sachen Schnee eine recht zutreffende Beschreibung der Situation.

Der meteorologische Winter 2018/19 lässt sich wohl am einfachsten so zusammenfassen: Er bestand aus einem Dezember und einer ersten Januarhälfte auf durchschnittlichem Novemberniveau sowie einem Februar auf leicht überdurchschnittlichem Märzniveau, unterbrochen von einer zweiten Januarhälfte auf Januarniveau, die dann auch die wenigen wirklich winterlich anmutenden Tage mit etwas kräftigeren Frösten nachts und ein paar Tagen Dauerfrost in den Niederungen brachte. Die Mitteltemperatur lag an der DWD-Station in Bevern bei 3,75 °C, was einer Abweichung vom Mittel der Jahre 1981-2010 von fast genau 2 Grad entspricht. Gegenüber dem noch gültigen WMO-Referenzmittel von 1961-1990 betrug der Temperaturüberschuss sogar 2,6 Grad, während es im Vergleich zum gleitenden Mittel der letzten 30 Jahre etwas über 1,4 Grad waren – an diesen Zahlen sieht man deutlich die Erwärmung der vergangenen gut 30 Jahre.

Die Niederschlagsbilanz fiel aufgrund der sehr trockenen Phase nach dem 10. Februar fast ausgeglichen aus, am Ende blieb mit 230,8 mm ein leichtes Plus von gut 4% gegenüber dem Mittel der Jahre 1981-2010. Die Sonne zeigte sich in den ersten elf Wochen des Winters nur wenig, in den letzten zwei dagegen umso mehr – macht unterm Strich mit 180 Stunden sogar ein recht deutliches Plus von über 22%.

Im Minus landeten im langjährigen Vergleich alle Kälteindikatoren, vor allem die Anzahl der Eistage mit vier (die 30-Jahresmittel liegen je nach gewählter Periode zwischen 12 und 17 Tagen und der Mittelwert aller Winter der Messreihe bei 15) und der Kältesumme mit 33,9 (30-Jahres-Mittel zwischen 85 und 122, Gesamtmittel 105). Nur leicht unterdurchschnittlich war dagegen die Anzahl der Frosttage mit 40 und der Bodenfrosttage mit 52, hier wirkten sich neben der kalten zweiten Januarhälfte vor allem die Hochdruckphasen mit ihren regelmäßigen, gleichwohl durchweg leichten Nachtfrösten aus. Das absolute Minimum lag mit -9,2 °C sowohl außerhalb des Bereichs für strengen Frost (ab -10 °C) als auch deutlich über den langjährigen Mittelwerten, die sich um -14 °C für den Tiefstwert eines Winters bewegen, beim Maximum wurde wie bereits erwähnt am vorletzten Februartag mit 18,5 °C ein neuer Rekord aufgestellt (zuvor 17,9 °C am 29.02.1960), das mittlere höchste Maximum eines Winters liegt bei etwas unter 14 °C.

Winter 2019_Übersicht

Winter_1935-2019_Temp
In der nun 85 Winter umfassenden Messreihe war es der zehntwärmste
Winter_1935-2019_RR
Die Niederschlagsbilanz fiel ausgeglichen aus
Winter_1952-2019_SHK
Beim Schnee hingegen ist der Balken kaum sichtbar
Winter_1935-2019_Abweichung
Die Abweichungen vom Mittelwert der Gesamtmessreihe. Farbig hervorgehoben sind solche, die oberhalb der einfachen Standardabweichung liegen, der rekordkalte Winter 1963 schaffte exakt die dreifache Standardabweichung und gilt daher auch statistisch als Extremereignis

 

Autor: wesersollingwetter

Hobbymeteorologe und Autor des monatlichen Lokalwetterrückblicks im Täglichen Anzeiger Holzminden.

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