Frühsommer noch in der Warteschleife

Rückblick auf den Mai 2019 an der DWD-Station Bevern

Anders als sein rekordwarmer und sehr sonniger Vorgänger 2018 präsentierte sich der Mai in diesem Jahr launisch und in der ersten Monatshälfte deutlich unterkühlt. Nach Monatsmitte wechselten sich dann wärmere Phasen mit moderat kühlen ab, eine durchgreifende Erwärmung blieb dabei aber aus, so dass es am Ende zum ersten Mal seit März 2018 wieder eine negative Abweichung zum vieljährigen Klimamittel gab. Auch beim Sonnenschein blieb der Wonnemonat weit unter seinen Möglichkeiten und ein ganzes Stück unter dem langjährigen Durchschnitt, während die Niederschlagsbilanz in der Region aufgrund markanter Unterschiede bei den Starkregenfällen am 20. Mai ein uneinheitliches Bild zeigt. Trockenheit ist zwar derzeit kein akutes Thema mehr, wegen des nach wie vor bestehenden Feuchtedefizits in den tieferen Bodenschichten kann es aber je nach Witterungsverlauf in den kommenden Wochen schnell wieder auf die Tagesordnung gelangen.

Mit einer Mitteltemperatur von 11,5 °C war der Mai 2019 an der DWD-Station in Bevern um 1,8 Grad kälter als im Mittel der Jahre 1981-2010 – das sind fast 5 Grad weniger als im vergangenen Mai, der mit 16,4 °C einen neuen Rekord aufgestellt hatte. Auch im Vergleich der letzten 30 Jahre sortiert sich der diesjährige Mai weit unten ein, nur 1991 und 2010 war es noch kälter im dritten Frühlingsmonat. Dafür verantwortlich war vor allem eine deutlich unterkühlte erste Monatshälfte, in der es tagsüber nur vereinzelt mal leicht über die Marke von 15 Grad ging und die Nacht- und Morgenwerte meist im deutlich einstelligen Bereich lagen bis hin zu sehr späten Luftfrösten am 5. und sogar noch einmal am 15. – nur dreimal hat es seit 1951 noch späteren Frost in der Klimareihe Holzminden/Bevern gegeben.  Fünf Zentimeter über dem Erdboden wurde sogar noch an acht Tagen Frost gemessen mit dem tiefsten Wert von -4,2 °C am Morgen des 5. Mai. In der zweiten Monatshälfte ging es dann unter Schwankungen bergauf mit den Temperaturen, am wärmsten wurde das dritte Wochenende vom 18.-20., das immerhin drei Tage in Folge mit Höchstwerten über 22 Grad zu bieten hatte, sowie am Monatsletzten, als die Umstellung zu sehr warmem Frühsommerwetter, das sich zum Start in den Juni durchsetzen sollte, bereits in vollem Gange war. Ein meteorologischer Sommertag wurde aber erstmals seit 2013 nicht mehr erreicht.

Angesichts der späten Fröste waren in diesem Jahr die sogenannten „Eisheiligen“ wieder ein Thema in der Berichterstattung über das Wetter und dabei hieß es häufig, sie seien in diesem Jahr pünktlich gewesen. Aber stimmt das auch? Diese Frage lässt sich bei gründlicher Auswertung mit einem klaren Nein beantworten. Zum einen fielen die im Mittelalter beobachteten Spätfröste, die den Eisheiligen ihren Namen gaben, noch in Zeiten des Julianischen Kalenders – nach unserem aktuellen Gregorianischen Kalender müssten sie also rund zehn Tage später zu Beginn der dritten Dekade zu finden sein und nicht schon in der ersten Hälfte der zweiten Dekade. Doch auch dort sind in den Wetterdaten der letzten 130 Jahre keinerlei Häufungen von Kälterückfällen auszumachen, im Gegenteil: wie es die fortschreitende Jahreszeit mit immer höherem Sonnenstand bereits vermuten lässt, tauchen die kältesten Tage in der Regel zu Monatsbeginn auf und nicht erst im späteren Verlauf – so auch in diesem Jahr, als es in den Tagen um den 5. Mai herum am kältesten war.  Das mag in Zeiten eines anderen, deutlich kälteren Klimas im Mittelalter möglicherweise anders gewesen sein, genaue Zahlen mit Tagesmessungen liegen dazu aber nicht vor. Dass in diesem Jahr der letzte Frost tatsächlich auf die in vielen Kalendern noch vermerkte „Kalte Sophie“ am 15. Mai fiel, muss man daher aus wissenschaftlicher und statistischer Sicht als rein zufälliges Ereignis einstufen.

Rein zufällig jedenfalls, was das Datum angeht – eine physikalische Ursache lässt sich natürlich in der vorherrschenden Wetterlage finden, die in der ersten Monatshälfte häufig von Nord- und Nordwestlagen geprägt war. Außergewöhnlich war dabei die Luftmasse, die uns zum 5. Mai erreichte: Diese stammte, wie sich anhand der Rückwärtstrajektorien nachverfolgen lässt, aus dem tiefsten östlichen Sibirien und wurde von den Druckgebilden über die Polregion und Skandinavien bis nach Mitteleuropa transportiert. Während des Winters würde eine solche Luftmasse – im Grunde die kältestmögliche, die uns erreichen kann – zu strengem Dauerfrost führen.

Doch zurück in den Mai und zur Niederschlagsbilanz, auf die es sich ein wenig genauer zu blicken lohnt: Am Nachmittag des 20. Mai entwickelten sich zunächst einzelne gewittrig durchsetzte Schauer, die im Laufe des Abends in Dauerregen übergingen. Die Intensität war dabei jedoch sehr unterschiedlich: Während an den Stationen der Weser entlang Tagessummen von „nur“ 11,2 mm (Hehlen) bis 27,2 mm (Bevern) gemessen wurden, war es etwas weiter westlich markant mehr: Die Station Brakel meldete 66 mm und Lügde-Paenbruch fast 69 mm, am Fuße des Sollings inAmelith kamen sogar 78,5 mm zusammen. An jenem Montag fiel in der Region teilweise mehr als die Hälfte der Monatssumme, da sich die weiteren Niederschläge meist in engen Grenzen hielten und es an knapp der Hälfte der Tage trocken blieb. In Bevern wurde mit 56,2 mm das Mittel der Jahre 1981-2010 um knapp 13% verfehlt.

Die Sonne, die uns im April noch mit vielen Überstunden verwöhnt hatte, tat sich im Mai deutlich schwerer gegen die oft dichten Wolken. Es gab zwar keinen länger anhaltenden trüben Abschnitt, aber auch Tage mit viel Sonnenschein traten nur vereinzelt und nicht zusammenhängend auf – auch daran zeigt sich der wechselhafte, weitgehend von zyklonalen (tiefdruckgeprägten) Großwetterlagen dominierte Charakter des Monats. Mit rund 163 Stunden wurde das Klimamittel der Jahre 1981-2010 um 33 Stunden oder 17% verfehlt. Im Vergleich zum Mai 2018 schien die Sonne fast 115 Stunden weniger.

Bleibt noch der Blick auf die Frühjahrsbilanz: Mit 9,6 °C in Bevern war es 0,6 Grad wärmer als im Mittel der Jahre 1981-2010, dazu fielen rund 88% des langjährigen Niederschlags. Dank des sehr sonnigen Aprils gab es mit knapp 493 Sonnenstunden rund 7% mehr als im Durchschnitt. Zieht man zum Vergleich das ab 2021 offiziell gültige Klimamittel seit 1991 heran, das unserem gegenwärtigen Klima am besten entspricht, gab es in diesem Frühjahr zumindest in Bevern nur marginale Abweichungen von +0,2 Grad, -1,8% Niederschlag und +2,9% Sonnenschein. Aus dieser Perspektive betrachtet liegt also ein sehr durchschnittliches Frühjahr hinter uns.

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Autor: wesersollingwetter

Hobbymeteorologe und Autor des monatlichen Lokalwetterrückblicks im Täglichen Anzeiger Holzminden.

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