Und wieder war es heiß, sehr sonnig und viel zu trocken

Rückblick auf den Sommer 2019 an der DWD-Station Bevern

Vor einem Jahr war man sich sicher, einen Ausnahmesommer erlebt zu haben: Sehr sonnig, so trocken wie nie zuvor und mit einem deutlichen Rekord an heißen Tagen ging der Sommer 2018 in die regionale Wettergeschichte ein. Ein solcher Jahrhundertsommer, so der fast einhellige Tenor, dürfe auch in Zeiten des Klimawandels mit seiner zunehmenden Erwärmung so schnell nicht wieder vorkommen – doch dann legte der Sommer 2019 gleich mit dem wärmsten und sonnigsten Juni seit Messbeginn los. Auch wenn im weiteren Verlauf eine überwiegend kühle erste Julihälfte und eine nur mäßig warme zweite Augustdekade dafür sorgten, dass der 2019er nicht ganz an seinen Vorgänger heranreichte: Zwei so warme und sonnige Sommer hat es zuvor weder bundesweit noch vor Ort gegeben. Dazu war es ab Mitte Juli erneut viel zu trocken.

Mit einer Mitteltemperatur von 19,3 °C war der Sommer 2019 an der DWD-Station in Bevern um genau zwei Grad wärmer als im Mittel der Jahre 1981-2010. Das bedeutet in der Rangliste der wärmsten Sommer den dritten Platz hinter 2003 und 2018 (19,8 bzw. 19,7 °C) und deutlich vor 1947 auf Rang vier (18,7 °C). In diesem Jahr lagen alle drei Sommermonate ungewöhnlich nah beieinander, in Bevern betrug der Abstand zwischen dem wärmsten Monat (Juni) und dem „kühlsten“ (Juli) gerade einmal gut ein Grad.

Bei der Anzahl der heißen Tage liegt 2018 im Vergleich deutlich vorn: Der Vorjahresrekord von 29 Tagen blieb in Bevern unangetastet, 2019 brachte es auf 18 Tage mit einer Höchsttemperatur von mindestens 30 Grad und damit auf Rang vier hinter 2018, 2003 und 1994. Bei der Zahl der Sommertage von mindestens 25 Grad herrscht hingegen fast (51:52) und bei den warmen Tagen mit mindestens 20 Grad sogar genau Gleichstand (83:83) gegenüber dem Vorjahr.

Schaut man zurück in die vergangenen 50 Jahre, so fällt auf, dass die wärmsten Sommer ihrer Zeit häufig im Doppelpack auftraten: 1975 und 1976 waren für damalige Verhältnisse sehr warm (und sonnig/trocken), der Sommer 1976 hält die bis heute längste Serie an meteorologischen Sommertagen. Das nächste Paar trat nach fünf kühlen Sommern in den Jahren 1982 und 1983 auf, letzterer galt damals als „Jahrhundertsommer“. Zwei sehr heiße Kernsommer folgten 1994 und 1995, flankiert von den beiden kühlsten Sommern der letzten 30 Jahre. Weiter ging es 2002 und 2003, dem nächsten „Jahrhundertsommer“ und nun 2018 und 2019 auf einem nochmals höheren Niveau – erstmals übertrafen zwei Sommer in Folge die 19-Grad-Marke. Ob es sich nur um zufällige Dopplungen handelt oder dahinter noch nicht verstandene Prozesse stehen, ist ungeklärt.

Wo lagen nun die Unterschiede und wo die Gemeinsamkeiten der letzten beiden Sommer? Am auffälligsten sind die drei Hitzewellen, die in diesem Jahr jeweils zum Monatsende auftraten. Sie waren nicht besonders lang, aber jeweils intensiv und zogen eine deutliche Abkühlung nach sich. In die zweite Hitzephase Ende Juli fiel der neue Stationsrekorde in Bevern (37,2 °C) am 25.07., als auch deutschlandweit die bisherige Rekordmarke von 40,3 °C aus dem Sommer 2015 an  über einem Dutzend Stationen übertroffen wurde, am deutlichsten unter regulären Bedingungen mit 41,2 ° in Duisburg-Baerl und Tönisvorst am Niederrhein.

Die Hitze des Sommers 2018 verlief dagegen gleichmäßiger und konzentrierte sich auf eine lange, beständige Phase von der zweiten Julihälfte bis zum Ende der ersten Augustdekade. Viele Tage mit trockenem Ostwind prägten im Vorjahr das Geschehen, dazu kam der ungewöhnliche Umstand, dass sogar Nordwestlagen überdurchschnittliche Temperaturen und recht sonniges und trockenes Wetter brachten. In diesem Jahr fielen hingegen häufig Wetterlagen mit südlicher und südwestlicher Strömung auf, mal brachten sie trockene Hitze aus Nordafrika, mal schwüle Mittelmeerluft mit.  Anders als im Vorjahr gab es keine anhaltenden Blockaden durch Hochdruckgebiete über Nordwesteuropa und Skandinavien, vielmehr bestimmten mehrfach Trogvorderseiten das Geschehen, die Tiefdruckgebiete konnten also den Atlantik überqueren, gruben sich jedoch immer wieder westlich von uns nach Süden ein und schaufelten warme bis heiße Luftmassen nach Mitteleuropa. Warum taten sie dies ausgerechnet dort und nicht weiter östlich, was uns einen deutlich kühleren Sommer beschert hätte? Ein Erklärungsansatz liegt in einer deutlichen Kaltwasseranomalie nördlich der Azoren. Diese wird dafür verantwortlich gemacht, dass Tiefs über dem Atlantik nicht zonal in recht glatter nach Osten gerichteter Strömung weiterziehen, sondern in diesem Bereich nach Süden ausgreifen.

Deutliche Unterschiede treten auch bei der Niederschlagsbilanz zutage: Der Sommer 2018 hatte mit nur 64,9 mm an der Station Bevern einen neuen Trockenheitsrekord aufgestellt, in diesem Jahr fiel mit 184 mm fast dreimal soviel – und doch viel zu wenig: Auch wenn das aktuelle Defizit mit rund 16% überschaubar blieb und isoliert betrachtet unproblematisch wäre, ergibt sich im Kontext mit den weiteren Faktoren leider genau das Bild, das unsere Wälder zeigen. Zwei so warme bis heiße und sonnige Sommer in Folge bedeuten natürlich eine erhöhte Verdunstung, dazu kommt eine ungleiche Verteilung des Niederschlags. Die erste Sommerhälfte brachte zumindest am Standort Bevern sogar noch leicht überdurchschnittliche Regenfälle (an anderen Stationen des Kreises schon nicht mehr), die zweite war dann aber überall in der Region klar zu trocken. Zudem bringen kurze Starkregenfälle in Gewitterschauern, wie sie mehrfach niedergingen und lokal eng begrenzt blieben, der Natur deutlich weniger als ein gleichmäßiger Landregen, der besser in die Böden eindringen kann. Die Karten des Dürremonitors des Helmholtz-Zentrums für Umweltforschung UFZ zeigen für die Region sowohl in den oberen als auch in den tiefen Bodenschichten per 2. September erneut eine schwere bis extreme Dürre an.

Die Sonne zeigte sich trotz insgesamt feuchterer Luft als im letzten Sommer nur etwas weniger am Himmel und schien über der Region rund 723 Stunden. Damit schafften erstmals seit Messbeginn zwei Sommer in Folge den Sprung über die 700er-Marke, 2018 waren es sogar 743 Stunden. Der mit Abstand sonnigste Monat war diesmal der Juni mit fast 300 Stunden, der Juli steuerte mit 197 Stunden am wenigsten bei – 2018 war das Verhältnis noch umgekehrt gewesen. Das Mittel der Jahre 1981-2010 wurde um gut 25% übertroffen, der Durchschnitt in unserer wolkenanfälligen Region liegt auch im aktuellsten und sonnenscheinreichsten Klimazeitraum seit 1991 immer noch unter 600 Stunden.

Sommer_2019_Übersicht

Sommer_2019_Chart_TT

Sommer_2019_Chart_TX

Sommer_1934-2019_TT

Sommer_1934-2019_RR

 

Autor: wesersollingwetter

Hobbymeteorologe und Autor des monatlichen Lokalwetterrückblicks im Täglichen Anzeiger Holzminden.

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