Der zweitwärmste Februar im zweitwärmsten Winter war stürmisch und sehr nass

Rückblick auf den Februar und Winter 2020 im Raum Holzminden/Bevern

Der dritte und letzte meteorologische Wintermonat geht als außergewöhnlich wetteraktiv in die regionale Klimastatistik ein: Sowohl bei der Temperatur als auch beim Niederschlag wurden die zweithöchsten Werte seit Aufzeichnungsbeginn gemessen. Dazu fegten mehrere Stürme über den Kreis hinweg und sorgten für umgestürzte Bäume und gesperrte Straßen. Schnee, bereits in den letzten beiden Wintern Mangelware, gab es diesmal überhaupt nicht in den Niederungen des Wesertals, dort war es nach 2008 der zweite Winter ohne Schnee. Stattdessen setzte es Regen satt, wie man ihn seit dem Sommer 2017 nicht mehr erlebt hatte. Die vielen Wolken ließen nur wenig Platz für die Sonne, die sich deutlich weniger als im langjährigen Durchschnitt zeigen konnte.

Mit einer Mitteltemperatur von 6,2 °C war es an der DWD-Station in Bevern im Februar 2020 um 4,4 Grad wärmer als im Durchschnitt der Jahre 1981-2010. Noch wärmer war es nur vor 30 Jahren, als am früheren Stationsstandort in Holzminden 6,8 °C gemessen worden waren. An 13 Tagen lag die Höchsttemperatur über zehn Grad, am wärmsten wurde es am 16.02. mit einem neuen Dekadenrekord von 16,3 °C. Die hohe Monatsmitteltemperatur ist aber ebenso ein Ergebnis der nahezu völlig ausgebliebenen Kälte: Nur in zwei Nächten fielen die Werte in Bevern leicht unter den Gefrierpunkt. Die durchschnittliche Anzahl an Frosttagen beträgt im langjährigen Vergleichszeitraum fast 16, der Minusrekord aus den Jahren 1961 und 1990 mit je einem Frosttag wurde nur knapp verfehlt.  Das neue Klimamittel für die Monatstemperatur im Februar der Periode 1991-2020 liegt für den Standort Bevern mit Abschluss dieses 30-Jahres-Zeitraums bei 2,43 °C und damit etwas mehr als ein Grad über dem Klimawert 30 Jahre zuvor. Der Februar hatte sich zunächst ein ganzes Stück weniger stark erwärmt als der Januar, im letzten Jahrzehnt aber aufholen können – trotz der beiden sehr kalten Vertreter 2012 und 2018. Kennzeichen des Februars bleibt seine starke Schwankung, die sich statistisch in der höchsten Standardabweichung aller zwölf Monate ausdrückt.

Der Monat wurde abgesehen von einer kurzen Pause nach Monatsbeginn von einer zyklonalen Westwetterlage dominiert, wie sie in dieser Persistenz im Februar bisher noch gar nicht beobachtet wurde. Eine solche Großwetterlage ist geprägt von einer meist recht glatt verlaufenden atlantischen Frontalzone, an der die Tiefs wie an einer Perlenschnur von West nach Ost ziehen, man spricht von einer zonal ausgerichteten Zirkulationsform. Höhenwinde können meist gut bis in die Grundschicht am Boden heruntergemischt werden, was zwei Folgen hat: Der vertikale Temperaturgradient ist gut ausgeprägt, so dass die Lufttemperatur nach oben pro 100 m um bis zu 0,1 K abnimmt. Dieser Effekt tritt nicht an jedem Tag gleich stark zutage und ist im Winter mangels Sonneneinstrahlung ohnehin etwas schwächer ausgeprägt als im Sommer, so dass die gemessene Differenz zwischen der DWD-Station Bevern auf 110 m und der MeteoGroup-Unwetterreferenzstation in Silberbornauf 428 m zwar „nur“ 2,6 K betrug, was aber deutlich mehr ist als beispielsweise im Dezember 2019, als es in Bevern lediglich 1,4 K wärmer war als in Silberborn.

Die zweite Folge der aktiven Westwetterlage: Es konnten sich gleich mehrere Sturmtiefs bilden, die zwar nicht die Intensität und Schadenshöhe der Sturmserie vor 30 Jahren erreichten, aber dennoch für gesperrte Straßen im Kreis sorgten, teils wegen umgestürzter Bäume, teils als vorbeugende Vorsichtsmaßnahme aufgrund der Gefahr, die von den trockenheitsgeschädigten Wäldern und Bäumen weiterhin ausgeht. Am stärksten fegte „Sabine“ am 9.2. mit Windstärken von bis zu 10 Beaufort über die Region hinweg, es ist nicht auszuschließen, dass in höheren und freien Lagen auch einzelne Böen mit Stärke 11 (mindestens 104 km/h) dabei waren. Auch wenn die nachfolgenden Stürme weniger stark ausgeprägt waren, blieb das Muster bis zum Monatsende quasi dasselbe: Vor allem an den Wochenenden wurde es stürmisch und vorübergehend sehr mild, anschließend sorgten Kaltfronten für weitere stürmische Böen vor allem in Schauernähe, bevor es um die Wochenmitte etwas kälter und weniger windig wurde. In der Nacht zum 11.2. weckte sogar ein Wintergewitter mit Blitz und Donner die Bewohner in der Kreisstadt, zudem gab es auch tagsüber kurzzeitig festen Niederschlag bis in die Niederungen, weil sich in höhenkalter Luft Graupelschauer entwickeln konnten. Optisch reizvoll vor allem für Hobbyfotografen ist bei einer solchen gern als „Aprilwetter“ bezeichneten Lage die rasche Abfolge von sonnigen Abschnitten und dunklen Schauerwolken mit schnell wechselnden Lichtstimmungen.

Der anhaltende Tiefdruck sorgte dafür, dass nach zuvor zwei recht trockenen Wintermonaten endlich Zählbares in die Messbecher und vor allem in die Böden fiel. Bis auf die kurze Hochdruckphase nach Monatsbeginn regnete es fast täglich und oft ergiebig, am meisten am 23.2., als in der Region flächig 20 mm und mehr als Tagessumme gemessen wurden. Unterm Strich stand schließlich der zweitnasseste Februar im Wesertal mit einer Summe von 143,6 mm in Bevern, was fast der zweieinhalbfachen Menge des Durchschnitts der Jahre 1981-2010 entspricht.

Überblick über die Niederschlagssummen im Kreis und den angrenzenden Gebieten:

Heinade-Hellental (270 m) 179,3 mm
Hehlen (133 m) 161,5 mm
Eimen-Vorwohle (265 m) 158,2 mm
Bodenfelde-Amelith (258 m) 155,6 mm
Ottenstein (295 m) 155,3 mm
Alfeld (144 m) 145,4 mm
Bevern (110 m) 143,6 mm
Holzminden (93 m) 141,5 mm
Höxter-Lüchtringen (94 m) 131,9 mm

Bei so viel Regenwolken hatte die Sonne nur wenig zu melden: Mit ca. 49 Stunden wurden in der Region nur rund 70% des langjährigen Durchschnitts erreicht. Zum Vergleich: in den beiden Jahren zuvor waren es mit 108 und 113 Stunden mehr als doppelt so viele.

Winterbilanz: Nur 2007 war es noch milder

An der DWD-Station Bevern lag die Temperatur mit 4,94 °C um 3,2 K über dem Mittel von 1981-2010, gleichbedeutend mit dem zweitwärmsten Winter seit Messbeginn hinter dem Spitzenreiter 2007, der es auf 5,54 °C brachte. Nur 23 Frosttage sind zusammen mit 1975 die zweitwenigsten nach 2007 (16), ebenso gibt es mit 7,3 K die zweitniedrigste Kältesumme (Summe aller negativen Tagesmittel) nach 1975 zu vermelden (6,4 K). Lediglich ein Eistag direkt zu Winterbeginn am 1.12. spielt ebenfalls weit vorn mit (1975 und 1989 blieben ohne einen Dauerfrosttag). Und einen alleinigen Rekord hat sich der Winter 2020 dann doch geholt: Die Tiefsttemperatur von -4,4 °C, gemessen am 2. Januar, lag an der Station Bevern so hoch wie noch nie, der bisherige Rekord von -5,5 °C aus dem Winter 1989 wurde deutlich überboten.

Die Niederschlagssumme in Bevern übertraf mit 248,6 mm das Klimamittel um gut 11%, so dass Trockenheit in den oberen und mittleren Bodenschichten nach dem regenreichen Februar vorerst kein Thema mehr ist. In der Tiefe bleibt aufgrund des verzögerten Einsickerns der Feuchtigkeit noch abzuwarten, wie nachhaltig sich die Situation entspannt.
Sonnenscheinreichster Monat war der Dezember trotz seiner geringsten astronomisch möglichen Sonnenscheindauer, der Januar blieb leicht, der Februar deutlich unterdurchschnittlich – die Summe von 143 Stunden entspricht fast genau dem langjährigen Mittel.

Februar_2020_Übersicht

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Winter_2020_Übersicht

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Winter_1952-2020_SHK

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Autor: wesersollingwetter

Hobbymeteorologe und Autor des monatlichen Lokalwetterrückblicks im Täglichen Anzeiger Holzminden.

2 Kommentare zu „Der zweitwärmste Februar im zweitwärmsten Winter war stürmisch und sehr nass“

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