So viel Winter wie lange nicht…

Kleines Zwischenfazit der aktuellen Hochwinterphase: Mit einer Schneedecke von 25 cm am Dienstagmorgen lag an der DWD-Station in Bevern so viel oder besser so hoch Schnee wie noch nie seit Inbetriebnahme der Station im Juli 2006. Der bisherige Höchstwert hatte bei 19 cm im Januar 2010 gelegen. Sucht man nach vergleichbaren Ereignissen, muss man in der Klimareihe Holzminden/Bevern schon bis 1991 zurück – damals lagen ebenfalls 25 cm am 16. Februar an der Station in Holzminden Bergblick/Sonnenwinkel. Und wieder 25 cm waren es dort maximal im eisigen Januar 1987, erst im Januar 1985 stößt man auf eine noch mächtigere Schneedecke von bis zu 30 cm. Die gab es auch zu Weihnachten 1981, über 30 cm wurden seit Messbeginn 1951 erst zweimal registriert: im Februar 1969 mit 36 cm und im legendären Januar 1979 mit bis zu 49 cm – bis heute Rekord.

Über solche Höhen kann man im Hochsolling nur müde lächeln: Aktuell liegen in Silberborn im Kurgarten an der DTN-Unwetterreferenzstation 45 cm, dort steht der Rekord bei 79 cm aus dem März 1988, gemessen an der damaligen DWD-Station Sollinger Landstraße/Anemonenweg. Der Januar 1987 brachte bis 57, der Januar 1985 sogar bis 70 cm und der Januar 1981, als noch in Neuhaus gemessen wurde, mit 71 noch einen Zentimeter mehr in der Spitze. Vergleichsweise gering waren die Unterschiede zum rund 300 m tiefer gelegenen Wesertal im Januar 1979, als in Neuhaus maximal 51 cm erreicht wurden. Allerdings taute es dort im Verlauf deutlich langsamer.

Beim Blick auf die Temperaturen zeigt sich eine ausgesprochen kalte Nacht zum heutigen Mittwoch an der Station Bevern mit Minima von -18,7 °C in zwei Metern Höhe und sogar von -24,1 °C fünf Zentimeter über dem Erdboden oder genauer: über der aktuellen Schneedecke. Während der 2m-Wert noch gut ein Kelvin über dem bisherigen Tiefstwert vom 07.01.2009 (-19,8 °C) liegt, bedeutet der 5cm-Wert einen neuen Rekord für den Standort Bevern. Die Kälterekorde der Zeitreihe inklusive des Standorts Holzminden (1951-1991) liegen bei -23,7 °C in 2 m und -28,2 °C in 5 cm Höhe und stammen vom 16.02.1956. Fast genauso kalt war es am 14.01.1987, als in zwei Metern Höhe -23,5 °C gemessen wurden.

In Silberborn lag das Minimum in zwei Metern Höhe heute Morgen bei -18,0 °C, auch dies ist ein neuer Rekord in der allerdings noch jungen Reihe seit Wiederaufnahme der Messungen im November 2016.

Die nächsten Tage bleiben dauerfrostig kalt, wobei die Tiefstwerte angesichts unsicherer Bewölkungsverhältnisse schwer zu prognostizieren sind. Ab Freitag sollte sich die Sonne immer besser durchsetzen können und im Laufe des Wochenendes dürfte sich der Frost tagsüber abschwächen, nachts ist aber weiter strenger Frost unter -10 °C über den Schneeflächen zu erwarten. Im Laufe der kommenden Woche zeigen die meisten Wettermodelle dann eine langsame Milderung an. Ob diese tatsächlich kommt und es dann zumindest tagsüber wieder für leichte Plusgrade reicht, muss aber noch abgewartet werden, es gibt auch andere Varianten im Modellpool. Erst dann wird man abschätzen können, ob es sich „nur“ um einen hochwinterlichen Abschnitt und einen kälteren Februar handelt, wie er nicht oft, aber doch gelegentlich auftritt, oder ob es evtl. sogar für den kältesten Februar seit 1986 reicht. Der allerdings war mit einer Monatstemperatur in Holzminden von -6,2 °C und -8,0 °C in Silberborn ein ganz anderes Kaliber aus einer anderen Zeit.

Foto: Thomas Seliger (Moringen). Die dortige Schneehöhe ist vergleichbar mit der in Silberborn derzeit.

Autor: wesersollingwetter

Hobbymeteorologe und Autor des monatlichen Lokalwetterrückblicks im Täglichen Anzeiger Holzminden.

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