Wenn der Winter Ernst macht …

Hochwinterliche Phasen sind seltener geworden – aber kaum weniger intensiv

Die Elektronik kann vieles automatisch, aber wenn es Winter wird, ist nach wie vor die Tätigkeit des ehrenamtlichen Wetterbeobachters gefragt. Zu deren verbliebenen Aufgaben für den Deutschen Wetterdienstes (DWD) zählen vor allem das Messen und Melden der Schneehöhe am Morgen sowie im Falle einer Schneedecke das Verschieben des Bodentemperaturfühlers auf die vorgeschriebene Höhe von 5 cm über Grund. Liegt also Schnee, muss er entsprechend höher positioniert werden, da es sonst zu Verfälschungen der Messungen kommt – und zwar markanten, denn ein im dicken Schnee vergrabener Sensor ist gut geschützt vor der Kaltluft, die er eigentlich messen soll.

Dass an der einzigen Klimastation mit Temperaturmessung im Kreis alles zuverlässig seine Ordnung hat, dafür sorgt seit fast 15 Jahren Manfred Springer aus Bevern. Und so konnte „seine“ Station am frühen Mittwochmorgen einen neuen Kälterekord in fünf Zentimetern über der 25 cm hohen Schneedecke melden: -24,1 °C. Ein Blick auf die Temperaturkarte der DWD-Stationen zeigt leider auch: Anderswo funktioniert es nicht mehr richtig. An den Hauptämtern in Alfeld und Lügde-Paenbruch beispielsweise, an denen sogenannte „Vollautomaten“ am Werk sind und kein Personal zur Verfügung steht, lagen diese Temperaturfühler gut eingemummelt im Schnee und meldeten nur ganz leichten Frost von -0,8 bzw. -2,1 °C.

Solche gegen die eigenen Vorschriften verstoßenden und wertlosen Messwerte sind nicht das einzige Problem, dass der DWD bei winterlichem Wetter hat. Auch die automatische Messung der Schneehöhen mittels Laserpunktmessung auf einer kleinen Steinplatte gerät schon an vielen Tieflandstationen zum Glückspiel, vor allem dann, wenn Wind im Spiel ist und wie am ersten Februarwochenende den frischen Schnee verweht. An Bergstationen sind diese Lasermessungen meist völlig unbrauchbar und werden bisher auf exponierten Gipfeln auch gar nicht erst versucht, was dazu geführt hat, dass nach Abzug des letzten verbliebenen Beobachters von Norddeutschlands höchstem und schneereichsten Berg, dem Brocken, seit Dezember 2020 gar keine Schneehöhen mehr vorliegen.

Dazu kommt ein Ausdünnen des Messnetzes gerade im Bereich der reinen Niederschlagstationen in den letzten 30 Jahren, wobei der Landkreis Holzminden dank einiger neu hinzugekommenen Standorte wie Hehlen und Hellental noch vergleichsweise gut aufgestellt ist mit insgesamt fünf dieser Stationen, an denen nur Niederschlag (teils automatisch, teils von Hand) und Schneehöhe (nur von Hand) gemessen werden. Dazu kommen die angrenzenden Stationen in Bodenfelde-Amelith und Höxter-Lüchtringen. Doch gerade an so klimatisch komplexen Mittelgebirgszügen wie Hochsolling, Ith oder Hils verzichtet der DWD völlig auf Wetterbeobachtungen. Auch Verlegungen und Schließungen von Stationen, wenn ein Ehrenamtler seine Arbeit beendet und kein Nachfolger gefunden werden kann oder die Standortbedingungen die Anforderungen nicht mehr erfüllen erschweren einen Vergleich der aktuellen Hochwinterphase mit früheren. Doch auch mit diesen Einschränkungen lohnt ein Streifzug durch ausgesuchte Winter zurück bis ins Jahr 1929:

2009/2010: Als es plötzlich kein Streusalz mehr gab
Die letzten Winter, die als „zu kalt“ in die Klimastatistik eingingen, sind bereits mindestens zehn Jahre her. Genau genommen waren es drei am Stück, denn bereits im Januar 2009 hatte sich der Winter nach zwei zuvor außergewöhnlich milden Exemplaren mit knackiger Kälte zurückgemeldet. Am 7. Januar erreichte die Tiefsttemperatur in Manfred Springers Garten, gemessen in zwei Metern über dem Erdboden, den bis heute für diesen Standort gültigen Rekordwert von -19,8 °C. Auf fünf Zentimetern Höhe waren es sogar -23,6 °C, diese Marke hatte gut zwölf Jahre Bestand und wurde nun am vergangenen Mittwoch unterboten. Im Vergleich der Schneehöhen nahmen sich die maximal zehn Zentimeter jenes Januars aber recht bescheiden aus.

Kälteeinbruch Anfang Januar 2009: Nach langer Zeit trug die Weser wieder Eis (Foto: Archiv TAH, Frank Müntefering)

Fast so kalt wurde es 2009 noch einmal kurz vor Weihnachten mit -17,4 °C bzw. -19,9 °C in Bevern, dazu lagen bis 9 cm Schnee, von denen sich ein Rest bis Weihnachten retten konnte, bevor vorübergehend Tauwetter die Oberhand gewann. Doch an Silvester fiel weißer Nachschub und die neue Schneedecke hielt fast drei Wochen lang und wuchs auf bis zu 19 cm an – bis zum vergangenen Dienstag war dies der höchste in Bevern gemessene Wert. Und auch der zweite Versuch des Tauwetters blieb nur von kurzer Dauer: Ab 25.01. lag erneut Schnee – diesmal für 31 Tage am Stück – die bisher längste Serie am Standort Bevern. Doch selbst mit Beginn des Frühjahrs hatte der Winter noch nicht genug und setzte ab 6. März noch einmal nach mit neuen ergiebigen Schneefällen. Streusalz war da schon längst Mangelware und wurde zu teils horrenden Preisen verkauft. Die Vorräte waren weitgehend aufgebraucht, nach den milden und quasi schneelosen Wintern zuvor hatte man, wie sich nun herausstellte, zu knapp kalkuliert.

Nach dieser Erfahrung wurden im Herbst größere Vorräte angelegt, was sich schnell als richtig herausstellen sollte. Denn Ende November schaltete das Wetter von zuvor sehr mild kurzerhand auf Hochwinter um. Der Dezember schrieb vor allem in Norddeutschland Wettergeschichte, so auch in der Region: Mit 29 Schneedeckentagen in Bevern war es der schneereichste Dezember im Oberwesertal seit Aufzeichnungsbeginn, und mit einer Monatstemperatur von -3,8 °C wurde nicht nur eine Abweichung von -5,6 K zum Klimamittel der Jahre 1961-1990, sondern auch der zweitkälteste Dezember seit Beginn der lokalen Wetterbeobachtungen 1934 registriert. Nicht einmal eine Woche später, an Heilig Drei König 2011, beendete ein markanter Vorstoß milder Luft vom Atlantik diesen fünf Wochen langen Hochwinterabschnitt – und zwar nachhaltig, denn die Gesamtbilanz des Winters 2010/11 landete mit 0,1 °C Mitteltemperatur im gemäßigt kalten Bereich. Damit blieb der vorausgegangene Winter 2010 mit -0,65 °C der kälteste dieses jüngsten Kaltwinterblocks von 2009-2011 und zugleich der kälteste der letzten 25 Jahre.

Und – hätten Sie’s gewusst? – das Jahr 2010 belegt mit insgesamt 89 Schneedeckentagen sogar den Spitzenplatz der Zeitreihe Holzminden/Bevern seit Aufzeichnungsbeginn dieses Parameters 1951!

Einer von 89 Schneedeckentagen im Jahr 2010 in Holzminden

1995/96: Wenig Schnee, aber sehr kalt
Man muss tatsächlich 25 Jahre zurück, um den bis heute letzten richtig kalten Winter aufzuspüren. Ein Winter, der interessanterweise in vielen Rückblicken und Erinnerungen kaum eine Rolle spielt. Vielleicht liegt es daran, dass er sehr trocken ausfiel und daher für einen kalten Winter recht wenig Schnee brachte. Milde Abschnitte blieben fast völlig aus und mit -1,8 °C war es tatsächlich der kälteste Winter der letzten 50 Jahre. Auf seinen Verlauf wollen wir demnächst in einer gesonderten Analyse ausführlich zurückblicken.

Wesereis im Winter 1996 (Archiv TAH, Foto: Dieter Telp)

1985-1987: Das „Kaltwintertriple“
Der Herbst 1987 markiert wie wir heute wissen den messbaren Beginn des Temperaturanstiegs in Deutschland im Zuge der globalen Erwärmung. Zuvor waren kalte und schneereiche Winter noch deutlich häufiger anzutreffen. Die drei Exemplare von 1985-1987 werden oft als „Kaltwintertriple“ bezeichnet und stehen in deutlichem Kontrast zum nachfolgenden „Mildwintertriple“ der Jahre 1988-1990. Dabei war keiner der drei Winter von 1984/85 bis 86/87 durchgehend kalt, vor allem die Dezember verliefen überwiegend mild. Doch alle drei hatten anschließend ihre markanten eisigen Abschnitte.

Der Januar 1987 brachte am 14. mit -23,5 °C den zweittiefsten Wert der Messreihe Holzminden/Bevern (Tageswerte seit 1951), noch kälter war es nur am 16.02.1956 mit -23,7 °C.  Auch der Höchstwert jenes Tages von -14,2 °C rangiert auf Platz zwei hinter dem 01.02.1956 (-15,0 °C). Dazu gab es bis 25 cm Schnee am damaligen Stationsstandort Holzminden-Bergblick und mit -5,7 °C Durchschnittstemperatur war es der zweitkälteste Nachkriegsjanuar hinter dem von 1963. Nach vorübergehender leichter Milderung im Februar schlug der Winter noch einmal kräftig zu und sorgte für den kältesten März seit Aufzeichnungsbeginn.
In Silberborn gab es damals mit 85 Schneedeckentagen am Stück eine der längsten Serien in der Wettergeschichte des Sollings, sie begann am 3. Januar und dauerte bis 28. März, in der Spitze wurden 58 cm gemessen und selbst zum kalendarischen Frühlingsbeginn am 21.03. lagen satte 42 cm. Die Tiefstwerte des Januars erreichten nicht ganz das Niveau aus Holzminden, ein immer wieder beobachteter Effekt im Winterhalbjahr, da sich die schwere Kaltluft bei Hochdrucklagen im Wesertal besser sammeln kann.
1986 war es der Februar, der für klirrende Kälte in einem bis dahin milden Winter sorgte. An der Holzmindener Station herrschte ab dem 3. durchgehend Dauerfrost, die Mitteltemperatur lag mit -6,2 °C um 7,6 K unter dem Klimawert – so kalt wurde bis heute kein Monat mehr. In Silberborn waren es sogar -8,0 °C.
1985 präsentierte sich wiederum der Januar am winterlichsten: Bis 30 cm Schnee lagen in Holzminden und sogar bis 70 in Silberborn. Eine Milderung zum Monatsende sorgte dafür, dass es mit -4,7 °C bzw. -6,0 °C nicht ganz so kalt wurde wie 1987. Dafür schloss sich im laufe des Februars noch eine weitere Phase mit Dauerfrost und sehr strengen Nachtfrösten an.

1981: Viel Schnee und tiefweiße Weihnachten
Der Januar 1981 war nicht besonders kalt, dafür aber äußerst schneereich: 27 Schneedeckentage mit bis zu 29 cm in Holzminden und sogar bis 71 cm an der damaligen Sollingstation in Neuhaus spielen ganz oben in den Hitlisten mit, im Solling gab es wieder eine lange Serie von 63 Schneetagen in Folge bis in den März. Und der Dezember sorgte nicht nur für Platz 3 bei der Jahressumme der Schneedeckentage (77) in Holzminden, sondern auch für eines der sehr seltenen richtig weißen Weihnachtsfeste im Wesertal: 28 cm lagen an Heilig Abend, 30 an den beiden Feiertagen – bis heute klarer Rekord. In Neuhaus waren es an Weihnachten 43 cm und in der Jahresbilanz imposante 109 Schneedeckentage.

1978/79: Der Katastrophenwinter
An den Winter vor 42 Jahren wurde erst kürzlich wieder in verschiedenen Dritten Programmen erinnert, die sehenswerten Dokumentationen sind noch bis in den März z. B. in den Mediatheken des NDR und MDR verfügbar. Daher seien hier nur die bis heute höchste Schneedecke der Zeitreihe Holzminden-Bevern von 49 cm am 17.+18.01. und die zweitlängste Schneephase hinter 1962/63 im Oberwesertal von 64 Tagen in Folge hervorgehoben (31.12.-04.03.), im Solling waren es in Neuhaus sogar 84 Tage am Stück. Von den schweren Folgen des Schneesturms, der in Nord- und Ostdeutschland zum Jahreswechsel und den ersten Januartagen teils Infrastruktur und Versorgung zusammenbrechen ließ und vermutlich 35 Menschenleben kostete, blieb die Region aber verschont.

Aus dem Familienalbum: Im Januar 1979 fanden die Fußballspiele auch bei Schnee statt

1969/70: So kalt war seither kein Winter mehr
Mit einer Durchschnittstemperatur von -2,4 °C war es der drittkälteste Nachkriegswinter hinter 1963 und 1947.  Der Dezember 1969 war mit -4,2 °C an der Station Holzminden sogar der kälteste seit Aufzeichnungsbeginn 1934. Ab dem 9.12. lag Schnee, der sich 54 Tage bis zum 31. 01. halten konnte, weitere Schneephasen folgten nicht nur im Februar, sondern auch noch in den Frühjahrsmonaten März und April, die beide ungewöhnlich kalt ausfielen. Der vorausgegangene Winter war weniger kalt, hatte im Februar 1969 aber mit bis 36 cm die zweithöchste bisher in Holzminden und Bevern gemessene Schneedecke gebracht. Im Solling fanden zu dieser Zeit leider keine Wetterbeobachtungen statt.

1962/63: Der strengste Winter seit Aufzeichnungsbeginn
Der legendäre Eiswinter begann zunächst mild und startete ein paar Tage vor Weihnachten durch. Der erste Eistag an der Station Holzminden wurde am 20.12.1962 gemessen, 56 weitere sollten bis zum Ende des meteorologischen Winters folgen. An der damaligen Hochsolling-Station in Torfhaus waren es sogar 69 Tage mit Dauerfrost. In der Stadt begann am 21.12. mit sehr dünner Auflage von zunächst nur einem Zentimeter die längste ununterbrochene Schneedecke der Zeitreihe bis heute (75 Tage bis zum 05.03.1963), die maximale Höhe blieb mit bis zu 18 cm aber überschaubar. Auch hier zeigt sich: die kältesten Winter brachten oft nur recht geringe Niederschlagsmengen. In Torfhaus auf fast 500 m Höhe ging es mit der Schneedecke bereits am 14.12.1962 los, sie wuchs auf zwischenzeitlich bis zu 58 cm an und konnte sich 93 Tage bis zum 16. März halten. Die Mitteltemperaturen waren mit -4,9 °C (Holzminden) und -6,6 °C (Torfhaus) die tiefsten je erfassten in der Region, die Weser fror im Laufe der Kältewelle komplett zu.

Spaziergänge und Rodeln über die Weser im Strengwinter 1963 (Archiv TAH, Foto: Herta und Richard Ritter)
Eine Ente trotzt dem Winter 1963 auf der „Kegelbahn“ zwischen Neuhaus und Boffzen (Foto: Manfred Springer)

Eisfebruar 1956
Wer den Februar 1986 erlebt hat, mag sich kaum vorstellen, dass es noch deutlich kälter geht – doch 30 Jahre zuvor war genau das geschehen: Mit -9,3 °C (homogenisiert -9,4 °C) war es in Holzminden noch einmal über 3 K kälter, überhaupt gab es wohl nur einen Monat seit Beobachtungsbeginn, der womöglich ein noch tieferes Monatsmittel aufweist: Der Januar 1940. Klar ist das aber nicht, denn aus den Kriegsjahren liegen keine offiziellen Werte aus der Stadt vor. Auch damals war der Weg vom einen zum anderen Weserufer kurz über den hart gefrorenen Fluss. Die bis heute gültigen Temperaturrekorde stammen aus diesem Monat: Tiefstes Maximum (-15,0 °C) am 01.02. und niedrigstes Minimum in zwei Metern Höhe (-23,7 °C) sowie fünf Zentimetern (-28,3 °C) jeweils am 16.02. An der Station Torfhaus war es der kälteste Monat mit einer Mitteltemperatur von -10,4 °C der dortigen Messreihe, die mit 1937-1966 eine alles andere als warme Klimaphase umfasst.

Streng- und Hungerwinter 1947
Besonders hart wurde die notleidende Bevölkerung vom zweiten Nachkriegswinter getroffen. Schon während des Krieges waren von 1940-1942 mehrere ungewöhnlich kalte Winter aufgetreten, der Januar 1940 kam an der Station Hameln auf eine Monatstemperatur von -9,6 °C, der meteorologische Winter 1939/40 war in der Region fast so eisig wie der Rekordhalter 1962/63 (vermutlich in Holzminden nur ein Zehntelgrad „wärmer“). Waren die Winter 1943-1946 eher mild verlaufen, schlugen Schnee und vor allem eisige Kälte nun wieder voll zu – zunächst wechselten sich Strengfrost und mildere Phasen noch ab, ab der dritten Januardekade folgte einer der kältesten Abschnitte überhaupt. So lag die Mitteltemperatur vom 21.01. bis 28.02. an der Station in Torfhaus bei -9,7 °C, die Schneedecke wuchs im März sogar noch an (bis auf 58 cm) und verschwand erst mit einer deutlichen Milderung zum kalendarischen Frühlingsbeginn. Aus Holzminden liegen Tageswerte erst ab 1951 vor, man kann aber anhand der regional vorliegenden Daten ein Wintermittel von -4,5 °C errechnen – nur unwesentlich weniger eisig als 1940 und 1963. In keinem anderen meteorologischen Winter fiel der „wärmste“ der drei Monate Dezember bis Februar in der Zeitreihe Holzminden/Bevern so kalt aus wie vor 74 Jahren (Dezember 1946 mit fast -2,0 °C).

1929: Noch ein Eisfebruar
Am weitesten zurück noch in die Weimarer Republik reichen die Erinnerungen an den Februar 1929. Zwar liegen aus diesem Monat keine Wetteraufzeichnungen aus der Region vor, doch die Daten aus der Umgebung zeigen: Dieser Februar war ebenso kalt wie der des Jahres 1956. Und man staunt, dass es noch so gut erhaltene Fotos gibt, die mittlerweile 92 Jahre alt sind.

Vereiste Weser…
… und Arbeitseinsatz im Februar 1929 (Archiv E. Gümmer, TAH vom 24.02.2018)
Quelle: TAH vom 16.03.2018, Archiv Rolf Böcker)

2018: Mitteltemperaturen können täuschen
Abschließend sei ein Beispiel aus jüngster Vergangenheit dafür genannt, dass auch milde Winter die Zähne zeigen können: In der Gesamtbilanz gilt der Winter 2017/18 mit 2,5 °C alles andere als kalt, der Januar mit 4,5 °C (jeweils Stationswerte aus Bevern) sogar als sehr mild. Und doch schaffte das Wochenende nach Orkan Friederike bis fast 40 cm Schnee in Silberborn am 21.01., die allerdings auch so schnell wieder tauten wie sie gefallen waren. Und ein scharfer Kaltlufteinbruch Ende Februar brachte neben neuen Minusrekorden bei den lokalen Tageshöchstwerten sogar große Eisschollen auf der Weser zum Start ins meteorologische Frühjahr Anfang März.

35 cm Schnee im Hochmoor Mecklenbruch am 21. Januar 2018, knapp 40 cm sogar am Ortseingang – und drei Tage später war davon fast nichts mehr zu sehen
Klirrend kalt war das Finale des Winters 2018, der Start ins meteorologische Frühjahr konnte optisch kaum kälter ausfallen (Foto vom 2. März an der Weserbrücke Gieselwerder)

Fazit: Im Zuge des Klimawandels sind hochwinterliche Abschnitte seltener und kürzer geworden, wenn die Zutaten allerdings passen, stehen sie in der Intensität jenen der Vergangenheit kaum nach. Und manche Klimaforscher sehen sogar wieder eine Zunahme solcher Phasen aufgrund der deutlichen Erwärmung der Arktis und einer damit verbundenen Schwächung der Westwindzirkulation aufgrund abnehmender Temperaturgegensätze zwischen Polarregion und dem Subtropengürtel. Es bleibt also spannend beim Wetter.

Autor: wesersollingwetter

Hobbymeteorologe und Autor des monatlichen Lokalwetterrückblicks im Täglichen Anzeiger Holzminden.

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