Bilanz der Kältewelle

Kürzer, aber intensiver als vor neun Jahren

Mit dem Überschreiten des Gefrierpunkts an diesem Vormittag endet im Holzmindener Oberwesertal sowohl der Dauerfrost als auch die Kältewelle, die die Region gut eine Woche fest im Griff hatte, bevor sie nun überraschend schnell deutlich milderer Luft Platz machen muss. Derzeit sieht es sogar nach dem ersten Vorfrühlingshauch im Laufe des kommenden Wochenendes aus, doch das bleibt erst noch abzuwarten. Aktuell ist in der Übergangsphase mit bei noch kalter Grundschicht und gefrorenen Böden mit einer gefährlichen Glatteislage zu rechnen. Die entsprechende Vorabinformation des DWD wurde am Vormittag zur Warnung hochgestuft.

Zeit für eine Bilanz der Werte an der DWD-Station Bevern:
Die aktuelle Kältewelle dauerte acht Tage vom 07.-14.02.2021. Dabei gab es acht Eistage, zugleich die ersten des meteorologischen Winters, mit Maxima zwischen -6,6 und -0,8 °C. Die in diesem Zeitraum erzielte Kältesumme beträgt 77,6 K. Bei den Minima gab es fünf Strengfrostnächte, vier davon mit sehr strengem Frost mit bis zu -18,7 °C, die drei kältesten Nächte lagen mit 18,5-18,7 °C sehr nahe beieinander. Bei der Zählung nach Klimatagen waren es sechs Tage mit sehr strengem Frost in Folge (-16,0 bis -18,7 °C). Mit bis zu -24,8 °C gab es am Standort Bevern neue Rekorde bei den TEmin. Die tiefste Tagesmitteltemperatur betrug -12,8 °C, fünf Tage blieben unter -10 °C.

Zum Vergleich: Die Kältewelle von Ende Januar bis kurz vor Mitte Februar 2012 brachte eine Kältesumme von 121,7 K und 15 Eistage in Folge mit Maxima von -6,4 bis -0,4 °C. Damals gab es elf Strengfrosttage nacheinander, davon aber nur zwei mit sehr strengem Frost und ein absolutes Minimum von -17,0 °C.
Damals lag so gut wie kein Schnee (nur an drei Tagen jeweils 1 cm, diesmal dagegen bis 25 cm und seit acht Tagen mindestens 18 cm), was ein noch tieferes Absinken der Nachtwerte verhinderte. Das sieht man auch an den 5cm-Werten, die vor neun Jahren „nur“ bis -19,0 °C sanken. Bei den Tagesmittelwerten gab es 2012 bis zu -11,4 °C und ebenfalls fünf Tage unter -10 °C.

Die aktuelle Monatstemperatur beträgt derzeit -3,9 °C, das sind -5,9 K weniger als im Mittel von 1991-2020 für die erste Februarhälfte. Zugleich wird es der Tiefpunkt für diesen Monat gewesen sein.
2012 setzte die Kälte deutlich früher ein und endete zwei Tage früher, damals gab es ein Verlaufstief von -10,1 °C nach der ersten Woche und nach dem 14. (nicht ganz Monatsmitte, weil Schaltjahr) waren es -7,6 °C.

Somit spricht sehr viel dafür, dass der Februar 2021 vor Ort weniger kalt ausfällt als 2012, zumal sich die Milderung nun doch rascher und deutlicher durchsetzen dürfte als es noch vor einigen Tagen aussah.

Beim Schnee wird es nun auch abwärts gehen, doch hier kann man auf einen noch außergewöhnlicheren Abschnitt zurückblicken (und ein bisschen dauert es ja auch noch, bis alles getaut ist). Heute Morgen wurden aus Bevern immer noch 18 cm gemeldet, es ist der achte Tag in Folge, der mindestens diese Höhe erreichte, zwischenzeitlich waren es sogar 25 cm. Ein solches Schneeereignis gab es lange nicht in den Niederungen der Region, im Januar 2013 waren es zwölf Schneedeckentage in Folge bei allerdings nur maximal zehn Zentimetern. Sucht man gezielt nach mindestens acht Tagen mit mindestens 18 cm, wird man sogar erst sogar erst im Januar 1985 wieder fündig. Zugegeben: Etwas viel Zahlenspielerei, denn insgesamt brachten alle Wintermonate des Jahres 2010 – Januar, Februar und Dezember – längere Abschnitte mit einer wenn auch etwas geringeren Schneedecke.

Autor: wesersollingwetter

Hobbymeteorologe und Autor des monatlichen Lokalwetterrückblicks im Täglichen Anzeiger Holzminden.

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