Zwischen Kältewelle und Wärmerekorden lagen nur wenige Tage

Viel Schnee und extreme Temperaturen kennzeichneten den Februar 2021

Blickt man nur auf die Monatstemperatur an der Klimastation des DWD in Bevern, war der Februar 2021 zwar etwas kälter als im Mittel der letzten 30 Jahre, aber alles andere als auffällig. Doch hinter der vermeintlichen Durchschnittskost verbergen sich extreme Witterungsphasen, die es in so rascher Abfolge noch nie gegeben hat seit Beginn der lokalen Wetterbeobachtungen. Auf Strengfrostnächte bis fast -20 Grad und Schneehöhen, wie sie zuletzt vor 34 Jahren gemessen wurden, folgte fast nahtlos der wärmste bisher in einem Februar registrierte Abschnitt mit einem neuen Monatsrekord von 19,3 °C. Zwischen Dauerfrost und dem Überschreiten der 15-Grad-Marke lagen ganze sechs Tage. Dazu war es etwas trockener und deutlich sonniger als im klimatologischen Durchschnitt.

Mit einer Monatstemperatur von 1,36 °C war der Februar 2021 an der DWD-Station in Bevern um knapp 1,1 K kälter als das Mittel der aktuellen Klimaperiode 1991-2020. Sah es zwischenzeitlich sogar nach einem sehr kalten Monat aus mit dem Potenzial, der kälteste seit 1986 zu werden, wendete sich das Blatt nach Monatsmitte deutlich. Die Aufholjagd endete exakt auf dem Niveau des Durchschnitts der Jahre 1961-1990 und sorgte dafür, dass der Monat im Vergleich zu den letzten 30 Jahren im unteren Mittelfeld landete.
An der DTN-Station in Silberborn war es, wie es sich für den Hochsolling gehört, zwar bei den absoluten Werten noch etwas kälter, im Vergleich zum dortigen Klima allerdings ein ganzes Stück milder: Die im Kurgarten gemessene Monatsmitteltemperatur lag mit 0,7 °C um 0,3 K über dem jüngeren Klimawert ab 1991 und um 1,5 K über dem älteren der Jahre 1961-1990. Hauptgrund dafür waren weniger eisige Nächte als im Wesertal, wo sich die schwere Kaltluft besser sammeln und länger halten konnte. Auch während der sehr milden Phase kurz vor Monatsende blieben die Nächte im Solling wärmer als in den Niederungen.

Nach noch milden Tagen zu Monatsbeginn legte der Winter im Laufe des ersten Wochenendes so richtig los: Dauerfrost und Schneeverwehungen verwandelten die Region in wenigen Stunden in eine hochwinterliche Landschaft mit entsprechenden Verkehrsbehinderungen und einzelnen Straßensperren. Teils türmten sich die Schneewehen auf über 2 Meter Höhe und ließen auch den Räumfahrzeugen keine Chance. Offiziell nach meteorologischen Standards wurden zu Beginn der zweiten Woche bis zu 25 cm an der Klimastation in Bevern gemessen und bis 45 cm im Kurgarten von Silberborn. An den meisten anderen Stationen des DWD im Kreis waren es um 30 cm, in Ottenstein sogar fast 40 – dort hatte der Wind seine Hand kräftig im Spiel. Je nach Standort war es die höchste Schneedecke seit elf oder im Falle von Bevern sogar seit 30 Jahren, als letztmals an der Holzmindener Vorgängerstation 25 cm gemessen wurden. Während diese Höhe im Februar 1991 aber eine Eintagsfliege blieb, lagen diesmal an acht Tagen in Folge mindestens 18 cm, so dass man weitere vier Jahre in den Januar 1987 zurück muss, um ein vergleichbares Schneeereignis in der Klimareihe Bevern/Holzminden zu finden.

Ursache für den kräftigen Wintereinbruch war eine Strömungsumkehr auf nordöstliche Richtung quasi durch die „Hintertür“ über eine südliche Westlage. Dabei ist die atlantische Frontalzone, auf der die Tiefdruckgebiete in der Regel von West nach Ost ziehen, deutlich nach Süden verschoben. Die Tiefs ziehen also statt über Skandinavien hinweg durchs Mittelmeer und können anschließend auf ihrer Nordseite kalte Luft aus Osten anzapfen. Gesellt sich dann noch ein kräftiges Hoch über Skandinavien hinzu, entsteht die für Mitteleuropa winterlichste Großwetterlage.  
In der zunächst noch feuchten Luft konnten sich die Schneefälle bilden, die am Samstagabend einsetzten und bis in den Montag anhielten. Der eisige und böige Nordostwind tat sein Übriges zum winterlichsten Witterungsabschnitt seit vielen Jahren. Anschließend ließen Niederschläge und Wind nach und die Wolkenlücken wurden größer, was zu mehr Sonnenanteilen tagsüber und sehr strengem Frost in der Nacht und den frühen Morgenstunden führte mit Tiefstwerten von bis zu -18,0 °C in Silberborn und -18,7 °C in Bevern, jeweils in zwei Metern Höhe gemessen. Fünf Zentimeter über der Schneedecke wurden in Bevern sogar fast -25 Grad erreicht – der tiefste Wert an diesem Standort seit Inbetriebnahme 2006.  

Doch so schnell und heftig der Winter aus Nordosten gekommen war, so rasch wurde er anschließend mit Beginn der zweiten Monatshälfte wieder verdrängt, zunächst von einer Westströmung, in der mildere Luft in der Höhe mit Regen auf die noch gefrorenen Böden traf und gebietsweise für gefährliches Glatteis sorgte. Später stellte sich mit einer Südwest- bis Südlage sogar der wärmste bisher in einem Februar beobachtete Witterungsabschnitt ein. Nur sechs Tage nach dem letzten Dauerfrosttag kletterten die Werte am 20.02. in Bevern erstmals über die 15-Grad-Marke – und sollten sich sechs Tage lang auf einem Niveau halten, das dem Durchschnitt von Ende April/Anfang Mai entspricht. Am 23. wurde der erst zwei Jahre alte Rekord von 18,5 °C eingestellt und tags drauf um fast ein Grad übertroffen. Auch in Silberborn gab es mit 16,3 °C einen neuen Februarrekord.

Die Temperaturspanne zwischen dem tiefsten Minimum und höchsten Maximum betrug in Bevern 38,0 Kelvin und lag damit so hoch wie nie zuvor innerhalb eines Monats seit Aufzeichnungsbeginn. Zwar ist der Februar für seine großen Schwankungen bekannt, aber solche aufeinanderfolgenden Extreme waren bisher nicht dokumentiert. An den DWD-Stationen Mühlhausen und Dachwig in Thüringen lag diese Spanne sogar bei jeweils 45,6 Kelvin!

Zu Beginn der letzten Woche zeigte sich ein weiteres Wetterphänomen, das bei Südlagen gern einmal auftritt: Saharastaub wurde bis nach Mitteleuropa verfrachtet und trübte die Atmosphäre, was zu vorübergehend gedämpfter Sonneneinstrahlung und ungewöhnlichen Himmelsfärbungen führte. Hatte sich die Sonne in der ersten Monatsdekade noch sehr schwer getan, zeigte sie sich anschließend regelmäßiger und länger, an mehreren Tagen blieb es sogar weitgehend wolkenlos. Unterm Strich stand mit 93 Stunden ein sonnenscheinreicher Monat, in dem das Klimamittel um 37% übertroffen wurde.

Kranichzug vor von Saharastaub verdunkelter Sonne (Foto: Annette Mokross)

Beim Niederschlag hingegen steht ein Minus im Vergleich zum 30-jährigen Durchschnitt: Regen und Schnee ergaben in Summe in Bevern mit 54,2 mm und in Silberborn mit 73,4 mm jeweils nur rund 90% vom Klimawert. An zwölf Tagen lag in Bevern Schnee, das hatte es zuletzt im Januar 2013 gegeben; in Silberborn an 15 Tagen – dort hatte bereits der diesjährige Januar mehr zu bieten, jedenfalls bei der Anzahl der Schneedeckentage. Die zwischenzeitlich gemessenen 45 cm sind aber auch im Solling längst kein Standard (mehr).

Titelbild: Annette Mokross

Autor: wesersollingwetter

Hobbymeteorologe und Autor des monatlichen Lokalwetterrückblicks im Täglichen Anzeiger Holzminden.

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