Herbstlicher Gemischtwarenladen

Der Oktober 2021 brachte Durchschnittswerte bei Temperatur und Sonnenschein / Trockenheit setzt sich fort

Sonne, Wolken, Nebel, Regen und ein erster Herbststurm – der zweite meteorologische Herbstmonat brachte von allem etwas und bilanzierte bei den Temperatuten und der Sonnenscheindauer sehr nah an den langjährigen Durchschnittswerten. Beim Niederschlag zeigte sich der Oktober hingegen geizig und verfehlte sein Klimamittel meist um mehr als die Hälfte. Nachdem bereits der September deutlich zu trocken ausgefallen war, wuchs das Regendefizit in der Region weiter an.

Die Monatstemperatur lag an der DWD-Station in Bevern mit 10,24 °C um 0,3 K über dem Mittel der Jahre von 1991-2020. Gegenüber der älteren Klimaperiode von 1961-1990 betrug das Plus etwas höhere 0,7 K, wobei die Differenz zwischen den beiden Klimanormwerten in keinem Monat so gering ausfällt wie im Oktober. Die Spannweite zwischen dem wärmsten und kältesten Oktober beträgt fast sieben Kelvin (13,2 und 6,3 °C), beide Extremwerte stammen aus dem aktuellen Jahrhundert, was bei den Wärmerekorden normal, bei den Kälterekorden aber durchaus ungewöhnlich ist: Kurz nach dem „Jahrhundertsommer“ wurde im Jahr 2003 der lokal bisher kälteste Oktober gemessen. Immer bezogen auf die bis 1934 zurückreichende Klimareihe versteht sich: Ein Blick in noch ältere Wetteraufzeichnungen aus der Umgebung zeigt zum Beispiel, dass der Oktober 1922 mit nur rund fünf Grad noch ein ganzes Stück kälter war.

Zurück zur Gegenwart: Wärmster Tag des Monats war der Feiertag am 3. Oktober mit einem Höchstwert von 22,7 °C in Bevern, zugleich der wohl letzte warme Tag des Jahres mit einem Maximum von mindestens 20 Grad. Zwar wurde diese Marke im vergangenen Jahr erstmals in einem November übersprungen, das aktuelle Wetter und die Aussichten schließen eine Wiederholung aber so gut wie aus. Alle Tageshöchstwerte blieben oberhalb der Zehn-Grad-Marke – ein eher seltenes Ereignis, meist werden zu dieser Zeit die ersten einstelligen Maxima gemessen. Der erste Frost kam am 10. Oktober und damit deutlich früher als 2020, als es bis zum 20. November dauerte, bis die Temperatur in zwei Metern Höhe in Bevern erstmals im Herbst unter den Gefrierpunkt gefallen war.

An der Hochsolling-Wetterstation in Silberborn blieb die Nacht zum 10.10. noch frostfrei, gerade im Herbst ist es ja nicht ungewöhnlich, dass es auf über 400 m Höhe nicht so stark auskühlt wie in den Niederungen des Wesertals. Am 24.10. wurde dann aber auch im Kurgarten der erste leichte Frost der Saison gemessen. Wärmster Tag war auch hier der Tag der Deutschen Einheit, die 20-Grad-Marke wurde aber nicht mehr ganz erreicht, so dass als höchstes Maximum eine 19,5 steht. Die Monatsmitteltemperatur lag mit 8,7 °C um 0,6 K über dem Klimawert der Jahre 1991-2020, relativ auf das jeweilige Lokalklima bezogen war es also geringfügig wärmer als in Bevern, unterm Strich an beiden Standorten ein sehr unauffälliger Monat bei den Temperarturen.

Bei der Wetterlagenanalyse fallen wie schon im September vorwiegend Hochdrucklagen auf, diese brachten aber jahreszeitbedingt nur noch an wenigen Tagen ungetrübten Sonnenschein und oft hochnebelartige Bewölkung. Sehr kräftig war der Warmluftvorstoß zu Monatsbeginn im Rahmen einer Südlage: Die Höchstwerte von fast 23 Grad in Bevern und knapp 20 Grad im Solling am Feiertag wurden ohne Sonnenscheinunterstützung erreicht, waren also ausschließlich der Luftmasse und kräftigem Wind geschuldet. Anschließend dominierte die Großwetterlage „Hochdruckbrücke Mitteleuropa“, zu Beginn der zweiten Dekade durch eine ehr kühle Nordlage unterbrochen. Eine kurzzeitige tiefdruckgeprägte Westlage bescherte der Region am Anfang der dritten Dekade den ersten Herbststurm und immerhin ein paar nassere Tage, bevor die Rückdrehung der Strömung über Südwest auf Süd ein ungewöhnlich mildes Monatsende mit Höchstwerten von bis zu 18 Grad brachte.

Herbstfarben zwischen Weser und Solling, eingefangen von Annette Mokross

Die Niederschlagsbilanz blieb erneut deutlich unter den langjährigen Klimawerten: Bevern meldete nur 31,5 mm, was nicht einmal der Hälfte des 30-Jahres-Durchschnitts von 1991-2020 entspricht (46%). Quasi identisch war das Bild in Silberborn mit 42,8 mm, was ebenfalls lediglich 46% des dortigen Mittels ausmacht. Die weiteren Werte der Region: Lüchtringen kam sogar nur auf 26,7 mm; 33,1 mm waren es in Polle, 30,1 in Ottenstein, 34,5 in Hehlen, 42,7 in Eimen-Vorwohle, 43,4 in Hellental und 37,5 mm in Amelith. Bei der klimatischen Einordnung ist zu beachten, dass manche Karten und Tabellen als Referenzperiode noch die Jahre 1961-1990 verwenden, in der der Oktober deutlich trockener war. Die jüngsten 30 Jahre brachten eine Steigerung um ca. ein Drittel des mittleren Niederschlags, in Bevern zum Beispiel von 50,0 auf gut 68 mm. Der Oktober ist damit nicht nur der Monat mit der schwächsten Erwärmung, sondern zugleich der mit dem stärksten Zuwachs an Niederschlag. In der Jahressumme ist es in den letzten 30 Jahren hingegen geringfügig, seit 2011 sogar deutlich trockener geworden.

Und auch bei der Sonnenscheindauer nimmt der Oktober bei der Entwicklung seit 1991 eine Sonderrolle ein: Anders als in den meisten anderen Monaten hat die Anzahl der Sonnenstunden nicht zu-, sondern leicht abgenommen und liegt in der Region bei ca. 97 Stunden. Genau dieses Niveau erreichte auch der aktuelle Oktober und schaffte damit wie zuvor bereits der September bei diesem Parameter eine Punktlandung auf dem klimatischen Mittelwert. Am sonnigsten wurde es am Wochenende 9./10. mit jeweils über acht Stunden, der höchste Tageswert wurde am 24. mit fast neun Stunden erzielt. An nur drei Tagen zeigte sich die Sonne überhaupt nicht, das ist eine für die Jahreszeit in der Region ungewöhnlich niedrige Anzahl.

Der Wind schließlich war im Gegensatz zum September zumindest vorübergehend ein Thema: Der kräftige Südwind am warmen 3. Oktober brachte vereinzelte Böen bis Bft. 8 (stürmischer Wind) und das erste Sturmtief der Saison am 21. (mit etwas unklarer Namensgebung wegen einer sehr komplexen Bodenwetterlage, schließlich erhielt es den Namen „Hendrik II“) sogar Sturmböen (Bft. 9). Auch schwere Sturmböen (Bft. 10, ab 89 km/h) sind nicht auszuschließen, so wurden in Hameln 90,4 km/h gemessen, in Göttingen 87,1, in Alfeld hingegen nur 72 km/h. Leider ist die Windmessstation des DWD in Northeim-Stöckheim an jenem Tag ausgefallen und lieferte keinen Messwert.

Goldener Oktoberbaum © Annette Mokross

Autor: wesersollingwetter

Hobbymeteorologe und Autor des monatlichen Lokalwetterrückblicks im Täglichen Anzeiger Holzminden.

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