Annette Mokross aus Polle hat die hochwinterliche Phase in der ersten Februarhälfte mit der Kamera eingefangen – und an der Weser faszinierende Motive festgehalten. Wer weiß, wann es wieder einmal so aussehen in der Region?
Herzlichen Dank , dass diese Auswahl hier gezeigt und genossen werden darf – mit einem Klick auf eines der Fotos öffnet sich die Galerie mit Darstellung in voller Größe:
Und auch der Übergang und die nachfolgende sehr warme Phase boten etwas für das Auge – farbenprächtige Sonnenauf- und untergänge ebenso wie die Trübungen durch den Saharastaub.
Neuer Monatsrekord beim Tageshöchstwert an der DWD-Station Bevern
Der Durchzug einer Kaltfront beendete in der Nacht zum Freitag den außergewöhnlich milden Witterungsabschnitt, der sich fast nahtlos an die vorausgegangene Kältewelle angeschlossen hatte. Mit 19,3 °C wurde am Mittwoch (24.02.) ein neuer Rekord beim Tageshöchstwert in einem Februar für die Zeitreihe 2323 Bevern/Holzminden aufgestellt, der vorherige Spitzenwert stammte vom 27.02.2019 mit 18,5 °C und hielt nicht einmal zwei Jahre. Zudem gab es erstmals in einem Februar eine Serie von sechs Tagen in Folge mit einem Maximum oberhalb der 15-Grad-Marke, davon vier über 18 °C. Beim Tagesmittelwert fiel die Bilanz weniger spektakulär aus, aufgrund des Hochdruckeinflusses mit nächtlicher Ausstrahlung betrug dieser in der Spitze „nur“ 11,2 °C am Donnerstag (25.02.) – ein ganzes Stück entfernt vom offiziellen Rekordwert vom 14.02.1958 mit 13,8 °C. Womöglich war es Anfang Februar 2004 während der Messlücke noch etwas wärmer.
Unter dem Strich heben sich die beiden extrem temperierten Phasen des heute zu Ende gehenden Monats fast gegeneinander auf. Der Februar 2021 dürfte mit 1,3 °C sehr nahe am Klimamittel der Periode 1961-1990 abschließen, gegenüber dem aktuellen Durchschnittswert der Jahre 1991-2020 wird aber ein Minus von voraussichtlich -1,1 K übrig bleiben. Damit gehört er zu den kälteren der letzten 30 Jahre (elf waren kälter, 18 wärmer), ohne bei der Mitteltemperatur auffällig zu werden. Der Februar 2021 zeigt damit besonders deutlich, wie wenig die reine Durchschnittstemperatur über den Verlauf im Detail aussagt.
Zwischen Dauerfrost und Tagesrekord lagen nur wenige Tage
Lagen am vergangenen Sonntag (14.02.) bei Dauerfrost noch 20-35 cm Schnee in der Region, hat sich nicht einmal eine Woche später der Vorfrühling durchgesetzt. Und zwar mit Macht: Mit 18,1 °C wurde es an der DWD-Station in Bevern so warm wie noch nie an einem 21. Februar seit Tageswerte vorliegen (1951). Lediglich am 27.02.2019 war es mit 18,5 °C noch etwas wärmer. Nie zuvor war es also so früh im Jahr so warm wie gestern. Der bisherige Höchstwert an einem 21.02. hatte zuvor 16,6 °C betragen, das Maximum der ersten drei Februarwochen stammte vom 04.02.2004 mit 16,7 °C.
Damit schreibt dieser Februar in doppelter Hinsicht Wettergeschichte: Nur wenige Tage nach der markanten Kältewelle (der kräftigsten seit neun Jahren) mit Minima bis -18,7 °C sorgen nun Extremwerte auf der warmen Seite dafür, dass die Spanne zwischen dem Tiefst- und dem Höchstwert des Monats aktuell bei außergewöhnlichen 36,8 Kelvin liegt.
Und der gestrige Tag war keine Eintagsfliege – vielmehr reiht er sich in eine Serie von ungewöhnlichen warmen Tagen mit Höchstwerten ein, die dem Durchschnitt von Ende April/Anfang Mai entsprechen. Bis Donnerstag soll sich die frühe Wärme noch halten, bevor es zum Wochenende wohl (deutlich) abkühlt. Ein Winterrückfall ist aber derzeit nicht in Sicht. Heute allerdings könnten sich die Vorhersagen mit bis 17 °C als etwas zu hoch erweisen: Saharastaub, der die Atmosphäre trübt und die Sonneneinstrahlung bremst, hat sich über Nacht von Süden her ausgebreitet und dürfte auch die Region in den nächsten Stunden erreichen.
Mit dem Überschreiten des Gefrierpunkts an diesem Vormittag endet im Holzmindener Oberwesertal sowohl der Dauerfrost als auch die Kältewelle, die die Region gut eine Woche fest im Griff hatte, bevor sie nun überraschend schnell deutlich milderer Luft Platz machen muss. Derzeit sieht es sogar nach dem ersten Vorfrühlingshauch im Laufe des kommenden Wochenendes aus, doch das bleibt erst noch abzuwarten. Aktuell ist in der Übergangsphase mit bei noch kalter Grundschicht und gefrorenen Böden mit einer gefährlichen Glatteislage zu rechnen. Die entsprechende Vorabinformation des DWD wurde am Vormittag zur Warnung hochgestuft.
Zeit für eine Bilanz der Werte an der DWD-Station Bevern: Die aktuelle Kältewelle dauerte acht Tage vom 07.-14.02.2021. Dabei gab es acht Eistage, zugleich die ersten des meteorologischen Winters, mit Maxima zwischen -6,6 und -0,8 °C. Die in diesem Zeitraum erzielte Kältesumme beträgt 77,6 K. Bei den Minima gab es fünf Strengfrostnächte, vier davon mit sehr strengem Frost mit bis zu -18,7 °C, die drei kältesten Nächte lagen mit 18,5-18,7 °C sehr nahe beieinander. Bei der Zählung nach Klimatagen waren es sechs Tage mit sehr strengem Frost in Folge (-16,0 bis -18,7 °C). Mit bis zu -24,8 °C gab es am Standort Bevern neue Rekorde bei den TEmin. Die tiefste Tagesmitteltemperatur betrug -12,8 °C, fünf Tage blieben unter -10 °C.
Zum Vergleich: Die Kältewelle von Ende Januar bis kurz vor Mitte Februar 2012 brachte eine Kältesumme von 121,7 K und 15 Eistage in Folge mit Maxima von -6,4 bis -0,4 °C. Damals gab es elf Strengfrosttage nacheinander, davon aber nur zwei mit sehr strengem Frost und ein absolutes Minimum von -17,0 °C. Damals lag so gut wie kein Schnee (nur an drei Tagen jeweils 1 cm, diesmal dagegen bis 25 cm und seit acht Tagen mindestens 18 cm), was ein noch tieferes Absinken der Nachtwerte verhinderte. Das sieht man auch an den 5cm-Werten, die vor neun Jahren „nur“ bis -19,0 °C sanken. Bei den Tagesmittelwerten gab es 2012 bis zu -11,4 °C und ebenfalls fünf Tage unter -10 °C.
Die aktuelle Monatstemperatur beträgt derzeit -3,9 °C, das sind -5,9 K weniger als im Mittel von 1991-2020 für die erste Februarhälfte. Zugleich wird es der Tiefpunkt für diesen Monat gewesen sein. 2012 setzte die Kälte deutlich früher ein und endete zwei Tage früher, damals gab es ein Verlaufstief von -10,1 °C nach der ersten Woche und nach dem 14. (nicht ganz Monatsmitte, weil Schaltjahr) waren es -7,6 °C.
Somit spricht sehr viel dafür, dass der Februar 2021 vor Ort weniger kalt ausfällt als 2012, zumal sich die Milderung nun doch rascher und deutlicher durchsetzen dürfte als es noch vor einigen Tagen aussah.
Beim Schnee wird es nun auch abwärts gehen, doch hier kann man auf einen noch außergewöhnlicheren Abschnitt zurückblicken (und ein bisschen dauert es ja auch noch, bis alles getaut ist). Heute Morgen wurden aus Bevern immer noch 18 cm gemeldet, es ist der achte Tag in Folge, der mindestens diese Höhe erreichte, zwischenzeitlich waren es sogar 25 cm. Ein solches Schneeereignis gab es lange nicht in den Niederungen der Region, im Januar 2013 waren es zwölf Schneedeckentage in Folge bei allerdings nur maximal zehn Zentimetern. Sucht man gezielt nach mindestens acht Tagen mit mindestens 18 cm, wird man sogar erst sogar erst im Januar 1985 wieder fündig. Zugegeben: Etwas viel Zahlenspielerei, denn insgesamt brachten alle Wintermonate des Jahres 2010 – Januar, Februar und Dezember – längere Abschnitte mit einer wenn auch etwas geringeren Schneedecke.
Hochwinterliche Phasen sind seltener geworden – aber kaum weniger intensiv
Die Elektronik kann vieles automatisch, aber wenn es Winter wird, ist nach wie vor die Tätigkeit des ehrenamtlichen Wetterbeobachters gefragt. Zu deren verbliebenen Aufgaben für den Deutschen Wetterdienstes (DWD) zählen vor allem das Messen und Melden der Schneehöhe am Morgen sowie im Falle einer Schneedecke das Verschieben des Bodentemperaturfühlers auf die vorgeschriebene Höhe von 5 cm über Grund. Liegt also Schnee, muss er entsprechend höher positioniert werden, da es sonst zu Verfälschungen der Messungen kommt – und zwar markanten, denn ein im dicken Schnee vergrabener Sensor ist gut geschützt vor der Kaltluft, die er eigentlich messen soll.
Dass an der einzigen Klimastation mit Temperaturmessung im Kreis alles zuverlässig seine Ordnung hat, dafür sorgt seit fast 15 Jahren Manfred Springer aus Bevern. Und so konnte „seine“ Station am frühen Mittwochmorgen einen neuen Kälterekord in fünf Zentimetern über der 25 cm hohen Schneedecke melden: -24,1 °C. Ein Blick auf die Temperaturkarte der DWD-Stationen zeigt leider auch: Anderswo funktioniert es nicht mehr richtig. An den Hauptämtern in Alfeld und Lügde-Paenbruch beispielsweise, an denen sogenannte „Vollautomaten“ am Werk sind und kein Personal zur Verfügung steht, lagen diese Temperaturfühler gut eingemummelt im Schnee und meldeten nur ganz leichten Frost von -0,8 bzw. -2,1 °C.
Solche gegen die eigenen Vorschriften verstoßenden und wertlosen Messwerte sind nicht das einzige Problem, dass der DWD bei winterlichem Wetter hat. Auch die automatische Messung der Schneehöhen mittels Laserpunktmessung auf einer kleinen Steinplatte gerät schon an vielen Tieflandstationen zum Glückspiel, vor allem dann, wenn Wind im Spiel ist und wie am ersten Februarwochenende den frischen Schnee verweht. An Bergstationen sind diese Lasermessungen meist völlig unbrauchbar und werden bisher auf exponierten Gipfeln auch gar nicht erst versucht, was dazu geführt hat, dass nach Abzug des letzten verbliebenen Beobachters von Norddeutschlands höchstem und schneereichsten Berg, dem Brocken, seit Dezember 2020 gar keine Schneehöhen mehr vorliegen.
Dazu kommt ein Ausdünnen des Messnetzes gerade im Bereich der reinen Niederschlagstationen in den letzten 30 Jahren, wobei der Landkreis Holzminden dank einiger neu hinzugekommenen Standorte wie Hehlen und Hellental noch vergleichsweise gut aufgestellt ist mit insgesamt fünf dieser Stationen, an denen nur Niederschlag (teils automatisch, teils von Hand) und Schneehöhe (nur von Hand) gemessen werden. Dazu kommen die angrenzenden Stationen in Bodenfelde-Amelith und Höxter-Lüchtringen. Doch gerade an so klimatisch komplexen Mittelgebirgszügen wie Hochsolling, Ith oder Hils verzichtet der DWD völlig auf Wetterbeobachtungen. Auch Verlegungen und Schließungen von Stationen, wenn ein Ehrenamtler seine Arbeit beendet und kein Nachfolger gefunden werden kann oder die Standortbedingungen die Anforderungen nicht mehr erfüllen erschweren einen Vergleich der aktuellen Hochwinterphase mit früheren. Doch auch mit diesen Einschränkungen lohnt ein Streifzug durch ausgesuchte Winter zurück bis ins Jahr 1929:
2009/2010: Als es plötzlich kein Streusalz mehr gab Die letzten Winter, die als „zu kalt“ in die Klimastatistik eingingen, sind bereits mindestens zehn Jahre her. Genau genommen waren es drei am Stück, denn bereits im Januar 2009 hatte sich der Winter nach zwei zuvor außergewöhnlich milden Exemplaren mit knackiger Kälte zurückgemeldet. Am 7. Januar erreichte die Tiefsttemperatur in Manfred Springers Garten, gemessen in zwei Metern über dem Erdboden, den bis heute für diesen Standort gültigen Rekordwert von -19,8 °C. Auf fünf Zentimetern Höhe waren es sogar -23,6 °C, diese Marke hatte gut zwölf Jahre Bestand und wurde nun am vergangenen Mittwoch unterboten. Im Vergleich der Schneehöhen nahmen sich die maximal zehn Zentimeter jenes Januars aber recht bescheiden aus.
Kälteeinbruch Anfang Januar 2009: Nach langer Zeit trug die Weser wieder Eis (Foto: Archiv TAH, Frank Müntefering)
Fast so kalt wurde es 2009 noch einmal kurz vor Weihnachten mit -17,4 °C bzw. -19,9 °C in Bevern, dazu lagen bis 9 cm Schnee, von denen sich ein Rest bis Weihnachten retten konnte, bevor vorübergehend Tauwetter die Oberhand gewann. Doch an Silvester fiel weißer Nachschub und die neue Schneedecke hielt fast drei Wochen lang und wuchs auf bis zu 19 cm an – bis zum vergangenen Dienstag war dies der höchste in Bevern gemessene Wert. Und auch der zweite Versuch des Tauwetters blieb nur von kurzer Dauer: Ab 25.01. lag erneut Schnee – diesmal für 31 Tage am Stück – die bisher längste Serie am Standort Bevern. Doch selbst mit Beginn des Frühjahrs hatte der Winter noch nicht genug und setzte ab 6. März noch einmal nach mit neuen ergiebigen Schneefällen. Streusalz war da schon längst Mangelware und wurde zu teils horrenden Preisen verkauft. Die Vorräte waren weitgehend aufgebraucht, nach den milden und quasi schneelosen Wintern zuvor hatte man, wie sich nun herausstellte, zu knapp kalkuliert.
Nach dieser Erfahrung wurden im Herbst größere Vorräte angelegt, was sich schnell als richtig herausstellen sollte. Denn Ende November schaltete das Wetter von zuvor sehr mild kurzerhand auf Hochwinter um. Der Dezember schrieb vor allem in Norddeutschland Wettergeschichte, so auch in der Region: Mit 29 Schneedeckentagen in Bevern war es der schneereichste Dezember im Oberwesertal seit Aufzeichnungsbeginn, und mit einer Monatstemperatur von -3,8 °C wurde nicht nur eine Abweichung von -5,6 K zum Klimamittel der Jahre 1961-1990, sondern auch der zweitkälteste Dezember seit Beginn der lokalen Wetterbeobachtungen 1934 registriert. Nicht einmal eine Woche später, an Heilig Drei König 2011, beendete ein markanter Vorstoß milder Luft vom Atlantik diesen fünf Wochen langen Hochwinterabschnitt – und zwar nachhaltig, denn die Gesamtbilanz des Winters 2010/11 landete mit 0,1 °C Mitteltemperatur im gemäßigt kalten Bereich. Damit blieb der vorausgegangene Winter 2010 mit -0,65 °C der kälteste dieses jüngsten Kaltwinterblocks von 2009-2011 und zugleich der kälteste der letzten 25 Jahre.
Und – hätten Sie’s gewusst? – das Jahr 2010 belegt mit insgesamt 89 Schneedeckentagen sogar den Spitzenplatz der Zeitreihe Holzminden/Bevern seit Aufzeichnungsbeginn dieses Parameters 1951!
Einer von 89 Schneedeckentagen im Jahr 2010 in Holzminden
1995/96: Wenig Schnee, aber sehr kalt Man muss tatsächlich 25 Jahre zurück, um den bis heute letzten richtig kalten Winter aufzuspüren. Ein Winter, der interessanterweise in vielen Rückblicken und Erinnerungen kaum eine Rolle spielt. Vielleicht liegt es daran, dass er sehr trocken ausfiel und daher für einen kalten Winter recht wenig Schnee brachte. Milde Abschnitte blieben fast völlig aus und mit -1,8 °C war es tatsächlich der kälteste Winter der letzten 50 Jahre. Auf seinen Verlauf wollen wir demnächst in einer gesonderten Analyse ausführlich zurückblicken.
Wesereis im Winter 1996 (Archiv TAH, Foto: Dieter Telp)
1985-1987: Das „Kaltwintertriple“ Der Herbst 1987 markiert wie wir heute wissen den messbaren Beginn des Temperaturanstiegs in Deutschland im Zuge der globalen Erwärmung. Zuvor waren kalte und schneereiche Winter noch deutlich häufiger anzutreffen. Die drei Exemplare von 1985-1987 werden oft als „Kaltwintertriple“ bezeichnet und stehen in deutlichem Kontrast zum nachfolgenden „Mildwintertriple“ der Jahre 1988-1990. Dabei war keiner der drei Winter von 1984/85 bis 86/87 durchgehend kalt, vor allem die Dezember verliefen überwiegend mild. Doch alle drei hatten anschließend ihre markanten eisigen Abschnitte.
Der Januar 1987 brachte am 14. mit -23,5 °C den zweittiefsten Wert der Messreihe Holzminden/Bevern (Tageswerte seit 1951), noch kälter war es nur am 16.02.1956 mit -23,7 °C. Auch der Höchstwert jenes Tages von -14,2 °C rangiert auf Platz zwei hinter dem 01.02.1956 (-15,0 °C). Dazu gab es bis 25 cm Schnee am damaligen Stationsstandort Holzminden-Bergblick und mit -5,7 °C Durchschnittstemperatur war es der zweitkälteste Nachkriegsjanuar hinter dem von 1963. Nach vorübergehender leichter Milderung im Februar schlug der Winter noch einmal kräftig zu und sorgte für den kältesten März seit Aufzeichnungsbeginn. In Silberborn gab es damals mit 85 Schneedeckentagen am Stück eine der längsten Serien in der Wettergeschichte des Sollings, sie begann am 3. Januar und dauerte bis 28. März, in der Spitze wurden 58 cm gemessen und selbst zum kalendarischen Frühlingsbeginn am 21.03. lagen satte 42 cm. Die Tiefstwerte des Januars erreichten nicht ganz das Niveau aus Holzminden, ein immer wieder beobachteter Effekt im Winterhalbjahr, da sich die schwere Kaltluft bei Hochdrucklagen im Wesertal besser sammeln kann. 1986 war es der Februar, der für klirrende Kälte in einem bis dahin milden Winter sorgte. An der Holzmindener Station herrschte ab dem 3. durchgehend Dauerfrost, die Mitteltemperatur lag mit -6,2 °C um 7,6 K unter dem Klimawert – so kalt wurde bis heute kein Monat mehr. In Silberborn waren es sogar -8,0 °C. 1985 präsentierte sich wiederum der Januar am winterlichsten: Bis 30 cm Schnee lagen in Holzminden und sogar bis 70 in Silberborn. Eine Milderung zum Monatsende sorgte dafür, dass es mit -4,7 °C bzw. -6,0 °C nicht ganz so kalt wurde wie 1987. Dafür schloss sich im laufe des Februars noch eine weitere Phase mit Dauerfrost und sehr strengen Nachtfrösten an.
1981: Viel Schnee und tiefweiße Weihnachten Der Januar 1981 war nicht besonders kalt, dafür aber äußerst schneereich: 27 Schneedeckentage mit bis zu 29 cm in Holzminden und sogar bis 71 cm an der damaligen Sollingstation in Neuhaus spielen ganz oben in den Hitlisten mit, im Solling gab es wieder eine lange Serie von 63 Schneetagen in Folge bis in den März. Und der Dezember sorgte nicht nur für Platz 3 bei der Jahressumme der Schneedeckentage (77) in Holzminden, sondern auch für eines der sehr seltenen richtig weißen Weihnachtsfeste im Wesertal: 28 cm lagen an Heilig Abend, 30 an den beiden Feiertagen – bis heute klarer Rekord. In Neuhaus waren es an Weihnachten 43 cm und in der Jahresbilanz imposante 109 Schneedeckentage.
1978/79: Der Katastrophenwinter An den Winter vor 42 Jahren wurde erst kürzlich wieder in verschiedenen Dritten Programmen erinnert, die sehenswerten Dokumentationen sind noch bis in den März z. B. in den Mediatheken des NDR und MDR verfügbar. Daher seien hier nur die bis heute höchste Schneedecke der Zeitreihe Holzminden-Bevern von 49 cm am 17.+18.01. und die zweitlängste Schneephase hinter 1962/63 im Oberwesertal von 64 Tagen in Folge hervorgehoben (31.12.-04.03.), im Solling waren es in Neuhaus sogar 84 Tage am Stück. Von den schweren Folgen des Schneesturms, der in Nord- und Ostdeutschland zum Jahreswechsel und den ersten Januartagen teils Infrastruktur und Versorgung zusammenbrechen ließ und vermutlich 35 Menschenleben kostete, blieb die Region aber verschont.
Aus dem Familienalbum: Im Januar 1979 fanden die Fußballspiele auch bei Schnee statt
1969/70: So kalt war seither kein Winter mehr Mit einer Durchschnittstemperatur von -2,4 °C war es der drittkälteste Nachkriegswinter hinter 1963 und 1947. Der Dezember 1969 war mit -4,2 °C an der Station Holzminden sogar der kälteste seit Aufzeichnungsbeginn 1934. Ab dem 9.12. lag Schnee, der sich 54 Tage bis zum 31. 01. halten konnte, weitere Schneephasen folgten nicht nur im Februar, sondern auch noch in den Frühjahrsmonaten März und April, die beide ungewöhnlich kalt ausfielen. Der vorausgegangene Winter war weniger kalt, hatte im Februar 1969 aber mit bis 36 cm die zweithöchste bisher in Holzminden und Bevern gemessene Schneedecke gebracht. Im Solling fanden zu dieser Zeit leider keine Wetterbeobachtungen statt.
1962/63: Der strengste Winter seit Aufzeichnungsbeginn Der legendäre Eiswinter begann zunächst mild und startete ein paar Tage vor Weihnachten durch. Der erste Eistag an der Station Holzminden wurde am 20.12.1962 gemessen, 56 weitere sollten bis zum Ende des meteorologischen Winters folgen. An der damaligen Hochsolling-Station in Torfhaus waren es sogar 69 Tage mit Dauerfrost. In der Stadt begann am 21.12. mit sehr dünner Auflage von zunächst nur einem Zentimeter die längste ununterbrochene Schneedecke der Zeitreihe bis heute (75 Tage bis zum 05.03.1963), die maximale Höhe blieb mit bis zu 18 cm aber überschaubar. Auch hier zeigt sich: die kältesten Winter brachten oft nur recht geringe Niederschlagsmengen. In Torfhaus auf fast 500 m Höhe ging es mit der Schneedecke bereits am 14.12.1962 los, sie wuchs auf zwischenzeitlich bis zu 58 cm an und konnte sich 93 Tage bis zum 16. März halten. Die Mitteltemperaturen waren mit -4,9 °C (Holzminden) und -6,6 °C (Torfhaus) die tiefsten je erfassten in der Region, die Weser fror im Laufe der Kältewelle komplett zu.
Spaziergänge und Rodeln über die Weser im Strengwinter 1963 (Archiv TAH, Foto: Herta und Richard Ritter)Eine Ente trotzt dem Winter 1963 auf der „Kegelbahn“ zwischen Neuhaus und Boffzen (Foto: Manfred Springer)
Eisfebruar 1956 Wer den Februar 1986 erlebt hat, mag sich kaum vorstellen, dass es noch deutlich kälter geht – doch 30 Jahre zuvor war genau das geschehen: Mit -9,3 °C (homogenisiert -9,4 °C) war es in Holzminden noch einmal über 3 K kälter, überhaupt gab es wohl nur einen Monat seit Beobachtungsbeginn, der womöglich ein noch tieferes Monatsmittel aufweist: Der Januar 1940. Klar ist das aber nicht, denn aus den Kriegsjahren liegen keine offiziellen Werte aus der Stadt vor. Auch damals war der Weg vom einen zum anderen Weserufer kurz über den hart gefrorenen Fluss. Die bis heute gültigen Temperaturrekorde stammen aus diesem Monat: Tiefstes Maximum (-15,0 °C) am 01.02. und niedrigstes Minimum in zwei Metern Höhe (-23,7 °C) sowie fünf Zentimetern (-28,3 °C) jeweils am 16.02. An der Station Torfhaus war es der kälteste Monat mit einer Mitteltemperatur von -10,4 °C der dortigen Messreihe, die mit 1937-1966 eine alles andere als warme Klimaphase umfasst.
Streng- und Hungerwinter 1947 Besonders hart wurde die notleidende Bevölkerung vom zweiten Nachkriegswinter getroffen. Schon während des Krieges waren von 1940-1942 mehrere ungewöhnlich kalte Winter aufgetreten, der Januar 1940 kam an der Station Hameln auf eine Monatstemperatur von -9,6 °C, der meteorologische Winter 1939/40 war in der Region fast so eisig wie der Rekordhalter 1962/63 (vermutlich in Holzminden nur ein Zehntelgrad „wärmer“). Waren die Winter 1943-1946 eher mild verlaufen, schlugen Schnee und vor allem eisige Kälte nun wieder voll zu – zunächst wechselten sich Strengfrost und mildere Phasen noch ab, ab der dritten Januardekade folgte einer der kältesten Abschnitte überhaupt. So lag die Mitteltemperatur vom 21.01. bis 28.02. an der Station in Torfhaus bei -9,7 °C, die Schneedecke wuchs im März sogar noch an (bis auf 58 cm) und verschwand erst mit einer deutlichen Milderung zum kalendarischen Frühlingsbeginn. Aus Holzminden liegen Tageswerte erst ab 1951 vor, man kann aber anhand der regional vorliegenden Daten ein Wintermittel von -4,5 °C errechnen – nur unwesentlich weniger eisig als 1940 und 1963. In keinem anderen meteorologischen Winter fiel der „wärmste“ der drei Monate Dezember bis Februar in der Zeitreihe Holzminden/Bevern so kalt aus wie vor 74 Jahren (Dezember 1946 mit fast -2,0 °C).
1929: Noch ein Eisfebruar Am weitesten zurück noch in die Weimarer Republik reichen die Erinnerungen an den Februar 1929. Zwar liegen aus diesem Monat keine Wetteraufzeichnungen aus der Region vor, doch die Daten aus der Umgebung zeigen: Dieser Februar war ebenso kalt wie der des Jahres 1956. Und man staunt, dass es noch so gut erhaltene Fotos gibt, die mittlerweile 92 Jahre alt sind.
Vereiste Weser…… und Arbeitseinsatz im Februar 1929 (Archiv E. Gümmer, TAH vom 24.02.2018)Quelle: TAH vom 16.03.2018, Archiv Rolf Böcker)
2018: Mitteltemperaturen können täuschen Abschließend sei ein Beispiel aus jüngster Vergangenheit dafür genannt, dass auch milde Winter die Zähne zeigen können: In der Gesamtbilanz gilt der Winter 2017/18 mit 2,5 °C alles andere als kalt, der Januar mit 4,5 °C (jeweils Stationswerte aus Bevern) sogar als sehr mild. Und doch schaffte das Wochenende nach Orkan Friederike bis fast 40 cm Schnee in Silberborn am 21.01., die allerdings auch so schnell wieder tauten wie sie gefallen waren. Und ein scharfer Kaltlufteinbruch Ende Februar brachte neben neuen Minusrekorden bei den lokalen Tageshöchstwerten sogar große Eisschollen auf der Weser zum Start ins meteorologische Frühjahr Anfang März.
35 cm Schnee im Hochmoor Mecklenbruch am 21. Januar 2018, knapp 40 cm sogar am Ortseingang – und drei Tage später war davon fast nichts mehr zu sehenKlirrend kalt war das Finale des Winters 2018, der Start ins meteorologische Frühjahr konnte optisch kaum kälter ausfallen (Foto vom 2. März an der Weserbrücke Gieselwerder)
Fazit: Im Zuge des Klimawandels sind hochwinterliche Abschnitte seltener und kürzer geworden, wenn die Zutaten allerdings passen, stehen sie in der Intensität jenen der Vergangenheit kaum nach. Und manche Klimaforscher sehen sogar wieder eine Zunahme solcher Phasen aufgrund der deutlichen Erwärmung der Arktis und einer damit verbundenen Schwächung der Westwindzirkulation aufgrund abnehmender Temperaturgegensätze zwischen Polarregion und dem Subtropengürtel. Es bleibt also spannend beim Wetter.
Kleines Zwischenfazit der aktuellen Hochwinterphase: Mit einer Schneedecke von 25 cm am Dienstagmorgen lag an der DWD-Station in Bevern so viel oder besser so hoch Schnee wie noch nie seit Inbetriebnahme der Station im Juli 2006. Der bisherige Höchstwert hatte bei 19 cm im Januar 2010 gelegen. Sucht man nach vergleichbaren Ereignissen, muss man in der Klimareihe Holzminden/Bevern schon bis 1991 zurück – damals lagen ebenfalls 25 cm am 16. Februar an der Station in Holzminden Bergblick/Sonnenwinkel. Und wieder 25 cm waren es dort maximal im eisigen Januar 1987, erst im Januar 1985 stößt man auf eine noch mächtigere Schneedecke von bis zu 30 cm. Die gab es auch zu Weihnachten 1981, über 30 cm wurden seit Messbeginn 1951 erst zweimal registriert: im Februar 1969 mit 36 cm und im legendären Januar 1979 mit bis zu 49 cm – bis heute Rekord.
Über solche Höhen kann man im Hochsolling nur müde lächeln: Aktuell liegen in Silberborn im Kurgarten an der DTN-Unwetterreferenzstation 45 cm, dort steht der Rekord bei 79 cm aus dem März 1988, gemessen an der damaligen DWD-Station Sollinger Landstraße/Anemonenweg. Der Januar 1987 brachte bis 57, der Januar 1985 sogar bis 70 cm und der Januar 1981, als noch in Neuhaus gemessen wurde, mit 71 noch einen Zentimeter mehr in der Spitze. Vergleichsweise gering waren die Unterschiede zum rund 300 m tiefer gelegenen Wesertal im Januar 1979, als in Neuhaus maximal 51 cm erreicht wurden. Allerdings taute es dort im Verlauf deutlich langsamer.
Beim Blick auf die Temperaturen zeigt sich eine ausgesprochen kalte Nacht zum heutigen Mittwoch an der Station Bevern mit Minima von -18,7 °C in zwei Metern Höhe und sogar von -24,1 °C fünf Zentimeter über dem Erdboden oder genauer: über der aktuellen Schneedecke. Während der 2m-Wert noch gut ein Kelvin über dem bisherigen Tiefstwert vom 07.01.2009 (-19,8 °C) liegt, bedeutet der 5cm-Wert einen neuen Rekord für den Standort Bevern. Die Kälterekorde der Zeitreihe inklusive des Standorts Holzminden (1951-1991) liegen bei -23,7 °C in 2 m und -28,2 °C in 5 cm Höhe und stammen vom 16.02.1956. Fast genauso kalt war es am 14.01.1987, als in zwei Metern Höhe -23,5 °C gemessen wurden.
In Silberborn lag das Minimum in zwei Metern Höhe heute Morgen bei -18,0 °C, auch dies ist ein neuer Rekord in der allerdings noch jungen Reihe seit Wiederaufnahme der Messungen im November 2016.
Die nächsten Tage bleiben dauerfrostig kalt, wobei die Tiefstwerte angesichts unsicherer Bewölkungsverhältnisse schwer zu prognostizieren sind. Ab Freitag sollte sich die Sonne immer besser durchsetzen können und im Laufe des Wochenendes dürfte sich der Frost tagsüber abschwächen, nachts ist aber weiter strenger Frost unter -10 °C über den Schneeflächen zu erwarten. Im Laufe der kommenden Woche zeigen die meisten Wettermodelle dann eine langsame Milderung an. Ob diese tatsächlich kommt und es dann zumindest tagsüber wieder für leichte Plusgrade reicht, muss aber noch abgewartet werden, es gibt auch andere Varianten im Modellpool. Erst dann wird man abschätzen können, ob es sich „nur“ um einen hochwinterlichen Abschnitt und einen kälteren Februar handelt, wie er nicht oft, aber doch gelegentlich auftritt, oder ob es evtl. sogar für den kältesten Februar seit 1986 reicht. Der allerdings war mit einer Monatstemperatur in Holzminden von -6,2 °C und -8,0 °C in Silberborn ein ganz anderes Kaliber aus einer anderen Zeit.
Foto: Thomas Seliger (Moringen). Die dortige Schneehöhe ist vergleichbar mit der in Silberborn derzeit.
Der Januar 2021 war durchschnittlich temperiert, sehr trüb und niederschlagsreich
Im Rückblick auf den Dezember 2020 war noch vom vierten Herbstmonat die Rede, der zweite meteorologische Wintermonat zeigte sich nunmehr der Jahreszeit entsprechend aufgelegt: Mäßig kalte Phasen wechselten sich in den Niederungen mit kurzen milden Abschnitten ab, in den höheren Lagen stellte sich zeitweise leichter Dauerfrost ein. Unter häufigem Tiefdruckeinfluss gab es regelmäßige und teils ergiebige Niederschläge, diese fielen unten überwiegend als Regen und oben meist als Schnee. Unabhängig von der Höhenlage war der Januar 2021 ein dunkler und trüber Monat, und wer nach längerem Sonnenschein suchte, musste bis zum letzten Tag warten.
Mit einer Monatstemperatur von 1,85 °C machte der Januar an der DWD-Station in Bevern eine Punktlandung auf dem 30-jährigen Mittelwert der aktuellen Klimaperiode 1991-2020 und zählt damit im Kontext der letzten zehn Jahre bereits zu den kälteren Vertretern. Gegenüber der alten Referenzperiode von 1961-1990 betrug die Abweichung +1,44 K. In manchen Darstellungen, auch denen der DWD-Pressestelle, wird dieser ältere Klimawert weiterhin vorrangig als Bezugsmittel genannt, dort ist von einem milden Januar die Rede.
Die Weltmeteorologie-Organisation WMO hat ihre Vorgaben 2017 überarbeitet und eine verbindliche Vorgabe durch eine Empfehlung ersetzt. Demnach sollen für Aufgaben des Klimamonitorings, wie z. B. monatliche und saisonale oder jährliche Anomalienkarten, die nicht auf die Überwachung des längerfristigen Klimawandels ausgerichtet sind, die jeweils jüngsten 30-Jahres-Klimanormalperioden verwendet und zukünftig alle zehn Jahre aktualisiert werden (statt zuvor nur alle 30 Jahre). Mit anderen Worten: Für Analysen wie diesen monatlichen Rückblick auf das lokale Wettergeschehen sollte die Bezugsgröße der neue Referenzzeitraum 1991-2020 sein, ab 2031 – so es ihn dann noch geben sollte – wäre der Zeitraum von 2001-2030 maßgeblich.
Wie unterschiedlich man die Normwerte zur Einordnung auch handhaben mag, an den absoluten Zahlen und Messwerten gibt es nichts zu rütteln. Demnach unterschied sich der Januar 2021 an der Station in Bevern bei den Kenntagen kaum von seinem deutlich wärmeren Vorgänger: Mit 13 Frost- und 20 Bodenfrosttagen gab es nur zwei bzw. einen mehr als im Januar 2020, bei den Eistagen steht in beiden Monaten eine Null und die Kältesumme bewegte sich mit 4,4 K nach 3,9 K auf nahezu gleichbleibend niedrigem Niveau. Auch der Tiefstwert von -5,4 °C fiel für Januar erneut sehr moderat aus, wenn auch etwas kälter als 2020 mit -4,4 °C. Dennoch lag die Monatsmitteltemperatur im aktuellen Januar um deutliche 2,5 K tiefer als vor einem Jahr. Wie erklärt sich dieser scheinbare Widerspruch?
Wenn man es bildlich beschreiben will, am besten so: Legt man die beiden Temperaturdiagramme übereinander, erscheint das 2021er wie „oben abgeschnitten“: Während es bei den genannten Kälteindikatoren kaum Unterschiede gab, fehlten dem aktuellen Januar über weite Strecken die milden und sehr milden Tage. Gab es vor einem Jahr noch 23 Tage mit einem Höchstwert von über fünf Grad, davon sieben über zehn Grad, waren es in diesem Januar lediglich acht Tage über fünf Grad, davon nur zwei über zehn Grad. Der Grund dafür liegt in den Großwetterlagen und den damit verbundenen Luftmassen: War der Januar 2020 überwiegend von West- und Südwestlagen geprägt, dominierten in diesem Jahr Nord- und Nordwestlagen. Gerade in der ersten Dekade hatten wir es mit einer anhaltenden Troglage zu tun, bei der gealterte Meeresluft polaren Ursprungs im Zusammenspiel mit meist geschlossener Bewölkung dafür sorgte, dass die Temperaturen sich in einem schmalen Korridor zwischen null und vier Grad bewegten. Im Wetterbericht ist dann oft von „mäßig kalt“ die Rede.
Daran änderte sich bis zur Monatsmitte wenig, wobei die Werte allerdings ein Stück zurückgingen, die Höchstwerte lagen nun nur noch knapp über dem Gefrierpunkt in den Niederungen. Anschließend griff der bis dahin abgemeldete Atlantik ins mitteleuropäische Wettergeschehen ein und sorgte für kurzzeitig deutliche Milderung und auffrischenden Wind. Da die Frontalzone, die polare Luft im Norden von subtropischer im Süden trennt, recht weit nach Süden verschoben war, sackten die Temperaturen rasch wieder ein Stück ab. Zum Monatsende hatte sich schließlich eine Luftmassengrenze über Norddeutschland gebildet, nordöstlich davon stellte sich teils Dauerfrost ein, südwestlich davon regierte deutlich mildere Luft – und unsere Region landete ziemlich genau zwischen den Stühlen im Gebiet ergiebiger Niederschläge. Im Laufe des Freitags (29.01.) rutschte der Landkreis allerdings für ein paar Stunden auf die wärmere Seite – und das reichte aus, um große Teile des zuvor liegenden Schnees auch in den höheren Lagen hinwegzuraffen.
Womit wir bei den Daten der DTN-Wetterstation in Silberborn wären, wo der Januar 2021 eine deutlich winterlichere Geschichte schrieb: Die Monatstemperatur lag mit -0,63 °C um fast 0,5 K unter dem dortigen Klimawert der Jahre 1991-2020, es gab 27 Frost- und elf Eistage und vor allem: Viele Schneedeckentage. Diese waren in den letzten Wintern auch im Hochsolling vergleichsweise selten geworden, in diesem Januar hingegen profitierten die Höhenzüge der Region deutlich von den häufigen Nord- und Nordwestlagen mit regelmäßigem Niederschlag. So konnte in Silberborn an 28 Tagen eine Schneedecke zwischen einem und 15 cm Höhe im Kurgarten registriert werden. Gebietsweise lag noch deutlich mehr, vor allem auf- und nordostwärts Richtung Dassel, aber auch auf der südöstlichen Seite des Sollings dem Naturraum südliches Sollingvorland zählt. Von den dortigen Höhenzügen stammen die Fotos, die freundlicherweise von Thomas Seliger zur Verfügung gestellt wurden. (Sehr empfehlenswert: https://www.flickr.com/photos/tholiger/)
Doch auch in den tieferen Lagen reichte es anders als in den Vorjahren für zeitweise ergiebigere Schneefälle, von denen die zahlreichen Schneemänner aus den verschiedensten Orten des Kreises kündeten, die von ihren Erbauern auf Fotos festgehalten und im TAH veröffentlicht wurden. Ganz unten im Wesertal gerieten diese zwar deutlich kleiner, doch auch in Bevern konnten nach fast zwei Jahren wieder ein paar offizielle Schneedeckentage an den DWD gemeldet werden, insgesamt vier, wobei die maximale Höhe mit vier Zentimetern überschaubar blieb. Dort wie auf vergleichbarer Höhenlage fielen die Niederschläge meist als Regen oder Schneeregen, in Summe kamen in Bevern 84,9 mm zusammen, was gut neun Millimetern oder zwölf Prozent mehr als im Klimamittel von 1991-2020 entspricht.
Die Messwerte der weiteren DWD-Niederschlagsstationen zeigen sehr schön die geographische Vielfalt der Region: So meldete Lüchtringen auf 94 m Höhe 77,2 mm und sechs Schneedeckentage mit maximal drei Zentimetern, in Polle auf dem Wilmeröder Berg auf 270 m waren es 86,2 mm sowie 16 Tage mit bis zu zwölf Zentimetern Schnee und in Hehlen auf 133 m 89,1 mm bei elf Tagen mit bis elf Zentimetern. Ottenstein auf 295 m kam auf 90,6 mm, dabei lag an 20 Tagen Schnee bis zu 16 cm, in Vorwohle auf 265 m waren es elf Tage mit bis elf Zentimetern bei 73,7 mm Monatssumme. Die höchsten Werte kamen aus dem Solling und seinen Ausläufern: Amelith auf 258 m hatte 105,9 mm und 24 Schneetage, Hellental auf 270 m sogar 109,5 mm und 21 Tage bei jeweils bis zwölf Zentimetern Höhe.
Wie komplex das Mikroklima des Sollings ist, zeigen die Werte der DTN-Station in Silberborn auf 428 m: Dort gab es mit 28 zwar die meisten Schneedeckentage, mit 96,4 mm wurde aber das Klimamittel von ca. 104 mm sogar noch verfehlt. Allerdings ergab eine ausgiebige Prüfung der seit nun gut vier Jahren andauernden Messungen in Silberborn für den Niederschlag – anders als bei der Temperatur -einen gewissen Homogenitätsbruch zu den Messungen für den DWD in den Jahren 1983-2008 an der Sollinger Landstraße/Anemonenweg. Die im Kurgarten gewonnenen Werte scheinen im Vergleich etwas „zu niedrig“ zu sein, was kaum mit der geringen Höhendifferenz von gut zehn Metern zwischen beiden Standorten zu erklären ist. Vielmehr ist der aktuelle Standort ein ganzes Stück windiger – was für Windmessung unerlässlich und für die Temperaturmessung günstig ist (keine künstliche Überwärmung durch Thermikblasen im Sommer bei intensiver Sonneneinstrahlung), kann die Niederschlagsmengen leider nach unten verfälschen, weil Regen und Schnee am Auffanggefäß vorbeigeweht werden können. An einer Lösung wird derzeit gearbeitet, doch auch hier sorgt die Pandemie für Einschränkungen.
Unabhängig von Wind und Höhenlagen war der Januar landkreisweit ein sehr trüber Monat, bis zum vorletzten Tag sogar einer der sonnenscheinärmsten seit Aufzeichnungsbeginn. Mit Sonne von früh bis spät polierte der 31. – sinnvollerweise ein Sonntag – die Bilanz dann noch auf 22 Stunden auf. Das Klimamittel der Jahre 1991-2020 wurde aber dennoch um mehr als 50% verfehlt. So brachte es der Winter nach zwei von drei Monaten und 62 Tagen noch nicht einmal auf 50 Stunden in der Region.
2020 war das wärmste Jahr seit Aufzeichnungsbeginn / Viel Sonne und erneut zu wenig Regen
Der zweitwärmste Winter der Messgeschichte, kein Schneedeckentag in den Niederungen, Sturm und viel Regen von Anfang Februar bis Mitte März mit anschließendem Hochwasser, ein neuer Sonnenscheinrekord im April, eine knackige Hitzewelle und ein Tornado im August, Spätsommerhitze und viel Sonne im September, ein grauer statt goldener Oktober, ein sehr trockener November und ein weiterer sehr milder und schneeloser Dezember – so verlief das lokale Wetterjahr 2020 im Zeitraffer. Unter dem Strich stand das wärmste Jahr seit Beobachtungsbeginn mit dem erstmaligen Erreichen der 11-Grad-Marke, die vierthöchste Summe der Sonnenscheindauer sowie ein erneutes Niederschlagsdefizit.
Mit einer Mitteltemperatur von 11,01 °C wurde der erst zwei Jahre alte Rekord aus dem Jahr 2018 an der DWD-Station in Bevern um 0,04 K und das Klimamittel der Jahre 1981-2010 um fast 1,6 K übertroffen. Selbst das ab 2021 offiziell gültige, neue und jüngste Referenzmittel der Periode von 1991-2020 erscheint angesichts der positiven Abweichung des abgelaufenen Jahres um 1,14 K schon fast wieder „überholt“ – wobei man freilich Vorsicht walten lassen sollte vor voreiligen Schlüssen. Dennoch steht das letzte Jahrzehnt von 2011-2020 ganz im Zeichen einer fortschreitenden und offenbar seit Sommer 2013 auch beschleunigten Erwärmung: Vier der fünf wärmsten Jahre seit Aufzeichnungsbeginn im Juni 1934 fallen in die letzten sieben Jahre ab 2014.
Jahrestemperaturen von über zehn Grad sind seitdem die Regel geworden, nachdem diese Schwelle 1990 erstmals und bis 2005 nur fünfmal überschritten wurde. Der Durchschnittswert der letzten 20 Jahre liegt bereits über zehn Grad, das neue 30-Jahres-Mittel seit 1991 mit 9,87 °C nur knapp darunter. Im Vergleich mit der alten Referenzperiode von 1961-1990 beträgt die Erwärmung 1,07 Kelvin. Am stärksten haben sich die Monate Januar, April, Juli und August mit Werten von 1,44 bis 1,59 K erwärmt, am schwächsten fällt sie in den drei Herbstmonaten mit 0,40 K (Oktober) bis 0,78 K (November) aus. Eine Sonderrolle nimmt der Dezember ein: Der erste Wintermonat hing bis 2010 ähnlich wie die Herbstmonate ein ganzes Stück zurück, machte seit 2011 aber einen deutlichen Satz nach oben und war der Monat mit der mit Abstand größten Erwärmung in den letzten zehn Jahren. Ein durchschnittlicher Dezember dieses Zeitraums war nur geringfügig (0,4 K) kälter als das Novembermittel von 1961-1990 – diese Zahlen untermauern den subjektiven Eindruck, dass sich unsere Winter zumindest in den Niederungen zunehmend wie ein endloser Spätherbst präsentieren.
Schauen wir einige hundert Meter höher und betrachten die Werte der DTN-Unwetterreferenzstation im Kurgarten in Silberborn auf 440 m, ergibt sich folgendes Bild: Die Jahresmitteltemperatur übertraf mit 8,89 °C ihr langjähriges Klimamittel von 1981-2010 um 1,46 K, was in der Gesamtbilanz der Hochsolling-Messreihe das zweitwärmste Jahr seit Beobachtungsbeginn 1937 bedeutet. Der Wärmerekord von 2018 wurde hier um zwei Zehntel verfehlt. Die Ursache dafür liegt in erster Linie am unterschiedlichen Herbstverlauf: Während diese Jahreszeit in Bevern im Jahr 2020 gegenüber 2018 um 0,4 K wärmer bilanzierte, war es in Silberborn vor zwei Jahren um 0,1 K wärmer. 2018 brachten häufige höhenwarme Hochdrucklagen mit Bodeninversionen kältere Nächte im Wesertal als 2020, während es in Silberborn aufgrund der Höhenlage relativ betrachtet wärmer blieb.
Beim Niederschlag steht bei der Jahressumme ein erneutes Defizit. Dieses fiel wie 2019 zwar nicht markant aus, doch im Zusammenhang mit dem Trockenjahr 2018 und der durch Wärme und Sonnenschein gestiegenen Verdunstung und dem daraus resultierenden höheren Bedarf der Vegetation fällt die Bilanz erneut besorgniserregend aus, zumal sich der Trend zu längeren trockenen Phasen im Frühjahr und im Sommer weiter verstärkt hat. Einzelne, eher punktuelle Starkregenschauer in den Sommermonaten sind dafür kein Ausgleich, weil große Teile solcher Niederschlagsereignisse abfließen und nicht in die tieferen Bodenschichten vordringen.
An der Station in Bevern wurden mit 735,8 mm knapp 93% der 30-Jahresmittel von 1961-1990 und 1991-2020 gemessen, diese beiden Referenzperioden unterscheiden sich mit 795 bzw. 793 mm kaum voneinander, so dass hier anders als bei der Temperaturentwicklung kein eindeutiger Trend vorliegt – es gilt aber wie erwähnt den erhöhten Bedarf und die veränderte Verteilung zu beachten. Gegenüber der nasseren Periode von 1981-2010, die in diesem Jahr letztmals als Hilfsreferenz verwendet wird, betrug das Defizit hingegen über 12%. Beim festen Niederschlag gab es den zweiten Totalausfall nach 1989, erst zum zweiten Mal gab es keinen Tag mit einer Schneedecke zum morgendlichen Meldetermin.
In Silberborn fielen mit 875,5 mm nur 78% des Mittels von 1981-2010, gegenüber der Periode von 1961-1990 waren es knapp 82%. Die Fehlmenge war also größer als in den tiefen Lagen der Region. Das jüngste Klimamittel der Jahre 1991-2020 lässt sich aufgrund der Messlücke von Oktober 2008 bis November 2016 nur abschätzen, es dürfte aber mit rund 1.050 mm deutlicher unter dem 30 Jahre älteren Mittel liegen als in Bevern, der Rückgang dürfte in Silberborn ca. 23 mm betragen. Anders als im Wesertal reichte es zwar für einige Schneedeckentage, doch ganz acht Stück markieren für den Solling einen neuen traurigen Tiefststand, der zuvor im Jahr 1989 mit neun Tagen registriert worden war. Immerhin brachten die letzten Februartage mit vorübergehend gut 10 cm etwas „Winterfeeling“, doch sollte man nicht die Augen davor verschließen, dass der Solling wie auch andere kleine Mittelgebirge in vergleichbarer Höhe zu den Verlierern des Klimawandels in Sachen Winterwetter und Wintersportmöglichkeiten gehören.
Die Sonne schien in der Region ca. 1.733 Stunden lang, das sind fast 280 Stunden oder rund 19% mehr als im langjährigen Mittel von 1981-2010. Damit war es das viertsonnigste Jahr seit Messbeginn dieses Parameters im Jahr 1951 und erstmals übertrafen drei Jahre in Folge die Marke von 1.700 Stunden. Am längsten schien die Sonne im April mit 294 Stunden (neuer Rekord), am trübsten war es im Dezember mit nicht einmal 27 Stunden bzw. relativ zum Klimamittel im Oktober mit 51 Stunden, was nur gut der Hälfte des Durchschnitts entspricht. Die bundesweite Spanne bei der Jahressumme lag zwischen 2.123 Stunden in Kaufbeuren im Allgäu und 1.614 Stunden auf dem Brocken.
Wie errechnet sich die Jahresmitteltemperatur? Bevern gehört zum nebenamtlichen Klimastationsnetz des DWD. Bis auf die Schneehöhe werden alle Daten vollautomatisch erfasst und gespeichert. Alle zehn Minuten wird ein Datensatz geschrieben. Dieser enthält unter anderem die aktuelle Temperatur in 2 m Höhe über dem Erdboden (Minutenmittel am Ende des Zehn-Minuten-Intervalls). Das um XX:50 Uhr gemessene Minutenmittel (immer „zehn vor der vollen Stunde“) bildet den Stundenwert ab. Aus den 24 Stundenwerten von 00:50 Uhr bis 23:50 Uhr MEZ bzw. 01:50 bis 00:50 MESZ wird das Tagesmittel gebildet und aus allen Tageswerten eines Monats das Monatsmittel, indem die Summe der Tagesmittel durch die Anzahl der Tage dividiert wird. Das Jahresmittel schließlich ist das arithmetische Mittel der Monatsmittelwerte, wobei alle zwölf Monate unabhängig von der Anzahl ihrer Tage gleich gewichtet werden.
Kurzauftritt des Winters am 28.02. in Silberborn
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