Drittwärmstes Jahr seit Messbeginn

Rückblick auf das Jahr 2019 an der DWD-Station Bevern

„Orkan Friederike, Heißzeit und Dürre lauteten die Schlagzeilen“ – unter dieser Überschrift stand der Rückblick auf das lokale Wetter im Jahr 2018. Ganz so griffig und exponiert lässt sich das Wetterjahr 2019 zwar nicht zusammenfassen, die Ausschläge verliefen weniger extrem und starke Stürme blieben zum Glück ganz aus – dennoch lautet das Fazit auch diesmal: Der Klimawandel macht Mensch und Natur in der Region zunehmend zu schaffen, vor allem durch Hitze im Sommer und längere Trockenperioden bei gleichzeitig höherer Verdunstung. Dabei unterschieden sich vor allem die ersten fünf Monate im Vergleich zum Vorjahr deutlich voneinander, die Jahresniederschlagssumme lag wesentlich höher und die Anzahl der heißen Tage und Sonnenscheinstunden ein ganzes Stück niedriger, und doch lässt sich die Jahresbilanz am besten so zusammenfassen: Sehr warm, sehr sonnig und weiterhin zu trocken.

Ein im Grunde recht unspektakuläres Wetterjahr liegt uns und wurde doch, gerade wegen der Vorgeschichte aus 2018, für mehr und mehr Bäume zur Überlebensfrage. Die gute Nachricht lautet: Ein großer Teil steht noch. Die schlechte: Die Flächen, auf denen nichts mehr oder nur noch Totholz steht, sind größer geworden. Die beängstigende: Vielen geht es nicht gut und es ist nicht mehr nur die Fichte, die sich kaum an die sich rasch verändernden Bedingungen anpassen kann. Auch die Buche, weit verbreitet in den Wäldern der Region und eigentlich ein wichtiges Standbein im Mischwaldkonzept, muss verstärkt kapitulieren. Eine Entwicklung, die selbst Fachleute überrascht und die Wiederaufforstung und die Gestaltung der Wälder der Zukunft zur Herkulesaufgabe macht – mit ungewissem Ausgang. Denn ob wir derzeit nur eine vorübergehend sehr ausgeprägte Warm- und Trockenphase unseres variablen mitteleuropäischen Klimas erleben oder ob die Veränderungen bereits soweit fortgeschritten sind, dass häufige heiße und trockene Sommer nicht mehr nur eine Modellrechnung für das Klima in der zweiten Hälfte des Jahrhunderts sind, sondern bereits die Gegenwart und die nahe Zukunft prägen werden – auf diese Frage hat derzeit niemand eine seriöse Antwort.

Wenden wir uns deshalb nun den feststehenden Fakten und Daten des Wetterjahres 2019 zu: Mit einer Mitteltemperatur von 10,73 °C war es an der DWD-Station in Bevern das drittwärmste seit Messbeginn 1935 hinter 2018 und 2014. Dies gilt auch bundesweit (10,28 °C, flächendeckender Messbeginn 1881). Die Abweichung zum alten 30-Jahres-Klimamittel der Weltmeteorologie-Organisation WMO von 1961-1990 betrug in Bevern knapp 2 Kelvin, gegenüber dem derzeit bei vielen Wetterdiensten gebräuchlichen Durchschnitt der Jahre 1981-2010 war es ein Plus von 1,3 K und im Vergleich zum Mittel seit 1991, das in einem Jahr (komplettiert durch den Jahreswert 2020) das neue WMO-Referenzmittel für die folgenden 30 Jahre bilden wird, war es immer noch 0,9 K wärmer. Damit lag  das sechste Jahr in Folge in Bevern und Orten auf vergleichbarer Höhenlage in der Region über der 10-Grad-Marke, die im Jahr 1994 erstmals überschritten worden war. Was vor 25 Jahren noch ein Novum darstellte, ist heute Normalität geworden.

Schaut man sich den Verlauf des Jahres und einzelne Witterungsphasen etwas genauer an, stößt man trotz ähnlicher Kernaussagen auf deutliche Unterschiede in den Details gegenüber 2018, die sich am stärksten in den ersten fünf Monaten zeigen: War der Januar 2018 noch sehr mild und stürmisch, brachte der 2019er durchschnittliche Temperaturen und eine winterliche Phase mit (Dauer)Frost und Schnee in der letzten Dekade – es sollten in den Niederungen allerdings auch die einzigen Schneedeckentage des Jahres bleiben. Bevern meldete zwei mit jeweils einem Zentimeter Höhe, in Hehlen, Holzminden und Lüchtringen war es sogar nur ein Tag. Etwas länger konnte sich der Schnee im Hochsolling halten, in Silberborn immerhin bis zum Ende der ersten Februarwoche. Doch auch dort blieb der Winter 2019 Stückwerk und musste rasch dem Vorfrühling weichen, der die Temperaturen im Wesertal ab Monatsmitte mehrfach auf über 15 Grad ansteigen ließ, mehrere Tagesrekorde inklusive. Zum Monatsende wurden über 18 Grad gemessen, ein Jahr zuvor hatte es noch einen kräftigen Kaltlufteinbruch gegeben mit Höchstwerten von sechs Grad minus und Treibeis auf der Weser Anfang März. Davon war trotz einer Abkühlung zu Märzbeginn nichts zu sehen, insgesamt war der erste Frühlingsmonat 4,2 K wärmer als sein Vorgänger.

Auch der weitere Verlauf des Frühjahrs stand oft in markantem Gegensatz zum Vorjahr: Hatte es 2018 im April und im Mai neue Monatsrekorde gegeben, präsentierte sich „Wonnemonat“ 2019 kühl und grau und war der einzige Monat des Jahres, der kälter abschloss als im langjährigen Mittel. Doch auch im April hatte der Frühling diesmal mehr zu kämpfen: Zwar sorgte eine sonnige und warme Phase um Ostern nicht nur für den ersten Sommertag des Jahres am 24.04., sondern auch für einen insgesamt warmen April (Monatstemperatur 10,2 °C), dennoch blieb er nicht nur fast 3 Grad hinter dem 2018er zurück, sondern brachte kurz vor Monatsmitte noch mal einen Rückfall in den Spätwinter: Am Morgen des 13. gab es im Solling eine Schneedecke von mehreren Zentimetern und auch die zahlreichen bunten Osterzweige weiter unten trugen vorübergehend ein weißes Mützchen.

Doch letztlich blieben diese nicht unüblichen Kälterückschläge Ereignisse am Rande, die schon bald in Vergessenheit gerieten, denn der Sommer 2019 startete sehr pünktlich und mit Kraft und Ausdauer: Gleich der Auftakt am 1.6. brachte einen Sommertag, dem viele weitere folgten bis hin zur ersten Hitzewelle des Jahres am Monatsende. Da kühle Phasen gar nicht Fuß fassen konnten, übertraf der Juni den bisherigen Rekordhalter aus dem Jahr 2003 um mehr als ein halbes Grad. Dazu brachte er viel Sonne und immerhin halbwegs ausreichend viel Regen, und als die anschließende erste Julihälfte vergleichsweise kühl und trüb ausfiel, deutete noch wenig auf eine sich deutlich verschärfende Dürresituation in den Wäldern hin. Doch es folgte eine ausgesprochen trockene zweite Sommerhälfte mit viel Sonne und Wärme, die zum Monatsende von Juli und August intensive Hitze brachte – inklusive eines neuen Stationsrekords am 25.07. in Bevern (37,2 °C). Zwar lag die Zahl der heißen Tage in Bevern um 15 niedriger als im Vorjahr, die der Sommertage und warmen Tage sogar um je 30, doch man muss berücksichtigen, dass 2018 bei diesen Kenntagen weit in neue Dimensionen vorgestoßen war. Auch 18 heiße Tage, wie wir sie 2019 erlebt haben, liegen (noch) deutlich über dem langjährigen Durchschnitt.

Der Herbst verlief zwar weniger warm und dank eines nassen Oktobers auch ohne weiteres Niederschlagsdefizit, doch waren die trockenen und warmen Wochen im Sommer nach dem Dürrejahr 2018 zu viel für den heimischen Wald.  Bei der Bewertung der Niederschlagsummen im Verhältnis zum Klimamittel muss zudem berücksichtigt werden, dass mehr Wärme und Sonnenschein zu mehr Verdunstung und einem höheren Wasserbedarf führen und die auf den ersten Blick geringen Defizite im Kontext der Witterung der letzten zwei Jahre alles andere als geringfügig sind. In nackten Zahlen ausgedrückt wurden in Bevern 747,7 mm gemessen, was 89,0% des Klimawerts von 1981-2010 entspricht.  Ein Blick auf ganz Deutschland zeigt einen Spitzenwert von 2.559,2 mm auf der Zugspitze und als trockenste Station den Flughafen Erfurt-Weimar mit nur 350,8 mm.

Die Sonne schien in der Region etwas über 1.700 Stunden lang, das sind gut 250 Stunden oder rund 18% mehr als im langjährigen Mittel, aber fast 190 Stunden weniger als im Jahr zuvor. Die bundesweite Spanne lag zwischen 2.123 Stunden in Rheinfelden an der Schweizer Grenze und 1.529 Stunden auf dem Kahlen Asten.

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Ein weiterer sehr milder Dezember ohne Schnee

Rückblick auf den Dezember 2019 an der DWD-Station Bevern

Dass sich der Traum vieler Winterfans von der weißen Weihnacht vor der eigenen Haustür in den Niederungen nur selten erfüllt und die Wahrscheinlichkeit dafür auch in den Zeiten vor der aktuellen Erderwärmung nicht einmal bei 20% lag – darüber ist in den letzten Monaten und auch Jahren regelmeäßig berichtet worden. Dass sich aber der gesamte Dezember seit dem letzten Fest in weiß im Jahr 2010 nahezu durchgehend als Wintermonat abgemeldet hat, das Temperaturniveau oft dem eines Novembers ähnelt und Schnee bis in tiefe Lagen ein Ereignis von wenigen Stunden geworden ist (wenn überhaupt) – diese Entwicklung verläuft in einem bemerkenswerten Tempo und auch der Dezember 2019 reiht sich nahtlos in diese Serie ein. Dazu war er trockener und sonniger als im langjährigen Durchschnitt.

Mit einer Mitteltemperatur von 4,25 °C war der Dezember 2019 an der DWD-Station in Bevern um 2,16 Grad wärmer als im Mittel der Jahre 1981-2010. Selbst gegenüber dem Mittel der letzten 30 Jahre betrug das Plus noch stattliche 1,6 Grad, womit er auch aus Sicht des aktuellen Klimas als sehr milder Monat einzustufen ist. Besonders markant fällt der Temperatursprung des ersten meteorologischen Wintermonats jedoch seit 2011 aus: Der Durchschnittswert der letzten neun Jahre ist auf 4,5 °C hochgeschnellt und liegt nur noch vier Zehntelgrad unter dem Novembermittel der Periode von 1961 bis 1990, so dass der Dezember mittlerweile gern als vierter Herbstmonat bezeichnet wird.  Nun muss man zwar vorsichtig sein, wenn man Phasen von knapp zehn Jahren mit vollwertigen Klimaperioden von 30 Jahren vergleicht, da zufällige Häufungen bei recht kurzen Betrachtungszeiträumen eine nicht zu unterschätzende Rolle spielen können, aber im Kontext der gesamten Erwärmung fällt es schwer, an eine nur vorübergehende und eher zufällige Entwicklung zu glauben.

Von Kritikern und Skeptikern wird in diesem Zusammenhang gerne auf eine Reihe sehr milder Dezember vor gut 100 Jahren verwiesen – und in der Tat findet sich das bis heute wärmste Zehnjahres-Dezembermittel mit etwas über 2,3 °C im deutschen Gebietsmittel in den Jahren 1908-1917 (lokale Daten aus jenen Jahren gibt es leider nicht). Allerdings ist selbst dieser Wert noch über ein Grad niedriger als im laufenden Jahrzehnt (und wird somit im Jahr 2020 sicher abgelöst werden) und vor allem gab es damals keinen anderen Monat mit einer vergleichbaren Häufung positiver Anomalien, geschweige denn ein nachhaltig ansteigendes Jahresmittel, wie wir es seit 1988 beobachten. Im Gegenteil: in diesen Zeitraum fallen gleich drei bis heute rekordkalte Monate: August und September 1912 sowie April 1917. Die milden Dezember jener Jahre waren somit ein vorübergehendes und wohl tatsächlich eher zufälliges Ereignis, während die Lage gut 100 Jahre später eine ganz andere ist: Heute fügen sich die vielen sehr milden Dezember ein in die globale Erwärmung sowie in einen seit Sommer 2013 andauernden, nochmals verstärkten Temperaturanstieg in Mitteleuropa.

All das bedeutet jedoch nicht, dass der Dezember zukünftig immer so oder so ähnlich verläuft wie in den letzten sieben Jahren (2012, so viel Zeit und Platz muss sein, reichte es ja durchaus noch einmal für eine winterliche erste Monatshälfte), dazu ist das mitteleuropäische Klima nach wie vor viel zu variabel. Auch weiße Weihnachten und selbst ein Dezember wie 2010 sind weiterhin möglich, die Wahrscheinlichkeit hierfür nimmt aber weiter ab. Nicht bestätigt hat sich bisher hingegen die Theorie, wonach die Winter im Zuge der globalen Klimaentwicklung in Mitteleuropa wieder kälter werden, weil aufgrund der Erwärmung und der Eisschmelze in der Arktis der die atlantische Tiefdruckentwicklung anfachende Temperaturgegensatz zwischen den polaren Breiten und den Subtropen abnimmt und damit milde Luftmassen vom Atlantik seltener den Weg zu uns finden. Gegenwärtig kann weder eine über die normalen Schwankungen hinausgehende Veränderung der Westwetterlagen (zonale Zirkulation) festgestellt werden noch eine Zunahme kalter Großwetterlagen, im Gegenteil: in den letzten Wintern kam es eher zu vermehrten südlichen Strömungen.

Zu beachten ist zudem, dass selbst ein sehr milder Dezember Frost und Schnee keinesfalls ausschließt, womit wir zurückkehren zum lokalen Wettergeschehen im vergangenen Monat. Der begann nämlich durchaus winterlich mit einem Dauerfrost- bzw. Eistag an der Station des DWD in Bevern. Die Nacht zum Ersten war mit Frost bis -2,9 °C die drittkälteste des Monats und am Morgen hatte sich über dem Wesertal Hochnebel gebildet, der sich den gesamten Tag über hartnäckig halten sollte. In der ausgekühlten Grundschicht verharrte die Temperatur daher unter dem Gefrierpunkt. Bis zum Nikolaustag gab es unter Hochdruckeinfluss regelmäßig leichten Nachtfrost und es blieb trocken, die Sonne gab es allerdings erst am 5.12. zu sehen und bis Monatsmitte nur an zwei weiteren Tagen.

Die Großwetterlage stellte sich ab Nikolaus um auf eine längere, tiefdruckgeprägte Phase mit Wolken, Wind und Niederschlägen, die nur in den hohen Lagen des Kreises vorübergehend auch mal als Schnee oder Schneeregen fielen. Bis Monatsmitte herrschte eine vorwiegend westliche, anschließend bis zu den Feiertagen eine meist südliche Strömung, in der die Nächte durchweg frostfrei blieben und tagsüber oft Höchstwerte um zehn Grad erreicht wurden. Heilig Abend und der erste Feiertag waren mild und verregnet, anschließend brachte eine Front aus Nordwesten kältere Luft mit, die schnell unter Hochruckeinfluss geriet, so dass der Wettercharakter nach Weihnachten ein ganz anderer war: Nun konnte sich die Sonne häufig zeigen, es blieb trocken, nachts wurde es regelmäßig frostig und selbst tagsüber ging es zumindest am 28. und 29. kaum noch über den Gefrierpunkt, bevor an den letzten beiden Tagen des Jahres wieder mildere Luftmassen eingesteuert wurden.

Auch wenn der Monat vielen insgesamt grau und verregnet vorgekommen sein mag, stand am Ende ein deutliches Plus beim Sonnenschein und ein Defizit beim Niederschlag. Bei der Sonnenscheindauer ist zu berücksichtigen, dass das langjährige Mittel nur wenig über 30 Stunden liegt und auch eine große prozentuale Abweichung mehr für die Statistik ist als etwas, das man in dieser Größenordnung tatsächlich wahrnimmt. Konkret heißt das: Die Sonne zeigte sich rund 52 Stunden lang, das sind mehr als 150% des Mittels der Jahre 1981-2010, aber umgerechnet immer noch weniger als zwei Stunden pro Tag. Die reale Verteilung sah natürlich anders aus: Sonne von früh bis spät, zur Zeit der „kürzesten Tage“ reicht das im Wesertal noch für knapp sieben Stunden, gab es nur am 5.12., an vier weiteren Tagen wurde immerhin die Marke von fünf Stunden überschritten, aber 19 Tagen zeigte sich die Sonne weniger als eine Stunde und davon an 15 überhaupt nicht.

Niederschlag fiel mal mehr und mal weniger zwischen dem 6. und 25.12., am meisten vor Monatsmitte und zu Beginn der Feiertage, während die erste und letzte Pentade nahezu trocken blieben. Unterm Strich waren es in Bevern 64,2 mm oder knapp 77% des Mittels der Jahre 1981-2010. Auch an den anderen Messstellen im (Um)Kreis waren es meist etwas unter 80% des Durchschnitts.

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Ein trister Herbstabschluss

Rückblick auf den November 2019 an der DWD-Station Bevern

Dem November eilt ein nur wenig schmeichelhafter Ruf voraus, er steht für graue Tage, wenig Licht und gilt nicht gerade als Stimmungsaufheller in der zunehmend dunklen Jahreszeit. Manchmal tut man dem letzten der drei meteorologischen Herbstmonate damit durchaus Unrecht, denn hin und wieder kann man sich zumindest abschnittsweise an durchaus goldenen Tagen erfreuen, wie es erst im vergangenen Jahr über weite Strecken der ersten Monatshälfte der Fall war. Doch in diesem Jahr entsprach der November geradezu exemplarisch dem Klischee eines freudlosen Gesellen, bei dem sich ein Tag anfühlte wie der andere und man schon ein gutes Timing brauchte, um die wenigen lichten Momente mit etwas Sonnenschein zu erwischen. Vom ohnehin nicht üppigen Mittelwert der Sonnenscheindauer von knapp 45 Stunden erreichte er nur gut drei Viertel, im Schnitt kaum mehr als eine Stunde pro Tag. Dazu fielen trotz regelmäßiger Regenfälle zu Monatsbeginn nur 70% des langjährigen Niederschlags, während die Temperaturbilanz ein leichtes Plus ausweist.

Mit einer Mitteltemperatur von 5,75 °C war der November 2019 an der DWD-Station in Bevern um 0,47 Grad wärmer als im Mittel der Jahre 1981-2010. Gegenüber dem Mittel der letzten 30 Jahre betrug das Plus nur gut ein Zehntel Grad, mit anderen Worten: Der vergangene November entsprach fast genau dem regionalen klimatologischen Durchschnitt seit 1990. Ausreißer nach oben oder unten gab es dabei auch nicht, die erste Nacht war mit -2,4 °C gleich die kälteste und – immerhin das ist dann doch etwas ungewöhnlich – nur einen Tag später wurde mit 15,4 °C der höchste Wert des Monats gemessen. An immerhin sechs Tagen gab es an der Beveraner Station Luftfrost, direkt über dem Erdboden sogar an 14 Tagen, ein wirklich kalter Tag war aber nicht dabei, lag doch der niedrigste Höchstwert immer noch oberhalb der 5-Grad-Marke.

Das Wettergeschehen war fast den gesamten Monat über von Tiefdruckgebieten geprägt. In der ersten Woche nahmen sie von Westen her direkten Kurs auf Mitteleuropa und sorgten für häufige Niederschläge sowie milde Luft. Anschließend zogen sie um Deutschland herum, so dass es trotz tiefen Luftdrucks häufig trocken blieb. Diese niederschlagsarme Phase, überwiegend durch Winde aus südlichen Richtungen geprägt und kurz unterbrochen durch Regenfälle nach Monatsmitte, dauerte bis zum 26.11. an. Anschließend drehte die Strömung zunächst wieder auf West und es wurde noch einmal nass mit recht ergiebigen Regenfällen am 27. und 28., bevor mit einer lebhaften Nordwestwindlage deutlich kältere Luft zum Monatsende herangeführt wurde.  Im Laufe des Freitags (29.) setzte zudem von Westen her deutlicher Druckanstieg ein, der sich am Samstag fortsetzte, so dass sich der November mit einem trockenen Tag und einer frostigen Nacht verabschiedete.

Die Niederschlagssummen an den Stationen im Kreis waren durchweg unterdurchschnittlich. In Bevern kamen 51,6 mm zusammen, das sind fast 22 mm oder knapp 30% weniger als im Mittel der Jahre 1981-2010.

Herbstbilanz

Der meteorologische Herbst 2019 ordnet sich als mild und leicht überdurchschnittlich bei Regen und Sonnenscheindauer in die lokale Klimareihe Bevern/Holzminden ein. Auch wenn spektakuläre Wärmerekorde, wie es sie 2018 an mehreren Tagen gab, diesmal weit entfernt blieben, war es seit Beginn der Messungen 1934 im Schnitt aller drei Monate nur zehnmal noch wärmer. In den letzten drei Jahren hat sich der Herbst auf einem bemerkenswert konstanten Durchschnittsniveau von mal auf- und mal abgerundeten 10,5 °C eingependelt. 2019 waren es 10,49 °C und damit 0,84 °C mehr als im Mittel von 1981-2010. Wie bereits in den letzten Rückblicken ausführlicherer erläutert, schreitet die Erwärmung im Herbst bisher langsamer voran als in den anderen Jahreszeiten. Der letzte Herbst mit (leicht) negativer Abweichung liegt nunmehr aber auch bereits sieben Jahre zurück, der Rekord von 2006 thront allerdings satte 2,3 Grad über dem diesjährigen Wert und wurde bisher nicht annähernd wieder erreicht.

Der nach dem zweiten deutlich zu trockenen Sommer in Folge dringend benötigte Niederschlag fiel nach einem durchschnittlichen September vor allem im sehr nassen Oktober, der das Defizit des Novembers kompensieren konnte und dafür sorgte, dass unterm Strich ein zartes Plus in der Herbstbilanz am Standort Bevern steht. Dort wurden 219,3 mm oder 4,3% mehr als im Schnitt der Jahre 1981-2010 gemessen. Allerdings gilt dies nicht für die gesamte Region: In Silberborn fielen zwar sogar 268,4 mm, doch entspricht dies nur 93% des dortigen höheren Klimamittelwerts. Die Trockenheit in den Wäldern des Sollings ist also erst einmal nur gelindert, aber längst nicht ausgeglichen. Wasser auf Wegen und Feldern zeugt war von einer gut durchnässten oberen Bodenschicht, doch in den tieferen Schichten ist weiterhin noch zu wenig Feuchte vorhanden.

Die Sonne zeigte sich mit rund 280 Stunden etwa fünf Stunden länger als im langjährigen Mittel, der trübe November fiel dabei also nicht so stark ins Gewicht und wurde von den beiden Vormonaten ausgeglichen.

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Einer der wenigen lichten Momente des Monats, aufgenommen am 29.11. am Weserkai in Holzminden:

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Nur fünf Oktober waren noch milder

Rückblick auf den Oktober 2019 an der DWD-Station Bevern

Hand aufs Herz: Hätten Sie vermutet, dass es in der immerhin 85 Jahre langen Geschichte der Wetteraufzeichnungen vor Ort nur fünf Oktober gab, die noch wärmer waren als der diesjährige? Schließlich verlief gleich zu Beginn das Brückenwochenende nach dem Tag der Deutschen Einheit durchaus kühl mit erstem Bodenfrost und zum Monatsende wurden sogar verbreitet die ersten Luftfröste des Herbstes gemessen, während doch der letztjährige Oktober noch eine Reihe von neuen Tagesrekorden mit Werten bis über 27 Grad aufgestellt hatte und gefühlt wie ein Spätsommermonat dahergekommen war. Und dennoch war der zweite meteorologische Herbstmonat 2019 fast ein ganzes Grad wärmer als im Vorjahr. Die Hauptursache dafür lag in vorwiegendem Tiefdruckeinfluss, der neben vielen milden Nächten auch häufige und ergiebige Regenfälle brachte, bevor sich eine ungewöhnlich trockene Phase ab Beginn der dritten Dekade anschloss. Lange Zeit sah es nach einem trüben Monat aus, doch Hoch Oldenburgia sorgte am Ende sogar noch für eine überdurchschnittliche Sonnenscheinbilanz.

Mit einer Mitteltemperatur von 11,63 °C war der Oktober 2019 an der DWD-Station in Bevern um 1,92 Grad wärmer als im Mittel der Jahre 1981-2010. Das scheint auf den ersten Blick in Zeiten eines sich zuletzt offenbar beschleunigenden Klimawandels und der damit einhergehenden Erwärmung nicht besonders viel zu sein, doch die Ausführungen im letzten Rückblick über die bisher vergleichsweise schwache Erwärmung des Septembers gelten noch mehr für den Oktober: Dieser hat sich im Vergleich der WMO-Referenzperiode der Jahre 1961-1990 mit dem Mittelwert von 1991-2018 lediglich um 0,3 Grad erwärmt und damit so wenig wie kein anderer Monat. Auch das ist ein Grund dafür, warum sich in der lokalen Messreihe ab 1934 nur ganze fünf Oktober finden, in denen es noch wärmer war: 2001, 2006, 1995, 2014 und 2017 – somit stammen die sechs wärmsten Oktober alle aus den letzten 25 Jahren und drei davon aus den letzten sechs Jahren.

Ein Streifzug durch den Monat

Trüb, sehr nass mit über 20 mm Regen an der Station in Bevern und dennoch warm mit fast 19 Grad Höchsttemperatur verlief der Einstand des Oktobers. Anschließend wurde es nach und nach kühler, meist war es unter Tiefdruckeinfluss grau und es regnete, mal weniger und mal deutlich mehr. Bis auf ein kurzes Zwischenhoch am 7., das auch den ersten Bodenfrost brachte, hielt diese Witterung bis zum Ende der ersten Dekade an. Anschließend blieb es einige Tage nahezu trocken und die Temperaturen stiegen deutlich auf spätsommerliche Werte an – fast hätte es sogar noch einmal für einen Sommertag in Bevern gereicht.

Einen Leckerbissen für Wetterfans gab es zwei Tage später: Noch lag die Warmluft über uns und brachte noch einmal über 23 Grad in den Niederungen sowie viel Sonne tagsüber. Auch wenn die Temperaturrekorde des Vorjahres ein ganzes Stück höher liegen: 22-24 Grad sind zumindest gegenwärtig zur Oktobermitte weiterhin als ungewöhnlich warm einzustufen. Und diese Wärme wurde in den späten Abendstunden mit Pauken und Trompeten, sprich: Blitz und Donner sowie jeder Menge Regen verabschiedet. Die Kehrseite: In mehreren Orten des Kreises mussten die Einsatzkräfte wegen umgestürzter Bäume und Überschwemmungen ausrücken. Soweit bekannt, blieb es glücklicherweise bei meist leichten Sachschäden. Die Gewitterschauer des Abends und der Regen der Nacht summierten sich auf weitere 22-34 mm in der Region, womit die durchschnittlichen Monatswerte bereits nach 15 Tagen deutlich übertroffen wurden.

Etwas weniger warm, aber immer noch sehr mild verliefen die nachfolgenden zehn Tage. Dabei fiel bis zum 20. weiterer Regen, anschließend blieb es aber bis zum Ende des Monats fast komplett trocken. In Bevern wurden ab Beginn der dritten Dekade noch ganze 0,9 mm gemessen – nur dreimal seit 1934 war es noch weniger. Der insgesamt sehr nasse Monat bestand also zu einem Drittel aus einer außergewöhnlich trockenen Phase – auch daran zeigt sich wieder, dass man nicht allein auf die Monatswerte schauen, sondern auch die einzelnen Tage und Witterungsphasen betrachten muss.

Eine Umstellung auf eine Hochdrucklage mit nordöstlichen Winden sorgte in den letzten Tagen für einen deutlichen Temperaturrückgang und die bis dahin weitgehend vermisste klassische Oktoberstimmung mit Nebel im Flusstal in den Morgen- und Vormittagsstunden. Sonne von früh bis spät für alle nach einer frostigen Nacht brachte schließlich der Feiertag am Reformationstag, entgegen der jahreszeitlichen Entwicklung fiel damit der sonnigste Tag des Monats auf den 31.10., bevor sich pünktlich zum Novemberbeginn wieder Tiefdruck mit Wolken und steigenden Temperaturen durchsetzen konnte.

Dank der sonnigen Phase am Monatsende lag der Oktober in den Niederungen um gut fünf Stunden über seinem Sonnenscheinmittel von 96 Stunden. Beim Niederschlag ging die Entspannung trotz des trockenen letzten Drittels weiter: Mit 97,2 mm wurde der Durchschnittswert der Jahre 1981-2010 in Bevern um fast 50% übertroffen. Auch die anderen Stationen der Region meldeten erfreulich hohe Regenmengen: Lüchtringen 98,1 mm, Holzminden (privat) 99,0 mm, Hellental 108,8 mm, Amelith 109,4 mm, Vorwohle 110,1 mm, Hehlen 119,6 mm und Ottenstein sogar 141,3 mm.  Die Feuchte im Oberboden hat sich nach vier Wochen mit reichlich Niederschlag ab der letzten Septemberwoche normalisiert und auch in den tieferen Bodenschichten hat die Trockenheit deutlich abgenommen. Ob es sich dabei um eine nachhaltige Entspannung handelt, lässt sich aus heutiger Sicht allerdings nicht abschätzen, darüber entscheidet der Witterungsverlauf in den kommenden Monaten.

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Überwiegend mild mit kaltem Ende

Rückblick auf den Oktober 2019 an der Station Silberborn

Mit einer Mitteltemperatur von 9,6 °C schloss der Oktober 2019 in Silberborn im Hochsolling um 1,6 Grad über dem Mittel der Jahre 1981-2010 ab. Nach einer kühlen Phase nach dem Einheitsfeiertag wurde es in der zweiten Dekade deutlich milder mit dem Höhepunkt zur Monatsmitte, als noch einmal an drei Tagen nacheinander die 20-Grad-Marke überschritten wurde. Ein kräftiges Gewitter mit ergiebigem Regen am Abend des 15. verdrängte zwar die wärmste Luftmasse, es blieb aber auch in der Folge meist deutlich milder als im Durchschnitt. Erst kurz vor Monatsende konnte sich deutlich kältere Luft mit den ersten Luftfrösten des Herbstes durchsetzen und die positive Temperaturanomalie noch ein Stück reduzieren.

Die niederschlagsreiche Witterungsphase, die in der letzten Septemberwoche begonnen hatte, setzte sich bis zum Ende der zweiten Dekade fort und sorgte für Entspannung der zuvor wieder deutlich angespannten Trockenheitssituation. In der dritten Dekade fiel dann allerdings so gut wie kein Regen mehr. Insgesamt wurden 111,5 mm gemessen, das sind gut 23% mehr als im langjährigen Durchschnitt. Auch bei der Sonnenscheindauer stand am Ende ein Plus: Mit rund 104 Stunden schien die Sonne knapp neun Stunden und Prozent länger als im Mittel von 1981-2010.

Ein besonderer Tag war der 14. Oktober in der nun fast dreijährigen Geschichte der Silberborner Wetterstation im Kurgarten: Seit diesem Tag sind die stündlichen Messwerte öffentlich im Netz vertreten und können unter http://wetterstationen.meteomedia.de/?map=Deutschland&station=104412 abgerufen werden. Hintergrund ist der im Oktober in Kraft getretene Kooperationsvertrag zwischen den Betreibern der Station und der MeteoGroup, die Silberborn seither im Status einer Unwetterreferenzstation in ihrem in Deutschland rund 530 Stationen umfassenden Messnetz führt. Hierfür wird aktuell noch ein neuer, höherer Windmast installiert und eine Stromversorgung verlegt, um eine Beheizung des Niederschlagsmessers im Winter zu betreiben.  Der TAH berichtete in seiner Ausgabe vom 16.10.2019 ausführlich: https://www.tah.de/lokales/lokalnachrichten/news-single/das-silberborner-wetter-ist-jetzt-online.html

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Durchschnittskost zum Start in den Herbst

Rückblick auf den September 2019 an der DWD-Station in Bevern

Nach dem sehr warmen, trockenen und sonnigen Sommer kehrte mit dem ersten meteorologischen Herbstmonat so etwas wie Normalität beim Wetter ein: Der September 2019 landete in allen drei wesentlichen Kategorien sehr nahe an den langjährigen Durchschnittswerten. Weder ein spätsommerlich stabiles Hoch noch längere herbstliche Abschnitte konnten in diesem sehr wechselhaften Übergangsmonat Fuß fassen, stattdessen dominierte ein Wechsel von einzelnen warmen und sonnigen Tagen und nachfolgender Abkühlung. Dabei blieb es zunächst erneut deutlich zu trocken, bevor in den letzten Tagen ergiebige Regenfälle einsetzten und der Wind mit Tief „Mortimer“ stürmisch auffrischte. Am Ende war es gebietsweise geringfügig wärmer als im vieljährigen Mittel, die Sonnenscheindauer lag ein wenig über und die Niederschlagssumme etwas unter dem Durchschnitt – in Bevern minimal, an anderen Stationen der Region ein Stück deutlicher.

Mit einer Mitteltemperatur von 14,1 °C war der September 2019 an der DWD-Station in Bevern um 0,3 Grad wärmer als im Mittel der Jahre 1981-2010. Anders als in den meisten anderen Monaten hat sich die Erwärmung im September in den vergangenen 30 Jahren schwer getan, das Mittel der Jahre ab 1991 stieg gegenüber der Referenzperiode der Weltmetorologie-Organisation WMO von 1961-1990  lediglich um 0,45 Grad an, noch schwächer fällt der Anstieg nur noch im Oktober aus. Zum Vergleich: April, Juli und August haben sich im selben Zeitraum um mindestens ein Grad mehr erwärmt, während die letzten Plätze von allen drei Herbstmonaten belegt werden. Ob es in den kommenden Jahren einen Nachzüglereffekt geben wird wie es zuletzt bei den Sommermonaten mit dem Juni der Fall war oder ob sich der Herbst weiterhin ein Stück vom starken Erwärmungstrend abkoppeln kann, bleibt abzuwarten.

Wie schon 2015 und 2017 und anders als 2016 und 2018 verabschiedete sich der Sommer in Sachen Hitze in diesem Jahr sehr pünktlich: Auf den letzten heißen Tag des Jahres mit noch einmal fast 33 Grad am 31.08. folgte ein Temperatursturz um zehn Grad zum Start in den September. Die Spätsommerwärme zog sich in die Südhälfte zurück und schwappte zunächst nur noch einmal kurz ein Stück nordwärts mit einem meteorologischen Sommertag am 4. an der Station in Bevern. Anschließend stellte sich mäßig warmes und leicht wechselhaftes Wetter mit Wolken und Sonne im Wechsel und vereinzelten leichten Niederschlägen ein. Am Wochenende zur Monatsmitte schien die Sonne jeweils über elf Stunden von einem blauen Himmel oder durch dünne Schleierwolken, wie auch das Foto unten aus dem Nachbarkreis Northeim zeigt, wo der Deutsche Wetterdienst in der Leineniederung Salzderhelden nahe der Ortschaft Stöckheim einen automatischen Windmesser mit Ultraschalltechnologie betreibt. Vertrocknete und verbrannte Rasenflächen dokumentieren zudem die zu diesem Zeitpunkt weiter sehr angespannte Trockenheitssituation.

Daran sollte sich zunächst auch wenig ändern – zwar folgte auf einen warmen Sonntag mit bis zu 24 Grad ein Tief, hinter dessen Kaltfront eine deutlich kühlere Luftmasse aus Nordwesten einfloss und auch ein paar Liter Regen fielen – doch anschließend blieb es unter Hochdruckeinfluss wieder mehrere Tage komplett trocken. Das dritte Wochenende brachte erneut Sonne satt und den letzten spätsommerlichen Warmluftvorstoß des Jahres mit bis zu 26,7 °C am 22.09. in Bevern, zugleich Monatshöchstwert. Im Laufe der Nacht und vor allem zum frühen Morgen hin kühlte es in diesen Tagen jedoch sehr stark ab, so dass die Lufttemperatur in 2 m über dem Boden auf bis zu 2,3 °C zurückging und in 5 cm Höhe über dem Erdboden nur wenige Zentel zum ersten Bodenfrost der Saison fehlten.

Doch auch diesem Hochdruckgebiet namens „Inge“ war letztlich kein langes Leben über Mitteleuropa vergönnt, mit einem Aufleben der atlantischen Westdrift wurde es nach Osten verdrängt und musste einer Reihe von Tiefdruckgebieten Platz machen, die sich in der letzten Septemberwoche die Klinke in die Hand gaben: Klaus, Lysander I und II sowie Mortimer zogen in rascher Folge über uns hinweg, Letzterer sogar mit einem ausgeprägten Sturmfeld, dessen Böen Stärken von 8-9 in der Region erreichten. Angesichts der noch weitgehend voll belaubten und trockenheitsgeschädigten Bäume eine potenziell gefährliche Lage, nach einer ersten Übersicht blieb der Landkreis aber wohl von größeren Schäden verschont.

Diese gemäß des Katalogs der Großwetterlagen über Mitteleuropa zunächst als winkelförmige, in den letzten drei Tagen des Monats dann als glatte zyklonale Westlage einzustufende Witterungsphase war gekennzeichnet durch viele Wolken – wobei es aber nie vollständig trüb blieb, sondern Abschnitte mit Sonnenschein für sehr fotogenes Wettergeschehen sorgten – wieder deutlich mildere Nächte und endlich auch ergiebigere Regenfälle, so dass nach nur rund 20 mm in den ersten dreieinhalb Wochen der langjährige Mittelwert der Jahre 1981-2010 am Standort Bevern doch noch fast erreicht wurde. Die letzten acht Tage brachten dort zusammen 50 mm mit dem höchsten Tageswert von 21,6 mm am 29.09., insgesamt fielen in Bevern 70,5 mm

Die anderen DWD-Niederschlagsstationen der Region blieben ein Stück mehr unterhalb der Durchschnittswerte: In Vorwohle wurden 62,9 mm gemessen, in Hehlen 56,1 mm, in Ottenstein 67,8 mm, in Lüchtringen 52,1 mm, in Hellental 72,7 mm und in Amelith 90,8 mm. Man sieht, dass es gerade zwischen Lüchtringen und Bevern trotz geringer Entfernung und ähnlicher Höhenlage recht deutliche Unterschiede von etwas über 18 mm gab, ohne dass wie im Hochsommer sehr eng begrenzte Starkregenschauer bei Gewittern im Spiel waren.  Doch auch dieses Phänomen gab es zu beobachten, und zwar am Freitagmittag (27.09.) kurz nach 14 Uhr in der Bülte in Holzminden: Dort prasselten binnen weniger Minuten mehrere Liter vom Himmel, von denen weder nördlich in Bevern noch südlich in der Stadt etwas gemessen wurde.

Bei allen Unterschieden im Detail lässt sich jedoch mit dem Monatswechsel September/Oktober eine erste Entspannung in Sachen Trockenheit feststellen. Zumindest die oberen Bodenschichten konnten an Feuchte deutlich zulegen. Bis auch die tieferen Schichten erreicht werden, braucht es aber noch Zeit und weiteren Regen, der idealerweise gleichmäßig und nicht in Form kräftiger Schauer fallen sollte, um ein oberflächiges Abfließen zu vermeiden. Und ein Blick in die Wettermodelle für die erste Oktoberdekade stimmt in Sachen Regen durchaus optimistisch, allerdings ist dabei Zweierlei zu berücksichtigen: Generell ist die Fehleranfälligkeit bei der Berechnung von Niederschlagsmengen schon vergleichsweise hoch, zumal bei höherer räumlicher Auflösung, und hinzu kommt zu dieser Jahreszeit noch ein weiterer Faktor: Die Tropensturmsaison vor der amerikanischen Küste bzw. die Umwandlung der Hurricanes in außertropische Tiefdruckgebiete bei ihrer Verlagerung über den Nordatlantik nach Osten. Diese mit hoher Energie gespeisten Zyklonen bereiten den sonst häufig auch in der Mittelfrist bemerkenswert gut aufgestellten Wettermodellen immer wieder großes Kopfzerbrechen und nicht selten wird das Konzept des vorausgegangenen Laufs mit dem nächsten wieder über Bord geworfen. Deshalb kann sich kurzfristig durchaus auch noch ein anderes Szenario ergeben.

Was aber jahreszeitbedingt feststeht: Die Vegetationsphase geht zu Ende und die Verdunstung spielt durch die schwächer werdende Sonneneinstrahlung eine deutlich geringere Rolle als im Sommer.  Im September zeigte sich die Sonne in der Region rund 144 Stunden lang, das sind rund sechs Stunden oder sieben Prozent mehr als im Mittel der Jahre 1981-2010 und zwei Stunden oder gut 1% mehr als im Mittel seit 1991, in dem eine weitere Zunahme der Sonnenscheindauer registriert wurde.

September_2019_Monatsübersicht

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September_ 2019_SSD

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September_2019_Tx_Entwicklung

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September_2019_Tx_fortlaufend

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September_1934-2019_RR

 

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Zu wenig Regen auch im September

Rückblick auf den September 2019 im Hochsolling

Sehr nahe an den langjährigen Temperaturmittelwerten präsentierte sich der September 2019 an der Hochsolling-Station in Silberborn. Mit 11,9 °C landete der erste meteorologische Herbstmonat genau zwischen den beiden eng beeinander liegenden Durchschnittswerten der Perioden 1961-1990 und 1981-2010, gegenüber dem Mittel seit 1991 war er ein halbes Grad kälter. Der wärmste Tag erreichte eine Höchsttemperatur von unauffälligen 22,6 °C, das tiefste Minimum lag bei 1,3 °C.

Trotz der ergiebigen Regenfälle in den letzten Tagen des Monats bleibt unterm Strich ein weiteres Defizit: Mit 80,4 mm wurde das Mittel der Jahre 1981-2010 um immerhin 18% verfehlt. Die Sonne zeigte sich mit ca. 139 Stunden um etwa 9% länger als im langjährigen Durchschnitt. Stürmisch mit Böen bis Stärke 9 wurde es am Monatsletzten beim Durchzug des Tiefs „Mortimer“.

09_2019_Übersicht

09_2019_Diagramm

 

 

 

Wärme, viel Sonnenschein und eine viel zu trockene zweite Halbzeit

Rückblick auf den August und den Sommer 2019 an der Hochsolling-Station in Silberborn

Noch niederschlagsärmer als im Wesertal verlief der August 2019 im Hochsolling: Lediglich 39,7 mm kamen an der Messstelle im Kurgarten zusammen, das sind nur 43% des langjährigen Mittelwerts von 1981-2010. Dazu war es vor allem am Monatsende sehr warm, in der Gesamtbilanz übertraf der August mit einer Mitteltemperatur von 17,3 °C sein 30-Jahres-Mittel um 1,6 K. Die Sonne zeigte sich mit 226 Stunden rund 18% länger als im langjährigen Durchschnitt.

Die Sommertemperatur erreichte ebenfalls 17,3 °C, damit war es auch in Silberborn der drittwärmste Sommer hinter 2003 und 2018 seit Messbeginn im Hochsolling. Das Klimamittel der Jahre 1981-2010 wurde um 2,1 K übertroffen und mit 35,3 °C am 25.07. ein neuer Allzeitrekord aufgestellt. Vor allem der trockene August sorgte dafür, dass die Niederschlagsmenge mit 217,7 mm ein Defizit von über 22% zum Klimawert aufwies, auch wenn die Rekordtrockenheit des Vorjahres, als nur 111,6 mm fielen, zum Glück ein ganzes Stück entfernt blieb. Dennoch sieht man dem Wald, vor allem der Fichte, die Schäden nach zwei Trockensommern, deutlich an.

Wie im Wesertal gab es auch im Solling viel Sonnenschein, auch in Silberborn kamen erstmals zwei Sommer in Folge auf jeweils über 700 Stunden. Der langjährige Durchschittswert wurde dabei 2019 um fast ein Viertel übertroffen.

08_2019_Übersicht

08_2019_Diagramm

Sommer_2019_Übersicht

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