Und wieder war es heiß, sehr sonnig und viel zu trocken

Rückblick auf den Sommer 2019 an der DWD-Station Bevern

Vor einem Jahr war man sich sicher, einen Ausnahmesommer erlebt zu haben: Sehr sonnig, so trocken wie nie zuvor und mit einem deutlichen Rekord an heißen Tagen ging der Sommer 2018 in die regionale Wettergeschichte ein. Ein solcher Jahrhundertsommer, so der fast einhellige Tenor, dürfe auch in Zeiten des Klimawandels mit seiner zunehmenden Erwärmung so schnell nicht wieder vorkommen – doch dann legte der Sommer 2019 gleich mit dem wärmsten und sonnigsten Juni seit Messbeginn los. Auch wenn im weiteren Verlauf eine überwiegend kühle erste Julihälfte und eine nur mäßig warme zweite Augustdekade dafür sorgten, dass der 2019er nicht ganz an seinen Vorgänger heranreichte: Zwei so warme und sonnige Sommer hat es zuvor weder bundesweit noch vor Ort gegeben. Dazu war es ab Mitte Juli erneut viel zu trocken.

Mit einer Mitteltemperatur von 19,3 °C war der Sommer 2019 an der DWD-Station in Bevern um genau zwei Grad wärmer als im Mittel der Jahre 1981-2010. Das bedeutet in der Rangliste der wärmsten Sommer den dritten Platz hinter 2003 und 2018 (19,8 bzw. 19,7 °C) und deutlich vor 1947 auf Rang vier (18,7 °C). In diesem Jahr lagen alle drei Sommermonate ungewöhnlich nah beieinander, in Bevern betrug der Abstand zwischen dem wärmsten Monat (Juni) und dem „kühlsten“ (Juli) gerade einmal gut ein Grad.

Bei der Anzahl der heißen Tage liegt 2018 im Vergleich deutlich vorn: Der Vorjahresrekord von 29 Tagen blieb in Bevern unangetastet, 2019 brachte es auf 18 Tage mit einer Höchsttemperatur von mindestens 30 Grad und damit auf Rang vier hinter 2018, 2003 und 1994. Bei der Zahl der Sommertage von mindestens 25 Grad herrscht hingegen fast (51:52) und bei den warmen Tagen mit mindestens 20 Grad sogar genau Gleichstand (83:83) gegenüber dem Vorjahr.

Schaut man zurück in die vergangenen 50 Jahre, so fällt auf, dass die wärmsten Sommer ihrer Zeit häufig im Doppelpack auftraten: 1975 und 1976 waren für damalige Verhältnisse sehr warm (und sonnig/trocken), der Sommer 1976 hält die bis heute längste Serie an meteorologischen Sommertagen. Das nächste Paar trat nach fünf kühlen Sommern in den Jahren 1982 und 1983 auf, letzterer galt damals als „Jahrhundertsommer“. Zwei sehr heiße Kernsommer folgten 1994 und 1995, flankiert von den beiden kühlsten Sommern der letzten 30 Jahre. Weiter ging es 2002 und 2003, dem nächsten „Jahrhundertsommer“ und nun 2018 und 2019 auf einem nochmals höheren Niveau – erstmals übertrafen zwei Sommer in Folge die 19-Grad-Marke. Ob es sich nur um zufällige Dopplungen handelt oder dahinter noch nicht verstandene Prozesse stehen, ist ungeklärt.

Wo lagen nun die Unterschiede und wo die Gemeinsamkeiten der letzten beiden Sommer? Am auffälligsten sind die drei Hitzewellen, die in diesem Jahr jeweils zum Monatsende auftraten. Sie waren nicht besonders lang, aber jeweils intensiv und zogen eine deutliche Abkühlung nach sich. In die zweite Hitzephase Ende Juli fiel der neue Stationsrekorde in Bevern (37,2 °C) am 25.07., als auch deutschlandweit die bisherige Rekordmarke von 40,3 °C aus dem Sommer 2015 an  über einem Dutzend Stationen übertroffen wurde, am deutlichsten unter regulären Bedingungen mit 41,2 ° in Duisburg-Baerl und Tönisvorst am Niederrhein.

Die Hitze des Sommers 2018 verlief dagegen gleichmäßiger und konzentrierte sich auf eine lange, beständige Phase von der zweiten Julihälfte bis zum Ende der ersten Augustdekade. Viele Tage mit trockenem Ostwind prägten im Vorjahr das Geschehen, dazu kam der ungewöhnliche Umstand, dass sogar Nordwestlagen überdurchschnittliche Temperaturen und recht sonniges und trockenes Wetter brachten. In diesem Jahr fielen hingegen häufig Wetterlagen mit südlicher und südwestlicher Strömung auf, mal brachten sie trockene Hitze aus Nordafrika, mal schwüle Mittelmeerluft mit.  Anders als im Vorjahr gab es keine anhaltenden Blockaden durch Hochdruckgebiete über Nordwesteuropa und Skandinavien, vielmehr bestimmten mehrfach Trogvorderseiten das Geschehen, die Tiefdruckgebiete konnten also den Atlantik überqueren, gruben sich jedoch immer wieder westlich von uns nach Süden ein und schaufelten warme bis heiße Luftmassen nach Mitteleuropa. Warum taten sie dies ausgerechnet dort und nicht weiter östlich, was uns einen deutlich kühleren Sommer beschert hätte? Ein Erklärungsansatz liegt in einer deutlichen Kaltwasseranomalie nördlich der Azoren. Diese wird dafür verantwortlich gemacht, dass Tiefs über dem Atlantik nicht zonal in recht glatter nach Osten gerichteter Strömung weiterziehen, sondern in diesem Bereich nach Süden ausgreifen.

Deutliche Unterschiede treten auch bei der Niederschlagsbilanz zutage: Der Sommer 2018 hatte mit nur 64,9 mm an der Station Bevern einen neuen Trockenheitsrekord aufgestellt, in diesem Jahr fiel mit 184 mm fast dreimal soviel – und doch viel zu wenig: Auch wenn das aktuelle Defizit mit rund 16% überschaubar blieb und isoliert betrachtet unproblematisch wäre, ergibt sich im Kontext mit den weiteren Faktoren leider genau das Bild, das unsere Wälder zeigen. Zwei so warme bis heiße und sonnige Sommer in Folge bedeuten natürlich eine erhöhte Verdunstung, dazu kommt eine ungleiche Verteilung des Niederschlags. Die erste Sommerhälfte brachte zumindest am Standort Bevern sogar noch leicht überdurchschnittliche Regenfälle (an anderen Stationen des Kreises schon nicht mehr), die zweite war dann aber überall in der Region klar zu trocken. Zudem bringen kurze Starkregenfälle in Gewitterschauern, wie sie mehrfach niedergingen und lokal eng begrenzt blieben, der Natur deutlich weniger als ein gleichmäßiger Landregen, der besser in die Böden eindringen kann. Die Karten des Dürremonitors des Helmholtz-Zentrums für Umweltforschung UFZ zeigen für die Region sowohl in den oberen als auch in den tiefen Bodenschichten per 2. September erneut eine schwere bis extreme Dürre an.

Die Sonne zeigte sich trotz insgesamt feuchterer Luft als im letzten Sommer nur etwas weniger am Himmel und schien über der Region rund 723 Stunden. Damit schafften erstmals seit Messbeginn zwei Sommer in Folge den Sprung über die 700er-Marke, 2018 waren es sogar 743 Stunden. Der mit Abstand sonnigste Monat war diesmal der Juni mit fast 300 Stunden, der Juli steuerte mit 197 Stunden am wenigsten bei – 2018 war das Verhältnis noch umgekehrt gewesen. Das Mittel der Jahre 1981-2010 wurde um gut 25% übertroffen, der Durchschnitt in unserer wolkenanfälligen Region liegt auch im aktuellsten und sonnenscheinreichsten Klimazeitraum seit 1991 immer noch unter 600 Stunden.

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Heiße Abschiedsgrüße des Sommers 2019

Der August brachte viel Sonne, wenig Regen und späte Hitze

Rückblick auf den August 2019 an der DWD-Station Bevern

Auch der dritte und letzte meteorologische Sommermonat drehte zum Ende nochmal richtig auf: Wie schon im Juni und im Juli brachte die letzte Woche eine Reihe von heißen Tagen mit Höchstwerten über 30 °C. Zuvor herrschten meist angenehme Temperaturen im warmen bzw. mäßig warmen Bereich, kühl wurde es hingegen gar nicht im August. Dazu schien häufig die Sonne und es regnete – wieder einmal – bei weitem nicht ausreichend, um der gestressten und geschädigten Natur eine Linderung zu verschaffen.

Mit einer Mitteltemperatur von 19,3 °C war der August 2019 an der DWD-Station in Bevern um 1,6 Grad wärmer als im Mittel der Jahre 1981-2010. Ein Blick auf den langfristigen Chart zeigt, dass sich der August in den vergangenen 30 Jahren fast genauso stark erwärmt wie der Juli: Betrug das 30-Jahres-Mittel am Standort Bevern bzw. Holzminden in den Jahren 1961-1990 – das ist die bis Ende 2020 gültige Referenzperiode der Weltmeteorologie-organisation WMO – noch 16,75 °C, stieg sie in den Jahren ab 1991 auf 18,15 °C an, also genau 1,4 Kelvin in nicht ganz 30 Jahren, was in der Klimatologie ein sehr hoher Wert für solch einen vergleichsweise kurzen Zeitraum ist. Diese Entwicklung spiegelt sich auch in der Rangliste der wärmsten Augustmonate der bis 1934 zurückgehenden Zeitreihe Bevern/Holzminden wider, in der 2019 gemeinsam mit vier weiteren Jahren den sechsten Rang belegt. In den Top Ten finden sich neben zwei Vertretern aus den 1940er-Jahren (1944 und 1947) ausschließlich Jahre ab 1992 und unter den wärmsten sechs stehen gleich drei aus den letzten fünf Jahren.

Dabei hatte es lange Zeit so ausgesehen, als würde der August in diesem Jahr unauffällig und nahe an den langjährigen Durchschnittswerten verlaufen. Die ersten drei Wochen jedenfalls präsentierten sich unter zunächst südwestlicher, in der zweiten Dekade zunehmend westlicher Strömung recht unbeständig mit einem raschen Wechsel von Sonnenschein und dichteren Wolkenfeldern, um die Monatsmitte wurde es vorübergehend sogar recht trüb. Die Temperaturen bewegten sich in den ersten 21 Tagen in einem ungewöhnlich engen Korridor: Nur einmal ging es knapp über 27 Grad, die 20-Grad-Marke wurde überhaupt nicht unterschritten – und sollte es auch für den Rest des Monats nicht mehr, stattdessen ging es nun steil nach oben: Hochdruckgebiet „Corina“ verlagerte sich von Westen kommend über Mitteleuropa hinweg nach Nordosten, ließ die Strömung auf Südost drehen und die Sonne mehrere Tage lang von früh bis spät scheinen. Hoch „Doris“ sorgte anschließend dafür, dass eine Brücke über Mitteleuropa die nochmals hochsommerliche Witterung regenerierte. Die zunehmend feuchte Luft sorgte aufgrund der gefühlten Schwüle für eine starke Wärmebelastung, auch wenn sich die Hitze am Donnerstag für zwei Tage nach Süden zurückzog, um dann pünktlich zum Finale des Sommers am Samstag nochmals für Werte bis fast 33 Grad zu sorgen.

Während Sommerliebhaber auch in diesen Wochen häufig die Vorzüge genießen konnten und Freibäder, Eiscafés und Biergärten gut gefüllt waren und die Veranstaltungen wie der Marktsommer an den zwar merklich „kürzeren“, aber oft warmen Abenden gut besucht, litt der Wald weiter stumm, aber deutlich sichtbar vor sich hin. Auch wenn die Region von der ganz großen Trockenheit des letzten Sommers verschont blieb, als sowohl Juli wie auch August neue Minusrekorde in Sachen Niederschlag aufgestellt hatten – die Entwicklung ist beklemmend und ein Ende derzeit nicht abzusehen. Zu Monatsbeginn war die Kreisstraße durch das Rumohrtal für mehrere Tage nicht befahrbar, weil dort dringende Baumfällarbeiten durchgeführt werden mussten, und seit vorletzter Woche ist der Weserradweg entlang der Heinser Klippen aus Sicherheitsgründen gesperrt, weil herabstürzende Äste aus vertrockneten Kronen zum unkalkulierbaren Risiko geworden sind. Es ist mittlerweile auch der Laubwald, dem die sich rasch fortsetzende Klimaveränderung zusetzt und nicht nur zu verfrühtem Laubabwurf – einer Schutzmaßnahme der Bäume gegen die Trockenheit – führt, sondern auch zum gänzlichen Absterben, gerade bei der Buche, die man eigentlich für klimafest hielt und die in den letzten Jahren verstärkt auch im Solling gepflanzt wurde bei der Umgestaltung des dortigen Nadel- zum Mischwald.

In nüchternen Zahlen liest sich die Niederschlagsbilanz im August so: In Bevern fielen 43,6 mm, das ist nur gut die Hälfte des langjährigen Mittels. Hinzu kommt, dass während der sonnigen und heißen Phase in der dritten Dekade so gut wie kein Regen mehr vom Himmel kam, eine Ausnahme bildete ein lokal eng auf Bevern und Lobach begrenzter Gewitterschauer am Nachmittag des 26.08., der aber nicht mehr als der berühmte Tropfen auf den heißen Stein war. In Holzminden merkte man davon bis auf etwas Donnergrummeln und ein paar Wolken ohnehin nichts. Hohe Temperaturen und viel Sonne sorgten zudem für eine starke Verdunstung.

Beim Sonnenschein sorgte die Hochdruckphase der letzten Dekade noch für einen Überschuss von gut 20% gegenüber dem langjährigen Mittelwert. Für die Region Holzminden/Bevern errechnet sich aus dem Interpolationsverfahren der Messungen der DWD-Stationen mit Sonnenscheinerfassung in der Umgebung ein Näherungswert von 228 Stunden. Damit wurde zum sechsten Mal in den letzten acht Jahren die Marke von 200 Stunden im August übertroffen.

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Neuer Allzeit-Hitzerekord im Hochsolling

Aber auch mehrere Tage mit Höchstwerten unter 15 Grad prägten das Bild

Rückblick auf den Juli 2019 an der Station Silberborn

Mit einer Mitteltemperatur von 16,6 °C war der Juli 2019 an der privaten Station im Kurgarten 0,6 Grad wärmer als im Referenzzeitraum 1981-2010, auf den ersten Blick also völlig unauffällig. Doch auch im Hochsolling gaben sich ungewöhnliche Kälte mit mehreren Tagen, an denen die 15-Grad-Marke deutlich verfehlt wurde, und Rekordhitze in der dritten Dekade die Klinke in die Hand.

Am 25. wurde der alte Rekord von 34,2 °C  vom 09.08.1992 um gut 1 Grad übertroffen: Bis zu 35,3 °C wurden vorschriftsgemäß in zwei Metern Höhe über kurz geschnittenem Gras und mit einem aktiv belüfteten Sensor gemessen und selbst wenn man der von der im DWD verwendeten abweichenden Messtechnik einen Strahlungsfehler von ein paar Zehntelgrad zugesteht, steht die Grundaussage außer Frage: einen solch heißen Tag gab es im Solling bisher noch nie. Auch die vier heißen Tage in Folge vom 23. bis 26. sind ein außergewöhnliches Ereignis, nur im August 2003 gab es noch mehr Hitze am Stück. Dazu kamen noch zwei Tropennächte mit Tiefstwerten nicht unter 20 Grad.

Auch im Solling fehlte weiterhin anhaltender Landregen, ein Großteil des gefallenen Niederschlags brachte das Tief mit dem Namen Quinctilius vom 11.-13., davor und danach dominierten aber auch im Hochsolling die trockenen Tage. Die Monatssumme von 82,5 mm entspricht gut 82% des Klimamittels von 1981-2010.

Bei der Sonnenscheinbilanz wurde wie im Wesertal das Mittel der Jahre 1981-2010 geringfügig verfehlt.

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Anders als an der DWD-Station in Lingen ist der Bewuchs weit genug entfernt, so dass eine Beeinflussung der Temperaturmessung recht sicher ausgeschlossen werden kann, zumal der Wind aus Ost (das ist die Blickrichtung auf dem Foto) frei über den Park zirkulieren konnte. Der Bewuchs im Südosten steht knapp 20 Meter vom Messinstrument entfernt. Gegenüber den DWD-Stationen in ähnlicher Höhe in der weiteren Umgebung (Harzgerode im Osten, 404 m, 34,7 °C und Brilon-Thülen im Westen, 457 m, 35,5 °C) ergeben sich ebenfalls keine Auffälligkeiten.

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Mit langem Anlauf zum Hitzerekord

Der Juli 2019 pendelte zwischen unterkühlt und extrem heiß / Trockenheit verschärfte sich wieder

Rückblick auf den Juli 2019 an der DWD-Station Bevern

Nach dem rekordwarmen und außergewöhnlich sonnigen Juni ließ es der zweite meteorologische Sommermonat zunächst deutlich gemäßigter angehen, zwischenzeitlich sogar ausgesprochen kühl und grau. Doch die Schlagzeilen gehörte am Ende wieder einmal den Ausschlägen nach oben: Sowohl in Deutschland als auch in der Weser-Solling-Region wurden im Zuge einer markanten Hitzewelle in der dritten Dekade neue Temperaturrekorde aufgestellt. Da dieser Abschnitt auch mehrere Tage mit kaum einer Wolke am Himmel brachte, fiel die Sonnenscheinbilanz trotz der längeren trüben Phase zuvor noch fast ausgeglichen aus. Beim Niederschlag hingegen gab es ein recht deutliches Defizit, so dass sich die Trockenheit zum Monatsende im Zusammenspiel mit der erhöhten Verdunstung durch Sonne und Hitze weiter verschärfte.

Mit einer Mitteltemperatur von 18,7 °C war der Juli 2019 an der DWD-Station in Bevern um 0,5 Grad wärmer als im Mittel der Jahre 1981-2010. Wie sehr sich der Juli in den letzten 30 Jahren erwärmt hat, zeigt der Vergleich mit den Durchschnittswerten der Jahre 1961-1990 sowie seit 1991: Gegenüber dem alten Klimamittel war er in diesem Jahr 1,6-1,7 Grad „zu warm“, gegenüber dem aktuellsten und ab 2021 offiziell gültigen Wert der vergangenen 30 Jahre hingegen mit einer Abweichung von nur +0,1 Grad „völlig normal“. Allerdings können sich aber hinter einem unter dem Strich durchschnittlichen oder „normalen“ Monat auch sehr kühle und sehr heiße Abschnitte verbergen, während solche Tage, die dem Durchschnitt entsprechen, nur vereinzelt auftreten. Genau dies war im abgelaufenen Monat der Fall und es lohnt sich, beide Abschnitte etwas genauer zu betrachten.

Nachdem die Hitzewelle von Ende Juni genau zum Monatswechsel ihr Ende gefunden hatte, ging es nach einem Übergangstag mit einer zunächst vorübergehenden deutlichen Abkühlung weiter. Aus Nordwesten war eine spürbar kältere Luftmasse eingeflossen, die selbst mit Sonnenschein vom 2. bis 4.  Höchstwerte von nur noch etwas über 20 Grad zuließ, in den Nächten ging es sogar bis in den einstelligen Bereich bis etwa 6 Grad abwärts. Nach zwei wieder etwas wärmeren Tagen machte der Hochsommer dann ab 7. eine längere Pause. Diese dauerte immerhin elf Tage an und war neben niedrigen Temperaturen von teils nur 16 Grad durch viele Wolken und kaum Sonnenschein geprägt. Sucht man in den Aufzeichnungen nach einem vergleichbaren Abschnitt im Juli, muss man immerhin schon 17 Jahre zurück ins Jahr 2002. Allerdings sind solche Ausreißer nach unten seit Mitte der 1980er Jahre zunehmend selten geworden, während sie zuvor immer wieder einmal auftraten. Für die Natur brachte dieser Witterungsabschnitt, der einer tiefdruckgeprägten (zyklonalen) Nordwestlage entsprach, zumindest etwas Entspannung, führten die dichten Wolken doch zunächst auch einiges an dringend benötigtem Regen mit sich und sorgten gleichzeitig für weniger Verdunstung. Für den Marktsommer in Holzminden hingegen kam er weniger gelegen, dort musste ein Auftritt wegen Regens sogar vorzeitig beendet werden.

Ab 18. stellte sich dann für ein paar Tage tatsächlich der Jahreszeit entsprechendes Durchschnittswetter mit Sonne und Wolken im Wechsel und Höchstwerten von 24 bis 30 Grad ein. Viele Wolken zeigten sich noch einmal am 22., diese gehörten zu einer Warmfront, die die nachfolgende Hitzewelle einläutete, und lösten sich im Laufe des Nachmittags und Abends auf.  Anschließend hatte uns die zweite Hitzewelle des Jahres fest im Griff. Sie dauerte bis zum Wochenende und erreichte ihren Höhepunkt am denkwürdigen 25.07. mit neuen lokalen und deutschlandweiten Rekorden. Diesmal wurde es tatsächlich so heiß, wie es schon für Ende Juni berechnet worden war. 37,2 °C waren es an jenem Donnerstag in Bevern. Verschiedene Randbedingungen wie Feuchte im Wesertal und Ostwind sorgten dafür, dass es nicht noch heißer wurde (vorhergesagt und möglich waren rund 38 Grad), so dass zwar ein neuer Stationsrekord am Standort in der Münchhausenstraße aufgestellt, der regionale Allzeitrekord aus Boffzen mit 37,9 °C vom 09.08.1992 im Wesertal aber nicht erreicht wurde. In Alfeld-Gerzen und Hameln-Hastenbeck, den beiden nächstgelegenen DWD-Standorten auf etwa vergleichbarer Höhe, wurde es mit 37,7 bzw. sogar 38,5 °C noch ein Stück heißer.

Solch hohe Temperaturen, die dann nach und nach bis zum Monatsende auf warme, aber nicht mehr heiße Werte zurückgingen, bedeuten natürlich zusätzlichen Stress für die noch unter den Folgen des Trockenjahres 2018 leidende Natur, vor allem in den Wäldern, wo neben der vom Borkenkäfer bedrohten Fichte auch die Buche zunehmend Probleme bekommen hat. Der Niederschlag im Monat Juli war da leider auch keine große Hilfe. Auch wenn mehr Regen fiel als im rekordtrockenen Vorjahresjuli, wurden die langjährigen Mittelwerte meist deutlich verfehlt und das seit Mitte März bestehende erneute Defizit weiter vergrößert. Zudem fehlte weiterhin anhaltender Landregen, ein Großteil des gefallenen Regens stammt aus den wenigen Schauer- und Gewitterereignissen, von denen das erste am 12. hauptsächlich den Süden des Kreises traf, das zweite am 20. vorwiegend den Norden. In Summe ergaben sich in Bevern mit 58,5 mm gut 78% des Durchschnitts der Jahre 1981-2010.

Bei der Sonnenscheinbilanz glichen sich die sehr trübe Phase ab dem 7. und die sehr sonnigen Tage während der Hitzewelle nahezu aus, so dass die Monatssumme von rund 197 Stunden noch auf gut 98% des Mittels der Jahre 1981-2010 kam.

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Rekordjuni auch im Hochsolling

Rückblick auf den Juni 2019 an der privaten Station Silberborn

Auch in Silberborn stellte der Juni lokale Rekorde auf: An der privaten Station im Kurgarten lag die Monatsmitteltemperatur bei 18,0 °C, das entspricht +4,2 Grad gegenüber dem Klimamittel der Jahre 1981-2010.  Die bisherige Bestmarke aus dem Jahr 2003 wurde im Hochsolling sogar um ein volles Grad übertroffen. 24 warme Tage, elf Sommertage und ein Tageshöchstwert von 32,4 °C am 30. lauten hier die weiteren neuen Rekordwerte.

Zwischen vielen trockenen Tagen setzte es mehrere Starkregenschauer, darunter ein Volltreffer am 19. mit 31,4 mm. Die Monatssumme lag dort mit 95,5 mm um rund 9% über dem Durchschnitt.

Die Sonnenscheindauer betrug ca. 295 Stunden und sorgte damit auch in dieser Kategorie für einen neuen Rekord. Das vieljährige Mittel wurde wie im Wesertal um rund 60% übertroffen.

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Der Sommer 2019 startet mit einem Rekordmonat

Rückblick auf den Juni 2019 an der DWD-Station Bevern

Der meteorologische Sommer 2019 begann mit einem Paukenschlag: Fast 20 Grad Monatsmitteltemperatur, 35,2 °C Höchsttemperatur und nahezu 300 Sonnenstunden – all das hatte es zuvor in der Region in einem Juni noch nicht gegeben. Nach einem hochsommerlichen Start mit viel Sonne an den ersten beiden Tagen folgte ein längerer wechselhafter, zu Gewittern neigender Witterungsabschnitt. Kühle Phasen suchte man aber auch da vergebens, nur an zwei Tagen wurde die 20-Grad-Marke nicht erreicht. Stattdessen drehte der Sommer in der letzten Woche mit Hitze und Sonne satt so richtig auf. Wie schon im Vormonat fiel die Niederschlagsbilanz an den einzelnen Stationen im Umkreis sehr unterschiedlich aus, allerdings fiel in der dritten Dekade gar kein Regen mehr – und im Zusammenspiel mit der hohen Verdunstung durch Hitze, Sonne und Wind wurde Trockenheit langsam wieder ein Thema.

Mit einer Mitteltemperatur von 19,8 °C war der Juni 2019 an der DWD-Station in Bevern um 3,8 Grad wärmer als im Mittel der Jahre 1981-2010 und zugleich der wärmste seit Aufzeichnungsbeginn. Der alte Rekord aus dem Jahr 2003 (als vor Ort nicht gemessen wurde und die Monatstemperatur errechnet werden musste) wurde deutlich um 0,6 Grad übertroffen. Besonders stark fiel der Kontrast zum vorausgegangenen kühlen Mai aus: Insgesamt war der Juni 8,3 Grad wärmer und die durchschnittliche Höchsttemperatur lag sogar fast zehn Grad höher. im vergangenen Jahr betrug die Differenz zwischen beiden Monaten gerade einmal etwas über 1,5 Grad. Neue Rekorde gab es auch bei der Anzahl der warmen Tage (mindestens 20 Grad Höchsttemperatur) mit 28, der Sommertage (mindestens 25 Grad) mit 17 und bei den heißen Tagen (mindestens 30 Grad) mit sechs.  Dazu kamen drei neue Tageshöchstwertrekorde am 25., 26. und 30., wobei der letzte Tag mit 35,2 °C zugleich einen neuen Monatsrekord aufstellte. Erwähnenswert ist zudem die sehr milde Nacht vom 25. auf den 26.06. mit 19,7 °C Tiefsttemperatur in Bevern, in Holzminden gab es im Innenstadtgebiet sogar eine tropische Nacht mit einem Minimum von über 20 Grad.

Damit es so ungewöhnlich warm werden kann, müssen natürlich die entsprechenden Luftmassen zu uns geführt werden, denn nur durch Einstrahlung ist selbst im Zeitraum des Sonnenhöchststandes ein solches Niveau nicht erreichbar. Wie schon im Mai dominierten Großwetterlagen der meridionalen Zirkulationsform, d.h. die Strömungsrichtung lag größtenteils parallel zu den Längenkreisen. Doch anders als im kühlen Vormonat lagen wir im Juni auf der warmen Seite. Es gab zwischenzeitlich sogar Modellrechnungen, die den Hitzepol direkt über Deutschland ausmachten und Höchstwerte von 41-42 Grad auf den Karten erscheinen ließen – letztlich zeigte sich aber wieder einmal, dass die „magische 40“ bei uns nur erreicht werden kann, wenn „alles passt“, also neben der notwendigen Luftmasse und Sonneneinstrahlung auch die volle vertikale Durchmischung vorhanden ist, keine atmosphärischen Trübungen in Form von Saharastaub im Spiel sind und trockene Böden einen zusätzlichen Temperaturaufschlag (Überadiabate) ermöglichen. Letztlich blieb es am 30.06. bei 39,6 °C in Bernburg an der Saale als deutschlandweitem Höchstwert an einer Station, die wegen ihrer eingeschränkten natürlichen Durchlüftung nicht unumstritten ist. Doch wie auch immer:  es wurden auch so verbreitet neue Junirekordwerte aufgestellt, an manchen Stationen sogar Allzeitrekorde – und das zu einem recht frühen Zeitpunkt im Jahr. Ob dies bereits der Höhepunkt des Sommers 2019 war oder ob nach einer Pause weitere heftige Hitzewellen folgen, kann derzeit niemand seriös beantworten.

Doch zurück zum Wetter vor Ort und seiner Entwicklung in der letzten Juniwoche, die auch die Region kräftig ins Schwitzen brachte – allerdings mit einer Unterbrechung am 27. und 28., als der Wind vorübergehend auf Nordwest drehte und deutlich weniger warme Luft heranführte. Durch Kaltluftadvektion an seiner Ostseite wurde der Hochkeil in seinem nördlichen Teil nach Westen zurückgedrängt, so dass wir vorübergehend an seiner kühleren Ostflanke in nordwestlicher Strömung lagen. Am nachfolgenden Wochenende schwappte die Heißluft aber wieder ostwärts zurück, überquerte uns – wenn man so will – ein zweites Mal und sorgte für die bereits genannten Rekorde. Dahinter stellte sich dann zum Monatswechsel erneut eine Nordwestlage mit deutlicher Abkühlung ein.

Große Unterschiede gab es bei der Niederschlagsbilanz aufgrund des meist schauerartigen, gewittrig verstärkten Regens, der an einzelnen Tagen in der wechselhafteren Phase zwischen dem 3. und 19. auftrat. Flächiger Landregen war stattdessen Fehlanzeige. Die DWD-Station in Bevern wurde mehrfach gut getroffen und sammelte mit 81,9 mm 20% mehr als im Mittel der Jahre 1981-2010 ein. An den anderen Stationen des Kreises fiel weniger: 56 mm in Hehlen (ebenso in Lüchtringen), 59 mm in Ottenstein, 72 mm in Hellental, 74 mm in Vorwohle. Keinerlei Differenz gab es in der sonnigen und sehr warmen dritten Monatsdekade, in der es in der gesamten Region durchweg trocken blieb, wodurch zumindest in den oberen Bodenschichten das Feuchtedefizit zurückkehrte.

Die Sonnenscheindauer schließlich stieß in bisher im Juni unbekannte Dimensionen vor. Mit 298 Stunden wurde die 300er-Marke nur knapp verfehlt und der bisherige Rekord aus dem Jahr 2010 um 22 Stunden distanziert. Dass der Juni zuvor so deutlich hinter den Bestmarken der Monate Mai und Juli zurücklag, hat wenig damit zu tun, dass ihm im Vergleich ein Tag fehlt (dieser wird durch die längere astronomisch mögliche Sonnenscheindauer mehr als kompensiert). Vielmehr ist der durchschnittliche Bedeckungsgrad höher, was an vermehrter Konvektionsbewölkung im Tagesgang zu tun hat und auch damit, dass stabile Wetterlagen, wie wir sie in der dritten Dekade mit den Hochdruckgebieten Ulla und Vera erlebt haben, zu dieser Jahreszeit nicht oft vorgekommen sind. Vielleicht ändert sich auch dies im Zuge des Klimawandels mit einer Zunahme von quasistationären Druckgebieen. Die Ausnahmestellung dieses Junis zeigt sich jedenfalls im Vergleich zu seinem langjährigen Klimamittel, das um fast 60% übertroffen wurde.

Und manchmal scheint die Sonne sogar nachts – jedenfalls erweckt sie um die Zeit des astronomischen Sommerbeginns manchmal den Eindruck, wenn das Phänomen der Leuchtenden Nachtwolken auftritt. Diese NLC (noctilucent clouds) sind Eiskristalle in der Mesopause in über 80 km Höhe. Aufgrund ihrer großen Höhe (Wolken in unserer Troposphäre bringen es auf maximal 13 km) können sie um diese Jahreszeit auch nach Sonnenuntergang oder vor Sonnenaufgang von der schräg unter dem Horizont stehenden Sonne angestrahlt und damit zum „Leuchten“ gebracht werden. Besonders intensiv war das Schauspiel am 21.06. auch in unserer Region. Das beeindruckende Foto unten stellte freundlicherweise Thomas Seliger zur Verfügung, der es auf der „anderen“ Seite des Sollings in Moringen aufgenommen hat.

 

Juni_2019_Monatsübersicht

Juni_ 2019_TTJuni_ 2019_RRJuni_ 2019_SSDJuni_2019_Tx_EntwicklungJuni_2019_Tm_EntwicklungJuni_2019_Tx_RekordeJuni_2019_Tägliches MittelJuni_1934-2019_TTJuni_1934-2019_RRNLC_1IMG_1580IMG_1861IMG_2081IMG_2099

 

Der erste heiße Tag des Jahres 2019

Am heutigen Dienstag wurde an der DWD-Station in Bevern erstmals in diesem Jahr die Marke von 30 Grad erreicht bzw. um genau 0,1 K übertroffen. Zwischen 17:10 und 17:20 Uhr wurde der erste offizielle Hitzetag des Jahres 2019 gemessen, drei Wochen später als im vergangenen Jahr, als es am 28. Mai erstmals über die 30 ging. Morgen soll nach den Modellberechnungen noch ein Hitzetag folgen, bevor Schauer und Gewitter mit einem Luftmassenwechsel eine Abkühlung bringen. Ab Donnerstag liegen die Höchstwerte dann erst einmal bei mäßig warmen 22-23 Grad, am Sonntag wird es mit bis zu 25 voraussichtlich wieder wärmer und zu Beginn der kommenden Woche könnte ein weiterer deutlicher Anstieg mit weiteren möglichen Hitzetagen folgen.

Über 73 mm Regen an einem Tag

Rückblick auf den Mai 2019 an der Station Silberborn

Auch im Hochsolling fiel der Mai deutlich kühler als im langjährigen Durchschnitt aus: An der privaten Station im Kurgarten lag die Monatsmitteltemperatur bei nur 9,3 °C und damit glatt 2 Grad unter dem dortigen Klimamittel der Jahre 1981-2010. Auf rund 430 Metern Höhe wurde sogar noch viermal Luftfrost bis Monatsmitte gemessen, erst am 18. wurde die 15-Grad-Marke überschritten und am Tag darauf der höchste Wert des Monats mit recht bescheidenen 21,4 °C erreicht.

Herausragendes Ereignis waren die Niederschläge, die am Nachmittag des 20. einsetzten, zunächst als Starkregenschauer mit Donner, Blitz und Hagel, später bis in die Nacht als Dauerregen: Über 73 mm landeten bis zum Ablesetermin am Dienstagmorgen in der Sammelkanne, die für maximal 60 mm ausgelegt ist und nun zum zweiten Mal nach Juli 2017 überlief– die Konstruktion des Regenmessers nach Hellmann sorgt aber dafür, dass der Rest im äußeren Gefäß gesammelt wird und nichts verloren geht.
Als Monatssumme gab es mit 120,3 mm fast 47% mehr Regen als im vieljährigen Durchschnitt – und sogar noch etwas Schnee, der sich am 4. noch einmal unter den Regen gemischt hatte, auch wenn es anders als in vergleichbaren Höhenlagen in der Mitte des Landes nicht mehr für eine messbare Schneedecke reichte.

Auch hier noch der Blick auf die Frühjahrsbilanz: Mit 7,6 °C war es auch in Silberborn um 0,6 Grad wärmer als im Mittel der Jahre 1981-2010, beim Niederschlag wurde der Klimawert mit einer Summe von März bis Mai von 253,2 mm um 2% überschritten.

05_2019_Übersicht05_2019_Diagramm

 

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