Lokale Überschwemmungen und dennoch zu trocken

Der Mai 2023 brachte viel Sonne und in der Fläche deutlich zu wenig Regen

Fotos von Annette Mokross

Wechselhaftes Wetter dominierte die erste Hälfte des letzten meteorologischen Frühlingsmonats, der gerne auch als „Wonnemonat“ bezeichnet wird. Mal sonnig, mal grau, mal eher kühl und mal mäßig warm – die ersten Wochen verliefen in ruhigem Fahrwasser und brachten auch ausreichend Niederschläge. Doch in der zweiten Hälfte setzte sich hochdruckgeprägte und vor allem sehr trockene Witterung durch, kurz unterbrochen durch lokale Gewitter mit Starkregen am Abend des 22., die gebietsweise für Überschwemmungen sorgten, von denen vor allem ein Streifen von Negenborn bis Stadtoldendorf betroffen war sowie Teile der B64 nach Eschershausen. Aber auch in anderen Orten gab es punktuelle „Volltreffer“, während es nur wenige Kilometer weiter kaum regnete. Fast gar nichts bekam der Solling an diesem Abend ab und auch sonst war es dort in der zweiten Monatshälfte nahezu komplett trocken, so dass die Niederschlagsbilanz in der Fläche ein deutliches Minus aufweist. Dank eines Schlussspurts mit einer Reihe von sehr sonnigen Tagen wurde das Klimamittel bei der Sonnenscheindauer noch übertroffen, die Temperaturen entsprachen nahezu exakt den langjährigen Durchschnittswerten.

Gewitter zogen am Abend des 22. durch den Kreis und brachten stellenweise Starkregen mit,
der zu Überschwemmungen führte, während es andernorts nahezu trocken blieb

Mit einer Monatstemperatur von 13,51 °C machte der Mai 2023 an der DWD-Klimastation in Bevern eine Punktlandung auf dem Mittelwert von 1991-2020; gegenüber der älteren Norm von 1961-1990 gab es ein Plus von 1,0 K. Nach dem letzten warmen Mai und seinen drei (sehr) kühlen Vorgängern erlebte die Region diesmal also Durchschnittskost. Auch die Maxima und Minima waren unauffällig: Am wärmsten wurde es in Bevern am 22. vor den Gewittern mit einem Höchstwert von sommerlichen 27,9 °C, die kälteste Nacht schrammte am 3. mit 0,1 °C denkbar knapp am Luftfrost vorbei. Recht ungewöhnlich war allerdings die hohe Anzahl von kühlen bis kalten Nächten mit Tiefstwerten zwischen null und gut sechs Grad, während es nur in vier Nächten zweistellig blieb. Einen späten Bodenfrost meldete die Beveraner Station am 18. mit einem Wert von -1,2 °C in fünf Zentimetern Höhe über dem Erdboden.

An der Wetterstation in Silberborn lag die Monatstemperatur mit 11,6 °C knapp 0,2 K über dem Klimawert der Jahre 1991-2020 bzw. 1,2 K über dem Mittel von 1961-1990. Am 2. blieb der Höchstwert letztmals einstellig (8,6 °C), am 3. gab es mit -0,7 °C den letzten Luftfrost. Am wärmsten wurde es auch im Hochsolling am 22., als in Silberborn auf rund 430 m Messhöhe ein meteorologischer Sommertag mit 24,9 °C hauchdünn verfehlt wurde. Die Anzahl der Tage mit einem Höchstwert über 20 Grad blieb mit ganzen vier sehr überschaubar. Auch hier gab es viele kühle Nächte, die durchschnittliche Tiefsttemperatur lag mit 6,2 °C aber nur geringfügig unter der im Wesertal in Bevern (6,8 °C), da die Höhenlage eine stärkere Auskühlung häufig verhindert, weil sich die kalte Luft oft nicht so stark wie im Tal sammeln kann, sondern talwärts ausfließt.

Die Vegetation präsentierte sich in frischem, sattem Grün
und zeigte am Monatsende ein frühsommerliches Gesicht

Die Analyse der Großwetterlagen über Europa zeigt eine klare Dominanz von Nord-und Ostlagen. Dabei befand sich eine deutlich positive Druck- und Potenzialanomalie auf dem Nordostatlantik nordwestlich von Irland und manifestierte sich dort in der zweiten Monatshälfte. Im Bodenfeld reichte oft eine Hochdruckbrücke bis nach Nordosteuropa, während der Mittelmeerraum unter Tiefdruckeinfluss stand. Bei einer solchen Anordnung der Druckgebilde haben Tiefs vom Atlantik mit Regen kaum eine Chance, bis nach Mitteleuropa vorzudringen. Entsprechend erklärt sich die fast durchgehend trockene zweite Monatshälfte. Die Luftmassen in der 850-hPa-Fläche (ca. 1.500 m Höhe) waren aufgrund der Anströmung und ihres Ursprungs oft unterkühlt bis maximal mäßig warm; die Ausnahme bildete eine vorübergehende Drehung auf eine feuchtwarme Südostlage zu Beginn der dritten Dekade, die für die teils unwetterartigen Gewitter sorgte. Mit der fast ungehinderten Einstrahlung der kräftigen Maisonne erwärmte sich die Luft am Boden zum Monatsende dann im Tagesverlauf zunehmend, die Nächte blieben aber kühl.

Fiel die Niederschlagsbilanz bis Monatsmitte noch normal aus, gab es in der zweiten Hälfte nur noch 1-3 Regentage im Kreis – und die einzigen größeren Mengen gingen eng begrenzt als Starkregen nieder, der – dies zeigen die Überschwemmungen – nicht in die Bodenschichten eindringen kann, sondern diese teils mitreißt, ansonsten weitgehend oberflächlich abfließt. Während anders als im vergangenen Sommer diesmal zunächst noch ausreichend Feuchte in den tieferen Bodenschichten vorhanden ist, sind die oberen Schichten in den letzten Wochen rasch wieder ausgetrocknet – und die Situation scheint sich bis mindestens Mitte Juni nicht zu ändern: Viel Hochdruck mit Sonnenschein, vielleicht mal Gewitterschauer, aber keinen flächigen Regen zeigen die Wettermodelle übereinstimmend an.

Dort, wo es am Abend des 22. schüttete, wurden die langjährigen Mittelwerte im Mai sogar fast noch erreicht, anderswo lagen die Summen deutlich im Minus. In Bevern, das kaum von der Gewitterlinie betroffen war, fielen 45,4 mm, das sind gut drei Viertel des Klimawerts. Spitzenreiter war diesmal Hehlen mit 68,0 mm, es folgen Polle mit 64,1 und Vorwohle mit 60,6 mm. Lüchtringen und die Holzmindener Südstadt, am Abend des 22. mit je über 20 mm dabei, brachten es auf 54,4 bzw. 56,0 mm und Ottenstein im Nordwesten des Kreises auf genau 50 mm. Deutlich weniger war es trotz des feuchteren Klimas im Solling: Hellental, sonst oft vorn, meldete nur 42,1 mm, und Silberborn sogar lediglich 39 mm – dort fiel nicht einmal die Hälfte der durchschnittlichen Menge.

Die Sonnenscheindauer lag mit gut 244 Stunden am Ende 46 Stunden über dem Mittel der Jahre 1991-2020. Nach langen wechselhaften Phasen etablierte sich zum Monatsende eine sonnenscheinreiche Lage mit fast 80 Stunden in den letzten sechs Tagen. Am 31. wurde erstmals in diesem Jahr die 15-Stunden-Marke geknackt, überhaupt kein Sonnenstrahl schaffte es am 11. durch die geschlossene Wolkendecke. Dieser Tag, im Kalender gern als erster Eisheiliger namens Mamertus geführt, brachte statt Kälte den regenreichsten Tag des Monats an der Station Bevern.

Frühjahr: Fast alles im Durchschnitt

Bleibt der Blick auf die Bilanz des meteorologischen Frühjahrs von März bis Mai: An der Station in Bevern lag die Mitteltemperatur mit 9,42 °C bis aufs Hundertstel genau auf dem Klimamittel von 1991-2020, es fiel mit 177,6 mm geringfügig (11 mm) mehr Regen und auch beim Sonnenschein gab es mit 492 Stunden ein ganz kleines Plus von gut einem Prozent oder fünf Stunden. Der Mai konnte mit seinem Schlussspurt das Minus der Vormonate beim Sonnenschein also noch überkompensieren, während der Trend beim Niederschlag in die andere Richtung weist: Der leichte Überschuss geht auf den nassen März zurück, während April und Mai verbreitet zu trocken waren.

In Silberborn war das Frühjahr mit 7,27 °C minimal kühler als aktuellen 30-Jahres-Mittel (7,4 °C). Nach einem ebenfalls sehr nassen Auftakt in den ersten Wochen brachten April und Mai zusammen nur noch etwa so viel Regen wie der März und verkehrten das deutliche Plus nach dem ersten Drittel noch in ein – wenn auch nur kleines – Minus: 221 mm war hier die Jahreszeitsumme, 3 mm weniger als der aktuelle Klimawert. Dies konnte auch durch ein ganz und gar unmeteorologisches Fundstück am Morgen des 1. Mai nicht ausgeglichen werden, als statt Regentropfen eine Abfallschale mit Ketchupresten im Auffangbehälter des Regenmessers zum Vorschein kam.

Viel Tiefdruck und dennoch wenig Regen

Der April 2023 war kühl und trocken bei durchschnittlicher Sonnenscheindauer

Fotos von Annette Mokross

Blickt man nur auf die Wetterkarten mit den Luftdruckverteilungen, so kommt man fast zwangsläufig zu dem Schluss, dass der April 2023 mehr Regen als gewöhnlich gebracht haben muss. Und tatsächlich war es bundesweit gesehen, also im deutschen Gebietsmittel, nicht nur überdurchschnittlich nass, sondern es wurde sogar der April mit der größten Niederschlagssumme seit immerhin 15 Jahren registriert. Ungewöhnlich an den üblichen regionalen Unterschieden war diesmal, dass sie keinem erkennbaren geographischen oder meteorologischen Muster folgten. So fanden sich umgeben von Landstrichen mit viel Regen solche mit klar unterdurchschnittlichen Mengen, u.a. im Breisgau, in der Vorderpfalz und am Mittelrhein sowie in einem Streifen von Ostwestfalen bis an die Ostseeküste von Mecklenburg-Vorpommern, in dem sich auch der Landkreis Holzminden befand. An den meisten Stationen wurde nur etwa die Hälfte bis zwei Drittel der mittleren Aprilsumme gemessen. Dazu war es oft kühl mit häufigem Bodenfrost und die Sonnenscheindauer lag geringfügig unter dem langjährigen Mittel.

Mit einer Monatstemperatur von 8,44 °C war der April 2023 an der DWD-Klimastation in Bevern um 1,1 K kälter als im Mittel der Jahre 1991-2020. Gegenüber der älteren Norm von 1961-1990 gab es hingegen ein Plus von 0,5 K und im Vergleich zum Vorjahr betrug der Unterschied nur wenige Hundertstel. Damit bestätigte der April erneut die große Spannbreite bei den Temperaturen in den letzten Jahren: Neben einigen frühsommerlich geprägten Exemplaren mit dem vorläufigen Höhepunkt im Jahr 2018 findet sich in jüngster Vergangenheit eine Reihe von eher kühlen Vertretern, die das Mittel der aktuellen Klimaperiode 1991-2020 recht deutlich verfehlten. Das gleitende Zehnjahresmittel ging in den letzten sieben Jahren trotz des 2018er Rekords von seinem Höchststand von 10,0 °C um über 0,6 K zurück. Bevor man allerdings vorschnell eine Abschwächung der Erwärmung oder gar Trendumkehr ableitet, muss man die Anfälligkeit kurzer Betrachtungszeiträume für eher zufällige Witterungsverläufe berücksichtigen. Es gilt hier also abzuwarten, auch wenn manche Klimamodelle für das Frühjahr eine nicht ganz so starke Erwärmung berechnen wie für die anderen Jahreszeiten.

Zurück vom Großen und Ganzen zu den Messwerten vor Ort: Am wärmsten wurde es in Bevern am 22. mit einem Höchstwert von 23,7 °C, einem von nur zwei Tagen über der 20-Grad-Marke und einem von nur sechs Tagen, an denen 15 Grad und mehr erreicht wurden. Das ist eine ungewöhnlich geringe Anzahl, während die Tage mit Bodenfrost mit 15 überdurchschnittlich hoch ausfiel und es selbst am Monatsletzten über dem Erdboden noch einmal unter den Gefrierpunkt ging. Luftfrost gab es an sechs Tagen, zuletzt am 27., der Tiefstwert wurde mit -3,8 °C am 4. April gemessen.

An der Wetterstation in Silberborn fällt die Bilanz bezogen aufs kühlere und feuchtere Sollingklima ähnlich aus. Mit einer Monatstemperatur von 6,2 °C war es im Vergleich zum Mittel der Jahre von 1991-2020 mit einer Abweichung von -1,3 K noch etwas kälter, gegenüber der Periode 1961-1990 gab es ein Plus von 0,4 K. Wärmster Tag war auch hier der 22. mit einem Maximum von 20,7 °C, ansonsten wurde die 15-Grad-Marke nur noch zwei Mal überschritten. Luftfrost gab es an acht Tagen und das Minium lag mit -5,0 °C am 4. im mäßigen Frostbereich. „Echte“ Winterrückfälle mit einer messbaren Schneedecke gab es aber auch auf über 400 m im Hochsolling anders als in den letzten beiden Jahren nicht mehr.

Die Analyse der Großwetterlagen über Europa zeigt wie eingangs erwähnt ein deutliches Übergewicht von Tiefdruck in Mitteleuropa. In der von Nordost- und Ostlagen geprägten ersten Dekade findet sich vom 4.-6. die einzige Hochdruckphase des gesamten Monats. Ab der zweiten Dekade wechselten sich dann Tiefdrucklagen aus West, Südwest, Nordwest und Ost munter ab, wobei ergiebige Niederschläge allerdings einen Bogen um die Region machten. Die höchsten Tagessummen lagen an den meisten der Stationen mit Niederschlagsmessung im Kreis und den angrenzenden Gebieten nur wenig über fünf Millimeter.

Die Monatssumme in Bevern schaffte es nur knapp über die Marke von 30 Millimetern, was einem Minus von fast einem Drittel gegenüber dem Klimawert von 1991-2020 entspricht, der zudem eine trockene Phase des Aprils abbildet. In den Jahren 1961-1990 hatte der Durchschnittswert noch fast 10 mm höher gelegen. Auffällig ist die geringe Zahl von Tagen mit Mengen über einem Millimeter, von denen nur sechs gemessen wurden. In Silberborn waren es davon zwar immerhin zehn, doch mit einer Monatssumme von 36,2 mm wurde das dortige Mittel von 1991-2020 mit nur 60% ebenfalls deutlich verfehlt.

Zur Einordnung der niedrigen Regenmengen muss aber auch betont werden, dass es sich anders als in vielen Jahren zuvor nicht um eine Trockenheit im Frühjahr handelt. Zum einen fielen März und Januar sehr nass aus, zum anderen sorgten niedrige Temperaturen und viele Wolken für eine nur geringe Verdunstung. Somit zeigt der Dürremonitor des Helmholtz-Zentrums für Umweltforschung (UFZ) unter ufz.de derzeit normale Verhältnisse im Oberboden bis 25 cm und nur noch leichte bis moderate Trockenheit im Gesamtboden bis 1,80 m Tiefe an. Vor Ort zeugte Weserhochwasser noch bis weit in den April hinein vom regenreichen März.

Die Monatssummen der weiteren Niederschlagsstationen in der Region lauten: Lüchtringen 23,6, Holzminden 25,0, Eimen-Vorwohle 34,0, Ottenstein 34,2, Hehlen 36,3, Polle und Hellental je 40,2 und Amelith 44,0 mm.

Die Sonnenscheindauer lag mit gut 165 Stunden etwas unter dem Mittel der Jahre 1991-2020 von 172,3 Stunden. Der einzige etwas längere freundliche Abschnitt fiel in die Hochdruckphase ab dem 4. April mit einer Viertagessumme von 41 Stunden. Ansonsten war Unbeständigkeit Trumpf, wie sie dem April ja sprichwörtlich anhängt, und es wechselten sich trübe Tage mit solchen mit einigen Stunden Sonnenschein ab und gelegentlich gesellte sich auch mal ein überwiegend sonniger Tag hinzu. Fast wolkenlos blieb es am Monatsletzten, dem einzigen Tag, an dem die astronomisch und messtechnisch maximale Tagessumme erreicht wurde, die am 30.04. bei immerhin schon 13,5 Stunden liegt. Diese steigt noch rund sechs Wochen Tag für Tag an und erreicht zwischen Mitte Juni und Anfang Juli einen Wert von ca. 15,6 Stunden (mehr lassen die Höhenzüge im Westen nicht zu). Danach geht es dann wieder Schritt für Schritt abwärts bis zur Talsohle Mitte Dezember, wenn nicht einmal mehr acht Stunden am Tag drin sind – die zu jener Jahreszeit aber in der Regel ohnehin kaum einmal erreicht werden.

Ein ungewöhnliches Ereignis spielte sich am Nachthimmel des 24. April ab, als bis über die Landesmitte intensive Polarlichter beobachtet werden konnten, die durch einen starken Sonnensturm verursacht wurden. Leider verwehrten in der Region dichte Wolken den Blick auf das Naturschauspiel.

Der Wind war trotz der häufigen Tiefdrucklagen meist nur mäßig, in Böen frisch unterwegs (Bft. 5-6). Nur an wenigen Tagen mischte sich mal eine Böe mit Bft. 7 darunter, die Spitzenwerte des Monats wurden am 11.04. an den DWD-Stationen in Northeim-Stöckheim mit 75,6 km/h (Bft. 9) und Lügde-Paenbruch mit 73,1 km/h (Bft. 10) gemessen, in Alfeld blieb es dagegen bei 54,4 km/h.

So viel Märzenregen wie seit über 20 Jahren nicht mehr

Der März 2023 war mild, trüb und sehr nass / Im Solling zeitweise spätwinterlich

Fotos von Annette Mokross

Größer können die Kontraste kaum ausfallen: Zeigte sich der März vor einem Jahr noch äußerst trocken und so sonnig wie nie zuvor, fiel in diesem Jahr so viel Niederschlag wie seit dem Jahr 2000 nicht mehr. Während es in den Niederungen meist Regen war, konnte sich im Solling zum Ende der ersten Dekade eine Schneedecke von vorübergehend über 15 cm bilden – mehr als im vorausgegangenen meteorologischen Winter. Wer Lust und Gelegenheit hatte, nutzte diesen kurzen, aber eindrucksvollen Spätwintereinbruch für eine spontane Rodeltour. Outdooraktivitäten per Fuß oder Rad wurden durch häufige Regenfälle, Hochwasser und tiefe Böden erschwert, für die Natur war das Märzwetter in der beginnenden Vegetationsphase hingegen ein Segen. Die Sonnenscheindauer blieb deutlich unter dem langjährigen Durchschnitt, bei den Temperaturen sorgte die milde zweite Monatshälfte nach einem kalten Start noch für ein Plus in der Bilanz.

Ja, ist denn schon April? Noch nicht ganz: Regenbogen und Schneegestöber am 19. März
© A. Mokross

Mit einer Monatstemperatur von 6,31 °C war der März 2023 an der DWD-Klimastation in Bevern um 1,1 K wärmer als im Mittel der Jahre 1991-2020. Gegenüber der älteren Norm von 1961-1990 betrug die Abweichung fast 2,3 K. Am wärmsten wurde es am 18. mit einem Höchstwert von 17,8 °C und einem Tagesmittel von 12,3 °C, am kältesten war gleich die erste Nacht mit Minima von -6,3 °C in 2 m Höhe und -8,0 °C direkt über dem Boden. Die Anzahl der Frosttage lag mit acht unter dem 30-Jahres-Durchschnitt von zwölf und die zweite Monatshälfte blieb frostfrei. Die Grünlandtemperatursumme stieg am Standort Bevern bis Ende März auf einen Wert von fast 366 K an. Sie eine wichtige Kennzahl zur Beurteilung des Vegetationsbeginns und -fortschritts. Der DWD schreibt dazu in seinem Thema des Tages vom 18.03.2023:

„Dass es einen Zusammenhang zwischen Phänologie und der Grünlandtemperatursumme gibt, lässt sich erkennen, wenn man den Beginn der Forsythienblüte mit dem Start der Vegetationsperiode (Grünlandtemperatursumme 200 K) vergleicht. Die Unterschiede (mal früher, mal später als Erreichen der 200 K Marke) zeigen aber auch, dass nicht die Temperatur allein über die Entwicklung der Natur entscheidet. Einfluss haben auch Faktoren wie Sonne und Niederschlag oder auch vorübergehende Unterbrechungen in der Natur durch spätwinterliche Einbrüche.“
(Quelle: https://www.dwd.de/DE/wetter/thema_des_tages/2023/3/18.html)

Höhenlagenbedingt geht es mit der Vegetation im Solling ein ganzes Stück später los, was nicht von Nachteil sein muss, da sich so die Gefahr von Frostschäden tendenziell verringert. Die Messwerte an der Station im Silberborner Kurgarten zeigen für den März 2023 eine Mitteltemperatur von 4,0 °C und somit eine Abweichung gegenüber den Klimamitteln von +0,7 K (1991-2020) bzw. +1,9 K (1961-1990). Dass das Plus ein Stück kleiner als in Bevern ausfiel, hat mit vorwiegendem Tiefdruck zu tun, der zu einer besseren vertikalen Durchmischung der Luft führt und damit die Höhendifferenz von über 300 m stärker zum Tragen kommen lässt als bei Hochdrucklagen. Maximum und Minimum wurden auch in Silberborn am 18. (14,6 °C) bzw. 1. (-7,3 °C) erzielt, an 17 Tagen gab es Frost und am 8. herrschte sogar leichter Dauerfrost.

Dramatisches Licht- und Wolkenspiel über der Weser am Morgen des 10.03 –
im Hintergrund die Heinser Klippen
© A. Mokross

Der Blick auf die Großwetterlagen über Mitteleuropa offenbart eine klare Dominanz von Westlagen ab der zweiten Woche, darin eingebettet eine Südwestlage ab Beginn der zweiten Monatshälfte für eine Woche, in die auch die wärmsten Tage fielen. Die unterkühlte erste Woche war hingegen von einer zunächst nördlichen, anschließend nordwestlichen Strömung geprägt. Tiefdrucklagen waren deutlich in der Überzahl, so dass es nur zu Monatsbeginn und nach Monatsmitte Abschnitte von einigen (fast) trockenen Tagen hintereinander gab.

Dies wird umso deutlicher beim Blick auf die Niederschlagsbilanz: An 24 bis 27 Tagen fiel Messbares in flüssiger oder zeit- und gebietsweise fester Form aus den Wolken, von leicht bis sehr ergiebig war alles dabei – und die Summen ergaben die höchsten in einem März seit dem Jahr 2000.  So wurden in Bevern 101,4 mm gemessen, erstmals seit Inbetriebnahme der DWD-Klimastation im Sommer 2006 ein dreistelliger Wert im März. Dies entspricht einem Plus von gut 40 mm oder 65% gegenüber dem Klimamittel 1991-2020. In Silberborn konnten sogar 145,8 mm aus dem Pott geholt werden, ein Überschuss von über 60 mm bzw. 73%. Auch im Hochsolling war es der nasseste März seit 2000 mit damals 196 mm. Die lokalen Rekorde stammen aus dem März 1981 mit 162,3 mm in Holzminden (Vorgängerstandort von Bevern) bzw. fast 200 mm in Neuhaus (Vorgängerstandort von Silberborn).

Die Werte der weiteren Stationen in der Region: Lüchtringen 104,5 mm, Holzminden (privat) 104,1 mm, Polle 117,1 mm, Ottenstein 128,8 mm, Hehlen 110,6 mm, Eimen-Vorwohle 100,4 mm, Hellental 132,2 und Bodenfelde-Amelith 133,2 mm.

„Regenvorhang“ am 24. März © A. Mokross

Dabei gab es zeitweise bis in die Niederungen Schneeregen oder sogar reinen Schnee, am Beispiel der auf 94 m gelegenen Station in Lüchtringen ergeben sich acht vom Beobachter gemeldete Tage mit Niederschlag in teils fester Form. Daraus resultierten in den Niederungen zwischen null (nur Schneeflecken) und drei Schneedeckentage zum offiziellen Termin um 05:50 Uhr UTC, in Silberborn waren es sechs plus mehrere Tage mit Schneeflecken. Polle meldete bis 10 cm Höhe, Vorwohle bis 13 und Silberborn sogar bis 17 cm (an einigen exponierten Stellen des Sollings auch bis 20 cm) – an mehreren Standorten mehr als während des vorausgegangenen meteorologischen Winters, gleichwohl aber sehr weit entfernt von Märzrekorden, wie sie 1988 zum Beispiel in Vorwohle mit 50 und Silberborn mit 79 cm aufgestellt wurden.

Schnee bis in die Niederungen am 11. März © A. Mokross

Die Sonnenscheindauer lag mit 82 Stunden fast genau auf dem Niveau des vorausgegangenen Februars – und damit angesichts der fortschreitenden Jahreszeit deutlich unter dem Klimawert von 116 Stunden. Markant fällt der Unterschied zum Vorjahresmärz aus, der mit 240 Stunden noch einen bis dahin kaum für möglich gehaltenen Rekord aufgestellt hatte.  Doch auch gemessen an weniger hohen Maßstäben verdient der März 2023 das Etikett sehr trüb, gab es doch in den letzten 30 Jahren nur in vier Fällen eine noch geringere Sonnenscheindauer zum Start in den meteorologischen Frühling. Auffällig auch: Kein Tag erreichte eine zweistellige Tagessumme, das Maximum wurde gleich am Monatsersten mit 9,7 Stunden erzielt. Astronomisch sind am 31. März schon fast 13 Stunden möglich, messbar davon (durch eingeschränkte Horizontfreiheit) je nach genauem Standort um 12 Stunden.

Beeindruckende Farben inkl. Spiegelungen in der Weser zauberte der Morgenhimmel
über den Heidbrink am 8. März © A. Mokross

Der Wind frischte an mehreren Tagen stürmisch auf, an den Messstellen des DWD wurden dabei meist Spitzenböen zwischen Bft. 7 und 8 registriert, das Maximum in der erweiterten Umgebung meldete die Station Northeim-Stöckheim mit 84 km/h (Bft. 9) am 10. März.

Hin und wieder frostig, aber von Schnee keine Spur

Der Februar 2023 war mild, trocken und sonnig / Winterbilanz: Überdurchschnittlich temperiert und kaum Schnee in den Niederungen

Fotos von Annette Mokross

Auch der dritte und letzte meteorologische Wintermonat zeigte sich überwiegend zahm und sorgte für lange Gesichter bei Anhängern von Schnee und Eis, entlastete dafür aber den Geldbeutel der Verbraucher in Sachen Energiebedarf zum Heizen. Der auf diversen unseriösen Wetterseiten im Netz angekündigte eiskalte Februar blieb jedenfalls aus, während die Computermodelle der Wetterdienste aus Europa und den USA richtig lagen, die mit recht hoher Konstanz sowohl den Februar als auch den Winter wärmer als im Durchschnitt vorausberechnet hatten. In den kurzen kalten Phasen blieb es unter Hochdruckeinfluss trocken, so dass es in den Niederungen bereits den vierten schneefreien Februar in den letzten fünf Jahren gab, doch auch in den Hochlagen des Sollings war diesmal für Winterfans nichts zu holen.

Mit einer Monatstemperatur von 4,26 °C war der Februar 2023 an der DWD-Klimastation in Bevern um 1,8 K wärmer als im Mittel der Jahre 1991-2020. Gegenüber der älteren Norm von 1961-1990 betrug das Plus 2,9 K. Eingeordnet in die Klimareihe ab 1934 bedeutet dies Rang 16 unter den wärmsten Februarmonaten. Der Rekord von 1990 liegt mit fast sieben Grad noch einmal deutlich höher und ist mittlerweile der mit Abstand älteste Monatsrekord.  

Am wärmsten wurde es am 22. mit einem frühlingshaften Höchstwert von 15,5 °C, ansonsten hielten sich die warmen Tage in Grenzen. Zur überdurchschnittlichen Monatsbilanz trugen vor allem das Ausbleiben von Dauerfrost (tiefstes Maximum 2,8 °C) und eine Phase mit sehr milden Nächten nach Monatsmitte bei. Dennoch erreichte die Zahl der Frosttage mit 14 fast den langjährigen Schnitt von 15,5 Tagen. Es blieb allerdings meist bei leichtem Frost, lediglich in drei Nächten ging es in den mäßigen Frostbereich und das absolute Minimum war mit -6,7 °C ebenfalls unauffällig.

An die Abwesenheit von Schnee hat man sich zumindest in den tieferen Lagen im Februar mittlerweile gewöhnt, 2023 konnte bereits zum vierten Mal in den letzten fünf Jahren zum offiziellen Termin um 06:50 Uhr am Morgen keine Schneedecke an der Station in Bevern gemessen werden. Die eine Ausnahme vor zwei Jahren brachte allerdings Schnee satt wie zuvor seit mindestens 30 Jahren nicht mehr.

An der DTN-Wetterstation in Silberborn fiel der Monat mit einer Mitteltemperatur von 2,3 °C ebenfalls deutlich milder aus als im langjährigen Durchschnitt. Das dortige Mittel der Jahre 1991-2020 wurde um 1,9 K und das der Periode 1961-1990 um 3,0 K übertroffen – relativ gesehen war es also noch etwas milder als in Bevern, was dem üblichen Effekt bei vorherrschendem Hochdruck entspricht. Die Anzahl der Frosttage unterschied sich mit 15 kaum von der in den tieferen Lagen, das absolute Minimum lag mit -6,4 °C sogar etwas höher. Und anders als im Dezember und Januar konnte auch in Sachen Schnee nichts Messbares mitgenommen werden, lediglich für eine leichte Anzuckerung am Monatsende reichte es in diesem Februar. Damit gab es erstmals in der Geschichte der Wetterbeobachtungen im Solling zweimal in Folge im Februar keinen Schneedeckentag.

Bei der Analyse der Großwetterlagen über Mitteleuropa zeigte sich zu Monatsbeginn noch eine feuchte Nordwestströmung, die rasch von einer längeren Hochdruckphase abgelöst wurde, die bis Monatsmitte kaum noch Niederschlag zuließ. Die zweite Hälfte brachte zeitweise wieder mehr Tiefdruck ins Spiel, dazu drehte die Strömung im Verlauf von West über Nordwest und Nord auf Ost, so dass zum Monatsende nicht nur kalte, sondern auch sehr trockene Luft einfloss.

Der überwiegende Hochdruckeinfluss findet sich auch in der Niederschlagsbilanz wieder, die an fast allen Messstellen der Region unterdurchschnittlich ausfiel. In Bevern lag die Monatssumme mit 41,9 mm um 18 mm oder 30% deutlich unter dem Klimamittel 1991-2020, in Silberborn mit 61,5 mm um 18 mm bzw. 22%. Lüchtringen meldete 39,7 mm, Polle 45,1, Ottenstein 53,5 und Hehlen 54,5 mm. Vorwohle kam auf 62,6 und Hellental auf 62,2 mm, während in Amelith mit 70 mm die höchste Summe gemessen und das dortige Mittel fast genau erreicht wurde.

Die Sonnenscheindauer übertraf mit knapp 81 Stunden das jüngste 30-Jahres-Mittel um 13 Stunden oder 19%, wobei sich zusammenhängende sonnige Phasen auf maximal 2-3 Tage beschränkten. An zwölf Tagen war die Sonne nicht oder fast nicht zu sehen, aber auch diese trüben Phasen verteilten sich über den Monat hinweg in mehrere Etappen. Der Wind war abgesehen von wenigen Tagen, an denen die DWD-Stationen mit Windmessung in der Umgebung einzelne Spitzenböen bis Bft. 8 registrierten, meist schwach bis mäßig unterwegs.

Winterbilanz: Oft mild, in den Niederungen kaum Schnee, Mittelmaß beim Sonnenschein

Mit dem Februar endete auch der meteorologische Winter – und er sortiert sich in der mittlerweile fast 89 Jahre langen Klimareihe Holzminden/Bevern mit einer Temperatur von 3,72 °C auf Platz 13 der wärmsten Winter ein. Der Mittelwert von 1991-2020 wurde um gut 1,4 K übertroffen. Hinter uns liegt also ein milder, aber gemessen am aktuellen Klima nicht mehr ungewöhnlicher Vertreter – im Vergleich der letzten zehn Jahre landet er sogar „nur“ auf Platz sechs. In diesem Zeitraum gab es allerdings auch den mit Abstand wärmsten Zehnjahresschnitt, somit schreibt auch der diesjährige Winter die längste Serie milder Winter seit Aufzeichnungsbeginn fort. Die ältere Klimanorm von 1961-1990 wurde letztmals 2011 unterschritten und auch die letzte negative Abweichung gegenüber dem jüngeren und wärmeren Mittel der Jahre 1991-2020 ist mittlerweile schon sechs Jahre her.

Hauptmerkmale des Winters 2023 waren ein dauerfrostiger Abschnitt in der zweiten Dezemberdekade und eine sich anschließende äußerst milde Phase von fast vier Wochen bis Mitte Januar, in der es an der Station Bevern an 19 Tagen Höchstwerte im zweistelligen Bereich gab – inklusive neuer Monatsrekorde zu Silvester und Neujahr. An 37 Tagen gab es Frost, das sind acht weniger als im langjährigen Mittel, während die acht Eistage (alle im Dezember am Stück während der einzigen echten Kältephase) um drei Tage unter dem Schnitt lagen. Die Kältesumme blieb mit 59,2 K deutlich unter dem Schwellenwert von 100 und ist ein weiterer Indikator für einen milden Winter.

Schnee in den Niederungen blieb wie in den meisten der letzten Winter eine Ausnahme von wenigen Tagen – drei waren es von Dezember bis Februar in Bevern, ein ganzes Stück mehr mit 31 zwar in Silberborn, doch fehlte es dort für echtes Wintersportvergnügen oft an der ausreichenden Höhe, denn meist beschränkte sich die Schneedecke auch in den höchsten Lagen der Region auf wenige Zentimeter. Die Mitteltemperatur an der Station Silberborn lag mit 1,7 °C ebenfalls um 1,4 K über dem Klimawert von 1991-2020. An immerhin 23 Tagen herrschte Dauerfrost und an gut der Hälfte der Tage (47) zeitweise Frost. Die Kältesumme von 99,1 K zeigt bezogen auf die Höhenlage ebenfalls einen milden Winter an.

Die Niederschlagsbilanz fällt durchwachsen aus: Vor allem aufgrund des sehr nassen Januars konnten unter leichten Unterschieden die langjährigen Durchschnittswerte an den Stationen im Kreis und den angrenzenden Orten meist leicht überschritten werden, doch mit der trockenen Vorgeschichte aus Sommer und Herbst ist das Plus zu klein geraten, um entspannt in Richtung der kommenden Jahreszeiten blicken zu können. In Bevern fielen 232,0 mm und damit rund 9% bzw. 19 mm mehr als im Mittel der Jahre 1991-2020, in Silberborn betrug das Plus mit einer Summe von 310 mm gut 7% bzw. rund 21 mm.

Die Sonnenscheindauer bewegte sich mit 141 h leicht um rund sieben Stunden unterhalb des Klimawerts von 1991-2020. Der Dezember fiel durchschnittlich aus, der Januar sehr trüb und der Februar schaffte an den letzten Tagen noch ein Plus gegenüber seinem Mittel. Der Wind spielte nur eine untergeordnete Rolle und echte Winterstürme blieben, sicher zur Freude von Haus- und Waldbesitzern, Forstwirtschaft und Versicherern, diesmal ganz aus. Vom extrem milden Jahreswechsel abgesehen dürfte also recht wenig vom Winter 2023 in Erinnerung bleiben.

Trüb, nass und erst nach Monatsmitte gelegentlich winterlich

Der Hochwintermonat Januar war auch 2023 sehr mild / Viel Regen in der ersten Hälfte

Fotos von Annette Mokross

Neuer Monat, neues Jahr und dazu „altes Wetter“ – 2023 begann dort, wo 2022 aufgehört hatte: Mit zuvor unerreichten Temperaturen. Mehrere Tagesrekorde und eine erste Monatshälfte auf durchschnittlichem Aprilniveau zeugen von einem der wärmsten Hochwinterabschnitte seit Aufzeichnungsbeginn. Dazu regnete es so ergiebig wie seit langem nicht mehr. Und ähnlich wie der Dezember hatte auch der Januar zwei sehr unterschiedliche Hälften: Nach Monatsmitte wurde es deutlich trockener und die Temperaturen passten sich der Jahreszeit an. Im Hochsolling konnte sich sogar eine Schneedecke ausbilden, in den Niederungen blieb Schnee hingegen erneut die Ausnahme. Am Himmel dominierte dazu die Farbe Grau, die Sonnenscheindauer erreichte nicht einmal ganz die Hälfte ihres Klimawerts.  

Mit einer Monatstemperatur von 4,78 °C war der Januar 2023 an der DWD-Klimastation in Bevern um 2,9 K wärmer als im Mittel der Jahre 1991-2020. Gegenüber der älteren Norm von 1961-1990 betrug das Plus sogar fast 4,4 K. Damit war es der fünftwärmste Januar in der fast 90 Jahre langen Klimareihe Holzminden/Bevern und der vierte über der Vier-Grad-Marke in den letzten sechs Jahren. Der Neujahrstag erreichte mit einem Höchstwert von 15,7 °C erneut frühlingshaftes Niveau und löste den erst vor einem Jahr aufgestellten Monatsrekord bereits wieder ab. Die ersten 15 Tage brachten es auf eine Mitteltemperatur von 8,7 °C und einen durchschnittlichen Höchstwert von 10,9 °C – beides findet man üblicherweise erst im Laufe des Aprils. Den ersten Frost gab es erst am Abend des 17. – eine frostfreie erste Januarhälfte hatte es zuvor am Standort Bevern (seit Sommer 2006) noch nie und an den Vorgängerstandorten in Holzminden nur einmal im Jahr 1975 gegeben.

Doch nach insgesamt fast vier Wochen fand auch dieser selbst für heutige Winterzeiten außergewöhnlich milde Witterungsabschnitt sein Ende und der Winter konnte, wie es die DWD-Pressestelle nicht ohne Sarkasmus formulierte, ein kraftloses Gastspiel an den Tag legen. In den Niederungen zeichnete sich dies durch häufigen, meist leichten Nachtfrost und Höchstwerte nur noch etwas über dem Gefrierpunkt aus, Dauerfrost wurde aber nicht und eine geschlossene Schneedecke nur kurz gemeldet. Der Tiefstwert von -5,6 °C lag in Bevern einerseits deutlich höher als in den meisten Jahren, reichte aber anderseits schon für die kälteste Januarnacht seit 2019.

Doch den höheren Lagen der Region sei Dank findet sich auch in Zeiten des Klimawandels fast immer noch zumindest zeitweise etwas Winter mit Schnee und Frost, so dass für eine Rodeltour nicht zwingend ein Ausflug in den Harz oder das Sauerland geplant werden muss. Und so brachte auch der Januar 2023 im Hochsolling eine Phase mit Schneedecke und leichtem Dauerfrost in der zweiten Monatshälfte.

An der DTN-Wetterstation in Silberborn fiel der Monat mit einer Mitteltemperatur von 2,2 °C zwar ebenfalls deutlich milder aus als im langjährigen Durchschnitt (+2,3 K gegenüber der Norm 1991-2020), doch reichte die Höhenlage hier für eine weitgehend winterlich anmutende zweite Hälfte. In der Nacht zum 17. ging der Regen in Schneefall über und brachte die erste messbare Schneedecke im diesem Januar, die in den Folgetagen noch etwas anwachsen konnte. Natürlich hat man im Solling schon ganz andere Schneeverhältnisse erlebt, aber der Abwärtstrend der letzten Jahre ist deutlich sicht- und messbar, so dass viele Schneehungrige aus der Region schon froh über diesen Abschnitt gewesen sein dürften. Eine erneute Milderung zum Monatsende ließ dann aber auch in den höchsten Lagen nur noch ein paar Schneereste zurück. Bis dahin gab es aber immerhin zehn Eis- und 14 Frosttage in Silberborn, wobei der Tiefstwert von -6,9 °C, zumal über einer dünnen Schneedecke, für eine Stationshöhe von fast 430 m alles andere als wirklich kalt daher kam.

Die Analyse der Großwetterlagen über Mitteleuropa zeigt für die ersten zwei Tage noch die die Rekordwärme zum Jahreswechsel verursachende Südwestlage und anschließend fast zwei Wochen tiefdruckgeprägte Westlagen. Nach Monatsmitte drehte die Strömung über Nord auf Nordost und brachte kältere und trockenere Luft, die nachfolgend unter Hochdruckeinfluss geriet und sich bis kurz vor Monatsende halten konnte, bevor eine Rückdrehung auf Nordwest mildere Nordseeluft ins Land steuerte.

Entsprechend dieser Wetterlagenwechsel fiel auch die Niederschlagsverteilung in der Region aus: Mehrere Tage mit ergiebigen Regenmengen und mehrfach Tagessummen um 20 mm ließen die erste Hälfte sehr nass ausfallen und sorgten dafür, dass das Defizit aus dem Jahr 2022 zumindest ein Stück gemindert werden konnte. Erstmals seit längerem trat die Weser wieder über ihre Ufer, der erste trockene Tag im Kreis wurde erst am 18. registriert. Doch viel kam anschließend nicht mehr nach (in Bevern beispielsweise nur noch 12 mm in den letzten 14 Tagen), so dass die Monatssummen zwar meist klar überdurchschnittlich ausfielen, aber auch nicht so üppig wie es sich zwischenzeitlich angedeutet hatte.

In Zahlen liest sich die Bilanz der ehrenamtlichen Ableser und automatisch meldenden Messstellen in der Region so: In Bevern wurde das Mittel der Jahre 1991-2020 mit 104,3 mm um 29 mm oder 38% überschritten, in Silberborn fielen 134,5 mm – ein Plus von ebenfalls fast 30 mm gegenüber dem Klimawert, was dort aber nur 28% ausmacht. Aus Polle, genauer: vom Wilmeröder Berg (270 m) wurden 115,3 mm gemeldet, aus Vorwohle im Nordosten des Kreises auf ähnlicher Höhe hingegen nur 84,7 mm. Amelith kam auf 128,7 mm, Spitzenreiter Hellental auf 139,0 mm und die Weserortschaften Lüchtringen und Hehlen auf 97,4 bzw. 94,8 mm. In Ottenstein hat der DWD in seinen Stationsdaten die Höhe auf 305 m korrigiert (zuvor waren jahrelang 295 m genannt), gemeldet wurden von dort 107,2 mm, während die Schneehöhenmessungen an diesem Standort zum Jahresende 2022 beendet wurden. An den anderen Standorten im Kreis gab es zwischen einem und vier Tagen mit Schneedecke, nur im Hochsolling konnte sich der Schnee gebietsweise länger bis kurz vor Monatsende halten.

Die Sonnenscheindauer erreichte mit ca. 22 Stunden nur knapp die Hälfte eines durchschnittlichen Januars im Zeitraum von 1991-2020, lag aber immerhin zehn Stunden über dem noch trüberen Januar 2022. Für mehr als eine Halbtagsschicht von 4 Stunden reichte es auch an den sonnigsten Tagen nicht und auch dieser Wert wurde nur zweimal erreicht. An rund der Hälfte der Tage zeigte sich die Sonne gar nicht und als „Höhepunkt“ blieb es vom 21.-27. eine ganze Woche am Stück vollständig trüb. Dunkelheit liefert der Winter also auch weiterhin mit hoher Zuverlässigkeit in der Region. Auch deutschlandweit war es mit nur 32 Stunden im Gebietsmittel ein trüber Monat, etwas freundlicher zeigten sich die Nordseeinseln mit etwas über 50 Stunden und das Alpenvorland mit rund 65 Stunden. Mit Abstand am meisten Sonnenschein gab es auf Deutschlands höchstem Berg, der Zugspitze, mit 118 Stunden.

Anders als in manch anderem milden uns nassen Januar – Stichworte Kyrill 2007 und Friederike 2018 – spielte der Wind keine wesentliche Rolle. Ein ausgewachsener Sturm blieb diesmal aus, in der Spitze wurden an den DWD-Windmessstellen um 68 km/h (Bft. 8, stürmischer Wind) an zwei bis drei Tagen in der ersten Monatshälfte erreicht.

Ein weiteres Jahr im Zeichen des Klimawandels

Hitzerekorde, sehr viel Sonnenschein, Trockenheit und ein Tornado prägten das Wetter 2022

„Erstmals steht die 11 vor dem Komma“ – so lautete die Überschrift vor zwei Jahren bei der Rückschau auf das Wetterjahr 2020 für die langjährige Klimareihe Bevern/Holzminden. Nach nur einem Jahr Verschnaufpause mit gemäßigteren Temperaturen kratzte das Jahr 2022 erneut am Wärmerekord bei der Jahrestemperatur und landete am Ende ebenfalls bei genau 11,0 °C, während in Silberborn mit 9,26 °C sogar das wärmste Jahr seit Beobachtungsbeginn im Hochsolling gemessen wurde. Dazu gab es neue Allzeitrekorde mit fast 39 Grad in den Niederungen und über 36 Grad in Silberborn am 20. Juli, 400 Stunden mehr Sonnenschein als im langjährigen Jahresmittel und erneut zu wenig Regen. Überregionale Schlagzeilen machte am 20. Mai ein Tornado, der eine Schneise der Verwüstung von Merxhausen bis Mackensen hinterließ. Mit anderen Worten: Die Auswirkungen des Klimawandels schlugen sich deutlich im Wetter des Jahres 2022 nieder. Neue Wärmerekorde weit über den bisherigen Höchstwerten zu Silvester rundeten dieses Bild exemplarisch ab.

Mit einer Jahrestemperatur von 11,0 °C war es 2022 an der DWD-Station in Bevern genauso warm wie im Rekordjahr 2020. Eine noch genauere Darstellung scheitert leider am mehrtägigen Ausfall der Elektronik im Februar, als mehrere Tageswerte nachträglich geschätzt wurden. Doch ob nun ein Hundertstel Grad mehr oder weniger – der Aufwärtstrend beschleunigt sich auch in unserer Region zunehmend, da fällt ein durchschnittlich temperiertes Jahr wie 2021 beim Blick auf die jüngste Vergangenheit bereits aus dem Rahmen. Die vier wärmsten Jahre seit Messbeginn im Sommer 1934 fallen alle in die fünf Jahre ab 2018, sieben der wärmsten zehn in die Jahre seit 2014 und die 15 wärmsten allesamt in die Zeit seit 1999.

Wie schon 2020 kam der Jahresrekord ohne neue Höchstmarken bei den Monatsmittelwerten zustande, es fehlten aber vor allem erneut deutlich zu kalte Monate im Vergleich zu den langjährigen Klimawerten, die bezogen auf die jüngste 30-Jahres-Periode 1991-2020 nur im April, September und Dezember ein Stück verfehlt wurden. Gegenüber der Periode 1961-1990 lagen sogar alle zwölf Monate im Plus – ein Novum in der bundesweiten wie regionalen Wettergeschichte. Herausragend waren neue Allzeitrekorde im Juli mit bis zu 38,7 °C am Standort Bevern sowie das neue Dezembermaximum von 18,1 °C, aufgestellt am letzten Tag des Jahres. Die Anzahl der heißen Tage mit mindestens 30 Grad Höchsttemperatur erreichte mit 20 den 3. Platz seit Messbeginn hinter 2018 und 2003. Wärmster Monat war der August mit über 20,5 °C Mitteltemperatur, am kältesten schnitt der Dezember mit 2,1 °C ab, der zugleich den einzigen längeren winterlichen Abschnitt des Jahres und mit -12,0 °C auch das Jahresminimum bei der Lufttemperatur beisteuerte.

An der Wetterstation in Silberborn muss keine Diskussion über die zweite Nachkommastelle geführt werden – dort war es mit 9,26 °C klar das wärmste Jahr seit Aufzeichnungsbeginn im Hochsolling in den 1930er Jahren. Der bisherige Rekord stammte anders als in Bevern aus dem Jahr 2018 und wurde um 0,15 K übertroffen. Auch auf fast 430 m Stationshöhe brachte der 20. Juli mit 36,3 °C einen neuen Allzeitrekord. Am kältesten wurde es am 13. Dezember mit -10,4 °C, zugleich der einzige Strengfrost des gesamten Jahres.

Der Baum des Jahres 2022 – die Rotbuche – vor frühsommerlicher Kulisse in Silberborn Ende Mai 2022. Ein typisches Bild im zweitsonnigsten Jahr seit Aufzeichnungsbeginn…

Ein kurzer Streifzug durch das Wetterjahr beginnt mit einem sehr milden Winter fast ohne Schnee und nur gelegentlich leichtem Frost, wobei der Februar mit Abstand der regenreichste Monat des Jahres wurde. Der März brachte viele Hochdruckwetterlagen mit einem neuen Sonnenscheinrekord und kaum Niederschlag, wechselhafter ging es im April zu, bevor der Mai die ersten sommerlichen Witterungsphasen brachte – inklusive eines Tornados, der am 20. in Merxhausen und Mackensen wütete, eine Reihe von Dächern abdeckte und eine alte Allee aus gestandenen Eichen zwischen den Ortschaften quasi rasierte.

Der anschließende meteorologische Sommer war der drittwärmste und sonnigste der Historie und zudem deutlich zu trocken. Immerhin einige Starkregenereignisse, so am 30. Juni in der Kreisstadt mit teils über 40 Litern in einer Stunde, polierten die Statistik zwar etwas auf, hatten aber kaum Nutzen für die zunehmend ausgetrockneten Böden. Auch der September begann sehr warm, zeigte sich in der zweiten Hälfte dann aber von seiner kühlen und herbstlichen Seite, während der Oktober im Monatsverlauf entgegen dem üblichen jahreszeitlichen Trend immer wärmer wurde. Nach dem drittsonnigsten November sorgte der Dezember für markante Kontraste mit einer hochwinterlich kalten zweiten Dekade und einer regenreichen und außergewöhnlich milden Jahresendrallye.

Doch die ergiebigen Niederschläge um die Weihnachtszeit konnten die negative Jahresbilanz kaum noch verbessern, wie ein Blick auf die Summen in der Region zeigt. In Bevern, wo wegen des Stationsausfalls im Februar kein offizieller Wert seitens des DWD verfügbar ist, errechnen sich mit 659 mm nur 83% des langjährigen Mittelwerts, in Silberborn reichten gemessene 758 mm sogar nur für 72%. Zusammen mit dem heißen und sonnigen Sommer war 2022 erneut kein gutes Jahr für den Wald in der Region. Zwar hatte das Vorjahr kaum Hitze und deutlich weniger Sonnenschein gebracht, zu trocken war es dennoch ausgefallen. Damit zeigt sich seit 2008 ein Abwärtstrend bei den Niederschlägen. Seither wurden die 30-jährigen Mittelwerte nur noch einmal überschritten (2017), alle anderen elf Jahre verfehlten den Klimawert hingegen mehr oder weniger deutlich. Dieses Fazit gilt nicht nur für die beiden genannten Standorte, sondern auch für die weiteren Niederschlagsstationen in der Region, deren Messwerte regelmäßig in den Monatsberichten aufgeführt werden.

… dessen Schattenseiten sich in den trockenen Böden zeigten wie im Hochmoor Mecklenbruch im August. Die hier heimische Moorbirke ist übrigens der Baum des Jahres 2023.

Bevor im Jahr 2024 ein neues Messverfahren beim DWD Einzug hält, wird die Sonnenscheindauer noch überwiegend mit Sonnenenergiesensoren an Masten mit meist 6-8 Metern Höhe über Grund erfasst. Diese sind weniger flächendeckend aufgestellt als Niederschlagsmesser, für die Gebiete dazwischen ohne direkte Messung, zu der auch unser Kreis gehört, wendet der DWD aus den Messwerten der Umgebung eine sogenannte Rastermittelung an. Diese ergibt für das Jahr 2022 ca. 1.922 Stunden und damit den zweithöchsten Wert seit 1951, dem Beginn der flächendeckenden Aufzeichnung der Sonnenscheindauer. In der Historie findet sich im Jahr 1959 mit 1.934 Stunden ein noch höherer Wert, allerdings ist der Vergleich wegen des gänzlich anderen Verfahrens (damals mittels Brennstreifen unter einer Glaskugel und oft nicht in ausreichender Höhe angebracht) nur bedingt belastbar. Die meisten Sonnenstunden brachte der Juni mit 288, in Relation zum Klima und der astronomisch möglichen Sonnenscheindauer stechen vor allem August (281) und März (240) hervor. Äußerst trüb blieb der Januar mit nicht einmal 13 Sonnenstunden – auf den Tag umgerechnet ergeben sich daraus ganze 25 Minuten.

Zwischen Dauerfrost und Wärmerekorden

Temperaturextreme prägten den Dezember 2022 – Regenreiches letztes Drittel

Blickt man nur auf die Mitteltemperatur des ersten meteorologischen Wintermonats, könnte man auf die Idee kommen, es habe sich um einen zwar leicht unterdurchschnittlichen, aber insgesamt unauffälligen oder sogar langweiligen Dezember gehandelt. Doch hinter diesem Glättungseffekt des arithmetischen Mittels verbergen sich zwei markant gegensätzliche Witterungsperioden: Eisig kalt mit Dauerfrost und sogar etwas Schnee präsentierte sich die zweite Monatsdekade, bevor eine 180-Grad-Kehrtwende hin zu milder West- und Südwestströmung nicht nur für ein weiteres grünes Weihnachtsfest, sondern zum Jahresende auch für erneute Wärmerekorde sorgte. Mit der Atlantikluft kam auch der dringend benötigte Regen und brachte noch ein leichtes Plus beim Monatsniederschlag. Auch die Sonne zeigte sich geringfügig länger als im langjährigen Durchschnitt.

Kalte Füße gab’s auf der Weser währen der Dauerfrostperiode in der zweiten Dekade ©A. Mokross


Mit einer Monatstemperatur von 2,13 °C war der Dezember 2022 an der DWD-Klimastation in Bevern um 0,6 K kälter als im Mittel der Jahre 1991-2020. Gegenüber der älteren Klimanorm von 1961-1990 ergab sich hingegen ein kleines Plus von 0,4 K. Damit war es immerhin der kälteste Dezember seit 2010, der seinerzeit nicht nur vorübergehend, sondern fast durchgehend hochwinterlich ausgefallen war. Nach einer mäßig kalten ersten Dekade ging es zu Beginn der zweiten in den Dauerfrostbereich, in dem die Temperaturen für acht Tage verharrten. In diese Phase fielen auch mehrere Nächte mit strengem Frost unter -10 Grad, direkt über dem Erdboden wurden fast -15 erreicht – und das alles ohne Schneedecke. Die hatte sich in den Niederungen nur kurzzeitig am Ende der ersten Woche gebildet und war noch vor dem Kaltlufteinbruch wieder abgetaut.

Die Milderung vollzog sich am 19. mit einer unfallträchtigen Glatteislage, als Regen auf die noch gefrorenen Böden fiel. Anschließend setzte eine beeindruckende „Aufholjagd“ bei den Temperaturen ein, die mit einem neuen Monatsrekord bei den Höchstwerten mit 18,1 °C am Silvestertag ihren Höhepunkt erreichte und den über 45 Jahre alten Dezemberrekord vom 24.12.1977 um volle zwei Grad hinter sich ließ. Die negative Abweichung der Monatstemperatur konnte dadurch zwar nicht mehr komplett getilgt, aber doch erheblich reduziert werden. Nach dem 18. hatte die fortlaufende Mitteltemperatur noch -1,9 °C betragen, am Ende stand mit +2,1 °C ein um vier Grad höherer Wert. Ähnlich markante Aufwärtsentwicklungen im Laufe der zweiten Monatshälfte hatte es zuletzt im Februar 2021 und beim Dezember im Jahr 2012 gegeben.

Winterliche Landschaft am Wilmeröder Berg ©Annette Mokross

An der DTN-Wetterstation in Silberborn war der winterliche Abschnitt mit deutlich mehr Schnee als im Wesertal verbunden. Am Vormittag des 5. wuchs die Schneedecke auf über zehn Zentimeter an, ein Teil davon taute rasch wieder, aber ein Rest konnte sich in die Dauerfrostphase retten, die in Silberborn sogar zehn Tage anhielt. Doch mit dem 19.12. endete auch im Hochsolling der Dezemberwinter und machte einer regenreichen und milden Wetterlage Platz, inklusive eines neuen Rekordwerts zu Silvester, der wie in Bevern die bisherige Dezember-Bestmarke um glatt 2 Grad übertraf. Der alte Rekord in Silberborn betrug 13,0 °C und stammte vom 01.12.1984. Bei der Monatstemperatur blieb mit 0,66 °C am Ende nicht einmal mehr ein Zehntelgrad vom Minus gegenüber dem Klimawert von 1991-2020 übrig. Relativ gesehen war es also oben im Solling weniger kalt als unten im Wesertal, wo sich während der Frostphase die schwere Kaltluft sammeln und es in den windschwachen und klaren Nächten noch stärker auskühlen konnte.

Die Analyse der Großwetterlagen zeigt zu Monatsbeginn eine Mischung aus tiefdruckgeprägten Nord- und Ostlagen, wobei meist geschlossene Bewölkung eine stärkere nächtliche Abkühlung verhinderte. Die anschließende hochwinterlich kalte Phase entstand im Zuge einer südlichen Westlage, was zunächst paradox klingt, vermutet man dahinter doch eher eine milde Witterung. Doch gerade in der Nordhälfte des Landes verbirgt sich dahinter vielmehr eine vorwiegende Ostwindlage, da die atlantische Frontalzone, auf der die Tiefs bei einer zonalen Zirkulationsform von West nach Ost ziehen, deutlich nach Süden verschoben ist. Dadurch ziehen die Tiefdruckgebiete durch das Mittelmeer und sorgen nördlich davon aufgrund ihrer gegen den Uhrzeigersinn gerichteten Drehbewegung für eine bodennahe Ostströmung, mit der kalte Festlandsluft nach Mitteleuropa transportiert wird. Druckanstieg über Osteuropa und eine Nordwärtsverlagerung der Frontalzone sorgten zum Ende der zweiten Dekade für eine Rückdrehung der Strömung auf Südwest und eine deutliche Milderung, auf die eine glatte klassische Westlage folgte und schließlich ein weiterer markanter Warmluftvorstoß aus Südwesten zum Monatsende.

Erst diese Umstellung sorgte im Laufe der dritten Dekade für ergiebige und dringend benötigte Regenfälle, denn bis dahin drohte auch der Dezember wie die meisten Monate des Jahres zu trocken auszufallen. Zwar brachte die Tiefdrucklage am 4. und 5. kräftige Niederschläge, teils als Regen, teils als Schnee, doch schon bald folgte mit Einfließen der kalten Festlandsluft eine längere trockene Phase. Vor allem an den beiden Tagen vor Heiligabend und am ersten Weihnachtstag wurden aber endlich die Schleusen geöffnet mit mehrfach zweistelligen Tagessummen, wobei der höchste Wert im Silberborn am 25. mit über 30 mm erzielt wurde.

Sonnenaufgang über der vereisten Weser am 17.12.2022 bei Polle ©A. Mokross

Die Monatsbilanz in der Region fiel dadurch erstmals seit längerer Zeit zumindest gebietsweise leicht überdurchschnittlich aus, ohne dass das über das Jahr hinweg aufgelaufene Defizit noch nennenswert reduziert werden konnte. In Bevern wurden 85,8 mm gemessen, immerhin ein Plus von gut 9 mm oder 12% gegenüber dem Mittel der Jahre 1991-2020. Sogar 114 mm waren es in Silberborn (+9%), Platz zwei im Umkreis geht an Hellental mit 106,8 mm, Amelith meldete 98,4 und Polle 89,6 mm. Nur durchschnittliche oder sogar leicht darunter liegende Mengen gab es in Vorwohle mit 75,8 mm, in Lüchtringen mit 72,9 mm sowie in Hehlen mit 70,5 mm.

Feuchte und milde Luft mit Regen setzte sich in den Tagen vor Weihnachten
durch und blieb bis Monatsende ©A. Mokross

Der Großteil dieser Niederschläge fiel als Regen, doch wenigstens über etwas Schnee durften sich die Winterfreunde in der Adventszeit auch in den Niederungen freuen. Meist waren es 2-5 Tage zwischen dem 3. und 7., an denen es überwiegend weiß wurde, in den Hochlagen des Sollings auch länger. Zum offiziellen Messtermin am Morgen um 06:50 Uhr meldeten Amelith und Hellental fünf Tage mit bis zu fünf Zentimetern, Bevern hatte zwei Tage mit bis zu vier Zentimetern, am meisten Schnee mit bis zu 10-11 cm gab es in Polle, Vorwohle und Silberborn. Einerseits eine zwar nicht wirklich üppige und mit wenigen Ausnahmen auch nur kurzlebige Schneephase, anderseits aber mehr als in den meisten Dezembern der letzten zehn Jahre.

Die Sonne zeigte sich wie zu dieser Jahreszeit üblich an den meisten Tagen nur selten oder gar nicht am Himmel. Die Ausnahme bildete die trockenkalte Phase in der zweiten Dekade, die im Zusammenspiel mit einer Reiflandschaft für viele schöne Wintermotive sorgte, wie es sie lange nicht mehr gegeben hatte. Zwischen dem 12. und 18. schien die Sonne immerhin gut 34 Stunden lang, was genau dem Durchschnitt des Gesamtmonats der Jahre 1991-2020 entspricht. Zusammen mit den wenigen lichten Momenten der restlichen überwiegend grauen Tage gab es in der Monatsbilanz sogar ein kleines Plus von 3,5 Stunden oder zehn Prozent. Zwei sonnige Wintertage oder ein sonniger Sommertag fehlten am Ende für einen neuen Jahresrekord bei der Sonnenscheindauer, die mit 1.922 Stunden erst zum zweiten Mal nach 1959 die Marke von 1.900 Stunden übertraf.

Sonne, Mond und Raureif zur Monatsmitte am Wilmeröder Berg ©A. Mokross