Der dritte Herbstmonat war lange mild, kurz frühwinterlich, außergewöhnlich sonnig und viel zu trocken
Nach dem warmen Oktober blieb auch die erste Novemberhälfte deutlich überdurchschnittlich temperiert, bevor sich binnen weniger Tage ein Frühwintermezzo mit Schnee bis in die Niederungen einstellte. Bis zum Ende der zweiten Dekade zeigte sich zudem die Sonne ungewöhnlich häufig am Himmel. Erst in der letzten Woche herrschte dann klassisches Novemberwetter mit meist geschlossener, hochnebelartiger Bewölkung und etwas Sprühregen, so dass der letzte meteorologische Herbstmonat mal goldener Oktober, mal Dezember und mal er selbst sein wollte. Nur eines war er fast durchgehend: Erneut deutlich zu trocken – daran konnten auch ein paar regnerische Tage nach Monatsmitte nichts ändern.
Mit einer Monatstemperatur von 7,23 °C war der November 2022 an der DWD-Klimastation in Bevern um 1,6 K wärmer als im Mittel der Jahre 1991-2020. Gegenüber der älteren Klimanorm von 1961-1990 betrug das Plus fast 2,4 K. In der Zeitreihe seit 1934 fielen nur acht November noch milder aus, drei weitere waren etwa gleich temperiert. Hinter dem Monatsmittelwert verbirgt sich diesmal eine besonders große Spanne zwischen den Extremwerten: Betrug das Maximum, gleich am Monatsersten erzielt, 18,1 °C, lag das Minimum in der Nacht zum 20. mit -6,9 °C so tief wie noch nie seit Bestehen des Stationsstandorts Bevern (2006) in einem November. In der Region war es auf vergleichbarer Höhe die kälteste Novembernacht seit 1998. Dazu gesellte sich während dieses zwar kurzen, aber recht intensiven und nicht mehr häufig vorkommenden Frühwintereinbruchs eine Schneedecke von 3 cm Höhe am Morgen des 21.11. – so viel gab es im November zuletzt vor zwölf Jahren. An immerhin drei Tagen vom 19.-21. blieb das Tagesmittel negativ, ein Eis- bzw. Dauerfrosttag wurde aber knapp verfehlt. Anschließend zog sich der Winter wieder zurück und von Westen erreichte uns mildere Luft mit wieder überdurchschnittlichen Tages- und Nachtwerten.
An der DTN-Wetterstation in Silberborn war es wie im Oktober relativ zum Sollingklima noch etwas milder: Mit einer Monatstemperatur von 5,8 °C betrug die Abweichung zum aktuellen 30-Jahres-Mittel +1,9 K und zum älteren Mittel +2,7 K. In der Hochsolling-Klimareihe, gestartet in den 1930er-Jahren in Torfhaus, war es der achtwärmste November. Auf der Stationshöhe von 428 m betrug die Spanne zwischen Höchst- und Tiefstwert des Monats ebenso wie in Bevern auf 110 m genau 25,0 Kelvin: Am wärmsten wurde es am 1. mit 15,6 °C und am kältesten in der Nacht zum 20. mit -9,4 °C. Auch in Silberborn wurde es damit so kalt wie seit 1998 nicht mehr in einem November. Anders als im Tal gab es sogar zwei Eistage, dazu eine vorübergehende Schneedecke von bis zu fünf Zentimetern, was in Silberborn zu dieser Zeit im Jahr aber nicht ungewöhnlich ist. Die anschließende Milderung ließ den ersten Schnee auch im Solling wieder rasch verschwinden. Die Summe der Frosttage blieb in Silberborn wie in Bevern mit vier gleichfalls übersichtlich wie unterdurchschnittlich.
Die Analyse der Großwetterlagen zeigt in der ersten Monatshälfte eine vorwiegende Südwestströmung, was den hohen Temperaturüberschuss in diesem Zeitraum gut erklärt. Anschließend stellte sich eine winkelförmige Westlage ein, bei der die atlantische Frontalzone an der Westseite eines blockierenden Hochs über Russland scharf nach Norden abbiegt. Für unsere Region bedeutet dies meist milde Luft und moderate Tiefdrucktätigkeit, während weiter östlich kältere Festlandsluft wirksam ist. Ein vorübergehendes Anzapfen dieser Luftmasse durch ein Hoch über Skandinavien, das die Strömung auf Ost drehen ließ, sorgte dann auch für den kurzen Winterbesuch zum Ende der zweiten Dekade. Anschließend gewann wieder die Westlage die Oberhand.
Auch wenn es sich um überwiegend als zyklonal, also tiefdruckgeprägte Wetterlagen handelte: Die Trockenheit der letzten Monate konnte der November nicht beenden. Im Gegenteil, das Niederschlagsdefizit in der Region wuchs weiter an. Die Monatssummen an den Messstellen im Kreis und den angrenzenden Regionen weisen wie üblich gewisse Unterschiede auf, die sich aber nur darauf beschränken, wie groß das Minus zum jeweiligen langjährigen Durchschnitt war. In Bevern fiel mit 31,3 mm nicht einmal die Hälfte des Klimawerts, in Lüchtringen gab es mit 33,0 mm nahezu dasselbe Bild. Polle und Ottenstein schafften mit 42,6 bzw. 48,7 mm immerhin die 60%-Marke, Hehlen mit 46,6 mm „sogar“ gut 70%. In Vorwohle waren es 41,4 mm (58%) und im Solling und seinen Ausläufern wurden 53,0 mm aus Hellental, 49,1 aus Amelith (je gut 60%) und 48,5 mm aus Silberborn gemeldet, was dort nur 52% des 30-Jahres-Mittels entspricht. Wenige Wochen vor Jahresende deutet in Silberborn immer mehr darauf hin, dass der Jahreswert des Trockenjahres 2018 (732 mm) in diesem Jahr noch unterboten wird.
Wie so oft in diesem Jahr ging auch im November das Minus beim Regen mit einem deutlichen Plus beim Sonnenschein einher. Mit 84,4 Stunden wurde der dritthöchste Wert seit Beginn der Aufzeichnung dieses Parameters im Jahr 1951 erzielt – nur 2011 und 1989 zeigte sich die Sonne mit 104 bzw. 93 Stunden zu dieser fortgeschrittenen Jahreszeit noch häufiger. Dass der November auch anders kann, zeigte die letzte Woche, deren sieben Tage gerade noch 3,4 Stunden in Summe beisteuerten. Da diese Umstellung auf eine sehr trübe Wetterlage einen nachhaltigen Charakter aufzuweisen scheint, dürfte es wohl nicht ganz für einen neuen Jahresrekord reichen. Um die 1.934 Stunden aus dem Jahr 1959 zu übertreffen, müsste der Dezember noch 50 Stunden „liefern“ – ein nach aktuellem Modellstand unwahrscheinliches Szenario.
Herbstbilanz: Sonnig, trocken und mild
Mit dem November endete auch der meteorologische Herbst, der als einer der wärmsten und sonnigsten in die lokalen Wetterbücher eingeht. An der Station in Bevern betrug die Mitteltemperatur 11,2 °C, wärmer war es im Oberwesertal nur in den Jahren 1982, 2014 und beim Rekord 2006 (12,8 °C). Beim Sonnenschein bedeuten rund 370 Stunden Rang sechs, hier stammt der Spitzenwert aus dem Jahr 1959 mit 490 Stunden. Zwar blieb der Herbst seit 1934 immerhin 19 mal noch trockener, allerdings fielen in diesem Jahr auch schon Sommer und Frühjahr deutlich zu trocken aus. In Bevern fehlten mit einer Summe von 136,3 mm fast genau 30% zum Klimamittel 1991-2020.
Die Niederschlagsbilanz in Silberborn fiel nahezu identisch aus: Gemessen wurden 187 mm, der langjährige Durchschnitt liegt bei 266 mm – auch hier fehlen also weitere 30% nach sogar noch trockenerem Frühjahr und Sommer als im Wesertal. Mit 9,65 °C war es am Standort der drittwärmste Herbst, die ersten beiden Plätze belegen auch im Hochsolling 2006 (11,2 °C) und 2014 (10,1 °C), während 1982 (9,5 °C) auf den vierten Platz verdrängt wurde.
Der drittwärmste Oktober seit Messbeginn war sehr sonnig und trocken
Fotos von Annette Mokross
Mit der kühlen zweiten Septemberhälfte schien es in großen Schritten Richtung Vollherbst zu gehen und ein früher Start der Heizsaison die Energiekrise noch zu verschärfen. Doch statt der jahreszeitlich üblichen weiteren Abkühlung stand das Wetter im Oktober quasi auf dem Kopf und es wurde im Monatsverlauf immer wärmer. Am Ende gab es im deutschen Gebietsmittel mit 12,52 °C sogar einen neuen Rekord bei der Monatstemperatur, die lokale Auswertung sieht den Oktober 2022 auf Rang zwei bis drei. Dazu war es wie so oft in diesem Jahr deutlich überdurchschnittlich sonnig, während beim Niederschlag das nächste Defizit zu vermelden ist.
Mit einer Monatstemperatur von 12,37 °C war der Oktober 2022 an der DWD-Klimastation in Bevern um fast 2,5 K wärmer als im Mittel der Jahre 1991-2020. Gegenüber der älteren Klimanorm von 1961-1990 betrug das Plus fast 2,9 K. In der Zeitreihe seit 1934 sortiert er sich damit als drittwärmster hinter 2001 (13,2) und 2006 (13,0) sowie knapp vor 1995 und 2014 (je 12,3) ein. Besonders auffällig und in der Historie einmalig war dabei der Monatsverlauf: War die erste Hälfte noch nahe dem langjährigen Durchschnitt temperiert, stieg die fortlaufende Monatstemperatur im Laufe der zweiten Hälfte immer mehr an und erreichte ihren höchsten Wert ganz zum Schluss – so wie man es eigentlich in einem Frühjahrsmonat erwarten würde. In der rekordwarmen dritten Dekade gab es ein bisher kaum vorstellbares Finale, bei dem zwischen dem 27. und 30. viermal in Folge die 20-Grad-Marke überschritten wurde und die bisherigen Tagesrekorde nur so purzelten. Frost war hingegen am anderen Ende der Skala noch kein Thema, zumindest nicht in zwei Metern Messhöhe, während es in der Nacht zum 12. den ersten und bislang einzigen leichten Bodenfrost der Saison gab.
An der privaten Wetterstation in Silberborn war es relativ zum Sollingklima sogar noch wärmer: Mit 11,2 °C betrug die Abweichung zum aktuellen 30-Jahres-Mittel +3,1 K. Damit war es dort gemeinsam mit 2006 der zweitwärmste Oktober hinter dem Rekordhalter 2001 (11,5). Hauptursache für den noch höheren Überschuss war diesmal allerdings keine Inversionslage, bei der die Grundschicht im Tal auskühlt, weil die Luft nicht mehr vertikal durchmischt wird und es auch tagsüber weiter oben wärmer ist, sondern eine relativ schwache nächtliche Abkühlung mit oft hohen Minima, die als Folge der höhenwarmen Hochdrucklagen in der zweiten Monatshälfte verstärkt auftraten. Somit fiel der durchschnittliche Tiefstwert in Bevern und Silberborn trotz des Höhenunterschieds von 320 Metern fast identisch aus (7,3 zu 7,0 °C), während die Höchstwerte in Bevern im Schnitt um 3,2 K über denen in Silberborn lagen (18,3 zu 15,1), was einem für die Jahreszeit ungewöhnlich hohen vertikalen Temperaturgradienten von 0,1 K pro 100 Höhenmeter entspricht, wie man ihn sonst vorwiegend aus den Sommermonaten kennt. Folgerichtig blieb es auch im Hochsolling noch frostfrei, die kälteste Nacht zum 9. kam auf ein Minimum von 1,1 °C.
Herbstfarben rund um die Poller Burg
Die Analyse der Großwettertypen zeigt im wesentlichen zwei dominante Strömungsmuster: Vorwiegend West in der ersten Monatshälfte und ausschließlich den Sektor Süd in der zweiten, wobei die Großwetterlage Südwest antizyklonal (SWA) klar vorn lag. Die hochdruckgeprägte Südwestwetterlage ist mit gewissen Abstrichen im Winter die zu jeder Jahreszeit potenziell wärmste GWL und durchweg wärmer als der klimatologische Durchschnitt. Wenn „alles passt“ wie zum Monatsende, sind die Abweichungen zur Norm markant positiv, wobei das Außergewöhnliche im Oktober 2022 nicht das Auftreten der Südwestlage an sich war, sondern ihre Persistenz. Diese gestiegene Erhaltungsneigung, also das längere Andauern bestimmter Zirkulationsmuster, schreibt ein Großteil der Forschung dem Klimawandel zu.
Inwieweit der Klimawandel auch für Niederschlagsarmut verantwortlich zeichnet und ob es tatsächlich einen langfristigen Trend hin zu mehr Trockenheit gibt, ist dagegen noch nicht hinreichend erforscht. Eine Theorie besagt, dass es mit der unstrittigen und weiter zunehmenden Erwärmung sogar zu vermehrten Niederschlägen kommen könnte, weil vereinfacht gesagt warme Luft mehr Feuchtigkeit aufnehmen kann. Und zumindest im Vergleich der 30-Jahres-Klimazeiträume ab 1961 und ab 1991 gibt es bezogen auf Deutschland kein Signal in eine bestimmte Richtung. Die durchschnittlichen Jahressummen sind fast gleichgeblieben, der gemessene minimale Rückgang liegt bisher im Bereich der normalen Schwankungen. Aber: Seit 2011 ist ein Trend zu mehr Trockenheit unverkennbar, der auch vor der Weser-Solling-Region keinen Halt macht. Im Gegenteil – das Jahr 2022 verläuft vor Ort bisher sogar relativ zum Lokalklima noch trockener als in vielen anderen Teilen der Republik. Während nach dem nahezu flächig deutlich zu trockenen Sommer zum Beispiel im Südwesten und in der südlichen Mitte ein bisher sehr nasser Herbst registriert wurde, verläuft vor Ort auch die dritte Jahreszeit bisher trockener als im Schnitt.
Wenn Regen und tiefstehende Sonne zusammenfinden
Im Oktober dokumentiert sich dies anhand folgender Daten: An der Klimastation in Bevern fielen mit 53,6 mm etwa 78% des Mittels von 1991-2020. Regenschwerpunkte waren der Monatsbeginn und eine längere Phase ab Monatsmitte bis 24., dazwischen und danach gab zwei nahezu trockene Abschnitte. In Silberborn reichten 62,3 mm nicht einmal für 70% des langjährigen Durchschnitts, damit fehlen dort nach zehn Monaten noch rund 460 mm zur mittleren Jahressumme von ca. 1.050 mm. Im Schnitt kommen November und Dezember auf etwa 200 mm, und da auch die erste Novemberhälfte den Modellen nach in diesem Jahr nur wenig Regen bringen soll, sieht es sehr stark nach einem deutlich zu trockenen Jahr im Hochsolling aus, wenn sich in den letzten Wochen des Jahres nicht doch noch etwas dreht. Es wäre dann das vierte in den letzten fünf Jahren mit einem erheblichen Minus.
Die weiteren Stationen in der Region machten da keine Ausnahme und schnitten ebenfalls unter ihren Durchschnittswerten ab. Aus Polle wurden 53,0 mm gemeldet, aus Ottenstein 51,5 und in Hehlen waren es sogar nur 42,0. In Vorwohle fielen 46,1 mm, in Lüchtringen 48,0 und in Hellental 50,8, wo es das größte Defizit gab. In Amelith kamen zwar immerhin 66,9 mm zusammen, aber auch dort reichte es längst nicht zum Klimamittelwert.
Spiegelungen in der Weser bei Fürstenberg
Beim Sonnenschein gab es nach dem kleinen Durchhänger im September ein weiteres deutliches Plus und damit bleibt 2022 auf dem Weg zu einem der sonnigsten Jahre seit Aufzeichnungsbeginn 1951. Der Oktober steuerte dazu rund 145 Stunden und damit fast die anderthalbfache Menge seines langjährigen Mittels bei. Unabhängig vom Verlauf des Restjahres liegen vier der letzten fünf Jahre (einzige Ausnahme war das trübe Vorjahr) bei Jahressummen zwischen gut 1.700 und fast 1.900 Stunden. Bei einem 30-Jahres-Mittel von knapp 1.520 Stunden ist das Überstundenkonto also mehr als prall gefüllt und es wird interessant zu beobachten sein, ob wir es hier mit einer vorübergehenden Häufung sehr sonniger Jahre zu tun haben oder ob es sich um einen fundamentalen Trend handelt.
Das Wetter im September: Durchschnitt bei Temperatur und Sonnenschein, weiterhin zu wenig Regen
Fotos von Annette Mokross
Nach dem sehr warmen und trockenen Sommer schien auch der erste meteorologische Herbstmonat zunächst auf Kurs Hochsommer-verlängerung unterwegs zu sein. Doch nach zwei Wochen meldete sich die dritte Jahreszeit auch beim Wetter mit Nachdruck und sorgte für ein kühlen und oft wolkenverhangenen Verlauf der zweiten Monatshälfte. Regen fiel zwar mehr als zuvor, doch anders als in vielen Regionen Deutschlands, in denen zwischen 150 und 300% des langjährigen Niederschlags gemessen wurden, blieb der September in der Region verbreitet erneut unter dem Klimamittel. Temperatur und Sonnenscheindauer bewegten sich hingegen sehr nahe an den Durchschnittswerten.
Sonne, Wolken…
Mit einer Monatstemperatur von 14,01 °C war der September 2022 an der DWD-Klimastation in Bevern um 0,2 K kühler als im Mittel der Jahre 1991-2020. Gegenüber der älteren Klimanorm von 1961-1990 gab es ein kleines Plus von 0,26 K. War die erste Dekade noch klar sommerlich geprägt mit fünf meteorologischen Sommertagen über 25 Grad und bis zu 29,9 °C in der Spitze, ging es anschließend bergab – in der zweiten Woche moderat mit Werten zwischen 19 und 23 Grad, ab der dritten Woche deutlich. Die 20-Grad-Marke wurde nach dem 13. nicht mehr erreicht, stattdessen sorgten teilweise Höchstwerte von unter 15 Grad für einen unerwartet frühen Start der Heizsaison. Die Tiefstwerte lagen nach dem 16. durchweg im einstelligen Bereich und sanken auf zwei Metern Messhöhe auf bis zu 3,0 und fünf Zentimeter über dem Erdboden auf bis zu 1,0 °C.
An der DTN-Unwetterreferenz-Station in Silberborn liest sich die Temperaturbilanz bezogen auf den höher gelegenen Standort ähnlich und aufgrund des überwiegenden Tiefdruckeinflusses geringfügig kühler. Der September verfehlte auf 428 m Höhe mit 11,9 °C sein Mittel von 1991-2020 um 0,4 K, gegenüber der Periode 1961-1990 blieb ein hauchzartes Plus von 0,1 K übrig. Zwei Sommertage mit bis 26,1 °C bildeten hier das obere Ende der Skala, das untere markierten Höchstwerte von unter zehn Grad kurz vor Monatsende und Tiefstwerte unter 2 Grad. Über dem Erdboden gab es an ungeschützten Stellen den ersten leichten Frost.
… Nebel…
Der Blick auf die Großwetterlagen offenbart das, was die Temperaturbilanz andeutet: Eine hochdruckgeprägte Südostlage bescherte den Sommernachschlag im Laufe der ersten Woche, bevor Tiefdruck die Regie übernahm. Zunächst geschah dies in Form einer Hochdruckzone über dem Nordmeer und Skandinavien mit tieferem Luftdruck südlich davon (sog. „High over Low“) mit noch mäßig warmen Luftmassen. Anschließend näherte sich vom Atlantik ein hochreichendes nach Süden ausgreifendes Tiefdrucksystem, das die Strömung mit Verlagerung nach Osten auf Nord drehen ließ und eine kühle zweite Monatshälfte einläutete. Diese Wetterlage wiederholte sich in der letzten Woche von der Grundstruktur her, nur dass diesmal die Tiefs direkt über Mitteleuropa hinweg zogen.
Kühle Luft aus dem Norden, viele Wolken und damit verbunden nur noch wenige Sonnenstunden – die zweite Monatshälfte hatte so gar nichts mehr vom Spätsommer, der sich in den letzten Jahren im September oft noch deutlich länger halten konnte. Für viele Regionen Deutschlands hieß das nun endlich auch: Aufatmen nach der langen Trockenheit des Sommers, die sich in der ersten Septemberwoche fortgesetzt hatte. Ergiebige Regenfälle ergossen sich dabei verbreitet über die Mitte, den äußern Süden und den Nordwesten des Landes, teils wurde fast das Vierfache des mittleren Monatsniederschlags gemessen, verbreitet war es dort die 1,5- bis 2-fache Menge. Dennoch gab es auch einige Gebiete, in denen weniger Regen als im Durchschnitt fiel: in Teilen des Südens und des Nordostens sowie im südlichen und südöstlichen Niedersachsen – unsere Region also eingeschlossen.
… und Regen: Der September hatte von allem etwas zu bieten.
Im Vergleich zu den Vormonaten blieben die Defizite zwar gering und im Solling konnte teilweise auch ein Plus erzielt werden, aber von einer Entspannung kann angesichts der Gesamtbilanz des Sommerhalbjahres wahrlich nicht die Rede sein. In Silberborn blieben die Monate März bis September in Summe um 286 mm trockener als im langjährigen Durchschnitt und waren damit sogar um rund 30 mm trockener als das Dürrejahr 2018 in diesem Zeitraum, der die Vegetationsphase abbildet. Zudem muss berücksichtigt werden, dass die Herbstmonate September und Oktober im Vergleich der Klimaperioden 1991-2020 und 1961-1990 nasser geworden sind, leider verwenden manche Karten im Internet noch das alte Mittel und weisen entsprechend höhere Prozentzahlen für den Niederschlag im diesjährigen September aus.
Im Detail sieht die Bilanz in der Region so aus: Bevern erreichte mit 51,4 mm nur 84% seines Mittels, in Holzminden sah es mit 55 mm ähnlich aus. Auch Hehlen und Vorwohle landeten mit 56,4 bzw. 54,1 mm in diesem Bereich, Polle und Ottenstein brachten es auf 63,1 und 64,0 mm. Nass wurde es hingegen am Sollingrand mit 105,7 mm in Amelith, wo der Stau des Hochsollings eine Rolle gespielt haben dürfte, ebenso im schmalen Hellental, von wo zumindest leicht überdurchschnittliche 91,0 mm gemeldet wurden. Silberborn konnte dagegen nicht in diesem Maße vom wertvollen Nass profitieren, dort blieb es mit 71,6 mm um knapp 10% trockener als im Mittel von 1991-2020.
Nach den Rekorden im März, August und Sommer ließ es die Sonne diesmal deutlich gemächlicher angehen und überließ ab der zweiten Woche oft den Wolken den Vortritt am Himmel. Mit einer Sonnenscheindauer von gut 140 Stunden lag die Monatssumme dennoch nur ganz leicht unter dem Klimawert der letzten 30 Jahre, gegenüber der Norm von 1961-1990 sprang sogar ein Plus von rund 10% heraus. Die Zwischenbilanz weist nach drei Vierteln des Jahres nun bereits 145 Stunden mehr aus als durchschnittlich im Gesamtjahr registriert werden, und im Vergleich zum trüben Vorjahr beträgt das Plus gegenüber dessen Jahressumme bereits 316 Stunden bei noch drei ausstehenden Monaten.
Nach den Rekorden zuletzt blieb die Sonnenscheindauer im September durchschnittlich
Ein neuer Jahresrekord scheint aber dennoch unwahrscheinlich: Zu den ca. 1.934 Stunden des Jahres 1959 fehlten per Ende September noch fast 280 Stunden. Im Schnitt bringt es das letzte Quartal vor Ort nur auf etwa 177 Stunden und das bisher sonnigste seit Aufzeichnungsbeginn 1951 gab es im Jahr 1972 mit ca. 268 Stunden. Größeren Sprüngen über die langjährigen Mittelwerte setzt nun die Jahreszeit zunehmend die Grenzen, denn am frühen Morgen des 23. September hat nicht nur der astronomische Herbst, sondern auch das Winterhalbjahr auf der Nordhalbkugel begonnen. Der flache Sonnenstand reicht dann erfahrungsgemäß immer weniger aus, um bei Hochdrucklagen den sich gern im Bereich der Flusstäler bildenden Nebel rasch wegzuheizen.
Der dritte Hitzesommer innerhalb von fünf Jahren brach zahlreiche Rekorde
„Wann wird’s mal wieder richtig Sommer, ein Sommer wie er früher einmal war?“ – Rudi Carrells ironischer Spott über den deutschen Sommer aus dem Jahr 1975 wird inzwischen unter ganz anderen Vorzeichen wahrgenommen. Und wurde der Rekordsommer 2003 noch als früher Vorbote einer irgendwann in der Zukunft liegenden Häufung von heißen Sommern in Mitteleuropa wahrgenommen und bewertet, lässt sich knapp 20 Jahre später festhalten: Sonnige, trockene und heiße Sommer sind längst keine Ausnahmeerscheinung mehr in Deutschland, auch nicht in unserer Region in der nördlichen Mitte des Landes.
Der Sommer 2022 unterstrich diesen Trend eindrucksvoll mit einer Reihe von neuen Rekorden bei Höchsttemperatur, Sonnenscheindauer und Niederschlagsarmut. So war es Hochsolling der trockenste Sommer seit Beobachtungsbeginn, und das nur vier Jahre nach dem Dürresommer 2018. Im Rest des Kreises fiel zwar mehr Regen als vor vier Jahren, die langjährigen Klimawerte wurden aber durchweg klar verfehlt. Dazu schien die Sonne so lange vom Himmel wie noch nie seit Beginn der flächendeckenden Messungen 1951.
Nicht „always the sun“, aber so häufig wie seit mindestens 1947 nicht zeigte sich die Sonne von Juni bis August in der Region
Mit einer Temperatur von 19,35 °C war der Sommer 2022 an der DWD-Klimastation in Bevern um rund 1,6 K wärmer als im aktuellen Mittel der Jahre 1991-2020 und lag sogar fast 2,9 K über der Referenz von 1961-1990. Nur 2003 und 2018 war es mit 19,8 bzw. 19,7 °C noch wärmer, der bisher drittwärmste Sommer aus dem Jahr 2019 wurde hingegen knapp überflügelt. 2003 war auch das Jahr, in dem die 19-Grad-Marke bei der Sommertemperatur erstmals überschritten wurde – nun war es bereits das dritte Mal seit 2018 und selbst die Durchschnittstemperatur der letzten fünf Sommer ist auf über 19 Grad angestiegen. Auf den viertwärmsten Juni folgte ein zwar streckenweise moderat temperierter Juli, der aber während einer kurzen markanten Hitzewelle am 20.07. mit 38,7 °C für einen neuen Allzeitrekord der Zeitreihe Bevern/Holzminden sorgte. Der zweitwärmste August steuerte gleich elf heiße Tage mit einem Höchstwert von mindestens 30 °C bei, so dass die Zahl der Hitzetage am Ende bei stattlichen 20 lag – nur 2003 und 2018 gab es noch mehr. Mit 18,5 °C lag der niedrigste Höchstwert so hoch wie in keinem Sommer zuvor und bei der Anzahl der warmen Tage mit einem Maximum von mindestens 20 Grad wurde mit 85 ein weiterer neuer Rekord in Bevern aufgestellt.
Entwicklung der Sommertemperatur der DWD-Zeitreihe 2323 ab 1934
Auch im Hochsolling war es ein denkwürdiger Sommer: Mit einer Mitteltemperatur von 17,5 °C wurde die Bestmarke von 2003 aus DWD-Zeiten an der aktuellen DTN-Unwetterreferenzstation in Silberborn sogar nur um wenige Hundertstel verfehlt, dazu gab es auch hier am 20.07. einen Allzeitrekord mit 36,4 °C Höchsttemperatur. Damit nicht genug: Da die wenigen kräftigen Schauer meist einen Bogen um Silberborn machten, fiel mit nur 109,2 mm noch weniger Regen als 2018 (111,6 mm) und es wurde ein neuer trauriger Trockenheitsrekord aufgestellt. Dieser entspricht nicht einmal 40% des Klimamittels von 1991-2020 und einem absoluten Defizit von über 165 mm. Nach der Verschnaufpause vor einem Jahr leiden die Wälder im Solling somit erneut unter einem markanten Niederschlagsdefizit, das bereits im März begann. Zusammen mit Erwärmung und Zunahme der Sonnenscheindauer hat die Klimaveränderung ein Tempo aufgenommen, das eine Anpassung der Natur kaum mehr möglich macht – jedenfalls seitens der Natur, wie wir sie kennen. Der Wald der Zukunft, er ist eine Herkulesaufgabe für Forstwissenschaft und -wirtschaft, und diese Aufgabe scheint derzeit eher noch größer zu werden.
Doch auch abseits des Hochsollings blieb der Sommer 2022 deutlich zu trocken und klar unter seinen Klimawerten. In Bevern kam zwar dank einiger Gewittertreffer mit 137,5 mm mehr als das Doppelte des rekordtrockenen Sommers 2018 zusammen, der aktuelle 30-Jahres-Durchschnitt wurde aber um über 80 mm bzw. rund 37% verfehlt. Besonders trocken blieb es sowohl im Südwesten des Sollings in Amelith mit 99,1 mm, während weiter nordöstlich in Hellental zwar 136,4 mm gemessen wurden, diese Orte aufgrund ihrer Höhenlage aber ein auch ein feuchteres Klima und einen größeren Klimawert aufweisen. Das gilt auch für Ottenstein und Vorwohle, wobei Ottenstein dank des Volltreffers vom 26.08. immerhin auf 146,8 mm kam, Vorwohle blieb hingegen mit 88,4 mm trockenste Station im Kreis. In Hehlen war es mit 105,3 mm ebenfalls deutlich zu trocken, Polle schaffte auf dem höher gelegenen Wilmeröder Berg auch nur 113,9 mm.
Wo wenige Wolken mit sehr wenig Regen unterwegs sind, da hat die Sonne oft freie Bahn – und so überrascht es nicht, dass nicht nur der August, sondern auch der gesamte Sommer einen neuen Rekord bei der Sonnenscheindauer aufstellte. Mit rund 785 Stunden wurde die alte Bestmarke aus dem Jahr 1959 (753 h) deutlich übertroffen. Es gilt aber auch hier zu beachten, dass Sonnenschein erst seit 1951 flächendeckend erfasst wird. Der Sommer 1947 könnte anhand der vorhandenen Daten aus Göttingen tatsächlich noch ein paar Stunden mehr auf die Waage gebracht haben. Aber wie auch immer: Solche Mengen sind womöglich auch Sonnenscheinliebhabern zu viel und vielleicht mag der eine oder andere sich für 2023 in Anlehnung an Rudi Carrell einen Sommer ohne Sonnenschein von Juni bis September wünschen – und dafür so nass und so sibirisch wie vor 50 Jahren…
Heiße Tage im meteorologischen Sommer seit 1951 – 2022 landete gemeinsam mit 1994 auf dem dritten Platz knapp hinter 2003. Der Rekord von 2018 blieb aber deutlich entfernt.
Hitze, Sonnnenschein- und Trockenheitsrekorde prägten den August 2022
„Was der August nicht kocht, lässt der September ungebraten“ – diese Bauernregel wirkt heute wie Relikt aus einer längst vergangenen Zeit. Hatte man damals vor allem Sorge vor Missernten aufgrund von kühlen und nassen Sommern, sind es in den letzten Jahren zunehmend Hitze, Sonne und vor allem ausbleibender Niederschlag, die Mensch und Natur zu schaffen machen. Der August 2022 bildete da keine Ausnahme, im Gegenteil: In den tieferen Lagen der Region war es nur 2003 noch wärmer und im Hochsolling wurde sogar ein neuer Rekord aufgestellt. Dazu verschärfte sich die Trockenheit aus den Vormonaten zu einer ausgeprägten meteorologischen Dürre. Starkregenfälle am letzten Freitag des Monats blieben lokal eng begrenzt und brachten nur wenig Linderung, zumal sich danach erneut eine längere trockene Phase einstellte, wenn auch auf gemäßigterem Temperaturniveau. Dazu schien die Sonne so lang wie noch nie seit Beginn der flächendeckenden Aufzeichnung dieses Parameters im Jahr 1951.
Mit einer Monatstemperatur von 20,54 °C war der August 2022 an der DWD-Klimastation in Bevern um 2,3 K wärmer als im Mittel der Jahre 1991-2020. Gegenüber der älteren Klimanorm von 1961-1990 betrug das Plus markante 3,8 K. Damit war es der zweitwärmste August hinter dem Rekordträger 2003 mit etwas über 20,8 °C. Bei der durchschnittlichen Höchsttemperatur konnte sich 2022 mit 27,6 °C sogar an die Spitze setzen. Nachdem 1997 erstmals seit Beobachtungsbeginn 1934 ein August eine Monatsmitteltemperatur von über 20 Grad erreicht hatte, wurde diese Marke nun gleich dreimal in den letzten fünf Jahren überschritten. Dazu gab es elf heiße Tage mit mindestens 30 Grad – nur 2003 und 2018 waren es mit jeweils 13 noch mehr – und an keinem Tag blieb der Höchstwert unter 20 Grad. Besser lässt sich die zunehmende Erwärmung trotz des kühlen Zwischenspiels vor einem Jahr kaum abbilden.
An der privaten Wetterstation in Silberborn war es sogar so warm wie nie zuvor in einem August: Hier wurde mit einer Monatstemperatur von 19,1 °C die alte Bestmarke von 18,8 °C aus den Zeiten der Messungen im Auftrag des DWD (1983-2008) klar übertroffen. Diese stammte übrigens nicht aus dem August 2003, sondern von 1997, was wieder einmal die Variabilität unseres Lokalklimas illustriert. 2003 zeigte sich der August im Anschluss an die bis dahin ungekannte Hitze der ersten Monatshälfte zunehmend tiefdruckgeprägt und kühler, während 2022 Hochdruck bis zum Schluss dominierte – und der wirkt sich überproportional warm auf die höheren Lagen aus, wie es diverse neue Augustrekorde an Stationen des DWD in ähnlicher Höhenlage belegen. Seine langjährigen Klimawerte distanzierte Silberborn um 3,0 K (1991-2020) und 4,4 K (1961-1990).
Der letzte meteorologische Sommermonat starte noch moderat temperiert, bevor ein kurzer, aber kräftiger Vorstoß subtropischer Luftmassen die Werte auf bis zu 36 Grad im Wesertal und über 32 Grad im Solling hochschnellen ließ. Mit Schauern und lokalen Gewittern folgte eine vorübergehende markante Abkühlung zum 5. August – und die wurde am Morgen von einem extrem lauten Knall und einem gleißenden Lichtblitz begleitet, der die Bewohner der Kreisstadt gegen 7:30 Uhr aufschreckte und sogar für Ausfälle im Strom- und Telefonnetz sorgte. Doch vor Ort gab es zu dieser Zeit kein Gewitter – was war also geschehen? TAH-Leser Christian Czech lieferte in der Ausgabe vom 8. August die Erklärung: Es handelte sich um einen positiv geladenen und damit deutlich stärker aufgeladenen Blitz aus einer Gewitterzelle bei Marienmünster. Positivblitze können sehr hohe Stromstärken von bis zu mehreren Hunderttausend Ampère erreichen und noch in 20 km Entfernung von der Zelle einschlagen – aus quasi heiterem Himmel. Der Treffer in der Südstadt nahe der Glashütte hatte eine Stärke von ca. 122.000 Ampère. Ein seltenes Schauspiel der Naturgewalt, bei dem zum Glück keine Menschen zu Schaden kamen.
Das gilt auch für die lokal eng begrenzten Starkregenfälle drei Wochen später, bei denen die Feuerwehren an verschiedenen Orten des Kreises ausrücken mussten, so zum Beispiel in Boffzen und bei Pegestorf und Halle, wo Wassermassen und Schlamm aus Kellern und von Straßen beseitigt werden mussten. Mancherorts kamen wie in Lüchtringen und Ottenstein binnen kurzer Zeit fast 45 mm Regen vom Himmel – und unweit davon blieb es nahezu trocken. Auf etwa halber Strecke in Polle waren es zum Beispiel ganze zwei Millimeter und auch Teile des Sollings bekamen kaum etwas vom dringend benötigten Nass von oben ab. Wobei diese Form des Niederschlags nur wenig Linderung der monatelangen Trockenheit bringt, wie die lokalen Schlammlawinen exemplarisch zeigen, denn diese entstehen ja, weil die harten Böden den Regen nicht aufnehmen können, das Wasser oberflächlich abfließt und die oberste Erdschicht mit sich reißt.
Abseits dieser Unwetterereignisse präsentierte sich der August hochdruckgeprägt und damit warm bis heiß, sonnig und trocken. Nach der Südwestlage zu Monatsbeginn bildete sich zunächst eine Bodenhochdrückbrücke über Mitteleuropa aus, bevor das dominante Hoch nach Nordosten wanderte und die erste Ostlage dieses Sommers mit Zufuhr sehr trockener Kontinentalluft brachte. Das Ergebnis waren frische Nächte und Tag für Tag ansteigende Temperaturen bis in den leichten Hitzebereich von knapp über 30 Grad am Nachmittag in den Niederungen sowie Sonnenschein von Auf- bis Untergang. Doch diese Großwetterlage hatte nicht lange Bestand, zur Monatsmitte wurde die Luft vorderseitig eines Tiefs über Westeuropa wieder feuchter und schwüler, die Bewölkung nahm zu, brachte wärmere Nächte, aber nur vereinzelte Schauer. Eine erneute Hochdruckbrücke sorgte ab Beginn der dritten Dekade für weitere sonnige, trockene und auch wieder heiße Tage, bevor die bereits erwähnte Gewitterlage vom 26. August für eine gewissen Wechsel der Witterung sorgte. Mit ihr wurde die sehr warme Luft ausgeräumt und nach einem trüben, aber waschküchenartig feuchten Samstag stellte sich für den Rest des Monats eine Mischung aus Sonne und Wolken mit ersten Nebelfeldern ein, bei der der Wind meist aus dem Sektor Nord wehte und die Höchstwerte auf ein moderates Niveau um 23 Grad in den Niederungen und gut 20 Grad in den höheren Lagen zurückgingen.
Trotz Niedrigwassers auf der Weser blieb die Fähre Polle – hier am 21.08. – lange in Betrieb. Doch mittlerweile ruht sie aufgrund der fortgesetzten Trockenheit.
Die wenigen und lokal begrenzten Regenfälle des Monats in stark unterschiedlicher Intensität führen dann auch zu einem sehr inhomogenen Bild bei den Niederschlagssummen an den Messstellen der Region. Oft wurden nur sieben Tage mit Regenfällen registriert. Am meisten fiel dort, wo am 26. die stärksten Niederschläge auftraten: In Lüchtringen mit 67,1 mm und in Ottenstein mit 66,1 mm. Doch auch diese Stationen verfehlten ihre langjährigen Klimawerte, wenn auch weniger deutlich als die anderen Standorte. In Bevern wurden 55,4 mm gemessen (72%), in Hellental 54,4 mm (ca. 65%). Weniger als die Hälfte des Mittels gab es in Polle mit 38,2 mm und in Hehlen mit 25,3 mm, traurige Schlusslichter sind Amelith am Fuße des Sollings mit 12,8 und Vorwohle im Nordosten des Kreises mit 12,5 mm – das sind jeweils nicht einmal 20% des langjährigen Durchschnitts. In Silberborn fiel mit 24,2 mm zwar fast doppelt so viel wie in den trockensten Ecken, aber dort befindet sich auch die Region mit dem feuchtesten Klima im Kreis und einem entsprechend höherem Mittel, von dem nur ca. 27% erreicht wurden. Mehr noch: Dort war es sowohl der trockenste August als auch der trockenste Sommer, seit im Hochsolling Wetter beobachtet wird – immerhin seit 1937.
Auch im Hochmoor Mecklenbruch zeigt sich die Trockenheit des Sommers im Solling deutlich
Und noch einen Rekord gab es für die gesamte Region: Die Sonne zeigte sich im August mit rund 281 Stunden so lange wie noch nie seit Beginn der flächendeckenden Sonnenscheinmessungen im Jahr 1951 – nur im August 1947 könnte es auch bei uns noch etwas sonniger gewesen sein, wie die Daten der Stationen Göttingen und Hannover von damals andeuten. Wie auch immer: Der aktuelle August erzielte nicht nur einen satten Überschuss von 45% gegenüber dem aktuellen 30-Jahres-Mittel, er brachte auch mehr als doppelt so viele Sonnenstunden wie im Vorjahr und sorgte schließlich mit dafür, dass auch der meteorologische Sommer mit einem neuen Rekord bei der Sonnenscheindauer zu Ende ging. Auf diese und andere Besonderheiten des Sommers 2022 blicken wir noch in einer zusätzlichen Analyse zurück.
Ein untypisches Bild im August 2022: Wolkenverhangen zeigte sich die Region am 27.08. (DWD-Station in Lügde-Paenbruch)
Der Juli 2022 brachte fast 39 Grad und viel zu wenig Regen
„36 Grad und es wird noch heißer“ – dieser Song mag so manchem Bewohner der Region beim Blick auf das Thermometer am Ende der zweiten Julidekade in den Sinn gekommen sein. Und es wurde in der Tat noch ein ganzes Stück heißer mit neuen Allzeitrekorden für den Landkreis: Auf 37,9 und schließlich 38,7 °C steigerte sich die Hitze am 19. und 20.07. an der DWD-Station in Bevern. Auch in Silberborn wurde mit dem erstmaligen Überschreiten der 36-Grad-Marke ein neuer Rekord aufgestellt. Sieht man allerdings von diesem kurzen, sehr intensiven Heißluftvorstoß bis weit in den Norden mit dem Knacken der 40-Grad-Marke selbst in Hamburg an der Station Neuwiedenthal einmal ab, verlief der Juli 2022 in der Region bei Temperatur und Sonnenschein recht unauffällig und nur leicht über den Durchschnittswerten der letzten 30 Jahre. Sorgen bereiteten dagegen die erneut viel zu geringen Niederschläge: seit März sind mit Ausnahme des Aprils alle Monate mehr oder weniger deutlich zu trocken ausgefallen. Und zumindest in der ersten Augusthälfte sieht es derzeit leider auch nicht nach einer durchgreifenden Änderung hin zu mehr Regenfällen aus.
Mit einer Monatstemperatur von 19,06 °C war der Juli 2022 an der DWD-Klimastation in Bevern um knapp 0,5 K wärmer als im Mittel der Jahre 1991-2020. Gegenüber der älteren Klimanorm von 1961-1990 betrug das Plus deutliche 1,9 K. Neben den beiden Rekordtagen wurde noch an vier weiteren Tagen die 30-Grad-Marke überschritten, das Kriterium einer Hitzewelle erfüllte aber nur der Zeitraum vom 18.-20. Juli. Ansonsten war es mal hochsommerlich und mal mäßig warm, wirklich kühle Tage blieben wie schon im Juni Fehlanzeige: Nur an vier Tagen wurde die 20-Grad-Marke verfehlt und das auch nur recht knapp mit Höchstwerten zwischen 18,8 und 19,7 °C. Deutlich frischer kam so manche Nacht daher, immerhin fünfmal gingen die Werte in den einstelligen Bereich zurück. Einer der Gründe dafür war die häufig trockene Luft in der bodennahen Schicht, die auch dazu führte, dass die Rekordhitze als nicht so belastend wahrgenommen wurde wie die sehr feuchte und damit schwüle Hitzewelle im August 2020. Am Nachmittag des 19. fiel die relative Feuchte sogar auf rekordverdächtig niedrige 13,9% in Bevern, am 20. lag der tiefste Wert bei 15,7%.
An der Wetterstation in Silberborn war es an jenen Nachmittagen ähnlich trocken und mit 36,7 °C wurde auch im Hochsolling ein neuer Allzeitrekord gemessen. Die Monatstemperatur lag im Kurgarten mit 17,0 °C um 0,54 K über dem Mittel der Jahre 1991-2020 bzw. 2,05 K über dem Klimawert von 1961-1990. Insgesamt vier heiße Tage sind an diesem Standort auf über 400 m deutlich überdurchschnittlich, es gab aber auch eine Reihe von Tagen, an denen die 20-Grad-Marke nicht erreicht wurde, und dreimal lag der Höchstwert sogar nur um 15 Grad. Die nächtlichen bzw. morgendlichen Tiefstwerte lagen 13 Mal unter zehn Grad, der niedrigste Wert wurde am 17. mit nur 5,3 °C gemessen. Dafür gab es während der kurzen Hitzewelle eine Tropennacht mit einem Minimum von 22,1 °C, bereits die zweite in diesem Sommer in Silberborn.
Wie konnte es derart heiß bis in den hohen Norden Deutschlands werden? Der Blick auf die Großwetterlagen und die Temperaturverteilung über Europa zeigt über weite Strecken ein zonales Zirkulationsmuster mit einem sehr heißen Mittelmeerraum und einem recht kühlen Nordeuropa. Diese Gegensätze bilden sich auch in der Monatsbilanz in Deutschland ab: Während das langjährige Temperaturmittel im Norden teilweise verfehlt wurde, war es gen Südwesten und Süden teils über 2 Grad wärmer als im dortigen Durchschnitt – jeweils bezogen auf die aktuelle Klimaperiode ab 1991.
Nach Monatsmitte wurde diese recht persistente Neigung zu Westlagen (in der ersten Dekade überwiegend Nordwest) kurz unterbrochen, da auf der Vorderseite eines Tiefs vor der Iberischen Halbinsel sehr warme Luftmassen weit nach Norden transportiert wurden, die sich unter weitgehend ungehinderter Einstrahlung bodennah stark erhitzen konnten. In der Folge wurde selbst in England erstmals die 40-Grad-Marke geknackt. Mit einer Verlagerung der heißesten Luft nach Osten wurden auch im Norden Deutschlands zuvor nie erreichte Temperaturen möglich. Neue Landesrekorde in Schleswig-Holstein, Hamburg, Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen und Sachsen-Anhalt waren die Folge. Doch während der Südwesten auch in der Folge häufig unter 30 Grad und mehr schwitzte, blieb die dritte Dekade bei uns meist moderat temperiert, inklusive zweier heißer Tage mit 31-33 Grad in Bevern am 24.+25.07., die allerdings zum normalen Hochsommergeschehen vor Ort dazu gehören.
Alles andere als normal ist die Niederschlagbilanz seit dem Frühjahr – und nach dem bereits deutlich zu trockenen Juni verschärfte sich die Situation im Juli noch weiter. Zwar war die Anzahl der Niederschlagstage mit meist 16 noch nicht einmal ungewöhnlich niedrig, aber der Blick auf die gefallenen Mengen offenbart das Dilemma: In Bevern beispielsweise gab es nur an einem Tag mehr als vier Millimeter Regen, die höchste Tagessumme lag bei 10,1 mm. In Silberborn gelang zwar immerhin zweimal der Sprung über die 10-mm-Marke und zwei weitere Male fielen zumindest mehr als 7 mm. Doch auch dort kann von Entspannung keine Rede sein, denn erstens kam im feuchteren Sollingklima mit einer Monatssumme von 54,6 mm auch nur etwas mehr als die Hälfte des langjährigen Durchschnitts zusammen, und zweitens war das Defizit der Vormonate im Solling noch größer ausgefallen als an den anderen Messstellen im Umkreis.
Deren Juliwerte lauteten (in Klammern die Klimawerte 1991-2020): Bevern 34,8 mm (80,4), Lüchtringen 43,5 mm (78,2), Polle 38,8 mm (75,4 – dieser vom DWD angegebene Wert scheint angesichts der Höhenlage von 270 m zu niedrig), Hehlen 47,2 mm (80,0), Vorwohle 43,2 mm (88,4), Hellental 46,1 mm (78,0 – auch diese DWD-Angabe ist unplausibel niedrig) und Amelith 52,0 mm (91,5). Aus Ottenstein fehlen erneut einige Tageswerte, andere wurden vom DWD nachträglich mit Schätzwerten gefüllt, so dass leider keine belastbare Monatssumme vorliegt. Klar zu trocken war es aber auch im Nordwesten des Kreises auf jeden Fall.
Auch im Hochmoor Mecklenbruch ein Thema: Der Wasserhaushalt. Aktuell ist es auch dort deutlich zu trocken.
Blickt man allerdings auf das gesamte Land, ergibt sich vor allem Richtung Rheinland-Pfalz und Saarland eine extreme Dürrephase, so fiel im Raum Trier teils nur um 1 mm Regen, und auch am Oberrhein waren es oft nur wenige Millimeter – und das bei dort deutlich höheren Temperatur- und Sonnenscheinwerten.
Nach dem sehr sonnigen Juni mit fast 290 Stunden zeigten sich am Julihimmel in unserer Region häufiger dichte Wolkenfelder, besonders ausgeprägt in der zweiten und dritten Pentade sowie gen Monatsende. In diesen Phasen schien die Sonne oft nur zwischen wenigen Minuten und vier Stunden. Als sonnenscheinreich bleiben das erste Wochenende sowie die heiße Phase nach Monatsmitte in Erinnerung. Unter dem Strich ergab sich eine Monatssumme von rund 216 Stunden – gut elf mehr als im Schnitt der Jahre 1991-2020. Zuvor war der Juli in fünf der letzten sechs Jahre unter seinem Mittel geblieben. Auch hier soll der Blick über den lokalen Tellerrand das Bild abrunden: Am längsten schien die Sonne an der Station Lahr im Ortenaukreis westlich des Schwarzwalds in der Oberrheinebene mit 369 Stunden, am wenigsten wurde im Nordseeumfeld mit teils nur 186 Stunden gemessen.
DasFazit der kurzen, aber extremen Hitzewelle: Es wurde am Dienstag und am Mittwoch noch ein Stück heißer als am oberen Rand der Prognosen vom Sonntagabend. Weitere Aktualisierungen waren leider nicht möglich zwischenzeitlich, es sei aber ergänzt, dass ab Montag für den Mittwoch sogar die 39 in den Berechnungen auftrat und diese sich dann auch – gerundet – tatsächlich bewahrheiteten.
Somit gab es zunächst am Dienstag einen neuen Standortrekord an der DWD-Station in Bevern (seit Juli 2006) mit 37,9 °C – zugleich auch neuer Rekord für die Zeitreihe 2323, die die Messungen von 1951-1991 in Holzminden einschließt. Dennoch sind die am Abend schnell aufgestellten Listen, wonach hier ein Rekord in einer über 70-jährigen Zeitreihe erzielt wurde, um den nicht unwichtigen Umstand zu ergänzen, dass diese Reihe zwischen 1991 und 2006 um fast volle 15 Jahre unterbrochen ist und damit so wichtige Monate wie August 2003 und August 1992 fehlen. Sinnvollerweise zieht man wie bereits mehrfach erläutert für die Jahre 1992-1996 die Werte der Station Boffzen (0588, 105 m) als Ersatz heran. Dort wurden am 09.08.1992 ebenfalls 37,9 °C gemessen, so dass für den Dienstag zunächst „nur“ eine Einstellung des lokalen Temperaturrekords zu konstatieren ist. Keine 24 Stunden später erwies sich diese Betrachtung dann aber als obsolet, da in Bevern mit 38,7 °C am Mittwochnachmittag der nun zweifelsfrei höchste Messwert seit Beginn der regionalen Wetterbeobachtungen erzielt wurde.
Wir bilanzieren also ein Extrem- und Rekordereignis innerhalb einer sehr kurzen Hitzewelle, denn diese erfüllte gerade einmal die Mindestvoraussetzung von drei heißen Tagen in Serie nach der Definition des tschechischen Meteorologen Kysély und endete mit dem klaren Verfehlen der 25-Grad-Marke am gestrigen Donnerstag, als die Höchsttemperatur anders als am Mittwoch am unteren Rand der Berechnungen verblieb.Bei der Bewertung der Wärmebelastung sollte natürlich auch die äußerst niedrige Luftfeuchte (RH am Dienstagnachmittag bis auf 13,9% gefallen, am Mittwoch bis auf 15,7%) berücksichtigt werden, da trockene Hitze in der Regel als deutlich weniger unangenehm empfunden wird wie feuchte, also sehr schwüle Hitze, wie sie in der deutlich längeren Hitzewelle des August 2020 an einer Reihe von Tagen auftrat, während die absoluten Höchsttemperaturen damals „nur“ bis 35,6 °C reichten.
Tatsächliche Messwerte (in Klammern letzte Prognose): Mo, 11.07.2022 18,8 °C (21 °C) Di, 12.07.2022 28,3 °C (27-28 °C) Mi, 13.07.2022 30,8 °C (27-29 °C) Do, 14.07.2022 24,3 °C (23-25 °C) Fr, 15.07.2022 21,0 °C (20-21 °C) Sa, 16.07.2022 22,5 °C (21-23 °C) So, 17.07.2022 26,5 °C (24-25 °C) Mo, 18.07.2022 34,0 °C (32-33 °C) Di, 19.07.2022 37,9 °C (36-38 °C) Mi, 20.07.2022 38,7 °C (35-39 °C) Do, 21.07.2022 23,5 °C (23-27 °C)
Update 17.07.2022 zu den in den nächsten 4 Tagen zu erwartenden Höchstwerten. Große Unsicherheiten bestehen derzeit noch für den Mittwoch, bei dem unklar ist, wie schnell weniger heiße Luftmassen zu uns vorankommen und wie weit im Vorfeld bereits mit dichterer Bewölkung zu rechnen ist. Ebenso, ob dieser Prozess mit Schauern und Gewittern einhergeht oder trocken abläuft. Einige Modelle rechnen diesen Tag heute Abend sogar heißer als den Dienstag mit Option in Richtung neuer Rekord (bisher 37,2 °C an der Station Bevern). Mo, 18.07.2022 31-33 °C Di, 19.07.2022 35-37 °C Mi, 20.07.2022 29-37 °C Do, 21.07.2022 24-26 °C
Tatsächliche Messwerte (in Klammern letzte Prognose): Mo, 11.07.2022 18,8 °C (21 °C) Di, 12.07.2022 28,3 °C (27-28 °C) Mi, 13.07.2022 30,8 °C (27-29 °C) Do, 14.07.2022 24,3 °C (23-25 °C) Fr, 15.07.2022 21,0 °C (20-21 °C) Sa, 16.07.2022 22,5 °C (21-23 °C)
Update 16.07.2022 zu den in den nächsten 5 Tagen zu erwartenden Höchstwerten. Im Vergleich zu gestern festigt sich der Trend, dass die große Hitze nur auf einen Tag, den Dienstag, fällt. Dieser dürfte aber ziemlich sicher mindestens 35 Grad heiß werden, vermutlich sogar etwas mehr. Ein Überschreiten der 30-Grad-Marke am Mittwoch ist nach heutigem Stand schon nicht mehr sicher und die kurze Hitzewelle, so sie denn überhaupt die Kriterien nach Kysely erfüllt, ziemlich sicher zum Donnerstag beendet. So, 17.07.2022 24-25 °C Mo, 18.07.2022 32-33 °C Di, 19.07.2022 35-37 °C Mi, 20.07.2022 29-33 °C Do, 21.07.2022 24-27 °C
Tatsächliche Messwerte (in Klammern letzte Prognose): Mo, 11.07.2022 18,8 °C (21 °C) Di, 12.07.2022 28,3 °C (27-28 °C) Mi, 13.07.2022 30,8 °C (27-29 °C) Do, 14.07.2022 24,3 °C (23-25 °C) Fr, 15.07.2022 21,0 °C (20-21 °C)
Update 15.07.2022 zu den in den nächsten 6 Tagen zu erwartenden Höchstwerten. Im Vergleich zu gestern zeigt sich eine Verschiebung nach vorn, das heißt, der Montag wird wohl etwas heißer als gestern noch erwartet, dafür wird der Höhepunkt bereits am Dienstag erwartet und aktuell auch noch etwas intensiver berechnet, während nun bereits am Mittwoch eine Abschwächung, evtl. mit Gewittern, in Sicht ist und für Donnerstag keine Hitze mehr berechnet wird, aber noch unsicher und voraussichtlich noch ein sehr warmer Tag. Damit wird die kurze Hitzewelle wohl auch beendet sein, so dass die hier aufgeführten Prognosen mit dem 21.07. enden sollen. Sa, 16.07.2022 21-23 °C So, 17.07.2022 24-25 °C Mo, 18.07.2022 31-33 °C Di, 19.07.2022 33-37 °C Mi, 20.07.2022 30-35 °C Do, 21.07.2022 27-31 °C
Tatsächliche Messwerte (in Klammern letzte Prognose): Mo, 11.07.2022 18,8 °C (21 °C) Di, 12.07.2022 28,3 °C (27-28 °C) Mi, 13.07.2022 30,8 °C (27-29 °C) Do, 14.07.2022 24,3 °C (23-25 °C)
Update 14.07.2022 zu den in den nächsten 7 Tagen zu erwartenden Höchstwerten. Heute ist der erste Tag, an dem sich nicht nur die Modellierungen für die Kurzfrist, sondern auch für die Mittelfrist stabilisiert haben und keine weitere Verschiebung berechnet wird, was die heißen Tage am Dienstag und Mittwoch angeht, dafür scheint sich nun die nachfolgende Abkühlung um einen Tag zu verzögern. Es ist daher nach aktuellem Stand von einer 3-4-tägigen Hitzephase oder auch „-welle“ auszugehen, die am Montag beginnen könnte, ziemlich sicher heiß bis sehr heiß werden Dienstag und Mittwoch, und auch am Donnerstag ist noch ein Tag mit Hitze von 30 Grad und mehr drin, vermutlich aber nicht mehr so intensiv wie an den beiden Vortagen und schon deutlich unsicherer. Für wie zuverlässig sich die ab Freitag von Nordwesten berechneten Abkühlungsszenarien erweisen, bleibt noch abzuwarten und ist auch noch nicht Gegenstand der aktuellen Wochenübersicht mit dem wahrscheinlichsten Bereich der Höchstwerte. Fr, 15.07.2022 20-21 °C Sa, 16.07.2022 21-23 °C So, 17.07.2022 23-24 °C Mo, 18.07.2022 29-31 °C Di, 19.07.2022 32-35 °C Mi, 20.07.2022 34-36 °C Do, 21.07.2022 28-32 °C
Tatsächliche Messwerte (in Klammern letzte Prognose): Mo, 11.07.2022 18,8 °C (21 °C) Di, 12.07.2022 28,3 °C (27-28 °C) Mi, 13.07.2022 30,8 °C (27-29 °C)
Update 13.07.2022 zu den in den nächsten 7 Tagen zu erwartenden Höchstwerten. Während sich die Kurzfrist etwas stabilisiert hat, gibt es in der Mittelfrist weitere Abwärtskorrekturen, wie man im Vergleich zum gestrigen Update gut erkennen kann. Der heiße Tag am Montag ist unwahrscheinlich geworden, Schwerhitze von 35 Grad oder mehr ist mittlerweile gar nicht mehr zu erwarten. Selbst leichte Hitze über den Mittwoch hinaus steht nicht an.
Do, 14.07.2022 23-25 °C Fr, 15.07.2022 20-21 °C Sa, 16.07.2022 21-23 °C So, 17.07.2022 22-24 °C Mo, 18.07.2022 27-29 °C Di, 19.07.2022 31-34 °C Mi, 20.07.2022 30-34 °C
Tatsächliche Messwerte (in Klammern letzte Prognose): Mo, 11.07.2022 18,8 °C (21 °C) Di, 12.07.2022 28,3 °C (27-28 °C)
Update 12.07.2022 zu den in den nächsten 7 Tagen zu erwartenden Höchstwerten, Hitze von klar über 30 Grad ist – so sie denn überhaupt kommt – um einen weiteren Tag nach hinten verschoben wurden und damit noch immer eine Woche hin.Auch für Samstag und Sonntag wurden erneute Abwärtskorrekturen vorgenommen.
Mi, 13.07.2022 27-29 °C Do, 14.07.2022 23-25 °C Fr, 15.07.2022 19-21 °C Sa, 16.07.2022 20-22 °C So, 17.07.2022 25-27 °C Mo, 18.07.2022 30-33 °C Di, 19.07.2022 31-37 °C
Tatsächliche Messwerte (in Klammern letzte Prognose): Mo, 11.07.2022 18,8 °C (21 °C)
Update 11.07.2022 zu den in den nächsten 7 Tagen zu erwartenden Höchstwerten (wie unten angekündigt), vor allem für den Freitag und den Samstag wurden deutliche Abwärtskorrekturen vorgenommen, aber auch der Sonntag wird weniger heiß berechnet als gestern noch.
Di, 12.07.2022 27-28 °C Mi, 13.07.2022 28-30 °C Do, 14.07.2022 22-25 °C Fr, 15.07.2022 19-22 °C Sa, 16.07.2022 22-25 °C So, 17.07.2022 27-30 °C Mo, 18.07.2022 32-35 °C
Seit Tagen wird in Teilen der Medien eine nahezu beispiellose Eventberichterstattung zu einem Ereignis veranstaltet, das erst nach Monatsmitte stattfinden soll. Dabei geht es nicht um ein Comeback-Konzert der noch lebenden Beatles oder die Entdeckung riesiger Erdgasvorkommen in Deutschland, sondern um Wetter. Genauer: Um eine Hitzewelle.
Bereits am Abend des 4. Juli, als die e-Paper-Varianten der Print-Ausgaben für den nächsten Tag online gingen, erschreckten die zum Redaktionsnetzwerk Deutschland gehörenden Tageszeitungen der Madsack-Gruppe ihre Leser auf der Titelseite mit der Schlagzeile einer weiteren auf Deutschland zurollenden Hitzewelle Mitte Juli – wohlgemerkt mindestens elf Tage vor dem rollenden Ereignis:
Die BILD-Zeitung griff das Thema dankbar auf und erhöhte auf bis zu 42 Grad, was nach der (späten) Annullierung der am 25.07.2019 an der mittlerweile geschlossenen und verlegten DWD-Station im emsländischen Lingen gemessenen 42,6 °C neuer Deutschland-Rekord wäre, den gegenwärtig die Standorte Tönisvorst im LK Viersen und Duisburg (Stadtteil Baerl) mit je 41,2 °C halten.
Dieser deutlich seriöser anmutenden Darstellung wäre eigentlich nichts weiter hinzuzufügen – also abwarten und dazu etwas trinken, Tee zum Beispiel, was auch an weniger warmen Tagen im Sommer wie derzeit sicher eine gute Idee ist.
Und seither fragen sich womöglich viele Menschen im Land: Wettervorhersage für in zwei Wochen – geht das jetzt doch?
Um es klipp und klar festzustellen: Nein, es geht nicht. Es hat keine Fortentwicklung oder gar einen Quantensprung bei der numerischen Wetterberechnung gegeben, es sind keine neuen Großrechenzentren in Betrieb genommen worden und die Berechnung der Atmosphärenphysik ist noch genauso komplex wie immer. Was es immer einmal geben kann sind sich einstellende, für ihre Stabilität bekannte Großwetterlagen wie das berühmte „Omega“, und was wir in den letzten Jahren zunehmend beobachtet haben, ist eine vermutlich im Zusammenhang mit dem Klimawandel stehende höhere Erhaltungsneigung von Großwetterlagen, vereinfacht gesagt bleibt das Wetter häufiger so oder so ähnlich, wie es gerade ist, bestimmte Muster weisen eine höhere Langlebigkeit auf bzw. wiederholen sich nach einiger Zeit.
Zur Zeit haben wir jedoch gerade keine Hitze in Deutschland. Es kann sich bezüglich einer Hitzewelle bei uns erst einmal gar nichts erhalten, sondern muss zunächst einmal eintreten. Dass dies regional im Laufe der nächsten Tage geschieht, scheint mittlerweile sicher, denn schon über einen längeren Zeitraum herrscht eine außergewöhnliche Hitze vor allem über dem westlichen Mittelmeerraum, die im Moment etwas abgeschwächt und in den Südwesten der Iberischen Halbinsel zurückgedrängt wurde, sich aber in den kommenden Tagen wieder Richtung Frankreich und auch den Südwesten Deutschlands in Gang setzt. Eine ziemlich ähnliche Konstellation wie im Juni und Juli 2019 übrigens.
Ebenso klar ist aber auch, dass Temperaturen von 30 Grad oder mehr im Norden frühestens am kommenden Sonntag, also in einer Woche zu erwarten sind. Bei uns im „südlichen Norden“ könnte es am Mittwoch einen heißen Tag mit 30 oder auch 31 Grad geben, nachfolgend kommt aber vorübergehend wieder kühlere Luft nach Süden voran. Dass es bei der Abschätzung, wann es wie heiß wird, keine so gute Idee ist, auf das GFS zurückzugreifen, verdeutlicht die Vorhersage für den kommenden Donnerstag. Noch vorgestern, sechs Tage vor dem Termin und damit anders als 10-16 Tage im Voraus eigentlich von den Wettermodellen ein recht gut beherrschbarer Zeitraum, spuckte das GFS diese Berechnung aus (Quelle: https://wetter3.de/, zur Vergrößerung klicken):
34-35 Grad also als Maximum für unsere Region im DMO (Direct Model Output), der sich – sofern die zugrunde liegenden Parameter wie Luftmassentemperatur, Wind, Bewölkungszustand, Feuchte etc. richtig erfasst wurden – sogar in der Regel bei sommerlichen Strahlungslagen eher noch als zu niedrig erweist erfahrungsgemäß, so dass man daraus sogar bis 36 Grad hätte ableiten können.
Und es doch besser gelassen hätte, denn diese zum damaligen Zeitpunkt bereits in krasser Alleinstellung befindliche Rechnung wurde auch vom GFS längst verworfen. Nach aktuellem Stand dürfte der Donnerstag eher Höchstwerte um gut 10 K weniger um 24 Grad bringen.
Den Vogel abgeschossen hat dann aber die Modellrechnung vom gestrigen Samstag, bei der es aber gar nicht erst um den von Wetterkontor anvisierten 23.07. in 14 Tagen ging, sondern um den 18.07., also fünf Tage früher und damit „schon“ in neun Tagen:
Flächig (!) über 40 Grad in Deutschland, Westen bis 44, unsere Region um die 40, Osten verbreitet bis 42, stellenweise bis 43.
Natürlich ist auch diese Berechnung längst verworfen worden, was das Ausgreifen dieser Rekordhitze weit in den Norden und Nordosten angeht, aber es sind eben diese Karten, die dann die Runde machen. So lange das unter Laien und Hobbymets geschieht, wird damit kein Schaden angerichtet. Dass Meteorologen wie Dominik Jung und die BILD-Zeitung die Schlagzeile über die Seriosität stellen und Wochen oder gar Monate im Voraus Eiswinter, Blizzards und Russenpeitschen ankündigen, die dann weder stattfinden noch die zugehörigen „Prognosen“ überprüft werden, gehört seit vielen Jahren zur Folklore der boulevardisierten Wetterberichterstattung und dürfte den meisten mittlerweile auch als solche bekannt sein.
Wenn sich aber eine bisher als seriös einzuschätzende Wetterfirma im Zusammenspiel mit einer Redaktion mit ebensolchem Anspruch auf ein solches Niveau begibt, dann ist zu befürchten, dass all die Arbeit der Kachelmanns, Plögers und Bäckers dieser Wetterwelt ebenso vergeblich war wie die diverser DWD-Meteorologen, was den Umgang mit Modellrechnungen für Zeiträume der sogenannten „erweiterten Mittelfrist“ (gemeint ist damit in der Regel alles ab dem 8. Tag) angeht und auch welchen Modellen man eher Aufmerksamkeit und Glauben schenken kann und welchen weniger.
Womit wir bei den Möglichkeiten wären, sich alternativ zum GFS die Modellkarten des EZMW anzuschauen, was seit einiger Zeit in großem Umfang kosten- und registrierungsfrei möglich ist. Hier kann man aus einer Reihe von Angeboten schöpfen, und besonders interessant zur Abschätzung der Wahrscheinlichkeit einer kommenden Hitzewelle sind dabei diese Karten, bei denen man eine Temperaturgrenze („Event threshold“) auswählen und sich dann in farblicher Abstufung die Wahrscheinlichkeit für eine Überschreitung anzeigen lassen kann. Auf Basis des aktuellsten Laufs sieht das für Werte über 30 Grad von Samstag bis Montag so aus:
Und die ominöse 40? Auch für die besteht in der Tat eine regional gewisse Wahrscheinlichkeit, keine bis einschließlich Samstag, eine äußerst geringe am Sonntag, aber eine für Deutschland teils bemerkenswerte für Montag, wobei diese dort, wo sie überhaupt auftritt, zwischen 5 und 10 und in den wahrscheinlichsten Gebieten zwischen 25-50% liegt, das Nichteintreffen also selbst in dieser (kleinen) Region eine höhere Wahrscheinlichkeit aufweist.
Weiter im Voraus macht es einfach keinen Sinn, sich das anzuschauen, man kann es aber tun, denn angeboten wird es.
Besser ist und bleibt allerdings das Abwarten mit dem Tee oder Wasser trinken und die Entwicklung in den nächsten Tagen weiter zu beobachten. Es wird hier ein tägliches Update für den wahrscheinlichsten Bereich der Höchstwerte für die jeweils kommenden sieben Tage geben, so dass niemand die Hitzewelle verpassen wird, so sie denn auch auf unsere Region zurollt, und sich rechtzeitig vorbereiten kann.
Derzeit sieht die Lage völlig entspannt aus, die von Montag bis Sonntag zu erwartenden Höchstwerte sehen so aus (für die Niederungen wie Oberwesertal, im Solling und ähnlichen Höhenlagen entsprechend 2-3 K weniger):
Mo, 11.07.2022 21 °C Di, 12.07.2022 27-28 °C Mi, 13.07.2022 29-31 °C Do, 14.07.2022 23-25 °C Fr, 15.07.2022 24-26 °C Sa, 16.07.2022 28-30 °C So, 17.07.2022 32-35 °C
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