So wenig Winter wie noch nie

Rückblick auf den Februar und Winter 2020 an der MeteoGroup-Unwetterreferenzstation Silberborn

Während es im Oberwesertal für mehrere Vizetitel in der Februar- und Winterbilanz reichte, gab es im Hochsolling sogar neue Rekorde –  bei vergleichbar langer Messreihe. Der Februar verlief dabei nicht ganz so weit am oberen Rand der Zeitreihe wie in Bevern/Holzminden, er liefert ein gutes Beispiel für die Unterschiede des lokalen Klimas zwischen Wesertal und Solling – der meteorologische Winter hingegen stellte den Temperaturrekord von 2007 ein und setzte sogar neue Spitzenwerte bei Kältesumme und Schneedeckentagen – natürlich jeweils auf der unwinterlichen Seite.

Die Mitteltemperatur betrug im Februar 2020 in Silberborn 3,6 °C und lag damit 3,8 K über dem Mittel der Jahre 1981-2010. Trotz dieser deutlichen positiven Abweichung reichte es „nur“ zu einem mit 1961 geteilten Platz 5 in der Zeitreihe: Weit vorn bleibt der Februar 1990 mit 4,7 °C, aber auch in den Jahren 1998, 2002 und – man staune – 2019 war es ein bis zwei Zehntel wärmer. An den jüngsten beiden Vertretern lässt sich exemplarisch zeigen, dass zwischen der Kreisstadt und dem höchstgelegenen Stadtteil nicht nur 300 bis fast 400 m liegen, sondern bei manchen Wetterlagen noch deutlichere Unterschiede zu Tage treten, als es diese Höhendifferenz allein vermuten ließe.

Im Jahr 2019 war der Februar vor allem ab Monatsmitte von einer höhenwarmen Hochdrucklage geprägt. Es dominierte die Großwetterlage Hoch Mitteleuropa mit ungewöhnlich hohen Temperaturen tagsüber, die dank sehr milder Luftmassen in der mittleren Troposphäre und der sich zunehmend kräftigenden Sonneneinstrahlung mehrere neue Tagesrekorde bedeuteten. Nachts hingegen konnte die bodennahe Luftschicht aufgrund der windschwachen Lage deutlich auskühlen, dieser Effekt war im inversionsanfälligen Wesertal deutlich stärker ausgeprägt. Man sieht dies sehr schön an den mittleren Höchst- und Tiefstwerten: Während das durchschnittliche Maximum in Bevern 10,2 °C und in Silberborn 7,7 °C betrug, lag der Schnitt des Minimums in Bevern bei 0,0 °C und in Silberborn bei +0,3 °C – es war also nachts und am frühen Morgen oben wärmer bzw. weniger kalt als unten. Insgesamt war es in Bevern mit 4,6 °C Monatsmitteltemperatur lediglich der zwölftwärmste Februar (mittlerweile Rang 13) seit Messbeginn im Juni 1934, in Silberborn mit 3,8 °C dagegen der drittwärmste der Hochsolling-Messreihe seit 1936, der Unterschied zwischen beiden Stationen betrug also gerade einmal 0,8 K bei der Monatstemperatur – bei einer Höhendifferenz von 318 m.

Eine gänzlich andere Wetterlage prägte den Februar 2020. Wie bereits im Rückblick auf das Wetter im Raum Holzminden/Bevern Der zweitwärmste Februar im zweitwärmsten Winter war stürmisch und sehr nass erläutert, handelte es sich von einer kurzen Hochdruckphase nach Monatsbeginn abgesehen um die bisher persistenteste zyklonale Westlage (abgekürzt Wz), die in einem Februar beobachtet werden konnte und die auch heute am Ende der ersten Märzwoche noch anhält. Die mit dieser Wetterlage verbundene hohe Durchmischung der Luftmasse sorgte für eine Monatsmitteltemperatur von 6,2 °C an der Station Bevern, weil das Thema Inversion in diesem Monat keines war. Bei einer solchen Wetterlage ist der Temperaturgradient stark ausgeprägt, an der Station Silberborn war es deshalb 2,6 K kälter, der Unterschied beim durchschnittlichen Maximum  betrug 3,0 K (9,0 zu 6,0 °C), beim Minimum immerhin noch 1,7 K (2,9 zu 1,2 °C) – im Vergleich zum Vorjahresmonat lag der durchschnittliche Tiefstwert in Bevern also 2,9 K höher, in Silberborn dagegen nur 0,9 K.

Auch beim Niederschlag sortiert sich der Februar 2020 an der Silberborner Station auf Rang fünf ein – 156,7 mm fielen an 23 Niederschlagstagen, am meisten am 23.02. mit 21,4 mm.  Noch nasser war es in den Jahren 1946, 2002, 1937 und 1950, im Jahr 1958 fiel fast genausoviel. Dieser Niederschlag war lange Zeit ganz überwiegend flüssig, Schnee oder Graupel mischte sich nur kurzzeitig unter, ohne für eine Schneedecke sorgen zu können. Anders dann an den letzten Tagen des meteorologischen Winters: Ab dem 26.02. war die Meeresluft polaren Ursprungs kalt genug, um (teils in Verbindung mit Niederschlagsabkühlung) für „echten“ Schnee zu sorgen, der dann auch liegen blieb – am Morgen des 27. betrug der offizielle Messwert an der Station 11 cm, am 28. noch 10 cm, an anderen Stellen des Ortes bis zu 15 cm.
Allerdings handelte es sich um aus Wintersportsicht minderwertigen Nassschnee, so dass Schlitten und Ski weiterhin im Keller bleiben mussten. Immerhin konnte sogar die Schneehöhe des vergangenen Winters übertroffen werden, die bei zehn Zentimetern gelegen hatte und erst im meteorologischen Frühjahr im März aufgetreten war, zuvor ging es nicht über acht Zentimeter. Doch bevor ein falscher Eindruck entsteht: die gerade vier Schneedeckentage am Monatsende ändern kaum etwas an der ernüchternden Bilanz, die einen der schneeärmsten Februare der Messreihe ausweist. Und mit dem einsetzenden Tauwetter am Monatsende war dieses Wintermezzo im Solling dann auch schnell wieder Geschichte.

Dies gilt umso mehr für den Gesamtwinter, nachdem der Dezember fast und der Januar komplett ohne Schneedeckentag geblieben waren: Mit ganzen sechs Tagen setzt sich der Winter 2020 im Hochsolling an die Spitze der schneeärmsten Winter seit Aufzeichnungsbeginn. Auch bei der Kältesumme wurde lokale Wettergeschichte geschrieben: Sie lag mit ganzen 12,6 K so niedrig wie noch nie.
Ein Wimpernschlagfinale gab es bei der Wintermitteltemperatur, die wie im Rekordwinter 2007 3,0 °C betrug. Zieht man die Hundertstel hinzu, bleiben beide Winter mit 2,98 °C auf Augenhöhe. Dabei gilt zu beachten: Vor 13 Jahren wurde auf einem gut zehn Meter höher gelegenen Standort mit manuellen Instrumenten in einer englischen Hütte gemessen, so dass keine ganz identischen Bedingungen vorliegen. Auch die Ablesezeiten für die Errechnung des Tagesmittels waren damals andere als heute, es gibt bei beiden Messinstrumenten Fehlertoleranzen und zu guter Letzt hatte der aktuelle Winter noch den Vorteil des milden Schalttages am Ende – ein Streit um den wärmsten Winter im Hochsolling würde deshalb eher philosophischer Natur sein und soll daher an dieser Stelle sogleich salomonisch mit dem Schiedsspruch „Unentschieden“ wieder beigelegt werden.

Während in Bevern also der Rekord von 2007 um deutliche 0,6 K verfehlt wurde, schaffte Silberborn die Einstellung des Rekordwerts von vor 13 Jahren – und das trotz des dort gar nicht mal so mild ausgefallenen Februars (siehe oben)? Was zunächst nach Widerspruch klingt, klärt sich beim Blick auf die anderen beiden Wintermonate: Vor allem im Dezember 2019, aber auch über Teile des Januars 2020 profitierte Silberborn von weniger gut durchmischten Hochdrucklagen, die Temperaturdifferenz zu Bevern betrug daher im Dezember nur knapp 1,4 K und im Januar 1,9 K. Erst im Februar war das Delta in der kräftigen Westströmung stark ausgeprägt. Anders herum betrachtet: Der insgesamt stärker zyklonal geprägte Winter 2006/2007 sorgte dafür, dass in Silberborn der neue Rekord vor 13 Jahren bezogen auf den lokalen Mittelwert nicht so hoch ausfiel wie im Wesertal, das damals üblicherweise verwendete Klimamittel der Periode 1961-1990 wurde „nur“ um knapp 3,8 K übertroffen, während es in Bevern über 4,3 K waren. Mit anderen Worten: Der Winter 2007 hatte die Latte in Silberborn nicht so hoch gelegt wie in tieferen Lagen.

Weit weg von Rekorden, aber dank des sehr nassen Februars immerhin ganz leicht über dem langjährigen Mittelwert der Periode 1981-2010 lag die Niederschlagssumme von 309,2 mm – doch ein Blick auf das Vorjahr zeigt, dass das Thema Trockenheit damit längst nicht abgehakt sein muss: Der Winter 2019 hatte sogar 352,1 mm gebracht, ohne dass dies den geschädigten Wäldern wirklich helfen konnte – wichtiger für dessen Zustandsentwicklung wird sein, wie die Regenmengen und ihre Verteilung in der Vegetationszeit im Frühjahr und Sommer ausfällt und wie stark der Verlust durch Wärme bzw. Hitze und Sonnenschein sein wird.

02_2020_Übersicht

02_2020_Diagramm

Winter_2020_Übersicht

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Der zweitwärmste Februar im zweitwärmsten Winter war stürmisch und sehr nass

Rückblick auf den Februar und Winter 2020 im Raum Holzminden/Bevern

Der dritte und letzte meteorologische Wintermonat geht als außergewöhnlich wetteraktiv in die regionale Klimastatistik ein: Sowohl bei der Temperatur als auch beim Niederschlag wurden die zweithöchsten Werte seit Aufzeichnungsbeginn gemessen. Dazu fegten mehrere Stürme über den Kreis hinweg und sorgten für umgestürzte Bäume und gesperrte Straßen. Schnee, bereits in den letzten beiden Wintern Mangelware, gab es diesmal überhaupt nicht in den Niederungen des Wesertals, dort war es nach 2008 der zweite Winter ohne Schnee. Stattdessen setzte es Regen satt, wie man ihn seit dem Sommer 2017 nicht mehr erlebt hatte. Die vielen Wolken ließen nur wenig Platz für die Sonne, die sich deutlich weniger als im langjährigen Durchschnitt zeigen konnte.

Mit einer Mitteltemperatur von 6,2 °C war es an der DWD-Station in Bevern im Februar 2020 um 4,4 Grad wärmer als im Durchschnitt der Jahre 1981-2010. Noch wärmer war es nur vor 30 Jahren, als am früheren Stationsstandort in Holzminden 6,8 °C gemessen worden waren. An 13 Tagen lag die Höchsttemperatur über zehn Grad, am wärmsten wurde es am 16.02. mit einem neuen Dekadenrekord von 16,3 °C. Die hohe Monatsmitteltemperatur ist aber ebenso ein Ergebnis der nahezu völlig ausgebliebenen Kälte: Nur in zwei Nächten fielen die Werte in Bevern leicht unter den Gefrierpunkt. Die durchschnittliche Anzahl an Frosttagen beträgt im langjährigen Vergleichszeitraum fast 16, der Minusrekord aus den Jahren 1961 und 1990 mit je einem Frosttag wurde nur knapp verfehlt.  Das neue Klimamittel für die Monatstemperatur im Februar der Periode 1991-2020 liegt für den Standort Bevern mit Abschluss dieses 30-Jahres-Zeitraums bei 2,43 °C und damit etwas mehr als ein Grad über dem Klimawert 30 Jahre zuvor. Der Februar hatte sich zunächst ein ganzes Stück weniger stark erwärmt als der Januar, im letzten Jahrzehnt aber aufholen können – trotz der beiden sehr kalten Vertreter 2012 und 2018. Kennzeichen des Februars bleibt seine starke Schwankung, die sich statistisch in der höchsten Standardabweichung aller zwölf Monate ausdrückt.

Der Monat wurde abgesehen von einer kurzen Pause nach Monatsbeginn von einer zyklonalen Westwetterlage dominiert, wie sie in dieser Persistenz im Februar bisher noch gar nicht beobachtet wurde. Eine solche Großwetterlage ist geprägt von einer meist recht glatt verlaufenden atlantischen Frontalzone, an der die Tiefs wie an einer Perlenschnur von West nach Ost ziehen, man spricht von einer zonal ausgerichteten Zirkulationsform. Höhenwinde können meist gut bis in die Grundschicht am Boden heruntergemischt werden, was zwei Folgen hat: Der vertikale Temperaturgradient ist gut ausgeprägt, so dass die Lufttemperatur nach oben pro 100 m um bis zu 0,1 K abnimmt. Dieser Effekt tritt nicht an jedem Tag gleich stark zutage und ist im Winter mangels Sonneneinstrahlung ohnehin etwas schwächer ausgeprägt als im Sommer, so dass die gemessene Differenz zwischen der DWD-Station Bevern auf 110 m und der MeteoGroup-Unwetterreferenzstation in Silberbornauf 428 m zwar „nur“ 2,6 K betrug, was aber deutlich mehr ist als beispielsweise im Dezember 2019, als es in Bevern lediglich 1,4 K wärmer war als in Silberborn.

Die zweite Folge der aktiven Westwetterlage: Es konnten sich gleich mehrere Sturmtiefs bilden, die zwar nicht die Intensität und Schadenshöhe der Sturmserie vor 30 Jahren erreichten, aber dennoch für gesperrte Straßen im Kreis sorgten, teils wegen umgestürzter Bäume, teils als vorbeugende Vorsichtsmaßnahme aufgrund der Gefahr, die von den trockenheitsgeschädigten Wäldern und Bäumen weiterhin ausgeht. Am stärksten fegte „Sabine“ am 9.2. mit Windstärken von bis zu 10 Beaufort über die Region hinweg, es ist nicht auszuschließen, dass in höheren und freien Lagen auch einzelne Böen mit Stärke 11 (mindestens 104 km/h) dabei waren. Auch wenn die nachfolgenden Stürme weniger stark ausgeprägt waren, blieb das Muster bis zum Monatsende quasi dasselbe: Vor allem an den Wochenenden wurde es stürmisch und vorübergehend sehr mild, anschließend sorgten Kaltfronten für weitere stürmische Böen vor allem in Schauernähe, bevor es um die Wochenmitte etwas kälter und weniger windig wurde. In der Nacht zum 11.2. weckte sogar ein Wintergewitter mit Blitz und Donner die Bewohner in der Kreisstadt, zudem gab es auch tagsüber kurzzeitig festen Niederschlag bis in die Niederungen, weil sich in höhenkalter Luft Graupelschauer entwickeln konnten. Optisch reizvoll vor allem für Hobbyfotografen ist bei einer solchen gern als „Aprilwetter“ bezeichneten Lage die rasche Abfolge von sonnigen Abschnitten und dunklen Schauerwolken mit schnell wechselnden Lichtstimmungen.

Der anhaltende Tiefdruck sorgte dafür, dass nach zuvor zwei recht trockenen Wintermonaten endlich Zählbares in die Messbecher und vor allem in die Böden fiel. Bis auf die kurze Hochdruckphase nach Monatsbeginn regnete es fast täglich und oft ergiebig, am meisten am 23.2., als in der Region flächig 20 mm und mehr als Tagessumme gemessen wurden. Unterm Strich stand schließlich der zweitnasseste Februar im Wesertal mit einer Summe von 143,6 mm in Bevern, was fast der zweieinhalbfachen Menge des Durchschnitts der Jahre 1981-2010 entspricht.

Überblick über die Niederschlagssummen im Kreis und den angrenzenden Gebieten:

Heinade-Hellental (270 m) 179,3 mm
Hehlen (133 m) 161,5 mm
Eimen-Vorwohle (265 m) 158,2 mm
Bodenfelde-Amelith (258 m) 155,6 mm
Ottenstein (295 m) 155,3 mm
Alfeld (144 m) 145,4 mm
Bevern (110 m) 143,6 mm
Holzminden (93 m) 141,5 mm
Höxter-Lüchtringen (94 m) 131,9 mm

Bei so viel Regenwolken hatte die Sonne nur wenig zu melden: Mit ca. 49 Stunden wurden in der Region nur rund 70% des langjährigen Durchschnitts erreicht. Zum Vergleich: in den beiden Jahren zuvor waren es mit 108 und 113 Stunden mehr als doppelt so viele.

Winterbilanz: Nur 2007 war es noch milder

An der DWD-Station Bevern lag die Temperatur mit 4,94 °C um 3,2 K über dem Mittel von 1981-2010, gleichbedeutend mit dem zweitwärmsten Winter seit Messbeginn hinter dem Spitzenreiter 2007, der es auf 5,54 °C brachte. Nur 23 Frosttage sind zusammen mit 1975 die zweitwenigsten nach 2007 (16), ebenso gibt es mit 7,3 K die zweitniedrigste Kältesumme (Summe aller negativen Tagesmittel) nach 1975 zu vermelden (6,4 K). Lediglich ein Eistag direkt zu Winterbeginn am 1.12. spielt ebenfalls weit vorn mit (1975 und 1989 blieben ohne einen Dauerfrosttag). Und einen alleinigen Rekord hat sich der Winter 2020 dann doch geholt: Die Tiefsttemperatur von -4,4 °C, gemessen am 2. Januar, lag an der Station Bevern so hoch wie noch nie, der bisherige Rekord von -5,5 °C aus dem Winter 1989 wurde deutlich überboten.

Die Niederschlagssumme in Bevern übertraf mit 248,6 mm das Klimamittel um gut 11%, so dass Trockenheit in den oberen und mittleren Bodenschichten nach dem regenreichen Februar vorerst kein Thema mehr ist. In der Tiefe bleibt aufgrund des verzögerten Einsickerns der Feuchtigkeit noch abzuwarten, wie nachhaltig sich die Situation entspannt.
Sonnenscheinreichster Monat war der Dezember trotz seiner geringsten astronomisch möglichen Sonnenscheindauer, der Januar blieb leicht, der Februar deutlich unterdurchschnittlich – die Summe von 143 Stunden entspricht fast genau dem langjährigen Mittel.

Februar_2020_Übersicht

Februar_2020_TT

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Winter_2020_Übersicht

Winter_1935-2020_TT

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Vor 30 Jahren: Stürme, Orkane, Wärmerekorde

Der Februar 1990 schrieb regional und bundesweit Wettergeschichte

Im aktuellen Februar erleben wir derzeit eine kräftige und ungewöhnlich ausdauernde Westwetterlage mit Regen, Sturm und für die Jahreszeit meist deutlich überdurchschnittlichen Temperaturen. Ein Blick zurück ins Jahr 1990 offenbart allerdings noch ganz andere Kaliber: Vor 30 Jahren richtete eine Serie von schweren Stürmen und Orkanen über Teilen Europas immense Schäden an und forderte eine Reihe von Menschenleben, allein 64 in Deutschland.

Mitteleuropa stand mehrfach im Zentrum der Sturmfelder, in Deutschland wüteten zwischen dem 25. Januar und 1. März insgesamt acht Sturmtiefs, von denen Daria und Vivian in unserer Region die kräftigsten und schadensträchtigsten waren, während Wiebke zum Abschluss der Kette am 1. März vor allen die Südhälfte heimsuchte. Dazu präsentierte sich der Monat außergewöhnlich warm, die Höchstwerte im Wesertal lagen an vielen Tagen über zehn und im Vorfeld des Orkans Vivian sogar tagelang zwischen 15 und 17 Grad. Frost gab es dagegen nur an einem einzigen Tag. Die an der damaligen DWD-Station Holzminden am Bergblick gemessene Monatsmitteltemperatur von 6,8 °C stellte einen neuen Februarrekord auf und wurde bis heute trotz der allgemeinen Erwärmung noch nicht annähernd wieder erreicht. Auch im deutschen Gebietsmittel führt der Februar 1990 die Liste mit 5,74 °C Mitteltemperatur an.

Den Startschuss für diese turbulente Spätwinterwitterung lieferte Orkan Daria am 25. Januar 1990. Das Sturmtief hatte sich bei Schottland gebildet und bis zu einem Kerndruck von etwas unter 950 Hektopascal vertieft. In Deutschland erreichten die Orkanböen Spitzengeschwindigkeiten von bis zu 230 km/h auf dem Brocken und bis zu 161 km/h im Tiefland in Cuxhaven. Großflächig wurden vor allem in der Nordhälfte der alten Bundesrepublik 120-130 km/h erreicht. In unserer Umgebung wurde an den DWD-Stationen in Bad Lippspringe mit 126 und Göttingen mit 124,2 km/h volle Orkanstärke gemessen. An der nächstgelegenen Station mit Windmesser in Hameln waren es zwar „nur“ 108,7 km/h, doch nur ein Stück weiter nordwestlich in Bückeburg wurde mit 153,7 km/h die deutschlandweit zweitstärkste Tieflandböe registriert.

Daria forderte in Deutschland acht Menschenleben und mindestens 94 in Europa. Es galt längere Zeit als das Orkantief, das europaweit den höchsten versicherten und volkswirtschaftlichen Schaden angerichtet hat.  Der versicherte Schaden würde in Deutschland heute ca. 1,5 Milliarden € (indexiert auf das Jahr 2012) betragen und wurde erst im Januar 2007 durch Kyrill übertroffen.

Daria wird in der Fachwelt als „Shapiro-Keyser-Zyklone“ eingestuft: Während sich üblicherweise Warm- und Kaltluft in einem Tiefdruckgebiet mischen und die vorlaufende Warmfront von der nachfolgenden Kaltfront eingeholt wird, so dass sich diese zu einer Mischfront (Okklusion) vereinen, bleiben Warm- und Kaltfront bei der Shapiro-Keyser-Zyklone getrennt. Dabei ist die Kaltfront schwächer ausgeprägt und beinahe im rechten Winkel zur Warmfront ausgerichtet.  Bei einem solchen Tiefdruckgebiet sticht meist zunächst der Warmsektor mit sehr hohen Windgeschwindigkeiten hervor, die aber meist noch auf die höheren Regionen beschränkt bleiben. Für das Tiefland liegt der Fokus für die höchsten Windgeschwindigkeiten nicht selten erst beim Durchzug der Kaltfront, wo mit plötzlich einsetzender vertikaler Umlagerung (sichtbar durch teils kräftige Schauer- oder Gewitterwolken) die Höhenwinde vorübergehend bis in tiefe Lagen herabgemischt werden können mit dem entsprechend größten Böenpotenzial. Auf Satellitenaufnahmen sieht die um das Zentrum herumgewirbelte Luft wie der Schwanz eines Skorpions aus. Die „giftige“ Spitze wird in dem Fall durch das Bodenwindfeld mit den extrem hohen Windgeschwindigkeiten repräsentiert. In der Meteorologie wird dies auch unter dem Begriff „Stachelstrahl“ (engl. „Sting Jet“) beschrieben, wobei der „Stich des Skorpions“ das Durchziehen des Windmaximums darstellt.

Auf Daria folgten mit Herta, Judith, Nana, Ottilie und Polly in kurzen Abständen bis Monatsmitte weitere kräftige Stürme, von denen Herta am 3. Februar in der Umgebung Windstärke 11 (orkanartige Böen) in Bad Lippspringe und Hameln erreichte. Die höchsten Windgeschwindigkeiten und Schäden traten weiter südlich und südwestlich in Hessen, Rheinland-Pfalz, dem Saarland und Teilen NRWs auf, deutschlandweit starben sieben Menschen.

Anschließend beruhigte sich die Lage vorübergehend – die Ruhe vor dem nächsten Sturm, der sich zum Orkan auswachsen sollte. Zunächst aber sorgte eine Südwestlage für außergewöhnlich hohe Temperaturen. Nach einer kurzen kälteren Phase um die Monatsmitte, die immerhin dem Solling ein paar Tage mit Schnee brachte, stiegen die Werte wieder deutlich an und erreichten an der Holzmindener Station am 19. Februar glatt 15 Grad. Genau eine Woche lang dauerte diese ungewöhnliche Wärme mit Höchstwerten zwischen 14,5 und 17 Grad an – weder zuvor noch danach gab es so früh im Jahr eine so lange zusammenhängende Reihe mit solch hohen Temperaturen. Dazu schien unter Hochdruckeinfluss häufig die Sonne. Der Höhepunkt wurde am 24.02. erreicht, als das Quecksilber (mit dem damals tatsächlich noch gemessen wurde) nach einem Maximum von 17 Grad in der folgenden Nacht kaum unter zehn Grad fiel.

Dieser Schwall sehr warmer Luft stand allerdings schon im Zusammenhang mit der Vorderseite des Orkans Vivian, der sich am 25.02. entwickelte. Zu diesem Zeitpunkt lag der Kerndruck des Tiefs bereits bei nur 950 hPa über der nördlichen Nordsee. Auf seinem Weg nach Nordosten fiel der Druck auf bis zu 940 hPa ab. Vivian suchte vom 25.-27.02.1990 weite Teile Europas heim und kostete 64 Menschen das Leben. In Deutschland waren die Windgeschwindigkeiten in der Fläche am 26.02. am höchsten, nach Süden hin einen Tag später.

Auf dem Wendelstein gab es Spitzenböen bis zu 265 km/h, in ganz Deutschland herrschten weiträumige Geschwindigkeiten um 120 bis 130 km/h. In Düsseldorf wurde der Rosenmontagszug in den Mai verschoben, in Köln fand er unter Sicherheitsvorkehrungen statt. In Hamburg gab es mehrere aufeinanderfolgende Sturmfluten, in unserer Region wurde an der Station in Hameln die bis heute höchste Geschwindigkeit von 151,6 km/h gemessen. Landesweit starben 15 Menschen. Der versicherte Schaden würde in Deutschland wie bei Daria heute ca. 1,5 Milliarden € (indexiert auf das Jahr 2012) betragen.

Diese Schadenssumme wird auch für Wiebke hochgerechnet, den letzten Orkan der Serie, der in der Nacht vom 28. Februar auf den 1. März vor allem die Südhälfte Deutschlands sowie Teile Österreichs und der Schweiz mit voller Wucht traf. Allein in Deutschland kamen 35 Menschen ums Leben. Wiebke erreichte hierzulande Windgeschwindigkeiten von bis zu 140 km/h selbst in tiefen Lagen wie in Essen und bis knapp über200 km/h auf den Gipfeln von Feldberg, Zuspitze, Wendelstein und Brocken, am Jungfraujoch in der Schweiz gab es sogar Orkanböen von 285 km/h. Der entstandene Schaden in der Forstwirtschaft, an Häusern und Autos waren erheblich. Besonders in den Mittelgebirgsregionen wurden eine große Anzahl von Bäumen, aber auch ganze Fichten-, Douglasien- und Buchenbestände, wie Streichhölzer geknickt. Man geht von 60 bis 70 Millionen Festmetern Sturmholz aus, das entsprach damals in etwa dem doppelten Jahreseinschlag in Deutschland. In unserer Region fiel Wiebke weniger stark aus, in Hameln wurden genau 100 km/h gemessen, dies entspricht Beaufort 10 (schwerer Sturm) und ist etwa vergleichbar mit Sabine am 9. Februar dieses Jahres.

Bis heute hat es keine vergleichbare Häufung von Stürmen und Orkanen über Europa mehr gegeben. Im Dezember 1999 traten noch drei in recht rascher Folge auf (Anatol, Lothar und Martin), wobei Lothar als Schnellläufer an Weihnachten aus Frankreich kommend im Süden und Südwesten des Landes teils verheerende Schäden anrichtete.  Kyrill am 18. Januar 2007 und Friederike auf den Tag genau elf Jahre später waren hingegen quasi Einzelgänger, richteten aber gerade in den Sollingwäldern immense Schäden an.  Die deutliche Ausweitung und Professionalisierung des Warnmanagements in den letzten 20 Jahren als Folge des Weihnachtsorkans Lothar hat mit dazu beigetragen, dass bei den vergangenen schweren Stürmen weniger Personenschäden zu beklagen waren als vor 30 Jahren. Umso unverständlicher, dass mitunter über eine „Überwarnung“ geklagt und gespottet wird.

Abschließend sei noch erwähnt, dass Vivian und Wiebke auf ihrer Rückseite deutlich kältere Luft einströmen ließen, so dass sich an der Wetterstation in Silberborn Anfang März 1990 eine Schneedecke von bis zu 19 cm bilden konnte. Im Wesertal hingegen blieb jener Winter – damals war es der wärmste seit Aufzeichnungsbeginn – bis auf ein kleines Intermezzo um den Dreikönigstag schneefrei.

Verwendete Quellen:
AON Benfield: Winterstürme in Europa – Historie von 1703-2012
Deutscher Wetterdienst: Thema des Tages vom 16.01.2015 unter dwd.de
wetteran.de – Meteorologie aus Leidenschaft: Sturmtiefs
Eigene Recherche

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Doch noch Schnee auf der Ziellinie?

Lange Zeit sah es so aus, als würde der aktuelle Winter der zweite nach 2008 ohne einen einzigen Schneedeckentag im Oberwesertal werden. Doch nun deutet sich in den Modellen immer mehr die Tendenz zu einem späten Schneeereignis an den letzten Tagen des meteorologischen Winters an, der am Samstag endet. Dabei ist zu unterscheiden zwischen zwischenzeitlich fallendem (und evtl. auch liegen bliebendem) Schnee und einer messbaren Schneedecke (von mindestens einem aufgerundeten Zentimeter) zum offiziellen Messtermin um 06:50 Uhr MEZ.

Eher vage sind dabei die Optionen auf nächtlichen Schneefall am frühen Mittwoch, hier zeigen die Modelle zwar immer wieder leichten Niederschlag an, der auch bis in tiefe Lagen als Schnee fallen kann, die Mengen sind aber als eher gering einzustufen und eine Schneedecke bis in die Niederungen erscheint derzeit zwar möglich, aber mehr als eine Anzuckerung ist nicht wahrscheinlich, so lange keine höheren Intensitäten beim Niederschlag auftreten, allein schon wegen der vergleichsweise warmen Böden.

Interessanter erscheint derzeit ein kleinräumiges Tief, das im Laufe des Donnerstags von Westen her nach Nordrhein-Westfalen ziehen soll. An seiner Nordseite soll es ein ergiebiges Niederschlagsgebiet mit sich führen und je nach genauer Zugbahn würde unsere Region in bzw. unter diesem Gebiet liegen, wobei der zu erwartende Niederschlag größtenteils als Schnee bis in die Niederungen fallen soll.

Die globalen Wettermodelle GFS und ICON zeigen aktuell ab Donnerstagabend Schneefall und die Ausbildung einer Schneedecke, so dass am Freitagmorgen erstmals Besen und Schaufel zum Einsatz kommen könnten:

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Die genaue Entwicklung bleibt jedoch noch abzuwarten, ob sich das Tief überhaupt so entwickelt, wie die genaue Zugbahn sein wird und welche Niederschlagsmengen es mit sich führt – diese Fragen sind derzeit noch nicht klar zu beantworten. Klar ist aber, dass modellarisch der Schnee so nahe ist wie es bisher in diesem Winter noch nicht annähernd der Fall war.

 

 

 

Auch im Hochsolling ein fast schneeloser Hochwintermonat

Rückblick auf den Januar 2020 an der MeteoGroup Unwetterreferenzstation Silberborn

Mit 2,5 °C lag die Monatsmitteltemperatur im Januar um 3,2 K über dem Mittel der Jahre 1981-2010, das neue Klimamittel der Jahre 1991-2020 von -0,2 °C  wurde um 2,7 K übertroffen. Am wärmsten war es am Monatsletzten mit einem Maximum von 10,3 °C und einem Tagesmittel von 8,5 °C. An 14 Tagen gab es Frost, das tiefste Minimum lag mit -4,5 °C am 21. Januar ungewöhnlich hoch. Die Inversionslage in der letzten Dekade bescherte dem Hochsolling immerhin zwei Eistage am 24. und 25.01., die Kältesumme blieb mit 7,6 K für einen Standort auf dieser Höhe außergewöhnlich niedrig.

Die Niederschlagsmenge erreichte mit 62,8 mm nur 59% vom Mittel der Jahre 1981-2010. Die höchste Tagessumme fiel am 27.01. mit 11,9 mm. An zwölf Tagen blieb es trocken.

Rekordverdächtig ist die Schneebilanz: Zum offiziellen Termin am Morgen um 06:50 Uhr MEZ gab es auf Stationshöhe von knapp 430 m keinen Schneedeckentag im Januar, lediglich nachts um zwei notierte Beobachter Wolfgang Peter am 19. Januar eine geschlossene Decke von gut 2 cm nach einem Schauer, die aber rasch wieder abtaute. Dies dürfte ein Novum in der Geschichte der Wetteraufzeichnungen im Solling seit 1937 sein, allenfalls der Januar 1975 kommt noch als nahezu schneefrei in Frage, genau ermitteln lässt sich dies wegen unvollständiger Daten leider nicht mehr.

01_2020_Übersicht

01_2020_Diagramm

Als Wintermonat ein Totalausfall

Rückblick auf den Januar 2020 an der DWD-Station Bevern

Auch der zweite meteorologische Wintermonat fand nur auf dem Papier statt: Bis auf einige leichte Nachtfröste erinnerte der Januar deutlich mehr an Herbst als an Hochwinter – und ein paar Farbtupfer deuteten sogar bereits in Richtung Vorfrühling. In geschützten Lagen gab es zum Monatsende die ersten frischen Blüten zu entdecken, und wer wusste, wo er suchen musste, fand zart violette Krokusse ebenso wie weiße Schneeglöckchen. Unterdessen warteten die Winterfans in der Region weiterhin vergeblich auf das echte „weiße Gold“. Nüchtern zusammengefasst lautet die Bilanz: Deutlich zu warm, deutlich zu trocken und Durchschnittskost beim Sonnenschein.

Mit einer Mitteltemperatur von 4,35 °C war der Januar 2020 an der DWD-Station in Bevern um 3,05 Grad wärmer als im Mittel der Jahre 1981-2010. Gegenüber dem in diesem Jahr letztmals gültigen WMO-Referenzmittel der Periode 1961-1990, mittlerweile auch gern als „altes Klima“ bezeichnet, betrug die Abweichung sogar +3,9 Grad bzw. Kelvin. Ab 2021 gilt ein neues Referenzmittel, dann werden die Jahre 1991-2020 zum Vergleich herangezogen, was aber nichts mit dem Klimawandel zu tun hat, sondern den turnusgemäßen Wechsel nach 30 Jahren darstellt. Die neuen Werte kann man bereits in diesem Jahr nach und nach ausrechnen, für den Januar ergibt sich ein neues Klimamittel von 1,85 °C für den Standort Bevern, was einer Erwärmung von 1,4 °C in den vergangenen 30 Jahren entspricht. Und selbst dieser Wert wurde vom aktuellen Januar noch um glatt 2,5 Grad übertroffen – auch im Kontext unseres gegenwärtigen Klimas war er also deutlich überdurchschnittlich temperiert. Insgesamt war es der achtwärmste Januar seit Messbeginn in Holzminden im Juni 1934.

Dennoch wird die Frage, ob dieser Januar als direkte Auswirkung des Klimawandels einzustufen ist, kontrovers diskutiert. Der Einwand: Eine Häufung vergleichbarer Großwetterlagen habe auch vor 50 oder 100 Jahren einen ähnlich hohes Temperaturniveau mit sich gebracht. Dieser Feststellung kann zunächst kaum widersprochen werden, die dahinterstehende Frage lautet allerdings: werden durch den Klimawandel einzelne Wetterlagen häufiger und andere seltener? Auswertungen dazu ergeben bisher kein klares Bild.

Der Januar 2020 war jedenfalls geprägt von einem äußerst intakten Kältepol der Nordhemisphäre im Gebiet Ostkanada/Grönland, der für eine rege Tiefdruckproduktion auf dem nördlichen Ostatlantik sorgte. Dabei befand sich die Frontalzone, die kalte Luftmassen im Norden von subtropischen im Süden trennt, oft recht weit nördlich, so dass uns Tiefausläufer meist nur abgeschwächt erreichten oder nördlich vorbeizogen. Vor allem im Süden des Landes war es deshalb oft sonnig, gerade auf den Bergen.  Bei uns wechselten sich meist West- und Südwestlagen ab, die kältesten Phasen brachten Hochdruckbrückenlagen zu Jahresanfang und zu Beginn der dritten Dekade mit Nachtfrösten und mal sonnigen, mal durch Hochnebel trüben Tagen. Durch mangelnde vertikale Durchmischung kühlt die Grundschicht dann aus und die Luftqualität nimmt ab, der Schadstoffgehalt steigt. Mit dem erneuten Durchbruch der atlantischen Frontalzone wurde es zum Monatsende wieder deutlich milder, am 31. gab es sogar neue Tagesrekorde bei den Höchst- und Tagesmittelwerten.

Aufgrund der oft nördlich verlaufenden Zugbahn der Tiefdruckgebiete blieb die Niederschlagsbilanz deutlich hinter den Durchschnittswerten zurück: In Bevern fielen mit 40,8 mm nur gut 50% vom Mittel der Jahre 1981-2010. Damit beläuft sich das Defizit der letzten drei Monate mittlerweile auf rund 70 mm im Wesertal. Da die tieferen Schichten der Böden nach wie vor unterversorgt sind, bleibt die Lage latent kritisch. Wichtig ist der Verlauf der nächsten Monate, wenn der Regenbedarf der Natur wegen des Vegetationsfortschritts ansteigt.

Das, was vom Himmel fiel, war fast ausschließlich flüssiger Natur. Kaum oder gar kein Schnee im Januar – das ist im Wesertal gar nicht mal so selten: Seit 1951 liegen Tageswerte für die Schneehöhe vor und der aktuelle Januar war immerhin der neunte, in dem kein Schnee gemessen werden konnte. Zusammen mit 2018 und 2019 mit jeweils zwei Schneedeckentagen ergibt sich zudem eine sehr niedrige Dreijahresbilanz, davor wurden 2017 immerhin sieben und 2016 sogar elf Tage registriert. Die bisher kargste Phase gab es zwischen 1988 und 1995, als in acht Jahren in Summe nur 13 Tage mit Schnee im Januar in der Klimareihe Holzminden/Bevern auftauchten (Daten wegen der Messlücke ab 1992 aus Boffzen, Stahle, Lüchtringen und Negenborn ergänzt). Auch Mitte der 1970er Jahre gab es mehrere schneearme und -lose Januarmonate.

Bleibt noch der Blick auf den Sonnenschein: Mit gut 42 Stunden schien sie in der Region fast so lange wie im langjährigen Durchschnitt, der sich freilich auf sehr niedrigem Niveau bewegt.  Nur wenige Tage brachten längeren Sonnenschein von mehreren Stunden, diese allerdings boten aufgrund des noch sehr niedrigen Einfallswinkels der Sonnenstrahlen sehr fotogene Licht-Schatten-Spiele.

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Auch im Hochsolling waren nur zwei Jahre noch wärmer

Rückblick auf das Jahr 2019 an der MeteoGroup-Unwetterreferenzstation Holzminden-Silberborn

Ein weiteres sehr mildes bzw. warmes Jahr geht in die Hochsolling-Klimareihe ein. Mit 8,9 °C war es an der Station im Silberborner Kurgarten 0,2 K weniger warm als 2018 und vermutlich auch geringfügig kühler als 2014 – leider liegen aus jenem Jahr aber keine Messungen vor Ort vor. Bis September 2008 hatte der DWD (seit Juli 1983) wenige Schritte vom heutigen Standort entfernt auf 440 m über NN gemessen, von 1937-1966 gab es eine Klimastation in Torfhaus auf 491 m. Die Wiederaufnahme der Messungen in privater Initiative erfolgte im November 2016, so dass es leider zwei längere Lücken bei den Aufzeichnungen gibt: Von 1966-1975 (ab da wurde bis Sommer 1983 in Neuhaus gemessen) und von Herbst 2008 bis Herbst 2016.

Nach dem sehr trockenen Jahr 2018 fiel zwar wieder mehr Niederschlag (1.012,8 mm), doch wurde nicht nur das langjährige Jahresmittel um knapp 10% verfehlt, sondern vor allem der durch das trockene Vorjahr und einen erneut sehr warmen und sonnigen Sommer erhöhte Bedarf der Natur. So ging das Absterben vertrockneter Bäume im Solling weiter, auch weil der Borkenkäfer sich prächtig vermehren konnte.

Schnee gab es hingegen deutlich weniger als in den Jahren zuvor, immerhin reichte es für eine winterliche Phase mit einer allerdings recht dünnen (maximal 8 cm) und auch nicht durchgehenden Schneedecke in den vier Wochen vom 10. Januar bis 7. Februar. Den höchsten Schnee brachte ein kurzer Spätwintereinbruch am 11. März mit 10 cm auf dem Messfeld und noch etwas mehr an den höher gelegenen Ortsrändern, der letzte messbare fiel am 13. April. Späte Fröste gab es bis in den Mai hinein, die Apfelblüte ist in diesem Mikroklima allerdings an solche Kälterückschläge gewöhnt und nahm keinen Schaden.

Rekordwarm wurde dann der Juni, er brachte mit fast 300 Stunden auch den meisten Sonnenschein. Die Jahressumme lag bei ca. 1.700 Stunden und damit knapp 18% über dem langjährigen Durchschnitt. Während der Hitzewelle Ende Juli wurde am 25.07. mit 35,3 °C ein neuer Temperaturrekord aufgestellt, erstmals in der Geschichte der Wetteraufzeichnungen im Hochsolling wurde die Marke von 35 Grad überschritten.

Im Oktober wurde die Station im Status einer Unwetterreferenzstation in das Messnetz der MeteoGroup aufgenommen, seit Ende des Jahres ist der automatische Niederschlagsmesser beheizt und im Dezember wurde ein neuer, fast 10 m hoher Windmast aufgestellt. Durch personelle Engpässe wartet dieser zwar noch auf die Inbetriebnahme, die aber in Kürze realisiert werden soll, so dass dann auch verwertbare Messungen der Windgeschwindigkeit vorgenommen werden können.

Jahr_2019_Übersicht

Frisches Grün im Hochmoor Mecklenbruch im Mai:

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Doch der Wald leidet weiter und verstärkt unter Trockenheit (Aufnahme aus dem Sommer):

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Von Orkan Friederike vor fast zwei Jahren freigelegte Fläche:

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Die Wetterstation im Kugarten im Sommer:

Silberborn_Blick nach Osten

… und im Dezember nach den Erweiterungsarbeiten:

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Sehr mild und kaum Schnee

Rückblick auf den Dezember 2019 an der MeteoGroup-Unwetterreferenzstation Holzminden-Silberborn

Lediglich zwei Schneedeckentage brachte der erste meteorologische Wintermonat im Hochsolling. Dazu war es mit einer Mitteltemperatur von 2,9 °C um 2,7 K wärmer als im Mittel 1981-2010. Der Tiefstwert lag bei für diese Stationshöhe bescheidenen -4,2 °C, in der Spitze wurden 12,2 °C gemessen. Die Kältesumme war mit 5,0 K eine der niedrigsten seit Messbeginn.

Mit knapp 90 mm Niederschlag fielen nur rund 77% des langjährigen Mittels, während sich die Sonne mit ca. 54 h deutlich länger zeigte als im Durchschnitt.

12_2019_Übersicht

12_2019_Diagramm

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