15.-18.02.: Vier Tageshöchstwertrekorde

Mit dem heutigen Montag endet vorerst ein außergewöhnlich sonniger und tagsüber rekordwarmer Witterungsabschnitt. Die „dunklen“ Stunden ohne Sonneneinstrahlung blieben dagegen kalt und zeitweise frostig, so dass die Tagesmitteltemperaturen zwar über den langjährigen Mittelwerten landeten, ohne dabei als ungewöhnlich hoch aufzufallen.
Anders bei den Tageshöchstwerten: Diese lagen von Freitag bis heute jeweils um 15 Grad, genauer: 15,3 / 15,1 / 14,4 und schließlich 15,6 °C wurden an der Beveraner DWD-Station in der Spitze gemessen – allesamt neue Tagesrekorde in der Messreihe ab 1951.
Und dabei gab es kaum Wolken am Himmel, am Freitag blieb es komplett wolkenlos, am Samstag zogen erst zum Sonnenuntergang hohe Schleierwolken auf, die sich auch am Sonntag zeigten, aber so dünn blieben, dass die Sonne fast durchgehend hindurch scheinen konnte, bevor heute ein bis in die Nachmittagsstunden wieder wolkenloser Tag diese Schönwetterphase abrundete und zugleich ihren Endpunkt bildete. Mit fast 36 Stunden Sonnenschein in vier Tagen wurde fast die maximal messbare Dauer zu dieser Jahreszeit erzielt.
Ab Dienstag wird es erst einmal deutlich mehr Wolken geben und die Höchstwerte gehen zurück auf für die Jahreszeit immer noch klar überdurchschnittliche Werte um zehn Grad, gleichzeitig werden die Nächte milder, bevor der Vorfrühling zum kommenden Wochenende einen neuen Anlauf unternehmen will. Niederschlag ist nur wenig zu erwarten, so dass der Februar wohl ein ganzes Stück zu trocken ausfallen wird.

 

Der bisher wärmste Tag des Jahres…

… war – gemessen an der Höchsttemperatur – der heutige Donnerstag an der DWD-Station in Bevern. Nach einem Minimum genau auf dem Gefrierpunkt am Morgen und einem kalten Vormittag, als zähe hohe Wolkenfelder der Sonne nur wenig Gelegenheit ließen, die bodennahe Luftschicht zu erwärmen, machten die Werte nach dem Mittag unter einem nun nahezu wolkenlosen Himmel noch einen Satz nach oben bis auf 12,2 °C. Bisher war es im Jahr 2019 nur einmal über die Zehn-Grad-Marke gegangen: am vergangenen Samstag im Warmsektor des Tiefdruckkomplexes trotz Regens und ohne Sonne auf 10,2 °C.

Bis kurz nach 16:20 Uhr wurden Werte knapp über zwölf Grad erzielt heute, anschließend ging es aber rasch abwärts – bereits zwei Stunden später waren es schon sieben Grad weniger. Die kommende Nacht dürfte sogar leichten Frost bringen, bevor morgen erneut viel Sonnenschein wieder eine Erwärmung auf 12-13 Grad am Nachmittag erwarten lässt. Und wenn nichts völlig Unerwartetes dazwischenkommt, ist das auch der Fahrplan fürs Wochenende: Nach jeweils recht kalter Nacht gibt’s viel Sonnenschein, kaum Wind unter dem Hoch und Höchstwerte von 13-14 Grad. Auch am Montag soll sich daran nach derzeitigem Stand kaum etwas ändern, bevor ab Dienstag wieder mehr Wolken und zurückgehende Temperaturen zu erwarten sind, wobei es wohl immer noch ein ganzes Stück wärmer als zu dieser Jahreszeit üblich bleiben dürfte. Ein Wintereinbruch ist bis zum Ende des meteorologischen Winters in zwei Wochen mittlerweile in weite Ferne gerückt.

Von Rekorden blieben wir zwar heute noch ein ganzes Stück entfernt (der historische Höchstwert in der Zeitreihe Holzminden/Bevern an einem 14. Februar seit 1951 liegt mit 16,2 °C genau vier Grad über dem heutigen Maximum), am Sonntag und Montag hängen die Trauben aber mit 11,7 und 12,1 °C deutlich niedriger und so sollten angesichts der aktuellen Prognosedaten neue Tagesrekorde aufgestellt werden.

 

Schnee so gut wie Fehlanzeige

Rückblick auf den Januar 2019 im Holzmindener Oberwesertal

Fotos vom Winterwunderland aus den Kameras und Smartphones seiner Leser konnte der Tägliche Anzeiger Holzminden Ende Januar auf mehreren Sonderseiten präsentieren, nachdem sich das Wetter nach langer Anlaufzeit zumindest für ein paar Tage freundlich mit viel Sonnenschein und in den höheren Lagen auch in weiß mit einer – wenn auch recht dünnen – Schneedecke gezeigt hatte.

Diese Witterungsphase polierte die Bilanz des zweiten meteorologischen Wintermonats noch ein ganzes Stück auf, dessen erste Hälfte nahtlos an den Dezember anknüpfte und sehr mild mit viel Regen und kaum Sonnenschein ausfiel. Doch dann vertrieb die Kaltfront von Tief „Hinne“ zwar ohne Blitz, aber mit Donner das wochenlange Schmuddelwetter und leitete einen kalten und über mehrere Tage hinweg auch sonnigen Abschnitt ein.

Zum Monatsende dominierte wieder Tiefdruckeinfluss mit vorübergehender Milderung, dunklen Wolken und Regen bis in höhere Lagen, der in den letzten Tagen erneut in die feste Phase überging, allerdings ohne dabei für eine Schneedecke in den Niederungen zu sorgen. So fiel die Schneebilanz im Wesertal ein weiteres Mal sehr bescheiden aus, dafür gab es überdurchschnittlich viel Regen, während Temperatur und Sonnenscheindauer etwa den langjährigen Mittelwerten entsprachen.

Mit einer Mitteltemperatur von 1,6 °C war der Januar 2019 an der DWD-Station in Bevern um 0,3 Grad wärmer als im Mittel der Jahre 1981 bis 2010. Nach den zuletzt häufigen deutlichen Abweichungen nach oben erlebte die Region einen insgesamt durchschnittlich temperierten Monat, wobei die erste Hälfte noch um fast drei Grad über dem Mittelwert lag und die zweite Hälfte diesen Überschuss fast aufzehrte. Lagen die Tageswerte dabei am dritten Wochenende bei viel Sonnenschein in den Niederungen noch etwas über dem Gefrierpunkt, hatte sich in den Hochlagen des Sollings bereits Dauerfrost eingestellt, der sich mit Beginn der neuen Woche ab 21. bis in die tiefen Lagen ausweitete und zusammen mit Tiefstwerten bis zu zehn Grad minus für einen hochwinterlich kalten Abschnitt sorgte. Zum letzten Wochenende brachten dann Tiefausläufer von Westen kräftige Niederschläge, zunächst kurzzeitig überall als Schnee, dann aber rasch in Regen übergehend, so dass vom Winterwunderland nichts mehr übrig blieb. Mit einem erneuten Temperaturrückgang von Norden startete der Winter in den letzten Tagen einen neuen, allerdings eher halbherzigen Anlauf: In den höheren Lagen kehrte der Schnee zurück, weiter unten blieb es nasskalt. Die Anzahl von 15 Frosttagen in Bevern entspricht dem langjährigen Mittelwert, Dauerfrost herrschte an vier Tagen, solche Eistage treten durchschnittlich sechsmal im Januar auf.

Deutlich unterdurchschnittlich fiel der Januar dagegen in Sachen Schnee aus: An der Station in Bevern auf 110 m waren es ganze zwei Tage mit einer Schneedecke von gerade einemal einem Zentimeter „Höhe“. Die Zwischenbilanz per Ende Januar weist damit im Wesertal einen der sieben schneeärmsten Winter seit 1951 aus.

An flüssigem Niederschlag mangelte es dagegen nicht, nach dem sehr regenreichen Dezember lag auch der Januar über den langjährigen Durchschnittswerten und konnte damit die Trockenheit auch in tieferen Bodenschichten weiter abbauen. Der Oberboden bis 25 cm Tiefe weist nach Einschätzung des Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung wieder hinreichend Feuchte auf und wird nicht mehr als trocken eingestuft. In Bevern wurden im Januar 90,4 mm gemessen, das sind 14% mehr als im Mittel der Jahre 1981-2010.

Die Sonnenscheindauer übertraf mit rund 48 Stunden den langjährigen Mittelwert um gut drei Stunden oder knapp 8%, davon entfielen fast 45 Stunden auf nur sieben Tage – neben den fünf Tagen in Folge nach Monatsmitte gab es noch am 2. und 31. längeren Sonnenschein. Der große Rest des Monats war von sehr dunklen Tagen gekennzeichnet und vom 3. an zeigte sich die Sonne zehn lange Tage in Folge überhaupt nicht, was auch für unsere in Sachen Trübnis hartgesottene Region die längste Phase ohne Sonnenschein seit Dezember 2006 bedeutete. Daher dürfte wohl so mancher noch auf etwas Nachschlag in Sachen Winterwunderland im Februar hoffen.

Januar_2019_MonatsübersichtJanuar 2019_TTJanuar 2019_RR+SSDJanuar 2019_TxJanuar 2019_Tm

Januar 2019_Tx_hist
Sogar einen Minusrekord bei den Höchstwerten konnte der Januar 2019 am 24. beisteuern

Januar 1935-2019_TempJanuar 1935-2019_RR

 

 

Ein Mittelgewichtswintermonat

Rückblick auf den Januar 2019 an der Station Silberborn

Geringfügig milder, deutlich nasser und etwas sonniger als im langjährigen Mittel präsentierte sich der Januar 2019 im Hochsolling. Trotz häufiger und teils ergiebiger Niederschläge blieb die Schneebilanz allerdings eher bescheiden: Maximal 8 cm kamen zusammen und über längere Zeit halten konnte sich die zumindest für Skilanglauf zu dünne Schneedecke auch nicht. Das war zwar eine Steigerung gegenüber dem fast schneelosen Dezember, aber deutlich weniger als zum Beispiel im hochwinterlichen Januar 2017. So bleibt wie im Vorjahr die Hoffnung auf den Februar – allerdings weisen die mittelfristigen Aussichten derzeit eher in die andere Richtung…

2019_01_Diagramm_Silberborn2019_01_Übersicht_Silberborn

Überraschung in der Kurzfrist…

… wie hieß es hier gestern Abend: „Schon für den morgigen Donnerstag gehen die Prognosen der Wetterdienste in Sachen Bewölkung und Sonnenschein extrem auseinander: während der Anbieter wetteronline einen komplett sonnigen Tag in Aussicht stellt, zeigt meteogroup kaum Sonnenschein und der DWD entscheidet sich für die Mitte.“

Nun könnte man es sich leicht machen und schreiben: meteogroup lag hier klar am besten, da auch heute, wie schon am Mittwoch, zwar kurze Auflockerungen zu sehen waren,  es aber für messbaren Sonnenschein nicht reichte.
Aber das wäre nur die halbe Wahrheit. Zu anderen Hälfte gehört, dass es am späten Vormittag leicht zu flöckeln begann aus der hochnebelartigen Bewölkung und dieser sehr trockene Schnee (auch gern als Schneegriesel bezeichnet) dann zum Begleiter bis in den Abend wurde. Auch wenn eine richtige Schneedecke anders aussieht: Selbst mit dieser weißen Anzuckerung war gestern Abend nicht zu rechnen und sie zeigt, dass auch im Jahr 2019 selbst die Vorhersage für den kommenden Tag noch nicht so sicher ist, wie wir manchmal den Eindruck haben.

Soweit geerdet sollte man auch auf Überraschungen am Wochenende gefasst sein, wobei sich die Tendenz zur vorübergehenden deutlichen Milderung heute weiter gefestigt hat uns selbst für Montag derzeit mit Regen bei ca. 3-4 Grad plus in den Niederungen zu rechnen ist.  Aber: Weitere kurzfristige Korrekturen sind alles andere als ausgeschlossen.

 

Und jetzt: Winter!

Ganz anders als in den ersten sechseinhalb Wochen des meteorologischen Winters präsentiert sich das Wetter in der Weser-Solling-Region seit dem vergangenen Freitag, nämlich: sonnig, trocken und sehr kalt. Genaugenommen kam die Umstellung bereits am Donnerstagnachmittag, zwar ohne Blitz, aber mit Donner während eines kurzen Gewitters, das den Kaltfrontdurchgang begleitete. Während es in den Niederungen bei Regen und nassem Schnee blieb, der auf den noch warmen Böden keine Überlebenschance hatte, ging der Niederschlag in den höheren Lagen ab etwa 250 m rasch in Schnee über und es konnte sich eine dünne Schneedecke ausbilden – und auch halten, denn die Temperaturen sind seitdem hochwinterlich mit Dauerfrost zunächst weiter oben, seit Montag auch in den Niederungen. Dazu gab es nachts und morgens mäßigen, stellenweise auch strengen Frost. Die Sonne zeige sich seit Freitag an fünf Tagen in Folge regelmäßig über sechs Stunden, am Sonntag und Montag wurde sogar die derzeit maximal mögliche Dauer von siebeneinhalb Stunden erreicht.
Bewohner und Besucher nahmen es dankbar an und nutzten die Gelegenheit zu Spaziergängen und auch Rodeltouren, zum Beispiel am Köterberg.

Im Wesertal wartet man hingegen immer noch auf den ersten Schneedeckentag des Winters, zuletzt dauerte es vor fünf Jahren so lange, damals lag dann aber am Morgen des 24. Januar der erste messbare Schnee auch in Bevern. So weit wird es morgen Früh wohl nicht kommen, denn der nächste Niederschlag dürfte erst am Samstag fallen, und da wird die Lage dann sehr verzwickt. Die Wettermodelle haben derzeit große Schwierigkeiten und bieten daher alle paar Stunden neue Varianten an, sowohl in den Temperatur- als auch Niederschlagsberechnungen ist die Bandbreite der Lösungen sehr groß, wobei sich im Laufe des heutigen Tages die sehr kalten Berechnungen für Samstag auf dem Rückzug befinden. Derzeit spricht daher einiges dafür, dass zunächst auch in den Niederungen Schnee fallen könnte, dieser dann aber rasch in Regen übergeht und die Temperaturen wieder deutlich über den Gefrierpunkt ansteigen, bis zu 5 Grad werden derzeit für die tiefen Lagen berechnet, und das würde bedeuten, dass auch im Solling vorübergehend Regen fällt und die dünne Schneedecke erst einmal dahin wäre. Allerdings sollte es im Laufe des Sonntags wieder kälter werden und die Niederschläge dann in den höheren Lagen wieder in Schnee übergehen – wobei dieses Szenario heute Abend wieder etwas mehr in Frage steht.

Für das Wochenende gelten also noch mehrere Fragezeichen, Einigkeit besteht aber weitgehend darüber, dass eine Milderung nur vorübergehend wäre und es in der neuen Woche nachts wieder frostig und tagsüber der Gefrierpunkt nur wenig überschritten wird und sich in den höheren Lagen wieder Dauerfrost einstellt. Und bis zum Wochenende bleibt es ohnehin erst einmal, wie es ist: Frostig und das wohl weiterhin rund um die Uhr, wobei die Bewölkungslage noch unklar ist. Trübnis wie heute bedeutet etwas weniger kalte Nächte und nur geringe Erwärmung am Tage, während bei leichter Bewölkung die Nachtföste stärker ausfallen und die Sonne die Luft tagsüber etwas stärker erwärmen kann. Schon für den morgigen Donnerstag gehen die Prognosen der Wetterdienste in Sachen Bewölkung und Sonnenschein extrem auseinander: während der Anbieter wetteronline einen komplett sonnigen Tag in Aussicht stellt, zeigt meteogroup kaum Sonnenschein und der DWD entscheidet sich für die Mitte.

 

Diese Diashow benötigt JavaScript.

Die erste Winterhälfte…

… lässt sich in wenigen Worten zusammenfassen: Sehr mild, sehr trüb und ebenso regenreich wie schneearm. Bis 15. Januar, der Mitte des meteorologischen Winters, lag die Mitteltemperatur an der DWD-Station Bevern bei 4,7 °C und damit um rund 2,9 K über dem Mittelwert der Jahre 1981-2010. Gegenüber der älteren WMO-Referenzperiode betrug die Abweichung sogar 3,4 K und gegenüber dem jüngsten Mittel seit 1991 immerhin noch knapp 2,4 K.
Die Sonne ließ sich fast gar nicht blicken, ganze 25,5 Stunden kamen zwischen dem 1. Dezember und 15. Januar zusammen, davon entfiel mehr als ein Fünftel auf den 2. Januar. Dafür regnete es oft und gelegentlich auch ausgiebig, mit 177,1 mm wurden bereits fast 80% des mittleren Niederschlags des Gesamtwinters (1981-2010) erreicht. Dieser fiel fast ausschließlich als Regen, einen Schneedeckentag gab es bisher im Wesertal noch gar nicht in diesem Winter, ebenso wenig einen Eistag, und auch der bisherige Tiefstwert vom 3. Januar fiel mit -4,3 °C alles andere als kalt aus.

2018 – Ein extremes Wetterjahr mit vielen Rekorden

Jahresrückblick für die DWD-Station Bevern und die Region Holzminden

So oft wie wohl noch nie zuvor wurde im vergangenen Jahr in der Lokalzeitung Täglicher Anzeiger Holzminden über das Wettergeschehen vor Ort berichtet – immer wieder gab es außergewöhnliche Ereignisse und neue Rekorde zu vermelden, am Ende vermutlich mehr davon, als es so manchem Menschen und vor allem der Natur lieb gewesen sein dürfte. Das Wetterjahr 2018 geht bundesweit wie regional als das bisher wärmste seit Aufzeichnungsbeginn in die Geschichte ein, dazu war eines der sonnigsten und sehr niederschlagsarm, wobei die Trockenheit im Kreis zwischenzeitlich extreme Ausmaße angenommen hatte. Erst der Dezember brachte mit ergiebigen Regenfällen eine erste Linderung. Mit einer Mitteltemperatur von 10,97 °C wurde der bisherige Rekord aus dem Jahr 2014 an der DWD-Station in Bevern um genau ein Zehntelgrad übertroffen, dazu fielen nicht einmal 500 mm Niederschlag und die Sonne schien fast 1.900 Stunden lang – gleichbedeutend mit dem zweittrockensten und drittsonnigsten Jahr seit Messbeginn.

Dabei hatte es im Januar noch ganz anders begonnen: Hochwasser und ein erstes Sturmtief namens Burglind prägten die ersten Tage des noch jungen Jahres. Dazu war es oft sehr mild, bevor nach Monatsmitte kältere Luftmassen zumindest in den höheren Lagen des Sollings für eine vorübergehende Schneedecke sorgten, die am 21. sogar auf bis zu 40 cm am westlichen Ortsrand von Silberborn anwuchs – um dann binnen 72 Stunden komplett abzutauen. Die durchaus beeindruckende Schneelandschaft am dritten Januarwochenende blieb jedoch so manchem verborgen, da viele Wege und Straßen im Solling gesperrt waren – eine Folge des Orkans Friederike, der am Donnerstag zuvor zwar nur recht kurz, dafür aber besonders heftig gewütet hatte. Mit Böen in voller Orkanstärke fegte er über die Sollingwälder hinweg und machte dort nach der endgültigen Schadensbilanz, die erst Monate später gezogen werden konnte, sogar mehr Kleinholz als Kyrill genau elf Jahre zuvor. Eine der Ursachen dafür liegt nicht im Sturm selbst, sondern ist eine Langzeitfolge der äußerst regenreichen Witterung seit dem Frühsommer 2017: Die Wurzeln der Bäume fanden kaum noch Halt in den aufgeweichten Böden und hatten dem Orkan somit nichts entgegenzusetzen.

Während im Solling die Aufräumarbeiten noch lange andauern sollten, stellte sich die Wetterlage im Februar langsam auf winterlich um, es wurde kälter und endlich kam auch die lange als vermisst geltende Sonne wieder zum Vorschein. Die Niederschläge nahmen unter Hochdruckeinfluss ab, doch statt Vorfrühling, wie man ihn zu dieser Jahreszeit häufig schon antrifft, zeigte der Winter Ausdauer:  Die Schneedecke im Solling hielt 31 Tage von Anfang Februar bis Anfang März durch, wobei sich die Kälte zum Monatsende deutlich verschärfte und für neue negative Tagesrekorde zum Monatswechsel sorgte: So wurden am 28. in Bevern nur -6,5 Grad gemessen – als Höchstwert wohlgemerkt – und die vorausgegangene Nacht war mit -14,4 °C die kälteste des Jahres. Infolge der Eisluft aus Russland, die sich in Verbindung mit einem schneidenden Nordostwind noch einmal deutlich kälter anfühlte, bildete sich sogar Treibeis auf der Oberweser – ein mittlerweile seltenes Ereignis, das leise Erinnerungen an Zeiten weckte, als die Weser sogar komplett zugefroren war.
Auf eine deutliche Milderung im Laufe der ersten Märzdekade folgte ein weiterer Spätwintereinbruch ab Monatsmitte, der noch einmal Dauerfrost und Schnee bis in die Niederungen brachte, doch für nachhaltiges Winterwetter war die Jahreszeit mittlerweile zu weit fortgeschritten. Dennoch bilanziere der März ebenso wie der Februar deutlich kälter als im langjährigen Mittel der Jahre 1981-2010, womit der Temperaturüberschuss aus dem Januar längst aufgezehrt war. Das erste Quartal brachte sogar eine negative Temperaturabweichung – wer wäre zu diesem Zeitpunkt auf die Idee gekommen, dass 2018 einen neuen Jahresrekord aufstellen würde?

Dass es tatsächlich so kam, hatte entscheidend mit dem wärmsten Sommerhalbjahr seit Aufzeichnungsbeginn zu tun. Und das begann mit zwei rekordwarmen Frühjahrsmonaten im April und im Mai, wobei das Frühjahr sowohl von der Witterung als auch phänologisch ein sehr kurzes war: hatte die Vegetation aufgrund der Spätwinterkälte erst verzögert begonnen, holte sie nun mit Riesenschritten auf und war mit Beginn der Apfelblüte ihrer Zeit sogar schon voraus – das Wort vom „Turbofrühling“ machte die Runde. Im Laufe der nächsten Monate sollten mit „Heißzeit“ und „Endless summer“ weitere Wortschöpfungen hinzukommen, die das vorherrschende Wetter kurz und knapp auf den Punkt brachten.  Doch ganz so weit waren wir zu diesem Zeitpunkt noch nicht, zumal nach den letzten sehr warmen und sonnigen Frühjahren eher mäßige Sommer gefolgt waren. Rückblickend markiert aber in der Tat bereits der 7. April den Beginn des Sommers 2018: Gegenüber dem Vortag schnellten die Temperaturen um rund neun Grad nach oben und mit 23 Grad wurde der erste warme Tag des Jahres in Bevern registriert – 147 weitere sollten folgen und für einen neuen Rekord in der Kategorie Tage mit mindestens 20 Grad Höchsttemperatur sorgen. Silberborn folgte einen Tag später, als in Bevern der erste meteorologische Sommertag nur knapp verfehlt wurde. Zehn Tage später fiel auch die 25-Grad-Marke erstmals – 83 weitere Sommertage sollten folgen und auch in dieser Statistik für einen deutlichen neuen Rekord sorgen. Trockenheit spielte zu diesem Zeitpunkt übrigens noch keine große Rolle, waren doch nach dem vielen Regen von Juni bis Januar genügend Vorräte vorhanden und März und April in Summe nur etwas trockener als im Mittel. In Erinnerung blieb der Dauerregen am Freitag, den 13. April mit 26,8 mm an der Station in Bevern – eine Tagessumme, die bis Jahresende nicht mehr annähernd erreicht werden sollte.

Der anschließende Mai tilgte bei der Monatstemperatur mit 16,44 °C seine uralte Bestmarke aus dem Jahr 1889 und kam als fast vollwertiger Sommermonat daher – so mancher Juli der Vergangenheit hat einen niedrigeren Wert aufzuweisen. Zum Monatsende gab es die ersten heißen Tage in Bevern, dazu schien die Sonne rund 276 Stunden lang, was aber ausnahmsweise keinen Rekord darstellt – im Mai 1989 waren es über 300 gewesen. In diesen in unserer Region äußerst seltenen Bereich sollte erst der Juli vorstoßen, doch zunächst dämpfte der Juni die Sommerlaune mit einer längeren Phase, in der sich die Sonne nur wenig zeigen konnte. Doch anders als im Vorjahr lief der Hochsommer mit Beginn der Schulferien Ende Juni zu großer Form auf: mehrere wolkenlose Tage am Stück zum Monatswechsel läuteten einen außergewöhnlich sonnigen und im Verlauf auch heißen Juli ein. Blieb es in der ersten Hälfte meist bei moderater Wärme, gab es ab Monatsmitte nur noch wenige Tage, an denen die Höchstwerte in Bevern unter 30 Grad lagen. Diese intensive und ausdauernde Hitzewelle brachte ab 23.07. an 17 von 18 Tagen mehr als 30 Grad im Wesertal, der Höhepunkt wurde am 7. August mit 37,0 Grad erreicht. Zu diesem Zeitpunkt war bereits ein neuer Rekord an Hitzetagen aufgestellt worden, doch weitere sollten folgen, auch wenn der Sommer mit Ende der ersten Augustdekade einen Gang hinunterschaltete. In der Jahresbilanz finden sich schließlich 33 heiße Tage, der letzte am 18. September, so spät wie nie zuvor. Bei der Mitteltemperatur landete der Sommer 2018 hauchdünn hinter 2003 – damals noch als Jahrhundertsommer eingestuft – auf Platz 2.

Die Folgen der langen Trockenheit – nie zuvor hatte es in den drei Sommermonaten so wenig geregnet – wurden nun mehr und mehr sichtbar. Auf den Feldern, die bereits bis auf den Mais Mitte Juli weitgehend abgeerntet waren, an Sträuchern und Laubbäumnen, die bereits an Herbst erinnerten und etwas abseits des öffentlichen Lebens auch in den Wäldern des Sollings, wo mittlerweile der Borkenkäfer dem durch Sturm vorbelasteten Nadelwald kräftig zusetzte. „Das Waldsterben ist zurück“ hieß es dann auch in einem TAH-Bericht im Herbst.

Der meteorologische Herbst von September bis November verschärfte die Lage weiter, auch diese drei Monate wiesen ein deutliches Niederschlagsdefizit aufgrund vorherrschender Hochdrucklagen auf. Und der Sommer gab sich noch lange nicht geschlagen, diverse Abschiedsgrüße erwiesen sich wiederholt als verfrüht, bis Mitte Oktober hielt der „Endlossommer“ noch durch. Erst am 15.10. wurde der letzte Tag über 25 Grad registriert – auch das so spät wie nie zuvor im Jahr – und zwei Tage später auch letztmals die 20-Grad-Marke überschritten. Doch trotz jeweils deutlich kühlerer Abschnitte in den letzten Monatsdekaden von September und Oktober lautete auch die Bilanz der ersten Novemberhälfte: sonnig und deutlich wärmer als üblich. Erst im Laufe des dritten Wochenendes vollzog sich eine markante und nachhaltige Umstellung: Die Temperaturen sanken auf jahreszeitübliche Werte, vorübergehend auch darunter inklusive der ersten Schneefälle, vor allem aber wurden Sonnenschein und Trockenheit abgelöst durch dichtes Gewölk und mit etwas Verzögerung ab Anfang Dezember auch endlich durch den dringend benötigten Regen, der nach und nach für eine Entspannung der Dürresituation sorgte, allerdings vorerst nur in den oberen Bodenschichten. Die Trockenheits- und Sonnenscheinrekorde des Jahres 1959 blieben somit unangetastet, während es mit den Temperaturen Anfang Dezember wieder aufwärts ging und der neue Jahresrekord schließlich nur noch Formsache war.

Was bleibt neben vielen erreichten und einigen nur knapp verpassten Rekorden? In dieser Häufung und Ausprägung dürfte 2018 ein Ausnahmejahr bleiben, gerade zusammen mit dem vorausgegangenen sehr nassen zweiten Halbjahr 2017 hat sich eine Wetterlagenabfolge abgespielt, deren Wiederholung äußerst unwahrscheinlich ist. Aber Klimaforscher warnen nicht erst seit diesem Jahr vor der Zunahme extremer Wettereignisse und das abgelaufene Jahr hat uns gezeigt, dass der Klimawandel keine ferne Zukunftsvision ist, sondern längst in der Gegenwart angekommen ist – auch in unserer Region.

jahresübersicht_2018_2323jahresdiagramm 1935-2018_ttjahresdiagramm 1935-2018_rrjahresdiagramm 1951-2018_shmonatsmittel_2018_2323