Eisiges Februar- und Winterfinale

Blieb es in der Nacht zum Montag unter Wolken noch bei mäßigem Frost mit Tiefstwerten von -6,5 °C in Bevern und -8,8 °C in Silberborn, zeigte der Winter 2018 einen Tag später die Zähne: Mit -14,4 °C in 2 m Höhe war es an der DWD-Station in Bevern der erste strenge Frost des Winters und die kälteste Nacht seit über sechs Jahren. In 5 cm Höhe über dem Erdboden wurden sogar die Tiefstwerte der Anfang-Februar-Kältewelle 2012 noch unterschritten: -19,2 °C meldete der Fühler über dem mit dünnem Schnee bedeckten Messfeld heute Morgen kurz vor sieben Uhr. Kälter war es auf dieser Höhe zuletzt im Dezember 2010.  Silberborn meldete heute Morgen in 2 m Höhe sogar -15,1 °C und damit sehr strengen Frost. Tagsüber wurde dort die -5-Grad-Marke nicht mehr erreicht und auch in den Niederungen blieb es bei Dauerfrost.

Wie geht es weiter in den kommenden Tagen?
In den Nächten  und in den Morgenstunden ist bis einschließlich Freitag weiterhin mit strengem, in den höheren sowie in Muldenlagen teils auch mit sehr strengem Frost zu rechnen. Wie kalt es genau wird, hängt von den Bewölkungs- und Windverhältnissen ab.
Der tiefste Tageswert erwartet uns morgen zum Finale des meteorologischen Winters 2018, dann werden auch im Wesertal kaum mehr als -5 Grad Höchsttemperatur erwartet, im Hochsolling um -8 Grad. Ein neuer Tagesrekord in der Kategorie tiefstes Maximum dürfte auf jeden Fall aufgestellt werden. Ursache ist die sich im Druckniveau 850 hPa auf ca. 1.500 m Höhe nochmals verstärkende Kaltluftzufuhr, dort werden morgen -19 Grad erwartet. Auch am Donnerstag herrscht weiter Dauerfrost, dann wird es mit ähnlichen Werten wie heute allerdings nicht mehr ganz so kalt. Freitag deutet sich dann der Übergangstag an, in höheren Schichten erreicht uns mildere Luft, die sich aber am Boden nur verzögert durchsetzen kann. Daher werden derzeit Höchstwerte um den Gefrierpunkt erwartet, erst am Samstag sollten sich wieder Plusgrade einstellen. Nachts und morgens ist aber noch auch am Wochenende mit leichtem bis mäßigem Frost zu rechnen.

Karte aus der Wetterzentrale: Erwartete Luftmasse in 850 hPa am Mittwoch, 28.02.2018:

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Dazu scheint am Mittwoch häufig die Sonne, so dass der Februar als einer der sonnenscheinreichsten in die lokale Wetterhistorie eingehen und dem bis dahin so trüben Winter sogar noch zu einer recht durchschnittlichen Sonnenscheinbilanz verhelfen wird. Zum Start in den meteorologischen Frühling am Donnerstag ziehen dann vor allem hohe Wolkenfelder durch, es bleibt aber trocken. Auch der Freitag wird nach derzeitigem Stand recht freundlich verlaufen.

Der Januar 2018 im Oberwesertal: Hochwasser, Orkan und kaum Frost

Der Januar 2018 geht als außergewöhnlich milder, sehr nasser und extrem sonnenscheinarmer Monat in die Klimastatistik ein. Dazu gab es erneut kaum Schnee,
die Schlagzeilen beherrschten zunächst das Hochwasser und Sturm Burglind zu Monatsbeginn, bevor auf den Tag genau elf Jahre nach Kyrril am 18.01. mit Friederike wieder ein Winterorkan über die Region hinwegfegte.

Die Monatsmitteltemperatur an der DWD-Station in Bevern lag mit 4,5 °C um 3,2 Grad über dem Mittel der Periode 1981-2010. Damit war es in der Zeitreihe Bevern/Holzminden mit Monatswerten ab 1935 zusammen mit 1944 der sechstwärmste Januar, noch milder war es nur in den Jahren 1975, 1983, 1988, 2007 und 2008. Das Maximum der Temperatur wurde am 24. mit 12,4 °C erreicht (zugleich neuer Tagesrekord), insgesamt gab es sechs Tage mit einem Höchstwert von mindestens 10,0 °C, allein fünf davon fielen in die letzte Dekade, die mit einer Mitteltemperatur von 6,0 °C einen neuen Wärmerekord aufstellte. Außergewöhnlich niedrig war die Anzahl der Frosttage mit ganzen fünf an der Zahl, weniger gab es lediglich in den Jahren 1975 und 1988 mit je drei; der Tiefstwert des Monats lag mit -1,8 °C so hoch wie selten zuvor. Besonders auffällig ist die Kältesumme, bei der man zur Beurteilung der Strenge eines Winters alle negativen Tagesmittel ab dem 01.11. addiert: Diese lag auch per 31.01. immer noch bei 0,0 – ein bislang einmaliger Vorgang seit Messbeginn.

Die Niederschlagsmenge betrug in Bevern 108,7 mm und lag damit um 37% über dem langjährigen Mittel. Die starken Regenfälle zu Monatsbeginn sorgten für Hochwasser an der Weser und immer mehr aufgeweichte Böden, die den Baumwurzeln kaum noch Halt geben konnten, was trotz einer längeren trockenen Phase bis Monatsmitte seinen Teil zur Schadensbilanz des Orkans Friederike beitrug.

Eine Schneedecke gab es in Bevern, stellvertretend für vergleichbare Höhenlagen unserer Region, lediglich an zwei Tagen mit vier bzw. zwei Zentimetern am 21. und 22.01., damit war es in den Niederungen der fünfte schneearme Januar in Folge.

Über das weitgehende Verschwinden des Sonnenscheins wurde mittlerweile auch überregional mehrfach berichtet und die extreme Trübnis der vergangenen Monate setzte sich bei uns auch im Januar fort: Mit nur 19,6 Sonnenstunden wurden nicht einmal 44% des Klimamittels der Jahre 1981-2010 erreicht und in Summe brachten es die Monate November 2017 bis Januar 2018 auf gerade einmal 50 Stunden Sonnenschein – dieser Dreimonatszeitraum war damit der sonnenscheinärmste seit Messbeginn. Zum Vergleich: Allein im Januar 2017 schien die Sonne 18 Stunden länger als im zurückliegenden Vierteljahr.

Mit Burglind am 3. und Friederike am 18.01. gab es zwei ausgeprägte Winterstürme, wobei letzterer über der nördlichen Mitte Deutschlands und damit auch in unserer Region volle Orkanstärke selbst in tieferen Lagen erreichte. So meldete der Flugplatz Höxter-Holzminden Spitzengeschwindigkeiten von bis zu 126 km/h, die Station des privaten Wetterdienstes meteogroup in Beverungen-Drenke gar bis 144 km/h. Damit war Friederike bei uns der stärkste Sturm nach Kyrill vor elf Jahren, der allerdings noch deutlich länger gewütet und im Solling rund eine halbe Million Festmeter Holz gefällt hatte. Ganz so verheerend fiel die Bilanz von Friederike nicht aus, aber auch deren Schäden sind nach ersten Schätzungen mit rund 300.000 gefallenen Festmetern immens.

Daten der Station Bevern (Betreiber: DWD, 110 m über NN, ID 2323, Datenbasis: DWD, teilweise bearbeitet, Sonnenscheinwerte interpoliert) – Januar 2018:

Monatsmitteltemperatur: 4,5 °C
(+2,6 K vs. gleitendes 30-Jahres-Mittel, +3,2 K vs. 1981-2010, +4,1 K vs. 1961-1990, +3,7 K vs. Gesamtreihe 1935-2018)
Höchstes Tagesmittel 10,1 °C am 24.01.
Tiefstes Tagesmittel: 0,8 °C am 21.01.
Tmax-Mittel: 6,9 °C
Tmax: 12,4 °C am 24.01.  -neuer Tagesrekord-
Tmin-Mittel: 2,1 °C
Tmin: -1,8°C am 15.01.
Tmin-Mittel 5 cm: 0,5 °C
Tmin 5 cm: -4,7 °C am 15.01.
Frosttage: 5
Eistage: 0
Tage mit Bodenfrost: 15
Kältesumme: 0
Besonderes Vorkommnis: Neue Rekordmitteltemperatur in der 3. Dekade mit 6,0 °C

RR: 108,7 mm (137,3% vom Mittel 1981-2010, 160,8% vom Mittel 1961-1990)
Maximum: 13,9 mm am 03.01.
Tage mit messbarem Niederschlag: 22
Trockene Tage: 9
Schneedeckentage: 2
Max. Gesamtschneehöhe: 4 cm am 21.01.

SSD: 19,6 h (43,8% vom Mittel 1981-2010, 52,9% vom Mittel 1961-1990)
Maximum: 3,5 h am 29.12.

Sonnenscheinreiche Tage: 0
Trübe Tage: 24
Davon ohne Sonnenschein: 14

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Januar 1935-2018 Temp

Der Januar 2018 im Hochsolling: Sehr mild und zwischendurch dicker Schnee

Der zweite meteorologische Wintermonat präsentierte sich im Hochsolling sehr mild und nur nach Monatsmitte für eine Woche hochwinterlich mit Schnee, wobei die Schneefälle am dritten Wochenende die Schneedecke vorübergehend auf imposante 30-40 cm anwachsen ließen. Allerdings waren die Böden zu warm für eine feste Unterlage und massives Tauwetter ließ die weiße Pracht schon nach wenigen Tagen wieder verschwinden. In diese Witterungsphase fiel der Orkan Friederike, der im Solling erhebliche Schäden in den Wäldern verursachte.

Die Mitteltemperatur betrug 2,4 °C und lag 3,1 Grad über dem Mittel der Klimaperiode 1981-2010. Damit war es der fünftwärmste Januar der Solling-Klimareihe ab 1937. Es wurden 13 Frosttage und ein Eistag mit minimalem Dauerfrost gezählt, der Frost lag ausschließlich im leichten Bereich mit einem Monatsminimum von ungewöhnlich „warmen“ –3,0 °C.

An 26 Niederschlagstagen fielen insgesamt 150,8 mm und damit 35,4% mehr als im langjährigen Mittel. An sieben Tagen gab es eine morgendliche Schneedecke.

Die Sonnenscheindauer lag mit ca. 19 Stunden bei nur rund 45% des langjährigen Durchschnittswerts von rund 42 Stunden. Der Januar war damit der fünfte deutlich zu trübe Monat in Folge.

Der Monat brachte zwei ausgeprägte Winterstürme am 3. (Burglind) und 18. (Friederike), letzterer fegte vereinzelt mit voller Orkanstärke über den Solling hinweg und verursachte massive Schäden in den Wäldern – die größten seit Kyrill genau elf Jahre zuvor.

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Mehr Bilder vom Schneewochenende 20./21.01.2018 gibt es in der Galerie:
Samstag
Sonntag

Januar 2018 an der Station Holzminden-Silberborn (428 m ü. NN):

Monatsmitteltemperatur: 2,4 °C
Maximummittel: 4,2 °C
Minimummittel: 0,5 °C
Maximum: 8,8 °C am 24.01.2018
Niedrigstes Maximum: -0,1 °C am 21.01.2018
Minimum: -3,0 °C am 14.01.2018
Höchstes Minimum: 4,4 °C am 25.01.2018
Höchstes Tagesmittel: 7,1 °C am 24.01.2018
Niedrigstes Tagesmittel: -1,6 °C am 14.01.2018
Frosttage: 13
Eistage: 1
Kältesumme: 5,0

Niederschlagssumme: 150,8 mm
Höchste Tagessumme*: 20,7 mm am 03.01.2018
*(06:50 Uhr bis 06:50 Uhr MEZ Folgetag)
Tage mit messbarem Niederschlag: 26
Tage ohne Niederschlag: 5
Schneedeckentage: 7

Mittlere relative Luftfeuchte: 95,0%
Mittlerer Luftdruck (reduziert auf Meereshöhe): 1.012,4 hPa
Maximum: 1.031,7 hPa am 27.01.2018
Minimum:     984,6 hPa am 03.01.2018

Berechnete Sonnenscheindauer: ca. 19 Stunden

Maximale Windböe*: 113,3 km/h am 18.01.2018
* berechnet auf 10 m über Grund am Stationsstandort, vereinzelte höhere Böen im Solling sind sehr wahrscheinlich

Orkan Friederike tobte mit über 100 km/h durch die Region

Auf den Tag genau elf Jahre nach Orkan Kyrill erlebte die Region ein außergewöhnlich kräftiges Sturmereignis. Kurz nach zwölf Uhr mittags erreichten die ersten schweren Sturmböen den Landkreis und steigerten sich über die Mittagszeit bis zu orkanartigen, vereinzelt wohl auch vollen Orkanböen. Diverse Straßen mussten wegen umgestürzter Bäume gesperrt werden, an der Holzmindener Bleiche hinterließ ein herabstürzender dicker Ast von einer der am Straßenrand stehenden Kastanien Totalschaden an einem fahrenden PKW, ließ den Fahrer aber zum Glück unverletzt. Morgen fällt im gesamten Landkreis der Unterricht an den allgemein- und berufsbildenden Schulen aus. Mehr dazu in der Online-Berichterstattung des  Täglichen Anzeigers TAH.

Die Spitzenböen der umliegenden Wetterstationen am 18.01.2017:

Beverungen-Drenke (meteogroup, 242 m) 144 km/h
Hofgeismar (meteogroup, 256 m): 126 km/h
Göttingen (DWD, 167 m): 111 km/h
Warburg (DWD, 236 m): 108 km/h
Northeim-Stöckheim (DWD, 109 m): 105 km/h
Höxter (meteogroup, 90 m): 104 km/h
Hameln (DWD, 68 m): 100 km/h
Lügde-Paenbruch (DWD, 258 m): 96 km/h
Alfeld (DWD, 144 m): 95 km/h

An der Station Alfeld wurde damit ein neuer Rekordwert aufgestellt, allerdings mit geringer Aussagekraft, da diese Station erst im Dezember 2007 in Betrieb genommen wurde. An den Umgebungsstationen mit längerer Messreihe wie Hameln (seit 1976) und Göttingen (Winddaten digital vorliegend seit 1969, die Station ist noch deutlich älter) ist es immerhin das sechsstärkste Sturmereignis. Spitzenreiter ist dort nicht Kyrill (dessen Zerstörungskraft in erster Linie in seiner langen Dauer bestand), sondern die Orkanserie vom Winter 1990: In Hameln erreichte „Vivian“ am 26.02.1990 bis 152 km/h, in Göttingen „Daria“ gut einen Monat zuvor am 25.01.1990 bis 124 km/h, wobei in Göttingen die Stationsverlegung im Jahr 1993 aus der Stadt nach Geismar aufs freie Feld zu einer Inhomogenität der Messreihe führte, so dass die Werte aus den Jahren davor nur bedingt zum Vergleich taugen.

Für die Stadt Holzminden, die selbst ja nicht über einen Windmesser eines Wetterdienstes verfügt, macht man sicher nichts falsch, wenn man für heute einen Spitzenwert annimmt wie er in Höxter gemessen wurde (104 km/h).
In höheren und freieren Lagen dürften über 110 km/h erreicht worden sein, genauer lässt sich dies leider nicht feststellen. Die deutschlandweit zu den höchsten Tageswerten zählende Messung aus Beverungen-Drenke dürfte der sehr exponierten Lage dieser Station geschuldet sein.

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In unserer Region dürften damit überwiegend orkanartige Böen (Beaufort 11, 102-117 km/h) aufgetreten sein, vereinzelte Orkanböen (Beaufort 12, mindestens 118 km/h) sind nicht  auszuschließen.

Insgesamt ist das Ereignis vor Ort von der Stärke her nach den vorliegenden Daten mit Orkan „Niklas“ vergleichbar, der am 31.03.2015 unter anderem das Dach des Holzmindener Hallenbades abgedeckt hatte. Ansonsten war es das stärkste Sturmereignis seit Kyrill am 18.01.2007. Das Warnmanagement des DWD funktionierte sehr gut, zwar wurde der Beginn potenzieller Orkanböen mit 10:00 Uhr recht früh angesetzt (die ursprüngliche Warnung des Vorabends lag mit 12:00 Uhr noch besser), aber besser so als anders herum  – und die zunächst bis 22:00 andauerende Warnung vor Orkan konnte dann am frühen Abend herabgestuft werden. Nach 16:00 Uhr ließ der Sturm spür- und messbar nach und Friederike tobte sich dann vor allem in Sachsen-Anhalt aus, wo auf dem Brocken (1.134 m) mit 203 km/h der deutschlandweite Spitzenwert des Tages gemessen wurde, aber auch im Tiefland volle Orkanstärke herrschte, so am Flughafen Leipzig/Halle (131 m) mit 129 km/h oder am höher gelegenen Flugplatz Erfurt-Weimar auf 316 m mit 130 km/h.

 

Rückblick auf das Jahr 2017 an der Wetterstation Silberborn

Seit der zweiten Novemberwoche 2016 werden in Silberborn im Herzen des Hochsollings wieder regelmäßige meteorologische Messungen durchgeführt. Von Juli 1983 bis September 2008 wurde im Auftrag der Stadt Holzminden und des DWD an der Sollinger Landstraße/Anemonenweg auf 440 m eine als Kurklimastation klassifizierte Wetterstation betrieben, zuvor ab 1975 an zwei Standorten in Neuhaus.

Die Geschichte der Solling-Klimareihe geht aber noch viel weiter zurück: Von 1937-1966 existierte eine Klimastation an der Revierförsterei in Torfhaus auf 491 m über NN, deren Daten mittlerweile auch digitalisiert vorliegen. In Schießhaus gab es sogar bereits ab Juni 1878 eine Niederschlagsstation, an der bis Ende 1975, also fast 100 Jahre gemessen wurde.

Mit der Inbetriebnahme einer privaten Wetterstation im November 2016 wird nach etwas über achtjähriger Unterbrechung die mittlerweile fast 140 Jahre alte Solling-Klimareihe fortgeschrieben und nach eingehender Prüfung der Messungen des ersten Jahres ist erfreulicherweise ein homogener Anschluss an die bestehende Reihe (bezogen auf den letzten Standort von 1983-2008 in Silberborn) gelungen.

Hochwinterlich ging es in das Jahr 2017. Der Januar brachte Frost, Schnee und viel Sonne. Am Morgen des 2.1. hatte sich die erste Schneedecke des Winters ausgebildet, sie sollte bis Mitte Februar insgesamt 47 Tage am Stück durchhalten. Die zwischenzeitliche maximale Höhe lag bei 35 cm. Milder und am Ende stürmisch verlief der Februar, der März startete zwar noch einmal mit Schnee, entwickelte sich dann aber zu einem ungewöhnlich warmen Monat. Nach einem ebenfalls noch recht warmen Start brachte der April kräftige Kälterückfälle und auch der Mai begann kühl und ungemütlich, bevor der Frühling und die Natur ab dem 10.05. endlich durchstarten konnten. Nicht einmal drei Wochen später wurde es bereits hochsommerlich warm: Am 29.05. wurde die 30-Grad-Marke nur knapp verfehlt und mit 29,6 °C der zweitwärmste Maitag in der Geschichte gemessen.

Der Juni war ebenfalls sehr warm und zunehmend gewittrig, der Hochsommermonat Juli brachte zunächst weitere Starkregenfälle und mit Tief Alfred sogar noch eine Dauerregenlage ungekannten Ausmaßes: Am 24. und 25.07. fielen rund 145 mm Niederschlag innerhalb von 48 Stunden. Regenreich und ab September auffallend sonnenscheinarm ging es durch Spätsommer und Herbst bis in den Frühwinter, dabei war der September recht kühl, Oktober und Dezember hingegen deutlich milder als im langjährigen Durchschnitt. Dennoch brachte der Dezember auch winterliche Phasen mit Frost und insgesamt 16 Schneedeckentagen.

Die Jahresmitteltemperatur lag mit 8,2 °C um 0,8 Grad über dem Mittel der Jahre 1981-2010. Kältester Tag war der 6. Januar mir einem Tagesmittel von -11,1 °C, einem Tiefstwert von -14,8 °C und einem Höchstwert von -7,3 °C, am wärmsten wurde es am 22. Juni mit einem Tagesmaximum von 30,6 °C – zugleich der einzige heiße Tag des Jahres. Kältester Monat war der Januar, sowohl bei der Monatsmitteltemperatur (-2,6 °C) als auch bei der Abweichung vom 30-Jahres-Mittel (-1,9 °C). Wärmster Monat war der Juli mit 16,1 °C, während der März die höchste positive Abweichung zum Klimamittel aufwies (+3,2 K).

Die Niederschlagsbilanz fällt zweigeteilt aus: War es bis Mitte Juni wie im Jahr 2016 meist zu trocken, gab es nachfolgend häufig und reichlich Niederschläge und einen der nassesten Sommer seit Aufzeichnungsbeginn. Die Jahressumme lag mit 1150,9 mm um 2,8% über dem 30-Jahres-Mittel. In Erinnerung bleibt vor allem der Dauerregen am 24.+25.07. mit über 145 mm in 48 Stunden.

Den vielen Tiefdrucklagen entsprechend gab es auf der anderen Seite einen deutliches Defizit beim Sonnenschein: Mit geschätzten 1304 Sonnenstunden wurde das Klimamittel der jüngeren Vergangenheit um rund 10% verfehlt. Sonnenscheinreichster Monat war der Mai mit fast 200 Stunden, am trübsten war es im Dezember, in dem nicht einmal ein Drittel des ohnehin schon sehr niedrigen Klimawerts von 31 Stunden erreicht wurde.

Das Jahr 2017 an der Station Holzminden-Silberborn (428 m über NN):

Mitteltemperatur: 8,2 °C (+0,8 K gegenüber dem Mittel 1981-2010)
Maximummittel: 11,7 °C
Minimummittel: 4,8 °C
Maximum: 30,6 °C am 22.06.2017
Niedrigstes Maximum: -7,3 °C am 06.01.2017
Minimum: -14,8 °C am 06.01.2017
Höchstes Minimum: 15,9 °C am 03.08.2017
Höchstes Tagesmittel: 21,2 °C am 22.06.2017
Niedrigstes Tagesmittel: -11,1 °C am 06.01.2017
Eistage: 21
Frosttage: 87

Niederschlagssumme: 1.150,9 mm (102,8% vom Mittel 1981-2010)
Höchste Tagessumme: 75,0 mm am 24.07.2017
Tage mit messbarem Niederschlag: 212
Tage mit registriertem, aber nicht messbarem Niederschlag: 10
Tage ohne Niederschlag: 143
Schneedeckentage: 64
Max. Gesamtschneehöhe: 35 cm vom 15. bis 18.01.

Luftdruck reduziert auf Meereshöhe:
Maximum: 1043,0 hPa am 06.01.2017
Minimum:   977,2 hPa am 10.12.2017

Sonnenscheindauer: ca. 1.304 Stunden (90,2% vom Mittel 1981-2010)

Maximale Windböe: 95,6 km/h am 23.02.2017

Der Dezember 2017 im Hochsolling: Kaum Sonne und zeitweise winterlich

Der erste meteorologische Wintermonat begann im Hochsolling standesgemäß mit Schneefällen und der ersten Schneedecke der Saison. Unter vorwiegendem Tiefdruckeinfluss wechselten sich kältere Luftmassen mit Schneefällen und Tauwetter mit Regen in der ersten Monatshälfte ab. Am 13.12. wuchs die Schneedecke vorübergehend auf 15 cm an, bevor eine deutliche Milderung in der Weihnachtswoche für ein komplettes Abtauen sorgte. Silvester wurde es sogar fast zehn Grad warm. Die Sonne versteckte sich wie schon in den Vormonaten meist hinter den dichten Wolken und schien kaum zehn Stunden lang – weniger als ein Drittel des langjährigen Mittelwerts. Mit 97,5 mm Niederschlag war es etwas trockener als im Durchschnitt, während bei den Temperaturen eine positive Abweichung zu verzeichnen war.

Die Mitteltemperatur betrug 1,8 °C und lag damit 1,6 Grad über dem Mittel der Klimaperiode 1981-2010. Der wärmste Tag war der 31. mit einem Höchstwert von 9,9 und einem Mittelwert von 8,6 Grad. Es wurden 17 Frosttage und ein Eistag mit Dauerfrost gezählt, der Frost lag ausschließlich im leichten Bereich mit einem Monatsminimum von –3,5 °C.

An 27 Niederschlagstagen fielen insgesamt 97,5 mm und damit 15,5% weniger als im langjährigen Mittel. An 16 Tagen gab es eine morgendliche Schneedecke mit einer maximalen Höhe von 15 cm.

Die Sonnenscheindauer lag mit ca. 10 Stunden bei nur rund 32% des langjährigen Durchschnittswerts von rund 31 Stunden. Der Dezember war damit der vierte deutlich zu trübe Monat in Folge.

Der Wind frischte zeitweise böig auf, die stärksten Böen erreichten am 11.12. auf zehn Metern Höhe berechnet knapp 79 km/h. Unter stationärem Hochdruckeinfluss war es am 20. und 21.12. überwiegend windstill.

Dezember 2017 an der Station Holzminden-Silberborn (428 m ü. NN):

Monatsmitteltemperatur: 1,8 °C
Maximummittel: 3,4 °C
Minimummittel: 0,3 °C
Maximum: 9,9 °C am 31.12.2017
Niedrigstes Maximum: -0,7 °C am 09.12.2017
Minimum: -3,5 °C am 10.12.2017
Höchstes Minimum: 6,6 °C am 31.12.2017
Höchstes Tagesmittel: 8,6 °C am 31.12.2017
Niedrigstes Tagesmittel: -1,6 °C am 10.12.2017
Frosttage: 17

Eistage: 1
Kältesumme: 6,5

Niederschlagssumme: 97,5 mm
Höchste Tagessumme*: 9,0 mm am 03.12.2017
*(06:50 Uhr bis 06:50 Uhr MEZ Folgetag)
Tage mit messbarem Niederschlag: 27
Tage ohne Niederschlag: 4
Schneedeckentage: 16

Mittlere relative Luftfeuchte: 95,6%

Mittlerer Luftdruck (reduziert auf Meereshöhe): 1.012,6 hPa
Maximum: 1.034,8 hPa am 22.12.2017
Minimum:     977,2 hPa am 10.12.2017

Berechnete Sonnenscheindauer: ca. 10 Stunden

 Maximale Windböe*: 78,6 km/h am 11.12.2017
* berechnet auf 10 m über Grund

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Der Dezember 2017 im Wesertal: Mild, sehr trüb und ein paar Stunden Schnee

Konnte man zu Monatsbeginn noch auf einen recht winterlichen Witterungsverlauf spekulieren, als sich zunächst eine Troglage mit nasskaltem Charakter festzusetzen schien, die zwischenzeitliche Schneefälle bis ins Tiefland brachte, dominierte ab der zweiten Dezemberwoche eine überwiegend milde Westlage, die noch einmal am zweiten Adventswochenende durch eine vorübergehende Drehung der Strömung auf Nord bis Nordwest unterbrochen wurde und in der sich am Nachmittag des 2. Adventssonntags sogar eine recht stattliche Schneedecke bis zu 10 cm binnen kurzer Zeit bilden konnte. Doch so schnell der Schnee kam, so schnell verschwand er auch wieder – schon im Laufe der Nacht war es wieder weitgehend grün bzw. braun im Wesertal. Somit blieb es bei nur einem offiziellen Schneedeckentag am Morgen des 3. Dezember an der DWD-Station in Bevern (nach den verbindlichen Regeln ist allein die Messhöhe um 05:50 Uhr UTC = 06:50 Uhr MEZ ausschlaggebend).

Richtung Weihnachten etablierte sich dann eine südwestliche bis südliche Anströmung und brachte das Eintreffen des Witterungsregelfalls „Weihnachtstauwetter“, der eine statistisch gehäuft auftretende milde Wetterlage zwischen dem 21. und 26. Dezember beschreibt. Nach kurzer Abkühlung „zwischen den Jahren“ sorgte ein erneuter Schwall sehr milder Luft sogar neue Tagesrekorde am letzten Tag des Jahres: Silvester 2017: Die Tagesrekorde fielen…

Unterm Strich bilanziert der Dezember 2017 deutlicher milder und markant trüber als im langjährigen Mittel, während die Niederschlagssumme trotz des Weserhochwassers und der durchweichten Böden sogar leicht unterhalb des Klimamittels blieb. Mit einer Mitteltemperatur von 4,2 °C wurde der 30-Jahres-Durchschnittswert von 1981-2010 um 2,1 Grad übertroffen, innerhalb der Messreihe Bevern/Holzminden ab 1934 war es nur dreizehn Mal noch wärmer. Auffällig war wie schon in den Herbstmonaten die geringe Anzahl der Frosttage, von denen ganze vier registriert wurden, wobei das absolute Minimum des Monats nicht nachts oder morgens, sondern während der Schneefälle am Nachmittag des 2. Advents gemessen wurde und bei gerade einmal -1,3 °C lag. Ein noch höheres Monatsminimum gab es in der Messreihe (Tageswerte liegen ab 1951 vor) bisher nur in den Jahren 2006 (-1,0 °C) und 2015 (-1,1 °C), die Anzahl der Frosttage lag nur 2006 (3) sowie 2011 und 1974 (2) noch niedriger.

Die Niederschlagssumme blieb mit 74,0 mm um 9,5 mm oder 11,4% unter dem 30-Jahres-Mittel der Periode 1981-2010, nachdem die vorausgegangenen beiden Dezember mit jeweils nur um 30 mm signifikant trocken ausgefallen waren. Genau anders herum sieht es bei der Anzahl der Sonnenstunden aus: Gab es 2015 und 2016 davon vergleichsweise viel (wobei man angesichts des niedrigen Klimawerts von nur knapp 34 Stunden den Begriff „viel“ besser in Anführungszeichen setzt) mit jeweils rund 40% „Überschuss“, arbeitete der Dezember 2017 lange an einem Trübnisrekord, bevor sich am 29.12. dann 3,5 Sonnenstunden zu uns verirrten (zugleich die höchste Tagessumme des Monats) und die Bilanz noch auf elf Stunden (32,5% vom Mittel 1981-2010) aufhübschten, so dass der sonnenscheinärmste Dezember weiterhin mit nur rund acht Stunden aus dem Jahr 1993 datiert. Platz zwei der Trübnishitliste ist dem Dezember 2017 aber damit seit mindestens 1974 sicher, für die Jahre davor sind noch weitere Datenprüfungen erforderlich.

Daten der Station Bevern (Betreiber: DWD, 110 m über NN, ID 2323, Datenbasis: DWD, teilweise bearbeitet, Sonnenscheinwerte interpoliert) – Dezember 2017:

Monatsmitteltemperatur: 4,2 °C
(+1,6 K vs. gleitendes 30-Jahres-Mittel, +2,1 K vs. 1981-2010, +2,4 K vs. 1961-1990, +2,2 K vs. Gesamtreihe 1934-2017)
Höchstes Tagesmittel 10,9 °C am 31.12.  -neuer Tagesrekord-
Tiefstes Tagesmittel: 0,7 °C am 03.12.
Tmax-Mittel: 6,2 °C
Tmax: 12,9 °C am 31.12.  -neuer Tagesrekord-
Tmin-Mittel: 2,2 °C
Tmin: -1,3°C am 10.12.
Tmin-Mittel 5 cm: 1,1 °C
Tmin 5 cm: -2,8 °C am 15.12.
Frosttage: 4
Eistage: 0
Tage mit Bodenfrost: 10
Kältesumme: 0

RR: 74,0 mm (88,6% vom Mittel 1981-2010, 92,6% vom Mittel 1961-1990)
Maximum: 9,9 mm am 13.12.
Tage mit messbarem Niederschlag: 24
Niederschlagsform (Tage), beobachtet in Holzminden: Flüssig 14, flüssig und fest 9, fest 1
Trockene Tage: 7
Schneedeckentage: 1
Max. Gesamtschneehöhe: 3 cm

SSD: 11,0 h (32,5% vom Mittel 1981-2010)
Maximum: 3,5 h am 29.12.

Heitere Tage: 0
Trübe Tage: 27
Davon ohne Sonnenschein: 18

TT_201712RR+SSD_201712Dezember 1934-2017 TempDezember 1934-2017 RRDezember 1951-2017 Schneedeckentage

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War bis Dreikönigstag ein wenig Winter…

… folgt vielleicht auch noch etwas mehr dahinter.
Schließlich dauert der meteorologische Winter noch volle zwei Monate und auch der März kann sich durchaus noch von seiner winterlichen Seite zeigen.

Wie sieht es konkret aus derzeit? Gab es seit über drei Wochen kaum Hinweise auf einen winterlichen Witterungsabschnitt bis in tiefe Lagen in den Wettermodellen, stellt sich die Lage am Neujahrsmorgen nun etwas vielfältiger dar. Bis voraussichtlich Samstag, dem Dreikönigstag, dominiert weiterhin eine wolkenreiche, nasse und zeitweise windige Westlage mit für die Jahreszeit überdurchschnittlichen Temperaturen. Die Tageshöchstwerte liegen zwischen sechs und acht Grad, die Nächte bleiben auch weiterhin frostfrei. Ab Sonntag laufen die Prognosen dann weit auseinander, wobei derzeit einiges dafür spricht, dass die Westlage zumindest vorübergehend zum Erliegen kommt, was jahreszeitbedingt mit einem Temperaturrückgang verbunden ist.
Wie stark dieser ausfällt, ist derzeit nicht vorherzusagen.

Während zum Beispiel das Modell des amerikanischen Wetterdienstes bei uns nur eine kurze mäßig kalte Phase von Sonntag bis Montag berechnet, zeigt der Hauptlauf des europäischen Modells EZMW, IFS, in seinem aktuellen Lauf sogar eine mehrtägige Dauerfrostphase, beginnend am Sonntag. Dann wäre sogar die Ausbildung einer Schneedecke in den Niederungen möglich, da zuvor am Rand einer Luftmassengrenze ein recht ergiebiges Niederschlagsband gezeigt wird.

Allerdings bildet diese Lösung in der Gesamtschau der Modelle einschließlich ihrer Ensemblerechnungen derzeit eine Außenseiterrolle, innerhalb des EZMW-Ensembles tragen derzeit bei der Clusterung rund 20 von 50 Membern die Variante der beiden ungestörten Läufe (Haupt- und Kontrolllauf) bei der Entwicklung der Großwetterlage mit, die anderen globalen Modelle sehen ebenso wie das amerikanische Modell die Tiefdruckverlagerung auf anderen Zugbahnen als das IFS. Es bleibt also nur das Abwarten weiterer Modellläufe, um die Entwicklung ab dem Wochenende einschätzen zu können.
Bis dahin macht der Winter 2017/18 im Oberwesertal erst einmal so weiter, wie er auch im Dezember meist aufrat: mild, regnerisch und sonnenscheinarm. Auch im Hochsolling ist bis zum Wochenende kein Schnee zu erwarten.