Trockener Dezember, trockenes Jahr 2016

Mit einer ungewöhnlichen Hochdruckdominanz im Dezember ging das Wetterjahr in der Weser-Solling-Region zu Ende. Dabei verlief die erste Dekade (siehe Beitrag vom 12.12.2016) kalt und frostig, die zweite dann mild und nach einem etwas kälteren Start in die Weihnachtswoche gab es die wärmsten Tage des Monats zu den Feiertagen, bevor sich am Jahresende wieder eine frostige Phase einstellte. Unterm Strich lag die Monatsmitteltemperatur mit 2,6 °C an der DWD-Station in Bevern genau im Mittel der vergangenen 30 Jahre, während es gegenüber den Klimaperioden mit 0,8 K (1961-1990) und 0,5 K (1981-2010) leicht positive Abweichungen gab. Im Vorjahr hatte sich der erste meteorologische Wintermonat mit einem Mittel von 7,8 °C noch mit deutlichem Vorsprung an die Spitze der wärmsten Dezembermonate katapultiert, den letzten sehr kalten Dezember gab es 2010 und im abgelaufenen Jahr nun also einen bei den Temperaturen völlig unauffälligen Vertreter.

Ungewöhnlich war dagegen die auch im letzten Monat des Jahres sehr geringe Niederschlagssumme. Mit gerade einmal 28,3 mm wurde an der Beveraner DWD-Station lediglich gut ein Drittel der langjährigen Werte registriert, damit blieben acht Monate im Jahr 2016 unter der Klimanorm, sieben sogar deutlich und in der Jahresbilanz steht mit nur 633,9 mm der niedrigste Wert seit 2003. Gegenüber den langjährigen Mittelwerten summierte sich das Defizit auf 20,3% (1961-1990) und sogar 24,5% im Vergleich zur Periode 1981-2010. Zudem gehen die Jahre 2007-2016 als niederschlagsärmster Zehnjahreszeitraum in die seit 1934 bestehende lokale Messreihe ein.

Die spärlichen Niederschläge fielen nicht nur in Bevern auf 110 m, sondern auch im Hochsolling ausschließlich als Regen, so dass der Dezember wie schon 2015 in der gesamten Region ohne Schneefall blieb.

Trotz eines eher kühlen letzten Quartals reichte es erneut für eine Jahresmitteltemperatur im zweistelligen Bereich, nach 10,9 °C im Rekordjahr 2014 und 10,4 °C im Jahr 2015 waren es 2016 in Bevern 10,2 °C, was gleichbedeutend mit dem wärmsten Dreijahreszeitraum seit Aufzeichnungsbeginn 1934 ist. Wärmster Monat war der Juli mit 19,2 °C, die höchste positive Abweichung vom langjährigen Mittel erzielte aber der September, der mit 17,4 °C seinen Rekord von 2006 nur um 0,1 K verfehlte und ein fast durchgängig hochsommerliches Temperaturniveau bescherte.

Dank eines Schlussspurts mit einer wolkenlosen Phase vom 29. Dezember bis zum frühen Nachmittag des Silverstertages übertraf der Dezember sein bescheidenes Sonnenscheinmittel noch deutlich – zumindest in Prozent, während sich die Bilanz in Stunden weniger imposant liest: 46,5 Sonnenstunden stehen in der Monatsbilanz, die langjährigen Mittelwerte liegen bei knapp 31 Stunden (1961-1990) bzw. knapp 34 Stunden (1981-2010). Damit geht das Jahr mit  2016 1.512 Stunden als recht sonnenscheinreich in die Klimareihe ein. Die Mittelwerte sind bei diesem Parameter nur Schätzwerte und liegen bei ca. 1.377 (1961-1990) und 1.452 Stunden (1981-2010). 2015 hatte die Sonne noch rund 20 Stunden länger geschienen. Sonnenscheinreichster Monat war 2016 der Mai mit etwas über 216 Stunden hauchdünn vor dem August (215 Stunden), bezogen auf die Klimawerte und die astronomisch mögliche Sonnenscheindauer ragte aber der September mit fast 199 Stunden heraus.

An unserer neuen privaten Wetterstation in Silberborn auf 428 m ging der erste vollständig erfasste Monat Dezember 2016 mit dieser Bilanz zu Ende: Die Monatsmitteltemperatur betrug 1,2 °C, dies entspricht einer Abweichung von +0,6 K gegenüber dem dort in den Jahren der Kurklimastation von 1983-2008 gemessenen 25-Jahres-Mittel. Am wärmsten war es auch hier am zweiten Weihnachtstag mit 8,2 °C, während der Nikolaustag der kälteste Tag des Monats mit einem Maximum von -2,6 °C und einem Minimum von -8,7 °C war. Schnee suchte man wie bereits erwähnt bis in die höchsten Lagen des Sollings vergeblich, der Niederschlag blieb mit 42,0 mm auch in Silberborn deutlich unter den langjährigen Mittelwerten. Der durchschnittliche Dezemberniederschlag betrug zwischen 1983 und 2007 112,9 mm und wurde bei der Wiederaufnahme der Messungen um fast 63% verfehlt.

Das Jahr 2016 in Bildern:

 

 

Kalte erste Dezemberdekade

Auch wenn aktuell wieder deutlich mildere Meeresluft die Wetterregie übernommen hat: Die erste Dezemberdekade war kalt. An der Beveraner DWD-Station betrug die mittlere Tagestemperatur in den ersten zehn Tagen des Monats +0,2 °C, das ist immerhin eine Abweichung von -2,3 K gegenüber dem langjährigen Dekadenmittel der Periode 1961-1990 und sogar von -2,7 K gegenüber dem Dekadenmittel von 1981-2010. In fünf aufeinanderfolgenden Nächten zwischen dem 3. und 7. herrschte mäßiger Frost zwischen -4,5 °C und -8,6 °C; am Boden wurden bis zu -10 °C gemessen. Am 3., 4. und 6. gab es ganztägigen Frost und damit die ersten drei offiziellen Eistage des Winterhalbjahres. Am 5. und 6. verzauberte eine Reiflandschaft die Region, am Sonntag noch teils eingehüllt in dichten Nebel im Wesertal, am Montag dann bei strahlend blauem Himmel.

Ähnlich temperiert verlief die erste Monatsdekade in Silberborn an unserer neuen privaten Wetterstation. Das mittlere Tagesmittel lag dort bei -0,2 °C, was allerdings anders als in den Niederungen dem dortigen klimatologischen Mittelwert der Jahre 1961-1990 deutlich näher kommt. Zwar haben wir für diesen Ort kein langjähriges Dekadenmittel und selbst das 30-Jahres-Monatsmittel der Jahre 1961-1990 von -0,1 °C wurde ja nicht komplett vor Ort gemessen (die Station am Standort Silberborn existierte von 1983-2008, zuvor wurde von 1975 an in Neuhaus gemessen), sondern vom DWD errechnet, aber näherungsweise kann man davon ausgehen, dass das mittlere Dekadenmittel in Silberborn für 1961-1990 bei etwa +0,5 °C liegt und damit um rund 0,7 K unterschritten wurde. Das Dekadenmittel der Periode 1981-2010 liegt bei rund 1,0 °C und wurde also um ca. 1,2 K verfehlt.

Niederschlag fiel zwar seit Samstag recht anhaltend, wenn auch meist nur leicht, zuvor allerdings war es überwiegend trocken, so dass die ersten zehn Tage in Bevern nur 8,5 mm Regen brachten und damit erst gut 10% des langjährigen Monatsmittels. Und derzeit sieht es nicht so aus, als sollte nach Abzug der momentanen Regenwolken noch viel hinzukommen, es kündigt sich ab Wochenmitte nach aktuellem Stand eine längere Hochdruckphase an.

Die Sonne schien in den Niederungen in den ersten zehn Tagen rund 20 Stunden – was sich wenig anhört, sind zu dieser Jahreszeit und in unserer ja ohnehin nicht von üppigem Sonnenschein geprägten Region allerdings schon zwei Drittel der mittleren Monatssumme.

November 2016: Zeitweise frühwinterlich

Anders als im Vorjahr, als im deutschen Gebietsmittel ein neuer Temperaturrekord aufgestellt und das lokale Allzeithoch nur knapp verpasst wurde, präsentierte sich der November 2016 abwechslungsreicher mit zwei frühwinterlichen Abschnitten und unterm Strich nicht nur deutlich kälter als sein Vorgänger, sondern auch ein Stück unterhalb der klimatologischen Mittelwerte. Kälter war es im November zuletzt vor 18 Jahren im Jahr 1998.

Mit einer Mitteltemperatur von 4,2 °C schloss der Monat an der DWD-Station in Bevern um 0,7 Kelvin unter dem 30-Jahres-Mittel der Periode 1961-1990 ab und die jüngeren Vergleichszeiträume wurden um 1,1 K (1981-2010) bzw. 1,4 K (1991-2015) verfehlt. Nach dem Oktober war es somit der zweite Monat mit einer negativen Abweichung in Folge – zuletzt war dies im September und Oktober 2015 der Fall gewesen, also auch im Vorjahr in zwei meteorologischen Herbstmonaten. Dass der Herbst insgesamt dennoch wärmer gegenüber den Klimamittelwerten bilanziert, liegt am sehr warmen September mit seinem deutlichen Temperaturüberschuss von 3,6 K gegenüber der Periode 1961-1990. Die Mitteltemperatur der Monate September bis November betrug 10,2 °C und lag damit exakt auf dem Niveau des Vorjahres, was einer Abweichung von 0,8 K gegenüber 1961-1990 und 0,5 K gegenüber 1981-2010 entstpricht.

Mit 48,4 mm fielen nur rund 2/3 der langjährigen Niederschlagsmenge in Bevern und Holzminden, im Solling gab es zu Beginn der zweiten Novemberwoche den ersten Schnee und zumindest ein paar Reste konnten sich bis zum 14. des Monats noch halten. Die Sonne zeigte sich zwar nur gelegentlich am Himmel, in einem klimatologisch trüben Monat wie dem November reichen aber schon die in diesem Jahr registrierten 49 Stunden, um die langjährigen Mittelwerte leicht zu überschreiten. Der Herbst fiel – auch hier in erster Linie wegen des sommerlichen Septembers – mit rund 298 Stunden etwa 23 Stunden oder 8,5% sonniger aus als im Mittel, während der gemessene Niederschlag mit 166,5 mm die Klimawerte um knapp 10% (1961-1990) bzw. sogar 20% (1981-1990) verfehlte.

Neben etwas Schnee im Solling gab es in der gesamten Region für einen November recht viele Frosttage – in Bevern zwölf, in Holzminden elf zum Beispiel – und in der Kreisstadt wurde am 29. sogar ein Eistag (ganztägiger Frost) registriert.

Der unwahrscheinlichere Fall tritt ein…

Vor gut einer Woche stand als Fazit des Ausblicks für die erste Adventswoche hier zu lesen, dass eine leichte positive Abweichung der Novembermitteltemperatur wahrscheinlicher sei als eine negative. Mit jedem Tag hat sich seither ein Stückchen mehr gezeigt, dass diese Prognose nicht zu halten sein wird, und schon ab Wochenmitte sprach dann sehr viel für eine negative Abweichung. Seit gestern steht nun unverrückbar fest: Der November 2016 bleibt an der DWD-Station Bevern  unter der langjährigen Mitteltemperatur (1961-1990) von 4,9 °C und wird damit als zweiter Monat in Folge „zu kalt“, wie es nach wie vor häufig und unglücklich formuliert wird. „Unter den klimatologischen Mittelwerten“ trifft es besser, da damit anders als mit der Bewertung „zu kalt“ (das trifft natürlich ebenso auf „zu warm“, „zu nass“ etc. zu) die Bezugsgröße nicht zu einem „Sollwert“ erklärt wird, dessen Über- oder Unterschreiten (das ja der Regelfall ist, denn wann wird ein Mittelwert schon einmal genau getroffen) in den Verdacht gerückt wird, etwas „Unnormales“ darzustellen.

Wie auch immer: Viele der vergangenen sieben Tage entwickelten sich weniger warm bzw. kälter als zunächst gedacht. Die sehr milde Luft zu Wochenbeginn konnte sich nicht voll bis in die tiefsten Schichten durchsetzen. Zwar waren die gemessenen Höchstwerte von Sonntag bis Dienstag mit bis zu 13,9 °C für die Jahreszeit ungewöhnlich hoch und auch die Nächte blieben mild, aber statt der ansivisierten knapp 15 Grad am Dienstag wurden es nur 12,5 Grad, während weiter nördlich zum Beispiel um Hannover herum verbreitet über 14 Grad gemessen wurden. Noch deutlicher zeigt der Mittwoch, dass eine Flusstallage im Herbst anfällig für bodennahe Inversionsschichten ist: Bevern erreichte nur noch ein Maximum von 10,9 °C, während an unserer neuen, 318 Meter höher gelegenen Station in Silberborn 13,6 °C erreicht wurden. Die dortigen Messwerte sind übrigens, wie Vergleichsmessungen mit einem Hochpräzisionsthermometer am Freitag zeigten, zum Glück von sehr guter Qualität.

Ein Lehrbeispiel für die deutlichen Unterschiede unseres lokalen Klimas zwischen (Hoch)Solling und Oberwesertal präsentierte dann der gestrige Samstag: Während Holzminden ganztägig unter einer weißlichgrauen Hochnebeldecke lag, zeigte sich in den Sollingortschaften neben einigen Schleierwolken blauer Himmel mit Sonnenschein. Dazwischen lag auf rund 250 m Höhe am Nordwestrand des Sollings teils dichter Bodennebel:

Diese Wetterlage führte mit der vorausgegangenen, zunächst noch klaren Nacht mit leichtem Frost dazu, dass die Tageswerte in den Niederungen kaum über den Gefrierpunkt anstiegen und sowohl in Bevern als auch in Holzminden (dort zum ersten Mal in diesem Herbst) ein negatives Tagesmittel gemessen wurde. Damit blieb dieser erste Adventssonnabend bei den Höchstwerten rund sieben Grad kälter als vor einer Woche angenommen.

Auch wenn diese bodennahe Kaltluftschicht nun aktuell von einer sog. „maskierten Kaltfront“ (kältere Luft fließt dabei in höheren Schichten ein, die an das frontale Geschehen gekoppelte auflebende vertikale Durchmischung der Luftmassen führt aber am Boden zu einem Temperaturanstieg und beseitigt damit die Inversion) ausgeräumt wurde, wird die Monatsmitteltemperatur in den letzten drei Tagen von Montag bis Mittwoch noch ein Stück zurück gehen: Zu Wochenbeginn erwarten uns bei wieder zunehmendem Hochdruck mit Wolkenauflösung kalte Nächte mit Frost, der vor allem in der Nacht zum Dienstag und am Dienstagmorgen auch mäßig ausfallen kann. Somit dürfte der Monat November am Ende eine Mitteltemperatur von 4,4 bis 4,5 °C erreichen und ähnlich wie der Oktober eine Abweichung von ca. -0,4 Kelvin vom langjährigen Mittel aufweisen.

Erst im Laufe des Mittwochs soll uns dann die nächste Front aus Westen mit Wolken, etwas Regen und einem Temperaturanstieg erreichen. Bis dahin dürfen wir uns wohl zumindest auf zwei sonnige Tage am Montag und Dienstag freuen – der Freitag hat ja schon mal vorgemacht, wie das aussieht. Und dann sollte auch im Wesertal Nebel hoffentlich kein Thema sein, da von Osten her trockene Luftmassen einfließen sollen – zumindest, wenn sich das Wetter an die Vorhersagen hält.

Milder Start in erste Adventswoche

Nachdem es an diesem Wochenende vorübergehend wieder etwas kälter geworden ist, stößt im Laufe des  Sonntags sehr milde Luft aus Süden bis in unsere Breiten vor. Zwar ist noch nicht ganz sicher, wie weit diese nach Norden vorankommen wird, aber für unsere Region sind zumindest in den tieferen Lagen in der ersten Wochenhälfte dann wieder zweistellige Höchstwerte zu erwarten; am Dienstag könnte es nach aktuellem Stand sogar in Richtung 15-Grad-Marke gehen.

Der Temperaturanstieg erfolgt in der zweiten Tageshälfte des Sonntags und geht mit kräftig auflebendem Südwind einher, bei dem am Nachmittag und Abend auch stürmische Böen zu erwarten sind. Bis einschließlich Mittwoch verbleiben wir dann auf einem für die Jahreszeit hohen Temperaturniveau, bevor dann schrittweise zumindest wieder etwas kühler wird, zunächst mit Drehung des Windes auf eher östliche Richtungen in den bodennahen Schichten, nachfolgend vermutlich auch in der mittleren und höheren Troposphäre. Zum Auftakt des Holzmindener Weihnachtsmarktes am Donnerstag werden derzeit Tageswerte um 9 °C erwartet, gegen Abend 6-7 Grad, so dass die Besucher auf Glühweinwetter noch etwas warten müssen werden.

Von einem weiteren frühwinterlichen Witterungsabschnitt wie in der vorvergangenen Woche ist aber auch mittelfristig noch nicht auszugehen, vielmehr sieht es derzeit in Richtung erstes Adventswochenende noch nach leicht überdurchschnittlich temperiertem Spätherbstwetter aus. Ob der Winter dann zum oder nach Monatswechsel tatsächlich auf leisen oder wie auch immer beschaffenen Sohlen daherkommt, muss abgewartet werden. Momentan ist zwar von einer weiterhin gestörten Westwindzirkulation auszugehen, was das Vordringen kalter Luftmassen bis in unsere Breiten grundsätzlich begünstigt, allerdings bedeutet dies nicht gleich automatisch Winterwetter bei uns. In den heutigen Berechnungen der führenden Mittelfristmodelle EZMWF und GFS läge zum Monatsende erst einmal ein recht großes Hochdruckgebiet über Mitteleuropa und würde unserer Region je nach genauer Position Tageswerte zwischen etwa 4 und 7 Grad (im Hochsolling etwas darunter) sowie Nachtwerte um den Gefrierpunkt bringen.

Die Niederschlagssignale in den Modellen sind im gesamten mittelfristigen Zeitraum derzeit nur sehr gering. Am morgigen Sonntag könnte es um die Mittagsstunden herum etwas regnen, viel wird es aber nicht sein, danach gibt es erst wieder ab Freitag einige (ebenfalls sehr schwache) Hinweise auf Regen. Nach derzeitigem Stand würde der November damit die langjährigen Mittelwerte trotz der kräftigen Regenfälle der letzten Tage verfehlen. Bei der Mitteltemperatur sieht es derzeit so aus, als würde diese am Ende nahe dem Klimamittel der Periode 1961-1990 von 4,9 °C  liegen, wobei aktuell ein leichtes Überschreiten wahrscheinlicher erscheint als ein Unterschreiten.

Holzminden-Silberborn misst wieder…

Nach über acht Jahren werden in der zur Stadt Holzminden gehörenden Sollingortschaft Silberborn wieder meteorologische Messungen durchgeführt. Nachdem der DWD den Betrieb der damaligen „Kurklimastation“ mit Ablauf des 30.09.2008 nach über 25 Jahren am Standort Sollinger Landstraße/Anemonenweg (auf 440 m ü. NN) eingestellt hatte, entstand leider eine bis in diese Woche reichende schmerzliche Messlücke. Diese wird im Nachhinein zwar nicht mehr zu schließen sein, da die speziellen mikroklimatischen Verhältnisse im Hochsolling keine Stopfung mittels Rastermittelwerten zulassen und auch eine Interpolation aus Daten umliegender Stationen sehr fehleranfällig wäre und zudem immensen Arbeitsaufwand erfordern würde, aber ein Anfang zum Neuanfang konnte nun in diesen Tagen endlich in Angriff genommen werden.

Leider blieben Anregungen an den Deutschen Wetterdienst, die Fortschreibung dieser Klimareihe mittels der erprobten AMDA-III-Technik, wie sie sich heute an den fast vollautomatisch arbeitenden Nebenamtstationen wie zum Beispiel in Bevern (seit 01.07.2006 als Nachfolgestation von Holzminden nach zuvor fast 15jähriger Unterbrechung!) im Einsatz befinden, ohne Erfolg, so dass letztlich nur privates und ehrenamtliches Engagement in Frage kam. Dieses unterstützt der DWD aber nun immerhin mit einem Standard-Niederschlagsmesser nach Hellmann, wie er auch aktuell noch an den konventionellen Niederschlagsstationen im Bundesgebiet, von denen es noch mehrere Hundert gibt, verwendet wird. Konventionelle Niederschlagsmessung bedeutet, dass das Auffanggefäß jeden Morgen, idealerweise zum offiziellen Messtermin um 05:50 Uhr UTC (entspricht 06:50 Uhr MEZ bzw. 07:50 Uhr MESZ) vollständig in einen Messzylinder entleert und die in den vergangenen 24 Stunden gefallene Regenmenge auf Augenhöhe in Millimetern mit einer Nachkommastelle abgelesen wird. An den automatisierten Stationen erledigt dies ein mit elektronischer Technik ausgestatteter Niederschlagsmesser namens Pluvio-Ott.

Der vom DWD zur Verfügung gestellte konventionelle „Hellmann“, benannt nach seinem Erfinder, dem preußischen Meteorologen Gustav Hellmann, der dieses Instrument um 1886 entwickelt hat, (zum Weiterlesen: Wikipedia) ist eines von zwei Geräten dieser Art, die seit dem 08.11.2016 in Silberborn zum Einsatz kommen. Mit dem zweiten Niederschlagsmesser wird bei Schneefällen die lückenlose und korrekte Messung sichergestellt: Zum Ablesetermin am Morgen nimmt der Beobachter den kompletten Behälter aus der Halterung, setzt den zweiten Behälter ein und bringt den anderen zum Tauen des Schnees ins Innere, verschließt dabei das Auffanggefäß mit einem Deckel oder ähnlichem, um ein Verdunsten zu Verhindern. Aus diesem Grund soll das Gerät auch nicht an die Heizung gestellt werden, ein kühlerer Hausflur reicht völlig aus. Erst nachdem der komplette Schnee getaut und in flüssiger Form in die Sammelkanne gelaufen ist, erfolgt dann die Ablesung. Den zweiten Hellmann hat uns freundlicherweise ein engagierter und seit vielen Jahren selbst mit einer professionellen Wetterstation in Bocholt aktiver Hobbymeteorologe zur Verfügung gestellt, für dessen Unterstützung ich mich auch hier bedanken möchte.

Für die in Silberborn sehr wichtige Aufgabe der Messungen von Hand, zu denen auch die Schneehöhenmessungen zählen, hat sich für die Anfangsphase der amtierende Ortsbürgermeister gern zur Verfügung gestellt, dessen Engagement in dieser Sache es überhaupt erst zu verdanken ist, dass in dieser Woche sehr zügig der Aufbau einer neuen Wetterstation begonnen werden konnte. Am Mittwoch gab auch das Grünamt der Stadt Holzminden das Okay für die Nutzung des in kommunalem Eigentum stehenden großzügigen Grundstücks „Am Kurpark“ neben dem Dorfgemeinschaftshaus, so dass wir am Donnerstag eine Station des Herstellers Davis, Typ Vantage Pro 2 aktiv plus, auf dem unteren Teil des Rasens auf 428 m Höhe über NN aufstellen und in Betrieb nehmen konnten. Hiermit werden die Lufttemperatur in 2 m Höhe (strahlungsgeschützt und aktiv belüftet), Luftfeuchte, Sonnenstrahlungsenergie und Windrichtung und -geschwindigkeit sowie auch die Niederschlagsmenge mittels Kippwaagenprinzip gemessen und per Funksignal an einen im Gebäude befindlichen Empfänger gesendet.

Dabei ist zu beachten, dass es sich erst um einen Anfang handelt, bei dem einige Dinge noch provisorisch laufen und nach und nach ergänzt und verbessert werden sollen. So ist die Messhöhe von etwas über 2 m über Grund nicht hoch genug, um die Windgeschwindigkeit korrekt zu ermitteln, hier wird sich hoffentlich im Laufe der Zeit eine Möglichkeit finden, den Windmesser höher zu positionieren. Inwieweit die Messungen der Strahlungsenergie ausreichen, um daraus die Sonnenscheindauer ableiten zu können, bleibt abzuwarten, aufgrund des Baumbewuchses in der Umgebung wird aber auch hierfür wohl ein anderer, höherer Messplatz erforderlich sein. Nach der Kalibrierung des Temperatursensors und der Auswertung der ersten Messungen ist zudem noch die Einrichtung eines Bodenmessfeldes für die Ermittlung der Temperatur in 5 cm Höhe geplant. Die automatische Niederschlagsmessung kann aufgrund der fehlenden Beheizung (Schnee taut dann im Winter nur verzögert und bei längeren Frostphasen über Tage hinweg nicht), der geringeren Auflösung von 0,2 mm und der nach persönlicher Erfahrung zu hohen Fehleranfälligkeit die konventionelle Messung durch einen Beobachter nicht ersetzen, aber doch immerhin bei flüssigen Niederschlägen helfen, Messausfälle zu vermeiden.

Für die Umsetzung dieser Ziele wie auch die mittelfristig angedachte Verwendung einer Strahlungsschutz-Temperaturhütte des Typs LAM630 des Herstellers Eigenbrodt, wie sie der DWD verwendet, braucht das Projekt aber auf jeden Fall Unterstützer und Sponsoren, ebenso wie für die Beobachtungstätigkeiten (Niederschlags- und Schneehöhenmessungen) noch freiwillige, engagierte und zuverlässige Helfer gesucht werden.

Die aktuell vorrangig zu bearbeitende Baustelle ist aber der bisher fehlende Internetanschluss im Gebäude des Dorfgemeinschaftshauses, in dem sich auch ein stundenweise besetztes Büro der Tourist-Information der Stadt Holzminden befindet. Derzeit müssen die gespeicherten Messwerte regelmäßig vor Ort mittels Laptop ausgelesen und weiterverarbeitet werden. Wir hoffen, hier zeitnah die technische Verbesserung erreichen zu können und dann nicht nur aus der Ferne auf den Speicher zugreifen, sondern auch eine Internetpräsenz erstellen zu können, auf der die direkt von der Station gemeldeten Daten dargestellt werden.

Erste Messwerte haben wir auch schon: Am Dienstagmorgen lagen im Bereich des Stationsfeldes 2 cm, an anderen Stellen des Ortes auch 3 cm Schnee. Das Temperaturmaximum lag am gestrigen Freitag mit 0,8 °C nur wenig über dem Gefrierpunkt und in der vergangenen Nacht gab es mit einem Tiefstwert von -4,9 °C mäßigen Frost. Auch für diese Höhenlage sind das nicht alljährlich auftretende frühzeitige winterliche Werte.

Über den Fortgang des Projektes wird in diesem Blog auf jeden Fall berichtet.

Der erste Schnee ist gefallen

Nicht so früh wie im vergangenen Jahr, aber doch sehr zeitig zeigten sich die ersten festen Niederschläge des Winterhalbjahres in der vergangenen Nacht und am heutigen Dienstagmorgen. Auch wenn es sich in der Niederungen nur um eine vorübergehende leichte Anzuckerung handelte, gab es etwas weiter oben doch schon messbare Schneedecken und ein frühwinterliches Landschaftsbild. Die DWD-Niederschlagsstation in Ottenstein auf 295 m Höhe meldete am Morgen 3 cm, und auch im Solling war es zumindest stellenweise weiß: In Silberborn lagen verbreitet 2-3 cm, Richtung Torfhaus stellenweise auch noch etwas mehr.

In den höheren Lagen unserer Region gab es auch den ersten leichten Frost, während es im Wesertal bisher weder für Luft- noch für Bodenfrost gereicht hat in diesem Herbst. Nur einmal hat es seit 1951 in der Messreihe der Stationen Holzminden und Bevern einen noch späteren ersten Bodenfrost gegeben: 1958 dauerte es sogar bis zum 30. November, bis 5 cm über dem Erdboden der erste Messwert mit negativem Vorzeichen registriert wurde. So lange wird man in diesem Jahr aller Voraussicht nach nicht warten müssen, denn in den kommenden beiden Nächten dürfte es zumindest für leichten Frost am Boden reichen und auch auf 2 m Höhe könnte der Gefrierpunkt erstmals seit dem 29. April wieder unterschritten werden. Den letzten Bodenfrost in diesem Jahr gab es übrigens am 5. Mai.

Und wie geht es weiter? Erst einmal verbleiben wir auf einem für die Jahreszeit unterkühlten Temperaturniveau mit Tageswerten nur zwischen 2 und 4 Grad (in den höheren Lagen kaum über dem Gefrierpunkt) und recht verbreitet leichtem nächtlichen Frost. In der kommenden Woche sieht es dann nach einer Milderung aus Westen aus.

 

Bilder vom Dienstagmorgen aus Silberborn im Solling, wo sich der frisch gefallene dünne Schnee, der Nebel und die noch belaubten Bäume zu ganz besonderen herbstlich-frühwinterlichen Motiven vereinigten:

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Ein erster Besuch des Winters?

Wie schon im Beitrag vom Mittwoch erwähnt, steht in der neuen Woche voraussichtlich ein erster winterlicher Witterungsabschnitt bevor. Die Fragezeichen sind mittlerweile zumindest in Sachen Temperatur kleiner geworden. Da uns nun ab Montagabend zudem ein Niederschlagsgebiet überqueren soll,  ist auf jeden Fall Vorsicht im Straßenverkehr geboten.

Vor allem in der Nacht zum Dienstag und am Dienstagmorgen könnte die Schneefallgrenze nach aktuellem Stand bis in tiefste Lagen absinken. Ob dies bereits zur vorübergehenden Ausbildung einer Schneedecke auch im Oberwesertal reicht (und dies dann auch Eingang in die lokale Messreihe findet, für die der Klimamesstermin um 06:50 Uhr MEZ maßgeblich ist), bleibt abzuwarten, hierzu wären aufgrund der noch recht warmen Böden kräftigere Niederschläge in fester Form nötig. Anders sieht es natürlich in den höheren Lagen des Sollings aus, hier dürfte es zumindest für ein paar Stunden „weiß“ werden, vielleicht aber auch schon etwas länger, denn die Temperaturen würden nach dem momentanen Stand dort ab Dienstag auch tagsüber im Bereich um den Gefrierpunkt verharren, während es in den tieferen Lagen bei Tageswerten von 3-5 Grad eher nasskalt werden dürfte, in Schauern auch darunter.

Ob es aber gleich so dicke kommt, wie es das amerikanische GFS-Modell heute Morgen berechnet, bleibt freilich abzuwarten und erscheint derzeit doch eher zweifelhaft: Dort wird für die Nächte zum Mittwoch und Donnerstag sogar mäßiger (am Donnerstag vereinzelt sogar strenger) Frost angezeigt, während es das deutsche ICON-Modell bei leichtem Frost belässt. Auszuschließen ist die GFS-Variante zwar nicht, aber dazu müssten dann mehrere Faktoren zusammenkommen: Die Ausbildung einer Schneedecke plus längeres nächtliches Aufklaren sowie Windstille oder nur sehr schwacher Wind.

Die Modellrechnungen für die Minima in 2 m Höhe bis Mittwochmorgen:

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Quelle: http://www.wetter3.de

Ob es dann für solche Bilder reicht, wissen wir in zwei Tagen:

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Wie lange dieser Witterungsabschnitt anhalten wird, ist unklar. Aktuell sieht es nach Wochenmitte nach einer leichten, aber nicht durchgreifenden Milderung aus. Zumindest im Solling bliebe es dann erst einmal tendenziell frühwinterlich.
Auf die Modelluntersicherheit sei hier zumindest der guten Form halber noch einmal ausdrücklich hingewiesen.