Auch im Hochsolling ein fast schneeloser Hochwintermonat

Rückblick auf den Januar 2020 an der MeteoGroup Unwetterreferenzstation Silberborn

Mit 2,5 °C lag die Monatsmitteltemperatur im Januar um 3,2 K über dem Mittel der Jahre 1981-2010, das neue Klimamittel der Jahre 1991-2020 von -0,2 °C  wurde um 2,7 K übertroffen. Am wärmsten war es am Monatsletzten mit einem Maximum von 10,3 °C und einem Tagesmittel von 8,5 °C. An 14 Tagen gab es Frost, das tiefste Minimum lag mit -4,5 °C am 21. Januar ungewöhnlich hoch. Die Inversionslage in der letzten Dekade bescherte dem Hochsolling immerhin zwei Eistage am 24. und 25.01., die Kältesumme blieb mit 7,6 K für einen Standort auf dieser Höhe außergewöhnlich niedrig.

Die Niederschlagsmenge erreichte mit 62,8 mm nur 59% vom Mittel der Jahre 1981-2010. Die höchste Tagessumme fiel am 27.01. mit 11,9 mm. An zwölf Tagen blieb es trocken.

Rekordverdächtig ist die Schneebilanz: Zum offiziellen Termin am Morgen um 06:50 Uhr MEZ gab es auf Stationshöhe von knapp 430 m keinen Schneedeckentag im Januar, lediglich nachts um zwei notierte Beobachter Wolfgang Peter am 19. Januar eine geschlossene Decke von gut 2 cm nach einem Schauer, die aber rasch wieder abtaute. Dies dürfte ein Novum in der Geschichte der Wetteraufzeichnungen im Solling seit 1937 sein, allenfalls der Januar 1975 kommt noch als nahezu schneefrei in Frage, genau ermitteln lässt sich dies wegen unvollständiger Daten leider nicht mehr.

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Als Wintermonat ein Totalausfall

Rückblick auf den Januar 2020 an der DWD-Station Bevern

Auch der zweite meteorologische Wintermonat fand nur auf dem Papier statt: Bis auf einige leichte Nachtfröste erinnerte der Januar deutlich mehr an Herbst als an Hochwinter – und ein paar Farbtupfer deuteten sogar bereits in Richtung Vorfrühling. In geschützten Lagen gab es zum Monatsende die ersten frischen Blüten zu entdecken, und wer wusste, wo er suchen musste, fand zart violette Krokusse ebenso wie weiße Schneeglöckchen. Unterdessen warteten die Winterfans in der Region weiterhin vergeblich auf das echte „weiße Gold“. Nüchtern zusammengefasst lautet die Bilanz: Deutlich zu warm, deutlich zu trocken und Durchschnittskost beim Sonnenschein.

Mit einer Mitteltemperatur von 4,35 °C war der Januar 2020 an der DWD-Station in Bevern um 3,05 Grad wärmer als im Mittel der Jahre 1981-2010. Gegenüber dem in diesem Jahr letztmals gültigen WMO-Referenzmittel der Periode 1961-1990, mittlerweile auch gern als „altes Klima“ bezeichnet, betrug die Abweichung sogar +3,9 Grad bzw. Kelvin. Ab 2021 gilt ein neues Referenzmittel, dann werden die Jahre 1991-2020 zum Vergleich herangezogen, was aber nichts mit dem Klimawandel zu tun hat, sondern den turnusgemäßen Wechsel nach 30 Jahren darstellt. Die neuen Werte kann man bereits in diesem Jahr nach und nach ausrechnen, für den Januar ergibt sich ein neues Klimamittel von 1,85 °C für den Standort Bevern, was einer Erwärmung von 1,4 °C in den vergangenen 30 Jahren entspricht. Und selbst dieser Wert wurde vom aktuellen Januar noch um glatt 2,5 Grad übertroffen – auch im Kontext unseres gegenwärtigen Klimas war er also deutlich überdurchschnittlich temperiert. Insgesamt war es der achtwärmste Januar seit Messbeginn in Holzminden im Juni 1934.

Dennoch wird die Frage, ob dieser Januar als direkte Auswirkung des Klimawandels einzustufen ist, kontrovers diskutiert. Der Einwand: Eine Häufung vergleichbarer Großwetterlagen habe auch vor 50 oder 100 Jahren einen ähnlich hohes Temperaturniveau mit sich gebracht. Dieser Feststellung kann zunächst kaum widersprochen werden, die dahinterstehende Frage lautet allerdings: werden durch den Klimawandel einzelne Wetterlagen häufiger und andere seltener? Auswertungen dazu ergeben bisher kein klares Bild.

Der Januar 2020 war jedenfalls geprägt von einem äußerst intakten Kältepol der Nordhemisphäre im Gebiet Ostkanada/Grönland, der für eine rege Tiefdruckproduktion auf dem nördlichen Ostatlantik sorgte. Dabei befand sich die Frontalzone, die kalte Luftmassen im Norden von subtropischen im Süden trennt, oft recht weit nördlich, so dass uns Tiefausläufer meist nur abgeschwächt erreichten oder nördlich vorbeizogen. Vor allem im Süden des Landes war es deshalb oft sonnig, gerade auf den Bergen.  Bei uns wechselten sich meist West- und Südwestlagen ab, die kältesten Phasen brachten Hochdruckbrückenlagen zu Jahresanfang und zu Beginn der dritten Dekade mit Nachtfrösten und mal sonnigen, mal durch Hochnebel trüben Tagen. Durch mangelnde vertikale Durchmischung kühlt die Grundschicht dann aus und die Luftqualität nimmt ab, der Schadstoffgehalt steigt. Mit dem erneuten Durchbruch der atlantischen Frontalzone wurde es zum Monatsende wieder deutlich milder, am 31. gab es sogar neue Tagesrekorde bei den Höchst- und Tagesmittelwerten.

Aufgrund der oft nördlich verlaufenden Zugbahn der Tiefdruckgebiete blieb die Niederschlagsbilanz deutlich hinter den Durchschnittswerten zurück: In Bevern fielen mit 40,8 mm nur gut 50% vom Mittel der Jahre 1981-2010. Damit beläuft sich das Defizit der letzten drei Monate mittlerweile auf rund 70 mm im Wesertal. Da die tieferen Schichten der Böden nach wie vor unterversorgt sind, bleibt die Lage latent kritisch. Wichtig ist der Verlauf der nächsten Monate, wenn der Regenbedarf der Natur wegen des Vegetationsfortschritts ansteigt.

Das, was vom Himmel fiel, war fast ausschließlich flüssiger Natur. Kaum oder gar kein Schnee im Januar – das ist im Wesertal gar nicht mal so selten: Seit 1951 liegen Tageswerte für die Schneehöhe vor und der aktuelle Januar war immerhin der neunte, in dem kein Schnee gemessen werden konnte. Zusammen mit 2018 und 2019 mit jeweils zwei Schneedeckentagen ergibt sich zudem eine sehr niedrige Dreijahresbilanz, davor wurden 2017 immerhin sieben und 2016 sogar elf Tage registriert. Die bisher kargste Phase gab es zwischen 1988 und 1995, als in acht Jahren in Summe nur 13 Tage mit Schnee im Januar in der Klimareihe Holzminden/Bevern auftauchten (Daten wegen der Messlücke ab 1992 aus Boffzen, Stahle, Lüchtringen und Negenborn ergänzt). Auch Mitte der 1970er Jahre gab es mehrere schneearme und -lose Januarmonate.

Bleibt noch der Blick auf den Sonnenschein: Mit gut 42 Stunden schien sie in der Region fast so lange wie im langjährigen Durchschnitt, der sich freilich auf sehr niedrigem Niveau bewegt.  Nur wenige Tage brachten längeren Sonnenschein von mehreren Stunden, diese allerdings boten aufgrund des noch sehr niedrigen Einfallswinkels der Sonnenstrahlen sehr fotogene Licht-Schatten-Spiele.

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Auch im Hochsolling waren nur zwei Jahre noch wärmer

Rückblick auf das Jahr 2019 an der MeteoGroup-Unwetterreferenzstation Holzminden-Silberborn

Ein weiteres sehr mildes bzw. warmes Jahr geht in die Hochsolling-Klimareihe ein. Mit 8,9 °C war es an der Station im Silberborner Kurgarten 0,2 K weniger warm als 2018 und vermutlich auch geringfügig kühler als 2014 – leider liegen aus jenem Jahr aber keine Messungen vor Ort vor. Bis September 2008 hatte der DWD (seit Juli 1983) wenige Schritte vom heutigen Standort entfernt auf 440 m über NN gemessen, von 1937-1966 gab es eine Klimastation in Torfhaus auf 491 m. Die Wiederaufnahme der Messungen in privater Initiative erfolgte im November 2016, so dass es leider zwei längere Lücken bei den Aufzeichnungen gibt: Von 1966-1975 (ab da wurde bis Sommer 1983 in Neuhaus gemessen) und von Herbst 2008 bis Herbst 2016.

Nach dem sehr trockenen Jahr 2018 fiel zwar wieder mehr Niederschlag (1.012,8 mm), doch wurde nicht nur das langjährige Jahresmittel um knapp 10% verfehlt, sondern vor allem der durch das trockene Vorjahr und einen erneut sehr warmen und sonnigen Sommer erhöhte Bedarf der Natur. So ging das Absterben vertrockneter Bäume im Solling weiter, auch weil der Borkenkäfer sich prächtig vermehren konnte.

Schnee gab es hingegen deutlich weniger als in den Jahren zuvor, immerhin reichte es für eine winterliche Phase mit einer allerdings recht dünnen (maximal 8 cm) und auch nicht durchgehenden Schneedecke in den vier Wochen vom 10. Januar bis 7. Februar. Den höchsten Schnee brachte ein kurzer Spätwintereinbruch am 11. März mit 10 cm auf dem Messfeld und noch etwas mehr an den höher gelegenen Ortsrändern, der letzte messbare fiel am 13. April. Späte Fröste gab es bis in den Mai hinein, die Apfelblüte ist in diesem Mikroklima allerdings an solche Kälterückschläge gewöhnt und nahm keinen Schaden.

Rekordwarm wurde dann der Juni, er brachte mit fast 300 Stunden auch den meisten Sonnenschein. Die Jahressumme lag bei ca. 1.700 Stunden und damit knapp 18% über dem langjährigen Durchschnitt. Während der Hitzewelle Ende Juli wurde am 25.07. mit 35,3 °C ein neuer Temperaturrekord aufgestellt, erstmals in der Geschichte der Wetteraufzeichnungen im Hochsolling wurde die Marke von 35 Grad überschritten.

Im Oktober wurde die Station im Status einer Unwetterreferenzstation in das Messnetz der MeteoGroup aufgenommen, seit Ende des Jahres ist der automatische Niederschlagsmesser beheizt und im Dezember wurde ein neuer, fast 10 m hoher Windmast aufgestellt. Durch personelle Engpässe wartet dieser zwar noch auf die Inbetriebnahme, die aber in Kürze realisiert werden soll, so dass dann auch verwertbare Messungen der Windgeschwindigkeit vorgenommen werden können.

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Frisches Grün im Hochmoor Mecklenbruch im Mai:

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Doch der Wald leidet weiter und verstärkt unter Trockenheit (Aufnahme aus dem Sommer):

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Von Orkan Friederike vor fast zwei Jahren freigelegte Fläche:

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Die Wetterstation im Kugarten im Sommer:

Silberborn_Blick nach Osten

… und im Dezember nach den Erweiterungsarbeiten:

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Sehr mild und kaum Schnee

Rückblick auf den Dezember 2019 an der MeteoGroup-Unwetterreferenzstation Holzminden-Silberborn

Lediglich zwei Schneedeckentage brachte der erste meteorologische Wintermonat im Hochsolling. Dazu war es mit einer Mitteltemperatur von 2,9 °C um 2,7 K wärmer als im Mittel 1981-2010. Der Tiefstwert lag bei für diese Stationshöhe bescheidenen -4,2 °C, in der Spitze wurden 12,2 °C gemessen. Die Kältesumme war mit 5,0 K eine der niedrigsten seit Messbeginn.

Mit knapp 90 mm Niederschlag fielen nur rund 77% des langjährigen Mittels, während sich die Sonne mit ca. 54 h deutlich länger zeigte als im Durchschnitt.

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Drittwärmstes Jahr seit Messbeginn

Rückblick auf das Jahr 2019 an der DWD-Station Bevern

„Orkan Friederike, Heißzeit und Dürre lauteten die Schlagzeilen“ – unter dieser Überschrift stand der Rückblick auf das lokale Wetter im Jahr 2018. Ganz so griffig und exponiert lässt sich das Wetterjahr 2019 zwar nicht zusammenfassen, die Ausschläge verliefen weniger extrem und starke Stürme blieben zum Glück ganz aus – dennoch lautet das Fazit auch diesmal: Der Klimawandel macht Mensch und Natur in der Region zunehmend zu schaffen, vor allem durch Hitze im Sommer und längere Trockenperioden bei gleichzeitig höherer Verdunstung. Dabei unterschieden sich vor allem die ersten fünf Monate im Vergleich zum Vorjahr deutlich voneinander, die Jahresniederschlagssumme lag wesentlich höher und die Anzahl der heißen Tage und Sonnenscheinstunden ein ganzes Stück niedriger, und doch lässt sich die Jahresbilanz am besten so zusammenfassen: Sehr warm, sehr sonnig und weiterhin zu trocken.

Ein im Grunde recht unspektakuläres Wetterjahr liegt uns und wurde doch, gerade wegen der Vorgeschichte aus 2018, für mehr und mehr Bäume zur Überlebensfrage. Die gute Nachricht lautet: Ein großer Teil steht noch. Die schlechte: Die Flächen, auf denen nichts mehr oder nur noch Totholz steht, sind größer geworden. Die beängstigende: Vielen geht es nicht gut und es ist nicht mehr nur die Fichte, die sich kaum an die sich rasch verändernden Bedingungen anpassen kann. Auch die Buche, weit verbreitet in den Wäldern der Region und eigentlich ein wichtiges Standbein im Mischwaldkonzept, muss verstärkt kapitulieren. Eine Entwicklung, die selbst Fachleute überrascht und die Wiederaufforstung und die Gestaltung der Wälder der Zukunft zur Herkulesaufgabe macht – mit ungewissem Ausgang. Denn ob wir derzeit nur eine vorübergehend sehr ausgeprägte Warm- und Trockenphase unseres variablen mitteleuropäischen Klimas erleben oder ob die Veränderungen bereits soweit fortgeschritten sind, dass häufige heiße und trockene Sommer nicht mehr nur eine Modellrechnung für das Klima in der zweiten Hälfte des Jahrhunderts sind, sondern bereits die Gegenwart und die nahe Zukunft prägen werden – auf diese Frage hat derzeit niemand eine seriöse Antwort.

Wenden wir uns deshalb nun den feststehenden Fakten und Daten des Wetterjahres 2019 zu: Mit einer Mitteltemperatur von 10,73 °C war es an der DWD-Station in Bevern das drittwärmste seit Messbeginn 1935 hinter 2018 und 2014. Dies gilt auch bundesweit (10,28 °C, flächendeckender Messbeginn 1881). Die Abweichung zum alten 30-Jahres-Klimamittel der Weltmeteorologie-Organisation WMO von 1961-1990 betrug in Bevern knapp 2 Kelvin, gegenüber dem derzeit bei vielen Wetterdiensten gebräuchlichen Durchschnitt der Jahre 1981-2010 war es ein Plus von 1,3 K und im Vergleich zum Mittel seit 1991, das in einem Jahr (komplettiert durch den Jahreswert 2020) das neue WMO-Referenzmittel für die folgenden 30 Jahre bilden wird, war es immer noch 0,9 K wärmer. Damit lag  das sechste Jahr in Folge in Bevern und Orten auf vergleichbarer Höhenlage in der Region über der 10-Grad-Marke, die im Jahr 1994 erstmals überschritten worden war. Was vor 25 Jahren noch ein Novum darstellte, ist heute Normalität geworden.

Schaut man sich den Verlauf des Jahres und einzelne Witterungsphasen etwas genauer an, stößt man trotz ähnlicher Kernaussagen auf deutliche Unterschiede in den Details gegenüber 2018, die sich am stärksten in den ersten fünf Monaten zeigen: War der Januar 2018 noch sehr mild und stürmisch, brachte der 2019er durchschnittliche Temperaturen und eine winterliche Phase mit (Dauer)Frost und Schnee in der letzten Dekade – es sollten in den Niederungen allerdings auch die einzigen Schneedeckentage des Jahres bleiben. Bevern meldete zwei mit jeweils einem Zentimeter Höhe, in Hehlen, Holzminden und Lüchtringen war es sogar nur ein Tag. Etwas länger konnte sich der Schnee im Hochsolling halten, in Silberborn immerhin bis zum Ende der ersten Februarwoche. Doch auch dort blieb der Winter 2019 Stückwerk und musste rasch dem Vorfrühling weichen, der die Temperaturen im Wesertal ab Monatsmitte mehrfach auf über 15 Grad ansteigen ließ, mehrere Tagesrekorde inklusive. Zum Monatsende wurden über 18 Grad gemessen, ein Jahr zuvor hatte es noch einen kräftigen Kaltlufteinbruch gegeben mit Höchstwerten von sechs Grad minus und Treibeis auf der Weser Anfang März. Davon war trotz einer Abkühlung zu Märzbeginn nichts zu sehen, insgesamt war der erste Frühlingsmonat 4,2 K wärmer als sein Vorgänger.

Auch der weitere Verlauf des Frühjahrs stand oft in markantem Gegensatz zum Vorjahr: Hatte es 2018 im April und im Mai neue Monatsrekorde gegeben, präsentierte sich „Wonnemonat“ 2019 kühl und grau und war der einzige Monat des Jahres, der kälter abschloss als im langjährigen Mittel. Doch auch im April hatte der Frühling diesmal mehr zu kämpfen: Zwar sorgte eine sonnige und warme Phase um Ostern nicht nur für den ersten Sommertag des Jahres am 24.04., sondern auch für einen insgesamt warmen April (Monatstemperatur 10,2 °C), dennoch blieb er nicht nur fast 3 Grad hinter dem 2018er zurück, sondern brachte kurz vor Monatsmitte noch mal einen Rückfall in den Spätwinter: Am Morgen des 13. gab es im Solling eine Schneedecke von mehreren Zentimetern und auch die zahlreichen bunten Osterzweige weiter unten trugen vorübergehend ein weißes Mützchen.

Doch letztlich blieben diese nicht unüblichen Kälterückschläge Ereignisse am Rande, die schon bald in Vergessenheit gerieten, denn der Sommer 2019 startete sehr pünktlich und mit Kraft und Ausdauer: Gleich der Auftakt am 1.6. brachte einen Sommertag, dem viele weitere folgten bis hin zur ersten Hitzewelle des Jahres am Monatsende. Da kühle Phasen gar nicht Fuß fassen konnten, übertraf der Juni den bisherigen Rekordhalter aus dem Jahr 2003 um mehr als ein halbes Grad. Dazu brachte er viel Sonne und immerhin halbwegs ausreichend viel Regen, und als die anschließende erste Julihälfte vergleichsweise kühl und trüb ausfiel, deutete noch wenig auf eine sich deutlich verschärfende Dürresituation in den Wäldern hin. Doch es folgte eine ausgesprochen trockene zweite Sommerhälfte mit viel Sonne und Wärme, die zum Monatsende von Juli und August intensive Hitze brachte – inklusive eines neuen Stationsrekords am 25.07. in Bevern (37,2 °C). Zwar lag die Zahl der heißen Tage in Bevern um 15 niedriger als im Vorjahr, die der Sommertage und warmen Tage sogar um je 30, doch man muss berücksichtigen, dass 2018 bei diesen Kenntagen weit in neue Dimensionen vorgestoßen war. Auch 18 heiße Tage, wie wir sie 2019 erlebt haben, liegen (noch) deutlich über dem langjährigen Durchschnitt.

Der Herbst verlief zwar weniger warm und dank eines nassen Oktobers auch ohne weiteres Niederschlagsdefizit, doch waren die trockenen und warmen Wochen im Sommer nach dem Dürrejahr 2018 zu viel für den heimischen Wald.  Bei der Bewertung der Niederschlagsummen im Verhältnis zum Klimamittel muss zudem berücksichtigt werden, dass mehr Wärme und Sonnenschein zu mehr Verdunstung und einem höheren Wasserbedarf führen und die auf den ersten Blick geringen Defizite im Kontext der Witterung der letzten zwei Jahre alles andere als geringfügig sind. In nackten Zahlen ausgedrückt wurden in Bevern 747,7 mm gemessen, was 89,0% des Klimawerts von 1981-2010 entspricht.  Ein Blick auf ganz Deutschland zeigt einen Spitzenwert von 2.559,2 mm auf der Zugspitze und als trockenste Station den Flughafen Erfurt-Weimar mit nur 350,8 mm.

Die Sonne schien in der Region etwas über 1.700 Stunden lang, das sind gut 250 Stunden oder rund 18% mehr als im langjährigen Mittel, aber fast 190 Stunden weniger als im Jahr zuvor. Die bundesweite Spanne lag zwischen 2.123 Stunden in Rheinfelden an der Schweizer Grenze und 1.529 Stunden auf dem Kahlen Asten.

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Ein weiterer sehr milder Dezember ohne Schnee

Rückblick auf den Dezember 2019 an der DWD-Station Bevern

Dass sich der Traum vieler Winterfans von der weißen Weihnacht vor der eigenen Haustür in den Niederungen nur selten erfüllt und die Wahrscheinlichkeit dafür auch in den Zeiten vor der aktuellen Erderwärmung nicht einmal bei 20% lag – darüber ist in den letzten Monaten und auch Jahren regelmeäßig berichtet worden. Dass sich aber der gesamte Dezember seit dem letzten Fest in weiß im Jahr 2010 nahezu durchgehend als Wintermonat abgemeldet hat, das Temperaturniveau oft dem eines Novembers ähnelt und Schnee bis in tiefe Lagen ein Ereignis von wenigen Stunden geworden ist (wenn überhaupt) – diese Entwicklung verläuft in einem bemerkenswerten Tempo und auch der Dezember 2019 reiht sich nahtlos in diese Serie ein. Dazu war er trockener und sonniger als im langjährigen Durchschnitt.

Mit einer Mitteltemperatur von 4,25 °C war der Dezember 2019 an der DWD-Station in Bevern um 2,16 Grad wärmer als im Mittel der Jahre 1981-2010. Selbst gegenüber dem Mittel der letzten 30 Jahre betrug das Plus noch stattliche 1,6 Grad, womit er auch aus Sicht des aktuellen Klimas als sehr milder Monat einzustufen ist. Besonders markant fällt der Temperatursprung des ersten meteorologischen Wintermonats jedoch seit 2011 aus: Der Durchschnittswert der letzten neun Jahre ist auf 4,5 °C hochgeschnellt und liegt nur noch vier Zehntelgrad unter dem Novembermittel der Periode von 1961 bis 1990, so dass der Dezember mittlerweile gern als vierter Herbstmonat bezeichnet wird.  Nun muss man zwar vorsichtig sein, wenn man Phasen von knapp zehn Jahren mit vollwertigen Klimaperioden von 30 Jahren vergleicht, da zufällige Häufungen bei recht kurzen Betrachtungszeiträumen eine nicht zu unterschätzende Rolle spielen können, aber im Kontext der gesamten Erwärmung fällt es schwer, an eine nur vorübergehende und eher zufällige Entwicklung zu glauben.

Von Kritikern und Skeptikern wird in diesem Zusammenhang gerne auf eine Reihe sehr milder Dezember vor gut 100 Jahren verwiesen – und in der Tat findet sich das bis heute wärmste Zehnjahres-Dezembermittel mit etwas über 2,3 °C im deutschen Gebietsmittel in den Jahren 1908-1917 (lokale Daten aus jenen Jahren gibt es leider nicht). Allerdings ist selbst dieser Wert noch über ein Grad niedriger als im laufenden Jahrzehnt (und wird somit im Jahr 2020 sicher abgelöst werden) und vor allem gab es damals keinen anderen Monat mit einer vergleichbaren Häufung positiver Anomalien, geschweige denn ein nachhaltig ansteigendes Jahresmittel, wie wir es seit 1988 beobachten. Im Gegenteil: in diesen Zeitraum fallen gleich drei bis heute rekordkalte Monate: August und September 1912 sowie April 1917. Die milden Dezember jener Jahre waren somit ein vorübergehendes und wohl tatsächlich eher zufälliges Ereignis, während die Lage gut 100 Jahre später eine ganz andere ist: Heute fügen sich die vielen sehr milden Dezember ein in die globale Erwärmung sowie in einen seit Sommer 2013 andauernden, nochmals verstärkten Temperaturanstieg in Mitteleuropa.

All das bedeutet jedoch nicht, dass der Dezember zukünftig immer so oder so ähnlich verläuft wie in den letzten sieben Jahren (2012, so viel Zeit und Platz muss sein, reichte es ja durchaus noch einmal für eine winterliche erste Monatshälfte), dazu ist das mitteleuropäische Klima nach wie vor viel zu variabel. Auch weiße Weihnachten und selbst ein Dezember wie 2010 sind weiterhin möglich, die Wahrscheinlichkeit hierfür nimmt aber weiter ab. Nicht bestätigt hat sich bisher hingegen die Theorie, wonach die Winter im Zuge der globalen Klimaentwicklung in Mitteleuropa wieder kälter werden, weil aufgrund der Erwärmung und der Eisschmelze in der Arktis der die atlantische Tiefdruckentwicklung anfachende Temperaturgegensatz zwischen den polaren Breiten und den Subtropen abnimmt und damit milde Luftmassen vom Atlantik seltener den Weg zu uns finden. Gegenwärtig kann weder eine über die normalen Schwankungen hinausgehende Veränderung der Westwetterlagen (zonale Zirkulation) festgestellt werden noch eine Zunahme kalter Großwetterlagen, im Gegenteil: in den letzten Wintern kam es eher zu vermehrten südlichen Strömungen.

Zu beachten ist zudem, dass selbst ein sehr milder Dezember Frost und Schnee keinesfalls ausschließt, womit wir zurückkehren zum lokalen Wettergeschehen im vergangenen Monat. Der begann nämlich durchaus winterlich mit einem Dauerfrost- bzw. Eistag an der Station des DWD in Bevern. Die Nacht zum Ersten war mit Frost bis -2,9 °C die drittkälteste des Monats und am Morgen hatte sich über dem Wesertal Hochnebel gebildet, der sich den gesamten Tag über hartnäckig halten sollte. In der ausgekühlten Grundschicht verharrte die Temperatur daher unter dem Gefrierpunkt. Bis zum Nikolaustag gab es unter Hochdruckeinfluss regelmäßig leichten Nachtfrost und es blieb trocken, die Sonne gab es allerdings erst am 5.12. zu sehen und bis Monatsmitte nur an zwei weiteren Tagen.

Die Großwetterlage stellte sich ab Nikolaus um auf eine längere, tiefdruckgeprägte Phase mit Wolken, Wind und Niederschlägen, die nur in den hohen Lagen des Kreises vorübergehend auch mal als Schnee oder Schneeregen fielen. Bis Monatsmitte herrschte eine vorwiegend westliche, anschließend bis zu den Feiertagen eine meist südliche Strömung, in der die Nächte durchweg frostfrei blieben und tagsüber oft Höchstwerte um zehn Grad erreicht wurden. Heilig Abend und der erste Feiertag waren mild und verregnet, anschließend brachte eine Front aus Nordwesten kältere Luft mit, die schnell unter Hochruckeinfluss geriet, so dass der Wettercharakter nach Weihnachten ein ganz anderer war: Nun konnte sich die Sonne häufig zeigen, es blieb trocken, nachts wurde es regelmäßig frostig und selbst tagsüber ging es zumindest am 28. und 29. kaum noch über den Gefrierpunkt, bevor an den letzten beiden Tagen des Jahres wieder mildere Luftmassen eingesteuert wurden.

Auch wenn der Monat vielen insgesamt grau und verregnet vorgekommen sein mag, stand am Ende ein deutliches Plus beim Sonnenschein und ein Defizit beim Niederschlag. Bei der Sonnenscheindauer ist zu berücksichtigen, dass das langjährige Mittel nur wenig über 30 Stunden liegt und auch eine große prozentuale Abweichung mehr für die Statistik ist als etwas, das man in dieser Größenordnung tatsächlich wahrnimmt. Konkret heißt das: Die Sonne zeigte sich rund 52 Stunden lang, das sind mehr als 150% des Mittels der Jahre 1981-2010, aber umgerechnet immer noch weniger als zwei Stunden pro Tag. Die reale Verteilung sah natürlich anders aus: Sonne von früh bis spät, zur Zeit der „kürzesten Tage“ reicht das im Wesertal noch für knapp sieben Stunden, gab es nur am 5.12., an vier weiteren Tagen wurde immerhin die Marke von fünf Stunden überschritten, aber 19 Tagen zeigte sich die Sonne weniger als eine Stunde und davon an 15 überhaupt nicht.

Niederschlag fiel mal mehr und mal weniger zwischen dem 6. und 25.12., am meisten vor Monatsmitte und zu Beginn der Feiertage, während die erste und letzte Pentade nahezu trocken blieben. Unterm Strich waren es in Bevern 64,2 mm oder knapp 77% des Mittels der Jahre 1981-2010. Auch an den anderen Messstellen im (Um)Kreis waren es meist etwas unter 80% des Durchschnitts.

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Ein trister Herbstabschluss

Rückblick auf den November 2019 an der DWD-Station Bevern

Dem November eilt ein nur wenig schmeichelhafter Ruf voraus, er steht für graue Tage, wenig Licht und gilt nicht gerade als Stimmungsaufheller in der zunehmend dunklen Jahreszeit. Manchmal tut man dem letzten der drei meteorologischen Herbstmonate damit durchaus Unrecht, denn hin und wieder kann man sich zumindest abschnittsweise an durchaus goldenen Tagen erfreuen, wie es erst im vergangenen Jahr über weite Strecken der ersten Monatshälfte der Fall war. Doch in diesem Jahr entsprach der November geradezu exemplarisch dem Klischee eines freudlosen Gesellen, bei dem sich ein Tag anfühlte wie der andere und man schon ein gutes Timing brauchte, um die wenigen lichten Momente mit etwas Sonnenschein zu erwischen. Vom ohnehin nicht üppigen Mittelwert der Sonnenscheindauer von knapp 45 Stunden erreichte er nur gut drei Viertel, im Schnitt kaum mehr als eine Stunde pro Tag. Dazu fielen trotz regelmäßiger Regenfälle zu Monatsbeginn nur 70% des langjährigen Niederschlags, während die Temperaturbilanz ein leichtes Plus ausweist.

Mit einer Mitteltemperatur von 5,75 °C war der November 2019 an der DWD-Station in Bevern um 0,47 Grad wärmer als im Mittel der Jahre 1981-2010. Gegenüber dem Mittel der letzten 30 Jahre betrug das Plus nur gut ein Zehntel Grad, mit anderen Worten: Der vergangene November entsprach fast genau dem regionalen klimatologischen Durchschnitt seit 1990. Ausreißer nach oben oder unten gab es dabei auch nicht, die erste Nacht war mit -2,4 °C gleich die kälteste und – immerhin das ist dann doch etwas ungewöhnlich – nur einen Tag später wurde mit 15,4 °C der höchste Wert des Monats gemessen. An immerhin sechs Tagen gab es an der Beveraner Station Luftfrost, direkt über dem Erdboden sogar an 14 Tagen, ein wirklich kalter Tag war aber nicht dabei, lag doch der niedrigste Höchstwert immer noch oberhalb der 5-Grad-Marke.

Das Wettergeschehen war fast den gesamten Monat über von Tiefdruckgebieten geprägt. In der ersten Woche nahmen sie von Westen her direkten Kurs auf Mitteleuropa und sorgten für häufige Niederschläge sowie milde Luft. Anschließend zogen sie um Deutschland herum, so dass es trotz tiefen Luftdrucks häufig trocken blieb. Diese niederschlagsarme Phase, überwiegend durch Winde aus südlichen Richtungen geprägt und kurz unterbrochen durch Regenfälle nach Monatsmitte, dauerte bis zum 26.11. an. Anschließend drehte die Strömung zunächst wieder auf West und es wurde noch einmal nass mit recht ergiebigen Regenfällen am 27. und 28., bevor mit einer lebhaften Nordwestwindlage deutlich kältere Luft zum Monatsende herangeführt wurde.  Im Laufe des Freitags (29.) setzte zudem von Westen her deutlicher Druckanstieg ein, der sich am Samstag fortsetzte, so dass sich der November mit einem trockenen Tag und einer frostigen Nacht verabschiedete.

Die Niederschlagssummen an den Stationen im Kreis waren durchweg unterdurchschnittlich. In Bevern kamen 51,6 mm zusammen, das sind fast 22 mm oder knapp 30% weniger als im Mittel der Jahre 1981-2010.

Herbstbilanz

Der meteorologische Herbst 2019 ordnet sich als mild und leicht überdurchschnittlich bei Regen und Sonnenscheindauer in die lokale Klimareihe Bevern/Holzminden ein. Auch wenn spektakuläre Wärmerekorde, wie es sie 2018 an mehreren Tagen gab, diesmal weit entfernt blieben, war es seit Beginn der Messungen 1934 im Schnitt aller drei Monate nur zehnmal noch wärmer. In den letzten drei Jahren hat sich der Herbst auf einem bemerkenswert konstanten Durchschnittsniveau von mal auf- und mal abgerundeten 10,5 °C eingependelt. 2019 waren es 10,49 °C und damit 0,84 °C mehr als im Mittel von 1981-2010. Wie bereits in den letzten Rückblicken ausführlicherer erläutert, schreitet die Erwärmung im Herbst bisher langsamer voran als in den anderen Jahreszeiten. Der letzte Herbst mit (leicht) negativer Abweichung liegt nunmehr aber auch bereits sieben Jahre zurück, der Rekord von 2006 thront allerdings satte 2,3 Grad über dem diesjährigen Wert und wurde bisher nicht annähernd wieder erreicht.

Der nach dem zweiten deutlich zu trockenen Sommer in Folge dringend benötigte Niederschlag fiel nach einem durchschnittlichen September vor allem im sehr nassen Oktober, der das Defizit des Novembers kompensieren konnte und dafür sorgte, dass unterm Strich ein zartes Plus in der Herbstbilanz am Standort Bevern steht. Dort wurden 219,3 mm oder 4,3% mehr als im Schnitt der Jahre 1981-2010 gemessen. Allerdings gilt dies nicht für die gesamte Region: In Silberborn fielen zwar sogar 268,4 mm, doch entspricht dies nur 93% des dortigen höheren Klimamittelwerts. Die Trockenheit in den Wäldern des Sollings ist also erst einmal nur gelindert, aber längst nicht ausgeglichen. Wasser auf Wegen und Feldern zeugt war von einer gut durchnässten oberen Bodenschicht, doch in den tieferen Schichten ist weiterhin noch zu wenig Feuchte vorhanden.

Die Sonne zeigte sich mit rund 280 Stunden etwa fünf Stunden länger als im langjährigen Mittel, der trübe November fiel dabei also nicht so stark ins Gewicht und wurde von den beiden Vormonaten ausgeglichen.

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Einer der wenigen lichten Momente des Monats, aufgenommen am 29.11. am Weserkai in Holzminden:

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Nur fünf Oktober waren noch milder

Rückblick auf den Oktober 2019 an der DWD-Station Bevern

Hand aufs Herz: Hätten Sie vermutet, dass es in der immerhin 85 Jahre langen Geschichte der Wetteraufzeichnungen vor Ort nur fünf Oktober gab, die noch wärmer waren als der diesjährige? Schließlich verlief gleich zu Beginn das Brückenwochenende nach dem Tag der Deutschen Einheit durchaus kühl mit erstem Bodenfrost und zum Monatsende wurden sogar verbreitet die ersten Luftfröste des Herbstes gemessen, während doch der letztjährige Oktober noch eine Reihe von neuen Tagesrekorden mit Werten bis über 27 Grad aufgestellt hatte und gefühlt wie ein Spätsommermonat dahergekommen war. Und dennoch war der zweite meteorologische Herbstmonat 2019 fast ein ganzes Grad wärmer als im Vorjahr. Die Hauptursache dafür lag in vorwiegendem Tiefdruckeinfluss, der neben vielen milden Nächten auch häufige und ergiebige Regenfälle brachte, bevor sich eine ungewöhnlich trockene Phase ab Beginn der dritten Dekade anschloss. Lange Zeit sah es nach einem trüben Monat aus, doch Hoch Oldenburgia sorgte am Ende sogar noch für eine überdurchschnittliche Sonnenscheinbilanz.

Mit einer Mitteltemperatur von 11,63 °C war der Oktober 2019 an der DWD-Station in Bevern um 1,92 Grad wärmer als im Mittel der Jahre 1981-2010. Das scheint auf den ersten Blick in Zeiten eines sich zuletzt offenbar beschleunigenden Klimawandels und der damit einhergehenden Erwärmung nicht besonders viel zu sein, doch die Ausführungen im letzten Rückblick über die bisher vergleichsweise schwache Erwärmung des Septembers gelten noch mehr für den Oktober: Dieser hat sich im Vergleich der WMO-Referenzperiode der Jahre 1961-1990 mit dem Mittelwert von 1991-2018 lediglich um 0,3 Grad erwärmt und damit so wenig wie kein anderer Monat. Auch das ist ein Grund dafür, warum sich in der lokalen Messreihe ab 1934 nur ganze fünf Oktober finden, in denen es noch wärmer war: 2001, 2006, 1995, 2014 und 2017 – somit stammen die sechs wärmsten Oktober alle aus den letzten 25 Jahren und drei davon aus den letzten sechs Jahren.

Ein Streifzug durch den Monat

Trüb, sehr nass mit über 20 mm Regen an der Station in Bevern und dennoch warm mit fast 19 Grad Höchsttemperatur verlief der Einstand des Oktobers. Anschließend wurde es nach und nach kühler, meist war es unter Tiefdruckeinfluss grau und es regnete, mal weniger und mal deutlich mehr. Bis auf ein kurzes Zwischenhoch am 7., das auch den ersten Bodenfrost brachte, hielt diese Witterung bis zum Ende der ersten Dekade an. Anschließend blieb es einige Tage nahezu trocken und die Temperaturen stiegen deutlich auf spätsommerliche Werte an – fast hätte es sogar noch einmal für einen Sommertag in Bevern gereicht.

Einen Leckerbissen für Wetterfans gab es zwei Tage später: Noch lag die Warmluft über uns und brachte noch einmal über 23 Grad in den Niederungen sowie viel Sonne tagsüber. Auch wenn die Temperaturrekorde des Vorjahres ein ganzes Stück höher liegen: 22-24 Grad sind zumindest gegenwärtig zur Oktobermitte weiterhin als ungewöhnlich warm einzustufen. Und diese Wärme wurde in den späten Abendstunden mit Pauken und Trompeten, sprich: Blitz und Donner sowie jeder Menge Regen verabschiedet. Die Kehrseite: In mehreren Orten des Kreises mussten die Einsatzkräfte wegen umgestürzter Bäume und Überschwemmungen ausrücken. Soweit bekannt, blieb es glücklicherweise bei meist leichten Sachschäden. Die Gewitterschauer des Abends und der Regen der Nacht summierten sich auf weitere 22-34 mm in der Region, womit die durchschnittlichen Monatswerte bereits nach 15 Tagen deutlich übertroffen wurden.

Etwas weniger warm, aber immer noch sehr mild verliefen die nachfolgenden zehn Tage. Dabei fiel bis zum 20. weiterer Regen, anschließend blieb es aber bis zum Ende des Monats fast komplett trocken. In Bevern wurden ab Beginn der dritten Dekade noch ganze 0,9 mm gemessen – nur dreimal seit 1934 war es noch weniger. Der insgesamt sehr nasse Monat bestand also zu einem Drittel aus einer außergewöhnlich trockenen Phase – auch daran zeigt sich wieder, dass man nicht allein auf die Monatswerte schauen, sondern auch die einzelnen Tage und Witterungsphasen betrachten muss.

Eine Umstellung auf eine Hochdrucklage mit nordöstlichen Winden sorgte in den letzten Tagen für einen deutlichen Temperaturrückgang und die bis dahin weitgehend vermisste klassische Oktoberstimmung mit Nebel im Flusstal in den Morgen- und Vormittagsstunden. Sonne von früh bis spät für alle nach einer frostigen Nacht brachte schließlich der Feiertag am Reformationstag, entgegen der jahreszeitlichen Entwicklung fiel damit der sonnigste Tag des Monats auf den 31.10., bevor sich pünktlich zum Novemberbeginn wieder Tiefdruck mit Wolken und steigenden Temperaturen durchsetzen konnte.

Dank der sonnigen Phase am Monatsende lag der Oktober in den Niederungen um gut fünf Stunden über seinem Sonnenscheinmittel von 96 Stunden. Beim Niederschlag ging die Entspannung trotz des trockenen letzten Drittels weiter: Mit 97,2 mm wurde der Durchschnittswert der Jahre 1981-2010 in Bevern um fast 50% übertroffen. Auch die anderen Stationen der Region meldeten erfreulich hohe Regenmengen: Lüchtringen 98,1 mm, Holzminden (privat) 99,0 mm, Hellental 108,8 mm, Amelith 109,4 mm, Vorwohle 110,1 mm, Hehlen 119,6 mm und Ottenstein sogar 141,3 mm.  Die Feuchte im Oberboden hat sich nach vier Wochen mit reichlich Niederschlag ab der letzten Septemberwoche normalisiert und auch in den tieferen Bodenschichten hat die Trockenheit deutlich abgenommen. Ob es sich dabei um eine nachhaltige Entspannung handelt, lässt sich aus heutiger Sicht allerdings nicht abschätzen, darüber entscheidet der Witterungsverlauf in den kommenden Monaten.

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