Die zwei Gesichter eines Übergangsmonats

Rückblick auf den März 2019 an der DWD-Station Bevern und der privaten Station in Silberborn

Der erste meteorologische Frühlingsmonat brachte nach dem sehr trockenen und sonnigen Februar deutlich mehr Abwechslung in der Wetterküche. In der ersten Monatshälfte dominierten Tiefs vom Atlantik mit mehreren Stürmen, viel Regen und so wenig Sonne wie noch nie seit Messbeginn. Deutlich ruhiger verlief die zweite Hälfte, in der sich wieder vermehrt Hochdruckeinfluss durchsetzen konnte. Regen fiel kaum noch, dafür zeigte sich die Sonne häufiger und brachte die ersten beiden warmen Tage mit Höchstwerten von über 20 Grad. Unterm Strich war es in der Region deutlich milder als im langjährigen Mittel bei unterdurchschnittlicher Sonnenscheindauer. Beim Niederschlag ergab sich kein klares Bild: mehrere Stationen meldeten eine positive Abweichung, in Silberborn hingegen fehlten mehrere Liter im Vergleich zum Klimamittel.

Mit einer Mitteltemperatur von 7,2 °C war es an der DWD-Station in Bevern im März 2019 um 2,3 Grad wärmer als im Durchschnitt der Jahre 1981-2010. Nur sechsmal war es seit Beginn der lokalen Messungen im Jahr 1935 in einem März noch wärmer. Erst zehn Märzen schafften bisher eine Monatstemperatur von über sieben Grad, davon entfallen fast die Hälfte (vier) auf die Jahre ab 2012. Allerdings finden sich in der jüngsten Historie auch zwei sehr kalte Vertreter – 2013 und 2018 gab es jeweils noch Dauerfrost in der zweiten Monatshälfte und im vergangenen Jahr in den ersten Tagen sogar dickes Treibeis auf der Weser. Davon blieben wir in diesem März weit entfernt, der über weite Strecken deutlich überdurchschnittlich temperiert war und nur an wenigen Tagen und dann nur geringfügig unter die langjährigen Mittelwerte rutschte. Frost gab es nur an drei Tagen, das Minium lag gerade einmal bei -2 °C, nachdem es 2018 noch bis auf fast -11 Grad in den Keller gegangen war.

Während die hohen Temperaturen eine Konstante waren, zeigte sich in den beiden Monatshälften ein sehr unterschiedlicher Wettercharakter. Die ersten zweieinhalb Wochen standen ganz im Zeichen kräftiger Tiefdruckgebiete aus Westen und Nordwesten, die mit feuchter Luft viel Regen brachten, so dass das Monatsmittel bereits zur Halbzeit erreicht war und die Weser vorübergehend über die Ufer trat. Aufgrund der überwiegend trockenen letzten zwei Wochen lag die Niederschlagssumme in Bevern mit 79,2 mm dennoch nur gut 6 mm oder 8,8% über dem Mittelwert von 1981-2010. Die Sonne fand zunächst kaum Lücken in der dichten Wolkendecke und schaffte nach über zwei Wochen gerade einmal 16 Stunden in Summe – weniger als je zuvor in der lokalen Wettergeschichte, die für diesen Messwert bis 1951 zurückgeht. Anschließend gab es zwar eine Aufholjagd in der zweiten Monatshälfte, die aber weniger markant ausfiel als im Februar, so dass die Sonnenscheinsumme am Ende mit 91 Stunden rund zwölf Stunden oder 11,5% niedriger ausfiel als im Klimamittel.

Dafür spielte der Wind eine deutlich größere Rolle als zuletzt: Bis Monatsmitte zogen mehrere Stürme über die Region hinweg – am heftigsten schlug „Eberhard“ am 10.03. zu und sorgte für eine Reihe von Einsätzen von Feuerwehr und Polizei im Landkreis. Mehrere Straßen, darunter die B497 in den Solling, mussten vorübergehend gesperrt werden. Das Hauptsturmfeld zog aber südlich durch (die DWD-Stationen Göttingen und Warburg meldeten mit 117 bzw. 109 km/h orkanartige Böen, nach Norden hin waren es „nur“ Sturmböen), so dass sich die Schäden im Solling im Vergleich zu Orkan Friederike im Januar 2018 zum Glück in Grenzen hielten.  Mehrere kurze Gewitter rundeten diese turbulente Witterungsphase ab.

In den höheren Lagen, vor allem im Hochsolling um Silberborn, schaute hinter der Kaltfront des Sturmtiefs Eberhard noch einmal der Winter vorbei. Zwar gingen die Niederschläge sogar bis in die Niederungen in Schnee über, eine Schneedecke konnte sich im Wesertal auf den warmen Böden und bei Temperaturen von drei bis vier Grad aber nicht ausbilden. Anders im Solling, der sich nach wiederholten Schneefällen am Montag (11.03.) bei Werten um den Gefrierpunkt in eine weiße Winterlandschaft verwandelt hatte. In Silberborn lagen zum Mittag verbreitet zwölf Zentimeter und damit mehr als im Winter, der maximal acht Zentimeter zu bieten hatte. Doch bereits am Dienstag setzte Tauwetter ein und brachte den Schnee rasch wieder zum Verschwinden. Somit fiel auch dort der ganz überwiegende Teil der Niederschläge als Regen, doch im Gegensatz zum Standort Bevern gab es in Silberborn sogar ein Defizit: Im Kurgarten wurden 85,5 mm gemessen und damit knapp 12% weniger als im Mittel der Jahre 1981-2010. Auch die Temperaturbilanz fiel diesmal im Vergleich ein Stück niedriger aus: Mit einer Mitteltemperatur von 4,9 °C war es zwar auch im Hochsolling deutlich wärmer als im Durchschnitt, der dortige Klimawert wurde aber nur um 2,0 Grad übertroffen – in Relation zur Abweichung in Bevern also um ein halbes Grad weniger. Im Februar war noch der umgekehrte Effekt beobachtet worden, weil höhenwarme Hochdruckgebiete für Inversionslagen gesorgt hatten. Im März dominierten aber vor allem in den ersten Wochen in der Höhe und mittleren Lagen kältere Luftmassen mit kräftigerer Durchmischung und entsprechend stärker ausgeprägtem vertikalen Temperaturgradienten.

Deutlich ruhiger ging es dann nach Monatsmitte zu. Die zyklonale Westlage wurde abgelöst durch eine Hochdruckbrücke über Mitteleuropa mit mehreren trockenen Tagen in Folge und zunehmendem Sonnenschein sowie erstmaligem Überschreiten der 20-Grad-Marke in Bevern am 22.03. Anschließend verlagerte sich der Hochdruckschwerpunkt nach Westen Richtung Britische Inseln und machte vorübergehend den Weg frei für kühlere und feuchtere Nordseeluft mit etwas Regen, bevor sich der Hochdruck erneut über dem Kontinent ausbreiten konnte und für einen sonnigen und trockenwarmen Start ins letzte Wochenende sorgte, an dem die Vegetation sichtbare Fortschritte machte. So öffneten zum Beispiel die Magnolienbäume ihre Blüten und die Zierkirsche stand in Vollblüte – zumindest in den tieferen Lagen. Bis der Frühling auch weiter oben richtig durchstartet, wird es wohl noch etwas dauern und ein plötzlicher Übergang zu frühsommerlichen Temperaturen bereits in der zweiten Aprilwoche ist anders als im Vorjahr diesmal nicht in Sicht.

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2019_03_Übersicht_Silberborn2019_03_Diagramm_Silberborn

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Am Abend vor dem Blitzer-Marathon…

… im Straßenverkehr am heutigen Mittwoch blitzte es bereits am Dienstag an verschiedenen Orten in Deutschland am Abendhimmel. Die Gewitter machten zwar einen Bogen um unsere Region, doch ein Stück weiter südöstlich in Göttingen gab es das erste beeindruckende Naturschauspiel des Jahres. Thomas H. gelang dieser schöne Volltreffer mit der Kamera von seinem Balkon aus, den er nicht nur im Forum der Wetterzentrale postete, sondern auch diesem Blog zur Veröffentlichung zur Verfügung stellte. Dafür ganz herzlichen Dank, verbunden mit einem Glückwunsch und der Hoffnung, dass es viele weitere tolle Wettermotive in diesem Sommerhalbjahr geben möge, vielleicht ja auch bei uns vor Ort – und wenn nicht, leihen wir uns gerne weitere so sehenswerte Eindrücke aus dem tiefen Süden des Bundeslandes aus!

Aprilgeblitze

Foto: Thomas H. am 02.04.2019

Nachtrag 22:46 Uhr: Seit einer halben Stunde, kurz nach dem Eintrag, blitzt und donnert es auch hier – fast wie auf Bestellung! Dazu gab’s in kurzer Zeit fast 8 mm Regen und noch immer zuckt es am Himmel mit akustischem Nachhall – eine schöne Überraschung an diesem Pokalabend.

Der erste warme Tag des Jahres

Erstmals in diesem Jahr wurde heute an der DWD-Station in Bevern die 20-Grad-Marke geknackt. Das Maximum lag gegen 16:40 Uhr bei 20,6 °C.  Im vergangenen Jahr ließ sich der erste Zwanziger noch bis zum 7. April Zeit – bildete aber dann den Auftakt zum wärmsten Sommerhalbjahr seit Messbeginn. Am schnellsten ging es 2014, als zum ersten und bisher einzigen Mal bereits in der ersten Dekade, genauer am 9. März, ein warmer Tag erreicht wurde (21,0 °C). Am längsten, zumindest was die Zeitreihe ab 1951 angeht, musste man im Frühjahr 1979 warten, als erst der 9. Mai ein Erreichen bzw. Überschreiten der 20er-Marke brachte. Damals lagen die Höchstwerte in der ersten Maiwoche mehrfach sogar nur um sieben Grad.

Trübste erste Märzhälfte seit Messbeginn

Nimbostratusgewölk soweit das Auge reicht, tiefe Pfützen und eine mittlerweile bis zum Rand gefüllte Weser – so präsentierte sich die Kreisstadt ihren Bewohnern und Besuchern (nicht nur) am Samstagvormittag. In der seit nunmehr gut zwei Wochen anhaltenden „Schietwetterphase“ mit täglichen Regenfällen und mehreren Sturmfeldern schaffte es die Sonne kaum einmal, eine Lücke in der dichten Wolkendecke zu finden – und dadurch bekommt auch diese kleine Wettergeschichte ihre Besonderheit: Hinter uns liegt die sonnenscheinärmste erste Märzhälfte seit Messbeginn 1951. Ganze 16 Stunden – im Schnitt also nur eine pro Tag – sammelten sich mühsam an den umliegenden Stationen des Deutschen Wetterdienstes, nach Westen hin sogar noch weniger.
1981 war es zuletzt ähnlich trüb in den ersten zwei Märzwochen, damals wurden – noch direkt vor Ort in Holzminden – etwas über 17 Stunden gemessen. Vor 38 Jahren gab es übrigens auch den bisher regenreichsten März der lokalen Wettergeschichte mit fast 163 mm.
Doch auch fast ohne Sonnenschein und anders als es einem angesichts des „Usselwetters“ gefühlt vorgekommen sein mag, fällt die Temperaturzwischenbilanz (wieder einmal) sehr mild aus: Mit 7,0 °C war es an der DWD-Station in Bevern um fast drei Grad wärmer als im Mittel der Jahre 1981-2010. Während es tagsüber nicht mehr so warm wurde wie noch Ende Februar, sorgten milde und fast durchgehend frostfreie Nächte für einen mittlerweile nachhaltigen Vegetationsbeginn. Die in der Agrarmeteorologie verwendete Gründlandtemperatursumme (GTS) erreichte in den tiefen Lagen unserer Region den hierfür wichtigen Schwellenwert von 200 ungewöhnlich früh bereits am 8. März. Das Resultat sieht man beim Blick in die Natur: Das Grün bricht derzeit aus so manchen Zweigen und setzt seine Farbtupfer in diesem bisher so grauen März.

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Fürchte nicht den Schnee im März…

… drunter schlägt ein warmes Herz – jedenfalls wenn man dieser Bauernregel Glauben schenkten mag, was vor einem Jahr durchaus berechtigt war, denn auf den überwiegend spätwinterlichen März mit Schnee und Frost folgte Rekordwärme im April und im Mai. Aber auch ohne solche langfristigen Ambitionen ist der heutige Tag einen Eintrag wert, brachte er doch im Solling die höchste Schneedecke des bisherigen Winterhalbjahrs. Mit 12 cm an der Station im Silberborner Kurgarten wurde die Bestmarke des meteorologischen Winters von acht Zentimetern jedenfalls deutlich übertroffen, an einzelnen Stellen waren es aufgrund von Verwehungen sogar über 20 cm. Der Rekord von vor 31 Jahren spielt mit 79 cm zum Ende der ersten Märzdekade 1988 allerdings noch einmal in einer ganz anderen Liga.
Lange halten dürfte sich die weiße Pracht aber nicht, schon ab Dienstag stehen auch im Solling wieder Tageswerte deutlich über dem Gefrierpunkt an und dazu kommt erneut Wind und Regen auf.
Das gestrige Sturmtief Eberhard sorgte für eine Reihe von Einsätzen von Feuerwehr und Polizei in der Region, mehrere Straßen, darunter die B497 in den Solling, mussten vorübergehend gesperrt werden. Das Hauptsturmfeld zog aber südlich durch (die DWD-Stationen Göttingen und Warburg meldeten mit bis zu 117 bzw. 109 km/h orkanartige Böen), so dass sich die Schäden im Solling im Vergleich zu Orkan Friederike im Januar 2018 in Grenzen hielten.

Spitzenböen der DWD-Stationen im Umkreis am 10.03.2019:
Göttingen (167 m): 117 km/h
Warburg (236 m): 109 km/h
Northeim-Stöckheim (109 m): 100 km/h
Lügde-Paenbruch (258 m): 91 km/h
Alfeld (144 m): 86 km/h
Hameln (68 m): 73 km/h

Eindrücke vom Spätwinterbesuch im Solling am 11.03.2019:

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Nur 2007 und 2008 gab’s noch weniger Schnee

Rückblick auf den Winter 2018/2019 an der DWD-Station Bevern

Temperaturrekorde in der zweiten Februarhälfte und so wenig Schnee wie kaum einmal zuvor prägten den Winter 2019 im Oberwesertal. In der Messreihe ab 1934/35 gab es zwar immerhin neun noch mildere Winter, aber in der Bilanz der Schneedeckentage belegt der 2019er den drittletzten und bei der maximalen Schneehöhe den vorletzten Platz. Ganz hinten rangiert der einzige bisher schneelose Winter 2008, gefolgt von dessen rekordmildem Vorgänger 2007, der es aber immerhin auf einen Tag mit 2 cm brachte, während es diesmal die Mindesthöhe von 1 cm war, die zweimal morgens gemessen wurde – am 25.01. als aufgerundeter Wert und am 26. als gerade dahin tauender Matsch. Früher war mehr Lametta – zumindest in Sachen Schnee eine recht zutreffende Beschreibung der Situation.

Der meteorologische Winter 2018/19 lässt sich wohl am einfachsten so zusammenfassen: Er bestand aus einem Dezember und einer ersten Januarhälfte auf durchschnittlichem Novemberniveau sowie einem Februar auf leicht überdurchschnittlichem Märzniveau, unterbrochen von einer zweiten Januarhälfte auf Januarniveau, die dann auch die wenigen wirklich winterlich anmutenden Tage mit etwas kräftigeren Frösten nachts und ein paar Tagen Dauerfrost in den Niederungen brachte. Die Mitteltemperatur lag an der DWD-Station in Bevern bei 3,75 °C, was einer Abweichung vom Mittel der Jahre 1981-2010 von fast genau 2 Grad entspricht. Gegenüber dem noch gültigen WMO-Referenzmittel von 1961-1990 betrug der Temperaturüberschuss sogar 2,6 Grad, während es im Vergleich zum gleitenden Mittel der letzten 30 Jahre etwas über 1,4 Grad waren – an diesen Zahlen sieht man deutlich die Erwärmung der vergangenen gut 30 Jahre.

Die Niederschlagsbilanz fiel aufgrund der sehr trockenen Phase nach dem 10. Februar fast ausgeglichen aus, am Ende blieb mit 230,8 mm ein leichtes Plus von gut 4% gegenüber dem Mittel der Jahre 1981-2010. Die Sonne zeigte sich in den ersten elf Wochen des Winters nur wenig, in den letzten zwei dagegen umso mehr – macht unterm Strich mit 180 Stunden sogar ein recht deutliches Plus von über 22%.

Im Minus landeten im langjährigen Vergleich alle Kälteindikatoren, vor allem die Anzahl der Eistage mit vier (die 30-Jahresmittel liegen je nach gewählter Periode zwischen 12 und 17 Tagen und der Mittelwert aller Winter der Messreihe bei 15) und der Kältesumme mit 33,9 (30-Jahres-Mittel zwischen 85 und 122, Gesamtmittel 105). Nur leicht unterdurchschnittlich war dagegen die Anzahl der Frosttage mit 40 und der Bodenfrosttage mit 52, hier wirkten sich neben der kalten zweiten Januarhälfte vor allem die Hochdruckphasen mit ihren regelmäßigen, gleichwohl durchweg leichten Nachtfrösten aus. Das absolute Minimum lag mit -9,2 °C sowohl außerhalb des Bereichs für strengen Frost (ab -10 °C) als auch deutlich über den langjährigen Mittelwerten, die sich um -14 °C für den Tiefstwert eines Winters bewegen, beim Maximum wurde wie bereits erwähnt am vorletzten Februartag mit 18,5 °C ein neuer Rekord aufgestellt (zuvor 17,9 °C am 29.02.1960), das mittlere höchste Maximum eines Winters liegt bei etwas unter 14 °C.

Winter 2019_Übersicht

Winter_1935-2019_Temp
In der nun 85 Winter umfassenden Messreihe war es der zehntwärmste
Winter_1935-2019_RR
Die Niederschlagsbilanz fiel ausgeglichen aus
Winter_1952-2019_SHK
Beim Schnee hingegen ist der Balken kaum sichtbar
Winter_1935-2019_Abweichung
Die Abweichungen vom Mittelwert der Gesamtmessreihe. Farbig hervorgehoben sind solche, die oberhalb der einfachen Standardabweichung liegen, der rekordkalte Winter 1963 schaffte exakt die dreifache Standardabweichung und gilt daher auch statistisch als Extremereignis

 

Vorfrühling und neue Temperaturrekorde statt Schnee und Eis

Rückblick auf den Februar 2019 an der DWD-Station Bevern

Der dritte und letzte meteorologische Wintermonat geht als sonnig, trocken und sehr mild in die regionale Klimastatistik ein. In der Messreihe Holzminden/Bevern war es der zwölftwärmste Februar seit Aufzeichnungsbeginn 1935 und zudem einer der sonnigsten. Hauptverantwortlich dafür war die zweite Monatshälfte mit den beiden kräftigen und höhenwarmen Hochdruckgebieten Dorit und Frauke, die für viele Sonnenstunden und ungewöhnlich hohe Tagestemperaturen bis hin zu neuen Februarrekorden am 27. sorgten. Die Kehrseite der Medaille waren ein erneutes deutliches Niederschlagsdefizit und – zumindest aus Sicht von Winterfans – die fast durchgehende Abwesenheit von Winterwetter, in den Niederungen beendete ein komplett grüner Februar einen der drei schneeärmsten Winter seit Aufzeichnungsbeginn.

Mit einer Mitteltemperatur von 4,6 °C war es an der DWD-Station in Bevern im Februar 2019 um 2,8 Grad wärmer als im Durchschnitt der Jahre 1981-2010. Nach einem Start auf jahreszeitüblichem Niveau ging es zum Ende der ersten Woche vor allem mit den nächtlichen Tiefstwerten aufwärts. Frost spielte bis kurz vor Monatsmitte keine Rolle mehr und auch tagsüber war es relativ mild. Viele Wolken und wenig Sonnenschein hinterließen ein trübes Gesamtbild, das schon weite Teile der beiden Vormonate geprägt hatte. Der Spätwinter schien seinem Ende unentschlossen und unspektakulär entgegenzudümpeln und auch das Hochdruckgebiet Dorit, das zur Monatsmitte die Wetterregie in Mitteleuropa übernahm, schien eigentlich wenig geeignet, daran etwas zu ändern. Zwar zeigten die einschlägigen Apps zu diesem Zeitpunkt viele sonnige Tage in den Vorhersagen, doch waren durchaus Zweifel angebracht: Erfahrungsgemäß unterschätzen diese vollautomatischen Vorhersagesysteme bei Hochdruckwetterlagen im Winterhalbjahr die Bewölkung häufig deutlich, da Prozesse in der Grundschicht und knapp darüber nur unzureichend abgebildet werden. Mit anderen Worten: Ein windschwaches, stationäres Hoch über Deutschland Mitte Februar führt üblicherweise zu einer kalten Grundschicht und einer kräftigen Bodeninversion, die zudem Nebel und Hochnebel gerade in Flusstälern begünstigt.

Doch davon war zur Überraschung vieler Beobachter diesmal nichts zu sehen: Zwar bildete tatsächlich eine Bodeninversion aus, sowohl unter Dorit als auch unter dem nachfolgenden Hoch Frauke, das sich nach kurzem Tiefdruckeinfluss ab 23.02. bei uns festsetzte, doch beschränkte sich diese auf leichten Nachtfrost und kalte Morgenstunden. Nebel blieb völlig aus und so schaffte es die Sonne ab den späten Vormittagsstunden auch die bodennahe Schicht deutlich zu erwärmen. Zwar wurde es mit Sonnenuntergang mess- und spürbar rasch deutlich kühler, dennoch sorgten die warmen Nachmittage zum Monatsende für einen in dieser Form zu dieser Jahreszeit in der Region bisher noch nicht beobachteten Temperaturverlauf: Tage mit Werten von über 15 Grad waren bisher im Februar Wetterlagen mit kräftiger Warmluftadvektion aus Südwesten oder Süden vorbehalten geblieben. Ein Grund für die ungewöhnliche starke Erwärmung und vergleichsweise schwache nächtliche Abkühlung dürfte darin zu finden sein, dass große Landflächen Mitteleuropas abseits der Gebirgslagen schneefrei waren und so keine eigenständige Kaltluftproduktion in Gang gesetzt wurde, wie sie bei Winterhochs häufig auftritt. Dennoch bleibt unterm Strich neben einer Reihe von neuen Tageshöchstwertrekorden inklusive des neuen Monatsrekords von 18,5 °C vom 27.02. die Frage, wie es unter diesen Rahmenbedingungen so früh im Jahr so warm werden konnte, nur unzureichend geklärt. Auch die Wettervorhersagen, egal ob von Menschenhand oder aus dem Modellcomputer, lagen in diesen Tagen bei den Höchstwertprognosen regelmäßig um drei Grad zu niedrig.

Die beiden Antizyklonen Dorit und Frauke (2019 tragen die Hochdruckgebiete weibliche Namen) sorgten zudem für einen neuen Sonnenscheinrekord in der zweiten Monatshälfte: Ab dem 15. Februar wurden 91 Stunden registriert – weit mehr als der langjährige Durchschnitt des Gesamtmonats von 68 Stunden. Zusammen mit den 22 Stunden der weitgehend trüben ersten Hälfte brachte es der Februar auf insgesamt 113 Stunden, das ergibt zwei Drittel mehr als im Klimamittel und den möglicherweise zweitsonnigsten Februar seit Messbeginn 1951 nach 2003. Möglicherweise deshalb, weil die Datenlage in der Region beim Sonnenschein nicht so belastbar ist wie bei Temperatur und Niederschlag. 1959, 1975 und 1985 finden sich ähnlich sonnige Februarwerte in der Umgebung wie in diesem Jahr.  Außergewöhnlich war zudem, dass es gleich neun Tage während der beiden Hochdruckphasen schafften, die astronomisch mögliche Sonnenscheindauer nahezu oder gar vollständig zu erreichen – die einzigen Wolken, die sich in diesen Tagen gelegentlich am Himmel herumtrieben, waren hohe dünne Schleierwolken (Cirren), durch die die Sonne noch gut hindurchscheinen konnte

Wo viel Sonne ist, da findet sich meist nur wenig Niederschlag – so auch in diesem Februar, der zwar nicht ganz so trocken abschloss wie sein Vorgänger 2018, aber dennoch die 30-Jahres-Mittel klar verfehlte. In Bevern kamen 25,1 mm bzw. 41,8% zusammen, wovon ein Großteil auf den 10.02. mit 17,5 mm entfiel. Entsprechend hoch war die Anzahl der komplett trockenen Tage mit 18.

Februar_2019_Monatsübersicht

Februar_ 2019_TT
Temperaturrekorde…
Februar_2019_RR+SSD
… und Sonnenscheinrekorde in der zweiten Monatshälfte

Februar_2019_TxFebruar_2019_Tm

Februar_ 2019_Tx_hist
Mehrere neue Tagesrekorde – und ein neuer Februarrekord am 27.
Februar_1935-2019_Temp
Elfmal war es bisher wärmer im Februar, meist dagegen kälter
Februar_1935-2019_RR
Nicht so trocken wie 2018, aber deutlich unter dem Durchschnitt beim Niederschlag

 

 

Mild, am Ende sonnig und wenig Schnee

Rückblick auf den Winter 2018/2019 an der Station Silberborn

Deutlich wärmer als im langjährigen Mittel war der meteorologische Winter 2019 im Hochsolling. Dazu gab es bis zum Ende der ersten Februardekade viel Niederschlag, der meist als Regen fiel, und wenig Sonnenschein, bevor die Umstellung auf eine höhenwarme, trockene und sehr sonnige Hochdrucklage dafür sorgte, dass der Winter am Ende über 20% mehr Sonnenschein brachte als im Durchschnitt.
Für Schneeliebhaber war es dagegen weitgehend ein Winter zum Vergessen: Zwar konnte an insgesamt 25 Tagen eine Schneedecke gemessen werden, aber die Abschnitte währten meist nur recht kurz und vor allem fehlte es an der Menge bzw. Höhe – an nur einem Tag wurde die maximale Höhe von 8 cm gemessen, sonst waren es meist höchstens 5-6 cm – zu wenig für gespurte Loipen und Skilanglauf. Dabei war die Großwetterlage sogar relativ günstig für einen schneereichen Winter in einer Mittelgebirgslage, denn häufig strömte feuchte Luft mit Niederschlägen aus Nordwesten oder Norden ein, doch diesmal war das Temperaturniveau oft um 1-2 Grad zu hoch, so dass sich meist erst ab ca. 700 m eine mächtigere und länger haltende Schneedecke ausbilden konnte – für den Solling lag die Grenze zwischen Schmuddel und weißer Pracht oft um 200 m zu hoch. Immerhin reichte es in der letzten Januar- und ersten Februardekade zu einem etwas längeren Abschnitt mit Schnee und Frost. Doch die Zahlen sprechen letztlich für sich, nicht nur beim Schnee: 14 Eistage mit Dauerfrost, 44 Frosttage und eine Kältesumme von 65,2 Kelvin liegen in etwa im bzw. ein Stück unter dem Klimamittel- des gut 300 m tiefer gelegenen Wesertals wohlgemerkt. Für den Hochsolling sind es dagegen deutlich unterdurchschnittliche Werte.
Immerhin konnte die lange trockene Phase des Vorjahrs genau mit Beginn des Winters beendet oder zumindest für gut zwei Monate unterbrochen werden, doch reicht die gefallene Menge (noch) nicht aus, um Entwarnung für die Sollingwälder geben zu können. Immerhin blieben in diesem Winter stärkere Sturmereignisse aus.

2019_Winter_Übersicht_Silberborn